Low Expectations (2026)

WO IM LEBEN IST DIE PAUSETASTE?

6/10


Marie Ulven aka Girl in Red im Burnout-Drama Low Expectations
© 2026 Stadtkino Filmverleih


ORIGINALTITEL: LAVE FORVENTNINGER

LAND / JAHR: NORWEGEN, DÄNEMARK 2026

REGIE / DREHBUCH: EIVIND LANDSVIK

KAMERA: ANDREAS BJØRSETH

CAST: MARIE ULVEN, TONE MOSTRAUM, ANDERS DANIELSEN LIE, EMBLA BERNTSEN, SNORRE KIND MONSSON U. A. 

LÄNGE: 1 STD 45 MIN



Wie sind die Erwartungen für die kommende Viennale? Ich würde nicht unbedingt behaupten, dass sie niedrig sind, auch wenn der erste Film des Festivals genau diesen Umstand zum Titel hat: Low Expectations. Doch vielleicht sind niedrige Erwartungen ab und an angebracht, um später nicht enttäuscht zu werden?

Ein strapaziertes Modewort

Niedrige Erwartungen sind auch ganz brauchbar, wenn die Luft draußen ist. Wenn bei einem selbst nichts mehr geht, man den Zenit überschritten hat und die geforderte Leistung einfach nicht mehr erbringen kann. Dann rattert man hinunter auf den Nullpunkt, auf die Basis der eigenen Existenz, um dann, mit niedrigen Erwartungen, einen Schritt vor den anderen zu setzen.

So ein Zustand mag gut und gerne als Burnout bezeichnet werden, doch Burnout ist mittlerweile zu einem schnell zur Hand genommenen Modewort verkommen und klingt langsam unfair jenen gegenüber, die mit dieser Diagnose tatsächlich leben müssen.

Finito la Musica

Im Langfilmdebüt des Norwegers Eivind Landsvik wird Burnout daher auch kein einziges Mal erwähnt, obwohl alles danach aussieht, als ob Maja genau das eben durchmacht. Als Musikerin, die, um ihren Ruhm zu steigern, ein omnipräsentes Social Media-Leben geführt hat, ist sie längst in ein tiefes, dunkles Loch gefallen und muss sich nun um sich selbst kümmern, während im World Wide Web gerade mal Funkstille herrscht, was ihre Kunst und ihre Präsenz als Star betrifft.

Die Fans sitzen auf dem Trockenen, sie warten auf ein Lebenszeichen, doch diesmal geht nichts mehr. Maja muss leiser treten, sehr leise, und zwar als Aushilfskraft an einer Schule, an der sie, wie kann es anders sein, auch dort ihren Fans begegnet. In diesen Job setzt Maja keine hohen Erwartungen – mehr als Supplierstunden muss sie nicht bewältigen. Landsvik sieht ihr dabei zu, wie sie das macht. Er sieht ihr dabei zu, wie sie zaghaften Kontakt zu ihren Kollegen knüpft, wie sie alte Freundinnen wiedertrifft und derweil bei Mama unterkommt, denn allein lassen kann man Maja momentan nur schlecht.

Film und Star unter dem Radar

Langsam hocharbeiten ist die Devise. Langsam nachspüren, ob Musikmachen schon geht oder noch nicht. Immer wieder mal probieren. Für diese Rolle des ausgebrannten jungen Shootingstars hat Landsvik tatsächlich einen weltbekannten norwegischen Star verpflichten können: Marie Ulven Ringheim, besser bekannt als Girl in Red, und ich weiß nicht, warum: Ihr Gesicht kommt mir bekannt vor, obwohl ich, das muss ich zugeben, von dieser Künstlerin noch nie etwas gehört hatte.

Ich muss auch zugeben, dass ich Low Expectations gar nicht mal auf meiner Watchlist für die Viennale hatte, sondern im Rahmen einer Sneak Preview überhaupt erst in den Genuss dieses Filmes gekommen bin. Wie gut ist das Drama über Burnout, über die Schritte zurück in ein Leben, das zukünftig wohl nicht mehr aus Reisen, Interviews, Konzerten und jeder Menge Social-Media-Stress besteht?

Die menschelnde Nüchternheit eines Nordic Dramas

Ihn gesehen zu haben, bereue ich nicht. So richtig begeistert bin ich aber auch nicht, was wohl daran liegt, dass sich Landsvik längst nicht so fulminant und versiert am Stil des psychologischen Realismus Nordeuropas bedient wie Dan Johan Haugerud, der mit seiner Oslo-Trilogie intensives Dialogkino zwischen pragmatischer Vernunft und Emotion vervollkommnet hat. Wenn sich schon Menschen mit ihrer Existenz und ihren Sehnsüchten auseinandersetzen und wir ihnen dabei zusehen müssen, dann unbedingt so wie bei Haugerud.

