Supergirl (2026)

IN DEN WELTRAUM HINEINSCHREIEN

7/10

 

Milly Alcock als Supergirl mit ihrem Hund Krypto
© 2026 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved / Constantin Film Österreich

 

LAND / JAHR: USA 2026

REGIE: CRAIG GILLESPIE

DREHBUCH: ANA NOGUEIRA, NACH DER GLEICHNAMIGEN COMICREIHE (2021-2022)

KAMERA: ROB HARDY

CAST: MILLY ALCOCK, EVE RIDLEY, MATTHIAS SCHOENAERTS, JASON MOMOA, DAVID KRUMHOLTZ, EMILY BEECHAM, DAVID CORENSWET, FERDINAND KINGSLEY, DIARMAID MURTAGH, ALICE HEWKIN, WIL COBAN U. A.

LÄNGE: 1 STD 48 MIN



Thanos und eine Lanze für den Comicfilm

Ich weiß nicht, warum gerade im Genre des Superheldenfilms andauernd geunkt wird. Wenn schon, dann müsste sich den Vorwurf des sich wiederholenden Einheitsbreis fast schon jede Art von Film gefallen lassen. Dabei darf man nicht vergessen, dass alle Geschichten dieser Welt sowieso nur auf wenigen narrativen Mustern beruhen.

Dass nur in dieser Welt der Capes und Anzüge und Superkräfte mehr inhaltliche Variation eingefordert wird, und im Sektor des romantischen Films, des queeren Films oder des Actionfilms deutlich weniger, mag verwundern. Doch womöglich liegt die Provokation zum Spott gerade in der Haltung so mancher Übermenschen, wenn sie in falscher Bescheidenheit die Welt retten müssen – und der Antagonist selten reflektiert, warum er eigentlich alles unterjochen will.

Es mag dieser Mangel an Besinnung sein, der das Genre für manche so dumm erscheinen lässt. Nach dem nach wie vor für sich alleinstehenden Jahrhundertwurf eines Thanos und dem Aufbegehren ausgesuchter Avengers gegen ihn hat der Comicfilm dahingehend wirklich alles unternommen, um für voll genommen zu werden.

Superhelden und ihr Bewusstsein, Superheld zu sein

DC hat sich der Schwere eines Zac Snyder, dessen Interpretationen ich aber schätze, weile sie nahe an den Figuren der Heftvorlagen sind, entledigt. Weg mit den Ego-Trips und den Selbstgerechtigkeiten. Mit diesem Jammern auf hohem Niveau über verpasste Kindheiten, katastrophale Schicksale und sippenhaftende Widersacher.

Man muss zugeben, Henry Cavill und Ben Affleck waren sich zwischen gefälligem Gehabe eines Tech-Milliardärs und repräsentativer Eitelkeit wohl immer stets bewusst, wie toll sie nicht sind. Davon ist im neuen Tonfall von James Gunn kaum mehr etwas übrig. Sein Superman ist weitestgehend frei von Selbstüberschätzung.

Dieser Superman kann mit dem Begriff Superman wenig anfangen und wirkt eher so wie einer, der mal wieder Lust hat, etwas für die Allgemeinheit zu tun. Wie angenehm unprätentiös. Und wie ehrlich bescheiden. David Corenswet trifft den Charakter auf den Punkt. Sympathisch, nahbar, manchmal peinlich und sagenhaft freundlich. Seine Cousine macht es ihm gleich.

Ein Take-Away-Abenteuer, handlich und zeitgemäß

Bereits im neuen Superman von vor einem Jahren angeteasert, bekommt Ex-Targaryen-Mädchen Milly Alcock nun ihren Solo-Auftritt. In einem Abenteuer, das an Originalität jetzt nicht gerade ersäuft, dafür aber dazu steht, dass in diesem Genre wie in jedem anderen auch Geschichten nicht viel anders können als Vorhandenes zu variieren.

Da gibt es die finsteren Briganten mit Matthias Schoenaerts als gepiercter Sklavenhändler Krem, der junge Mädchen entführt, um den Fortbestand seiner Rotte zu sichern. Ganz schön düster für ein leichtfüßiges Abenteuer. Mädchenhandel, Missbrauch, Unterdrückung – schwere Themen, die Craig Gillespie (I, Tonya, Cruella) auf wundersame Weise zu einem Missstand macht, über den man nicht lamentiert oder in Schockstarre verharrt, sondern den es zu ändern gilt. Ärmel hoch, das Schwert fest im Griff – und die Rache wird zum süßen Wort.

Leg dich nicht mit Frauchen an!

Dieses Supergirl will genauso wenig super sein wie ihr Verwandter, der es sich auf Erden bereits gemütlich gemacht hat. Mit dem animierten Hund Krypto und verbeultem Raumschiff säuft sie sich durchs Universum, von Spelunke zu Spelunke, ohne Ziel und Aufgabe. Diese lasterhafte Fehleranfälligkeit ist die Augenhöhe, die es braucht.

Die kleine Ruthye läuft ihr über den Weg, die Rache nehmen will an Krem, hat der doch ihre ganze Familie auf dem Gewissen. Kara, so Supergirls eigentlicher Name, kann da nicht nur zusehen. Der Altruismus schlägt durch, und dann wird auch noch Krypto vergiftet, von eben diesem Nadelkissen an Unhold, dem beide nun hinterherjagen – für Rache und Gegengift.

Anders als John Wick, der den Tod seines Hundes einfach nur rächen will, ist Supergirl nicht nach Rache aus – wie wohltuend wenig selbstgerecht. Im Prinzip aber ist es eine ähnliche Geschichte, nur mit deutlich mehr Aliens, und zwar so vielen unterschiedlichen Arten, dass das Star Wars- Universum fast schon Sorge haben muss, das Zepter der Biodiversität zu verlieren.

