Worldbreaker (2025)

WARTEN AUF MILLA JOVOVICH

1/10

 

Luke Evans und Filmtochter Billie Boullet waten in Worldbreaker auf Milla Jovovich
© 2026 Alive AG

 

LAND / JAHR: USA, VEREINIGTES KÖNIGREICH 2025

REGIE: BRAD ANDERSON

DREHBUCH: JOSHUA ROLLINS

KAMERA: DANIEL ARANYÓ

CAST: BILLIE BOULLET, LUKE EVANS, MILLA JOVOVICH, MILA HARRIS, KEVIN GLYNN, CHARIS AGBONLAHOR U. A.

LÄNGE: 1 STD 35 MIN



Die Guten ins Töpfchen…

Ja stimmt, es gibt zuhauf schlechte Filme, die muss man gar nicht erst sehen, um zu wissen, dass die Synopsis des einen oder anderen Machwerks schamlos von Genreperlen abkupfert oder einfach nur marktschreierisch und um Effekte haschend das schnelle Geld machen will. Ein Durchforsten der Streamingplattformen macht schwummrig, vielleicht auch ein bisschen gesättigt von all dem gleichen Schmus – es ist wie Doomscrolling mit der Fähigkeit, die Apokalypse im Hirn und in der Raumzeit des Sinnhaften nochmal abzuwenden.

Milla und ihre Apokalypsen

Was Apokalypsen betrifft, so könnte auf den ersten Blick ein Film wie Worldbreaker ganz interessant sein. Wenn man auf Milla Jovovich abfährt – und auch, wenn man das nicht tut –, zumindest aber auf Resident Evil oder In the Lost Lands mit Dave Bautista, könnte man mit dem neuen Film von Brad Anderson, der ja durchaus schon mal die eine oder andere bemerkenswerte Arbeit vom Stapel hat lassen, zwei Stunden Monster-Endzeit genießen, oder?

Seltsam nur, dass ein Titel wie Worldbreaker nur dann greifbar wird, wenn man länger auf Film-Plattformen herumstöbert, und da vorzugsweise in der Kategorie Home Cinema. Aha, denke ich mir, Milla Jovovich macht, was sie immer schon gut konnte, nämlich die Waffen erheben gegen vielbeinige Riesenspinnen oder arachnoide Zentauren.

Die Gute schwingt noch dazu ein Schwert, was das Fantasy-Herz höher schlagen lässt. Schließlich ist auch Luke Evans dabei – der hat doch vor einiger Zeit den Ober-Vampir verkörpert? Stimmt, Vlad Dracul, und zwar in Dracula Untold. Auch nicht schlecht, probieren kann man’s ja, obwohl Worldbreaker auf Wikipedia fast totgeschwiegen wird.

Leere Versprechungen

Und dann? Ja, dann passiert das: Und zwar alles, nur das nicht, was man erwartet hätte. Ein innovatives Abenteuer, zum Bersten voll mit Monster-Action, gefälligem Pathos, auf das man aufspringt und eine sich windende Spannung? Mitnichten.

Das satte Grün irischer Plateaus, die in eine spektakuläre Küstenlandschaft übergeht – a hat sich jemand als Location-Scout bewiesen, das nenne ich mal Schauplatz für mächtig Drama und mächtig Thrill. TV-Darstellerin Billie Boullet, zu sehen in der Serienversion von Man on Fire, rückt auch hier ins Bild.

Die junge Dame scheint schon viel erlebt zu haben, traumatische Veränderungen, den Reiz der Selbstverantwortung, unterdrückte Furcht. Da steht sie, zähneknirschend und mit entschlossenem Blick, während auch sie ihr Schwert zieht. Aus dem Off hören wir Luke Evans bedeutungsschwere Stimme. Der Mut dieses Mädchens wird in die ungeschrieben Annalen der Postapokalypse eingehen.

Warten hat so was Vorherhsehbares

Dann aber springt die Zeit zurück, schließlich weiß man noch nicht, wovon diese Geschichte eigentlich handelt. Doch das macht nichts. Nach ungefähr zehn Minuten ist klar, wie und wohin sich das ganze Szenario entwickeln wird. Worldbreaker hält das Zepter der Vorhersehbarkeit so hoch, als wäre es ein Leuchtturm für alle, die als Skriptautoren und Autorinnen die noch nicht verfasste eigene Story weniger trivial gestalten wollen.

