Sputnik – Es wächst in dir

ES ZÄHLEN DIE INNEREN WERTE

5,5/10


sputnik© 2020 capelight pictures


LAND: RUSSLAND 2020

REGIE: EGOR ABRAMENKO

CAST: OKSANA AKINSHINA, PYOTR FYODOROV, FEDOR BONDARCHUK, ANTON VASILEV U. A. 

LÄNGE: 1 STD 54 MIN


Dass die Filmnation Russland in Sachen Effekt- und Eventkino bereits einiges draufhat, und zumindest aus technischer Sicht den IT-Schmieden in Übersee sehr wohl das Wasser reichen kann, das konnte man bereits aus Filmen wie Attraction ganz gut nachvollziehen. Im Science-Fiction-Thriller Sputnik – Es wächst in dir waren die Creature Designer ganz besonders ehrgeizig. Das seltsame Wesen, dass hier auf die Menschheit losgelassen wird, bettet sich dank seiner Struktur, seiner Physis und all der Licht-Schatten-Rafinesse perfekt in das reale Szenario ein, das, angesiedelt in den Achtzigern, vorwiegend in völlig unattraktiven und womöglich asbestverkleideten Räumen seine Spielfläche sucht. Wer kommt schon auf die Idee, ein Wesen wie dieses zwischen den Wandverbaueinrichtungen aus Pressspan inklusive symmetrischer Hochglanzfurnier herumschmnüffeln zu lassen? Entweder Wandverbau oder ich, könnte das Wesen meinen, und hinterlässt logischerweise, wie sich das eben für solche Kreaturen gehört, eine Spur der organischen Verwüstung. Dabei muss man bemerken: die Kreatur in Sputnik hat immerhin so etwas wie eine Verhandlungsbasis zu bieten – der Xenomoprh aus Alien natürlich nicht. Was Regisseur Egor Abramenko da entworfen hat, ist eine deutlich subtilere Version des Parasiten-Mythos für das nächtliche Lagerfeuer. Der Sputnik – was soviel heisst wie Weggefährte, Begleiter – hat für seinen Wirt deutlich mehr Verwendung. Wie er diesen manipuliert, sei an dieser Stelle natürlich nicht gespoilert.

Verraten sei aber so viel: Sputnik erreicht das Level an Suspense im Gegensatz zu Alien oder gar Life nur ansatzweise. Zwischen den spannenden Szenen der Konfrontation mit dem Fremden schielt Abramenkos Film deutlich in Richtung Geheimdienstthriller im Stile eines John Le Carre. Klingt prinzipiell mal interessant, hat aber wortlastige Längen. Die biologische Komponente hingegen hat so ihren Reiz, und in der Biologie, so wissen wir, gibt es kein Gut und Böse, sondern Zweckmäßigkeit in ständiger Adaption. Das gelingt Sputnik sogar noch besser als Alien, denn dort ist das Monster scheinbar vorrangig und vorsätzlich fies. Rückblickend wäre dieser Blickwinkel noch weiter aufzufächern gewesen, hätte der Film gerne auch eine Richtung einschlagen können, wie sie Gareth Edwartds Monsters genommen hat. Lezten Endes ist es doch wieder nur klassisches Genrekino mit der gefälligen Portion Blut. Aber mit einem Monster, das aus Ridley Scotts interstellarer Albtraumnotizen entsprungen sein könnte. Was aber nicht heisst, dass man es nicht auch ein bisschen gern haben kann. Wo es doch so anhänglich ist.

Sputnik – Es wächst in dir

November

RÄTSELHAFTES BALTIKUM

7/10

 

november© 2018 Drop-Out Cinema

 

LAND: ESTLAND, DEUTSCHLAND 2018

REGIE: RAINER SARNET

CAST: REA LEST, JÖRGEN LIIK, TAAVI EELMAA, DIETER LASER, KATARIINA UNT, ARVO KUKUMÄGI U. A. 

