Terminator: Dark Fate

EIN FRANCHISE WIDER WILLEN

5,5/10

 

terminatordarkfate© 2019 Twentieth Century Fox Deutschland

 

LAND: USA 2019

REGIE: TIM MILLER

CAST: MACKENZIE DAVIS, NATALIA REYES, LINDA HAMILTON, ARNOLD SCHWARZENEGGER, GABRIEL LUNA U. A. 

 

Alles begann mit einem ultrabrutalen, schnellen Actionthriller, der wie aus der Pumpgun geschossen das Publikum von den Kinostühlen schmiss. So einen Blockbuster will man als Studio natürlich nicht schubladisieren, sondern die Kuh melken, bis sie keine Milch mehr gibt. Für die Fortsetzung des Erstlings aus den Achtzigern hat James Cameron sieben Jahre verstreichen lassen. Es wäre wegen den Effekten gewesen – die dann auch noch die Benchmark der perfekten Illusion neu setzten. Cameron hat die relativ trashige, geradlinige Story in einer ebensolchen geraden Linie (Oscar für das komplexe Drehbuch gibt es keinen) zu einer geschmeidigen Fortsetzung und auch zu einem Ende geführt, welches im Extended Cut noch eines draufsetzt, sodass keiner mehr an dem Terminator-Mythos herumfriemeln kann. Ich war selbst recht verwundert, als ich zur Einstimmung für Terminator: Dark Fate diese Schnittfassung vor den Latz geknallt bekam. Und mit ansehen musste, wie mehrere Dutzend Jahre später Sarah Connor als rüstige Oma ihrem Sohnemann am Rande eines Spielplatzes dabei zusieht, wie er sich mit seinem Nachwuchs vergnügt. Ende der Geschichte. Ein paar sinnige Worte aus dem Off und das Franchise rund um den Terminator hätte mit diesem eher kitschigen Ausklang wirklich ins Archiv aufgenommen werden sollen. Gut, dass womöglich kein geringer Prozentsatz der Zielgruppe nicht weiß, dass es dieses Ende überhaupt gibt. Die Verwirrung wäre groß. Und tatsächlich wurde dieses seltsam kitschige Ende, wie auch aktuell Teil III, IV und V, einfach ignoriert. Womöglich besser so, denn das Terminator-Universum ist gelinde gesagt das beste Beispiel dafür, wie man ein Franchise tüchtig vermurksen kann. Bislang ist das Ganze zu einem Herumgepansche geworden, das für seinen Story-Mix wohl nicht ohne Golden Raspberry den Saal verlässt. Nichts passt mehr irgendwo zusammen, das reinste Patchwork, unvernäht bis in die Deckenfransen. Also Schlussstrich und anknüpfen an Teil 2.

