Ghost in the Cell (2026)

DIE AURA BEIM TANZEN

7,5/10


Das Ensemble sucht Gelassenheit in Ghost in the Cell
© 2026 Come and See Pictures


LAND / JAHR: INDONESIEN 2026

REGIE / DREHBUCH: JOKO ANWAR

KAMERA: ICAL TANJUNG

CAST: ABIMANA ARYASATYA, ENDY ARFIAN, BRONT PALARAE, MORGAN OEY, LUKMAN SARDI, DANANG SURYONEGORO U. A.

LÄNGE: 1 STD 46 MIN



Schon allein der Titel dieses mutigen Genremixes beweist, wie weit Joko Anwar zu gehen bereit war, um eine Groteske zu erzählen, die ohne expliziten Horror genauso wenig funktionieren kann wie ohne Humor. Ertragen lässt sich die Schlachtplatte nur mit Augenzwinkern, doch Anwar geht weit über diese Anforderung hinaus.

Hier zwinkert nichts, sondern gebärdet sich gleich mit ganzem Körpereinsatz. Denn die Gefangenen in einem Knast irgendwo in Jakarta, die ohnehin mit all den üblichen Machtspielchen klarkommen müssen, sehen sich mit einer Entität konfrontiert, die wohl bei einem Metzger in die Lehre gegangen sein muss. Menschlichen Ursprungs sind diese Gewaltakte alle nicht mehr. Blut und Beuschel werden zur Kunst, die die leiderprobte Gemeinde vor Herausforderungen stellt, die nur mit Methoden zu bewältigen sind, die ganz und gar nicht in das Alltagsbild eines Männergefängnisses passen.

Zeig mir, wie du dich fühlst

Eine der Methoden ist der Tanz. Ich will dabei nicht zu viel verraten, doch eines muss ich erklären: Um des Schreckens Herr zu werden, bedarf es einer Herangehensweise, die wohl jeden Finsterling völlig vor den Kopf stoßen würde. Dabei ist diese Monstrosität, dieser Geist oder der Dämon in den Zellen selbst mehr oder weniger abhängig davon, wie sich ihre Insassen fühlen.

Da gibt es Wahnsinnige, Gewaltbereite, Resignierende oder Kollaborierende, die ihr Fähnlein nach dem Wind flattern lassen. Da gibt es Opfer und Täter, ungewählte Mafiapaten und deren Türsteher. Dieses Biotop kennen wir aus vielen anderen Filmen dieser Art – doch was Joko Anwar damit macht, beweist diebische Freude am Experiment.

Da ist was faul im Inselstaat

Anwar ist in Indonesien längst eine große Nummer. Das Land, oder besser den Inselstaat, kenne ich selbst recht gut, war ich dort doch immer mal wieder unterwegs, um zu fotografieren. Ich kenne die Mentalität der Bevölkerung, ihre Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Ich habe auch gesehen, wie viel Kahlschlag die Insel Borneo ertragen muss, um einen Profit zu garantieren, der vom Staat selbst gebilligt wird, nur um ordentlich abzukassieren.

Dabei geht es diesmal gar nicht um Palmöl, sondern um das wertvolle Metall Nickel. Diesen Raubbau macht Joko Anwar zum Thema, begleitet von einer unverhohlenen Kritik an einem korrupten Regierungssystem, das Menschenleben und Natur gerne mal dafür opfert, um den Staatshaushalt zu sanieren. All das – all dieser Missstand und die Begebenheiten in diesem Gefängnis, das als Bühne für den Staat im Kleinen steht – gibt dem Fantastischen in diesem Film genug Stoff, um ein Gleichnis zu schaffen.

Wie kann der Horror nur so lustig sein?

Anwar bleibt konsequent kritisch, hat Mut zur Anklage, aber auch Mut, sich über die Willfährigkeit und die Unterwerfung seines Volkes lustig zu machen. Ghost in the Cell ist eine satirische Groteske vom Feinsten, deftig und brutal in ihrer Ausdrucksweise, liebevoll und geradezu zärtlich in ihrem Witz sowie narrenfrei und selbstbewusst agierend, ohne dabei irgendeine der Figuren zum Kasper zu machen, über den man lacht.

Wenn man nach dem Grauen dann aber doch noch lachen kann, dann kann man nicht anders. Es nicht zu tun wäre wohl dem Umstand geschuldet, kein Blut sehen zu können. Lässt sich der rabiate Bodyhorror aber in den Kontext der ganzen Geschichte setzen, wird man feststellen, dass Anwar ein großer Komödiant ist. Einer, der die Situationskomik so sehr beherrscht wie seinerzeit Blake Edwards. Die Rechnung würde nur halb aufgehen, wenn sich das Ensemble zu schade dafür wäre, seine Rollenbilder aufzudröseln und konterzukarieren. Dabei ist die Methode des Tanzes eine im tatsächlichen Umgang mit Arrestierten erfolgreich erprobte. Die nimmt Anwar sich zu Herzen, um zu zeigen, wie Wut, Hass, Aggression und Resignation ein Schreckgespenst beschwören, das nur zerstören will.

Ghost in the Cell ist ein Präventiv- und Rundumschlag gegen maligne Energien, gegen ein manipulatives System und eine den starren gesellschaftlichen Mustern unterworfene Haltung. Es wäre nicht Anwar, würde er dabei nicht auch noch für dermaßen gute Laune sorgen. Da braucht man selbst nicht mal mehr zu tanzen. Es sei denn, man spürt den Drang dazu. Um abzuschütteln, was uns kaputtmacht.

Ghost in the Cell (2026)

Hope (2026)

ALIENS MIT WUT IM BAUCH

5/10


Jung Ho-yeon als wehrhafte Polizistin in Hope
© 2026 Polyfilm


LAND / JAHR: SÜDKOREA 2026

REGIE / DREHBUCH: NA HONG-JIN

KAMERA: HONG KYUNG-PYO

CAST: HWANG JUNG-MIN, ZO IN-SUNG, JUNG HO-YEON, UM MUN-SUK, ALICIA VIKANDER, MICHAEL FASSBENDER, TAYLOR RUSSELL, CAMERON BRITTON U. A.

LÄNGE: 2 STD 40 MIN



Ein bisschen brennen die Zwiebeln. Letzten Sonntag ging das renommierte Slash Filmfestival nämlich zu Ende. Andererseits: Endlich wieder mehr Zeit, um sich anderem zu widmen, wie zum Beispiel dem Schreiben von Reviews. Ich gehe das Ganze chronologisch durch und bin eben bei Hope gelandet, dem wohl meist erwarteten Film des ganzen Festivals. Ein wuchtiges Action-Brett der Science-Fiction, uraufgeführt in Cannes und sehr bald auch regulär im Kino zu sehen.

Diese Erwartungshaltungen, die mit so manchen Werken einhergehen, ohne ihnen von der Seite zu weichen, legen auch ohne inszenierten Hype die Latte hoch – und oft passiert es, dass die Vorfreude einem gewissen Wohlwollen weicht, das mit einer Ernüchterung klarkommen muss, die man nicht wegreden kann.

