Peninsula

ZOMBIEKEGELN IN SEOUL

5,5/10


peninsula© 2020 Koch Films


LAND: SÜDKOREA 2019

REGIE: YEON SANG-HO 

CAST: DONG-WON GANG, DO-YOON KIM, JUNG-HYUN LEE, KWON HAE-HYO, LEE RE, MIN-JAE KIM U. A.

LÄNGE: 1 STD 56 MIN



Vor vier Jahren zwängten sich blutdürstende Virenträger durch die schmalen Gänge und Abteile eines Zuges nach Busan. In Busan, so hieß es, könnte man als Gesunder vor einer nicht näher bestimmten Epidemie Zuflucht suchen. Dieser spannende und hochdramatische Thriller zählt für mich bis heute zu einem der stärksten Beiträge des Zombie-Genres. Nicht aber, weil es versucht, der bereits sehr abgegriffenen Thematik neue Aspekte abzugewinnen, sondern weil Regisseur Yeon Sang-Ho es gut verstanden hat, das Potenzial eines Katastrophenthrillers punktgenau und mit sehr viel Gefühl für Timing effizient auszunutzen. Die räumliche Enge – wir wissen, so etwas macht die Dramatik noch kerniger – tat ihr Übriges.

Völlig losgelöst vom Horror auf Schiene allerdings hat Sang-Ho an einer Fortsetzung gebastelt – die genauso vier Jahre später einsetzt und die nur so viel mit dem Erstling gemeinsam hat, als dass dieser vernichtende Virus jener ist, den wir schon in Train to Busan hatten. Statt eines Zuges fährt jetzt ein Schiff nach Seoul, und zwar eines mit illegalem Auftrag. Vier Flüchtlinge, die in Hongkong relativ mittellos auf ein Ende der Katastrophe warten, bekommen die Chance, sich ein neues Leben aufzubauen, sofern sie bereit sind, ein waghalsiges Ding zu drehen: Nämlich zurück ins Zentrum des Zombiewahnsinns, um einen Truck, angefüllt mit Millionen von Dollar, aus dem Chaos zu bergen. Auftrag natürlich angenommen, so schwer wird das wohl nicht werden, vor allem wenn die Operation nachts verläuft, da diese Zombies bei Dunkelheit sowieso nichts auf die Reihe kriegen. Untertags aber sind die kranken Horden jedoch schnell, rasend schnell. Und so sehr es auch danach aussieht – sie sind nicht das einzige Problem.

Klingt nicht so wirklich nach Horror? Stimmt – in Peninsula hat es das interessierte Publikum eindeutig mehr mit einer gewissen Art von Endzeit-Action zu tun, die in ihren wildesten Momenten ganz klar seine Inspiration im Mad Max-Universum sucht. Seoul – in ansprechend postapokalyptischen Panoramagemälden für den nächsten Jahreskalender verewigt – ist Rennstrecke und Hindernisparcour zugleich. Quer durchs Gemüse und durch Zombiecluster hindurch brettern aufgepimpte fahrbahre Untersätze, hinterm Steuer Gesetzlose, die anderen Gesetzlosen nachjagen. Natürlich gibt´s auch jene, die im Meistern der Situation ganz vorne mit dabei sind, und die selbstredend zu den Guten gehören, um einen Konflikt austragen zu können, der über den Zombies steht, die in ihrer instinktgesteuerten Aggression oftmals über sich selbst fallen, um dann umgeworfen zu werden wie Kegel, als wäre Seoul eine riesige Bowlingbahn.

Peninsula ist dystopische Action, die nur in seltenen Momenten überrascht, die zeitweise sogar mit so viel Vorhersehbarkeit um die Kurve schert, dass trotz all der quietschenden Reifen Langeweile aufkommt. So etwas passiert, wenn vom Waggon bis zur Stadtgrenze der Aktionsradius expandiert. Ein ähnliches Problem hatte auch damals Stirb langsam – jetzt erst recht. Der Actionfilm erklärte gleich ganz New York zur Bühne. Seoul ist auch nicht gerade ein Dorf, dementsprechend verliert sich der wüste Banditen-Eastern in so manche dramaturgische Sackgasse – und schwächelt dem straffen Original deutlich hinterher.