Aliens wohin man blickt

Mit liebevoll analogem Monsterdesign, wie sowas eben zu sein hat, muss Craig Gillespie gar nicht mal große Einladungen aussprechen, damit man den beiden jungen Frauen ins Abenteuer folgt. Man hätte das auch so getan, weil man mit einer wie Kara auch befreundet wäre, hätte sie keine Superkräfte. Weil die Dame schlicht und ergreifend das Herz am rechten Fleck hat, ohne Mission, ohne hehrem Ziel, sondern einfach nur, weil manche Umstände es verlangen.

Wie normal sind Superhelden?

Dieses Herunterbrechen auf den Charakter gelingt. Milly Alcock ist neben David Corenswet eine Nachbarin von nebenan, eine geerdete Person. Mit sich selbst niemals ganz im reinen, aber auf eine Weise, die Identität einfach mit sich bringt.

Supergirl ist ein launiger, kompakter, unverkrampfter Ausflug, nimmt nebenher noch feministisch angehauchte Frauenpower mit, ohne penetrant zu wirken – und schenkt am Ende noch Jason Momoa, der seinen Aquaman verloren hat, ein neues Leben als Baumarkt-Version von Gene Simmons von den Kiss. Dieses bärige Raubein schaut nur zufällig vorbei und kreuzt den Weg der beiden tatkräftigen  Frauen, ohne sich gleich zu irgendeiner League zu bekennen.

Supergirl ist dabei ein Film ohne Zwang, aufgesetztem Idealismus oder einer ganze Epochen umspannenden Queste. Gillespies Film ist einfach nur ein Abenteuer. Wie herrlich simpel, geradeheraus. Zwar nicht erfrischend anders, dafür aber erfrischend normal.

Supergirl (2026)

Masters of the Universe (2026)

TOY STORY MIT MUSKELN

6/10

 

Nicholas Galitzine als Adam/He-Man in Masters of the Universe© 2026 Amazon MGM Studios Content Services LLC

 

LAND / JAHR: USA 2026

REGIE: TRAVIS KNIGHT

DREHBUCH: CHRIS BUTLER, AARON UND ADAM NEE, DAVE CALLAHAM

KAMERA: FABIAN WAGNER

CAST: NICHOLAS GALITZINE, JARED LETO, IDRIS ELBA, CAMILA MENDES, MORENA BACCARIN, ALISON BRIE, CHARLOTTE RILEY, SAM C. WILSON, JÓHANNES HAUKUR JÓHANNESSON, JON XUE ZHANG, SASHEER ZAMATA U. A.

LÄNGE: 2 STD 20 MIN



Was flasht mich da?

Es ist nichts anderes als der Rücksturz ins Kinderzimmer meines Volksschulkommilitonen: Masters of the Universe. Denn niemals, im Laufe meiner Kindheit, durfte ich eine dieser Actionfiguren mein eigen nennen.

Warum? Der Spirit von patriarchalem Heldentum war sogar in einem Zeitalter, in dem Diversität, Gleichheit und Geschlechterrollen in konservativen Strukturen feststeckten, auffallend vorgestrig, als wäre es aus einer reaktionären Interpretation der Siegfried-Sage gefallen.

Die Frauenquote der Muskelmänner

So ein martialisches Männlichkeitsbild kam damals nicht in unser Haus. Dafür aber in jenes meines eingangs erwähnten Freundes, bei dem ich dieses Klischee der tapferen, ruhmreichen Beschützer und Bösewichte bedienen konnte, ohne das Ganze zu hinterfragen.

Dort die Burg von Grayskull, auf der anderen Seite der Snake Mountain. Dazwischen die irrwitzigsten Monster und Mutanten, und weil man ja nicht komplett so tun wollte, als würden Frauen nur hinter den Burgmauern um ihre Helden bangen, gabs zumindest Teela, Evil-Lyn und die Zauberin – später dann noch He-Mans Schwester She-Ra (She-Woman wäre konsequenter), das Pendant zu Supergirl im DC-Universum.

Die martiale „Kauf mich“-Lore

Damals aber konnten wir uns weder sattsehen noch sattspielen. An jede einzelne dieser Figuren kann ich mich erinnern, und eine Handvoll erscheint auch im neuen Versuch, das triviale Universum, das frappant an Flash Gordon, Marvel und die deutschen Heldenepen erinnert, mit ganz viel Hilfe durch CGI-Experten auf die Leinwand zu bringen.

Denn Masters of the Universe, das ist Kitsch as Kitsch can, das ist ein unfreiwillig komisches, vielleicht sogar käsiges Spielzeuguniversum mit genau jener tümpeligen Tiefe, die ein Team an Spielzeugentwicklern von Mattel wohl erforscht haben müssen, um diesen „Kauf mich“-Kreaturen zumindest eine gewisse Legitimität anhand einer simplen und von überall her zitierten Lore zu bescheren, die ins Zentrum gar dreist ein Schwert stellt, für das der junge König Artus es nicht mal aus dem Stein ziehen muss.

Die Sache mit dem Lendenschurz

„Bei der Macht von Greyskull! Ich habe die Kraft!“ Und schon umweht ein ledergegerbtes Tarzan-Röckchen die sicherlich schmucke Männlichkeit von Adam, während ein rotes Kunstharzkreuz Marke „Tempelritter“ die durchtrainierte Brust des blonden Recken ziert, der in Travis Knights (Kubo – Der tapfere Samurai, Bumblebee) ironisch kommentierter Überarbeitung des trivialen Stoffs gar nicht mal so einer sein will.

Natürlich kann man die Welt von Masters nicht einfach in seinem obsoleten Dunst von damals vor sich hin husten lassen. Wie man es dreht und wendet – das ganze Szenario mit einer gewissen Tolkien‘schen Ernsthaftigkeit zu versehen, wird nicht gelingen. Zu generisch ist der Plot, zu plakativ die Charaktere.

