Okja

AUF DEN SCHWEINEHUND GEKOMMEN

5/10

 

An Seo Hyun as Mija in OKJA© 2017 Netflix

 

LAND: USA, SÜDKOREA 2017

REGIE: BONG JOON-HO

MIT TILDA SWINTON, AHN SEO-HYEON, JAKE GYLLENHAAL, PAUL DANO, GIANCARLO ESPOSITO, LILY COLLINS U. A.

 

Wie heisst es doch so schön: Überwinde deinen inneren Schweinehund! Was sich aber jeder von uns wahrscheinlich irgendwann mal gefragt hat: Wie sieht denn so ein Schweinehund eigentlich aus? Und wäre es nicht besser, ihn bei sich aufzunehmen als loszuwerden? Die Antworten darauf hat womöglich der südkoreanische Filmemacher Bong Joon-Ho hier parat, leidet doch in seiner neuen Kinovision die Menschheit der nahen Zukunft unter akutem Versorgungsnotstand. Mit anderen Worten: das Fleisch wird knapp. Kein Problem, denkt sich da ein multinationales Unternehmen namens Mirando mit Sitz in den USA. Freudig offenbart die bis zur Selbstpersiflage grotesk entstellte Tilda Swinton bei einer Pressekonferenz die Lösung aller Probleme – mit dem eben erst entdeckten Superschwein, angeblich aus dem Dschungel Südamerikas. In Wahrheit aber eine gentechnisch hochgezüchtete Kreuzung aus Nilpferd, Nashorn und Dackel – wie ein Schwein sieht das Ungetüm nicht aus. Und viel größer ist es auch. Eines dieser extrem wohlschmeckenden Tiere weilt zur Aufzucht im Hochland Südkoreas, unter der Obhut eines Mädchens namens Mija. Dem treu dreinblickenden Waldelefanten mit den Hängeohren, der auf den Namen Okja hört, verleidet die selige Ruhe zwischen Bächen, Moosen und Bäumen ein Fernsehteam mitsamt Mirando-Anhang, die der sprichwörtlichen eierlegenden Wollmilchsau das Zertifikat des Superschweins verleihen wollen.

Klar, dass das ganze Tohuwabohu rund um dieses Allzweck-Vieh ordentlich Schweinereien hinterlässt. Ein medialer Trubel, der sich quer über den Globus bis nach New York spannt. Als bizarre Gallionsfigur Jake Gyllenhaal, der bis zum Exzess überzeichnet als Karikatur eines Steve Irwin die Nerven und den Selbstwert schmeißt. Ganz im Gegensatz zur kleinen Mija – das Mädel zeigt, wie Tierliebe wirklich aussieht, und wie man sich für seinen Schweinehund gebührend einsetzt, wenn es droht, abhanden zu kommen. Zum Glück oder Unglück ist da noch die Parodie sämtlicher Greenpeace-Aktivisten, die dem Gen-Terror das Wilde runterräumen wollen und das Superschwein als Köder in den Keller des Konzerns schicken. Somit sind alle möglichen, latent hysterischen Parteien am Laufen und Trudeln. Das liebevoll animierte Schwein schlägt sich wacker quer durch Seouls Straßen. In einem Film, bei dem Bong Joon-Ho sicher enorm viel Spaß gehabt haben muss.