Es muss nicht immer Metropolen treffen

Hope ist ein zweischneidiges Schwert, die eine Seite scharf geschliffen, die andere stumpf, und zwar so, als hätte man ausgiebig auf irgendetwas eingedroschen. Vom Eindreschen verstehen die fremdartigen Wesen in diesem Spektakel übrigens ziemlich viel. Und alles beginnt, als hätte Matt Reeves Cloverfield Sehnsucht nach dem fernen Osten.

Aller Anfang ist eine tote Kuh, die auf der Landstraße liegt. Wodurch dieses arme Nutztier das Zeitliche gesegnet hat, darauf kann sich keiner einen Reim machen. Nächstliegende Annahme: Ein Tiger treibt in den Wäldern sein Unwesen, doch das stellt sich als müder Versuch heraus, all das Unnatürliche zu erklären, das sich in niederschmetternden Ereignissen immer weiter und weiter hochschraubt.

Alle sind wir gleich schlau

Es gibt diese drei Ausgangslagen im Geschichtenerzählen – je nachdem, wovon sie handelt, kann das Publikum genauso viel wissen wie der Protagonist, weniger als dieser und deutlich mehr. Zu Beginn sind wir genauso schlau wie der um sein Leben rennende und keuchende und in totalem Extremzustand befindliche Polizeibeamte Bu-Seok, der seiner Pflichterfüllung auch unter widrigsten Umständen folgt.

Na Hong-Jin (The Yellow Sea, The Wailing – Die Besessenen) spielt – und das macht Monsterfilme wie diese so interessant – die Suspense-Karte aus. Er enthält uns den Aggressor lange Zeit vor – bis die Katze aus dem Sack hüpft und der atemlos inszenierte Wahnsinn mehrere Zähne zulegt. Was dem Filmemacher dabei gelingt, gerät zum Besten, was das asiatische Actionkino derzeit zu bieten hat.

Extraterrestrische Tobsucht

Diese geballten knapp 60 Minuten sind ein Schulbeispiel dafür, wie man Bewegung, Zerstörung und psychologisches Drama ineinander verzahnt, um eine Katastrophe nicht nur zu behaupten, sondern sie auch fühlbar werden zu lassen. Mit diesem Wow in Gedanken und auf den Lippen gelangt man aber nicht bis ganz an das Ende dieses energiegeladenen Reißers, der auf Kosten des Pacings gerade dann eine Pause einlegt, wenn sich viele dafür entscheiden, abzuspringen oder dranzubleiben. Sitzt man im Kino, bleibt man natürlich dran. Denn nicht nur Hope ist Schauplatz des Geschehens, sondern auch der Wald. Auf diese Weise zerfällt Hope in zwei Teile, die dann am Ende wieder zueinanderfinden, zwischendurch aber seltsam unverbunden wirken.

Gleich ein ganzes Universum

Na Hong-Jin hat sich sichtlich inspirieren lassen von anderen, international renommierten Filmemachern wie James Cameron, der mit seinem Avatar-Universum nun schon in die dritte Runde ging, und abgesehen von wieder mal grandiosen Schauwerten auf der Stelle trat. Na Hong-Jin, der seit 10 Jahren keinen Film mehr gemacht hat, dürfte diese Möglichkeit, ein ganzes Universum loszutreten, so sehr gereizt haben, dass nun das passiert ist: Ein vollkommen unfertiger erster Film, der ganz bewusst alles, was die Story zu erzählen hat, offen lässt. Wie das Fragment einer abgestürzten fliegenden Untertasse hängt dieser Science-Fiction-Himmelskörper zwischen den Ästen. Mit ihm all diese mächtigen, riesigen extraterrestrischen Gestalten, die ihr Äußeres verändern können und die in humanoider Gestalt von Alicia Vikander und Michael Fassbender gespielt werden, per Motion-Capture, wie Zoë Saldana und Sam Worthington auf dem Planeten Pandora. Selbst diese Kreaturen wirken teilweise unfertig, nicht ganz durchdacht. In tierischem Zustand gelingt das besser.

Die Ernüchterung kommt zum Schluss

Mit dieser Entscheidung und einer angerissenen Lore, die völlig sinnlos Minuten vor dem Ende tiefer in die Welt der Aliens eintauchen will, nimmt sich Hope die Chance, ein einmaliges und in sich rundes Kino-Phänomen zu werden. Wie eine Geode, die entzweibricht, erhalten wir nur eine Hälfte, bei der anderen ist nicht mal fix, ob sie sich noch finden lässt. Zweieinhalb Stunden wären Zeit genug gewesen, sich als Parabel auf menschliche Xenophobie zu konzentrieren. Stattdessen vergeudet Na-Hong-Jin immer wieder Zeit damit, das Actionfass zum Überlaufen zu bringen und sich mit den Verdauungsproblemen eines Augenzeugen aufzuhalten, nur um komisch zu sein. Fragt sich nur, wofür. Wofür dieses Timing?

Hope verpasst nicht den Absprung, sondern springt zu früh ab. Wohin die Reise ohne uns geht, bleibt unbekannt. Wie unbefriedigend, Dinge wie diese nicht zu Ende zu bringen.

Hope (2026)

No Other Choice (2025)

AM ARBEITSMARKT DA IST WAS LOS

7,5/10


© 2025 Filmladen Filmverleih


LAND / JAHR: SÜDKOREA 2025

REGIE: PARK CHAN-WOOK

DREHBUCH: PARK CHAN-WOOK, LEE KYOUNG-MI, LEE JA-HYE, DON MCKELLAR, NACH DEM ROMAN VON DONALD WESTLAKE

KAMERA: KIM WOO-HYUNG

CAST: LEE BYUNG-HUN, SON YEJIN, PARK HEE-SOON, LEE SUNG-MIN, YEOM HYE-RAN, CHA SEUNG-WON, YOO YEON-SEOK U. A.

LÄNGE: 2 STD 19 MIN



Warum nur widmet Park Chan-Wook diesen seinen neuen Film, der letztes Jahr schon auf der Viennale lief, einem Regiekapazunder wie Costa-Gavras, der seit den 70ern ausgesuchtes Politkino abliefert (stark in Erinnerung bleiben da Yves Montand in Das Geständnis und Jack Lemmon völlig untypisch als politisch Verfolgter in Vermisst)? Die Antwort: Einen Film wie No Other Choice gibt es bereits. Zumindest irgendwie. Es gibt ihn schon seit 2005 und nennt sich, unter der Regie von Costa-Gavras eben, Die Axt. Beide Filme sind keine Originaldrehbücher, sondern basieren wiederum auf Donald Westlakes schwarzhumorigem Sozialthriller aus der Arbeitswelt – ein Thema, das aktueller nicht sein kann. Und obendrein eine Story, die sich in der Umsetzung wohl so anfühlt, als hätten beide Filme, der von Costa Gavras und der von Park Chan-Wook, sowieso nichts gemeinsam.

