The Man Who Killed Don Quixote

DES WAHNSINNS NETTE LEUTE

6,5/10

 

donquixote© 2018 Concorde Filmverleih

 

LAND: SPANIEN, BELGIEN, PORTUGAL, GROSSBRITANNIEN 2017

REGIE: TERRY GILLIAM

CAST: JONATHAN PRYCE, ADAM DRIVER, STELLAN SKARSGÅRD, OLGA KURYLENKO, JOANA RIBEIRO, ROSSY DE PALMA U. A.

 

Nein, ich bemühe hier nicht noch einmal das von vielen engagierten Kritikern herangezogene Gleichnis des Kampfes gegen Windmühlen – obwohl es stimmt. Terry Gilliam´s Mammutprojekt ist ein filmgewordener Bau der Pyramiden, wobei meines Wissens die Errichtung des größten aller Weltwunder rund zwanzig Jahre in Anspruch genommen hat. Bei einem solchen Werk für die Ewigkeit eine vertretbare Zeitspanne. Das Werk für die Ewigkeit des Ex-Monty Python-Masterminds schlägt dieses Projekt aber sogar noch um knapp 10 Jahre. Um genau zu sein hat diese Idee der Verfilmung von Cervantes´ Antihelden-Roman bereits 1989 Gestalt angenommen. Da waren noch Sean Connery und der blutjunge Johnny Depp im Gespräch. Nach dem Ausscheiden Sean Connerys folgte Jean Rochefort, der musste aber aufgrund langwieriger Prostataprobleme ebenfalls vom Sattel steigen. Knapp vor einem neuerlichen Drehbeginn hatte es dann auch noch 2017 John Hurt erwischt. Und ja, bevor ich´s vergesse: Gerad Depardieu war auch mal eine Überlegung wert, allerdings mit Sicherheit für die Rolle des Sancho Pansa.

Man muss dazusagen, dass am Don Quixote-Projekt natürlich nicht wie bei den Pyramiden permanent gearbeitet wurde. Es waren wohl mehrere Anläufe, ein großes, kostenintensives Mensch, ärgere dich nicht! – Immer wieder zurück zum Start, kurz vor dem Ziel dann noch ein Orkan, der die Figuren vom Brett weht. (Nachzusehen im Making Of Lost in la Mancha) Geärgert hat sich Terry Gilliam wohl bestimmt. Doch der Mann ist ein Visionär, ein sturer Exzentriker seines Fachs. Womöglich ein bisschen wahnsinnig, ansatzweise so wie die Figur, über die er erzählen will, und was in den ersten Dekaden der Umsetzung nicht und nicht gelingen will. Gut Ding braucht Weile, wird aber die Weile zu lang, schaut nichts mehr Gutes dabei heraus. Letzten Endes war es schlicht und ergreifend Beharrlichkeit, die bei Gilliam den Silberstreifen am Horizont doch noch wahrnehmbar werden ließ. Zwischen all den Planungen, Vorplanungen und Reboots war der Meister surrealer Psychomärchen natürlich auch nicht untätig. Dr. Parnassus durfte sein Kabinett präsentieren, und Christoph Waltz tüftelte am Zero Theorem. Bei Parnassus schlugen die höheren Mächte ja genauso zu, da verstarb unerwartet Heath Ledger. Doch Gilliam hat eine Haut wie Leder, Probleme sind da, um gelöst zu werden. Nichts kann schlimmer sein als die Vitalisierung eines Don Quixote, oder nicht?