Denn kopflastig ist Okja nicht geworden. Im Grunde ist es eigentlich ein Tierfilm, ja sogar eine Art Familienfilm, wenn man von einigen Gewaltspitzen absieht. Vorsetzen würde ich ihn meinem Nachwuchs trotzdem nicht. Dafür sind Joon-Ho´s Filme stilistisch viel zu fordernd. Wer seinen viel gerühmten Korea-Kassenschlager The Host kennt, weiß, wie sehr sich Joon-Ho´s Filme aus dem Fenster lehnen und sich selten um einheitlich emotionale Färbung scheren. Aber ganz genau das ist das Bemerkenswerte an diesem Kino aus Fernost. Sowohl schrillen Slapstick als auch gefühlvolle Momente bilden einen ineinandergreifenden Schulterschluss, verbunden durch das märchengleich Parabelhafte, dass seinen Werken inhärent ist. War The Host allein aufgrund seiner Sprache bemerkenswert, hat mich die Railway-Dystopie Snowpiercer komplett vom Hocker gehauen. Besser lässt sich zivilisationskritische Social-Fiction kaum auf die Leinwand zaubern. Klar ist die Erwartungshaltung folglich sehr hoch – und ich will nicht sagen, dass Okja im Vergleich dazu ziemlich enttäuscht. Doch das utopische Öko-Abenteuer rund um ein Mastvieh, das gerne in Glück und Zufriedenheit wie ein argloses Meerschwein durch den Tann streifen will und nicht darf, ist Joon-Ho´s bislang simpelster Film geworden. Kaum kontrovers, nur bedingt berührend, um nicht zu sagen tatsächlich etwas flach. Vielleicht ist der Genremix etwas wüst geraten, und soviel Lob für die bisherige Werkschau tut selten gut. Meist wirkt Okja so, als würde es mehr wollen, sich selbst aber im Weg steht und das Potenzial der Geschichte nicht ausschöpft.

Was zurück bleibt ist der schale Geschmack eines Abenteuers Marke Lassie oder Flipper, die Erinnerung an den x-ten Aufguss einer stereotypen Free Willy-Dramödie. Beim genauen Hinsehen ist es das aber nicht, es würde viel mehr Satire dahinterstecken, ohne allerdings hervorzutreten. Okja als schaumgebremste Tragikomödie zu bezeichnen hätte der starbesetzte Film im Grunde nicht verdient. Doch genau diese Essenz bleibt letztlich über, nebst den treuen Augen des dicken Dings, das den Film natürlich lohnt, wenn man Dickhäuter und Hunde mag. Klar, dass Okja keiner weggeben will. Würde ich auch nicht. Angesichts des holprigen Drumherums von Film allerdings wäre die Übersiedlung in einen spannenderen filmischen Kontext aber durchaus denkbar.

Okja

Downsizing

ZUR WELTRETTUNG NACH LILIPUT

6/10

 

downsizing© 2017 Constantin Film

 

LAND: USA 2017

REGIE: ALEXANDER PAYNE

MIT MATT DAMON. CHRISTOPH WALTZ, HONG CHAU, UDO KIER, KRISTEN WIIG U. A.

 

Die Welt steht vor dem Kollaps. Die schreckliche Konsequenz des Evolutionstheoretikers und Vordenkers Thomas Malchus zu Überbevölkerung Mitte des 18ten Jahrhunderts wird irgendwann mal tatsächlich wahr werden. In Alexander Payne´s neuem Film ist sie das bereits. Die Menschheit in all ihren Ballungszentren hat keinen Platz mehr. Unbesiedelte Regionen der Erde sind zurecht unbesiedelt. Wo es einem gefällt, da kann man sich längst nicht mehr niederlassen. Vor allem nicht in gewohntem Wohlstand. Um dieses Problem zu beheben – da gibt es einige Ideen. Manche davon sind so greifbar real wie das Geschwisterverbot aus Tommy Wirkola´s What happened to Monday?, die düstere Vision einer Ein-Kind-Gesellschaft, wie sie heute bereits in China der Fall ist. Manche wiederum sind so absurd und unmöglich wie in Downsizing.

Zu Downsizing fällt mir der Bestseller des Hypothetikers und Zeichners Randall Munroe ein. In What if? beantwortet der Science-Blogger in wissenschaftlicher Klarheit diverse unmögliche Fragen wie „Was wäre, wenn sich alle Menschen an einem Ort der Erde einfinden und gleichzeitig loshüpfen?“. Oder „Was wäre, wenn die Erde plötzlich aufhören würde, sich zu drehen?“ Eine dieser Fragen könnte somit auch lauten: „Was wäre, wenn sich ein Teil der Weltbevölkerung auf 12cm verkleinern würde?“ Auf diese bizarre Vorstellung hat aber diesmal nicht Munroe, sondern Alexander Payne die Antwort. Und er hat nicht eine Antwort, sondern gleich mehrere parat. Weil man so eine Frage ja nicht nur aus einem Blickwinkel beantworten kann. Da gibt es Feedback auf sozialer, ökologischer und wirtschaftlicher Ebene. Payne will alle zugleich beantworten. Das ist wiederum typisch für den Filmemacher. In seinem Familiendrama The Descendants, zu welchem er ganz so wie bei Downsizing auch selbst das Drehbuch verfasst hat, geht es auch nicht nur um eine Sicht der Dinge, um eine Botschaft oder um einen roten Faden. Payne mixt diverse Genres subtil ineinander. Mal wirken sie komisch, mal sehr ernsthaft, und plötzlich handelt der Film wieder von gänzlich anderen Dingen. Mag sein, dass seine Methode des Geschichtenerzählens vielen Zusehern als zerstreut erscheint. Alles anschneiden zu wollen, lässt keiner Perspektive die Chance, zur Gänze gesehen zu werden. Das trifft auch zweifellos auf Downsizing zu.