Niemand macht’s wie Südkorea

Niemand macht Filme wie Park Chan-Wook. Niemand macht Filme außerhalb Südkoreas wie die Südkoreaner selbst. Hier findet sich ein Filmstil, den man entweder immer schon intus hatte oder den man einfach nicht erlernen kann, so sehr man sich auch anstrengt. Das ist das radikal Schöne, das radikal Interessante an diesen Filmen: Sie überraschen immer wieder und haben keinerlei Ambition, den Erwartungen ihres Publikums zu entsprechen, es sei denn, es gibt keine. Bei No Other Choice wissen wir nur, er handelt von einem Familienvater, wohnhaft in einem rustikal-modernen Anwesen nahe der Natur, dessen Hypothek schwer auf der Geldtasche der arbeitenden Erwachsenen liegt. Dieser Man-su hadert wie wir alle derzeit mit dem Finanziellen, und wie es das Schicksal eben will, reicht der Problemkontent zur Existenzkrise nicht aus: Der mehrere Jahrzehnte in der Papierherstellung arbeitende und erfahrene Kapazunder wird dank Firmenfusion ins Aus befördert. Kein Ding für einen erfahrenen Spezialisten, möchte man meinen. In drei Monaten könnte alles wieder unter Dach und Fach sein. Doch denkste: Der Traumjob offenbart sich nicht, stattdessen wittert Man-su die Chance, beim Konkurrenten neu anzufangen. Das aber nur, wenn die Mitbewerber überschaubar bleiben, im besten Fall gibt es keine. Man müsste nur ein bisschen nachhelfen, auf die unorthodoxe Art. Was Man-su auch tut. Und sich dabei in Turbulenzen verstrickt, die sich genau auf jenem schmalen Grat grotesk entfalten können, auf dem eben nur einer wie Park Chan-Wook seine Ideen balancieren kann.

Stilistisches Freidrehen

Jeder andere wäre da schnell ausgerutscht, abgerutscht, abgestürzt. Dieser Herr hier, dem wir Oldboy und die ganze Vengeance-Trilogie zu verdanken haben, passiert sowas nicht. Obwohl – hat man schon länger kein koreanisches Filmwerk mehr am Radar gehabt, könnte der Einstieg in diesen Arbeitsplatzbeschaffungswahnsinn keine gemähte Wiese mehr sein. Sondern durchaus ein etwas härter zu erarbeitender Brocken an stilistisch völlig undefinierter Kinokunst. Worauf man sich dabei einlässt? Keine Ahnung. Eine gewisse süßlich-kitschige Verklärtheit, die aber nicht als Satire verstanden werden will, so scheint mir, lässt No Other Choice mal ordentlich Atem holen. Die von westlichem Kino Verwöhnten werden dabei keinesfalls an der Hand genommen. Sie schlittern – und so auch ich – in eine stilistisch völlig entmilitarisierte Zone. Wohl eher mühsam, denke ich mir. Da war Park Chan-Wook schon mal besser. Oder doch nicht?

Irgendwann rangeln drei Parteien am staubigen Boden eines fremden Wohnzimmers um Schießeisen und Fassung. Wie Chan-Wook die Skurrilität der Situation einfängt, ist so weltfremd wie packend. Übertrieben expressives Spiel begegnet kriminalkomödiantischem Slapstick. Der weicht irgendwann wieder ernsten Unter- und Obertönen, lässt so völlig nebenbei die eigene Tochter zu einem Mysterium erstarken, während Papierfabrikant Man-su in völliger Verzweiflung zu verstörenden Methoden greift, um sein perfides Werk zu vertuschen. Die Genialität in No Other Choice liegt mitunter auch im steten Aufgreifen narrativer Versatzstücke, die ins Wechselbad völlig konträrer Tonalitäten gelangen. Da ist der neu gepflanzte Baum, da sind die Hunde, da ist das Vorstellungsgespräch im Gegenlicht. Bizarre Lächerlichkeit trifft auf tiefschwarze Melancholie. Und letztlich auf eine traurige Zukunft, die zumindest das familiäre Glück wie ein Beatmungsgerät auf einer Intensivstation am Leben erhält.

Obwohl ich Die Axt nicht kenne, wird No Other Choice garantiert der ganz andere Film sein. Ein ambivalentes, herausforderndes Vergnügen, das keine Probleme damit hat, lieber Konventionen aufzubrechen als alles perfekt zu machen.

No Other Choice (2025)

Bugonia (2025)

DIE BIENEN HABEN ES SCHON IMMER GEWUSST

7/10


© 2025 Atsushi Nishijima / Focus Features


LAND / JAHR: USA, SÜDKOREA, IRLAND 2025

REGIE: YORGOS LANTHIMOS

DREHBUCH: WILL TRACY, NACH DEM FILM VON JANG JOON-HWAN

KAMERA: ROBBIE RYAN

CAST: EMMA STONE, JESSE PLEMONS, AIDAN DELBIS, ALICIA SILVERSTONE, STAVROS HALKIAS U. A.

LÄNGE: 2 STD


Überall diese Muster

Wie schön es nicht ist, völlig belegfrei im Geflecht von Aktion und Reaktion, von Ursache und Wirkung auf diesem unseren Planeten Muster zu erkennen, wo keine sind. Besten Dank an dieser Stelle ans Gehirn! Einige unserer Mitmenschen sind wirklich gut darin und machen ihre Hausaufgaben, denn wenn man versuchen würde, manch gordischen Gehirnknoten zu lösen, dabei verzweifelt darum fleht, mit diesem Unfug aufzuhören, da Belegbares anscheinend nicht reicht – es würde nicht gelingen. Genauso wenig, wie sich die Existenz eines Gottes weder widerlegen noch beweisen lässt, lässt sich auch bei manch anderen Behauptungen nur schwer über den Tellerrand blicken. In diesem Vakuum aus Belegungsnotstand treibt die üppige Botanik gemeinsam mit unkurierter Paranoia herrliche Blüten, vom Ursprung der menschlichen Rasse, angetrieben durch die Intervention einer uns haushoch überlegenen außerirdischen Spezies über die Deep State-Bestrebungen, den Freimaurern, dem eigentlichen Zweck der Pyramiden (Danke, Roland Emmerich), der Qanon-Blutsaugern, natürlich den Chemtrails, der gefakten Mondlandung, der Biowaffe namens Covid bis zur aktuellen Streitfrage, ob Brigitte Macron nicht doch ein Mann ist – oder, viel schlimmer: vielleicht, wie Michael Jackson, ein Alien.

In Wahrheit ist Elch Emil auch nur ein als Elch getarntes biopositronisches russisches Vehikel, materialisiert in Polen, welches den Osten Österreichs ausgekundschaftet hat, Putin hat schließlich überall seine Augen, Ohren, Geweihe. Man kann bis zum Abwinken dahinschwurbeln, eine Systematik hinter immer wieder auftretenden Zahlen erkennen (die 23!) oder Beweise in der Schublade liegen haben, wonach die Erde in Wahrheit nämlich flach ist – wenn es dann tatsächlich Beweise geben sollte und die Schwurbler lägen richtig, wäre ihr Aufmerksamkeitsdefizit dann plötzlich nicht mehr so pflegebedürftig.