Wobei sich hier für mich die Frage stellt: Ist nach all den Jahren des Umbruchs, Abbruchs und Aufbruchs dieses scheinbar verfluchte Werk dann so geworden, wie es sich Gilliam vorgestellt hatte? Kann sich der Meister nun zufrieden zurücklehnen und sagen: „Ja, das ist es, genau das wollte ich machen. Jetzt ist es fertig. Ich lege das Projekt zu den Akten und Nein, ich inszeniere diesen Film nicht nochmal neu, nur um genau das zu bekommen, was mir vorschwebt.“ Nach so einer langen Zeit, da geht man natürlich Kompromisse ein, da macht man Abstriche. Gibt sich zufrieden mit Alternativen. Also gehe ich mal davon aus, dass The Man who killed Don Quixote neben all des autobiographischen Anstriches, den das Konstrukt mittlerweile verpasst bekommen hat, frei nach dem Stille Post-Prinzip irgendwie ganz anders geworden ist. Ich wage zu behaupten, dass The Man who killed Don Quixote ein für Gilliam versöhnliches Opus Magnum geworden ist, auf die Leinwand gewuchtete Memoiren eines vom Schaffensdrang gedrillten Künstlers, der im Grunde alle seine immer wiederkehrenden Versatzstücke in der Wüstenei Spaniens in den Sand setzt, wie eine wabernde Fata Morgana mit all seinen Dämonen und Traumgestalten. Wir finden mediäval geharnischte Schlachtrösser mit lanzenbewährten Rittern, die in Slow Motion der Kamera entgegenreiten. Wir finden spärlich bekleidete Riesen, keifende Mütterchen und die zirkusreife Opulenz archaischer Jahrmärkte. Reminiszenzen an Time Bandits, Die Ritter der Kokosnuss und natürlich König der Fischer, der wohl The Man who Killed Don Quixote am Ähnlichsten ist. In beiden Filmen erliegt die Hauptfigur dem Wahn, eine Mission zu erfüllen. In der tragikomischen Katharsis aus dem jahr 1991 ist es der heilige Gral, den Robin Williams zu finden gedenkt. Bei Don Quixote ist es namensgebender Held in trauriger Gestalt, hinter der Gilliam´s alter Bekannter Jonathan Pryce steckt, welcher schon im Klassiker Brazil den Staat gegen sich aufgehetzt hat. Nun sind es all die anderen, die es zu bekämpfen gilt. Vor allem all die anderen Abenteuer. Und eben Windmühlen, damit das auch mal erwähnt wird.

Pryce und Adam Driver sind ein Glücksfall für diesen Film. Der etablierte Star Wars-Bosnigl geht unter der Regie des Kino-Gauklers so richtig aus sich heraus wie selten in einem Film. Exaltierte Künstlerallüren wechseln mit panischer Verwirrung und dem Verlieren in einem bizarren Tagtraum, der kaum mehr in die Realität findet. Der Plot, der ist Nebensache, was zählt, ist der Irrweg quer durch befremdende Landschaften, vorbei an seltsamen Figuren. Immer weiter weg von festem Boden unter den Füßen, immer mehr gleitet das zumindest einseitig unfreiwillige Duo in die psychedelischen Kaskaden eines verschachtelten Narrenkästchens ab, in das auch der Zuseher blicken muss, und dass auch etwas Anstrengung kostet, wenn einem bei dem Spektakel nichts entgehen soll. Wobei ich tief durchatmen kann – The Man who killed Don Quixote ist nicht so fahrig und konfus geraten wie Brothers Grimm. Auch nicht so austauschbar wie Dr. Parnassus. Die Autoren Gilliam und Tony Grisoni, welcher auch schon am allerersten Drehbuch mitgeschrieben hat, finden eine runde Geschichte, die zu einem geschmeidigen Ende führt, die sich selten selbst übers Knie bricht und in einem Universum verharrt, dass sich zwar nach der Decke machbarer Kompromisse streckt, aber nie mehr will als möglich.

Gilliam´s Hommage an sich selbst ist ein Blick zurück durch die offenen Tore märchenhafter Burgen auf die steinigen Pfade seines Schaffens, bleibt aber am Schluss immer noch voller Tatendrang. Zu Ende ist es lange nicht, Don Quixote lebt ewig, in welcher Form und wo auch immer. Der Wahnsinn hat in diesem Film Methode, diese Methode lädt ein zum Wiedererkennen eines Stils, den man auch 100 Meilen gegen den Wüstenwind identifizieren kann. The Man who killed Don Quixote ist im Ganzen betrachtet eine Hofnarretei, die schon seine Längen hat, die seine Figuren auch nicht ganz nachvollziehbar handeln lässt und sich selbst geistesgegenwärtig auf die Finger klopft, wenn das Werk kurz davorsteht, zu zerfasern. Es klingen die Schellen an der Narrenkappe, es darf an das antike Theater eines Aischylos gedacht werden, an das Satyricon eines Federico Fellini, an die Texte eines Andre Heller, der es gut findet, ein Narr zu sein. Dieser Meinung ist Gilliam auch. Und besteht seine Bemühung, das eigene Scheitern ad absurdum zu führen.