Sympathie für den Waffenmeister

Um das Problem zumindest in Sachen Sympathiewerte zu lösen, kommt einer wie Idris Elba ins Spiel, der Adams rechte Hand gibt: Man-at-Arms, auch genannt Duncan. Elba hat Charisma und gute Laune. Genauso wie Nicholas Galitzine (Glennkill: Ein Schafskrimi), der diesen auf Diplomatie gebürsteten Thronerben gibt, als Kind schon nicht kämpfen wollte und im Erd-Exil mit seiner für niemanden glaubhaften Biografie als verschrobener Nerd gilt, der fanatisch nach einem Schwert sucht – seinem Schwert, nämlich jenes mit der Macht.

Das Live-Act-Problem des Zeichentrick-Schurken

Kaum gefunden, katapultiert ihn das Schicksal wieder nach Eternia zurück, wo Skeletor, der ikonische Erzgegner und Onkel (!) von He-Man (wie in der Artus-Sage Schurke Vortigern Pendragon) schon seit Anbeginn an diese Macht will, um diese auszuüben. Hinter dem Totenschädel verbirgt sich Jared Leto in zeichentrickhafter Gestik und mit wenig Charakter.

Denkt da wer vergleichsweise an Frank Langella aus den Achtzigerjahren? Da hatten wir ja schon mal eine Masters-Interpretation, nur aufgrund mangelnder Rechte und wenig Budget hat Dolph Lundgren (man beachte sein launiges Cameo im neuen Film) auf den Final Fight in Eternias Burg verzichten müssen. Bis heute ist Gary Goddards trashiges Guilty Pleasure nicht ohne Nostalgie-Wert. So eine Langlebigkeit lässt sich im neuen Film wohl nicht prognostizieren, obwohl die Macher hier versuchen, das ganze auf zwölftönende und damit erinnerungswürdige Eigenparodie zu trimmen, die auch dank Elba und Galitzine zumindest streckenweise funktioniert.

Den kenn ich doch!

Ist Masters of the Universe nun Kinderkam? Ja, Kinderkram für Mittvierziger, die sich gerne am bunten Materialismus vollgestopfter Kinderzimmer erinnern. Und mit Lust und verklärten Augen Figuren wie Fisto, Mechanek, Spikor, Moos Man, Ram Man und dergleichen in diesmal spielzeugadäquater Ausgestaltung mit Leichtigkeit wiederentdecken.

Die Sache mit dem Sexwitz

Ein Toy Story also mit Muskeln und lahmer Story; netten, aber nicht außergewöhnlichen Schauwerten, dafür aber mit befremdlichem, sexuell konnotierten Wortwitz, der sich speziell auf einen Charakter bezieht und sich auf irritierende Weise am Zielpublikum vorbei vergreift.

Irgendwie ist den Schreiberlingen hier der Zynismus durchgegangen, während zeitgleich verabsäumt wurde, die Vorhersehbarkeit vor allem im Showdown abzufangen. Mit dem Kulturschock der realen, nämlich unserer Welt, wird das Abenteuer mit origineller Situationskomik abgeschmeckt. Witzig auch die „Etymologie“ so manchen Heldennamens. Doch die Selbstironie wirkt unentschlossen – manchmal ist sie zu viel, manchmal zu wenig. Oder hatte gar Mattel das letzte Wort?

Alle waren sie im Gym

Travis Knight lässt Masters of the Universe immer noch das sein, was es immer schon war: Ein konfuses, etwas zu lang geratenes Arena-Gekloppe mit der Sehnsucht nach epischer Fantasy, und mit dem ernüchternden Blick auf die Tatsache, das die durchtrainierten Schwarzenegger-Rabauken nicht wirklich viel mehr sind als sie darstellen. Vielleicht muss man dafür die Zeichentrickserie kennen, und das ganze Drumherum. Davon aber ausgekoppelt bleibt nur Spielzeug, das lebendig wird. Hach, für ewige Buben irgendwie trotzdem ganz schön.

Masters of the Universe (2026)

Predator: Badlands (2025)

AM LAGERFEUER MIT DEM KOPFJÄGER

6/10


© 2025 20th Century Fox / Disney


LAND / JAHR: USA 2025

REGIE: DAN TRACHTENBERG

DREHBUCH: PATRICK AISON

KAMERA: JEFF CUTTER

CAST: DIMITRIUS SCHUSTER-KOLOAMATANGI, ELLE FANNING, REUBEN DE JONG, MIKE HOMIK, ROHINAL NARAYAN, CAMERON BROWN, ALISON WRIGHT, THE DUFFER BROTHERS U. A.

LÄNGE: 1 STD 47 MIN


Disney spürt man überall. Am stärksten bei Themen, die nicht dafür gemacht sind, den Kindern vor dem Schlafengehen als Betthupferl zu dienen. Disney will aber, das sich im Grunde alles, worüber es das Sagen hat, ein bisschen nach Betthupferl anfühlt. Predator: Badlands, jüngste Erweiterung des Franchise, das diesmal auch hochoffiziell mit dem Alien-Universum kokettiert, ist so, als würde man den beinhart agierenden Arnold Schwarzenegger in seiner Rolle als T1000 aus James Camerons Klassiker nunmehr als Kindergarten Cop einsetzen. Zumindest als unfreiwillige, pädagogisch dann doch wertvolle Aufsicht über jenen Dreikäsehoch, der als Sprössling von Sarah Connor im Endeffekt zu Nannys Nemesis werden könnte.