Denn im Grunde ist Downsizing ein Episodenfilm, der auf den ersten Blick nicht so aussieht wie einer. Das liegt schon allein daran, dass Payne seinen Film auch nicht in Episoden unterteilt hat – was aber dem Film besser bekommen hätte. Eigentlich sind es drei Teile. Der erste handelt von der allen physikalischen Gesetzen zum Trotz von norwegischen Wissenschaftlern entdeckten Möglichkeit, sich verkleinern zu lassen – zum Wohle der Umwelt und der eigenen Geldbörse – denn alles was kleiner ist, kostet weniger. Ist also eine augenzwinkernde, aber niemals scherzhaft gemeinte Utopie einer globalen Notbremse. Die zweite Episode spielt in Leasure Land, dem Land der Minikins (kann sich wer noch an die gelungen Serie aus den frühen Achtzigern erinnern?), in welchem unser lebensüberdrüssiger Paul „Matt Damon“ Safranek versucht, auch ohne seiner besseren Hälfte, die ihn im Stich gelassen hat, klarzukommen. Wie ist es, so groß wie eine Actionfigur zu sein? Und was für Nebenwirkungen schleichen sich ein? Weniger gesundheitlich, viel mehr sozialer Natur. Die dritte Episode spielt in Norwegen, im Herzen der Downsizing-Kommune, quasi in Liliput. Der letzte Akt ist es dann auch, der sich wieder betont mit der Zukunft der Menschheit beschäftigt – und mit der Prognose für die Gesamtheit des Lebens überhaupt. Das hat dann fast schon Endzeitstimmung. Und ich hätte nie gedacht, dass Downsizing eine solche Richtung nehmen würde. Denn Satire ist was anderes, davon ist Paynes Utopie weit entfernt.

Seiner Geschichte wohnt eine reizvolle Thematik zugrunde und ist nur von ganz subtilem Humor durchzogen, welcher der Ernsthaftigkeit eines unmöglichen Szenarios etwas mehr Leichtigkeit verleiht. Die hat der Film dringend notwendig, weil Payne´s Fokus auf manche Details so wirken, als hätte die Regie vergessen, sich rechtzeitig auszuklinken, um die Aufmerksamkeit wieder woandershin zu richten. Vieles verliert sich dadurch wie schon eingangs erwähnt als Fragment in den Hirnwindungen des Zusehers und hinterlässt offene Fragen.

Dennoch – Downsizing als (Alb)traum einer Menschheit im Puppenhaus-Format war es wert, verfilmt worden zu sein. Auch wenn die erwartete Farce gar keine ist.

Downsizing

Self/less

AUS DER HAUT GEFAHREN

5/10

 

selfless@ 2015 Copyright Shedding Productions, LLC

 

LAND: USA 2015

REGIE: TARSEM SINGH

MIT BEN KINGSLEY, RYAN REYNOLDS, NATALIE MARTINEZ U. A.