Wir sind nicht allein

In so einem irren Dunst der Wahnvorstellungen – und weil die Bienen es ohnehin schon immer gewusst haben und deswegen stiften gehen – reitet einer wie Jesse Plemons die aalglatte, toughe Geschäftsfrau Emma Stone in eine unangenehme Situation hinein: Schließlich soll sie wie Michael Jackson ein Alien sein, es gibt allerhand Indizien dafür, Wangenknochen, Vorbiss, et cetera. Die weite Reise vom Andromeda-Nebel auf sich genommen, soll sie mit einigen anderen ihrer Spezies die Menschheit längst infiltriert haben. Teddy, Plemons Figur, und der geistig etwas langsame Don haben alles von langer Hand geplant und bringen Michelle, so Emmas Figur, in ihre Gewalt. Eine Audienz beim Imperator will Teddy schließlich erzwingen, um sich der Schattenherrschaft der Aliens zu entledigen. Natürlich hat Michelle keine Ahnung, doch wie belegt man bei einem Verschwörungstheoretiker wie diesen denn die Fakten, ohne dass die Sache nach hinten losgeht? Richtig, nämlich gar nicht. Wie im Laufe dieser unglaublichen Entführung der verrückten Mrs. Stone ebenjene versucht, sich aus den Gehirnwindungen des Teddy herauszumogeln, beschert uns Zuseherinnen und Zusehern den wohl bekömmlichsten, weil geradlinigsten und gefälligsten Film des Exzentrikers Yorgos Lanthimos. Von seinen Anfangswerken wie Dogtooth oder The Lobster – exzentrische, verkopfte, strenge Werke – hat der Grieche Abstand genommen. Das könnte, so vermute ich – und das ist keine Verschwörungstheorie – mitunter daran liegen, dass das Skript gar nicht von Lanthimos stammt, basiert dieses doch auf einem bereits existierenden südkoreanischen Science-Fiction-Film mit dem Titel Save the Green Planet!.

Es wäre wegen den Bienen

Übertragen auf US-amerikanische Bedürfnisse und Ängste, versteht sich Bugonia als geradlinige, direkte und kaum doppelbödige Thrillersatire, die ein lustvolles Ensemble einfach machen lässt. Selbst ich hätte dabei meinen Spaß an der Freude, wenn ich jene Ohrfeige austeilen könnte, die am Ende des wenig zimperlichen Werks mit Schmackes ins Gesicht jedes Verschwörungsschwurblers knallt, der von sich behauptet, als einziger die Wahrheit zu kennen. Ein Fun Fact zum Titel gefällig? Bugonia – bitte nicht verwechseln mit der Begonie – kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet Ochensgeburt, was wiederum auf ein antikes Ritual zurückzuführen ist, in dem aus dem Kadaver einer toten Kuh (!) Bienen zu neuem Leben erwachen (nochmal !).

Opfer bringen für eine Zeitenwende, zur Tat schreiten auf kruden Wegen, die sonst niemand beschreitet: Ja, es mag Blut fließen und ganze Tiegel an antihistaminischer Körpercreme verschmiert werden – irgendwann sieht Emma Stone, und das schon relativ früh, tatsächlich aus wie nicht von dieser Welt: wie eine Version von Werner Herzogs Nosferatu wird sie selbst für uns zur zweifelhaften Geheimnisträgerin, die vielleicht doch nicht das ist, was sie vorgibt.

Selbsterfüllende Prophezeiungen

Bugonia macht Spaß, treibt den Teufel kruder Weltbilder durchs Dorf, bevor der Film diese Geißel an die Wand malt, um ihn dann vielleicht zu bannen. Der Stich in die Blase der Verschwörungen ist dann nur ein leises Plopp – wie Lanthimos diese Metapher in seine humorvolle Groteske im wahrsten Sinne des Wortes hineinstrickt, ist elegant, die Optik wie immer so akkurat wie sonderbar, und auch die Schmerzgrenze für quasselnde Alltagsweisen mag nach diesem Film etwas höher liegen – vielleicht deswegen, weil man sich dann wünscht, dass sie allesamt, von den Scheibenweltlern bis zu den Deep State-Enthusiasten – endlich bekommen sollen, was sie verlangen. Dann aber möchten sie alle selbst nicht mehr glauben, was sie denken.

Bugonia (2025)

Exhuma (2024)

HEITE GROB MA TOTE AUS

5,5/10


Exhuma© 2024 Splendid Film


LAND / JAHR: SÜDKOREA 2024

REGIE / DREHBUCH: JANG JAE-HYUN

CAST: KIM GO-EUN, CHOI MIN-SIK, LEE DO-HYUN, YOO HAE-JIN, JEON JIN-KI U. A.

LÄNGE: 2 STD 14 MIN


Es scheint ein ungeschriebenes Gesetz zu sein, dass kein einziger koreanischer Film jemals kürzer sein darf als zwei abendfüllende Stunden. Am liebsten sind Filme wie diese noch länger, am liebsten hängen sie noch eine halbe Stunde dran. Das bedeutet Sitzfleisch – und einen wachen Geist. Denn die Koreaner, die geben sich nicht damit ab, nur einen singulären Erzählstrang abzuarbeiten – mit anderen Worten: banales, simples Kino, das von Alpha bis Omega schön stringent seine Geschichte erzählt. Geradlinig darf sie sein, jedoch niemals nur eine Dimension besitzen. Da gibt es Meta-Ebenen und Stile, die sich gegenseitig übertrumpfen. Da gibt es Wendungen, Twists und kuriose Begebenheiten, kurzum: womöglich bleibt alles da, wo es drehbuchtechnisch sein soll. Andernorts hätte man schon das Publikum unterfordert und den Rotstift angesetzt, Passagen gestrichen und all die knackige Originalität eingekürzt. Eine Methode, wie es in der US-Filmbranche, zum Leidwesen eines unterschätzten und gähnend gelangweilten Publikums, immer wieder geschieht. Das stets geforderte koreanische Publikum indes ist schon von Kindesbeinen an mit Filmen großgeworden, die stets für Überraschung sorgen und keinen Publikumsparametern folgen wollen. Koreanisches Kino bleibt stets erfrischend. Bleibt immer anders. Und kann sich eben auch Filme wie Exhuma erlauben, die viel zu lange geraten, weil sie viel zu viel erzählen wollen.

Wenn man glaubt, bereits am Ende angelangt zu sein, ist schließlich erst eine Stunde verstrichen, was bedeutet, dass der vollgestopfte Schamanen-Thriller nicht mal noch Halbzeit erreicht hat. Dabei ist die Story schon erzählt, der Geist entfesselt, der Fluch getilgt. Nichts da – Regisseur Jang Jae-hyun weckt die Totenruhe nicht nur einmal, stört die metaphysische Ordnung im magischen Wäldchen auf ein neues. Bringt Unfrieden und will vom Bösen durchsetzte Grabstätten umbetten. Exhuma erzählt eine Menge, lässt beschwören, bekämpfen und besessen sein. Die zweieinhalb Stunden hängen sich rein.