Der moralische Kompass eines Aliens

Tut mir leid, Predator. Wenigstens darfst du aber diesmal zum Lokalaugenschein einladen, zum Wohngespräch mit deinem Publikum, denn zum allerersten Mal seit 1987 gewährt das wirklich nicht schönste Alien des Universums einen Einblick ins Privatleben einer Yautja-Familie, die auf Yautja Prime ihre wenig zimperlichen Rituale zugunsten der Tradition genüsslich praktizieren, ohne sie zu hinterfragen. Was wir wissen: Der Yautja ist, wie der Titel schon sagt, ein Jäger, ein Trophäensammler, ein gnadenloser Bursche (es gibt, so wie ich das sehe, nur männliche Exemplare – oder gar kein Geschlecht?) mit einem moralischen Kompass ohne Pole, der wirr um sich schlägt und für Erdlinge wohl kaum verstanden werden kann. Schließlich spielten bislang Faktoren wie Achtsamkeit, Respekt vor allem Lebenden und sowas wie Humanismus überhaupt keine Rolle. Disney will aber das Gute, das wissen wir. Das moralisch Integre, Aufgeräumte, Ehrbare. Auch der Predator soll und muss ehrbar werden. Am leichtesten lässt sich das bewerkstelligen, wenn dieses Exemplar in Predator: Badlands zum Opfer seiner eigenen Familienphilosophie wird.

Ökotrip für Hartgesottene

Als schwächstes Glied der Kette wird Dek zwar von seinem älteren Bruder beschützt, doch der mächtige Patriarch hat dann doch noch das letzte Wort. Und während sich in geradezu unvorstellbarer Selbstlosigkeit der Bruder unters Messer des Vaters wirft, gelingt dem jüngeren Taugenichts die Flucht per Raumschiff auf einen lebensfeindlichen Nachbarplaneten, dessen toxische und gefährliche Fauna und Flora jedes noch so erdenkliche Habitat auf unserem Planeten zum unkrautfreien Schrebergarten erklärt. Genna heisst jener Ort, an welchem nur nachhaltige Ökotouristen mit Hang zum Suizid ihre Reise buchen. Eines der mächtigsten und unmöglich zu tötenden Kreaturen sollen hier lauern, der sogenannte Kalisk, ein Muskelpaket von Monster, stark wie King Kong, unverwüstlich wie eine Kakerlake, weil gesegnet mit einem genetischen Reperaturmechanismus, der Wunden in Windeseile wieder schließt. Dek will es aber dennoch wissen – und schaffen, was niemand zuvor geschafft hat. Bevor es aber überhaupt so weit kommt, gibt sich der Rest des Planeten ausgeschlafen genug, um sich dieser landfremden Kreatur mit ganzer Bandbreite in den Weg zu stellen.

Als gäbe es ihn wirklich

Alle, die ans Creature Design ihr Herz verloren haben, dürfen sich Predator: Badlands nicht entgehen lassen. Ich sage es an dieser Stelle ganz offen: Mein Traumjob wäre es nach wie vor, in die Fußstapfen eines Phil Tippet, Dennis Muren oder Stan Winston zu treten, doch hierzulande in Österreich kann man mit dem Erschaffen von Kreaturen aller Art herzlich wenig erreichen. Es muss dann wohl genügen, einfach zuzusehen, was andere entworfen haben – und zugegeben, man kann sich selbst hier, in Trachtenbergs Bestiarium ferner Planeten, kaum an all dieser kuriosen Biomasse sattsehen, obwohl die Viecher minütlich über die Leinwand regnen. Dabei steht der Yautja in all seiner monströsen Beschaffenheit im Zentrum der Aufmerksamkeit, und tatsächlich: Es ist, als gäbe es dieses Wesen wirklich, so realitätsnah simulieren die Könner ihres Fachs eine extraterrestrische Physiognomie, die nicht mal vor Nahaufnahmen Halt macht. Allein dafür ist Predator: Badlands ein Genuss – und kommt man damit klar, dass es nur das ist, was wirklich staunen lässt, hat man schon gewonnen.

Schließlich ist der erzählerische Rest des Ganzen einfach nur Disney. Weiß man von der Tonalität der jüngsten Serie Alien: Earth, wird selbst der von Elle Fanning dargebotene Android zu einer Quasselstrippe, die sich nach König der Löwen anfühlt. Später noch gesellt sich ein glupschäugiges Wesen hinzu, das von vorne bis hinten einfach nicht zum Stil des Predators passt, auch nicht in diese Welt und überhaupt schon gar nicht in dieses düstere Trope. Von düster will man aber nur noch wenig wissen, all das Herzige ist so geschmeidig wie eine Wimper im Auge, das stößt und sperrt sich und fühlt sich nicht richtig an. Letztendlich aber behalte zumindest ich den waldschratigen hässlichen Haudegen im Kopf, wie er seine Moral vor sich herträgt und die Gelegenheit aufgreift, sein schlechtes Image durch einen neuen Blickwinkel auf sich selbst schönzuargumentieren.

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Predator: Badlands (2025)

Venom: The Last Dance (2024)

NOCH EINMAL ZÄHNE ZEIGEN

6/10


venomlastdance© 2024 CTMG, Inc. All Rights Reserved


LAND / JAHR: USA 2024

REGIE: KELLY MARCEL

DREHBUCH: KELLY MARCEL, TOM HARDY

CAST: TOM HARDY, CHIWETEL EJIOFOR, JUNO TEMPLE, STEPHEN GRAHAM, RHYS IFANS, ALANNA UBACH, ANDY SERKIS, PEGGY LU, CLARK BACKO U. A.

LÄNGE: 1 STD 49 MIN


Zumindest in dieser von vermutlich Tausenden von Welten ist die extraterrestrische Grinsekatze mit Vorliebe für Menschenhirn ein Flüchtiger. Denn ein superfieser und uralter Sonderling namens Knull will seiner Schöpfung im gesamten Universum und vermutlich darüber hinaus den Garaus machen. Dank des Multiversum-Gedankens darf in dieser Welt, gesteuert von Sony, dieser Knull alle anderen Superbösewichte aus dem Marvel-Kosmos verdrängen – als gäbe es sie gar nicht. Und so, als gäbe es auch all die anderen Superhelden nicht, die wir bereits kennen. Venom war da immer schon ein Außenseiter, mit Ausnahme des dritten Sam Raimi-Ablegers um den freundlichen Jungen aus der Nachbarschaft. Der durfte in Spider-Man 3 schon seiner Nemesis gewahr werden, doch das ist eine andere Dimension. Marvel mit all seinen unzähligen Figuren funktioniert eben nur unter dem Multiversum-Prinzip. Sonst gäb‘s ein Gedränge mit Hang zur Massenpanik.