Anders als er und mehr wie bei Mia Hansen-Løve (An einem schönen Morgen), aber nicht mit deren poetischer Verklärung, sucht Landsvik nicht die Auseinandersetzung oder den sozialen Konflikt. Low Expectations beobachtet, begleitet und blickt mitunter zur Seite auf eine Coming-of-Age-Sidestory, wagt aber keinen Diskurs. Bescheidenheit ist so lange leistbar, solange sich Landsvik auf Marie Ulven verlassen kann. Ziemlich riskant, doch es funktioniert.

Die eigene Erfahrung mitgenommen

Mir ihrem authentischen Spiel, da sie schließlich weiß, was ihre Figur erlebt haben muss, und weil Marie Ulven nahe genug an den Problemstoff herankommt, vermeidet sie nordische Psycho-Tristesse, die als Arthouse durchgehen will. In Low Expectations stößt man in so manchen Szenen in sehr Persönliches vor, vielleicht auch von Ulven autobiografisch Mitgebrachtes. Das macht die blasse, verwaschene Nüchternheit, in die Landsvik sein ruhiges Drama taucht, lebendiger und nahbarer als gedacht.

Low Expectations (2026)

Sanguine (2026)

STRESS GEBIERT UNGEHEUER

8,5/10


Mara Taquin als Praktikantin Margot im Film Sanguine
© 2026 ARP Sélection / Trésor Films / Windy Production


LAND / JAHR: FRANKREICH, BELGIEN 2026

REGIE / DREHBUCH: MARION LE CORROLLER

KAMERA: GUILLAUME SCHIFFMAN

CAST: MARA TAQUIN, KARIN VIARD, KIM HIGELIN, SAMI OUTALBALI, STEFAN CREPON, SONIA FAIDI, CLÉMENT BRESSON U. A.

LÄNGE: 1 STD 43 MIN



Die jungen Leute von heute

Oft haben sich die Älteren darüber gewundert. Mittlerweile wundert einen gar nichts mehr, wenn man nach Frankreich, Italien oder Deutschland auf die Straßen blickt. Die jungen Leute von heute sind aber auch nicht über einen Kamm zu scheren, Gott behüte.

Sie teilen sich grob betrachtet in zwei Lager. Die einen streben eine Work-Life-Balance an, wollen den Hedonismus nicht zu kurz kommen lassen und die Selbstfürsorge über alles andere stellen, während sie Arbeitszeiten reduzieren. Die anderen sehen das natürlich anders: Hier gilt die Leistung, sie wollen Karriere machen, sie würden alles dafür geben – und fügen sich dem Druck, der dort oben, in den akademischen Höhen, zum Beispiel eines Medizinstudiums, herrscht. Dort wird man zum Halbgott in Weiß, und ohne Fleiß kein Preis.

Streng dich ein bisschen an!

Weg von dieser platten Floskel hin zu einem Fallbeispiel, das sich die Filmemacherin Marion Le Corroller ausgedacht hat. Sanguine nennt sich dieser Film, der sich mit dem austauschbaren internationalen Titel Species herumschlagen und diesen noch mit Roger Donaldsons Alien-Verschnitt aus den Neunzigern teilen muss. Sanguine sagt deutlich mehr aus – und nimmt auch nicht ganz so viel vorweg.

In dieser Welt der Leistung, der Überstunden und einer Arbeit, die Ego und Existenz definiert, stellt sich Margot als Praktikantin den Herausforderungen einer Notaufnahme. Als wäre das nicht schon stressig genug, steht sie auch noch unter einem ganz anderen Druck, nämlich jenem, den die unerbittliche Oberärztin Helene ausübt. Ganz unten, am erbärmlichen Ende der Erfolgs-Nahrungskette baumelt sie also und schafft es nicht, diesen durchgetakteten Anforderungen gerecht zu werden.

Nicht nur ein Fall für die Dermatologie

Was in dieser Welt, die Le Corroller hier heraufbeschwört, nebenbei noch passiert, ist eine Art Krankheit, die sich ausbreitet, und zwar bei genauso jungen Menschen wie Margot, die den Anforderungen des Alltags, der Gesellschaft und ihren Bedürfnissen gerecht werden müssen. „Leiste oder stirb, geh einen Schritt weiter aus deiner Komfortzone und mach die Extrameter, Extrakilometer, ganze Meilen, damit du es schaffst und nicht zu einem Niemand wirst.“ Und plötzlich passiert etwas.

Plötzlich proben die jungen Leute von heute den Aufstand. Randalieren, laufen Amok, töten. Ein rötlicher Ausschlag (daher der Begriff Sanguine), frappant erinnernd an Masern, Röteln und all den ganzen Pschyrembel-Wahnsinn, macht den Anfang. Was dann passiert, kippt den Film ins Phantastische, aber immerhin in den sozial- und gesellschaftskritischen Pool, in dem schon die Filmemacherinnen Julia Ducournau und Coralie Fargeat schwimmen.