 

Jetzt muss ich mal kurz nachdenken. Da gab es doch vor einigen Jahren so einen Film, wie hieß der noch gleich? So eine Independent-Produktion mit Charaktermime Hans-Michael Rehberg, ein deutscher Science-Fiction-Film. Jetzt weiß ich es wieder – der Titel des Films war Transfer, Regie führte ein kroatischer Regisseur namens Damir Lukacevic, Entstehungsjahr 2011. Diesen Geheimtipp werden wohl nicht viele Filmfreunde kennen, oder doch? Wie auch immer: der Film zahlt sich tatsächlich aus. Transfer klingt wie der Titel eines Romans von Stanislaw Lem, ist aber eine ganz andere Geschichte. Nämlich eine, die in Tarsem Singh´s jüngstem Film Self/less ähnlich erzählt wird. Nur ist Transfer besser, viel besser. Da spielt Michael Rehberg einen betagten Senior, der gemeinsam mit seiner an Krebs erkrankten Gattin das Verjüngungskonzept Marke Körpertausch in Anspruch nimmt – von nun an leben beide Ichs im Körper eines jungen afrikanischen Paares, die ihre Körper aus Geldnot und um die Existenz ihrer Familie zu sichern, verkauft haben. Unterdrückt werden die ursprünglichen Seelen mit Drogen – einzig in der Nacht, wenn das frisch einquartierte, ursprünglich alte Ehepaar schläft, treten die wahren Eigentümer der Körper in den Vordergrund – und haben auch wieder die Macht über selbige. 

Transfer ist die spannende, anspruchsvolle Vision einer Zukunft des ewigen Lebens. Self/less beginnt ungefähr genauso – hier hat Ben Kingsley die Rolle des unheilbar kranken Millionärs, der in den mutmaßlich „freien“ Körper eines jungen Toten schlüpft. Und wie Hans-Michael Rehberg muss auch der nunmehr von Ryan Reynolds agile Jungspund zur täglichen Tablette greifen, allerdings nicht wissend, dass ein zweites Ich im Versandhaus-Körper schlummert. Erzwungenermaßen, wohlgemerkt. Die inhaltliche Auseinandersetzung mit physischen und geistigen ich-Zuständen sowie moderne Medizin und ewigem Leben hört ab diesem Zeitpunkt auch schon wieder auf. Was folgt, ist ein konventioneller Actionthriller mit nur dem Hauch einer technisch-utopischen Zukunfstvision. Und schauspielerisch sehr ums Mittelmaß kämpft. Vor allem Reynolds bemüht sich vergeblich, den Geist eines alten Mannes im Körper eines Mittdreißigers darzustellen. Und wenn man bedenkt, dass Self/less von niemand anderem als eben Tarsem Singh inszeniert wurde, ist die Verwunderung noch dazu relativ groß. Was ist nur aus der märchenhaften Bildsprache des indischen Filmemachers geworden? Soweit ich mich noch erinnern kann, waren der Psychothriller The Cell oder das Fantasy-Epos The Fall berauschende Bilderbücher für Erwachsene. Nicht zu vergessen Spieglein, Spieglein – eine exaltierte Schneewittchen-Interpretation voller extravaganter Kostüme und surrealer Bilder. Nun aber ist von dieser unverwechselbaren Handschrift nichts mehr geblieben.

Das könnte natürlich mehrere Gründe haben. Zum einen – die Produzenten wollten Singh als Regisseur und nicht als Künstler (dafür hätten sie auch jeden anderen x-beliebigen Fachmann engagieren können). Zum anderen – krasse Optik war bei Singh im Moment nicht angesagt. Soll es auch geben. Gab es sogar. Erinnert euch an The Straight Story von David Lynch. Ein gelungenes, wenn auch komplett unübliches Werk vom Meister der filmgewordenen Alpträume. Dennoch tippe ich eher auf die erste Möglichkeit. Aber egal, es ist in jeder Hinsicht schade, dass aus Self/less nicht mehr rauszuholen war.

