Macbeth (2015)

IM NEBEL DER DICHTUNG

6/10

 

macbeth© 2015 Studiocanal

 

LAND: GROSSBRITANNIEN 2015

REGIE: JUSTIN KURZEL

CAST: MICHAEL FASSBENDER, MARION COTILLARD, DAVID THEWLIS, PADDY CONSIDINE, JACK REYNOR U. A.

 

So eine Witterung ist gut für die Nebenhöhlen. Morgens raus auf auf die baumlosen Ebenen des schottischen Hochlands und den dichten Bodennebel mal so richtig durchziehen lassen. Obendrein ist Feuchtigkeit auch noch gut für die Haut. Wenn man da nicht auch noch gleich in eine Schlacht verwickelt werden müsste, die Heerführer Macbeth gegen die Widersacher des schottischen Königs Duncan auszutragen hat. Da gibt die feuchtkalte Luft auch optisch einiges her, vor allem, wenn das Licht im flachen Winkel auf die in Superzeitlupe heranstürmenden Schotten trifft. Bei so viel Grazie von Mord und Totschlag fangen Anhänger der LARP-Gemeinschaft (Live Act Role Play) womöglich das Träumen an. Das ist in Szene gesetztes Mittelalter, da reicht die hauseigene Digicam, sofern man die Schlachten nachstellen will, auch nicht mehr aus. All die schmerzverzerrten Gesichter wie aus der Zeit gefallene Fotografien, fast schon bis zum Stillstand verlangsamte Leiber im diffusen Dampf, gestaffelt bis zur erahnbaren Spukerscheinung, ganz vorne der Hauptakteur dieses blutgetränkten Dramas, welches keine andere Tragödie sein kann als die des Usurpators Macbeth, auf immer verewigt von William Shakespeare. In der Hand das Schwert. Diese Waffe aus Stahl, die ist längst mehr als nur ein Werkzeug, um zu töten. Das wissen wir seit Excalibur. Seit Balmung. Seit Bilbo´s Stich. Wenn die Klinge im feuchten Boden steckt, leicht vibrierend, dann ist etwas Weltbewegendes passiert. Solche Szenen, die sind ikonisch und eignen sich bestens für ein Theater wie dieses.

Justin Kurzel, der sich später in ähnlich vergeistigter Manier an die Videospielverfilmung Assassins Creed herangewagt hat und für manche zu oft Stimmung mit packender Geschichte verwechselt hat, erarbeitete sich den Beweis seines Könnens mit einem zentnerschweren Brocken Literaturgeschichte. Macbeth inszeniert und spielt man einfach nicht nur so. Das will ins richtige Licht gerückt werden. Und am besten noch in den originalen Versen eines Shakespeare erzählt werden. Da passt die sphärische Bilderflut in den gestreuten Farben des Fegefeuers natürlich bestens dazu. Und Macbeth kann noch so klassisch und unkritisierbar sein – es ist die Geschichte eines von vielen Tyrannen, die sich an die Macht intrigiert und getötet haben, in wütender Barbarei geherrscht und dann schmählich untergegangen sind. Die blutige Tragödie aus dem sehr frühen 17. Jahrhundert lebt natürlich in erster Linie zumindest gegenwärtig von den wohlklingend ausformulierten Worthülsen, die die Chronik einer finsteren Regentschaft in eine atemberaubende Sprache kleiden. Das todessehnsüchtige Intrigenspiel als solches ist aber in Zeiten detailverliebter Mittelalterdystopien wie Game of Thrones zwar nach wie vor ein dankenswerter Einstand, auf den Filmemacher und Romanschreiber respektvoll zurückblicken – in Anbetracht der Erwartungshaltung der Genre-Fans bleibt Macbeth grob umrissen, auf die Eckpfeiler der Historie reduziert und viel zu getragen, um emotional mitzureißen. Da macht es auch keinen großen Unterschied, ob das Königsdrama rein fiktiv oder historisch fundiert ist. Das mag für eingefleischte Schotten vielleicht relevant sein, für alle anderen ist das Schicksal von König Macbeth und seiner besseren Hälfte, die Lady selbigen Namens, ungefähr genauso fern wie Westeros.