Dabei ist es faszinierend, dabei zuzusehen, wie so ein schamanistisches Ritual abläuft, wenn tote Schweine aufgebahrt und eine bunt gewandete Spiritistin die Messer schwingt. Schließlich geht es darum, böse Mächte abzulenken, damit der schmuck verzierte Sarg des Ur-Patriarchen einer wohlhabenden koreanischen Familie, die längst in die Vereinigten Staaten ausgewandert ist, ausgehoben werden kann. Denn deren Opa, der spukt schließlich herum und belegt den jüngsten Spross seiner Dynastie mit Flüchen, quält die Lebendigen mit Alpträumen und stänkert so richtig auf paranormaler Existenzebene durch die Gegend. Feng-Shui-Meister Kim ist bei dieser Aktion alles andere als wohl bei der Sache, die beiden Schamanen Lee und Oh können den alten, erfahrenen Experten aber davon überzeugen, diesen Auftrag durchzuführen. Dass dabei noch ganz andere Mächte zurück ins Diesseits beordert werden, damit hätte wohl niemand gerechnet. Die Welt der Götter wird gestört, noch viel Älteres betritt die Bühne der Gegenwart, dessen Existenz bis in die Zeit der japanisch-koreanischen Kriege zurückreicht.

Das Ensemble der Spezialisten steht bald mit dem Rücken zur Wand, es geistert und spukt, das Phantastische ist Jang Jae-Hyun aber näher als der schreckgespenstische Horror. Hätte Neil Gaiman ein Austauschjahr in Südkorea verbracht und dort so manche seiner magischen Anderswelt-Geschichten geschrieben, er hätte Exhuma entwickeln können. Und obwohl hier kaum Leerlauf herrscht in diesem Abenteuer, es immer was zu tun gibt und niemand wirklich zum Durchatmen kommt – Exhuma ist ein anstrengendes, wie bereits erwähnt überlanges und unruhiges Werk, welches knapp vor Filmmitte seinen bisher so geschmeidigen Erzählfluss verliert. Was dann folgt, ist eine fast schon neu erzählte, ganz andere Geschichte, die mit der vorangegangenen nur noch wenig zu tun hat. Zwei Schamanen-Stories im Doppelpack? Nach einer Laufzeit von einer Stunde und fünf Minuten lässt sich der Rest des Films gut vertagen.

Exhuma (2024)

Return to Seoul (2022)

DAS MÖGLICHE ANDERE LEBEN

7/10


returntoseoul2© 2023 Stadtkino Filmverleih


LAND / JAHR: FRANKREICH, DEUTSCHLAND, BELGIEN, QATAR, KAMBODSCHA 2022

DREHBUCH / REGIE: DAVY CHOU

CAST: JI-MIN PARK, OH KWANG-ROK, GUKA HAN, KIM SUN-YOUNG, YOANN ZIMMER, HUR OUK-SOOK, LOUIS-DO DE LENCQUESAING U. A.

LÄNGE: 1 STD 59 MIN


Auf die Frage, woher jemand kommt, der rein biologisch und ganz offensichtlich seinen Ursprung ganz woanders hat, erhält man sehr oft die Angabe der Staatsbürgerschaft. Dabei geht die Frage viel tiefer. Wo liegt die Geschichte der eigenen Familie? Diese Antwort wäre viel interessanter – und hat auch nichts mit Diskriminierung zu tun. Vielfalt ist etwas Berauschendes, Inspirierendes, Weltenverbindendes. Wer sich weigert, zu seiner Herkunft zu stehen, der hat das Wichtigste leider nicht verstanden. Wer keinen Sinn darin sieht, seine Herkunft zu ergründen, versteht sich ohnehin als Weltbürger. Oder will dem Schmerz entgehen, der sich empfinden lässt, wenn die leiblichen Eltern sich dazu entschlossen hatten, ihr Kind wegzugeben. Sowas mag dem Selbstwert ganz schön schaden, ist es doch eine Form der irreparablen Zurückweisung.

Hirokazu Kore-eda hat sich diesem Thema bereits schon mit Broker angenommen, nur mit ganz anderem Zugang. Von dieser Art Kränkung und deren Heilung handeln aber beide Werke: In Return to Seoul, einer internationalen, nur keiner südkoreanischen Produktion, begibt sich eine junge Frau eigentlich rein zufällig und ohne es von langer Hand geplant zu haben, auf die Suche nach ihren leiblichen Eltern, haben diese sie doch einem Adoptionsinstitut übergeben, welches Freddie an ein französisches Ehepaar weitervermittelt hat. Nun ist sie in Europa aufgewachsen, spricht kein Wort Koreanisch und hat sich auch noch nie für das Land ihrer biologischen Herkunft interessiert. Ganz klar, das Unbehagen einem Ort gegenüber, an welchem sie auf gewisse Weise nicht willkommen war, mag Hemmschuh genug dafür sein, diesen Breitengraden aus dem Weg zu gehen. Doch es kommt alles anders: Statt eines Fluges nach Japan, der leider ausfällt, wählt Freddie die Alternative Seoul – und sitzt schon bald im Kundenempfang des Adoptionsbüros, um mehr über ihre Vergangenheit herauszufinden. Siehe da – schon bald meldet sich der Vater. Er und seine ganze Familie – somit auch Freddies Familie – sind außer sich vor Freude, den verlorenen Spross wieder bei sich aufnehmen zu dürfen. Wie jemand, der ohnehin wenig innere Ruhe findet, damit umgehen soll? Die Geschichte über Annäherung, Loslassen und Verzeihen weiß zu berühren, und das ganz ohne Sentimentalitäten. Auch wenn – wie im Film vermittelt – Koreaner die Tendenz dazu haben.

Wohl kaum würde man in Return to Seoul ein ganzes Epos vermuten. Tatsächlich umfasst die fiktive Biografie einer Entwurzelten ganze acht Jahre, in welcher diese allerhand Entwicklungen durchmacht, psychologische wie existenzielle. Der kambodschanische Filmemacher Davy Chou liefert einen konzentrierten, dichten Autorenfilm ab, der Hauptdarstellerin Ji-Min Park keine Minute aus den Augen lässt. Sie gleitet, strauchelt und eilt durch ihre eigene Zukunft, sie kämpft mit der Enttäuschung, adoptiert worden zu sein genauso wie mit dem starken Bedürfnis des Vaters nach Nähe zu seiner Tochter. Es geht um Selbstfindung und Akzeptanz – formal reinstes Schauspielkino, irrlichternd, aufbrausend und ruhesuchend in der urbanen wie ländlichen Schönheit Südkoreas. Return to Seoul begegnet uns fremden Lebensweisen und schwört auf die zentrale Bedeutung einer ethnobiologischen Geschichte, die niemand einfach so abschütteln kann.

Return to Seoul (2022)

Jung_E: Gedächtnis des Krieges (2023)

IMMER WIEDER AN DIE FRONT

6/10


JungE© 2023 Netflix


LAND / JAHR: SÜDKOREA 2023

BUCH / REGIE: SANG-HO YEON

CAST: HYUN-JOO KIM, SOO-YEON KANG, KYUNG-SOO RYU, SO-YI PARK U. A.

LÄNGE: 1 STD 38 MIN


Natürlich ist es naiv, zu glauben, wenn in der Entwicklung künstlicher Intelligenzen die Kurve so steil nach oben geht wie in den letzten Monaten, wir einen Krieg mit entfesselten Robotern vom Zaun brechen. Natürlich nicht. Kein Skynet, kein I, Robot, kein Blade Runner. Diese Szenarien sind noch kaum absehbar. Beklemmend ist allerdings die Tatsache, dass KI dazu führt, uns Menschen alles abzunehmen, was wir delegieren möchten. Und es ist schon irgendwie ironisch, wenn die wohl realistischste Darstellung der menschlichen Zukunft zwar nicht im Weltraum, aber auf der Erde ungefähr so aussehen würde wie in Pixars ironischer Dystopie Wall-E. Vielleicht werden wir nicht ganz so ballonartig durch unsere Hallen rollen (denn Sport kann durch nichts ersetzt werden). Vielleicht manifestiert sich die Trägheit des Körpers wohl eher als Trägheit des Geistes, wenn Kreativität nur noch ausgelagert wird.

