Life

LEBEN UM JEDEN PREIS

6,5/10

 

Life© 2017 Sony Pictures / Quelle: amazingcinema.it

 

LAND: USA 2017

REGIE: DANIEL ESPINOZA

MIT JAKE GYLLENHAL, RYAN REYNOLDS, REBECCA FERGUSON U. A.

 

Habt ihr schon mal was von den sogenannten Bärtierchen gehört? Ja? Nein? Wie auch immer – Bärtierchen sind die wohl außergewöhnlichsten Lebensformen, die sich auf unserem Planeten tummeln. Sie sind weder Säuger, noch Insekten, noch Reptilien. Sie sind kaum sichtbar – maximal 1500 Mikrometer groß, sehen aus wie volle Staubsaugerbeutel mit acht krummen, bekrallten Beinchen – und sind unkaputtbar. Und damit meine ich unkaputtbar. Bärtierchen sind die einzige Lebensform, die sich tatsächlich an extremer Hitze und Kälte schadlos halten und im Vakuum des Weltraums überleben können. In Anbetracht dieses biologischen Ist-Zustands möglichen Lebens erscheint das Ding aus einer anderen Welt in Daniel Espinozas Science-Fiction-Thriller gar nicht mehr so weit hergeholt. Gut möglich, dass der Tierstamm der Bärtierchen oder Wasserbären überhaupt erst Life ermöglicht haben. Zumindest die Idee dahinter. Allerdings – ein wenige Mikrometer großer Moppel auf acht Beinen wird zwar wohl aufgrund seiner Eigenschaften bestaunt werden, nicht aber aufgrund seiner Bühnenpräsenz. Ein Wermutstropfen, den man mit künstlerischer Freiheit leicht wettmachen kann. Das Ergebnis ist ein Wesen mit den Bonusmerkmalen einer weiteren, sehr menschenunähnlichen Tierart: die des Kephalopoden oder Kopffüßers. Hochintelligente maritime Lebensformen, die im Grunde acht Nebengehirne besitzen und sowohl im seichtem Wasser als auch in unergründlichen Tiefen existieren. Die Rechnung lautet also: Bärtierchen und Oktopus = Calvin. Denn genau so nennen ihn die knapp 8 Milliarden Menschen, die in absehbarer Zukunft die Erde bevölkern – und Zeuge der Erweckung des ersten extraterrestrischen, mehrzelligen Lebens werden.

Doch manche Hunde sollte man schlafen lassen. Auch diesen aggressiven Organismus vom Mars, der, zuerst als Einzeller ziemlich harmlos, ziemlich schnell mutiert und als egoistische Gen-Ansammlung den Astronauten der Raumstation ISS das Leben schwermacht – und folglich nimmt. Denn fressen muss das Wesen schließlich auch, geht es doch ums Überleben. Aus dieser Sicht steht es dem Xenomorph aus Alien um nichts nach. Zwar weniger heimtückisch, und vielleicht auch weniger subversiv – aber im drängenden Bedarf nach Etablierung seiner Art um keinen Deut weniger gierig.

Der Rest von Life ist dann gewohntes Weltraumkino der nicht jugendfreien Art. Hat man Alien gesehen, hat man teilweise auch schon Life gesehen. Allerdings bietet Life mehr Szenen im Outer Space als Alien. Das wiederum erinnert frappant an Alfonso Cuaron´s Gravity. Beide Erfolgsfilme in einem dritten Film zu vereinen heißt nicht automatisch den doppelten Jackpot zu erlangen – vielmehr kopiert Life die Erfolgsrezepte der anderen Filme. Was ihn zwar nicht weniger unterhaltsam macht, aber spannungsärmer.

Doch halt! Bevor Espinoza´s Katastrophenszenario dramaturgisch gesehen in der Schublade 08/15 verschwindet, hat der Film noch ein As im Ärmel. Und bevor sich der nerdige Scifi-Horrorfan leicht enttäuscht aus den samtenen Kinositzen erhebt, darf noch einmal überrascht werden. Life schafft kurz vor Ende noch eine 180°-Wendung. Eine Taktik, die schon Christian Alvart´s Raumschiff-Klaustrophobie Pandorum zu einem denkwürdigen Vorsprung verholfen hat. So gesehen gefällt Life schon allein aufgrund der radikalen Charakteristika einer bioinvasorischen Lebensform als auch aufgrund eines konsequenten wie überraschenden Finales. Und weniger aufgrund blasser, schnell verheizter Schauspieler und einem abgedroschenen Handlungsbogen.

