Tel Aviv on Fire

NAHOST IM SERIENWAHN

6/10

 

telavivonfire© 2019 MFA

 

LAND: ISRAEL, BELGIEN, FRANKREICH, LUXEMBURG 2018

REGIE: SAMEH ZOABI

CAST: KAIS NASHEF, LUBNA AZABAL, YANIV BITON, MAISA ABD ELHADI, NADIM SAWALHA U. A.

 

Wir wissen alle, dass es sie gibt, und zugegeben, manche davon haben wir sogar gesehen: Soap Operas. Vom Haus am Eaton Place über Die Sklavin Isaura bis zur Lindenstraße und Reich und Schön. Dauerbrenner und Guilty Pleasures fürs nachmittägliche Homesitting, tägliche Fixpunkte in Phasen ereignislosen Alltags, die aber für den nötigen Thrill sorgen, und ist es nur der, nicht zu wissen, wer jetzt mit wem liiert ist und wer vom Cast nun doch etwas im Schilde führt. Auch der Nahe Osten hat so seinen Straßenfeger – in der israelisch-französischen Gesellschaftssatire Tel Aviv on Fire ist das die erste Staffel eines aufregenden Schmachtfetzens selbigen Namens, mit einer international renommierten französischen Schauspielerin als Leading Actress. Gedreht wird in Ramallah im Westjordanland, und manch ein Crewmitglied tingelt täglich von Jerusalem nach Palästina, bewaffnete Grenzkontrollen inklusive. Das ist ganz schön mühsam, aber wohl das geringste Übel, wenn man betrachtet, welchen Fehden dieser Fleck auf Erden gefühlten Äonen schon ausgesetzt war. Ob das jemals zu einem Konsens führen wird, und ob irgendwann diese unsägliche und menschenverachtende Grenzmauer ganz im Stile von Deutschland 89 abgerissen wird, ist fraglich. Zu wünschen wäre es beiden Volksgruppen, die, jeder für sich, fest davon überzeugt sind, im Recht zu sein.

Natürlich handelt diese kostengünstig produzierte Dramaserie, die drehscheibe des Films, von einem ganz anderen einschneidenden Konflikt in den 60ern – nämlich vom Sechstagekrieg. Am Vorabend dieser Auseinandersetzung spielen da ganz im Sinne des amerikanischen Spionagefilms Mata Hari-ähnliche Schönheiten eine Rolle, die israelische Generäle bezirzen, um irgendwann zuzuschlagen, am Besten im Zuge eines Attentats. Und die Serie, die wird gedreht, aber keiner weiß, wohin sie führen soll. Bis Regieassistent Salam einem Grenzbeamten in die Hände fällt, der dramaturgisch durchaus was am Kasten  und eine ganz eigene Vorstellung davon hat, wie die erste Staffel enden muss.

Der Israeli Sameh Zoabi nähert sich der religions- und volkspolitisch offenen Wunde von der Maschekseite, nämlich durch die Hintertür eines Filmstudios. Das Fernsehen, das hat eine ganz andere Politik als die der Straße. Das Fernsehen, das verbindet Feinde wie Freunde, mediales Interesse macht weder vor Muslimen noch vor Juden halt, da sind alle anderen Befindlichkeiten zweitrangig. Allerdings – auch bei einer Serie, die genau das thematisiert? Der Serienwahn steckt in Tel Aviv on Fire alle an, doch lassen sich in den Kulissen eines Studios die Konflikte einfacher beiseitelegen als im echten Leben? Und lässt sich der Friede zwischen Palästinensern und Israelis auf völlig naive Weise einfach so inszenieren? Dem Israeli Assi wäre das am Liebsten, das Ideal eines Zugeständnisses von der anderen Seite des Grenzzaunes. Der „Hans im Glück“ Salam, der, plötzlich Drehbuchautor, wie die Jungfrau zum Kind kommt (um hier auch noch die Christen zu bemühen), sieht alle Türen geöffnet, um Geschichte zu schreiben. Die Geschichte einer Vereinigung, die doch so undenkbar scheint.