Milla Jovovich, so erfahren wir bald, ist nur des Marketings wegen mit an Bord, eine Randfigur wie einst Bruce Willis in so manchem B-Movie-Thriller seiner späteren Karriere. Die meiste Zeit leben Billie Boullet und ihr Rauschebart-Daddy auf einer einsamen kleinen Insel und harren der Dinge, während Mama Jovovich auf Irland gegen Ungetüme aus dem Erdinneren kämpft. Was wir leider nicht sehen.

Der ganze Film eine Nebenhandlung

Ja, wo sind sie denn, diese Viecher? Die kommen schon noch. Oder auch nicht. Oder eben unscharf und nur ganz kurz im Hintergrund, weil Brad Andersons Film einfach kein Budget hat oder das Budget gekürzt wurde, weil Weltwirtschaftskrise und so.

Stattdessen bleibt uns eine parkourerprobende Heidi und ihr alter Herr, beide schenken sich, was seifige Dialoge angeht, wirklich nichts. Die Hoffnung und die Liebe und all die gedroschenen Phrasen lassen sich leider nicht zu Mehl verarbeiten, um etwas zu beißen zu haben. Denn bissfest ist in diesem Streifen wirklich nichts. Langeweile macht sich breit, Billie Boullets Figur schreckt vor ihrer eigenen Vorahnung zurück.

Mitunter verhübschen gefährliche Mutanten das dröge Geschehen und verpuffen so schnell wie Sternschnuppen. Brad Anderson kann keinerlei Spannung halten, lässt keinen Ehrgeiz erkennen und beschränkt sich die meiste Zeit auf belanglose Jugend-Fantasy ohne Reibung und Raffinesse, die völlig durchhängt.

Das Warten auf Milla Jovovich hat irgendwann ein Ende

Die Lore dieses Films ist so hanebüchen und unausgegoren, der finale Auftritt Jovovichs so lachhaft, die Erwartung so dermaßen unerfüllt und das Ganze so holprig performt, dass selbst das bisschen feministische Grundidee keine nennenswerte Verbesserung bringt. Worldbreaker ist tatsächlich der Tiefpunkt eines Regisseurs, der uns seinerzeit einen kafkaesken Albtraum wie Der Maschinist beschert hat. Nun aber ist der Albtraum eher ungewollt, und die zwei Stunden Lebenszeit unwiederbringlich.

Worldbreaker (2025)

28 Years Later (2025)

RABIAT-ANTHROPOLOGIE IM ENDSTADIUM

6/10


© 2024 CTMG, Inc. All Rights Reserved.


LAND / JAHR: VEREINIGTES KÖNIGREICH, USA 2025

REGIE: DANNY BOYLE

DREHBUCH: ALEX GARLAND, DANNY BOYLE

KAMERA: ANTHONY DOD MANTLE

CAST: AARON TAYLOR-JOHNSON, ALFIE WILLIAMS, JODIE COMER, RALPH FIENNES, EDVIN RYDING, CHI LEWIS-PARRY, JACK O’CONNELL, ERIN KELLYMAN, EMMA LAIRD U. A.

LÄNGE: 1 STD 55 MIN


Wenn der mit Jod getünchte Ralph Fiennes mit Bruce-Willis-Bluse im nächtlichen Schein des Feuers seinen kahlen Kopf senkt und raunend darüber sinniert, dass wir niemals vergessen sollen, sterblich zu sein, erinnert das an die letzten kultverdächtigen Momente aus Coppolas Vietnamkriegs-Wahnsinn Apocalypse Now. Während man dort aber erst im tiefsten Dschungel auf archaischen Absolutismus stieß, werden hier jene, die ihre Stiefel auf den Sandstrand Großbritanniens setzen, unmittelbar mit einem Gesamtzustand konfrontiert, der an die wildesten Auswüchse einer chaotischen Steinzeit erinnert.