Life

John Wick: Kapitel 2

DIE MEUTE HETZT DEN WOLF

7/10

 

wick2

LAND: USA 2017
REGIE: CHAD STAHELSKI
MIT KEEANU REEVES, IAN MCSHANE, RUBY ROSE, LAWRENCE FISHBURNE

 

Da bittet man schon John Wick um einen Gefallen, und dann das! Vor allem, wenn John Wick eine Schuld zu begleichen hat. Da kann man schließlich alles verlangen. Dumm nur, wenn John Wick nicht mehr will. Jetzt hat er ein neues Auto und einen Hund und ein nobles Zuhause – das will der Superkiller nicht mehr morden, sondern in den vorzeitigen Ruhestand treten. Keine Ahnung, was man als menschliche Tötungsmaschine macht, wenn man nicht mehr töten will. Im Supermarkt arbeiten? Andere Killer coachen? Nicht wenn das Schuldmedaillon noch in Gebrauch ist. Mit Blut beeidigt und unabwendbar. Also muss John Wick noch mal ans Eingemachte gehen. Und jemanden erledigen. Nicht irgendwen. Ein hohes Tier im Gomorrha-Syndikat. Man kann sich eigentlich denken, wen der Anzugträger mit Brillantine im Haar da alles aus dem Weg räumen muss.

Was aber überrascht, ist, dass John Wick: Kapitel 2 deutlich besser gelungen ist als der Erstling. Das liegt sicher nicht an Keeanu Reeves. Die ehemalige Matrix-Ikone hat schauspielerisch mittlerweile ungefähr so viel drauf wie Jean Claude Van Damme und bedient sich im Laufe des Filmes im Grunde einer einzigen Mimik. Die des verkniffenen Dreinblickens. Aber sei’s drum. Der Film ist ohnehin so abgehoben wie ein Ego Shooter und teilweise so überzeichnet wie das Ballerkino aus Asien. Nehmen wir nur The Raid. Tatsächlich dürfte sich Regisseur Chad Stahelski, der Teil 1 noch gemeinsam mit Atomic Blonde-Macher David Leitch auf sein Publikum losgelassen hat, einiges am Body Count der mittlerweile zweiteiligen Blutoper abgeguckt haben. Weg von der Schmuddel-Action aus dem Videokeller, stattdessen finden die Schusswechsel in anspruchsvollen Settings statt. Kaltes Neonlicht, verspiegelte Aufzüge, die Ruinen von Rom – Stahelski weiß sein knallhartes Männerkino in Szene zu setzen.

Mitunter etwas prätentiös, ist John Wick: Kapitel 2 allerdings nicht ganz frei von bizarren, fast schon ins irreale tangierenden Momenten. Da fällt mir Sin City ein – auch in diesen äußerst brutalen, aber stilistisch hochkomplexen Unterweltfilmen haben wir es längst nicht mehr mit der Realität zu tun. Da gibt es unter anderem gelbe Gnome und bis an die Zähe bewaffnete Amazonen. John Wick geht nicht so weit. Da genügen schon Extras wie das Hotel Intercontinental, eine Freihandelszone und eine Art Leo für alle Killer dieser Welt. Und da gibt es die Meute, die den Wolf hetzt. Der Wolf, das ist John Wick. Wenn er zum Gejagten wird, macht die Action noch mehr Spaß. Die Meute, das sind Menschen wie wir, in Wahrheit aber alles Killer.

Durch die radikale Karikierung einer Welt der Toten und der Tötenden gefällt John Wick: Kapitel 2 vor allem durch eines: die rücksichtslose, augenzwinkernde Erschaffung einer eigenen Welt. In der Blut genauso dick ist wie Wasser.

John Wick: Kapitel 2

Die Verführten

HAHN IM KORB

6/10

 

verfuehrt

REGIE: SOFIA COPPOLA
MIT NICOLE KIDMAN, ELLE FANNING, COLIN FARRELL, KIRSTEN DUNST

 

Während es um Francis Ford Coppola, einen der Veteranen des New Hollywood, langsam leiser wird – oder bereits sehr leise geworden ist – hält nun dessen mittlerweile allseits bekannte Tochter Sofia Coppola das künstlerische Familienzepter hoch. Nach einem kurzen und wenig erfolgreichen Filmauftritt in Papa Francis´ Spätwerk Der Pate III hat die aparte junge Künstlerin ihre Leidenschaft wohl eher hinter der Kamera entdeckt – als eigenständige, aber auch sehr eigenwillige Regisseurin, die gesellschaftlichen Stillstand und die Vereinsamung des Selbst in augenzwinkernde Filmlyrik umsetzt und genau zu beobachten weiß. Mit den The Virgin Suicides war kollektiver Selbstmord als romantisches Ideal ihr erstes Thema, in Lost in Translation machte sie Scarlett Johansson weltberühmt – und Bill Murray zum Charakterdarsteller. Wobei manch ihrer Filme tatsächlich nichts zu sagen haben, etwa wie The Bling Ring, der eher wie eine grob skizzierte Schnapsidee daherkam.