Märchen von den Neuen Menschen

Sanguine gesellt sich zu Werken wie Titane, Alpha (beide von Ducournau) und The Substance (Coralie Fargeat) – mittlerweile haben Filme solcher Art auf dem Subgenre, das der Kanadier David Cronenberg mit seinen Exkursionen über die Entfremdung der menschlichen Physis begründet hat, aufgebaut. Sie machen den sozialökonomischen, gesellschaftskritischen Bodyhorror „fit for the future“, schließlich interpretiert dieser nicht nur aus feministischer Sicht Missstände des aktuellen Lebenswandels neu, sondern denkt mehrere Schritte weiter, mit dem Blick über den Tellerrand. Zu sehen ist ein Worst Case oder das Ende einer Entwicklung, die sich längst angebahnt hat und seltsame Formen annimmt.

Diese Formen sind am Ende monströs, allerdings weniger im Verhalten der Protagonistinnen, sondern in deren genetischen Beschaffenheit. All diese Filme – Titane, Alpha, The Substance und nun auch Sanguine – bringen zivilisatorische Entwicklungen in den Kontext der Evolution, die rascher voranschreitet, als es Darwin je lieb gewesen wäre. Es ist die organische Anpassung an einen künstlich geschaffenen Lebensraum, entweder aus der Technik, aus einer latenten Angstgesellschaft oder aus einer sich immer höherschraubenden Erwartung der anderen.

Unruhe und Ablehnung

Sanguine ist dabei ein Film, der ambivalente Empfindungen hervorruft. Und das ist gut so. Ein Werk, das polarisiert, das man während des Betrachtens vielleicht sogar ablehnt, um dann doch noch länger darüber zu sinnieren, hat seine Sache gut gemacht.

Auch ich musste Sanguine zwischendurch ablehnen, wunderte mich über das Verhalten der Protagonistin, rollte verächtlich die Augen ob der scheinbar nicht ganz durchdachten Handlung und den unreflektierten Verlauf, den das ganze Drama nimmt. Es stimmt schon, Sanguine macht nicht alles richtig, verpasst manchmal den Absprung, strapaziert die Nerven, hängt sich vielleicht an dem einen oder anderen Klischee auf. Doch rückblickend und in der Nachbetrachtung ist dieser Mangel das irrationale menschliche Verhalten in einer Stresssituation, die nicht enden will. Letztlich passt alles zusammen und darf sich insofern verbiegen lassen, da es auf eine radikale Conclusio zusteuert, nicht minder radikal als bei Ducournau, vielleicht sogar noch expliziter und treffender.

Die neuen Wilden des Arbeitsmarkts

Nach dem Abschlussfilm des Slash folgt der eigentliche Abschlussfilm. Sanguine ist das krönende, pompöse und wilde Finale einer ohnehin aufgeweckt kritischen Festivalwoche, die die globalen Zustände auf unterschiedliche, diesmal vorwiegend satirische Weise kommentiert. In Le Corrollers Film fehlt die Satire aber letztlich dann doch, der Horror verselbstständigt sich, vereint sich mit einer dystopischen Social-Fiction, die dem Arbeitsmarkt den Krieg erklärt. Die Schlusspointe sitzt, die Botschaft kommt an.

Sanguine (2026)

Bloody Tennis (2026)

SUSPIRIA IM FILZBALL-CAMP

3/10


Sandra Guldberg Kampp schwingt das Racket im Film Bloody Tennis
© 2026 Filmladen Filmverleih


LAND / JAHR: DEUTSCHLAND 2026

REGIE / DREHBUCH: NIKIAS CHRYSSOS

KAMERA: CONSTANTIN CAMPEAN

CAST: SANDRA GULDBERG KAMPP, ELINA LÖWENSOHN, HELENA ZENGEL, ZLATKO BURIĆ, VINCENT ROMEO, TRACY GOTOAS, LILY TAÏEB, JULIANA VIEIRA-GUERRA, LUCIE ZHANG U. A.

LÄNGE: 1 STD 35 MIN


Wenn Zlatko Burić, dem Tom Cruise in Digger szenenweise richtig ähnlich sieht, als grantelnder Tennislehrer die KO-Spiele seines Jungmädchen-Clubs kommentiert, sind das zumindest noch die am besten funktionierenden Szenen in einem eigenwilligen Verschwörungs-Mystery-Sonstwas-Thriller, der sich in unverhohlener Trittbrettfahrerlust an Dario Argento anbiedert – insbesondere an Suspiria.

Wir erinnern uns: Eine Tanzschule in Westberlin zur Zeit der Mauer ist Tarnung einer teuflischen Sekte, die den Leibhaftigen beschwört und die Tänzerinnen dazu benutzt, diesen am Leben zu erhalten. Auch Luca Guadagninos Remake spart nicht mit grell-blutigem Finale – bis es so weit kommt, blüht uns allerlei Suspense. In Bloody Tennis zeigt man zumindest nicht konkret auf den Teufel höchstpersönlich, doch irgendetwas ist auch hier im Gange – und ganz ehrlich: Man will es eigentlich gar nicht so genau wissen.