Danny Boyle und Alex Garland haben mit ihrer Idee einer lokalen Apokalypse, die sich seltsamerweise immer auf die Zahl 28 fixiert, das Genre des Zombie-Films umgeschrieben und gleichzeitig ergänzt. Damals noch wusste keiner, was los war, nicht mal der junge Cillian Murphy, als er 2002 in einem leerstehenden Krankenhaus erwacht, nur um festzustellen, dass der Rest der Bevölkerung Londons ebenso entschwunden war. Die Endzeit war in 28 Days Later ausgebrochen, ein sogenanntes Wut-Virus hat sich der Gehirne zivilisierter Bürgerinnen und Bürger bemächtigt, um diese in rasender Tobsucht auf die letzten paar Unversehrten losgehen zu lassen, die ihrerseits im Hakenschlag versuchten, eine vom Militär gesicherte Zone zu erreichen. Was bei diesem Film sofort ins Auge fällt, ist Boyles visueller Filmstil, der sich Elementen des Avantgarde-Kinos bedient und im experimentellen Grunge-Look sowohl die Zombiefilm-Schwemme der Bahnhofkinos als auch die Videoclip-Ästhetik britischer Punk-Bands feiert. So rabiat ließ sich das Ende einer Zivilisation lange schon nicht mehr feiern. Juan Carlos Fresnadillo legte mit dem Sequel 28 Weeks Later sogar noch ein Quäntchen mehr an Nihilismus drauf.

Jetzt, keine 28, sondern 18 Jahre später, wollen Danny Boyle und Alex Garland ihr Universum weiterspinnen und mit einer Trilogie in den Kick-Off gehen, dabei aber tunlichst vermeiden, ins bereits gepflügte Fahrwasser von Walking Dead und Co zu geraten. Wie sehr sich 28 Years Later von bereits etablierten anderen Zombie- oder Virus-Apokalypsen in Film und Fernsehen unterscheidet, kann ich in Ermangelung einer Kenntnis über das Walking Dead-Universum nicht hundertprozentig beurteilen. Angesichts unzähliger Staffeln und Spin-Offs dürfte dort schon alles abgearbeitet sein, was sich zu Zombies, Epidemien und gesellschaftlichem Notstand nur sagen lässt. Was ich aber zugeben kann: Anders als The Last of Us ist der Plot des 28-Franchise dann doch. Und das nicht nur, weil Kameramann Anthony Dod Mantle eine virtuose Optik zustande bringt, die tief im körpersaftigen, erdigen Naturalismus wühlt und finale Zombie-Kills auch gerne mal mit Freeze Frames veredelt. Die Schnitttechnik ist genauso wutentbrannt wie all die nackten Infizierten, von denen man manchmal erwartet, dass sie von einer ganzen Kavallerie intelligenter Menschenaffen eingeholt und eingefangen werden. Doch das wird nie passieren, denn in einem Zeitraum von 28 Jahren haben sich selbst bei diesen wilden Humanoiden gewisse Hierarchien entwickelt, die Alphawesen an die Spitze marodierender Clans stellen. Ein Umstand, von dem Aaron Taylor Johnson als Vater Jamie natürlich weiß, der ihn aber nicht davon abhält, auf der Hauptinsel Großbritannien seinen zwölfjährigen Sohn Spike einem Initiationsritus zu unterziehen, der ihn direkt mit den blutrünstigen Horden konfrontieren soll. Die Mutter, Jodie Comer, schwerkrank auf einer vorgelagerten Insel-Enklave im Bett dahinvegetierend, ahnt derweil nichts von dieser Mutprobe – und auch nicht, dass sie sich nur Stunden später selbst, von ihrem Sohn im Schlepptau, auf dem Weg zu einem Arzt befinden wird, der als orange leuchtender, grotesk anmutender Eremit seinen Weg gefunden hat, das ehemalige Königreich und sich selbst ins Reine zu bringen.

Bewusst entfernen Sich Boyle und Garland von der bisherigen wüsten, völlig entfesselten Erzählweise der beiden Vorgängerfilme und legen ihre neue Geschichte weitaus epischer an. Das heisst, dass in der Ouvertüre der geplanten Trilogie zumindest mal die Schienen gelegt werden für das eigentliche Drama, dass hier noch mehr oder weniger auf dezenten, leiseren Sohlen daherkommt und nur als Fragment verfügbar ist. Da fragt man sich: Ist ein halber oder nur das Dittel eines Films wirklich schon die halbe Miete? Ist das genug für einen Standalone-Film, im Falle eines Falles, wenn in Ermangelung des nötigen Einspiels die anderen beiden Teile gar nicht mehr produziert werden? Kümmerliche Filmbausteine wie ein solches gibt es in der Filmhistorie viele, leider eine Sauerei der Studios. Was aber, wenn das auch hier passiert? Dann haben wir den Anfang von etwas, das im Nirgendwo endet, das alles offen lässt und gerade mal einen Epilog erzählt, der von der Sterblichkeit des Menschen handelt. Die ist auch immer noch auf natürlichem Wege vorhanden, dafür muss ein Wut-Zombie nicht gleich einen auf Predator machen.