Auffallend bei Coppola´s Filmen ist, dass sie zumeist alle auf Originaldrehbüchern basieren. Zu Remakes hatte sich die Dame bislang auch nicht hinreißen lassen – bis jetzt. Und das hat ihr aber, wie wir in Cannes gesehen haben, alles andere als geschadet. Coppola ist im Olymp der Besten angekommen. Was man von ihrem elegischen Südstaatenthriller nicht ganz so behaupten kann. Die Verführten ist tatsächlich ein Remake von Don Siegels Machoabgesang Betrogen mit Clint Eastwood in der Hauptrolle. Da der weit über 80jährige diese Rolle des verwundeten und von scheinbar keuschen Mädels gesund gepflegten Soldaten beim besten Willen nicht mehr darstellen kann, schlüpft nun Colin Farrell in die Rolle des Hahns im Korb. Und entfacht bei der einen oder anderen jungen Dame das Feuer. Natürlich kann das nicht gut gehen. Und damit ist die Geschichte auch schon erzählt. So inhaltlich dünn ist wohl kein anderer Film aus Coppolas Oeuvre. Na gut, mit Ausnahme von The Bling Ring. Oder Somewhere, obwohl die Egostudie mit Stephen Dorff eher Stimmungsbild als Handlungsfilm ist. Die Verführten kann sich nicht entscheiden, was es sein will. Thriller, Sittenbild, Historiendrama? Und eignet sich durch diese Unentschlossenheit eine gewisse schadenfroh kindliche Extravaganz an, die mitunter schmunzeln und staunen lässt. Vor allem zu Beginn entfaltet Die Verführten eine bildnerische Sogwirkung. Die Kamera von Philipp Le Sourd ist atmosphärisches Kunstkino zwischen David Hamilton und Peter Weir´s Picknick am Valentinstag. Die impressionistischen Lichtspiele entstehen vor allem durch das Nichtvorhandensein von künstlichem Licht. Die im Halbdunkel liegenden Innenräume des Mädchenpensionats bleiben düster, das Weiß der Wände, das Blassrosa der gerüschten Röcke nuanciert im natürlichen Licht. Selbst die Sonne, die durch flechtenbehangene Bäume bricht, kündigt Unheilvolles an. Man denkt da an den Geisterkult rund um die Sümpfe Louisianas. Die Kompositionen aus Licht und Grobkörnigkeit betritt ein erlesenes Schauspielensemble, dass sich schwärmerisch gibt wie die Virgin Suicides und eine verspielte Koketterie an den Tag legt. Da fällt Elle Fanning sehr stark auf, aber auch Nicole Kidman als Grand Dame des Hauses zeigt nach Lion wieder, was eigentlich in ihr steckt. Gemeinsam scheinen sie einen sommerlichen Totentanz rund um Macho Colin Farrell zu vollführen, während im Hintergrund die Kanonen donnern. 

Die Verführten tänzelt aus der Reihe klassischer Genres, verlässt sich aber zu stark auf seine Galerie natürlicher Stimmungen und rastloser Blicke. Der Plot des tragikomischen Dramas ist zu schal, um ganze 93 Minuten lang das reizvolle Korsett zu füllen. Das war zwar schon bei Marie Antoinette so, allerdings verlieh die Französische Revolution der zuckersüßen Biografie mehr Drive als der Amerikanische Bürgerkrieg dies bei den Verführten vermocht hat. Hier verlässt man den Kinosaal beeindruckt, aber gleichzeitig enttäuscht. Als wäre da noch etwas gewesen, was nicht erzählt wurde.   

Die Verführten

Ghost in the Shell

MEHR ALS DIE SUMME IHRER TEILE

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ghostshell

Bevor Unkenrufe aus der Leserschaft ertönen, eine Entschuldigung gleich vorweg: Nein, ich kenne nicht das ursprüngliche Manga von Masamune Shirow aus dem Jahre 1989, auch nicht dessen Fortsetzungen und schon gar nicht die Anime Fernseh- und Kinofilme. Sagen wir so: ich bin, was Manga betrifft, ziemlich grün hinter den Ohren. Daher kann ich Rupert Sander´s Verfilmung des Science Fiction-Klassikers als eigenständiges Werk so ziemlich unbeeinflusst beurteilen. Der Game of Thrones-Effekt (Buch versus filmische Vorlage und folglich die temporäre Verweigerung der letzteren), wie ich sagen würde, ist also nicht eingetreten. Stattdessen aber ein erfüllendes Gefühl der Zufriedenheit – Ghost in the Shell ist ein abenteuerlicher, bildgewaltiger Cyborg-Thriller geworden, der zielsicher in die Fußstapfen von Philip K. Dicks Werken Total Recall, Minority Report oder gar Blade Runner tritt, und damit meine ich in erster Linie die literarischen Vorlagen der gleichnamigen Filme.

