Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke (2026)

DAS LEBEN IMPROVISIEREN

7,5/10


© 2026 Warner Bros. Germany


LAND / JAHR: DEUTSCHLAND 2026

REGIE: SIMON VERHOEVEN

DREHBUCH: SIMON VERHOEVEN, NACH DEM BUCH VON JOACHIM MEYERHOFF

KAMERA: JO HEIM

CAST: BRUNO ALEXANDER, SENTA BERGER, MICHAEL WITTENBORN, LAURA TONKE, DEVID STRIESOW, KATHARINA STARK, MORITZ VON TREUENFELS, JOHANN VON BÜLOW, RUDOLF KRAUSE, ANNE RATTE-POLLE, KAROLINE HERFURTH, FRIEDRICH VON THUN U. A.

LÄNGE: 2 STD 16 MIN



„Ihr seid jetzt alle Spaghetti in kochendem Wasser“, so die Anweisung  von Karoline Herfurth, die in der Verfilmung eines autobiografischen Romans von Joachim Meyerhoff eine Lehrkraft gibt, die den kommenden Größen deutscher Schauspielbühnen beibringen soll, wie man improvisiert. Doch dieser Joachim im Film besteht wohl nicht aus Hartweizen, der durch Feuchtigkeit und Hitze eben mal jedwede Stehkraft verliert. Er hat keine Ahnung, wie man etwas ist, was man unmöglich sein kann. Wie man über sein eigenes Ich hinausgeht, da man ja gar nicht mal genau weiß, wie das eigene Ich überhaupt aussieht. Oder wie es mit dem Leben klarkommt, dass so seine Gemeinheiten hat. Wie zum Beispiel den Tod. Der kam als Autounfall und hat diesem Joachim seinen geliebten Bruder genommen. Tieftraurig und mit sich selbst überhaupt nicht im Reinen, versucht der Blondschopf die Flucht nach vorn. Nicht weg vom Leben, sondern ins Leben hinein. Und landet daraufhin bei seinen Großeltern.

Die Alten als Rückendeckung

Ab diesem Moment scheint sich diese Lücke, die der Bruder durch sein Ableben hinterlassen hat,  ja fast schon wieder zu schließen, denn die beiden Altvögel sind exzentrisch genug, um einen Teil dieser Leere zu füllen, entsprechen sie doch wohl kaum dem, was man sich auf gängige Weise unter Großeltern vorstellt. Senta Berger und Michael Wittenborn nehmen sich dabei Meyerhoffs Erinnerungen an seine Verwandtschaft sehr zu Herzen und lassen all die Absonderlichkeiten niemals so aussehen, als wären sie schräge Kuriositäten, über die man abfällige Bemerkungen macht. Hermann Krings und Inge Birkman sind anders, aber mit Stolz. Letztere war mal Schauspielerin, demnach weiß sie, was ihrem „Liebeling“ wohl blühen wird, sollte er die Aufnahmsprüfung denn schaffen. Die wiederum gilts als unendlich schwer, und nur acht Kandidaten von einem ganzen Pulk an Bewerberinnen und Bewerbern kommen durch. Wie wir wissen, sofern wir ins Burgtheater gehen, hat dieser Meyerhoff es geschafft. Längst steht er auf den großen Bühnen, darf sich nebenher auch als Bestsellerautor bezeichnen – sieht man Simon Verhoevens Film, kann man kaum glauben, dass am Ende zumindest beruflich noch alles gut wurde.

Schauspieler, gegen den Strich gebürstet

Für einen Coming of Age-Film ist der von Bruno Alexander (Wir Kinder vom Bahnhof Zoo – die Serie) dargestellte Joachim zu alt, für eine Tragikomödie eigentlich überhaupt keine Komödie, denn all das, was als kurios erscheint und den Eindruck erweckt, vielleicht sowas wie Humor zu kolportieren, ist es gar nicht. Das, was hier vielleicht schmunzeln lässt, ist nur das Leben an sich. Kein Gag, kein Kalauer, keine Witzkiste. Stattdessen wahrhaftige Erinnerungen und die Psyche eines kurzzeitig verlorenen jungen Menschen, der mit einer ganz anderen Generation aus ganz anderen Zeiten als Sidekick alle Anfänge schwer werden lässt. Und so verblüffend es auch aussieht, so sehr man fest der Meinung ist, dass dieser Joachim Meyerhoff womöglich vieles kann, aber ganz sicher nicht schauspielern – ist doch wohl das Unbequeme in dieser autobiografisch erfassten Person, was diese geradezu prädestiniert dafür, unter Applaus zu reüssieren.