In 28 Years Later, der natürlich jede Menge Blut, Beuschel und Rückgrat zeigt, geht’s vielmehr um Euthanasie, Respekt vor dem Leben und Pietät vor den Toten. Um das ritualisierte Aufräumen nach einer Schlacht, um einen Aftermath, obwohl der große Sturm vielleicht noch kommen wird. 28 Years Later setzt nicht auf Beschleunigung, sondern bremst sich als humanistischer Roadmap-Horror runter, um die Bausteine der Geschichte zu sondieren. Taktisch klug ist das nicht so, der Film endet, bevor er richtig begonnen hat. Vielleicht wäre das halb so wild gewesen, würde er nicht noch eine Tür öffnen, durch die man nicht treten darf. Gerade dadurch hinterlässt 28 Years Later das unbefriedigende Gefühl, zur Halbzeit aus dem Kino geworfen worden zu sein.

28 Years Later (2025)

In the Lost Lands (2025)

EIN TOURGUIDE FÜR DIE WUNSCHHEXE

5/10


© 2025 Praesens Film


LAND / JAHR: DEUTSCHLAND, KANADA, USA 2025

REGIE: PAUL W. S. ANDERSON

DREHBUCH: CONSTANTIN WERNER

CAST: MILLA JOVOVICH, DAVE BAUTISTA, ARLY JOVER, AMARA OKEREKE, FRASER JAMES, SIMON LÖÖF, DEIRDRE MULLINS, SEBASTIAN STANKIEWICZ, TUE LUNDING U. A. 

LÄNGE: 1 STD 42 MIN


Der dunkle Turm, Fallout, Mad Max, Warhammer – das alles und noch viel mehr lässt sich dieser Tage im Paul W. S. Andersons neuem Endzeitspektakel In the Lost Lands wiederfinden, basierend auf einer Kurzgeschichte von GOT-Schöpfer George R. R. Martin, die dieser irgendwann in einem Anfall der Lust, die Postapokalypse mit verruchten Helden und Hexen zu bevölkern, womöglich innerhalb eines Abends auf ein Blatt Papier geschmiert haben könnte. Nun, Martin ist Martin, auch sowas verkauft sich und findet dann auch noch jemanden, der das ganze verfilmen will. Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden, den Niedergang unserer Welt sehen wir alle gerne, zumindest bannt dieses Subgenre vielleicht diverse Ängste, die zurzeit ohnehin massenhaft an die Oberfläche sickern.

Zu sehen ist ein verwüstetes Stück ehemalige urbane USA (was denn sonst), eingestürzte Wolkenkratzer machen sich immer gut, zum Glück verzichtet Anderson auf die Freiheitsstatue, denn die gibt’s ja schließlich schon anderswo. In dieser rauen Gegend, in welcher die Wüstenstürme toben und der Himmel dadurch in rostroten Farben strahlt, reitet ein einsamer Gunman in eine Stadt ein, die George Miller hätte entwerfen können. Oder aber auch in der Welt von Warhammer 40.000 zu finden gewesen wäre. Der bullige Revolvermann schiebt sein Konterfei bereits anfangs nah an die Kamera, um dem Publikum zuzuraunen, dass diese Geschichte keinesfalls ein Märchen sei, und ein Happy End gäbe es auch keines. Danke für den Spoiler an dieser Stelle, doch letztlich ist es egal, ob wir wissen, wie es ausgeht oder nicht. Wichtig ist Dave Bautista, die stiernackige Furchenstirn, und an seiner Seite Milla Jovovich, die immer noch eine gute Figur macht und vor allem als Hexe Gray Alys niemandem einen Wunsch abschlagen kann. Das ist ihr Credo, und dafür lebt sie – auch wenn sie vom alle Höllen überdauernden erzkatholischen Klerus zwischen jüdischem Hohepriestertum und Kreuzzug-Geilheit als Ketzerin gebrandmarkt und standrechtlich gelyncht werden soll. Lady Overlord, die Königin, schert das kein bisschen. Sie will Gray Alys in die Wüste schicken, damit sie einen Gestaltwandler heranschleppt, dessen magische Essenz sie absorbieren kann – um selbst die Macht des Tieres in sich zu tragen.