Ziemlich offensichtlich, dass Masamune Shirow ein Kenner des 1982 verstorbenen Kultautors gewesen sein muss. Seine phantastisch-kritischen Philosophien rund um Erinnerung, Identität und Technologie, die vorwiegend in den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrtausends entstanden sind, liefern nach wie vor jede Menge Stoff für spannende Neuinterpretationen im Genre des futuristischen Films. Vom Manga-Comic Ghost in the Shell aber wiederum ließen sich sogar spätere Blockbuster wie Matrix inspirieren. Nichts ist also wirklich neu, nur anders aufbereitet. Manchmal mehr, manchmal weniger bemüht. Dieser dystopische, urbane Krimi allerdings weiß, wo seine Stärken liegen – und spielt sie aus. Wenn im von sphärisch-futuristischen Klängen unterlegten Intro ein synthetischer Körper aus der Taufe gehoben wird, kann man sich schon mal wohlwollend zurücklehnen. Die Bildsprache des Filmes orientiert sich stark an diverse andere Manga-Verfilmungen aus dem ostasiatischen Raum. Das wirre, aber beeindruckende Epos Casshern kommt mir da in den Sinn – ein Geheimtipp für Liebhaber ungewöhnlicher cineastischer Sichtweisen, aber auch für jene mit ausreichend Sitzfleisch und Spaß an zugedröhnten Phantastereien. Sanders weiß also, wie er Fans der Vorlage mitnehmen kann. Soweit bekannt, dürften selbst einige Stills und Settings den Panels aus dem Manga ziemlich genau nachempfunden sein. Die Illustration ist also geglückt – der multikulturelle Moloch einer düsteren Millionenstadt; der Expressionismus in Licht und Schatten, die Virtuosität der Kamera. Langweilig wird einem beim Zusehen mit Sicherheit nicht.

Die toughe Scarlett Johansson mit dunklem Kurzhaarschnitt legt ihre unter Erwartungsdruck leidende Rolle ganz anders an als ihre Black Widow aus den Marvel-Filmen. Ihre Motoko Kusanagi, auch genannt Major, ist eine ruhelose Zweiflerin ohne rechte Vergangenheit. Eine verwirrte, manipulierte Kämpferin von ungelenker Natur, weder tot noch richtig lebendig, rundum künstlich erschaffen, mit isolierter Seele und verschüttetem Ich – Essenzen, die das Menschsein erst ausmachen. Und um dieses Menschsein, um das Mehr als die Summe seiner Teile, um den göttlichen Funken und um den Wert von Erinnerungen – davon handelt Saunders hochtechnologisches Schreckgespenst, verfolgt von der Geissel einer totaler Vernetzung und der Sucht nach physischer Perfektion. Das alles tischt Ghost in the Shell zwar nur in Ansätzen auf, diese sind aber vielversprechend und auf einen Nenner gebracht. Johansson´s Zitat aus dem Off am Ende des Filmes vertritt klar eine philosophische Ansicht: dass das richtige Handeln die Vergangenheit entbehrlich macht, sei diese nun erfunden oder wahrhaftig. In diesem Punkt widerspricht sich der filmische Diskurs, oder, besser gesagt, belehrt sich sogar eines Besseren. Denn erst das Bewusstsein, wie, wo und wer man bislang gewesen ist, schafft die Basis, um überhaupt autark zu handeln. Ohne Erfahrung aus dem Vergangenen bleibt das Nichts. Eine leere Hülle, ein Mensch ohne Eigenschaften, auf jede Weise benutzbar. Diese Erkenntnis lernt Motoko zu verstehen, sonst wäre die Suche nach ihrem Woher nicht von Bedeutung. Oder sollte man besser fragen: Was war zuerst da? Die Gegenwart oder die Vergangenheit? Aus dieser Sicht würde Motokos Aussage wieder nachvollziehbar werden.

Ghost in the Shell hat jede Menge interessante Themen zu bieten, eingebettet in furiose Shootouts. Kultstar Takeshi Kitano als Boss der Spezialeinheit, welcher Motoko untersteht, darf mit exzentrischer Frisur, Originalsprache und cooler Killerattitüde wieder an seine ultrabrutalen Reißer aus den 90ern erinnern. Und Juliette Binoche verleiht dem Ensemble auch schauspielerisch eine zusätzliche europäische Note. Ghost in the Shell ist ein spannendes Suchspiel nach Identität, Moral und echtem Leben. Ein geschickt konstruierter Thriller, heruntergebrochen auf eine ausgewogene, kreative Mischung düsterer Gedanken an die Zukunft und stylisher Cyber-Stunts. Erwachsene Science- und Social Fiction mit Liebe zum Detail, bizarrer Figuren und enorm eleganter Optik – nah am Manga, und doch ganz anders. Fürs Kino eben.

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Ghost in the Shell

Jack Reacher: Kein Weg zurück

DON´T FEAR THE REACHER!