In Zoabis Film ist vieles möglich, ist vieles auch absichtlich auf klischeehafte Weise karikiert, und mit Hummus geht sowieso alles besser. Doch so richtig bissfest will die augenzwinkernde Komödie dann doch auch nicht sein, will nirgendwo anecken noch kompromittieren. Will in erster Linie natürlich unterhalten, und die Diskrepanz zwischen den beiden Parteien auf versöhnliche Weise durch den Kakao ziehen. Versöhnlich ist ja schon mal gut, auch der Anspruch ein lobenswerter, doch wenn vielleicht Hauptdarsteller Kais Nashef nicht ganz so den Phlegmatiker herauskehren würde, wäre das Feuer in Tel Aviv wohl mehr der Burner, wohl mehr leidenschaftlicher und auch mehr bei der Sache. Es ist also wie mit den Soaps, die zwar immer irgendwelche Hiobsbotschaften heraufbeschwören, aber in ihrer weitgefächerten Zielgruppenorientierung in routinierter Gleichförmigkeit vor sich hinplätschern. Das tut vorliegender Film auch, und er regt nicht auf oder sorgt für Kontroversen, weil es doch nur ein Boulevardstück ist, das in sich sowieso nochmal ein massentaugliches Sprachrohr nutzt, um einen Konsens für alle zu suchen. Weil das Unmögliche nicht mal im inszenierten Traum möglich sein kann. Da hört laut Regisseur Zoabi dann der Spaß auf, so optimistisch will er dann doch nicht in die Zukunft blicken, eher resignierend, oder nur einen kleinen Schritt tun, nämlich den aus der momentan geschilderten Affäre. Ein geflissentliches Zugeständnis also, das man ihm nicht übelnehmen kann. Und noch etwas stellt sich ein, nachdem der Abspann so abläuft wie das kitschige Intro einer dieser eingangs erwähnten Langzeitshows: ein unglaublicher Heißhunger auf Hummus, obwohl man Hummus eigentlich gar nicht so mag.

Tel Aviv on Fire

Der Affront

VOM HINHALTEN DER ANDEREN BACKE

8/10

 

affront© 2018 Filmladen

 

LAND: FRANKREICH, LIBANON 2017

REGIE: ZIAD DOUEIRI

CAST: ADEL KARAM, RITY HAYEK, KAMEL EL BASHA, CHRISTINE CHOUEIRI U. A.

 

Ich wäre dankbar dafür, würden Bauarbeiter an meiner Haustür läuten und mich darauf aufmerksam machen, dass mein Abfluss defekt ist. Wenn sie sich noch dazu bereit erklären würden, diesen zu reparieren, würde ich ihnen, und das wäre das mindeste, sogar einen Kaffee spendieren, vom Trinkgeld im Nachhinein mal abgesehen. Allerdings läuft sowas nicht ganz so geschmeidig ab, wenn wir uns im Libanon befinden, genauer gesagt in Beirut. Um zu verstehen, warum eine Hilfestellung wie diese zu einem handfesten Affront wird, wäre es natürlich nicht schlecht, die politische Geschichte des Landes zumindest rudimentär zu kennen. Falls dem nicht so ist, macht das auch nichts, es wäre nur eine Fleißaufgabe vorab, um noch leichter in die Tragödie hineinzufinden, die sich scheinbar im Zeitraffer hochschraubt wie ein Kettenkarussell. In Beirut also lässt der libanesische Christ Toni den Palästinenser Yasser natürlich nicht in die Wohnung. Einfach, weil er ein muslimischer Flüchtling ist, in diesem Land nichts verloren hat und schon gar nicht Hand anlegen darf an etwas, dass einem patriotischen Christen gehört. Yasser muss das Problem mit dem illegalen Abfluss aber im Rahmen seiner Arbeit trotzdem irgendwie lösen – und wird daraufhin von Toni beschimpft. Der schimpft natürlich zurück – und die Wogen schaukeln sich hoch. Eine verbale Ohrfeige folgt der anderen, keiner ist bereit, klein beizugeben. Weder der Palästinenser noch der Christ. Der Streit ist natürlich ein Sinnbild für etwas viel größeres, das hinter der Fassade augenscheinlicher Toleranz schwelt. Nämlich der Hass auf Einwanderer aus dem Süden, die allesamt verantwortlich gemacht werden für einen Krieg, der noch viel weiter zurückliegt, und der aus Flüchtlingen automatisch verdächtige Terroristen macht.

