Pets 2

HELDEN FÜR ALLE FELLE

5/10

 

pets2© 2019 Universal Pictures Germany

 

LAND: USA 2019

REGIE: CHRIS RENAUD

MIT DEN STIMMEN VON (DEUTSCHE FASSUNG): JAN JOSEF LIEFERS, FAHRI YARDIM, DIETMAR BÄR, JELLA HAASE, STEFANIE HEINZMANN, DIETER HALLERVORDEN, FREDERICK LAU, MARIO BARTH U. A.

 

Da sind sie wieder, die Hunde, Katzen und Nager aus dem futuristisch-fiktiven New York, wohnhaft in einem Ziegelbau mit Feuertreppe, quasi dem Stiegenhaus für Haustiere inkognito. Wir treffen abermals auf Max, Duke und auf das Kaninchen Snowball, das ein Doppelleben führt – nämlich das eines Superhelden in blauem Satin. Nicht zu vergessen die affektierte Katzendame Chloë die sowieso allen die Show stiehlt und fast schon Garfield Konkurrenz macht, in dem, was das leicht untersetzte Tierchen so für Allüren an den Tag legt. Allein wegen dieser Charakterzeichnung ist es wert, Pets 2 als Da Capo für den ersten Teil anzusehen. Und gibt es noch andere Gründe? Nunja, mal sehen – vielleicht. Aber nichts Offensichtliches. Denn Pets 2 stolpert angesichts seiner Vielfalt an liebenswerten Pelz-Individualisten über seine Ambition, jedem Tierchen seine Challenge zu schenken. Aus einem handfesten Abenteuer quer durch urbane Gefilde wie im Original aus 2016 wird eine lose Episodenrevue, die keine Eigendynamik besitzt, zwar viel und gerne die Eigenheiten von Stubentiger und Co durch den Kakao zieht, aber für einen abendfüllenden Trickfilm das Thema grundlegend verfehlt.

Wobei Regisseur Chris Renaud seine kleinen Alltagshelden, die mit diversen Änderungen klarkommen müssen und jede Menge neue Erfahrungen sammeln, abgöttisch zu lieben scheint. Vor allem Katzen. Und was sich so sehr liebt, das neckt sich. Katzen könnten sich also kompromittiert fühlen. Oder aber, wie es viel eher ihre Art zu sein scheint, dazu stehen, nicht wirklich der selbstlose Good Fellow zu sein wie es Hunde in einer gewissen devoten Hörigkeit nun mal sind. Vielleicht macht ihr täglicher Ego-Trip, wie es Jim Davis fetter oranger Kater so augenzwinkernd karikiert, diese handlichen Whiskas-Jäger so unwiderstehlich, weil sie ihren eigenen Schwächen nicht widerstehen können, was sie dann wieder so menschlich macht. Chloë ist da ein schillerndes Beispiel, da kann sich die alte Katze Crisabella aus Cats durchaus etwas selbstverliebter zeigen. Wie die graumelierte Fellbirne jeden Morgen ihren Lebensmensch zu wecken versucht, ist eines der Highlights des Filmes. Und generell sind es diese kleinen Momente tierischen Verhaltens, wie wir sie kennen, nur herrlich überzeichnet oder gar nicht mal so sehr. Und Tiere zu karikieren ist wohl die dankbarste Art, sich über andere lustig zu machen. Nicht als Häme, sondern als Liebeserklärung, weil Kabinettsneurotiker wie diese uns so sehr ans Herz wachsen können. Vom Wellensittich bis zum Neufundländer. Da gehört das Klischee der verschrobenen Katzenfrauen natürlich dazu.

Schade, dass Drehbuchautor Brian Lynch dem Illumination-Team nichts Besseres vorlegen hat können. Die meiste Zeit läuft Pets 2 dreigleisig, wir switchen zwischen den kleinen, grob skizzierten Abenteuern hin und her, und nur mit Biegen und Brechen finden diese Storylines am Ende zusammen, obwohl dieser Versuch gar nicht mehr notwendig gewesen wäre. Pets 2 erzählt keine Geschichte mehr, sondern mehrere, eignet sich daher perfekt für eine Fernsehshow a 20 Minuten – nicht aber für einen Kinofilm, der erstens nicht als Episodenfilm deklariert ist, und zweitens als solcher zu wenig Substanz hat. Da hätte man noch jede Menge Hirnschmalz hineinstecken können, eine wirklich tolle Geschichte finden wie es Disney mit z.B. Aristocats oder Susi & Strolch geschafft hat. Und nicht auf ausgediente Versatzstücke aus dem Minions-Archiv zurückgreifen müssen. Aber was soll´s, immerhin sind die süffisanten Tierportraits garantierte Lachnummern, Selbstläufer wie bereits bewiesen. Vielleicht ist das dem jüngeren Publikum ja genug, vielleicht setzen sie bei Pets 2 gar nicht mal so aufs Geschichtenerzählen. So knapp nach Schulschluss sind knuffige Eskapaden gebürsteten Fells die Bringer schlechthin. Für alle anderen stellt sich die Frage, wann sich denn die losen Enden der roten Fäden endlich aufrollen, damit die Katze damit auch spielen kann. Inmitten dieses fragenden Erwartens ist der Film dann auch schon wieder vorbei. Zumindest Tatz & Co haben sich dann jeder für sich selbst übertroffen. Ein Erfolg, den ich den Vierbeinern freilich gönne. Dem Film dahinter allerdings nicht so sehr.