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jackreacher

Was ist mit Tom Cruise passiert? Der ewige Maverick und Scientology-Aushängeschild hat sich nun endgültig von seinem juvenilen Image verabschiedet. Er ist zum Mann gereift. Zu einem relativ verbrauchten Helden mit leichtem Übergewicht, Ecken, Kanten und beginnendem Faltenwurf. Dieser Look ist zwar ungewohnt, aber ist zumindest endlich einmal altersadäquat und steht ihm gar nicht so schlecht zu Gesicht.  Und passt überraschenderweise zum Film, der auch um Einiges besser geworden ist als der Erstling mit Bösewicht Werner Herzog und völlig uninteressantem, reichlich konfusem Plot.

Jack Reacher: Kein Weg zurück, als Romanfigur ersonnen von Lee Child und neu aufbereitet von Edward Zwick, dessen Psycho- und Politdrama Bauernopfer ich kürzlich rezensieren durfte, überzeugt mit einer geradlinigen Story, die sich bequem verfolgen lässt und sehr stark an die Jason Bourne-Filme erinnert. Mit dem Unterschied, dass Tom Cruise etwas weniger genervt an die Sache herangeht als Matt Damon. Gut, Mr. „Top Gun“ hat ja auch noch nicht so viele Sequels auf dem Buckel wie Damon, vielleicht kommt das ja noch. Momentan ist Jack Reacher noch ziemlich motiviert, hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und ein ziemlich perfekt ausgearbeitetes Verteidigungsprogramm, auch ganz ohne zusätzlicher Bewaffnung. Ihm zur Seite steht Ex-HIMYM-Grazie Cobie Smulders, die uns weismachen will, Major beim US-Militär zu sein. Nun, so ganz kann ich ihre Kompetenz nicht nachvollziehen, da war Demi Moore in Eine Frage der Ehre schon glaubwürdiger. Smulder´s Ausstrahlung macht es aber wieder wett, und so geraten alle beide, gemeinsam mit Reacher´s vermeintlicher Tochter, in einen Strudel aus Verfolgen und Verfolgt werden. Das zieht sich den ganzen Film hindurch, dazwischen gibt es kurze Verschnaufpausen in irgendwelchen Hotelzimmern oder im Auto. Sonst aber ist High-Speed angesagt, was dem Actionreißer durchaus zugutekommt.

Problematisch dabei ist allerdings seine inhaltliche Konventionalität. Damit meine ich weniger den Kern der Geschichte an sich. Vielmehr passiert Jack Reacher das, was – um ihn noch einmal zu zitieren – Jason Bourne oder ähnlichen weltrettenden Idealisten wiederfahren ist: Sie sind zu handlungslastig und zu schnell, um in Erinnerung zu bleiben. Sofern sie keine Atmosphäre, keine Tiefe und keine Persönlichkeiten aufbauen, unterhalten diese Filme zwar für den Moment, verschwinden aber aus dem Gedächtnis oder verschmelzen mit anderen Produktionen der gleichen Machart. Wobei, wie schon vorhin erwähnt, Jack Reacher um einen Tick mehr Stimmung erzeugt. Wahrscheinlich aufgrund der zu eigentlichen Thrillerhandlung paralell laufenden Vater-Tochter-Geschichte, die einen verletzlichen Tom Cruise zeigt. Kann sein, dass Zwick´s Sequel über den einzelgängerischen Mitlitärdetektiv etwas länger haften bleibt.

Fazit: Ein zum Glück und nicht ganz faltenfrei gebügelter Thriller klassischen Aufbaus, sehr konventionell und vorhersehbar, aber atemlos inszeniert, kurzweilig und mit einem Ensemble, das gut miteinander auskommt.

 

Jack Reacher: Kein Weg zurück

Allied – Vertraute Fremde

SPIEL´S NOCHMAL, HUMPHREY!

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Brad Pitt ist längst nicht Humphrey Bogart. Marion Cotillard längst nicht Ingrid Bergman. Was sich Kultregisseur Robert Zemeckis, dem wir unvergessene Kinostunden wie Zurück in die Zukunft oder Forrest Gump zu verdanken haben, da geleistet hat, kann man ihm angesichts seiner filmographischen Habenseite durchaus verzeihen – besser macht es den Film aber dadurch nicht.