Doch im Kino werden Szenarien, die das Ende der Menschheit einläuten könnten, gerne übertrieben. Auch in diesem koreanischen Science-Fiction-Film ist Homo sapiens dessen Vorschussvertrauen für High Tech, Robotik und KI auf die Füße gefallen. In Jung_E: Gedächtnis des Krieges befindet sich eine längst dem Klimawandel zum Opfer gefallene und überflutete Erde im Krieg mit einer autark gewordenen, manischen Technologie, die separatistische Züge trägt und tut, was es, frei von Empathie und anderer Gefühle, für richtig hält. Im Orbit tobt also ein Krieg jener, die sich rechtzeitig auf Raumstationen haben retten können – und jenen, denen das Wasser auf der Erde bis zum Hals steht. Die Technik dort oben hat sich aber längst der Herrschaft des menschlichen Geistes entledigt und macht ihr eigenes Ding. Dagegen kämpfen seit Jahren perfekt ausgebildete Soldatinnen wie Jung-yi, die aber auch nur ein Mensch ist und über kurz oder lang von den Maschinen niedergestreckt wird. Mit dem Ende ihres Heldentums neigt sich auch Anthropozän einer Götterdämmerung entgegen. Jung-yi liegt im Koma, wird aber dank kniffligen High-Techs – und weil ihr Geist wohl der Prototyp eines erfolgreichen Soldaten darstellt – zu Übungszwecken in den Körper eines Androiden eingespeist, um die perfekte Armee zu erschaffen. Gerade deren Tochter Yun Seo-hyun, die längst ihre Mutter zu einer Halbgöttin verklärt hat, betreut das Projekt. Bis es, wie kann es anders sein, zwangsläufig aus dem Ruder läuft. Und der Geist Jung-yis die Befreiung plant.

Nein, Jung_E: Gedächtnis des Krieges ist kein trashiger Kawumm-Streifen voll ermüdender, dystopischer Action zwischen finsteren urbanen Ruinen. Es stimmt, das Ganze macht den Eindruck, als wäre es das – doch nur die große Eröffnungsszene liefert martialische Schauwerte, wie wir sie auch aus Edge of Tomorrow kennen. Science-Fiction-Afficionados mit eher bescheidener Vorliebe fürs Krawallkino bleibt an dieser Stelle zu empfehlen, dranzubeiben. Denn Jung_E steigt vom großen Bombast auf ein konzentriertes Machwerk um, das nur eine kleine Episode aus einer gigantischen Chronik erzählt, von welcher wir nie etwas erfahren werden. Verantwortlich für diesen, auf Netflix veröffentlichten Film ist der Macher des modernen Klassikers Train to Busan: Sang-Ho Yeon. Mit seinem „Zombie on the Train“-Thriller hat er dem Subgenre des Horrorfilms erfrischende Kicks verliehen. Der Nachfolger Peninsula sackte dann deutlich ab. Mit Jung_E: Gedächtnis des Krieges hat er sich aus seiner Schräglage geholt. Sang Ho-Yeon, der auch für den Busan-Klassiker das Drehbuch schrieb, schuf für dieses geradlinige und moralisch orientierte Thrillerdrama das trittsichere Grundkonstrukt einer sowohl dysfunktionalen als auch idealisierten Mutter-Tochter-Beziehung. Soo-Yeon Kang, die nach den Dreharbeiten mit nur 55 Jahren an einer Hirnblutung verstarb, gibt dem Film nicht nur dank ihres ungewöhnlichen Aussehens eine gewisse, vorab nicht zu erwartende Tiefe. Zum Glück reißt der Film nicht zu viele Themen an, bleibt Nebenstories fern und gewinnt durch seine dramaturgische Schlichtheit. Weniger ist mehr, auch wenn das top ausgestattete Drumherum aus Wissenschafts-Futurismus und absurd überhöhter Technik-Perfektion protzen möchte. Am Ende gewinnt das feine Drama und die variierte Idee von einem Ghost in the Shell.

Jung_E: Gedächtnis des Krieges (2023)

Broker – Familie gesucht (2022)

MENSCHENLEBEN ZU VERGEBEN

6/10


broker© 2023 Filmladen Filmverleih


LAND / JAHR: SÜDKOREA 2022

BUCH / REGIE: HIROKAZU KORE-EDA

CAST: SONG KANG-HO, GANG DONG-WON, BAE DOONA, JI-EUN LEE, LEE JOO-YOUNG, SEUNG-SOO IM, JI-YONG PARK U. A.

LÄNGE: 2 STD 9 MIN


Das macht schon was mit jemandem, der draufkommt, nicht gewollt auf die Welt gesetzt worden zu sein. Der rein zufällig lebt und atmet, obwohl er nicht geplant war. Eine Existenz, entstanden aus einem Unfall. Gut, es gibt Eltern, die nehmen dieses Ereignis dankend an, denn es wird ihr Leben verändern und um unersetzbare Aspekte bereichern. Es gibt aber auch welche, die niemals Mutter oder Vater sein wollen. Oder können. Wie fühlt man sich, als ein Kind, das keiner haben will? Eine neue Familie, ja klar. Aber dass die leiblichen Eltern einen nicht wollen, lässt sich, wie es scheint, nicht verwinden. Da kann es passieren, dass man im Erwachsenenalter aus der Not der anderen, die noch nicht wissen, wie ihnen geschieht, weil zu klein, Profit herausschlägt. Zwecks Rache. Als Genugtuung. Als Eigentherapie, wie auch immer.

Dong-soo zum Beispiel, selbst einmal Waisenkind gewesen und in entsprechender Einrichtung aufgewachsen, hat sich darauf spezialisiert, gemeinsam mit seinem älteren Freund Sang-Hyun „weggeworfene“ Babys, wie sie es nennen, an kinderlose Eltern zu verhökern, die das offizielle und oft recht mühsame Prozedere zur Adoption umgehen wollen. Klar ist das ein Verbrechen, nämlich astreiner Menschenhandel. Auf Nachhaltigkeit und Gewissenhaftigkeit, wie das die Behörden tun, kann dabei nur schwer gesetzt werden. Da passiert es eines Nachts, dass das Schicksal des Babys von So-young, abgegeben an der Babyklappe einer Kirche, für die Dong-soo arbeitet, von Polizei und Sozialbehörde genauestens beobachtet wird. Und auch So-young hat es sich tags darauf anders überlegt und will ihr Kind wieder zurück – allerdings ist dieses bereits in den Händen der beiden Gauner, die aber im Grunde ihres Wesens herzensgut sind und von da an die Mutter des Kindes mit auf ihre Tour durchs Land nehmen, um die richtigen Eltern zu finden, die auch bereit sind, einen stolzen Preis zu zahlen. Warum da So-young mitmacht, erscheint anfangs nicht klar. Doch irgendwie fühlt sie sich zu den beiden Außenseitern, die selbst keine Familien haben und verstoßen wurden, hingezogen. Wen wundert es, wenn die Biographie der jungen Mutter ein ähnliches Trauma beinhaltet wie das der beiden Gefährten, die fortan so etwas wie eine notgedrungen zusammengewürfelte Familie bilden.