Man muss doch nicht gleich die Eltern anrufen

Als gute Wahl gilt zumindest die Location in Nikias Chryssos‘ neuem Film. Ein ehemaliges Kloster auf Gran Canaria dient als Kulisse, weitab vom Schuss inmitten der Wüste. Dort soll die Mary Tyrone Tennis Academy untergebracht sein, geleitet von ebenjener, die von Elina Löwensohn verkörpert wird und die ein Gefühl absolutistischer Langeweile vermittelt, da die Dame den ganzen Tag sonst nichts zu tun hat außer die Monitore ihrer Überwachungskameras zu inspizieren. Tut sie das mal nicht, lächelt sie keck und allwissend, wenn mit unlauteren Mitteln der Leistungssport Sieger und Verlierer ermittelt. Blut sehen kann man am Tenniscourt nämlich schon früh, und Blut ist auch Teil des Programms. Egal, ob Reißnägel in den Schuh gestreut wurden oder der Knöchel lautstark knickt. Es wird weitergespielt auf Teufel komm raus.

Den jungen Frauen scheint das alles recht – auch der scheußlich schmeckende morgendliche Umtrunk, der aussieht wie Rote-Rüben-Saft, aber womöglich aus menschlichen Überresten mancher Verliererinnen gebraut ist, wer weiß das schon so genau. Und man will auch das nicht so genau wissen. Denn Bloody Tennis ist vor allem eins: unmotiviert.

Eine Sportart, für die man alles geben sollte

Es liegt, wie wir wissen, nicht an Zlatko Burić, sondern wohl eher an einem Plot, der sich ungehemmt an bereits etablierten Beispielen des Giallo und der Young-Adult-Mystery bedient, aber überhaupt nicht am Sportfilm.

Tennis ist in Bloody Tennis nur eine Behauptung. Chryssos filmt das Ganze so, dass die Matches kaum nachvollziehbar bleiben. Viel eher sind die Verletzungen das, woran man sich ergötzen sollte, und nicht der Tennissport. Von dem Gefühl, eine Leistung erbringen und besser sein zu wollen als die anderen, lässt sich kein einziger Vibe empfinden.

Warum die jungen Mädchen, darunter auch „Systemsprengerin“ Helena Zengel, hier gegeneinander wetteifern, erschließt sich ihnen wohl selbst nicht. Vielleicht ist es einfach nur Frust, weil sie alle einem Ehrgeiz entsprechen müssen, den sie nicht empfinden. Es scheint fast so, als wäre Tennis eine Variable, denn keine hat die Lust, das Spiel auch zu spielen.

Knapp im Out ist leider auch daneben

Will man der Geschichte die Ambition andichten, dass man für Höchstleistungen Opfer bringen muss, nur eben nicht die eigenen, geht die Rechnung nicht auf. Schon viel zu oft sind Hunger, Blut, Kannibalismus und das Sich-Einverleiben der Stärke anderer zitiert worden. Szenen wie diese wirken nur noch pflichtbewusst in Szene gesetzt. Das Netz des mit Katzendarm fein gesponnenen Rackets hängt durch, die Mädels hängen durch, Löwensohn bleibt auf provokante Weise eine unheilverkündende Tachiniererin. Letztlich ist Bloody Tennis genau das: ein Vorbilder imitierendes Low-Budget-Trainingscamp, in dem nichts, was passiert, durch höhere Ziele gerechtfertigt wird.

Bloody Tennis (2026)

Heldin (2025)

DIE VIERGETEILTE KRANKENSCHWESTER

8/10


© 2025 Tobis

LAND / JAHR: SCHWEIZ, DEUTSCHLAND 2025

REGIE / DREHBUCH: PETRA VOLPE

CAST: LEONIE BENESCH, SONJA RIESEN, SELMA ALDIN, ALIREZA BAYRAM, URS BIHLER, ALINE BEETSCHEN, JASMIN MATTEI, NICOLE BACHMANN, MARGHERITA SCHOCH U. A.