Dem romantischen Spionagedrama aus den letzten Jahren des zweiten Weltkriegs, laut Drehbuchautor Steven Knight auf wahren Begebenheiten beruhend, gelingt es einfach nicht, die richtige Chemie zu mixen. Weder schauspielerisch noch dramaturgisch erreicht Zemeckis seine für ihn bekannte inszenatorische Intensität. Schauspielerisch deswegen nicht, weil Brad Pitt ab einem gewissen Punkt in seiner Filmkarriere sein schauspielerisches Potenzial auf niedrige Stufe heruntergefahren hat. Sei es aufgrund einer gewissen Celebrity-Müdigkeit, dem Einfluss von Angelina Jolie oder einer inneren Erfolgszufriedenheit. Dieser Wendepunkt dürfte so ungefähr um Innaritus Episodendrama Babel gewesen sein. Soweit ich mich erinnern kann, war dies seine letzte Rolle, in welcher er neben seiner mittlerweile dauerhaften, stoisch-nachdenklichen Mine auch noch andere Gefühlszustände im Repertoire hatte. Brad Pitt ist so ausdruckslos und nichtssagend geworden wie mittlerweile Bruce Willis oder Al Pacino. Ja, eine gewisse künstlerische Müdigkeit könnte schon der Grund sein. Marion Cotillard hingegen hat in Allied – Vertraute Fremde die besseren Karten, obwohl auch spätestens hier klar wird, dass ihr Steckenpferd weniger das Blockbusterkino als viel mehr das innovative Autorenkino zu sein scheint. Das haben wir zuletzt auch bei Assassins Creed gesehen. Ihre Figuren wirken im Big Budget-Kino viel zu aufgesetzt. Im Künstlerkino hingegen bleibt kein Auge trocken, denken wir nur an die Performance in Audiards Der Geschmack von Rost und Knochen oder überhaupt an ihre Sternstunde in der Edith Piaf-Biografie La vie en rose. Soweit mal beide Akteure für sich betrachtet. Und miteinander? Nun, da können sie auch nicht so, wie sie vielleicht gewollt hätten. Chemie gibts da keine, ihre Emotionen haben mit ihrem jeweiligen Gegenüber nichts zu tun. Szenen wie „Ich schau dir in die Augen, Kleines“ würden zwar gespielt, aber nicht gefühlt sein, vorausgesetzt es gäbe sie.

Wobei der Bezug zu Casablanca gar nicht so weit hergeholt ist. Mit einer der ersten Szenen, die eine Hommage an Rick´s Cafe zu sein scheint, gelingt zemeckis noch eine genüssliche Reminiszenz an Michael Curtiz´ Klassiker. Spätestens im zweiten Teil des Filmes, der in London spielt, kippt das Geschehen so ziemlich ins Flache. Und zieht sich auch gehörig in die Länge. Was man aus dem Stioff alles hätte machen können! Suspense a la Hitchcock, Dramatik a la Das Leben der Anderen. Pures, emotionales Spannungskino. So aber erlahmt das Interesse an der wahren Identität Cotillards ziemlich schnell. Suspense nur im Ansatz, gefühlte Emotionen an der Kassa. Ich werde das Gefühl nicht los, bei Betrachten des Filmes den Mangel an Spielfreude ausgleichen zu müssen. So, als hätten sie beide dem Publikum einen großen Gefallen getan. Oder gibt es von dieser Sorte Film schon mehr als genug Artverwandtes? Auch das ist möglich. Irgendwie hat man alles schon gesehen. Besser gesehen. Selbst das Finale Grande versickert im regennassen Grasboden eines Militärflughafens. Auch hier haben wir übrigens wieder einen Bezug zu Casablanca. Schwach zwar, aber die Assoziation ist da. In den letzten Filmminuten ereifert sich Zemeckis zu unzeitgemäß sagenhaftem Kitsch, der allerdings üblich für die späten Achtziger und frühen Neunziger war und den mittlerweile auch niemand mehr notwendig hat, um sich zu unterhalten. Den Gänsehauteffekt hätten die Schauspieler erzeugen sollen, nicht die Regie. Da aber vorallem Brad Pitt den ganzen Film über nicht wirklich bei der Sache zu sein scheint, bleibt Allied – Vertraute Fremde eine plump wirkende, leidenschaftslose Erinnerung an das amerikanische Spionagekino der 50er. Daher meine Bitte: Spiels nochmal, Humphrey!

 

 

Allied – Vertraute Fremde

Einer nach dem anderen

AUS DEM WEG GERÄUMT

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Ein Mann und sein Schneepflug kämpfen gegen das Unrecht – was so klingt wie die absurde Adaption einer Actionserie aus den 80igern ist in Wahrheit eine Art „Zehn kleine Negerlein“ aus dem hohen Norden. Im Grunde bietet der nüchterne Thriller, der gerne so skurril und bizarr sein möchte wie Fargo von Joel und Ethan Coen, einen nur dürftigen Plot. Viel gibt’s hier nicht zu erzählen. Und – wie gesagt – können das die Coens oder sogar Sam Raimi, wenn man an seine blutige Schnee-Groteske Ein einfacher Plan denkt, einfach viel besser. Da kann auch Schweden-Ikone Stellan Skarsgård nichts ändern.