Dieser Symbiont, der ohne einen Wirt zwar vor sich hin wabern, aber nicht wirklich sinnvoll existieren kann, steckt schon seit geraumer Zeit im Körper des Journalisten Eddie Brock, der seinen Intimfreund lieben und schätzen gelernt hat. Die beiden sind sogar schon mal gemeinsam gestorben, um wieder aufzuerstehen, was wiederum einen als Codex bezeichneten Schlüssel entstehen hat lassen, mit welchem sich Knull seiner Fesseln entledigen könnte, harrt der doch in einer gewissen Stasis vor sich hin, was einem Gefängnisaufenthalt gleichkommt. Um den Codex zu entwenden, schickt der uralte Häftling äußerst zähe Kreaturen auf die Erde, um Jagd zu machen. Und das sind nicht die einzigen, die Venom das Leben schwer machen. Auch eine als Jury bezeichnete Spezialeinheit will das Duo dingfest machen.

Man sollte sich noch gut an Venom: Let There Be Carnage erinnern können, um zu wissen, womit es sich mit einigen Randfiguren in diesem Abenteuer auf sich hat, allen voran mit Stephen Graham als Polizist Mulligan, der nach seinem Tod aus dem letzten Film sich selbst wieder zu den lebenden zählt, dank eines anderen Symbionten in anderer Farbe. Knull hingegen ist neu, die Jury ebenso, und allesamt haben ihren Ursprung in den Comicvorlagen, die ich selbst nicht kenne. Damit das mit Fachwissen nicht ganz so vertraute Publikum in diesem Chaos aus Namen, Charakteren und Querverweisen den Überblick behält, hat Drehbuchautorin Kelly Marcel, die schon am ersten Venom-Film mitgeschrieben hat und nun auch die Regie übernimmt, den Content häppchenweise angerichtet. Kleinteilig ist Venom: The Last Dance geworden, und trotz seiner Kleinteiligkeit auffallend simpel.

Wer hier wen jagt und warum, mag man so hinnehmen, ohne nach Sichtung des Films eigenmächtig in medias res gehen zu wollen, um mehr über all das zu erfahren. Venom: The Last Dance bietet vorrangig Monster-Action satt, während angesichts der monströsen und ungemein zähen Xenophagen – wie sich Knulls Giga-Monster nennen – Erinnerungen an Starship Troopers wach werden. Schön sind sie anzusehen, reizvoll wie intelligente Knete auch die dick aufgetragene CGI all der Venom-Symbionten aus einem durch Sonne und Mond geschossenen Farbkasten. Rosa, Rot, Blau und Grün – es macht Spaß, sich den formschönsten Symbionten unter ihnen auszusuchen, wenn man nicht sowieso schon einen Narren an den wichtigsten von allen gefressen hat. Es lässt sich auch vermuten, dass durch den omnipräsenten außerirdischen Organismus Eddie Brocks Verstand ein bisschen gelitten zu haben scheint – denn Tom Hardy legt seinen Helden noch fahriger an als in den Teilen davor. Stiernackig und mit eher schlichtem Gemüt stolpert er durch ein radauhaftes Science-Fiction-Spektakel ohne Feintuning, dafür aber mit Unterhaltungswert für Leute, die schon lange keine Monster-Action mehr gesehen haben. Sympathisches Herzstück des Finale Grande ist aber Rhys Ifans als Späthippie und UFO-Nerd, der eine herzhafte Hommage an den Area 51-Mythos orchestriert.

Venom: The Last Dance (2024)

Borderlands (2024)

WELTRAUM-INDY AUS DEM DISKONTER

4/10


borderlands© 2024 Leonine


LAND / JAHR: USA 2024

REGIE: ELI ROTH

DREHBUCH: ELI ROTH, JOE CROMBIE, NACH DEM GLEICHNAMIGEN COMPUTERSPIEL

CAST: CATE BLANCHETT, ARIANA GREENBLATT, KEVIN HART, JACK BLACK, FLORIAN MUNTEANU, JAMIE LEE CURTIS, ÉDGAR RAMIREZ, GINA GERSHON, JANINA GAVANKAR, HALEY BENNETT, CHEYENNE JACKSON U. A.

LÄNGE: 1 STD 42 MIN


Würden Oliver Kalkofe und Peter Rütten Eli Roths neuen Streifen in ihr mittlerweile legendäres SchleFaZ-Format aufnehmen? Ich bin der Meinung: Das würden sie nicht. Denn Borderlands fehlt die Attitüde, keinen müden Furz darauf zu lassen, ob er nun gefällt oder nicht. Dieser Charme eines Trashfilms, den Spaß an der Freude zu zelebrieren, indem man für nicht mal ein paar Drehtage vielleicht gar, wenn‘s hochkommt, charmant-naiven Müll produziert, lässt sich in Borderlands nicht finden. Denn Borderlands will prinzipiell mal funktionieren, an den Kinokassen klingeln, den Event-Kinosommer vielleicht gar mit ordentlichem Getöse beenden. Das unfreiwillige Scheitern an rudimentären filmischen und zu erfüllenden Parametern ist es dann, was aus einer ernstgemeinten und unbedingt spaßig sein wollenden Videospielverfilmung nicht mal einen kuriosen Mehrwert lukriert, sondern daraus eine über den Kamm geschorene Belanglosigkeit entfesselt, die man normalerweise nur in den Direct to Stream-Formaten eines Riesen wie Netflix findet, der Millionen an Dollar in Filme gepulvert hat, die in der sträflichen Vorhölle der Gleichförmigkeit verschwinden – zu nennen wären da Heart of Stone, Red Notice, The Adam Project oder The Gray Man. Etwas Schlimmeres kann einem Film nicht passieren, nämlich nicht mehr von anderen genreverwandten Formaten unterschieden werden zu können. Borderlands wird es genauso ergehen. Bald wird niemand mehr wissen, ob und wenn ja wodurch dieser Streifen ein Alleinstellungsmerkmal verdient hätte. Sehr bald wird sich niemand mehr daran erinnern, wie nichtssagend dieses Unterhaltungskino gewesen sein mag. Borderlands? Weiß ich nicht mehr. Angriff der Killertomaten? Oh ja, schrecklich schlecht und andererseits in seiner Konsequenz wieder genial. Nichts tut einem Film mehr an als ihn vergessen zu machen.