Der Libanese Ziad Doueiri, langjähriger Kameraassistent bei Quentin Tarantino, hat mit Der Affront ein bemerkenswertes Politdrama entworfen. Nicht nur eben inszeniert, sondern auch geschrieben. Die Idee, das Misstrauen zweier Völker auf dem Rücken zweier Männer austragen zu lassen, die in ihrer Überzeugung, das Recht auf ihrer Seite zu haben, sogar bis vors Gericht gehen, damit lässt sich nicht nur die sensible Lage im Nahen Osten sezieren. Was als bürgerliche Miniatur aus dem Randbezirk beginnt, mutiert zu flächendeckender Unruhe. Damit lässt sich generell, und zwar auf einer übergeordneten Metaebene, die Mechanismen eines ethnisch bedingten Konfliktes analysieren, wenn nicht gar die Mechanismen von Streit an sich. Dass der Klügere nachgibt, wie es so schön heißt, das reduziert sich auf eine wohlmeinende Floskel, die vergisst, mit Emotionen zu kalkulieren. Emotionen, die lassen nicht mehr klar denken, geschweige denn klug. Denn wer klug ist, sollte erstmal gelassen sein. Angesichts finsterer Erinnerungen, die den Christen Toni plagen, ein Ding der Unmöglichkeit. Wobei gerade da die größte Herausforderung jene ist, trotz allem einen Schritt zurück zumachen und die Situation aus konfliktberuhigter Lage zu betrachten. Um dann auch noch die andere Backe hinzuhalten, die Hand zum Friedensschluss zu reichen. Den Kreislauf der Fehde zu unterbrechen und Schwammdrüber zu machen, über alles was war. Im Nahen Osten aber, da herrscht noch vehementer als bei uns das Bewusstsein, einem Volk anzugehören. Diese Zwangsgemeinschaft großer Weltreligionen, die sich noch dazu ethnisch unterscheiden, können im Kampf für ihre Grundrechte jeden gebrauchen. Das weiß der Einzelne, das weiß auch Toni und Yasser. Aber wann ist das Wettrüsten zum eigenen Stolz am Ende? Wann wird aus Stolz kindischer Trotz? Und kann man irgendwann, wenn es schon so heiß köchelt, nochmal umkehren und die Wurzeln der Diskrepanz in neue Erde setzen?

Der Affront will den Versuch wagen. Doueiris Film denkt sein Szenario konsequent und diszipliniert zu Ende, während die urbanen Massen kurz davor sind, ihre Disziplin zu verlieren. Dabei erinnert Doueiris Herangehensweise an jener des Iraners Ashgar Farhadi, der zum Beispiel mit Werken wie The Salesman ähnlich gesellschaftskritische Beobachtungen liefert. Das gleichnishafte Drama bringt den Konflikt vor Gericht, versucht dabei, nicht Partei zu beziehen. Lässt festgefahrene Blindwütigkeit und eitle Sturheit auseinandernehmen, bis der Kern des Problems ans Licht tritt. Das ist spannend, höchst brisant und aufwühlend, weil es eben nicht nur um den Nahen Osten geht, sondern um Vorbehalte an sich, die sich unter Warum-Fragen in blasser Transparenz verflüchtigen sollen. Was bleibt, ist ratlose Scham und gegenseitiges Verständnis. Bis es mal tatsächlich so weit kommt, braucht es natürlich mehr als einen Film wie diesen, der viel will, aber auch viel erreicht. Der Affront ist ein guter Anfang. Und ein zeitlos relevantes Werk, dass, gäbe es einen Friedensnobelpreis für Filme, diesen verdient hätte.

Der Affront

40 Tage in der Wüste

EIN JEDI NAMENS JESUS

5/10

 

LDD_03274.CR2© 2017 Tiberius Film

 

ORIGINAL: LAST DAYS IN THE DESERT

LAND: USA 2017

REGIE: RODRIGO GARCIA

MIT EWAN MCGREGOR, CIARÀN HINDS, AYELET ZURER, TYE SHERIDAN U. A.