The Man Who Killed Don Quixote

King Arthur – Legend of the Sword

BUBE, DAME, KÖNIG… UND EIN SCHWERT

7/10

 

kingarthur

Regie: Guy Ritchie
Mit: Charlie Hunnam, Jude Law, Eric Bana, Aidan Gillen

 

Was Charlie Hunnam eigentlich noch gefehlt hätte, wäre ein Flinserl. Eines dieser metrosexuell aparten Schmuckstücke für den Mann, die in den 80ern so richtig salonfähig wurden und bis heute nichts von ihrem zweifelhaften Reiz verloren haben. Mittlerweile trägt Mann sie bereits an beiden Ohrläppchen. Das ist noch anarchischer – aber vielleicht weniger Prolo. Doch das wäre bei Guy Ritchies Inkarnation des legendären King Arthur auch schon egal gewesen. Seine Ikone der ritterlichen Fantasy und des mächtigsten Mittelalter-Mythos neben Robin Hood ist ein Schlägertyp von nebenan. Einer, der zwar das Herz am rechten Fleck hat, aber ähnlich wie Siegfried von Xanten nicht als hellstes Licht im Dunkel scheint. Dafür aber weiß er zu kämpfen, sich zu verteidigen, den maskierten Gesellen rund um den bösen König Vortigern, der unrechtmäßig am Thron sitzt, das Wilde herunterzuräumen. Und das eine oder andere passende Schmähwort auf den Lippen zu haben.
Übermütiger Zynismus – das ist, was Guy Ritchie und seine Fans sehen wollen. Wie wir sehen konnten, hat sich dieses Konzept ja auch bei Sherlock Holmes bewährt. Auch eine literarische, popkulturelle Gestalt, die zwischen den Medien umherscharwenzelt, sei es das geschrieben Wort oder das bewegte Bild. Sherlock Holmes ist eine Institution, und nur so unkaputtbaren Institutionen kann man eine Interpretation angedeihen lassen, die man als großzügig budgetierte Fanfilme bezeichnen kann. Robert Downey als Ohrfeigen verteilender Detektiv ist eine gegen den Strich gebürstete Charakterpersiflage, und genau das passiert nun auch König Arthur. Blond, blauäugig, ein David Beckham des finsteren Mittelalters (ja, tatsächlich, der Fußballstar hat einen Cameo-Auftritt als ein Scherge Vortigerns), lässig gewandet – aber nicht imstande, das Schwert Excalibur zu handhaben.
Diese mächtige Waffe sowie ein nur namentlich erwähnter Merlin, der böse Zauberer Mordred und eben der machtgierige Bruder Vortigern, von Jude Law ähnlich angelegt wie den jungen Papst in Paolo Sorrentino´s kunstvoller Kirchensatire, sind die einzigen Versatzstücke aus der Artus-Sage, die in Ritchie´s freier, herumfuchtelnder Improvisation Verwendung finden. Alles andere ist nicht König Artus, aber den Anspruch, den hat der Film gar nicht. Muss er auch nicht. Es gibt genügend braver Aufarbeitungen des Mythos, da reicht es, wenn sich die Legende des Schwertes – so der Subtitel des Blockbusters – auf das von Merlin geschmiedete Artefakt konzentriert. Und da hat der Film so manche innovative Idee dazu, wie zum Beispiel jene Erklärung, wieso das Schwert überhaupt in einem Felsblock steckt. Doch diese Dinge sind nur von peripherer Wichtigkeit. Das rüstungsgewandete Spektakel soll vorallem eines: so richtig fetzen. Und da hält sich King Arthur schon von Anfang an nicht mit ausufernden Prologen auf. In den ersten Filmminuten verwüsten bereits gigantische Ausgeburten des dunklen Zauberers Mordred König Uthers Besitztümer – in herrlich epischer Breite und mit einem Sound, der die Kinositze virbieren lässt. Überhaupt sind die Toneffekte ein regelrechter Zirkus für die Ohren. Da poltert, dröhnt und faucht es. Und darüber liegt ein Score, der sich hören lassen kann. Sind die schnellen Schnitte, die Frozen Stills und die virtuose Kamera nicht schon genug Entertainment für die Sinne, gibts noch rockig-düstere Songs und schweren Beat, der das Ganze noch akustisch um einige Levels schwindelerregender macht.
So knallig war das Mittelalter mit Sicherheit nicht mal ansatzweise, aber die nicht erst seit Game of Thrones verklärende Fusion der Europäischen Historie mit der Welt des phantastischen Erzählens und die Erwartungshaltung jener, die Guy Ritchies Filme kennen, verlangen, hier ein anderes Bild zu vermitteln. Eines, das unterhält und das Gute über das Böse siegen lässt. Zwar haben wir hier weitaus weniger Grauzonen als in George R. R. Martin´s epischer Westeros-Saga, und zwar wissen wir schon von Anbeginn an, dass die Ritter der Tafelrunde zueinanderfinden werden, doch mit bübischer Mitspielfreude in einer Zeit zu schwelgen, die letzten Endes gerechteren Paradigmen folgt als es die Realität tut, macht es allemal wert, hier mitzurocken.
King Arthur ist episches, aber gleichsam hektisches Bubenkino der schnellen Schnitte und von rotzfrecher Fabulierlust. Einziger Ruhepol ist die zerbrechlich wirkende Magierin mit ausgeprägtem Tierverständnis und französischen Akzent. Bei ihr trifft sich immer wieder der Kern der Geschichte, um sich selbst als roten Faden weiterzuspinnen. Dreimal tief durchgeatmet, und weiter geht´s – das Fangenspielen mit Schwert, Bauernschläue und blutigen Fäusten.