Als Experte für Schneeräumung erfährt er eines Tages vom gewaltsamen Tod seines Sohnes, ausgeführt von den Handlangern der Handlanger eines Drogenbosses. Verbittert und voller Rachedurst gibt sich der pragmatische Brummbär seinen väterlichen Emotionen hin und räumt einen Bösewicht nach dem anderen aus dem Weg. Die makaber-originelle Komponente an diesem Film ist, dass Skarsgård vom Tellerwäscher bis zum Millionär alle obskuren und am familiären Unglück nur ansatzweise beteiligten Gestalten über den Jordan schickt – also von den Drecksarbeitern der Organisation bis zum Oberboss, dargestellt vom knautschgesichtigen Iffland-Ring-Träger Bruno Ganz, der aus welchen Gründen auch immer diese kleine Rolle angenommen hat. Wer könnte also den grauen Schneematsch der Gesellschaft besser beseitigen als einer, der ohnehin tagtäglich die winterlichen Straßen freiräumt. Zugegeben, die Doppeldeutigkeit hat was. Und auch die Idee hinter der kruden Killerstory. Doch sobald der Däne seinen ersten Toten verzeichnet, bewegt sich die dünne Story schablonenhaft weiter und kopiert sich sozusagen selbst immer wieder. Die Bösen wirken dabei äußerst schablonenhaft, wie einer simplen Gangsterpistole vom Zeitungskiosk entsprungen.

Fans von Schneekrimis und groteskem Skandinavien-Kolorit ist von diesem lakonische Killercountdown sicher nicht abzuraten – alle anderen dürfte die belanglose Dutzendware, die so aussieht, als wäre sie an einem Drehtag entstanden, entweder langweilen oder auch nicht weiter tangieren. Vorausgesetzt, man hat nicht vor, sich mit einem Schneepflug anzulegen.

 

Einer nach dem anderen

War Dogs

DIE GIER IST EIN HUND

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wardogs

Wo scharf geschossen wird, da lass dich nieder. Wenn du Geld verdienen willst. Aber am besten du begibst dich außer Reichweite umherflitzender Kaliber und bleibst lieber hinter den feindlichen Linien. Aber nur soweit, um ordentlich für Nachschub zu sorgen. Welche Partei du damit bedienst ist völlig egal, solange dein wirtschaftliches Interesse über allem steht. Solange der Handel mit Waffen diverse Nasen reicher Kaufleute vergolden, solange wird es Krieg geben. Und solange es Krieg gibt, darf die Rüstungsindustrie schwarze Zahlen schreiben. Und diese auch noch in ungeahnte Höhen treiben. Von diesem Riesenkuchen schneiden sich nicht nur die Großen ein Scheibchen ab – auch die Kleinen können zum Zug kommen – und sich ebenfalls zum Big Dealer aufblasen.

Wer hätte gedacht, dass ein solches Ereignis tatsächlich stattgefunden hat. Verfilmt hat diesen bizarren Wirtschaftskrimi niemand geringerer als Todd Philipps. der Experte für filmische Übernachtigkeiten. Hangover, seine Chronik eines ausufernden Polterabends in Vegas ist aus der Geschichte der Filmkomödien nicht mehr wegzudenken. Und tatsächlich verpflichtet er auch für diesen viel weniger humorvollen Film einen seiner damaligen Hauptdarsteller. Bradley Cooper darf als windschiefer Waffenlieferant mit geölter Frisur seine sinistere Seite ausleben. Doch den Löwenanteil am Gelingen des Filmes hat der oft unterschätzte, aber famos aufspielende Jonah Hill. Seine authentische Figur des eigennützigen Wirtschaftsyuppies Efraim Diveroli, der gemeinsam mit seinem alten Schulfreund David Packouz die Wettbewerbslandschaft in der Rüstungsindustrie als zwei-Personen-Unternehmen aufmischt, ist mit unverhohlener, großspuriger Leidenschaft dargestellt. Alleine der Abstecher in den Irak ist ein bizarres Highlight der Realsatire, fast zur Gänze getragen von dem übergewichtigen Charakterdarsteller Hill, der wie eine Mischung aus John Candy und Jack Nicholson zumindest verbal alles unter Kontrolle hat. Wenn diese Person des Efraim tatsächlich so gewesen war, dann wundert mich nicht, dass der Reichtum der beiden Freunde nur von kurzer Dauer war. Wie ein Gewinn im Casino, den man sofort wieder verspielt. Doch waren sie wirklich ein Team, errichtet auf gegenseitigem Vertrauen? Die Gier wird letzten Endes dann doch größer als die Freundschaft gewesen sein. Der Erfolg etwas, das nicht lange auf geraden Bahnen laufen kann. So kippt das abenteuerliche Wall Street-Buddymovie am Ende in ein bitteres Tatsachendrama über den verrat menschlicher Werte, Betrug und dem rücksichtslosen Streben danach, alles haben zu müssen.