Also reiten Bautista und Jovovich als ungleiches Gespann auf ins Ungewisse, verfolgt von den klerikalen Schergen, um… was zu erleben? Abenteuer? Viele gibt es nicht, auch wenn über die Lost Lands als ein Ort ohne Wiederkehr nur hinter vorgehaltener Hand ehrfürchtig geflüstert wird. Durchs bildbearbeitete Nullachtfünfzehn-Ödland könnte sogar eine Schar Kinder reisen, sie müssten zumindest einen größeren Bogen um gewisse Orte machen, dann ist alles kein Problem. Das Drehbuch von Constantin Werner findet dabei sagenhaft serientaugliche Dialoge, vorhersehbare Wendungen und vor allem eines: ein konfuses letztes Drittel, dem man durchaus mehr Augenmerk hätte schenken können. Eine klare Sicht hat man bei diesem Sand im Getriebe dann längst nicht mehr, ein bisschen ratlos sieht man dabei zu, wie Milla Jovovich in ihrer Hexenrolle versucht, alle Wunscherfüllungen unter einen Hut zu bekommen. Es hapert immens an der Schlüssigkeit, doch die artifizielle Optik ist Anderson deutlich wichtiger. Was seinerzeit unter Zac Snyder im Spartaner-Epos 300 die Münder offen stehen hat lassen, erfreut das CGI-müde Auge gerade noch bei der ersten animierten Kamerafahrt vorbei am stahlgeschmiedeten Voest-Alpine-Kreuz hin zum totenkopfgeschmückten Overlord-Palast, angesichts dessen man He-Mans Greyskull-Zauberwort bereits in den Ohren hat. Später dann, nach dem wiederholten Schwenk und dem Closeup auf regennasse Totenschädel, ist der Spaß am phantastischen Trash-Kino keinesfalls ganz verklungen – er mag vielleicht in Langeweile umgeschlagen sein, dank einer gewissen visuellen wie erzählerischen Monotonie.

Das solide Kernstück bleiben Jovovich und Bautista – vielleicht reiten sie ja nochmal gen Sonnenuntergang, wie Lucky Luke, nur ohne Rantamplan, stattdessen eine klingenschwingende Madame Mim an seiner Seite – als diese noch ihre besten Jahre hatte.

In the Lost Lands (2025)

Planet der Affen: New Kingdom (2024)

DER MENSCH ALS DEM AFFEN UNTERTAN

7,5/10


KINGDOM OF THE PLANET OF THE APES© 2024 20th Century Fox. All Rights Reserved.


LAND / JAHR: USA 2024

REGIE: WES BALL

DREHBUCH: JOSH FRIEDMAN

CAST: OWEN TEAGUE, FREYA ALLAN, KEVIN DURAND, PETER MACON, WILLIAM H. MACY, TRAVIS JEFFERY, LYDIA PECKHAM, NEIL SANDILANDS, EKA DARVILLE, DICHEN LACHMAN U. A. 

LÄNGE: 2 STD 25 MIN


Die Postapokalypse ist eine, die der Natur in die Hände spielt. Im Gegensatz zu einem verwüsteten Planeten wie in Mad Max, Terminator oder Fallout hat sich hier, hunderte Jahre nach dem Niedergang der Menschheit, die Botanik scheinbar alles zurückgeholt, was sie verloren hat. Das neue Zeitalter hat scheinbar wieder ein stabiles Klima, die Zivilisation des Homo sapiens wäre ein Fall für den Affen-Archäologen, sofern es welche gäbe. Lange Zeit nach dem Tod der Leitfigur Cesar leben Primaten nicht mehr auf Bäumen, sondern haben sich die nur langsam dahinbröckelnden Fragmente des Industriezeitalters zunutze gemacht, um darauf ihre Reiche zu errichten. Wie im Original Planet der Affen von Franklin J. Schaffner beherbergt der Planet der Affen zwar immer noch unsere Spezies, doch diese hat nun den Platz des instinktgesteuerten Tieres eingenommen, das von manchen Affenclans gerne gejagt und versklavt wird. Ein durch die Wolkendecke stürzender Astronaut namens Charlton Heston bleibt diesmal aber aus – dass der Planet nämlich unsere liebe Erde ist, die dank eines Virus den Affen das kognitive Denken brachte und uns die Verdummung, ist von vornherein klar, da braucht es keine Freiheitsstatue, die an den Ufern halb vergraben gen Himmel ragt. Ein Story Twist, den mittlerweile jeder kennt.