Dabei muss er prinzipiell gar nicht mal so schlecht sein. Borderlands bietet zumindest solide Optik, einen soliden Cast und reichlich Action, die, sitzt man im Kino zu weit vorne, etwas verschwimmt. Es gibt also schlechteres. Zum Beispiel Rebel Moon. Der übereifrige und ehrgeizige Zac Snyder hat sich mit seinem unendlich ambitionierten Science-Fiction-Epos noch viel mehr unfreiwillig lächerlich gemacht als es Borderlands tut. Denn Snyder hat seinem Epos keinerlei Leichtigkeit verpasst, stattdessen eine stirngerunzelte Ernsthaftigkeit mit noch weniger Humor als Eli Roths Versuch, an Größen wie Guardians of the Galaxy oder der leider abgesetzten Weltraumserie Firefly anzudocken. Wer Borderlands im Kino sieht, kann sich nach einem harten heißen Arbeitstag einlullen lassen und nebenbei Popcorn mampfen. Von einem wenig sinnstiftenden Chaos kann allerdings keine Rede sein, da gibt es Chaotischeres wie zum Beispiel den Oscar-Streifen Everything Everywhere all at Once. Mehr Chaos geht nicht. Dafür ist Borderlands erzählerisch viel zu bieder und eingleisig. Und auch gnadenlos gekürzt – das sieht und fühlt man. Sprunghafter Szenenwechsel lässt den Film in seinem Erzählfluss immer wieder stolpern. Eine Einführung der Charaktere fehlt, stattdessen muss sich ein illustres Ensemble eine Spielfilmlänge lang bemühen, sich interessant zu machen. Cate Blanchett hat da keinerlei Berührungsängste – eine der nervigsten Rollen der Geschichte des Eventkinos geht mit der Antagonistin Irina Spalko aus Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels auf ihr Konto. Womöglich tut ihr, so dachte sie sich vielleicht, anspruchsloses Kino wieder mal gut, nach verkopften Schergewichten wie Tár. Und dennoch hat ihre Figur die größte Aura. Der Rest bleibt flach, so flach wie der Cast in Rebel Moon.

Man muss dazusagen, dass Borderlands – im Gegenzug zu The Last of Us oder Fallout (zwei gelungene Videospielverfilmungen, als Serie wohlgemerkt) – als Videospielgrundlage eine zugegeben dürftige Lore bietet. Da gibt es wenig, woran man eine mit Metaebenen angereicherte Story entwickeln kann. Wohin also mit dieser potenziellen eierlegenden Wollmilchsau? Eli Roth und sein Team orientieren sich an Indiana Jones, Dungeons & Dragons, Mad Max – das ganz offensichtlich – und bereits erwähnten Kultserie Firefly. Dieser Mischmasch an Ansätzen macht es zwar nicht besser, bringt aber zumindest eine abgesteckte Geschichte zum Laufen, die sich dank ihrer simpel gestrickten Kapitel leicht verfolgen lässt, die sich am Ende aber heillos verschwurbelt und, versunken in völliger inszenatorischer Ratlosigkeit, lieber mit B-Movie-Effekten herumdonnert als sein Szenario den Witterungen des Planeten Pandora (echt jetzt? Pandora?) zu überlassen. Borderlands ist ideenlos, ganz klar, teuer und ideenlos, doch hätte die ganze Sache eben nicht einer wie Eli Roth zu verantworten, der wahrlich keine Koryphäe ist auf seinem Gebiet, wenn er mal nicht ahnungslose Studenten in slowakischen Kellern verwurstet, wäre zumindest das Skript eleganter ausgefallen. Im Vergleich zu Guardians of the Galaxy von jemandem wie James Gunn wirkt Borderlands wie das Diskonter-Schnäppchen für Möchtegern-Trittbrettfahrer. Zwischen beiden Welten liegt viel leerer Raum, die qualitative Diskrepanz tut fast weh – und dennoch hat Roths Konstrukt immerhin ein paar Schau- und Erquickungswerte, unter anderem die seltsame rote Perücke von Blanchett, das Pipi-Ungeheuer oder einen unkaputtbaren Minion-Roboter, der, wenn der Tag lang ist, alle vollquasselt wir Rocket Rakoon das tut. Jamie Lee Curtis, sonst ein Kapazunder im Komödienfach, scheint diesmal nichts mit ihrer Figur anfangen zu können.

Dass sich die Welt bereits mutwillig auf Borderlands eingeschossen hat, mag verwundern. Da gibt es unzählige andere Gurken, die noch krummer sind. Viele nichtssagende Geldverschlinger, über die sich keiner so lautstark echauffiert. Allerdings: Sich mit einer Videospiel-Fangemeinde anzulegen, ist eine Fifty-Fifty-Chance. Vermutlich wettern deswegen alle so sehr gegen dieses neue Kino-Feindbild. Ungerechtfertigt? Bis zu einem gewissen Grad schon. Ungerecht? Wohl eher. Gesehen und vergessen mag aber bei allen die Devise sein, deren Geldgeber versuchen müssen, angesichts qualitativer Mängel zu retten, was noch zu retten ist. Es wäre wegen dem Kleingeld.