Self/less

The Circle

PAPARAZZI-WELT

6/10

 

cricle

LAND: ARAB. EMIRATE, USA 2017
REGIE: JAMES PONSOLDT
MIT EMMA WATSON, TOM HANKS, JOHN BOYEGA, BILL PAXTON

 

Geheimnisse sind Lügen. Jeder Mensch hat das Recht, auch all das zu erleben, was der andere erlebt. Und wenn es nur Bilder sind. Oder verwackelte Videos. Und jeder hat das Recht, die ganze Welt zu sehen. Nicht mit dem Auto und nicht mit dem Flugzeug, sondern mit der Kamera. Die ist ungefähr so groß wie ein Augapfel und kann – kabellos und perfekt getarnt – überall platziert werden. Big Brother wäre blass vor Neid. Jeder will diese Kamera. Und alle machen mit. Wieder einmal hat das gigantomanische, selbstverliebte Online- und Social Media-Unternehmen The Circle mit den Plattformen TruYou und SeeChange den Vogel abgeschossen. Immer größer wird dieser Konzern, immer mehr Datenspeicher müssen her. Und immer mehr Menschen fallen der Droge des transparenten Lebens zum Opfer. Ungeachtet jeden Shitstorms. Denn im Circle gibt es nur Gutmenschen. Der größte Gutmensch ist ein gewisser Mr. Bailey, angenehm schmierig und selbstbeweihräuchernd dargestellt von Tom Hanks, der bereits schon in der Dave Eggers-Verfilmung Ein Hologramm für den König gefühlte Ewigkeiten lang auf den Scheich hat warten müssen. Dave Eggers ist es auch, der die literarische Vorlage zu The Circle geliefert hat. Eine im Grunde spannende, durchaus beklemmende und sehr zukunftsnahe Version eines Überwachungskonzepts, dass mit den Verlockungen der Bequemlichkeit das erlebnisorientierte Volk in eine von wenigen Reichen dominierten, abhängigen Dekadenz verfallen lässt. Diese Abhängigkeit macht den Circle zu einer Art Sekte, die auf Freiwilligkeit beruht. Entzieht man sich der sogenannten Gemeinschaft, folgt die Ächtung auf dem Fuß. Und wer will das schon – nicht mehr geliebt werden?

Dass wir Menschen nicht wirklich dafür geeignet sind, eine geschlossene Gemeinschaft zu bilden, ist kein Geheimnis. Es funktioniert ja nicht mal im Mikrokosmos einer Kommune, wo jeder jeden kennt und alle alles voneinander wissen. Dass in der heilen sozialen Welt, die wir dank der Medien den anderen aufdrängen, die dunkle Seite menschlicher Emotionen wie Egomanie, Eifersucht und Dominanzverhalten auf naive Weise ignoriert oder schöngeredet und in Form von Millionen von Kommentaren, die keiner braucht, anderen um die Ohren geworfen wird, ist nur die logische Konsequenz dieser trendigen gesellschaftlichen Form. Diese rosarote Brille trägt auch Ex-Hermine Granger Emma Watson. Anfangs himmelhochjauchzend, folgt nach einigen bizarren Vorkommnissen die blanke Erkenntnis, dass der gläserne Mensch sehr schnell in tausend Scherben zerfällt. Doch hat die engagierte Circle-Mitarbeiterin wirklich alles verstanden? Emma Watson macht den Eindruck, als würde sie nicht zur Gänze hinter die Kulissen blicken. Irgendwas stimmt hier nicht, soviel ist klar. Was genau das ist – diese Erleuchtung spiegelt sich im Gesicht von Mae Holland nicht wider. Dennoch gelingt am Ende durch einen raffinierten Kniff – der irgendwie nicht ihre Idee gewesen sein kann – das Unglaubliche.

Was The Circle alles an ausufernden Convenience-Apps und ausgeklügelten Gadgets entwickelt, ist heillos übertrieben. Allerdings auch ein bisschen beängstigend. Natürlich ist der Social-Fiction-Film eine überzeichnete Utopie, die immerhin mehr am Boden bleibt als ähnliche Filme dieser Art. Der Zuseher kann nachvollziehen, wie weit Facebook und Co gehen können. Und welchen Preis der User oder Nicht-User dafür bezahlt. Vor allem wenn der Zuseher weiß, wie Facebook und Co ohnehin schon funktionieren. Und wie unberechenbar diese Grauzone ist. Und wie gefährlich die Gier nach dem Privatleben anderer. Aus dieser Perspektive ist der Film faszinierend und lohnt sich, gesehen zu werden. Emma Watson, und auch John Boyega haben allerdings so ihre Geheimnisse. Und wir wissen ja: Geheimnisse sind Lügen.

The Circle