LÄNGE: 1 STD 55 MIN

 

Was zur Hölle ist ein Kratt? Das wissen eigentlich nur die Esten. Denn der Kratt ist Bestandteil ihrer jahrhundertealten lokalen Mythologie. Es ist ein vom Teufel beseeltes Ding, ein Konstrukt aus Tierknochen und Teilen landwirtschaftlicher Gerätschaften. Es kann auch nur aus Kochtöpfen und sonstigen Utensilien bestehen. Wichtig ist, dass der Antichrist hierbei am Werk war. Und wir wissen: der Antichrist macht nichts umsonst – das heißt also: eine Seele für eine Seele, die in das grob zusammengezimmerte Konstrukt einfährt und dieses zu einem willigen Knecht macht, der rund um die Uhr alle möglichen Arbeiten verrichtet, die man selbst nicht machen will. So ist das mit der Bequemlichkeit. Wenn die Dinge von Natur aus nicht so wollen, wie geplant, muss eben all das, was zwischen oder jenseits der uns bekannten Welt existiert, zum Eigennutz herangezogen werden. Auch die Liebe ist so eine Sache, die manchmal nicht erwidert wird. Da antworten eher noch die Toten am Allerseelentag, die in weißer Gewandung durch den dunklen Wald staksen.

So ein Szenario verspricht die estnische Kunstfilmfantasy mit dem schlichten Titel November von Regisseur Rainer Sarnet. Und mit November ist eigentlich schon alles gesagt, denn dieser Monat des Spätherbstes ist jene Zeit, in der die Grenzen zwischen Realem und Paranormalem in reibungsloser Adhäsion verschmelzen. Zur Vollendung gelangt dieses Vorhaben in erster Linie durch eine in strengen Kontrasten gehaltene Schwarzweiß-Optik mit ganz viel künstlichem Gegenlicht, dem Schein des Mondes und einer Tiefenschärfe, die jeden Staubpartikel, jede Kerbe im Holz und jede Falte im Gesicht zu einer eigenen, isolierten Sphäre werden lässt. Womöglich hat Kameramann Mart Taniel dafür einen weniger lichtempfindlichen Film verwendet, um so all dieses satte Schwarz und die gleißende Helligkeit in jeder Einstellung neu zu definieren. In dieser eigentümlichen Welt geistern eben nicht nur die Toten und beseelte Vehikel durch den subpolaren Forst, sondern auch Hexen, ein Werwolfmädchen und natürlich Luzifer, den man an einer Wegkreuzung lediglich mit Pfeiflauten zu rufen braucht, schon ist er da, der bärbeißige Geselle, um das Leben der mythenfürchtigen Menschen auf ihre Kosten zu erleichtern. Im Mittelpunkt steht auch das Anwesen eines Barons, dessen Tochter gerne schlafwandelt und zum letzten Teil einer Dreiecksgeschichte wird, die an Orten und in Zeiten wie diesen die ungestillte Sehnsucht nach Zweisamkeit über alles stellt.

November fordert von seinem Zuseher die nötige Toleranz für eine Narrative, durch die er sich wie durch ein winterkaltes Dickicht aus Reisig und Astwerk hindurcharbeiten muss. Wer mit der mystischen Filmwelt eines Ingmar Bergman vertraut ist, dem wird das nicht so schwer fallen. Außerdem ebnet der hypnotische Bildersturm ohnehin den Weg. Die eigentümliche Mär verblasst am Wegesrand, es zählt das Hinsehen und vielleicht gar nicht mal groß Mitdenken, man muss gar nicht mal so viel verstehen, die knorrige Geschichte offenbart sich wie das Klopfen eines Fremden an der Hintertür, die man nicht öffnen will. Oder eben doch, weil man dahinter etwas Bereicherndes, Magisches vermutet.

November

The Girl King

STUDIEREN GEHT ÜBER REGIEREN

6/10


thegirlking© 2015 Film Buró


LAND: FINNLAND 2015

REGIE: MIKA KAURISMÄKI

CAST: MALIN BUSKA, SARAH GADON, MICHAEL NYQVIST, HIPPOLYTE GIRARDOT, MARTINA GEDECK, JANNIS NIEWÖHNER, LUCAS BRYANT U. A.