Dennoch beschert uns Regisseur Kurzel einen wuchtigen Augenschmaus zwischen Schattentheater, flackerndem Kerzenlicht und feuchtkalter Ödnis – Szenerien, die die Möglichkeiten einer Theaterbühne geschickt erweitern (es sei denn, wir haben es mit Bühnen wie jener des Wiener Burgtheaters zu tun, die eigentlich fast schon alles kann). Michael Fassbender in Kriegsbemalung und als gekröntes Haupt ist vielleicht nicht die absolut ideale Wahl für so ein irrsinniges Machtmonster wie Macbeth, da fehlt mir dann doch der Wahn des Alleinherrschers, dafür ist Fassbender zu folgsam und zu sehr verliebt in seine Verse, die er da sprechen muss. Das kann bei Schauspielern, die Shakespeare über alles stellen, relativ leicht passieren. Marion Cottilard hingegen ist erwartungsgemäß entrückt wie es die Rolle auch vorschreibt, ihr Zwiegespräch mit dem verstorbenen Nachwuchs ein schauderhaftes Highlight.

Macbeth ist also nicht ganz die unvergessliche Interpretation des Barock-Dichters mit Halskrause, wobei Sir William wohl zufrieden wäre mit all den Tänzen aus Licht und Schatten, die seine Worte zweifelsohne effektiv verstärken.

Macbeth (2015)

Einfach das Ende der Welt

WER NICHT KOMMT, BRAUCHT NICHT FORTGEHEN

7,5/10

 

endederwelt© 2016 Weltkino

 

LAND: KANADA, FRANKREICH 2016

REGIE: XAVIER DOLAN

MIT GASPARD ULLIEL, VINCENT CASSEL, NATHALIE BAYE, LÉA SEYDOUX, MARION COTILLARD

 

Doch Louis kommt. Er kehrt zurück zu seiner Familie. Irgendwo in Frankreich, zu einer unbestimmten Zeit. Denn Louis wird sterben. Sein Weg nach Hause ist ein Kommen, um wieder fortzugehen, und zwar für immer. Im Haus seiner Familie, das nicht das Haus seiner Kindheit ist, trifft er auf seine Mutter, seine Schwester, seinen Bruder und dessen Frau. Warum Louis lange nicht daheim war, verharrt im Unbestimmten. Womöglich ist der schweigsame Sohn ein Journalist, hat hochgelobte Reportagen verfasst. Zumindest so viel wird klar. Alles andere oszilliert in einer traumartigen Wolke des Unnahbaren dahin.

Der frankokanadische Kino-Exzentriker Xavier Dolan hat sich eines Theaterstücks des nicht weniger exzentrischen, aber in Frankreich heiß begehrten Dramatikers Jean-Luc Lagarce angenommen und ein seltsam anmutiges Kammerspiel auf die Leinwand gebracht, welches sich durch die adaptierte, formelhafte Sprache der Bühnenvorlage zu einem kunstformübergreifenden Hybrid verwandelt. Einfach das Ende der Welt atmet sowohl die Luft des Theaters als auch jene eines frei modulierten Kinos ohne Vorgaben und gerät zum Glücksfall, wenn es heißt, einer literarischen Sprache gerecht zu werden und die große Leinwand für sich zu nutzen. Mit Schauspielgrößen wie Marion Cottilard, Vincent Cassel, Nathalie Baye und Léa Seydoux gibt Dolan das Bühnenstück nicht irgendwem in die Hände, sondern bereits etablierten Namen, die aus dem Vollen schöpfen, was das Familiendrama nur hergeben kann. Bemerkenswert ist, dass der etwas mehr als eineinhalbstündige Film seine Geschichte so unartikuliert wie möglich lässt und selbst andauernd von einer unfertigen Metamorphose des Geschehens zur nächsten mäandert. Alles wabert, verharrt in Unschärfe. Das Heimkommen des Sohnes ist ein Ereignis, das alle verunsichert, geradezu verstört, und niemanden wirklich glücklich stimmt. Glücklich war in Lagarce´s Familie von vornherein keiner. Irgendwas ist da im Argen. Sei es die unkontrollierte Wut des älteren Bruders oder das aufgesetzt schrille Gebärden der Mutter. Louis kommt und will vom Tod berichten, der seiner Krankheit folgen wird. Doch statt Louis zuzuhören, wollen die Verwandten gehört werden. Da auch ihnen nie jemand zugehört hat, und da auch ihnen ihr Recht, sich mitzuteilen, Zeit ihres Lebens verwehrt wurde, löst sich nur Gestammel von ihren Lippen. Während der Heimkehrer gar nichts sagt.