 

Es wäre eine Frage für den Mikromann: Die Fastenzeit von 40 Tagen ist nun vorbei. Das entspricht Jesu Aufenthalt in der Wüste. Wie lange war der Mann aus Nazareth im Outback und was hat er dort gemacht? Die richtige Antwort möchte ich hören! Denn auf Fragen rund um die Bibel souverän zu antworten mag schwierig werden. So bibelfirm sind die Unsrigen nicht. Und obwohl die richtige Antwort ohnehin schon wie beim  Mikromann immer in der Frage versteckt liegt, ist der Vorführeffekt immer stärker als die eigene Kompetenz, in Anbetracht eines vor die Nase gehaltenen Mikros logisch zu denken. Aber auch ohne Mikro und Mann lässt sich über Jesu Aufenthalt im knochentrockenen Niemandsland zwischen Jerusalem und Nazareth nur rätseln. Dem Zimmermannssohn soll der Teufel erschienen sein. Und ihm das Königreich zu Füßen gelegt haben. Die ganze Macht der Welt. Soll ihn verführt haben zum Mammon. Wirklich mehr steht nicht in der Bibel. In Martin Scorseses kontroverser Literaturverfilmung Die letzte Versuchung Christi sehen wir den gefallenen Engel als schwarz gekleideten, adretten Mann, der den Nazarener wie ein moderner Inquisitor auf die Probe stellt. In Last Days in the Desert hat der Teufel keine eigene Gestalt, sondern erscheint einem Spiegelbild gleich als zweiter Jesus. Als dessen dunkle, unterbewusste Seite. Manchmal aber auch als alte Frau am Wegesrand. Oder als Flüstern. Der zukünftige Messias ist das alles schon durch. Satan ist nur mehr ein Quälgeist, der staubige Spuren im Sand hinterlässt. Die 40 Tage liegen in der kargen Filmmeditation des Kolumbianers Rodrigo Garcia (Albert Nobbs, Gefühle die man sieht) Gott sei´s gedankt hinter uns. Der eingedeutschte Titel 40 Tage in der Wüste ist also irreführend. Denn es sind nur die letzten Tage, um dies es hier geht. Falls es um etwas geht. Das erkannt man nicht sofort. Und man erkennt auch nicht sofort, dass wir es mit einem Religionsfilm zu tun haben. Genauso gut könnte der Anfang von Last Days in the Desert der Anfang von Kenobi: A Star Wars Story sein. Tatsächlich macht auf Youtube ein Fake-Trailer seine Runde, der die ausgiebigen Wanderszenen eines Ewan McGregor als Jedi-Sinnsuche zweckentfremdet. Von Jesus also keine Spur. Aber dennoch – dranbleiben, dann wird aus dem weltbekannten Konterfei der Trainspotting-Ikone doch noch sowas wie ein Geistlicher, wenngleich ich mir vom biblischen Bringer einer neuen Ordnung mehr erwarte als einen in Fetzen gehüllten Pilger, der versucht, es allen recht zu machen.

Ist das tatsächlich die letzte Aufgabe, die der Teufel dem Messias stellt? Denn kurz vor Verlassen seiner selbst gewählten unsäglichen Ödnis (Nein, es handelt sich dabei nicht um die Jundlandwüste von Tatooine) trifft er auf sesshaft gewordene Nomaden, genauer gesagt auf eine schrecklich unglückliche Familie. Die Mutter todkrank, der Vater in seiner Vaterrolle scheiternd, der Sohn sehnsüchtig nach Jerusalem schielend. Jesus muss nun das Beste für alle erreichen, sonst hat er seine Prüfung nicht bestanden. Also vermittelt er zwischen Eltern und Kind in therapeutischer Zurückhaltung. Ich selbst bin kurz davor, die Prüfung hinzuschmeißen. Garcia´s Film ist das richtige Programm für die Karwoche. Fürchterlich ausgedörrt, kratzig wie ungewaschenes Leinen, und selbst den Staub der Wüste scheint man als Zuseher zu schmecken anstelle des knusprigen Fladens zum Gründonnerstag. In 40 Tage in der Wüste steckt kaum was Erquickendes, einzig vielleicht der Blick ins fruchtbare Tal, das da vor den Protagonisten liegt. Und Ewan McGregor gibt sich erstaunlich unerleuchtet. Zumindest scheut sein ikonenhafter Haarwuchs und der ungestutzte Dreitagebart keine testamentarischen Vergleiche. Ich schaue mir meinen Personal Jesus also sozusagen schön und ins richtige Licht. Irgendwann ist Ben Kenobi vergessen. Das letzte Bild überzeugt dann am meisten, wenn überhaupt als einziges. 40 Tage in der Wüste ist wie der Epilog von etwas, das nie gedreht wurde. Ausnüchterung im Breitbild, der einzige Trost liegt in der Erlösung vom Leben. Kinokarwoche at it´s best.

