Sleepless – Eine tödliche Nacht

PAPA, DER MANN MIT DEM KOKS IST DA

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sleepless

Am Anfang war die Tasche. Schön und gut. Jetzt geht es darum, aus diesem transportablem Behältnis ein sehr begehrenswertes zu machen – die Arbeit der Drehbuchautoren ist gefragt. Aber nicht die Arbeit amerikanischer Drehbuchautoren – die Vorlage für den simpel gestrickten Reißer war wieder einmal aus französischen Landen zu holen. Da hatten die lokalen Filmemacher schon 6 Jahre zuvor die ganze Arbeit getan. Aber wie dies nun mal in den USA so ist – internationale Produktionen erfreuen sich enorm begrenzter Beliebtheit (siehe meinen Blog-Artikel Die Schöne und das Biest). Doch Kopien in englischer Originalsprache mögen meinetwegen ihre Runde machen – die Notwendigkeit allerdings, in einen derart austauschbaren Streifen wie Sleepless zu investieren, der wiederum in Österreich vor vielen anderen sehenswerten Produktionen einen Filmverleih findet, entzieht sich meiner Nachvollziehbarkeit. 

Der an Schauplätzen ziemlich begrenzte Taschen-Thriller besticht durch nichts, was nicht auch schon andere ähnlich gelagerte Produktionen durchgekaut haben. Undercover-Polizisten, kiloweise Drogen und mehrere Parteien, die darauf aus sind, das Vermögen in Form von weißem Schnee zu kassieren – auf kurze Dauer mag der Plot ja unterhalten. Doch dann kommt Jamie Foxx – und spielt sich selbst an die Wand. Allerdings auch nur dann, wenn sich Michelle Monaghan nicht dazwischen stellt. Die Schauspielerin agiert in dieser relativ lieblos heruntergespulten Hotel-Hasenjagd immer noch am besten, da kann Tarantino´s Django diesmal leider gar nicht mithalten. Zwischen beruflichem Ehrgeiz und familiärer Verpflichtung in geradezu paralysiertem Zustand befindend, versucht Foxx seinen Sohn aus den Fängen eines schmierigen Casino-Mafioso zu befreien. Für einen positiven Ausgang dieses Unterfangens ist eben jene Tasche vonnöten, von welcher wir hier schon des Öfteren gelesen haben. Doch die Dringlichkeit und die verzweifelte Vaterliebe, mit welcher der eigene Sohn herausgehauen gehört, sucht man eventuell in einem anderen Film. Der für Ray oscargekrönte Schauspieler dürfte die Rolle Sleepless lediglich zum Zeitvertreib angenommen haben. Und all der übrige Cast erinnert in der Ausarbeitung ihrer Figuren eher an das Videothekenkeller-Sortiment eines Jean-Claude van Damme in der Titelrolle – wobei das nicht heißen soll, dass der gelenkige Belgier Zeit meines pubertären Lebens nicht auch für unterhaltsame Stunden gesorgt hat.

Diese Zeit allerdings ist vorbei, und so wird bereits nach einer halben Stunde Laufzeit ziemlich schnell klar, dass alles zugunsten der Gerechtigkeit enden wird. Der Umstand sorgt für Langeweile, da helfen selbst der eine oder andere Shootout nicht, und genauso wenig ein sadistischer Bösewicht, der mittelalterliche Quälereien praktiziert. Dann lieber selbst irgendwann nach Las Vegas fliegen und eine Schnitzeljagd auf die Kosten des Hauses veranstalten. Da hat man mehr davon. 

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Sleepless – Eine tödliche Nacht