Simon Verhoeven, Sohn von Senta Berger, setzt seine Mutter mit ausgesuchter Würde in Szene – eine große Rolle hat sie da ergattert, deren Esprit sie nicht bis zum letzten ausreizt und dadurch das Geheimnisvolle bewahrt. Man fragt sich manchmal, ob hier wirklich nur Joachim Meyerhoff diese Lücke zu schließen versucht – letztlich muss es auch Großmama gelingen, während sie, fast schon am Ende ihres Lebens angekommen, das Lückenhafte in der Welt erstaunlich schlüssig kommentiert.

Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke (2026)

September 5 (2024)

DABEI SEIN IST ALLES

6,5/10


september5© 2024 Constantin Filmverleih


LAND / JAHR: DEUTSCHLAND 2024

REGIE: TIM FEHLBAUM

DREHBUCH: TIM FEHLBAUM, MORITZ BINDER

CAST: JOHN MAGARO, BEN CHAPLIN, LEONIE BENESCH, PETER SARSGAARD, COREY JOHNSON, RONY HERMAN, GEORGINA RICH, ZINEDINE SOUALEM, MARCUS RUTHERFORD U. A.

LÄNGE: 1 STD 31 MIN


Zeiten ändern sich. Am 11. September 2001 waren die Kameras bereits überall – fast so, als hätte man sie vorab in Position gebracht, um aus allen möglichen Blickwinkeln das Einstürzen der Twin Tower spektakulär genug festzuhalten. Die Geburtsstunde der Sozialen Medien ging dann mit dem taktischen Werbebewusstsein sämtlicher Terroristen einher, ihre Bekennerbotschaften, Parolen und Morde allesamt abzufilmen und online zu stellen. Bei den IS gibt es immer wen, der die ganzen Gräuel aufzeichnet. Damals, im Jahre 1972, war das noch nicht der Fall. Da hatten die mit Skimasken verhüllten Verbrecher noch keinerlei Ambition, ihre Taten medienwirksam in Szene zu setzen. Vielleicht aber interpretiere ich falsch und die Organisation des Schwarzen September kalkulierte den Ehrgeiz sämtlicher Fernsehsender, die sich um das olympische Dorf in München niedergelassen hatten, mit ein, jede Sekunde des Geschehens in eine Live-Show zu verpacken. Das Team des Sportkanals von abc war es dann schließlich auch, das im Nachhinein Fernsehgeschichte schrieb und es erstmals gelang, einen Terrorakt wie diesen vor laufender Kamera geschehen zu lassen.

Natürlich obliegt den Journalisten nicht die Verantwortung, eine Situation wie diese zu lösen. Dafür gibt es Verhandler, die Polizei, das Militär, den Geheimdienst. An diesem fünften September scheint es allerdings so, als wären Spezialisten für Situationen wie diese landesweit auf Urlaub, und nur das Fernsehen wäre imstande, entsprechend rasch zu reagieren. Keine hundert Meter vom Schauplatz des Geschehens fallen dann am Morgen des besagten Tages Schüsse, die nicht nur von Dolmetscherin Marianne Gebhardt, gespielt von Leonie Benesch (Das Lehrerzimmer), gehört und gleichsam richtig interpretiert werden. Was tut ein Nachrichtensender in diesem Fall? Er mobilisiert alles, was er hat, um Bad News wie diese ins Programm zu bringen. Unter der Führung des Fernsehproduzenten Roone Arledge erhält der aufstrebende Redakteur Geoffrey Mason, der sich schließlich profilieren will, die Regiegewalt über eine Ausnahmesituation, die sich so unberechenbar anfühlt wie eine Naturkatastrophe. Entsprechend hektisch, hastig und angespannt wird es an diesem Tag und der darauffolgenden Nacht auch zugehen.