LÄNGE: 1 STD 46 MIN


Diese Thronfolgerin, die ist mir eine! Schweden hat im epischen Rahmen des dreißigjährigen Krieges eben erst ihren geliebten König Gustav Adolf verloren, schon muss dessen minderjährige Tochter ran – Königin Kristina. By the way: die Gute ist wirklich nicht fürs Regieren geschaffen. Unter der Obhut des Kanzlers, der seine eigenen Pläne verfolgt (welcher Kanzler tat und tut das nicht?), weicht das Interesse an der Politik stetig jenem an der Philosophie, insbesondere jener des großen Denkers René Descartes. In dieser Wissbegier steht die aufmüpfige Jungregentin anderen Querdenkerinnnen aus der Antike wie zum Beispiel jener Hypatia aus Alexandrien, die bereits in Alejandro Amanebars Historienfilm Agora ihren filmischen Zuspruch bekam, um nichts nach. Doch welche Untertanen wollten damals schon über das Sein philosophieren? Gebt den Leuten Essen, Trinken, Wohlstand! Für den Blick hinter die Kulissen eines entbehrungsreichen Daseins des 17. Jahrhunderts hatte wohl niemand wirklich die Muße – außer Kristina, und ihr Philosophenfreund natürlich. An Männergeschichten ist die stark an Kaiserin Sisi erinnernde, stets hosentragende Jungfrau genauso wenig interessiert, zum Leidwesen des Kanzlersohns, der gedanklich schon mit dem Reichsapfel spielt.

The Girl King erzählt eine recht ungewöhnliche Episode aus der europäischen Monarchengalerie, ein Kuriosum des Nichtregierens sozusagen, das in Ludwig II. oder Stefan von Lothringen Fortsetzung findet, die außerdem allesamt anderes im Sinn hatten als irgendeine Verantwortung für ihre Pflicht zu übernehmen. Da sieht man wieder, wie ignorant dieser Tribut des blauen Blutes stets gewesen war. Nicht für alle war Macht das hehre Ziel. Eine Lösung für dieses Problem aber gab es meistens. Und selbst im Falle der jungfräulichen Kristina, die tatsächlich bis zu ihrem Lebensende jungfräulich blieb, nicht alleine wegen ihrer homosexuellen Orientierung. Für seine Titelrolle fand Regisseur Mika Kaurismäki, der diesjährig mit Master Cheng in Pohjanjoki für wohlige Gefühle in der Bauchgegend sorgte, mit der Schwedin Malin Buska die ideale Besetzung. Ihr expressives Minenspiel ist grandios, ihre trotzigen Züge weichen nur selten sehnsüchtigem Lächeln. Dieses hat dafür ihre bessere, femininere Hälfte Sarah Gadon, die nicht ständig Hosen trägt und die längst einem anderen versprochen zu sein scheint, die aber der Libido ihrer Königin nichts entgegenzusetzen hat.

Schön ausgestattet ist The Girl King allemal, interessant besetzt ebenso. Eine Entdeckung ganz nebenbei ist Martina Gedeck als die exaltierte, völlig verschrobene Königin Mutter, die mit ihrer Tochter nichts anzufangen weiß. Kaurismäki selbst überlässt den Film auch lieber seinem Schauspielensemble, ohne sich selbst als Künstler groß hervorzutun. Sein Historienfilm wirkt wie eine Auftragsarbeit, die man in professioneller Routine natürlich zu Ende bringt, für die man aber jetzt keine großen Gefühle hegt oder eine wie auch wie geartete persönliche Ambition. Prinzipiell macht das nichts – die Zeitgeschichte spricht für sich, und fasziniert auf gewisse Weise ganz von selbst. Da reicht, wie bei so vielen Geschichtsfilmen, die sich auf ihren Stoff verlassen, zumindest die geglückte Wahl einer spannenden Anekdote aus den Herrscherhäusern, die die egozentrische Luft der frühen Selbstbestimmung atmen. Die Queen allerdings wäre not amused.