LÄNGE: 1 STD 32 MIN


„Ich kann mich ja nicht vierteilen.“, sagt Krankenschwester Floria Lind (gewohnt authentisch: Leonie Benesch) inmitten ihrer bereits weit vorangeschrittenen Spätschicht, als sie Vorwürfe von Angehörigen zu hören bekommt, sich nicht um ihre Patienten zu kümmern. Ignorante Meldungen wie diese muss man als Pflegekraft, die sich den Allerwertesten aufreißt, auch noch verarbeiten müssen, neben all den Eindrücken aus Leid, Kummer, Hoffnungslosigkeit und körperlichem Elend. Die Arbeit in einem sozialen Job wie diesen ist systemerhaltend, schön und gut. Wird aber, und das ist ein Grundproblem der kapitalistischen Gegenwart, deswegen nicht gewürdigt, weil es keinen Gewinn abwirft. Alles, was keinen Reibach macht, ist weniger wert. Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns trotzdem allen schlecht. Die Pflege, die Versorgung, die Erhaltung der Gesundheit eines jeden einzelnen wäre in einer Gesellschaft mit ausgeprägten sozialen Agenden das Um und Auf. Warum also dieser Kräftemangel? Warum müssen in einer gesamten Station im Kantonsspital in Zürich lediglich zwei Pflegerinnen und ein Azubi um das Wohl und die Bedürfnisse akut und schwer erkrankter Menschen kämpfen? Warum müssen sie das alles auf ihren Schultern tragen?

Dabei beginnt der Tag für Floria erst weit nach Mittag, gerade hat sie einige freie Tage hinter sich, zeigt sich also motiviert, arbeitsbegeistert und hat den vollen Tatendrang. Ein Lächeln in ihrem Gesicht zeigt: Heute kann gar nichts schiefgehen. Heute ist der Tag, an dem niemand zu kurz kommt und jeder seine Hoffnung schöpfen darf, die er oder sie verdient. Das Werk läuft rund um die Uhr, dieser Stapellauf bremst sich niemals ein. Die Übergabe geht schnell vonstatten, Floria ist unterwegs. Keine Pause, kein Verschnaufen, alles gleichzeitig. Das knappe Personal ist heillos überfordert, weiß aber, die Agenden zu strukturieren. Und man erkennt: Floria ist ein Profi, weiß, wie sie reagieren muss, weiß, wie sie Prioritäten setzt, arbeitet fokussiert. Doch immer noch ist sie ein Mensch.

Petra Volpe liefert in ihrem immersiven, atemlos dichten Kammerspiel keine aufgesetzte Storyline oder einen speziellen Problemfall, der die Heldin in ein außergewöhnliches Gefecht schickt, das einen Film wie diesen zu einem Sozialthriller im Gesundheitswesen hochstilisiert. Ganz ehrlich: Genau das wäre ein Betrug am Thema. Der ganz normale, wahnsinnige, stressvolle, unerbittliche Alltag ist Kino genug. Ist Thriller genug. Ist Drama genug. Ist Horror genug. Heldin macht die semidokumentarische Beobachtung einer Spätschicht zum authentischen Portrait einer Arbeitenden, die aufgrund höherer Politik daran gehindert wird, dem Wert jedes einzelnen Menschen entsprechend zu agieren. Volpe sammelt für ihren Einblick eine Handvoll Patientinnen und Patienten und tut das, was auch Leonie Beneschs Figur versucht zu tun: Den Personen ihren Raum zu geben, sie mitteilen zu lassen. Benesch hält sie alle in ihren Händen, manche entgleiten, andere bleiben geborgen. Bei anderen fehlen die Worte, bei wieder anderen bringt Gesagtes Versöhnung. Das Kaleidoskop in Heldin rotiert, es wird niemals enden, solange es Menschen gibt. Der viergeteilten Krankenschwester, an vielen Orten gleichzeitig, gelingt das Kunststück, dort Mensch zu bleiben, wo es fast unmöglich scheint.

Heldin (2025)

Nyad (2023)

ICH SCHWIMME, ALSO BIN ICH

6/10


NYAD© 2023 Netflix


LAND / JAHR: USA 2023

REGIE: ELIZABETH CHAI VASARHELYI, JIMMY CHIN

DREHBUCH: ANN BIEDERMAN, JULIA COX

CAST: ANNETTE BENING, JODIE FOSTER, RHYS IFANS, ANNA HARRIETTE PITTMAN, LUKE COSGROVE, KARLY ROTHENBERG, ERIC T. MILLER, GARLAND SCOTT, JEENA YI, JOHNNY SOLO U. A. 

LÄNGE: 2 STD 1 MIN


Ich bin schon stolz, wenn ich den burgenländischen Neufelder See durchschwimmen kann, und dabei nehme ich mir nicht mal die Länge, sondern die Breite vor, die deutlich geringer ausfällt. Erschwerend hinzu kommt hier natürlich die Tatsache, dass ich dieses Vorhaben allein durchziehen muss – und ganz ohne Entourage aus Bootscrew, Journalistinnen und Journalisten, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und des persönlichen Coachs. Dann würde die Strecke deutlich länger ausfallen, aber natürlich nicht so lang wie jene, die Diana Nyad (Nomen est Omen, denn Nyaden sind Wassernymphen) bewältigen will. Eines gleich vorweg: Sie wird es schaffen. Und das ist kein Spoiler. 2013 ist sie von Kuba nach Florida geschwommen, wobei mit Florida natürlich Key West gemeint ist, die südlichste der Inselkette der Florida Keys. Somit rückt die Entfernung auch wieder ein kleines Stück zusammen, doch nicht so weit, dass daraus eine Lappalie wird. Immerhin werden es 177 km gewesen sein, zurückgelegt in 53 Stunden und ohne Haikäfig, dafür aber mit anderen Mitteln, die verhindern sollen, dass Nyad nicht zum Frühstück für Knorpler wurde. Diese wiederum sind auch nicht das einzige Problem in der Floridastraße. Quallen sind ein noch viel größeres Übel. Und Strömungen. Und sowieso das ganze Salz, das die Haut aufschwemmt. 53 Stunden durchschwimmen – es ist schier unvorstellbar. Aber machbar. Wie so vieles, wenn Menschen wie Nyad in geradezu fanatischer Verbissenheit unbedingt Pioniere sein wollen, koste es, was es wolle, und vielleicht sogar das eigene Leben.