 

King Arthur – Legend of the Sword

Pathfinder – Fährte des Kriegers

KARL UND DIE STARKEN MÄNNER

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pathfinder

Einige hundert Jahre nach dem Zerfall und Untergang des Römischen Imperiums, und nachdem das Reich der Franken die Vorherrschaft über Westeuropa übernommen hat, erstarkte eine ganz andere drohende Gefahr aus dem kalten Europa – die Nordmänner. Oder Wikinger, je nachdem wie man sie nennen möchte (nur selbst haben sie sich nie so genannt). Und ja, sie waren böse, furchtlos, blutrünstig und überhaupt sowas von gar nicht menschlich. Diese Normannen haben schon die Küsten rund um das kleine, uns wohlbekannte gallische Dorf heimgesucht, um herauszufinden, was wirklich Angst bedeutet. Keiner hat das Klischee der marodierenden wilden Horde so herrlich durch den Kakao gezogen wie René Coscinny. Wobei das Klischee tatsächlich seinen wahren Kern hat – die Wikinger haben wirklich und wahrhaftig kaum einen Stein auf dem anderen gelassen. Und ja, sie drangen sogar bis an die Ostküste Nordamerikas vor.

Diese Tatsache hat Marcus Nispel, Regisseur der kolossal misslungenen Neuauflage von Conan, wohl sehr beschäftigt. Nur – seine eigenen Überlegungen dazu musste er hintenanstellen. Die freie Interpretation eines norwegischen Filmes gleichen Namens aus dem Jahr 1987 folgt ausgetretenen Pfaden. Die Normannen unter Nispel´s archaisch bebilderten Regie sind plakative, finstere Geschöpfe der Unterwelt. Finsterer und verzerrter lässt sich ein Volk wohl kaum darstellen. Da sind die Orks aus Tolkiens Mittelerde ja geradezu friedliebende Gesellen. Obwohl – wie Orks kommen die gehörnten Bartträger tatsächlich daher. Und zu Beginn des Filmes weiß man erst nicht, ob man es mit invasorischen menschlichen Seefahrern oder phantastischen Kreaturen zu tun hat. Phantastisch deswegen, weil das Kostümdesign von Pathfinder wohl das Beeindruckendste ist, was der Streifen zu bieten hat, vorausgesetzt, man erhascht einen Lichtblick in diesem finsteren, regen- und nebelverhangenen Gemetzel aus grobkörnigen, dunklen Bildern und wuchtigen, axt- und schwertschwingenden, mit Fellmäntel behangenen Riesenbabys. Die gehörnten Helme, schartigen Schutzvisiere und sonstigen Rüstungsteile könnten aus der Designwerkstatt Peter Jacksons entliehen worden sein. Inmitten dieser Muskel- und Schlachtenschau gibt „Pille“ Karl Urban einen leicht bekleideten Helden, der zugänglicher scheint als Arnold Schwarzenegger oder Jason Momoa als lakonischer Muskelprotz Conan. Wenn man Urban in den Filmen der Neuauflage von Star Trek zusieht, wie er Dr. McCoy Leben einhaucht, kann man sich kaum vorstellen, dass dieser pessimistische Neurotiker tatsächlich mal sowas wie einen martialischen Halbindianer gespielt haben soll. Nun – er hat, und das gar nicht mal so schlecht. Obwohl der Film auch nicht viel mehr als das inhaltliche Spektrum eines B-Movie zulässt. Da bleibt außer Rennen, Retten, Kämpfen und Flüchten in fahlem Zwielicht nicht viel über. Da kann auch Moon Bloodgood als Reserve-Pocahontas nichts daran ändern.