Song Kang-ho, wohl der berühmteste südkoreanische Schauspieler, und das schon seit Jahrzehnten, war Haus- und Hofakteur Park Chan-wooks und wurde durch Bong Joon-hos Parasite weltbekannt. Jetzt hat er letztes Jahr glatt noch die Goldene Palme für sein Schauspiel im vorliegenden Film namens Broker – Familie gesucht erhalten. Er spielt nicht schlecht, was anderes würde mich auch wundern, doch eine herausragende Leistung ist das keine. Dafür spielen ihn seine Kolleginnen und Kollegen fast schon an die Wand, allen voran Im Seung-soo als der kleine Hua-Jin, der sich in den Wagen der Broker schleicht, weil diese für ihn eine Familie sein könnten.

Die Idee des Films, inszeniert und geschrieben von Palme-Gewinner Hirokazu Kore-Eda, der mit dem thematisch recht ähnlichen Shoplifters auf sich aufmerksam machte, hat alles, was ein Seelenwärmer fürs Kino so braucht: Wehmut, Hoffnung, die inspirierende Eigendynamik einer kleinen Gemeinschaft und das erstrebenswerte Gefühl, gebraucht zu werden. Alle, die hier durch Südkorea tuckern, sind Verstoßene, denen das Glück in ihrem Unglück widerfährt, einander plötzlich wichtig zu sein. Dafür findet der Filmemacher vielsagende Momente voller Wahrhaftigkeit, die aber dennoch recht spärlich gesät sind. Denn so richtig mitnehmen will Broker sein Publikum manchmal doch nicht. Es ist, als wären sich die fünf Individuen selbst genug, und wir als Zuseher müssen gar nicht so genau nachvollziehen können, was nun als nächstes passiert.

Zu sprunghaft erscheint mir der Film, nachdem er sich anfangs recht viel Zeit gelassen hat, um überhaupt in Fahrt zu kommen. Kaum sind die Reisenden in Busan, sind sie plötzlich in Uljin oder Seoul. Dann sind da plötzlich Eltern, dort plötzlich Eltern. Es reißt Kore-Eda herum in seinem Skript, und zumindest mich selbst irritiert der plötzliche Orts- und Szenenwechsel manchmal doch so sehr, dass es mich fast bis zum Ende auf Distanz hält. Broker – Familie gesucht ist ein Film, der manche Details verschluckt, während er manchen wiederum zu viel Aufmerksamkeit schenkt. Dazwischen finden sich einige szenische Highlights, die aber dennoch keinen perfekten Film daraus machen.

Broker – Familie gesucht (2022)

Devotion (2022)

BLACK LIVE MATTERS AM FLUGZEUGTRÄGER

6,5/10


devotion© 2023 Netflix Österreich


LAND / JAHR: USA 2022

REGIE: J. D. DILLARD

BUCH: JAKE CRANE, JONATHAN A. STEWART, NACH DEM ROMAN VON ADAM MAKOS

CAST: JONATHAN MAJORS, GLEN POWELL, CHRISTINA JACKSON, THOMAS SADOSKI, DAREN KAGASOFF, JOE JONAS, SPENCER NEVILLE, JOSEPH CROSS, NICK HARGROVE, SERINDA SWAN U. A.

LÄNGE: 2 STD 19 MIN


Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich, gerade mal Teenager, im Modellbaufachgeschäft meines Vertrauens Wurzeln schlug und dort all die Bausätze bekannter Kampfflugzeuge bewunderte, die es zu kaufen gab. Ganz besonders angetan hatte es mir die elegante wie typische Form des Vought F4U, auch genannt Corsair mit seiner nachtblauen Lackierung und den geschwungenen Tragflächen. Und Propeller geht sowieso immer, da können die Tomcats und F-18 Hornets noch so schallgeschwind übers Firmament düsen – den rustikalen Retro-Charme eines Corsair-Fliegers besitzen sie nicht. Und für all jene, die für den im zweiten Weltkrieg erstmals zum Einsatz gekommenen Flugmaschinen ebenso eine Portion Bewunderung abringen konnten – vielleicht in ihrer Kindheit oder auch als Airforce-Afficionado in späteren Jahren – dem sei nun die 50ties-Antwort auf Top Gun: Maverick ans Herz gelegt. Zu sehen ist dieses in den USA bereits im Kino gestartete Actiondrama hierzulande exklusiv auf Netflix. Devotion von J. D. Dillard mag zwar nicht die Akkuratesse des Tom Cruise-Vehicles besitzen, dass letztjährlich die Einspielkonkurrenz geradezu wegfegen konnte, bis Avatar 2 kam – hat dafür aber einen realen Bezug. Erzählt wird die Geschichte des schwarzen Corsair-Piloten Jesse Brown, des ersten afro-amerikanischen Fliegers der United States Navy – dessen Aufstieg, dessen Hadern mit sich selbst und einer rassistisch geprägten Gesellschaft, dessen Erfolg und letztendlich sein tragischer Tod.

In diesem mehr als Drama statt als Popcornkino angelegten Geschichtsfilm schreiben wir die beginnende Dekade der Fünfziger, und Kampfpilot Tom Hudner (Glen Powell, ebenfalls Co-Star von Tom Cruise im neuen Top Gun) trifft am Luftwaffenstützpunkt auf Rhode Island den eher kaltschnäuzigen und zurückgezogenen Kollegen Jesse Brown, dessen Verhalten sich nach näherer Betrachtung als nachvollziehbar herausstellt, war dieser doch Zeit seines bisherigen Lebens ständigen Erniedrigungen ob seiner Hautfarbe ausgesetzt, die er, sofern sie verbaler Natur waren, alle in einem Notizbuch zusammengefasst hat. Um mit der gesellschaftlichen Ablehnung besser klarzukommen, sagt er sich diese vor dem Spiegel immer wieder vor. Denn nur wer abhärtet, hat als Schwarzer vielleicht das Zeug zum Erfolg. Hudner allerdings kann den schroffen, aber verlässlichen jungen Mann ganz gut leiden – und rein zufällig wird dieser zu seinem Wingman. Statt den herkömmlichen Übungsfliegern müssen beide bald mit der Corsair klarkommen – und auf einem Flugzeugträger landen können, denn ein Konflikt im Osten lässt das Damoklesschwert des Kommunismus zittern: der Koreakrieg bahnt sich an. Und da sind die USA die ersten, die dem Einhalt gebieten wollen, mitsamt ihrer Luftstreitkraft.