Der deutsche Regisseur Tim Fehlbaum, der zuletzt den sehenswerten dystopischen Science-Fiction-Film Tides ins Kino brachte, orientiert sich am Genre des dokumentarischen Journalismus-Thrillers, wie ihn einst Alan J. Pakula (u. a. Die Unbestechlichen) inszeniert haben mag. September 5 fühlt sich in Folge wohl eher wie ein Film an, der nicht nur von den frühen Siebzigerjahren berichtet, sondern womöglich auch damals und zwar genauso hätte gedreht werden können. Die Ausstattung, das Setting, das Gefühl eines Zustands weit vor dem Informationszeitalter, das die Welt nachrichtentechnisch um vieles kleiner machen wird, geben ein immersiv-stimmiges Bild ab. Unterstützt wird dieser Stilwille vorallem auch durch eine Menge authentischen Bildmaterials, denn alles, was man auf den Fernsehschirmen sieht – mit Ausnahme des Moderators von abc – sind Filmdokumente von damals. Dadurch rückt September 5 näher an das Genre der Dokumentation heran. Und als ob dieser Fokus auf die wahren Geschehnisse aus der Sicht des Nachrichtenjournalismus nicht schon ausreichend eng gezogen wären: die Idee, das Ganze als Kammerspiel umzusetzen, macht das Szenario noch kribbelnder und panischer. Auf engstem Raum stauen sich nun Informationen und Emotionen, Druck, Stress und hundertzehn Prozent Aufmerksamkeit. Die Akkuratesse und die Anstrengung einer Live-Show, in der Anweisungen im Stakkato niederregnen und alle möglichen Leute für alles mögliche eingeteilt werden, während niemandem auch nur die kleinste Entwicklung der Geschehnisse entgehen darf – angesichts dieses unter Strom stehenden Arbeitsklimas schwirrt einem bald selbst der Kopf. Die vielen Namen, die vielen Wendungen, die vielen Fronten – Fehlbaum bündelt sie alle irgendwie und bricht sie auf ein Ensemble herunter, das im geschulten Teamwork miteinander synergiert.

Die Kritik an der Moral der Nachrichten und dem damit einhergehenden Missbrauchs menschlicher Katastrophen zum Nutzen der Quote kommt allerdings zu kurz. Ob die Terroristen zufälligerweise auch sehen, was abc in seiner Live-Show fabriziert, ist nur eine von wenigen hinterfragenden Überlegungen zur journalistischen Arbeit. Alles andere ist Berichterstattung, verständlicher Ehrgeiz, aber niemals die Absicht, mutwillig, für den eigenen Erfolg, die Lage zu verschlimmern oder gar über Leichen zu gehen. Übersehen lässt sich vielleicht so manche Grauzone, durch den Willen zur Information treibt manche Beteiligte zur Reflexion über das eigene Tun zwar etwas spät an, aber besser als nie. Dass das Drama von München 1972 derart eskalierte, lag wohl eher an der Überforderung der Behörden und an der Ratlosigkeit, mit Terror umzugehen. Somit ist September 5 keine Medienschelte wie Reporter des Satans, Network oder Nightcrawler – sondern schlicht und ergreifend ein emotionaler, aber akribisch aufgearbeiteter Tatsachenbericht ohne erwähnenswertem Tiefgang.

September 5 (2024)

München – Im Angesicht des Krieges

WAS DER FÜHRER IM SCHILDE FÜHRT

6/10


muenchen© 2022 Netflix


LAND / JAHR: GROSSBRITANNIEN 2021

REGIE: CHRISTIAN SCHWOCHOW

CAST: GEORGE MACKAY, JANNIS NIEWÖHNER, JEREMY IRONS, ALEX JENNINGS, ROBERT BATHURST, SANDRA HÜLLER, ULRICH MATTHES, AUGUST DIEHL, LIV LISA FRIES U. A.

LÄNGE: 2 STD 11 MIN


Nein, dieser Film hat nichts mit Steven Spielbergs gleichnamigem Terrordrama zu tun. In München haben sich nebst der Olympia-Tragödie noch ganz andere Sachen abgespielt. In München hat stattgefunden, was sich einer wie Adolf Hitler wohl immer erträumt hat: Der Moment, wenn Großmächte wie Frankreich, Italien und Großbritannien höflich vor dem Blender der Massen in die Knie gehen. Das wird für den Mann aus Braunau der Anfang einer langen Reihe diverser Triumphe gewesen sein, und zwar auf dem Rücken der Tschechoslowakei, die zu diesem sogenannten Münchner Abkommen nicht mal eingeladen war. Der Krieg wurde zu diesem Zeitpunkt zumindest mal um ein Jahr nach hintern verschoben, kam aber dann doch – Verträge hin oder her. Die eigneten sich für Nazis maximal zur Verwendung im Sanitärbereich. Macht braucht keine Unterschriften, das wird einer wie Neville Chamberlain in seiner naiven Vorstellung von der Welt auch bald bemerkt haben. 1939 war‘s dann soweit, mit dem Einmarsch in Polen. Bis dahin hat es wohl geheissen: Abwarten und Tee trinken, und zwar nicht nur für die Briten.   