40 Tage in der Wüste

Welcome to Norway

WIR BAUEN UNS EIN FLÜCHTLINGSHEIM

6,5/10

 

norway
© 2016 Neue Visionen / Quelle: filmstarts.de

 

LAND: NORWEGEN 2016
REGIE: RUNE DENSTAD LANGLO
MIT Anders Baasmo Christiansen, Olivier Mukuta, Slimane Dazi

 

Irgendwo in Norwegen. Eine leerstehende Immobilie, die einmal ein Hotel hätte werden sollen. Und ein Möchtegern-Unternehmer mit Mangel an nötigem Kleingeld. Da kommt der Flüchtlingsstrom ja wie gerufen. Was für die einen unendliches Leid bedeutet, kann für den einstweiligen Selfmade-Pechvogel nur von Vorteil sein. Klingt bitter und zynisch – und ist es teilweise auch. Denn das Hotel, das wird zum Flüchtlingsheim. Eigentlich eine brillante Idee, um an Geld zu kommen. Der Staat hat dafür einiges an Zuschuss parat. Doch zuvor muss man überhaupt erst mal wissen, wie denn ein Flüchtlingsheim aussehen soll. Und was es braucht. Wer weiß das besser als die Flüchtlinge selbst. Denn die stehen im wahrsten Sinne des Wortes erstmal vor ungemachten Betten.

Bei IKEA gibt es noch keine Flüchtlingsheime im Eigenbau, auch kein Flüchtlingsheim für Dummies in gelbschwarzem Einband. Klar, dass Welcome to Norway voller unerwarteter wie schräger Momente stecken muss, die auf den ersten Blick zwar erheiternd und kauzig wirken, des weiteren aber in ihrer satirischen Form ihre Tragik offenbaren. Die Idee, eine Komödie zur Flüchtlingskrise dem Medium Kino beizusteuern, ist ungefähr so geschmacklos wie den islamistischen Terror in Four Lions zu veralbern oder den Holocaust als Clownerie darzustellen. Tabuthemen, die so gar nicht augenzwinkernd auserzählt werden dürfen. Oder doch? Der norwegische Regisseur Rune Denstad Langlo denkt sich so seinen Teil – und beantwortet die Frage mit Ja. Es hat schon etwas befreiendes, die Flüchtlingspolitik insbesondere Norwegens und die damit einhergehende Xenophobie Europas zu karikieren. In der Karikatur liegt viel Wahrheit. Und Betroffenheitskino lässt die, die sich ohnehin schon mit dieser Thematik beschäftigt haben, in phlegmatischer Selbstbestätigung zurück. Also hat die Komödie mehr Wirkung, auch wenn hier das Schmunzeln im Halse stecken bleibt. Schonungslos, aber versöhnlich.

Welcome to Norway ist eine geradlinige, teils ernüchternde Do-it-yourself-Dramödie, die den medial projizierten Asylhorror zum Teil des Alltags werden lässt. Allerdings zu einem Alltag, in dem jeder vom anderen profitieren kann. Die Einwanderer von den Einheimischen und umgekehrt. Eine Kosten-Nutzen-Rechnung, die aufgeht. In einem komprimierten, vereinten Europa als Hotel im windumtosten Nirgendwo. Wenn schon ein Miteinander, dann tatsächlich nur in der Not.

Welcome to Norway