Gesagt getan – entstanden ist im Grunde genommen ein Reboot derselben Geschichte. Wieder fallen zwei kybernetische bzw. teilkybernetische Rivalen in blitzezuckenden Energieblasen vom Himmel. Wieder sind sie nackt, und wieder jagt der eine, während die andere beschützt. Ja, auf der Beschützerseite ist diesmal eine Frau (die Terminatrix aus Teil 3 hatten wir schon, aber die hat es ja nach aktuellem Kanon nie gegeben), gespielt von der faszinierenden Mackenzie Davis, der man von Herzen danken muss dafür, dass Terminator: Dark Fate zumindest schauspielerisch kein totales Verlustgeschäft geworden ist. Ihre Figur der burschikosen Grace hat eine einnehmend gehetzte, verbissene Aura, wandelt von totaler Erschöpfung bis zur Raserei. Alleine dafür ist der offizielle sechste, aber insgeheim dritte Teil durchaus einen Kinogang wert. Was man am wenigsten von Linda Hamilton sagen kann. Aber die in ansehnlicher Würde herangereifte Dame sorgt für einen Effekt, den normalerweise Stargäste bei der Comic Con haben: Ikonen aus vergangenen Jahrzehnten haben den Kult auf ihrer Seite, auch wenn sie ewig nichts mehr gedreht haben. Mit dem Schauspielern tut sie sich rotzdem schwer. Arnold Schwarzenegger auch, aber der hat nur das mimische Soll eines T800 zu erfüllen. Was die beiden in diesem Film eigentlich verloren haben? Eigentlich nichts, denn erzählt wird ein ganz anderes, komplett neues Szenario. Und dieses Aufeinandertreffen der alten und neuen Riege fühlt sich ungefähr so an wie damals, als Jean-LucPicard auf den altehrwürdigen Captain Kirk in Star Trek VII traf. Dabei ist es halt rührend, jene, die uns in Jugendzeiten fasziniert haben, noch mal aufspielen zu sehen. Extended Cameos, würde ich sagen – die Story bringen sie nur bedingt weiter. Die hat Mackenzie Davis im Griff. Und Deadpool-Macher Tim Miller, der natürlich und völlig erwartet eine ordentliche Materialschlacht mit vorwiegend fahrbaren Untersätzen vom Stapel lässt. Fast & The Furious? Mad Max? Ja, ein bisschen. Und mittendrin der altbekannte Killerroboter mit stierem Blick, unzerstörbarer denn je. Dieses Hin und Her einer Hetzjagd ist genau das, was das Terminator-Franchise vorne und hinten abgrenzt. Die Zukunft, die Vergangenheit, irgendeine biographische Storyline von John Connor – will keiner sehen. Weil Terminator das ist, was es ist – ein Killerthriller aus den Achtzigern, der sich nicht ausbauen lässt, und wenn, dann nur mit dem Verblüffungsfaktor von flüssigem Metall.

Letzten Endes aber bekommt ein relativ vorhersehbares Krawallszenario tatsächlich noch soweit die Kurve, indem das Kaputtkriegen des Antagonisten zu einer Kraftanstrengung sondergleichen wird. Selten ist die Zerstörung von etwas geradezu Vollkommenen so eine Mordsdrumm Kraftarbeit – wirklich, das muss man gesehen haben. Aber mehr dann auch wieder nicht. Und es wäre jetzt gerade richtig, mit diesem filmischen Epilog die Sache einfach abzuschließen. Bevor sich wieder jemand die Energiekugel gibt.

Terminator: Dark Fate

Mortal Engines – Krieg der Städte

WHERE DO YOU GO TO, MY BRITAIN?

7/10

 

mortalengines© 2018 Universal Pictures and MRC. All Rights Reserved.

 

LAND: USA, NEUSEELAND 2018

REGIE: CHRISTIAN RIVERS

CAST: HERA HILMAR, ROBERT SHEEHAN, HUGO WEAVING, JIHAE, STEPHEN LANG, PATRICK MALAHIDE U. A.

 

Vor kurzem wurde ich gebeten, nachzusehen, was denn 2019 Einschneidendes für uns bringen wird. So wirklich fündig wurde ich nicht wirklich. Was einzig und allein aus der Agenda des kommenden Jahres hervorsticht, ist Großbritannien, das der europäischen Union entweder in harter oder weicher Form den Rücken kehren wird. Da stellt sich die Frage: Where do you go to, Great Britain? Das weiß keiner so wirklich, nicht mal Theresa May, weil es so einen Fall noch nie gegeben hat. Aber irgendeiner muss immer anfangen. Und dann weitermachen. Oder weiterrollen. Denn letzteres passiert, viele Dekaden nach unserer Zeitrechnung, nach einem apokalyptischen Krieg mit Quantenwaffen (was auch immer das sein soll), der eine verwüstete Erde und ganz viel Altmetall zurückgelassen hat, um daraus wieder neue Städte zu bauen, die diesmal mobil sind, tiefe Furchen im Erdreich hinterlassen und imstande sind, kleinere Städte innerhalb einer Zahnradumdrehung zu verknuspern. Was für ein verblüffender Zufall, dass diese Megacity auf Walzen Großbritannien darstellt. Ein Brexit in ferner Zukunft also – und jetzt kommt das augenzwinkernd Ironische an dem ganzen: Dieses Großbritannien, das nur mehr aus einer verschachtelten und aufgetürmten Stadt London besteht, will zwar ebenso die Grenzen sprengen wie das Großbritannien, das wir kennen – aber es will in das gelobte Land hinein, und nicht hinaus. Kann gut sein, dass hier niemand sonst diese politische Allegorie entdeckt – mich amüsiert das, und für mich bekommt dieses Fantasy-Epos dadurch eine Metaebene, die man mag oder auch nicht, die aber mehr zu erzählen scheint als nur ein Mad Max-Märchen zur 3er-Potenz.