Diesem historischen Gipfeltreffen hat Romanautor Robert Harris (u. a. Enigma oder Intrige – von Polanski großartig verfilmt) eine etwas triviale Spionagegeschichte rund um zwei Kommilitonen aus Oxford angedichtet. Der eine ein Deutscher, der andere waschechter Brite. Beide liegen sich 1932 politisch gesehen in den Haaren und legen ihre Freundschaft auf Eis, sechs Jahre später treffen sie sich wieder, um irgendwie die Welt zu retten, was ein bisschen an die Sache mit den Plänen für den Todesstern erinnert. Der eine ist Sekretär des britischen Premierministers, der andere ein Diplomat unter der Fuchtel Hitlers, der aber ein doppeltes Spiel spielt, da er plant, den Führer zu stürzen. Der Sache kommt er schließlich deutlich näher, als ihm Dokumente zugespielt werden, in welchem die gesamte zukünftige Agenda Hitlers für Europa aufgelistet steht. Ein brisantes Schriftstück, welches den Zweiten Weltkrieg womöglich vereiteln hätte können. Nur: das Schriftstück hat es nie gegeben, es ist Fiktion – das Münchner Abkommen und den daraus resultierten Friedensvertrag allerdings schon. Dabei bleibt fraglich, ob München – Im Angesicht des Krieges nicht wohl eher die Darstellung einer alternativen Realität widerspiegelt als Europas Geschichte.

Es gibt unzählige Romane dieser Art, die alle irgendwann aus den Wühltischen irgendwelcher Buchdiskonter gegraben werden können. Harris Werk scheint da eines von vielen zu sein, die allein aufgrund des Auftretens von Hitler ihren historischen Kontext gesichert wissen. Aber so viel Fairness muss sein: Neville Chamberlain ist auch mit dabei. Und wird durch Charaktermime Jeremy Irons würdig vertreten. Christian Schwochow, der mit der Siegfried Lenz-Verfilmung Deutschstunde einen bemerkenswert stimmigen Beitrag zum deutschen Kino geleistet hat, mit Je Suis Karl aber wiederum weniger, weiß den Briten als politischen Charakterkopf greifbar in Szene zu setzen – Oldmans Churchill-Maskerade aus Die dunkelste Stunde ist da nicht viel besser. Jannis Niewöhner tut sich da sichtlich schwerer, ebenso August Diehl, der schon wieder einen Nazi spielen muss, und zwar sehr stereotyp und in aufsässiger Tarantino-Manier. Und: George MacKay, bekannt aus Sam Mendes Kriegsfilm 1917, darf auch hier wieder Botschaften überbringen und sich in gewisser Weise ebenfalls durch feindliche Linien ducken. Die gehetzte Panik steht ihm gut, und im Gegensatz zu Niewöhner gelingt es ihm zumindest, als Schauspieler hinter seiner Rolle zu verschwinden.

München – Im Angesicht des Krieges scheint als unschlüssiger Hybrid zwischen Fakten und Fiktion gewisse reißerische Geschichts-Plattitüden zu bedienen, die mit Hakenkreuzfahnen und Hitler-Akzent für interessierte Betroffenheit sorgen sollen. Das gelingt, denn der Thriller ist üppig besetzt und unterhält. In Zeiten des Säbelrasselns rund um die Ost-Ukraine erscheint der Film noch dazu wohlgetimt auf Netflix, erreicht aber in Sachen Zeitbild bei weitem nicht die Komplexität, die zum Beispiel in Babylon Berlin zu finden wäre.

München – Im Angesicht des Krieges

Sauerkrautkoma

LUSTIG HAMMAS

5/10

 

sauerkrautkoma© 2018 Constantin Film

 

LAND: DEUTSCHLAND 2018

REGIE: ED HERZOG

CAST: SEBASTIAN BEZZEL, SIMON SCHWARZ, LISA MARIE POTTHOFF, ENZI FUCHS, GEDEON BURKHARD, NORA WALDSTÄTTEN, EISI GULP U. A.