Meinem Eindruck nach will War Dogs weniger eine Anklage ans Rüstungs-Business sein. Was hier gesagt und gezeigt wird, ist den meisten Zusehern ohnehin klar, viel Neues offenbart sich hier nicht. Das haben andere Filme schon viel besser gekonnt. Lord of War von Andrew Niccol zum Beispiel. Doch das macht nichts. Mit Sicherheit ist die Geschichte einer falschen Freundschaft der viel spannendere und hintergründigere Aspekt des Filmes. Was mit Menschen passiert, die von vornherein ohne Moralvorstellungen auf Kosten anderer mehr als ihre Existenz bestreiten und zu ihren eigenen Opfern werden, ist faszinierend genug. Das Mitleid mit den Buddys hält sich naturgemäß aber ebenso in Grenzen wie die Nachwirkung des Filmes. Wohl auch, weil der Gerechtigkeit im Film Genüge getan wird – was im realen Leben leider, mit Ausnahme der War Dogs, viel zu selten vorkommt. 

 

War Dogs

Nerve

KRIEG DER SMARTPHONES

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nerve

Es ist eine der größten Veränderungen, die innerhalb des letzten Jahrzehnts passiert sind: unsere Bekanntschaft mit der Grauzone Social Media. Seit es YouTube, Twitter und Facebook gibt, hat sich die vor allem urbane Gesellschaft insofern verändert, da sich dessen Leben mittlerweile zu einem nicht zu vernachlässigenden Teil in einer virtuellen, anonymen Welt abspielt, in der das Faustrecht der Masse, Rechtlosigkeit, verbale Verbrechen, Vogelfreiheit und Rufmord vorwiegend unzensierte, wildwuchernde Blüten treibt. Wie der Mensch denkt, tickt und seine Zeit verbringt – das bringen die sozialen Medien ans Tageslicht, unverblümt, unverfälscht, zu kollektivem Schwachsinn einladend und dabei die Intelligenz des Homo Sapiens im Herdentrieb-Modus auf einen niedrigen Quotienten herunterbrechend. Kaum irgendwo sonst wissen Medien, Nachrichten und Falschmeldungen so erfolgreich zu manipulieren und wenig gefestigten Gemütern, die Angst davor haben, sich selbst Meinungen zu bilden, vorgefertigte Gehirnwäschen zu verpassen. Und letzten Endes befinden wir uns in einem virtuellen Kolosseum, in welchem die jubelnde Meute mit Klicks, Likes und Followings über das Schicksal ausgelieferter Gladiatoren bestimmt. Social Media als unterschwellige Gefahr im Verzug. In welcher Verbote, Gesetze und Erlasse wie wage, undefinierte Schemen alles erlauben, nichts verbieten und zugunsten wirtschaftlicher Interessen bis zur pseudodemokratischen Legitimität ausgelegt werden. Und das ist auch das Thema dieses hippen Medienthrillers, der die Gesellschaft in Players und Watchers einteilt, im Rahmen eines Onlinespiels namens Nerve, das so ähnlich funktioniert wie das altbekannte Pflicht oder Wahrheit, nur, dass es keine Wahrheit gibt, sondern nur Pflicht. Und irgendwann wird die Pflicht zur Bürde, zur Gesetzen überschreitenden Herausforderung, die die Youngsters in dem Film logischerweise alle annehmen, um natürlich nicht als Loser dazustehen und keine Fans zu verlieren.

Der optisch ansprechende, schnell geschnittene Thriller kommt zur richtigen Zeit. Und ist nur einer von wenigen Filmen, die sich dieses spannenden Themas angenommen haben, mal abgesehen von plakativen Mobbinghorrorfilmen, welche die gesamte Bandbreite nur aus dem schmalen Blickwinkel niederträchtiger Psychopathen betrachten. Dafür kann man Nerve nur gratulieren. Ansonsten wirkt der Reißer wie die Vorlage zu einem Film, der die gesellschaftskritischen Ansätze besser und erwachsener auszuführen wüsste. Nerve tut das nicht. Nerve bleibt ein Teeniethriller mit lächerlich naivem Ausgang, der, so dargestellt, real nie passieren würde. Trotz aller augenscheinlich moralischen Betrachtungen surft der Film hinter rosaroter Brille über den Köpfen einer unerschütterlich moralgefestigten Bevölkerung, die nur mal kurz ihre Prinzipien hinter einer unterhaltsamen Realityshow versteckt hält. Der gute Glaube in den Menschen mag ja vor allem junge Kinogeher mit dem Social Media wieder versöhnen, cool bleibt das fragwürdige Spiel aber dennoch. Wenn das Smartphone zur Waffe wird, kann ein Film allein schwer zum Umdenken anregen, das ist ohnehin klar. Aber die ansatzweise relevanten Fragen zur dunklen Seite der modernen Völkerverständigung versickern in einem weichgespülten Kosmos aus Jugenddrama und zeitgeistigem Gladiatorenspiel.

Wie Jumanji für eine breite, narzisstische Mittelschicht, die alles hat und nichts mehr braucht. Dennoch – ich hoffe auf jede Menge Likes für meine Rezension. Weil es ja um nichts Anderes geht, außer gesehen und bewundert zu werden. Oder doch nicht?

Nerve