Tu es – oder stirb: Anders lässt sich dieser egomanische Drang kaum beschreiben. Die Welt rundherum, all die anderen, die einen umgeben, die vielleicht wichtig sind oder Teil einer intakten Familie – sie verblassen, werden unwichtig, einzig das Ziel zählt, und nicht mal der Weg. Erste(r) sein, Beste(r) sein, einzigartig sein: ist das wirklich das Credo, das die Menschheit in ihrer Entwicklung vorantreibt? Welchen Mehrwert hat diese Schwimmerei? Beweisen, dass es möglich ist. Beweisen, wozu Homo sapiens imstande ist, wie nah er dem Mythos eines Superhelden kommen kann. Was der Geist mit dem Körper alles anstellen kann, wenn man ihn nur lässt.

Das sind immerhin Gründe genug, Diana Nyads Vorhaben fasziniert und mit Interesse zu verfolgen. Und dann ertappt man sich wieder dabei, nichts von dieser Geisteshaltung verstanden zu haben. Diesen Raubbau am eigenen Körper nicht gutzuheißen, diese Verbissenheit und radikale Obsession abzulehnen, den bezahlten Preis für das eine Ziel niemals selbst zahlen zu wollen, denn wozu? Was muss die Psyche mitbringen, welche Erfahrungen aus der Kindheit, und wer hat diese Einstellung gelehrt? Auch darauf wären die Antworten aufschlussreich – und keine Sorge, sie finden ihren Platz, wenn auch nur in subtiler Andeutung. Die Drehbuchautorinnen Ann Biederman und Julia Cox hatten als Grundlage immerhin Diana Nyads Autobiografie Find a Way zur Hand, das Dokufilmer-Paar Elizabeth Chai Vasarhelyi und Jimmy Chin haben das Abenteuer über die Überwältigung der eigenen psychischen wie physischen Grenzen schließlich umgesetzt.

Mit Extremen hatten die beiden bereits zu tun: Ihre Kletter-Doku Free Solo über die ungesicherte Besteigung des El Capitain kassierte 2019 den Oscar als bester Dokumentarfilm. Von der faktenbasierten Berichterstattung bis zum Sportlerinnen-Biopic Nyad ist vielleicht nicht so ein breiter Weg zurückzulegen wie von Kuba nach Florida, immerhin aber wechselt das Genre seine Mechanismen und die grundlegende Machart eines Films, der, mit Drehbuch, dramatisierten Szenen und Schauspielerinnen, die ganz andere, reale Personen verkörpern, durch ganz andere Gewässer pflügt. Können Vasarhelyi und Chin auch diese Art von Film meistern?

Im Grunde ja. Wobei: Der Drang zur Doku ist offensichtlich. Nyad ist die recht brave Chronik eines Selbstversuchs, dessen Zweckmäßigkeit, wie bereist erläutert, entweder nachvollziehbar wird oder eben nicht. Darüber lässt sich streiten – genauso wie über ihre errungene Leistung, über die so manche Kritik laut wurde, doch vielleicht ist das nur das Motzen der Neider, die sich womöglich niemals dazu durchringen könnten, so beharrlich ein Ziel zu verfolgen. Die zum Triumph führenden Eckpunkte abhakend, ereifert sich die souveräne Annette Bening mit sonnengebräuntem Teint und burschikosem Kurzhaarschnitt, bis der Arzt kommen könnte. Mit aufgeschwemmtem Gesicht, jedoch noch keinen Schwimmhäuten zwischen Zehen und Fingern, krault sie tage- und nächtelang, nebenher das Boot, obendrauf ihr untergebener Support. Die selten gesehene Jodie Foster tut als Nyads Freundin Bennie Stoll alles, was ihre Rolle verlangt – aber nicht mehr. Seltsamerweise bleibt ihr Schauspiel schon seit geraumer Zeit verhalten und sichtlich erprobt, von den Höchstleistungen zwischen den schweigenden Lämmern und Nell ist nichts mehr geblieben. Das schadet dem Film sowieso kaum, liegt doch der Fokus wie gebannt auf Trial und Error eines geradezu verzweifelten Drangs, durchs Meer zu pflügen. Berauscht von dieser Machbarkeit des Unmöglichen, könnte ich mich vielleicht dazu durchringen, nächstes Jahr das Längenmaß des burgenländischen Neufelder Sees gründlicher in Augenschein zu nehmen. Vielleicht mit Tretboot nebenher.