Dolan´s Film ist sinnlich fotografierte Kunst der Sprache, die vom Ende der zwischenmenschlichen Achtsamkeit erzählt. Von der Unfähigkeit des Zuhörens und dem Scheitern des Gehörtwerdens. Vom Aneinander vorbeireden und aus den Augen verlieren. Ein melancholischer Reigen, der sich da auftut, die Kamera im Widerspruch der Missstände, nähert sie sich doch aufdringlich nahe den Gesichtern an, studiert und interpretiert sie, während sie sich abmühen, Sinnvolles und Wesentliches zu artikulieren. Irgendwann findet Louis den Moment, Lebewohl zu sagen. Bis dahin darbt und leidet der Zuseher mit, aber es bleibt eine Art Mitleid der Unparteiischen, die im weit genug entfernten, objektiven Abstand die Zerrüttung des großen Ganzen sieht. So verharrt die Familie im ewigen Um-sich-Kreisen, ohne den anderen zu umkreisen. Übrig bleibt Louis, der damit, dass er nichts sagt, alles und viel mehr gesagt hat als die anderen.

Als ehemaliger Dramatiker und Theatergeher sind mir ähnliche Dramen wie jene von Lars Noren oder Jon Fosse ziemlich geläufig. Wer mit diesen Dramatikern oder zum Beispiel mit dem grandios verfilmten Stück Im August in Osage County von Schauspieler Tracy Letts etwas anfangen kann, sollte sich Einfach das Ende der Welt nicht entgehen lassen. Französisches Bühnenkino, kopflastig wie der Schwindel lange vor dem Kater. Es ist lakonischer, halbschwerer Filmgenuss, der so aussieht als wäre das Medium der Fotografie die Wahl des visuellen Filmstils, dessen ausgesuchte Musikstücke die irrlichternde Stimmung unterstreichen und sich tags darauf garantiert in der eigenen Playlist wiederfinden werden.

Einfach das Ende der Welt

Allied – Vertraute Fremde

SPIEL´S NOCHMAL, HUMPHREY!

* * * * * * * * * *

allied

Brad Pitt ist längst nicht Humphrey Bogart. Marion Cotillard längst nicht Ingrid Bergman. Was sich Kultregisseur Robert Zemeckis, dem wir unvergessene Kinostunden wie Zurück in die Zukunft oder Forrest Gump zu verdanken haben, da geleistet hat, kann man ihm angesichts seiner filmographischen Habenseite durchaus verzeihen – besser macht es den Film aber dadurch nicht.

Dem romantischen Spionagedrama aus den letzten Jahren des zweiten Weltkriegs, laut Drehbuchautor Steven Knight auf wahren Begebenheiten beruhend, gelingt es einfach nicht, die richtige Chemie zu mixen. Weder schauspielerisch noch dramaturgisch erreicht Zemeckis seine für ihn bekannte inszenatorische Intensität. Schauspielerisch deswegen nicht, weil Brad Pitt ab einem gewissen Punkt in seiner Filmkarriere sein schauspielerisches Potenzial auf niedrige Stufe heruntergefahren hat. Sei es aufgrund einer gewissen Celebrity-Müdigkeit, dem Einfluss von Angelina Jolie oder einer inneren Erfolgszufriedenheit. Dieser Wendepunkt dürfte so ungefähr um Innaritus Episodendrama Babel gewesen sein. Soweit ich mich erinnern kann, war dies seine letzte Rolle, in welcher er neben seiner mittlerweile dauerhaften, stoisch-nachdenklichen Mine auch noch andere Gefühlszustände im Repertoire hatte. Brad Pitt ist so ausdruckslos und nichtssagend geworden wie mittlerweile Bruce Willis oder Al Pacino. Ja, eine gewisse künstlerische Müdigkeit könnte schon der Grund sein. Marion Cotillard hingegen hat in Allied – Vertraute Fremde die besseren Karten, obwohl auch spätestens hier klar wird, dass ihr Steckenpferd weniger das Blockbusterkino als viel mehr das innovative Autorenkino zu sein scheint. Das haben wir zuletzt auch bei Assassins Creed gesehen. Ihre Figuren wirken im Big Budget-Kino viel zu aufgesetzt. Im Künstlerkino hingegen bleibt kein Auge trocken, denken wir nur an die Performance in Audiards Der Geschmack von Rost und Knochen oder überhaupt an ihre Sternstunde in der Edith Piaf-Biografie La vie en rose. Soweit mal beide Akteure für sich betrachtet. Und miteinander? Nun, da können sie auch nicht so, wie sie vielleicht gewollt hätten. Chemie gibts da keine, ihre Emotionen haben mit ihrem jeweiligen Gegenüber nichts zu tun. Szenen wie „Ich schau dir in die Augen, Kleines“ würden zwar gespielt, aber nicht gefühlt sein, vorausgesetzt es gäbe sie.

