Worldbreaker (2025)

WARTEN AUF MILLA JOVOVICH

1/10

 

Luke Evans und Filmtochter Billie Boullet waten in Worldbreaker auf Milla Jovovich
© 2026 Alive AG

 

LAND / JAHR: USA, VEREINIGTES KÖNIGREICH 2025

REGIE: BRAD ANDERSON

DREHBUCH: JOSHUA ROLLINS

KAMERA: DANIEL ARANYÓ

CAST: BILLIE BOULLET, LUKE EVANS, MILLA JOVOVICH, MILA HARRIS, KEVIN GLYNN, CHARIS AGBONLAHOR U. A.

LÄNGE: 1 STD 35 MIN



Die Guten ins Töpfchen…

Ja stimmt, es gibt zuhauf schlechte Filme, die muss man gar nicht erst sehen, um zu wissen, dass die Synopsis des einen oder anderen Machwerks schamlos von Genreperlen abkupfert oder einfach nur marktschreierisch und um Effekte haschend das schnelle Geld machen will. Ein Durchforsten der Streamingplattformen macht schwummrig, vielleicht auch ein bisschen gesättigt von all dem gleichen Schmus – es ist wie Doomscrolling mit der Fähigkeit, die Apokalypse im Hirn und in der Raumzeit des Sinnhaften nochmal abzuwenden.

Milla und ihre Apokalypsen

Was Apokalypsen betrifft, so könnte auf den ersten Blick ein Film wie Worldbreaker ganz interessant sein. Wenn man auf Milla Jovovich abfährt – und auch, wenn man das nicht tut –, zumindest aber auf Resident Evil oder In the Lost Lands mit Dave Bautista, könnte man mit dem neuen Film von Brad Anderson, der ja durchaus schon mal die eine oder andere bemerkenswerte Arbeit vom Stapel hat lassen, zwei Stunden Monster-Endzeit genießen, oder?

Seltsam nur, dass ein Titel wie Worldbreaker nur dann greifbar wird, wenn man länger auf Film-Plattformen herumstöbert, und da vorzugsweise in der Kategorie Home Cinema. Aha, denke ich mir, Milla Jovovich macht, was sie immer schon gut konnte, nämlich die Waffen erheben gegen vielbeinige Riesenspinnen oder arachnoide Zentauren.

Die Gute schwingt noch dazu ein Schwert, was das Fantasy-Herz höher schlagen lässt. Schließlich ist auch Luke Evans dabei – der hat doch vor einiger Zeit den Ober-Vampir verkörpert? Stimmt, Vlad Dracul, und zwar in Dracula Untold. Auch nicht schlecht, probieren kann man’s ja, obwohl Worldbreaker auf Wikipedia fast totgeschwiegen wird.

Leere Versprechungen

Und dann? Ja, dann passiert das: Und zwar alles, nur das nicht, was man erwartet hätte. Ein innovatives Abenteuer, zum Bersten voll mit Monster-Action, gefälligem Pathos, auf das man aufspringt und eine sich windende Spannung? Mitnichten.

Das satte Grün irischer Plateaus, die in eine spektakuläre Küstenlandschaft übergeht – a hat sich jemand als Location-Scout bewiesen, das nenne ich mal Schauplatz für mächtig Drama und mächtig Thrill. TV-Darstellerin Billie Boullet, zu sehen in der Serienversion von Man on Fire, rückt auch hier ins Bild.

Die junge Dame scheint schon viel erlebt zu haben, traumatische Veränderungen, den Reiz der Selbstverantwortung, unterdrückte Furcht. Da steht sie, zähneknirschend und mit entschlossenem Blick, während auch sie ihr Schwert zieht. Aus dem Off hören wir Luke Evans bedeutungsschwere Stimme. Der Mut dieses Mädchens wird in die ungeschrieben Annalen der Postapokalypse eingehen.

Warten hat so was Vorherhsehbares

Dann aber springt die Zeit zurück, schließlich weiß man noch nicht, wovon diese Geschichte eigentlich handelt. Doch das macht nichts. Nach ungefähr zehn Minuten ist klar, wie und wohin sich das ganze Szenario entwickeln wird. Worldbreaker hält das Zepter der Vorhersehbarkeit so hoch, als wäre es ein Leuchtturm für alle, die als Skriptautoren und Autorinnen die noch nicht verfasste eigene Story weniger trivial gestalten wollen.

Milla Jovovich, so erfahren wir bald, ist nur des Marketings wegen mit an Bord, eine Randfigur wie einst Bruce Willis in so manchem B-Movie-Thriller seiner späteren Karriere. Die meiste Zeit leben Billie Boullet und ihr Rauschebart-Daddy auf einer einsamen kleinen Insel und harren der Dinge, während Mama Jovovich auf Irland gegen Ungetüme aus dem Erdinneren kämpft. Was wir leider nicht sehen.

Der ganze Film eine Nebenhandlung

Ja, wo sind sie denn, diese Viecher? Die kommen schon noch. Oder auch nicht. Oder eben unscharf und nur ganz kurz im Hintergrund, weil Brad Andersons Film einfach kein Budget hat oder das Budget gekürzt wurde, weil Weltwirtschaftskrise und so.