Peter Jackson, der seit seinem arbeitsplatzbeschaffenden Mammut-Projekt Der Hobbit kein Regie-Zepter mehr angefasst hat, schickt Regie-Greenhorn und Weta-Genie Christian Rivers ins Feld, um Philip Reeve´s preisgekrönten ersten Teil seiner Predator City-Quadrilogie zu verfilmen. Was ihm überraschenderweise ziemlich gut gelingt. Statt mechanisch, kalt und steril, wie manche Kritiker meinen, gerät das düstere Epos um rollende Werkzeugkästen und Motoren zu einem detailverliebt ausgestatteten Waterworld im knochentrockenen Steampunk-Stil, in dem die 20er Jahre des 20ten Jahrhunderts mit Melone, deutschen Uniformen aus der Zeit Wilhelm II. und ganz viel Chaplin´s Modern Times fröhliche Urständ feiern. Dass das Ganze nicht zu einem manieristischen Zitatenschatz verkommt, ist der isländischen Hauptdarstellerin Hera Hilmar zu verdanken. Dieses erfrischend neue Gesicht auf der Blockbuster-Leinwand kompensiert nicht nur die Unbeholfenheit ihres Co-Akteurs Robert Sheehan, sondern haucht dieser eisenharten Schicksalssymphonie ganz viel Seele ein. Ihre Verbitterung, die Trauer über ihren Verlust und ihre Wut dem piratischen Machtgefüge gegenüber lässt Hilmar ein bisschen so werden wie eine Symbiose aus Arya Stark aus Game of Thrones und einer desillusionierten Ronja Räubertochter. Nicht umsonst ist das mit rotem Tuch vermummte Konterfei der jungen Dame auf allen Plakaten zu sehen – sie ist das Kernstück, der eigentliche Antrieb, der die Maschine am Laufen hält. Und dann gibt es da noch ganz viel Star Wars, vor allem gegen Ende des Films, und da macht Mortal Engines auch kein Geheimnis daraus, eine Geschichte nach bewährtem Erfolgsrezept erzählen zu wollen. Statt Rasendem Falken und X-Flüglern haben wir es hier mit so aerodynamischen wie formschönen Luftschiffen zu tun, die dem „Todesstern“ namens London ans Eingemachte wollen. Dieser Hang zum Abkupfern sei den Drehbuchautoren Jackson und Fran Walsh verziehen, auch wenn Mortal Engines sein ausgefeiltes CGI irgendwann nicht mehr unter Kontrolle zu haben scheint. Dann droht dem dystopischen Eventkino szenenweise der platte Overkill. Doch Deus ex Machina sei Dank bekommt Rivers die Kurve. Anders als bei urbanen Dystopien wie Die Tribute von Panem oder Die Bestimmung bewahrt sich Mortal Engines die narrativen Parameter einer legendenhaften High Fantasy, da spürt man schon den Atem eines Drachen, wenngleich dieser aus Zahnrädern und stampfenden Turbinen besteht.

Die Schrauben, die bleiben festgedreht, auch wenn glühäugige Cyborgs manch eine locker haben – und wir uns ebenso in einer Zukunft weit nach den Skynet-Kriegen wieder finden könnten. Alles zusammen fügt sich zu einer zwar nicht wirklich staunenswert originellen, aber zumindest staunenswert ausgestatteten Welt mit versteckten Seitenhieben auf die aktuelle Politik, in die es sich einzutauchen lohnt, auch wenn das Schmieröl dann nicht mehr aus der Kleidung geht.

Mortal Engines – Krieg der Städte