Devotion ist keine trockene Chronik der Ereignisse, aufgepeppt mit einigen großartig choreographierten Flugszenen wie Roland Emmerichs Midway, bedient aber auch nicht die geschmeidigen Versatzstücke gängiger Flugzeugfilme wie eben Top Gun, und da schließe ich beide Teile mit ein. Devotion ist Biografie und Rassismusdrama, aber auch Psychogramm und erst zuallerletzt wirklich Actionfilm, wobei die Tendenz Richtung Kriegsfilm deutlicher zu sehen ist. Jonathan Majors, den wir in Kürze im Auftakt der neuen Marvel-Phase, und zwar in Quantumania als Kang zu Gesicht bekommen werden (den ersten Auftritt hatte er in der Serie Loki), verleiht der historischen Figur des Jessie Brown genug ohnmächtige Wut, Verbissenheit und Misstrauen – bei Familie und seinem Buddy Hudner macht er da eine Ausnahme, und genau dieses Changieren zwischen Selbstschutz und Offenheit lindert das obligate Pathos gern gezeigter, heldenhafter Piloten. Bei Brown steckt mehr dahinter. Bei einem wie Maverick – naja, das Übliche.

Mit dieser Tendenz zum historischen Gesellschaftsdrama mag der Film eingefleischte Aviator-Fans vielleicht ein bisschen am Gängelband halten. Devotion, basierend auf dem Buch Devotion: An Epic Story of Heroism, Friendship, and Sacrifice, will Militärgeschichte erzählen, und zwar mit Fokus auf ein Einzelschicksal. Das gelingt durchwegs wirklich gut, und selbst Details wie dem Stopover in Cannes inklusive der verbürgten Begegnung mit Liz Taylor findet seinen Eingang. Dadurch erhält Dillards Film einen Spin in Richtung einer melodramatischen, doch konventionell erzählten True History, die in seinen wenigen, aber beeindruckenden Kampfszenen Emmerichs Film oder gar Top Gun: Maverick um nichts nachsteht, sich dabei aber wie der schweigsamere und bedächtigere Bruder so mancher Lederjacken-Haudraufs gibt, die ihren Flieger bis ans Limit bringen wollen.

Devotion (2022)

Decision to Leave

DAS HERZ, EINE MÖRDERGRUBE

7,5/10


decisiontoleave© 2022 Bac Films


LAND / JAHR: SÜDKOREA 2022

REGIE: PARK CHAN-WOOK

BUCH: PARK CHAN-WOOK, JEONG SEO-KYEONG

CAST: PARK HAE-IL, TANG WEI, LEE JUNG-HYUN, GO KYUNG-PYO, PARK YONG-WOO, JUNG YI-SEO U. A. 

LÄNGE: 2 STD 18 MIN


Die Rache-Trilogie des südkoreanischen Regie-Visionärs Park Chan-Wook möchte ich allen Filmfreundinnen und Freunden ans Herz legen – wenn diese sowieso nicht schon als selbstverständliches Must-See auf der Watchlist stehen oder gestanden haben. Lady Vengeance, Sympathy for Mr. Vengeance und natürlich Oldboy: Großes Kino ohne Mainstream-Kompromisse, selbstbewusst bis in den letzten Spot und nicht darauf angewiesen, um jeden Preis gefallen zu müssen. Park Chan-Wooks Filme halten eben dadurch, dass sie ihrem Konzept so sehr treu bleiben, Ablehnung jedweder Art sehr gut aus. Man muss manch verstörenden Stilbruch, manch Gewalteruption oder groteskes Intermezzo nicht unbedingt verstehen, man wird aber nicht umhinkommen, die virtuose Regieführung des Meisters zu bemerken. Seine Filme sind gehaltvoll und komplex, das ist nichts für zwischendurch. Und manchmal auch ein Schlag in die Magengrube. Wer aber dennoch mit Park Chan-Wook vertraut werden und das koreanische Kino abseits kommerzieller Berechenbarkeit erfahren will, sollte mit Decision to Leave beginnen, seinem neuesten Werk, das eben bei den Filmfestspielen der Viennale läuft. Hier lässt sich ein moderater Einstieg in die vertrackte Gedankenwelt eines Künstlers finden, der mit mächtigen menschlichen Gefühlswelten hart ins Gericht geht, ist es nun Rache oder Liebe.

Die Liebe hält bei Decision to Leave auf Umwegen Einzug, dabei fällt das heikle Wort so gut wie kaum, und auch das leidenschaftliche Empfinden einer Zuneigung findet nur im Ermitteln eines Mordfalls seine Legitimität. Denn Detektiv Hae-joon muss Song Seo, die Witwe eines beim Klettern verunglückten älteren Koreaners einvernehmen, die ob des Verlustes ihres Ehemannes nicht so wirklich Tränen vergießt, gerne mal im Verhörraum die edelsten Sushis des Viertels verdrückt und Hae-joon sowieso schöne Augen macht. Unter Mordverdacht steht die Dame nicht wirklich, doch ihre Rolle in diesem mysteriösen Fall bleibt lange im Dunkeln. Während dieser Zeit des Investigierens kommen sich die beiden näher, auf romantische Weise, doch kommt es nie zu Intimitäten. Als der Fall geklärt scheint, endet diese Art der Zweisamkeit abrupt. Doch nicht für lange.

Der Plot klingt jetzt nicht nach einem umwerfend komplexen Filmdrama. Eine Kriminalromanze eben. Oder doch mehr? Natürlich. Es wäre nicht Park Chan-Wook, würde er das Konzept des Film Noir nicht auf eine Weise wiederbeleben und in erweiterter Form neu interpretieren. Ich denke da an die frühen Dashiell Hammett– oder Raymond Chandler-Krimis mit Humphrey Bogart und Lauren Bacall. Ausgetüftelte Werke, die mit voller Konzentration gesichtet werden sollten, denn wenn auch nur einer der vielen ins Spiel gebrachten Namen nicht im Gedächtnis bleiben, stürzt das ganze filigrane Krimi-Konstrukt in sich zusammen. Aufpassen und mitdenken muss man auch bei Decision to Leave. Und hier gestaltet sich die Erarbeitung des Films noch schwieriger, denn asiatische Gesichter scheinen uns ohnehin ähnlicher als die unsrigen, und bei koreanischen Namen klingt der eine wie der andere. Hat man diese Hürde überwunden und all die Namen und Personen erscheinen vertraut, eröffnet sich ein neues Fenster mit Ausblick auf ein sehnsuchtsvolles Kriminaldrama, auf Landschaften und Meeresküsten Südkoreas, wo die Brandung tost oder der Schnee leise zwischen den Föhren fällt. Park Chan-Wooks Film widmet sich stark wie selten zuvor seinem Land und seinen Leuten, blickt in die Ferne und in eine stets offene Mördergrube namens Herz. Dort folgt eine radikale Entscheidung der anderen, und wir wissen, dass Chan-Wooks Filme keine Kompromisse eingehen. Auch hier nicht – auch in Decision to Leave ist die letzte Konsequenz eine radikale und entsteht aus dem verrückten Entschluss, sich lebenslang an die große Liebe zu binden. Die letzte Entscheidung wird zu einem künstlerischen Akt, einer Art Manifest. Bis dahin weiß das manchmal gar urkomische, locker dahinerzählte und dann wieder getragene Filmpuzzle all seine vielen Details so zu ordnen, dass sich am Ende ein schillerndes, großes Ganzes ergibt. Einen eingefleischten, satten Film Noir, der die volle Aufmerksamkeit verdient.

Decision to Leave