Nyad (2023)

Encanto

DAS MÄDCHEN OHNE EIGENSCHAFTEN

6,5/10


encanto© 2021 Disney. All Rights Reserved.


LAND / JAHR: USA 2021

REGIE: BYRON HOWARD & JARED BUSH

MIT DEN STIMMEN VON (ORIGINAL): STEPHANIE BEATRIZ, JOHN LEGUIZAMO, MARIA CECILIA BOTERO, DIANE GUERRERO, JESSICA DARROW, ANGIE CEPEDA U. A. 

LÄNGE: 1 STD 43 MIN


Blut ist bei Disney immer dicker als Wasser. Kein Film, der nicht die eingeschworene Glückseligkeit der Familie zum Ziel hat, und wäre sie auch nur zu zweit. Es geht immer und rund um die Uhr um Familie, um dessen Wert, dessen Bedeutung, dessen Herrlichkeit. Dafür ist Disney gemacht – für Familien und dem Wunsch der Kleinen, mit der Elternschaft bald wieder ins Kino zu hirschen. Seit es Disney+ gibt, braucht es aber nicht mal mehr einen gemeinsamen Ausflug. Es reicht die häusliche Couch und ein ausreichend großes Fernsehgerät, um keines der liebevoll arrangierten Details aus der Animationsschmiede Disney (nicht Pixar!) zu verpassen. Mit Encanto, dem richtigen Familienfilm zur richtigen Familienzeit, präsentiert der Mauskonzern wieder in aller Farbenpracht ein metaphysisches Abenteuer, dass sich aber viel stärker an psychosoziale Inhalte der Pixar-Macher orientiert. Diesmal ist es keine Reise, keine Queste, kein Bestehen von Gefahren, währenddessen man ganz fest an sich selber glauben muss und schon haut alles hin. Encanto ist ein Film, der inhaltlich mitunter schwer greifbar ist, und der die ganz jungen wohl nicht tangieren wird, hätten die doch lieber wieder so einen knuffigen Pelzdrachen, der coole Sprüche schiebt.

Das gibt es heuer nicht, stattdessen eine Villa Kunterbunt in Kolumbien, zwischen Dörfern und grünen Bergen. Dieser magische Ort verdankt seine Exklusivität einer wundersamen Kerze, die seinerzeit der auf der Flucht befindlichen Familie Madrigal von wem auch immer zum Geschenk gemacht wurde. Alle Nachkommen haben von nun an außergewöhnliche Gaben, ganz so wie Die Unglaublichen, nur lokal verortet und ohne Superheldendress. Das reicht von Bärenstarke bis zum Blumenregen, und jedes der Kinder hat ihr eigenes Reich, in dem es tun und lassen kann, was es will. Nur Mirabel nicht. Die hat kein paradiesisches Zimmer, und auch keine Fähigkeit. Niemand weiß warum. Man könnte meinen: das hässliche Entlein. Doch hässlich ist sie auch nicht, sondern recht knuffig und klug und etwas nerdig. Sympathisch, ganz einfach. Und mit Erschaffung dieser natürlichen, burschikosen Figur haben die Character-Designer wieder ganze Arbeit geleistet. Mirabel dämmert bald, dass diese Superfähigkeiten ihren Preis haben. Und dass der Haussegen eigentlich schiefer hängt als gedacht, wobei sie selbst, wie andere behaupten, nicht unbedingt schuld dran sein muss. Sie forscht also nach – und stößt auf beunruhigende Geheimnisse, deren Ursprünge zwei Generationen zurückliegt.

Ein Familienfilm? Wohl eher eine therapeutische Familienaufstellung. Da ist Oma, ihre Kinder (eines davon verstoßen) und die Enkelinnen. Gemäß der heutigen Zeit ist ein Kind wohl nichts, wenn es nicht in ihren Begabungen gefördert wird. Da wollen die Eltern nichts verpassen und dem Nachwuchs das ermöglichen, was sie womöglich selber nie hatten. Das ist ein Leistungsdruck, der nach hinten losgehen kann. Ungefähr so wie in Encanto. Magie hin oder her – diesmal können die Esel, Tapire und Capybaras noch so witzig dreinschauen; diesmal kann das kunterbunte Häuschen noch so mit den Kacheln klappern – was Encanto anstrebt, ist die Suche nach dem Besonderen im Charakter des einzelnen, und die Abkehr von dem, was man leisten muss, nur weil man es vielleicht gut kann. Ein Ansatz, der überraschend ernsthaft und ehrlich daherkommt, den die zum besten gegebenen Musiknummern auch gebührend unterstreichen, ohne zum Selbstzweck zu verkommen. Disney schaut also von Pixar ab? Natürlich, warum nicht. Ein bisschen mehr Konsequenz vor allem in der finalen Szene hätte aber nicht geschadet, doch da hat Disney dann doch nicht weniger als mehr gelten lassen. Die Magie hat wie immer das letzte Wort. Wäre das aber nicht passiert, hätten wir ein kleines Meisterwerk gehabt.