Pathfinder – die Fährte des Kriegers ist grob geschnitztes Kino für leicht angetrunkene, bierbäuchige Mittelalterfans, die ihre Erlebnisse vom letzten Ritterfest nochmal gehörig ausklingen lassen wollen.

Pathfinder – Fährte des Kriegers

The Last King

DES KÖNIGS NEUE NEIDER

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Wie firm seid ihr in norwegischer Geschichte? Ausbaufähig? Diese Lücke lässt sich etwas schließen, insbesondere bei jenen, die noch dazu verzweifelt auf die Fortsetzung von Vikings warten. Der norwegische Filmemacher Nils Gaup, seines Zeichens Macher des Abenteuerdramas Pathfinder, der 1988 für den Oscar als fremdsprachiger Film nominiert war, widmet sich in dem historischen Actiondrama einer bedeutenden Episode aus dem norwegischen Bürgerkrieg.

Wir schreiben das Jahr 1206 – das tiefste Mittelalter, auch im hohen Norden. Und gerade da. Es ist – wie denn anders auch – noch dazu tiefster Winter. Und der rechtmäßige Erbe des norwegischen Throns, Håkon Sverresson, ist in großer Gefahr. Warum? Er ist noch ein Säugling, noch dazu der einzige, aber uneheliche Sohn des vorhin erwähnten, kürzlich verstorbenen Regenten. Zwei Adelshäuser, die Birkebeiner und die Bagler – um hier ein klein wenig Geschichtswissen zu verbreiten – schenken sich nichts. Beide wollen das weite, wilde Land regieren, die einen zu Recht, die anderen weniger. Und so versuchen die beiden Skifahrer Torstein Skjevla und Skjervalv Skrukka, beides Birkebeiner, den Sprössling in Sicherheit zu bringen. Mehr muss man über die historischen Hintergründe gar nicht wissen. Ich selbst war bei Betrachten des Streifens ziemlich grün hinter den Ohren, was das norwegische Mittelalter betrifft. Nun weiß ich aber zumindest in groben Zügen über das damals herrschende Thronfolgerchaos Bescheid. Der Rest des Filmes ist souveräne Mittelalter-Action, ganz im Stile der eingangs erwähnten Wikingerserie Vikings. Geschmackvoll ausgestattet, in pittoresken Bildern und authentisch anmutender Ausstattung. Die meiste Zeit des Schneeknirschenden Abenteuers hetzen fellbekleidete, vermummte Krieger, ausgestattet mit Schwertern und Beilen, auf Holzskiern durch lichte Nordwälder. Es spritzt das Blut, es färbt sich der Schnee rot. Hinter den Kulissen archaischer Holzburgen werden Intrigen und Ränke geschmiedet. Ganz so, wie man es aus der Geschichte Europas rund um diese Zeit gewohnt ist. Und wie man es als Besucher stattlicher Mittelalterfeste gerne sieht. Das Ganze hat schon eine eigene Faszination, diese raue Vergangenheit. Nichtsdestotrotz erliegen wir einer gewissen verfälschten Romantik – die sich aber im wahrsten Sinne des Wortes sagenhaft gut fürs Kino und auch für Geschichten eignet. So erfüllt Nils Gaup auch mit The Last King die Sehnsucht nach der martialischen Zeit, wo das Schicksal der Menschheit fast schon im Minutentakt neu ausgerichtet wurde. Was hier fehlt, sind Hexen und Drachen. Magier und Kobolde. Aber das fehlt auch – fast – bei Vikings. So sehen wir im mittelalterlichen Schneethriller die Geburtstunde des in Norwegen sehr beliebten Birkebeiner-Rennens – einem traditionellen Ski-Langstreckenlauf von 50km – basierend auf den wahren Ereignissen zur Errettung des letzten Königs.

The Last King ist ein routiniertes, europäisches B-Movie. Ohne dramaturgische wie schauspielerische Besonderheiten, aber solide inszeniert, gut ausgestattet und mit einer verträglichen Härte, die Männer fürs Grobe – und auch Frauen – unterhalten dürfte. Bei uns war der Streifen nie im Kino – wäre aber auch nicht notwendig gewesen. Ideal fürs Heimkino, vor allem wenn man nach den Ritterspielen mit dem Nachwuchs artverwandte Zerstreuung sucht.
 

The Last King