In dieser neuen Erzählwelt gibt es wie bei uns Menschen die Guten und die Bösen, zu den Guten zählt der Clan der Adler, allesamt Schimpansen, die es sich auf Strommasten gemütlich gemacht haben und alljährlich gewisse Rituale pflegen, welche die Jungspunde der Gemeinschaft aufeinander einschwören sollen. Leider Gottes führt der Ehrgeiz eines gewissen Noa (Owen Teague) dazu, dass marodierende Brutalos aus Gorillas und Bonobos Noas Clan dem Erdboden gleichmachen und viele davon entführen. Ihm selbst gelingt es, zu flüchten, dabei nimmt er sich vor, Familie und Freunde zu befreien.  Eine Menschenfrau folgt ihm dabei auf Schritt und Tritt, und es hat den Anschein, dass dieses Individuum zu höheren Denkleistungen fähig ist als alle anderen. Ein Orang-Utan macht das Trio komplett, doch der dubiose Proximus, der sich selbst als neuer Cesar hält, hat seine Leute überall. Ein Entkommen scheint aussichtslos.

So viel zur natürlich recht überschaubaren Geschichte, die all den Zeitreise-Firlefanz außen vorlässt und ein hemdsärmeliges, sehr griffiges Abenteuer ohne Längen erzählt, dessen Verlauf nicht immer ganz vorhersehbar bleibt. Diesmal hat Wes Ball, verantwortlich für die Maze Runner-Trilogie und erfahren, was postapokalpytische Szenarien betrifft, die Regie übernommen. Sein Fokus liegt dabei auf Charakterzeichnung, auf die akkurate Imitation äffischer Bewegungsmuster, Mimiken und Verhaltensweisen. Ball bringt mit dem Orang-Utan Raka eine derart liebenswerte Person ins Spiel, die schon in den ersten Minuten zum geheimen Star des ganzen Films wird, zum hoch geschätzten Humanisten unter den Primaten, zum Philosophen und Anwärter für den Friedensnobelpreis. Proximus, kongenial verkörpert von Kevin Durand (zuletzt gesehen in Abigail), lässt Planet der Affen: New Kingdom zum Shakespeare’schen Königsdrama werden, schicksalhaft und hochdramatisch. Dank dieser Vorzüge bewegt sich der vierte Teil des Reboots auf selbstbewussten narrativen Pfaden und schickt Bilder ins Gedächtnis der Zuseher, die durchaus als ikonisch bezeichnet werden können. Wenn auf Pferden reitende Gorillas gefesselte Menschen vorantreiben, im Hintergrund die rostzerfressenen Wracks ehemaliger Containerschiffe, dann triggern Retro-Flashbacks die Liebe des Dystopie-affinen Zusehers zu den Filmen aus den Sechzigern und Siebzigern, zu einer geradlinigen Art von globaler Wissenschaftsvision und Endzeit. Die Stimmung ist perfekt, die Tricktechnik sowieso. Immer wieder erstaunt es, was Motion Capture alles kann, wie Haut- und Felltexturen nachempfunden werden können, obwohl noch immer genug Luft nach oben ist und der Unterschied zum echten, lebenden Schimpansen im direkten Vergleich sicherlich noch frappant genug ist.

Planet der Affen: New Kingdom macht vieles richtig und setzt klug die Prioritäten. Was dem Film nicht ganz gelingt oder ihn davon abhält, als Meisterwerk durchzugehen, sind der Geschichte geschuldete Kompromisse in Sachen Plausibilität, Logik und der Physik der Gezeiten. Hätte sich das Skript in diesen Dingen nicht zu sehr bequemt, wäre die hochemotionale, wunderbar anzuschauende Charakter-Odyssee ein Science-fiction-Abenteuer allererster Güte geworden. Der beste Teil der ganzen neuen Reihe ist es aber immer noch.

Am Ende kann man nur hoffen, dass der gnadenlos besitzergreifende Homo sapiens (Freya Allan als Menschenfrau Mae lebt es vor) nicht wieder auf die Idee kommt, vermehrt sein Gehirn zu gebrauchen. Mit denkenden Affen ist es nämlich so viel schöner.

Planet der Affen: New Kingdom (2024)