Borderlands (2024)

Shazam! Fury of the Gods (2023)

WELCOME TO THE THUNDERDOME

6/10


shazam2© 2023 Warner Bros. Entertainment Inc.


LAND / JAHR: USA 2023

REGIE: DAVID F. SANDBERG

BUCH: HENRY GAYDEN, CHRIS MORGAN

CAST: ZACHARY LEVI, ASHER ANGEL, JACK DYLAN GRAZER, DJIMON HOUNSOU, HELEN MIRREN, LUCY LIU, RACHEL ZEGLER, COOPER ANDREWS, MARTA MILANS, ADAM BRODY, MEAGAN GOOD, ROSS BUTLER, D. J. COTRONA, GAL GADOT U. A. 

LÄNGE: 2 STD 10 MIN


Er ist zwar schon um einige Jährchen älter geworden – doch ein Kindskopf ist er immer noch: Billy Batson, Spross einer Patchwork-Familie, der so, wie die Jungfrau zum Kind kommt, die Genese zum Helden hat erfahren müssen. Shazam! heißt das Zauberwort, und schon schlüpft der Junge in die Gestalt von Zachary Levi, der sich aufführt wie Tom Hanks zu seinen Big-Zeiten und keine noch so banale Situation nicht irgendwie mit einem Onliner belegt. Gibt’s Menschenleben gefährdende Krisen, rückt er an – gemeinsam mit seinen Patchwork-Geschwistern, die auch alle, und zwar damals im ersten Shazam! anno 2019, mit formvollendeter Statur und Superkräften gesegnet wurden. Und dennoch: anscheinend richten die fünf Oberstufler mehr Schaden an, als sie verhindern. Gern gesehen sind sie nicht, und schon gar nicht bei den Töchtern des Titanen Atlas – Hespera, Kalypso und Anthea. Die sind nämlich der Meinung, der gute alte Dreadlock-Zauberer aus dem ersten Teil (selbstironisch: Djimon Hounsou) hatte sich damals die fünf besten Kräfte der Antike rechtswidrig unter den Nagel gerissen und weiterverschachert – eben an Billy Batson und Geschwister. Selten will man das, was einem zum besseren Individuum macht, wieder hergeben. Schon gar nicht, wenn eine der drei Schwestern, nämlich Kalypso, damit spekuliert, die Menschheit auszulöschen. Man kann sich also vorstellen, mit welchen Unannehmlichkeiten die Shazam!-Jünger hier rechnen müssen. Es bröckelt der Beton, es zucken die Blitze, es fliegen die Watschen. Und zwischendurch will man auch noch sich selbst finden und seine inneren Werte. Aber das nur so nebenbei.

Denn ganz wichtig für David F. Sandberg ist es, hier Action- und Fantasykino ohne Reue auf den Screen zu schleudern. Abschalten, Augen und Ohren auf – ja, der Sound ist diesmal klasse, zumindest im Kino meiner Wahl – und zumindest drauflos schmunzeln, wenn der Titelheld von Wonder Woman träumt oder mithilfe einer denkenden Schreibfeder einen saukomischen Brief an Göttin Hespera verfasst. Hespera – wir wissen – das ist tatsächlich die mit den goldenen Äpfeln, somit hätten wir eine der Aufgaben des Herkules in Arbeit. Wobei Helen Mirren und Lucy Liu nicht so ganz in ihre Rollen passen – vielleicht liegt das gar an ihren etwas lächerlichen Outfits. Rachel Zegler tut sich da leichter, sie ist noch nicht so lange im Business, um sich Ermüdungserscheinungen leisten zu können. Spaß, wenn auch nicht mehr zum Brüllen, hat Zachary Levy immer noch, auch wenn der Charakter als Superheld mit dem des normalen Billy nicht ganz konsistent ist. Es fehlt das gewisse Etwas, nämlich jener zu Herzen gehende Aspekt eines tragikomischen Jugenddramas, welches den locker-infantilen Humor des Erstlings als aufmunternde Witzkiste damals dankend entgegennahm. Hier, in Shazam! Fury of the Gods, bleiben die persönlichen Sorgen nur notwendiges Beiwerk, während DC spätestens mit aus dem sprichwörtlichen Hut gezauberten Sagengestalten in einen fahrigen Fantasykitsch abrutscht, der etwas übers Knie gebrochen wirkt. Wett macht das Ganze aber ein genüsslicher Cameo, der, auch wenn’s nur wenige Minuten sind, den ganzen Filme aus dem Mittelmaß holt. Das tut auch der Drache, und ja – Drachen haben in Serien und Filmen gerade Hochkonjunktur, und ich selbst kann es nicht oft genug betonen, wie mich dieser Umstand als großer Drachen-Liebhaber zappeln lässt vor Freude.

Im Großen und Ganzen sitzt der Spaß am rechten Fleck, bleiben die Antagonistinnen recht bemüht, der Budenzauber aber formschön. Ein DC-Film, der zwar nicht nachhaltig in Erinnerung bleibt, der aber anhand seines Cameos, wohlwissend, wie Warner zukünftig mit seinen DC-Helden umgehen wird, für Wehmut sorgt. Wer weiß, ob wir Shazam! jemals wiedersehen werden? Ach ja, Flash kommt jedenfalls noch. Und dann? War’s das echt? Oder wies sieht’s mit Peacemaker aus? Kennern der Serie würde ich raten, den Abspann lang sitzen zu bleiben. Vielleicht kommt alles anders, als man denkt.