Encanto

The Kindergarten Teacher

DIE MOZARTS VON HEUTE

7,5/10

 

kindergartenteacher© 2018 Koch Films

 

LAND: USA 2018

REGIE: SARA COLANGELO

CAST: MAGGIE GYLLENHAAL, PARKER SEVAK, GAEL GARCIA BERNAL, ROSA SALAZAR, MICHAEL CHERNUS U. A. 

 

Bist du ein Naturtalent, musst du dieses Können nutzen – und etwas daraus machen. Natürlich, klingt irgendwie logisch. Die Frage ist nur, ob man das, was man gut kann, auch wirklich können will. Das wäre natürlich sinnvoll, denn wenn dir etwas leichtfällt, ist das schon die halbe Miete auf dem Weg zum Ruhm. Blöd wird’s dann, wenn du kein Talent hast für etwas, was du aber gerne machen willst. Du tust es – für dich. Allerdings kräht dann kein Hahn danach. Was macht das mit dem eigenen Ego? Nichts Gutes. Besser man lässt es. Oder konzentriert sich auf die, die´s können, aber vielleicht noch zu klein sind, um den Fuß schon in die Tür des Erfolges zu setzen. Sowas hat man mit Mozart auch getan. Mozart ist auf ewig berühmt. Das Genie schlechthin. Die Kindheit dankt für ihre Auszeit, denn die war nicht vorhanden. Das sind halt die Opfer, die ein Wunderkind bringen muss, mag es auch für die Zukunft schaden. Doch anerkannt zu werden, vor allem in Zeiten der Likes und Reactions und Followers, das ist es einfach wert, ungeachtet der Frage, ob es das eigene Leben wirklich braucht oder nicht.

Wenn ein Pädagoge also ein Kind entdeckt, mit unglaublichem Potenzial, das nach Förderung schreit – was tut man da? Und was tut man, wenn dem Kind genau dort der Meister vom Himmel vor die Füße gefallen ist, wo man selbst versagt? Maggie Gyllenhaal als Kindergartenpädagogin steht vor genau dieser unfassbaren Tatsache, einen sechsjährigen Jungen in ihrer Gruppe zu haben, der aus dem Stegreif die schönsten Gedichte formuliert. Die Pädagogin staunt, ist über alle Maßen begeistert – und weiß: wird das Kind nicht gefördert, dann ist das Verschwendung. Sie schreibt die Gedichte also auf – und trägt sie im eigenen Poesie-Kurs vor. Die Kollegen sowie auch der Lehrer sind nicht weniger sprachlos. Was sie aber verschweigt, das ist deren Herkunft. So genießt sie diese Anerkennung ganz für sich, während sie gleichzeitig versucht, den Knaben für den kommenden Erfolg zu rüsten, der ihm als genialen Poeten in die Wiege gelegt worden sein muss. Das Problem: den Eltern ist das relativ egal. Wichtig ist nur, dem Jungen geht’s gut. Mit Talent aber, so denkt Maggie Gyllenhaal, geht man nicht so um. Sagt eine, die den Neid aufs Kind mit obsessiver Behütung kompensiert.

In ähnlichen Filmen wie Jodie Fosters Wunderkind Tate oder Begabt mit Chris Evans waren die Kids mit ihrer Hochbegabung nicht alleine, zumindest ein Elternteil hatte da ein Auge drauf. In The Kindergarten Teacher, des Remakes eines 2014 erschienen isaraelischen Films, sind es nicht die Eltern, sondern eine Fremde – und das hinterlässt einen bitteren Beigeschmack. Maggie Gyllenhaal agiert als vom eigenen Nachwuchs ignorierte Mutterfigur in der Existenz- und Erziehungskrise mit befremdender Beharrlichkeit und verstörendem Idealismus. Ihre Figur hat Tendenzen zu Robert De Niros verzweifeltem Ringen nach Anerkennung in Martin Scorseses The King of Comedy. Andererseits aber moderiert sie erstaunlich ambivalent die Überlegungen dieses wirklich bemerkenswerten Independentdramas, das über der alltäglichen Selbstbehauptung in einer Leistungsgesellschaft nachdenkt, in dem der Wert eines Menschen lediglich an seinem Können, und nicht an seinem Charakter bemessen wird. Wo Talent alles ist, und ein glückliches, zufriedenes Leben, das für einen selbst genug ist, immer weniger bedeutet.

The Kindergarten Teacher