Wobei der Bezug zu Casablanca gar nicht so weit hergeholt ist. Mit einer der ersten Szenen, die eine Hommage an Rick´s Cafe zu sein scheint, gelingt zemeckis noch eine genüssliche Reminiszenz an Michael Curtiz´ Klassiker. Spätestens im zweiten Teil des Filmes, der in London spielt, kippt das Geschehen so ziemlich ins Flache. Und zieht sich auch gehörig in die Länge. Was man aus dem Stioff alles hätte machen können! Suspense a la Hitchcock, Dramatik a la Das Leben der Anderen. Pures, emotionales Spannungskino. So aber erlahmt das Interesse an der wahren Identität Cotillards ziemlich schnell. Suspense nur im Ansatz, gefühlte Emotionen an der Kassa. Ich werde das Gefühl nicht los, bei Betrachten des Filmes den Mangel an Spielfreude ausgleichen zu müssen. So, als hätten sie beide dem Publikum einen großen Gefallen getan. Oder gibt es von dieser Sorte Film schon mehr als genug Artverwandtes? Auch das ist möglich. Irgendwie hat man alles schon gesehen. Besser gesehen. Selbst das Finale Grande versickert im regennassen Grasboden eines Militärflughafens. Auch hier haben wir übrigens wieder einen Bezug zu Casablanca. Schwach zwar, aber die Assoziation ist da. In den letzten Filmminuten ereifert sich Zemeckis zu unzeitgemäß sagenhaftem Kitsch, der allerdings üblich für die späten Achtziger und frühen Neunziger war und den mittlerweile auch niemand mehr notwendig hat, um sich zu unterhalten. Den Gänsehauteffekt hätten die Schauspieler erzeugen sollen, nicht die Regie. Da aber vorallem Brad Pitt den ganzen Film über nicht wirklich bei der Sache zu sein scheint, bleibt Allied – Vertraute Fremde eine plump wirkende, leidenschaftslose Erinnerung an das amerikanische Spionagekino der 50er. Daher meine Bitte: Spiels nochmal, Humphrey!

 

 

Allied – Vertraute Fremde

Assassin´s Creed

DER APFEL FÄLLT NICHT WEIT VOM STAMM

* * * * * * * * * *

assassinscreed

Zeitreisen kennen wir zur Genüge. Vor allem im Kino. Sei es mit einer antiquierten Zeitmaschine, wie in H. G. Wells gleichnamigem Klassiker, mit welcher Rod Taylor zu den Morlocks in die Zukunft gereist ist. Oder der fliegende De Lorean – ein Auto, das Marty McFly einmal hierhin und einmal dorthin durch die Zeit katapultierte. Oder eben mittels Büchern, wie im Butterfly Effect mit Ashton Kutcher. Jedes Mal waren es Artefakte, Gerätschaften oder Fahrzeuge, die die Reise durch die Zeit ermöglicht haben. Im martialischen Abenteuer Assassin´s Creed, welches lose auf dem gleichnamigen Computerspiel von Ubisoft basiert, fällt den Kreativen hinter den Kulissen endlich mal was Neues ein. Und zwar Zeitreisen mittels DNA.

Die Idee hat mich überrascht – und ist zugleich durchdacht und logisch nachvollziehbar. Jede Zelle eines Menschen besitzt das Erbgut vorangegangener Generationen. Je weiter das Leben der Vorfahren zurückliegt, desto weniger bleibt davon über. Die Information ist aber dennoch da. Wie in diesem Film dargestellt, filtert eine ausgeklügelte Technologie die Erbinformation eines gewissen Ahnen heraus – und speist den gegenwärtigen Menschen mit seiner Erinnerung an ein vergangenes Leben. Ich kenne nicht das ganze schriftstellerische Œuvre von Philipp Dick, des Schöpfers von Minority Report oder Blade Runner – aber diese Vision einer Zeitreise hätte auch er haben können. Somit beginnt das phantastisch-historische Szenario von Macbeth-Regisseur Justin Kurzel mit einer innovativen Überraschung. Und vermag auch in weiterer Folge zumindest visuell zu überzeugen.