Stattdessen bleibt uns eine parkourerprobende Heidi und ihr alter Herr, beide schenken sich, was seifige Dialoge angeht, wirklich nichts. Die Hoffnung und die Liebe und all die gedroschenen Phrasen lassen sich leider nicht zu Mehl verarbeiten, um etwas zu beißen zu haben. Denn bissfest ist in diesem Streifen wirklich nichts. Langeweile macht sich breit, Billie Boullets Figur schreckt vor ihrer eigenen Vorahnung zurück.

Mitunter verhübschen gefährliche Mutanten das dröge Geschehen und verpuffen so schnell wie Sternschnuppen. Brad Anderson kann keinerlei Spannung halten, lässt keinen Ehrgeiz erkennen und beschränkt sich die meiste Zeit auf belanglose Jugend-Fantasy ohne Reibung und Raffinesse, die völlig durchhängt.

Das Warten auf Milla Jovovich hat irgendwann ein Ende

Die Lore dieses Films ist so hanebüchen und unausgegoren, der finale Auftritt Jovovichs so lachhaft, die Erwartung so dermaßen unerfüllt und das Ganze so holprig performt, dass selbst das bisschen feministische Grundidee keine nennenswerte Verbesserung bringt. Worldbreaker ist tatsächlich der Tiefpunkt eines Regisseurs, der uns seinerzeit einen kafkaesken Albtraum wie Der Maschinist beschert hat. Nun aber ist der Albtraum eher ungewollt, und die zwei Stunden Lebenszeit unwiederbringlich.

Worldbreaker (2025)

Beirut (2018)

TAUSCHE FEIND GEGEN FREUND

4/10


beirut© 2018 Bleecker Street


LAND / JAHR: USA 2018

REGIE: BRAD ANDERSON

DREHBUCH: TONY GILROY

CAST: JON HAMM, ROSAMUND PIKE, DEAN NORRIS, SHEA WIGHAM, LARRY PINE, MARK PELLEGRINO, IDIR CHENDER, BEN AFFAN, LEÏLA BEKHTI U. A.

LÄNGE: 1 STD 49 MIN


Für viele Kritiker mag Andor wohl die beste Star Wars Serie bisher gewesen sein. Für viele vielleicht. Nicht aber für mich. Woran das nicht enden wollende Lob wohl gelegen haben könnte? Am Mitwirken von Drehbuch-Mastermind Tony Gilroy. Schließlich hat dieser auch die Vorlage zum fulminanten Rogue One – A Star Wars Story abgeliefert. Dass Gilroy schreiben kann, wissen wir –- unter anderem bewies dieser bereits sein Händchen für komplexe, in sich verwobene Geschichten in der von Paul Greengrass dominierten Jason Bourne-Trilogie. Von Jason Bourne ist es nicht mehr so weit bis Beirut. Auch in diesem Dunstkreis aus Fundamentalismus, Rebellion, Politik und Geheimdienst ließe sich die unkaputtbare Persona non Grata aller Geheimdienste bestens verorten – doch statt Matt Damon gibt sich Jon Hamm den Aufenthalt im Nahen Osten, und zwar gerade zu jener Zeit, in der die Olympischen Spiele in München zur Tragödie wurden. Der Schwarze September hat also zugeschlagen, vom Libanon bis nach Ägypten ist alles am Brodeln und knapp vor dem Überkochen. Als Diplomat richtet man sich‘s trotzdem, mit Blick aufs Meer, und eine einheimische Gattin an der Seite.

Der Sozialen Ader muss dabei aber auch entsprochen werden, also nehmen die beiden einen palästinensischen Teenie auf, um ihn mit den Werten des Westens großzuziehen. Das dauert nicht lange, denn eines Tages wird das Anwesen von Jon Hamms Figur Skiles während einer Party von Islamisten heimgesucht, darunter der Bruder des Teenie, der – am Terroranschlag 1972 in München beteiligt – diesen entführt. Die Gattin stirbt, Skiles zieht sich, verstört, trauernd und erschüttert, wieder nach Großbritannien zurück. Um zehn Jahre später, dem Fusel zugetan und recht devastiert, wieder in die Vergangenheit zu reisen, um als Schlichter und Mittelsmann zu fungieren. Denn ein ehemaliger Kollege wurde entführt, und Skiles soll diesen, nun ein hohes Tier, aus den Fängen seines ehemaligen Schützlings boxen, natürlich mit Worten. Und gut verhandelten Deals.

Obwohl Beirut mit einer komplexen Story aufwartet und noch dazu ein ganzes Ensemble bekannter Gesichter auf dem Set hat, von Rosamund Pike bis „Breaking Bad“-Drogenkieberer Dean Norris, hat dieser Politthriller keinerlei Chance, wirklich länger im Gedächtnis zu bleiben. Tony Gilroy mag zwar seine Drehbücher womöglich in mehreren Durchgängen so sehr verdichten, dass kein Leerlauf entsteht und auch alle Protagonisten oft genug in verbale Interaktion geraten. Doch so paradox es klingen mag, führt diese Methode eher dazu, zu den Schauspielern eine immer weiter fortschreitende Distanz einzunehmen. Was hier passiert, entspricht einer perfektionistischen Routine im Genre des Politfilms, aber dennoch einer gewissen schalen Gleichförmigkeit, in der keine der Figuren ausführlich herausgearbeitet werden und auch den sogenannten Antagonisten kein Charisma verliehen wird. Langweilig ist Beirut nicht, aber abweisend und am Wohlergehen seiner Gesprächspartner seltsam uninteressiert.

Beirut (2018)