Shazam! Fury of the Gods (2023)

Violent Night

WEIHNACHTEN WIRD DER HAMMER

6,5/10


violentnight© 2022 Universal Studios. All Rights Reserved.


LAND / JAHR: USA 2022

REGIE: TOMMY WIRKOLA

BUCH: PAT CASEY, JOSH MILLER

CAST: DAVID HARBOUR, LEAH BRADY, JOHN LEGUIZAMO, BEVERLY D’ANGELO, ALEX HASSELL, ALEXIS LOUDER, EDI PATTERSON, CAM GIGANDET, ANDRÉ ERIKSEN, BRENDAN FLETCHER U. A.

LÄNGE: 1 STD 52 MIN


Wo Tommy Wirkola draufsteht, ist auch Tommy Wirkola drin. Das zumindest könnte man annehmen, und ja, genau diesen Stoff bekommt man auch, schön verpackt in rotweiß gestreiftem Geschenkpapier mit grüner Schleife. Wirkola hat schon Hänsel und Gretel als wehrhafte Hexenjäger in den dunklen Tann geschickt – warum nicht auch den von Coca-Cola so vehement distributierten, stämmigen Wohlfühl-Opa, der gar nichts mehr gemein hat mit dem guten Mann aus Smyrna, der ja trotz seiner guten Taten Zeit seines Lebens lieber unentdeckt geblieben wäre.

Den Weihnachtsmann oder Santa Clause, den sollte vor allem der Nachwuchs nicht zu Gesicht bekommen. Am Christtag dann, so bleibt zu hoffen, sind dann die Kekse gegessen und die Milch getrunken. Doch was, wenn der kauzige Typ mit den Rentieren gar keine Milch mag, sondern lieber auf den Hochprozentigen schielt, der im Regal der reichen Oma steht? Santa Claus bleibt also ein Mythos, und zu Beginn des Films Violent Night scheint es, als wäre dieser tatsächlich nur ein des Geldes wegen zelebrierter Auftritt, dessen Gelingen erst ein paar Bier als Basis braucht. Der Unwille erinnert an Billy Bob Thorntons Auftritt in Bad Santa. Nur „bad“ ist dieser Weihnachtsmann hier, verkörpert von Stranger Things-Star David Harbour, nur dann, wenn all die Unartigen dem Mann aus dem Norden auf die Nerven fallen. Einer dieser Finsterlinge ist ein Verbrecher namens Scrooge (John Leguizamo), der die gesamte Familie Lightstone mitsamt der kleinen Trudy in seiner Gewalt hat. Das schmucke Anwesen der eingangs erwähnten Oma (Beverly D’Angelo, bis zur Unkenntlichkeit umoperiert) birgt nämlich satte 300 Millionen Dollar im Keller, und die will Scrooge haben, koste es, was es wolle. Die Entourage des bösen Buben hat sich zeitgerecht als Catering-Service an Heiligabend eingeschleust, und so ist es ein leichtes, die Bude auf Stirb langsam umzukrempeln. Womit die Jungs (und zwei Damen) wohl nicht gerechnet haben, das ist der Knüppel zwischen ihren Beinen: besagter Santa Claus, der eigentlich keinen Ärger will, jedoch lang genug provoziert wird, um zum Hammer zu greifen. Diesen zu schwingen beherrscht er ganz gut, war er doch nicht immer der, für den man ihn heutzutage hält.

Violent Night (was sich genauso singen lässt wie Silent Night) gibt dem eher müden Konkurrenzprodukt Fatman aus dem Vorjahr mit Mel Gibson keinerlei Überlebenschancen – David Harbour hat’s besser drauf. Auch die kauzig-schrulligen Attitüden stehen dem desillusionierten Geschenkebringer aus Wirkolas Film deutlich besser als dem abgebrühten Gibson. Was noch hinzukommt: Diese Version hier greift das Konzept der ersten beiden Stirb Langsam-Filme auf, die ebenfalls beide an Heiligabend spielen und in denen Bruce Willis als unbekannte Variable die Pläne einer fiesen Entourage durchkreuzt. Genauso handhabt das ein von der Habgier der Kinder mürbe gewordenes, mythologisches Überwesen, an welches kaum mehr jemand glaubt, das aber in besagter Trudy seinen Kevin findet: Bruce Willis und Macaulay Culkin – heute sind es David Harbour und die kleine Leah Brady, die diesen Joint Venture begehen, dieses Crossover sozusagen. Was sich streckenweise auch ziemlich schmissig, herzlich und blutig anfühlt, denn Wirkola ist natürlich wenig zimperlich und agiert, was Gewalt angeht, mit ledernen Fäustlingen. Hier fliegen die Zähne und knacken die Knochen, hier klatscht das Blut in guter Tonqualität auf Parkett und Asphalt. Diese Mischung ist’s, worauf es ankommt, zwischen selbstironischer Fantasy und eindeutigen Reminiszenzen an zwei Weihnachtsklassikern, die alle Jahre wieder nicht fehlen dürfen. Will man sich beide Filme sparen, tut Violent Night ein gutes Werk.

Doch im Grunde sieht man Weihnachtsfilme lieber daheim im kerzenbeleuchteten Kämmerlein mit LED-Rentier auf dem Balkon – ist es nicht so? Selten, dass ich mich in diesem Genre zum Kinobesuch hinreißen lasse. Der letzte war wohl der mit Kevin. Als zweiter ist es nun dieser hier: eine Vermöbelungsfest ohne Tiefgang, einfach als Guilty Pleasure zum Abreagieren nach dem unsäglichen Gedränge am Weihnachtsmarkt. Auch wenn sich der Film ungern, aber doch den amerikanischen Moraltabus unterwirft und am Ende die Pflichtminuten an versöhnlichem Kitsch aussitzt, lässt Harbour dennoch den guten alten Tim Allen wissen, dass dieser sich schon bald wärmer anziehen kann. 

Violent Night