 

Kann sich jemand von Euch noch an Gus Backus erinnern? Der Februar diesen Jahres verstorbene US-amerikanische Sänger mit dem Hang zu deutschsprachigen Schlagern wird wohl in manchen seiner Ohrwürmer aus den 60ern bis auf unabsehbare Zeit weiterleben, ganz besonders in seiner Knüllernummer Sauerkraut-Polka. Diesen schrägen Song, der die Liebe zu diesem schwerverdaulichen, aber gesunden Gemüse beschreibt, hätten die Macher von Rita Falks aktueller Buchverfilmung ruhig integrieren können. Die Sauerkraut-Polka – die hätte fugenlos und formschön in diese schräge Nummernrevue gepasst, die aber leider nicht mehr sein will und kann als eine Nummernrevue. Im Schlepptau: eine geigelnder Torso von Kriminalfall, der im Kreisverkehr sich selbst auffährt und eigentlich überhaupt nicht sein müsste, denn der Kieberer Eberhofer, der an lustloser Phlegmatik kaum zu übertreffen ist, macht lieber ganz andere Dinge als der Handlung zu folgen. Rita Falk hat diesen bauernschlauen Hans im Glück in ihren lokalkolorierten Bayernkrimis mit Hingabe skizziert – auch all die anderen schrägen Figuren, die sich im Kaff Niederkaltenkirchen das Bier in die Hand geben. Die Oma, die ist ob ihrer kulinarischen Raffinesse sowieso das Maß aller Dinge, und letztendlich heißt es: rein in die gute Stube, wenn alle im Herrgottswinkel Grießnockerlsuppe schlürfen oder unwiderstehlich duftenden Braten mit Knödel und sämigem Safterl genießen. Ohne Hungergefühl kann man Rita Falks Bücher kaum weglegen, und ohne ein Schmunzeln auch nicht. Das funktioniert im Kino – wie bei all den anderen mehr schlecht als recht bebilderten Filmversuchen ebenso – eigentlich weniger gut. Warum? Weil Regisseur Ed Herzog höchstwahrscheinlich schenkelklopfenderweise am Set sitzt und sich über die situationskomischen Witze aus der Feder von Drehbuchautor Stefan Betz köstlich amüsiert. Lachen ist natürlich gesund – wenn aber dabei der rote Faden abhanden kommt, bleiben nur einzelne Sketches über, die wie schon zuletzt die subversiven Schlagerparodien eines Christian Steiffen verbraten und die Visagen einem Karikaturmuseum gleich fast unappetitlich genau ins Bild rücken. Das alles gehört zum Stil aller Rita Falk-Verfilmungen, ist aber in der fünften Aufwärmphase nur mehr redundant und ungefähr so schmackhaft wie wiederholt aufgewärmtes Kartoffelpüree.

Was in den Büchern mit den wiederkehrenden Verhaltensautomatismen das vertraute Gefühl eines schrulligen Alltags erzeugt, geht in den Filmen in grobmotorisch komödiantischer Überforderung unter. Es ist wie Kinderbändigen am Faschingsdienstag – alle wollen überall zugleich sein und sowieso alles machen, alles essen und alles trinken, was zur Hebung der eigenen Laune angeboten wird. Da noch zu den jungen Gästen vernünftig durchzudringen ist so gut wie unmöglich. Ebenso in seiner eigenen Blase wie all die andere Sprösslinge: Sebastian Bezzel, welcher der Wurstigkeit des Eberhofer allzu viel Nachdruck verleiht. Seine Figur ist unkaputtbar und mimisch auf die Grundeinstellungen heruntergefahren, wie Comic-Schlappohr Droopy, allerdings auch enorm selbstbezogen und eigentlich nicht sonderlich sympathisch. Da gibt Simon Schwarz als enorm amikaler Privatdetektiv den genussfreudigen Konterpart, und hat auch mit titelgebendem Bewusstseinszustand am meisten von allen zu schaffen. Das natürlich schon recht erheiternd, und wir klopfen uns so wie Regisseur Herzog ebenfalls das eine oder andere Mal wirklich auf die Schenkel, aber ein Krimi ist Sauerkrautkoma, obwohl er besser ist als seine Vorgänger, keiner. Vielmehr ein lustwandelnder Provinzschlager, der nicht merkt, dass er die Hosen verliert, weil er sich so wahnsinnig leicht ablenken lässt.

Sauerkrautkoma