Das Kapitel der Assassinen, ursprünglich perfekt trainierte Killermaschinen im Auftrag des Sultans, ist klarerweise ein relativ düsteres. In genauso düstere, staubverhangene und sandverkrustete Bilder kleidet Kurzel seine freie Interpretation eines beliebten Ego-Spiels, das ich selbst nicht kenne und ich mich daher nur peripher an Plakaten und Bildern des todesspringenden Kuttenträgers erinnern kann. Da mich plakative Abenteuerfilme mit historisch-geografischem Bezug prinzipiell interessieren, wollte ich mir den Klingenthriller im Fahrwasser von Tomb Raider und Prince of Persia natürlich nicht entgehen lassen. Und da kann Angelina Jolie noch so sehr ihre Lippen schürzen – der spanisch-maurische Attentäter ist eindeutig cooler. Und braucht auch seine Hüften nicht schwingen zu lassen. Stattdessen tanzt er über Dächer, Gesimse und Zinnen, erklettert Hauswände und stürzt sich in mehreren Salti von Türmen, die über Spaniens Hauptstadt aufragen. Das ganze noch dazu im Spätmittelalter des 15. Jahrhunderts, im selben Jahr, in welchem Christoph Kolumbus zu neuen Ufern aufbrechen wird. Justin Kurzel und sein Kameramann Adam Arkapaw leisten Beachtliches. Die Kamerafahrten und Blickwinkel sowie Ton- und Filmschnitt erzeugen eine eindrucksvolle Sogwirkung und katapultieren den Zuseher mitten ins Geschehen. Eine ähnlich visuelle Machart hatte zuvor der viel geschmähte Neuaufguss von Ben Hur. Hier war vor allem die Szene des Wagenrennens mindestens genauso außergewöhnlich dargestellt. Gelungen sind auch jene Sequenzen, in denen die Erinnerungen aus der Vergangenheit in die erlebte Gegenwart transzendieren. Schemenhaft, wie Spiegelbilder.

Assassin´s Creed löst sich vom simplen Computerspiel und entwickelt einen ganz eigenen Treasure-Hunt quer durch die Zeiten. Dieser Mix aus Historienspektakel im Stile eines Ridley Scott und unterkühlter Science Fiction ist überraschend sehens- und erlebenswert, wenngleich ihm jegliches Augenzwinkern abhanden gekommen ist.  Spaß kommt hier keiner auf, der Kampf zwischen Templern und Assassinen ist eine zutiefst ernste Angelegenheit, worüber man sich niemals lustig machen soll. Michael Fassbenders verkniffene Mimik und Marion Cottilards androides Auftreten kühlen das Abenteuer noch um einige Grad runter. Und Lachen wird zur Sünde. Im Grunde treffen hier Islam und Christentum aufeinander, beide mit dem Ziel, den Apfel von Eden unter Gewahrsam zu nehmen. Dass man damit den freien Willen des Menschen außer Kraft setzen kann, hat für Kenner der christlichen Genesis durchaus seine logische Konsequenz. Das Objekt der Begierde reiht sich zwischen Bundeslade und Heiligen Kral, beide von Indiana Jones gesucht und gefunden, perfekt ins Abenteuer-Entertainment ein, der etwas steife und beerdigungsernste Grundtonus der Geschichte lässt das reißerische, phantastisch angehauchte Gefahrenszenario aber etwas fehl am Platz wirken. Mehr Lockerungsübungen vor dem Dreh wären ratsam gewesen. Das gilt auch für Jeremy Irons steifes Staffagenspiel.

Sonst aber kann man an Kurzels futuristischen Kredo-Krieg nicht wirklich meckern. Der Film hat was für sich, ist filmtechnisch innovativ und hat den Verriss der Kritiker so sicher nicht verdient. Mal sehen wie viel das Werk lukriert. Dann wäre sogar Platz für eine mögliche Fortsetzung – die ich, wenn es soweit ist, wahrscheinlich nicht versäumen werde.

 

Assassin´s Creed