Pets 2

Steig.Nicht.Aus!

RITT AUF DER KANONENKUGEL

4/10

 

steignichtaus© 2018 NFP

 

LAND: DEUTSCHLAND 2018

REGIE: CHRISTIAN ALVART

CAST: WOTAN WILKE MÖHRING, CHRISTIANE PAUL, HANNAH HERZSPRUNG, CARLO THOMA, EMILY KUSCHE U. A.

 

Im dritten Teil der Actionfilmreihe Lethal Weapon gibt es doch die Szene, in der Danny Glover alias Sergeant Roger Murtaugh bei der morgendlichen Notdurft Wind davon bekommt, dass unter dem Lokus eine Bombe platziert ist. Was darauf folgt, ist wohl die einzige Episode aus der Buddy-Cop-Actionreihe, die wirklich nachhaltig in Erinnerung geblieben ist. Alleine der Versuch der Exekutive, den Sprengsatz zu entschärfen und den Allerwertesten des kurz vor der Pension befindlichen Althasen zu retten, ist sowohl spannender Thrill als auch humorvolle Situationskomik. Der Vergleich der rund 20 Minuten langen Sequenz mit dem urbanen Bombenthriller Steig.Nicht.Aus! macht mich sicher: Christian Alvart´s Film spielt zwar mit der klaustrophobischen Enge eines stark begrenzten Raumes, entwickelt aber zu keiner Zeit jene kribbelnde Panik wie Roger Murtaugh mit herabgelassener Hose. Das liegt leider zum größten Teil an Wotan Wilke Möhring, der dem Anforderungsprofil seiner Rolle wenig Beachtung schenkt. Dabei soll es sich zum einen um einen zweifachen Familienvater, zum anderen um einen relativ ehrgeizigen, egomanischen Bauspekulanten handeln, der die Rechnung präsentiert bekommt, und zwar zu jener ungünstigen frühen Morgenstunde, in der er ausnahmsweise seinen Nachwuchs in die Schule bringen soll.

Was für ein Typ dieser Karl Brendt sein soll – das weiß Möhring eigentlich nie wirklich. Ehrgeizig? Skrupellos? Ein Charakterschwein? Liebt er seine Kinder und seine Frau, die ihm bis auf weiteres in der Rolle des Opfers keinen Glauben schenkt? Wie grenzgängerisch muss dieser Karl Brendt bislang gewesen sein, damit ihm seine Nächsten den Amokfahrer und Geiselnehmer überhaupt abkaufen? Das Verhalten des Hauptdarstellers erreicht in den aussichtslosesten Momenten, als der eigene Sohn im Auto verletzt wird, schon seine ohnmachtsanfällige Intensität, die aber gleich wieder einer überschaubaren Anspannung weicht, die ungefähr gleichzusetzen ist mit einer zähflüssigen Autobahnfahrt im Stau, wo alle Beteiligten den Umständen entsprechend leicht reizbar werden und es nicht abwarten können, dieser lähmenden Situation zu entkommen. Nach Bombendrohung sieht das Ganze nicht aus. Und so, wie sich die Dinge entwickeln, auch nicht nach einer schlüssigen Lösung des brandgefährlichen Problems.

Wenn der Schauplatz schon so eingeschränkt werden muss, dann hat das Drehbuch auch entsprechend knackig zu sein. In Anbetracht der reduzierten Schauwerte muss umso mehr das Schauspiel alle Register ziehen. Das fällt aber leider schwer. Selbst Hannah Herzsprung gibt ihrer dienstbeflissenen Zurückhaltung fast ein bisschen zuviel Nachdruck. Klar, Bombenentschärfer ist seit The Hurt Locker nicht wirklich ein Job, auf den man sich jeden Morgen beim Aufstehen freut – allerdings hätte Herzsprung´s Rolle ein bisschen mehr Emotion auch nicht geschadet. Die Figur des Bombenlegers und Erpressers ist wohl Christian Alvart´s größter Schnitzer, denn dessen vorerst scheinbar unendliche Überlegenheit lässt sich nicht wirklich plausibel erklären. Das sind nun Plot-Holes, die dem Armaturenbrett-Thriller mit Sicherheitsabstand hinterherhinken. Wirklich mitreißend sind eigentlich nur die Jungdarsteller Carlo Thoma und Emily Kusche, wobei mir letztere in Bully Herbig´s Fluchtdrama Ballon bereits positiv aufgefallen war. Für die beiden Sprösslinge entwickelt sich wirklich so etwas wie Mitgefühl, und ihr Leidensweg am Rücksitz kostet nicht nur dem Papa ein paar Nerven. Dafür lohnt es sich, Steig. Nicht. Aus! vielleicht eine Chance zu geben. Sonst aber ist der poröse Thriller umständlich konstruiert, auf allzu gewollte Unberechenbarkeit gepolt und im Spektrum seiner Handlungsmöglichkeiten viel zu sehr an den Haaren herbeigezogen.

Steig.Nicht.Aus!