Wenn schon die südkoreanische Metropole von allen Göttern verlassen scheint – das Pathos hat´s da noch nicht rausgeschafft, ganz besonders aus dem Finale nicht, das alle Register der Theatralik zieht, was auch erst gekonnt werden will, und hier nicht ohne Wirkung bleibt. Klar wird – das Publikum ist manipulierbar, ein bisschen so wie all die Zombies, die nicht anders können als funkelnden Lichtern hinterherzutorkeln.

Peninsula

Monstrum

WHO LET THE DOG OUT?

5,5/10

 

monstrum© 2018 Koch Films

 

LAND: SÜDKOREA 2018

REGIE: HUH JONG-HO

CAST: PARK SUNG-WOONG, MYUNG-MIN KIM, KIM IN-KWON, WOO-SIK CHOI U. A. 

 

Bong Joon-Ho ist nicht der einzige Südkoreaner, der im Kino seine Monster versteckt. Mit The Host hatte er ein selbiges auf sein gleichsam verblüfftes wie begeistertes Publikum losgelassen, später wurden die Monster dann zu ganz normalen Menschen. Gegenwärtig scheinen Monster ins Reich der Legenden befohlen worden zu sein, wo sie in Monstrum auch hingehören. Kein wirklich ausgefallener Titel für einen Film, der von einem Monster erzählt, aber dafür macht er auch keine leeren Versprechungen. Dieser nationale Blockbuster, der einen Monat nach seiner Premiere im Kino bereits online zu streamen war, dreht die Uhr um einige Jahrhunderte zurück – wir befinden uns im Mittelalter nämlichen Landes, genauer gesagt im Jahr 1527 zur Zeit der Joseon-Dynastie. Und wie es zu diesen Zeiten oft der Fall war, wüten gerade irgendwelche Epidemien, schlimmstenfalls die Pest. Die suhlt sich also am Ende der Befehlskette, und könnte auch irgendetwas mit seltsamen Begebenheiten aus der montanen Wildnis zu tun haben. Ein Monster, so sagt man, geht um. Und der Kaiser befiehlt, einen Trupp loszuschicken, seine besten Krieger und auch noch solche, die früher mal gedient haben und in Ungnade gefallen sind. Persona non grata hin oder her, manche können einfach gut kämpfen, und wieso sollte man sie nicht wieder rekrutieren. Für ein blutrünstiges Ungeheuer reicht es allemal.

Interessanterweise wurde der Film durch einen Eintrag in den Annalen nämlicher Dynastie inspiriert – kann also sein, dass Sichtungen unbekannter Tierarten die Fantasie der Leute beflügelten. Von nichts kommt natürlich nichts, und wir haben es hier mit diesem Ungetüm auch mit einem – vorrangig bei Touristen oder Asia-Kennern – alten Bekannten zu tun. Doch nein, es ist nicht Godzilla, keines dieser Kaijus. Ihr kennt doch sicher alle diese drachenähnlichen Tempelhunde, die als steinerne, hölzerne oder aus Porzellan gefertigte Wächter sämtliche Portale asiatischer Heiligtümer flankieren. Richtig, das sind sogenannte Haitais, in China nennt man die Xiezhi. Endlich hat solch ein kultiger Geselle auch seinen eigenen Film bekommen, und er darf wüten und brüllen und Menschen zerreißen und was weiß der Teufel was sonst noch alles. Ein gepflegter, groschenromanartiger Fantasyfilm ist das geworden, jedenfalls feine Ausstattung, tolle Gewandungen und gut getrickst. Intrigen gibt’s auch, wie immer am Hof der Mächtigen. Ist nun mal so ein Monster da, kann es natürlich auch für sinistere Zwecke missbraucht werden, denn der Tempelhund per se ist ja prinzipiell nicht vorsätzlich bösartig. Vielleicht krank, vielleicht einsam… näheres wird man herausfinden.

Insgesamt aber bietet Monstrum kaum etwas Neues, außer Haitai eben. Weder ist das Abenteuer sonderlich spannend, noch hat es das gewisse Etwas. Pro- und Antagonisten sind austauschbare Stereotypen aus einem Genre vom Fließband. Aber immerhin: wer statt auf Mantel- und Degenfilme auf lederne Schuppenpanzer- und Schwerterfilme steht, kann darin sein Glück finden. Und bevor Monster-Nerds alle Monster ausgehen, wäre der Streifen auch für sie ein gefundenes Fressen.

Monstrum