The Girl King

Weißer weißer Tag

OPA IST DER BESTE

6/10


weisserweissertag© 2020 Arsenal Filmverleih


LAND: ISLAND, DÄNEMARK, SCHWEDEN 2019

REGIE: HLYNUR PALMASON

CAST: INGVAR EGGERT SIGURÐSSON, ÍDA MEKKÍN HLYNSDÓTTIR, HILMIR SNÆR GUÐNASON, BJORN INGI HILMARSSON U. A.

LÄNGE: 1 STD 44 MIN


Das isländische Kino ist nicht gerade dafür bekannt, die Kinosäle zu füllen – dafür aber füllt es die Nischen des Arthouse, und zwar auf innovative Art und Weise. Was das isländische Kino so erzählt, das sind mitunter sehr schwarzhumorige Geschichten voller Lakonik, voller Exzentrik, langen Nächten und den unwirtlichen Landschaften zwischen Gletscher und stürmischer Meeresküste. So ungewöhnlich auch die Filme aus dem hohen Norden begrüßenswerterweise sind – dieser hier von Hlynur Palmason setzt allem bisher Dagewesenen die Krone auf. Selbst dem irren Außenseiterdrama Noi Albinoi. Der hatte noch genug makabren Humor, um darin noch eine gewisse Verbundenheit zu anderen lokalen Werken zu erkennen. Bei Weißer weißer Tag ist alles anders, und alles nicht so, wie man es gewohnt ist. Das irritiert, verstört gar ein bisschen, und strapaziert die Geduld.

Nur so als Beispiel: Ein Haus, irgendwo im Nirgendwo, im Hintergrund Islands Bergwelt. Dann vergeht die Zeit, Tag für Tag, im Zeitraffer. Tage werden zu Wochen, Monaten. Schnee, Sonne, Nebel, Regen. Vormittag, Nachmittag, Abend, unzählige Stimmungen. Die Kamera bleibt dabei statisch. Eine Szene wie aus dem Wetterpanorama aus Reykjaviks Umland. Dann, nach einer gefühlten Ewigkeit, geht’s endlich zur Sache. Wir sehen einen älteren Mann, einen Witwer, gleichzeitig Großvater einer neunjährigen Enkelin, die ihren Opa über alles liebt. Opa, der ist der Beste. Doch dann, beim Sichten von Omas Nachlass, wird der alte Mann stutzig. Hatte seine Frau eine Affäre? Diese Sache lässt den Alten nicht los und er forscht nach. Aus der Nachforschung wird Obsession, Aggression, Zweifel. Was darunter leidet, das ist die Beziehung zu seiner Enkelin, die ihren Opa plötzlich mit anderen Augen sieht. Was nicht unbedingt gut ist. Und was zu vermeiden gewesen wäre.

Weißer weißer Tag – das sind die Nebeltage Islands, wo man kaum mehr die Hand vor Augen sehen kann. An so einem Nebeltag ist Opa Ingimundurs Frau mit dem Auto verunglückt. Und an solch einem Tag wird sich die verquere Situation so ziemlich zuspitzen. Bis dahin allerdings ist Palmasons Film ein Patchwork an unterschiedlichen Filmstilen, an arrangierten Stillleben, Nahaufnahmen, scheinbar aus dem Kontext gerissenen Szenen einer Fernsehshow, die abgefilmt werden. So unterschiedlich und so assoziativ all diese Szenen auch wirken, es liegt ihnen dennoch eine Gemeinsamkeit zugrunde: die Thematik des Trauerns und Überwindens von Kränkung. Kein leichter Stoff? Mit Sicherheit nicht. Auf Weißer weißer Tag muss man sich einlassen, und damit rechnen, manchmal ratlos das Gesehene oder Geschehene hinzunehmen. Interessanterweise aber findet diese raue, manchmal statische und dann plötzlich wieder ungestüme, unorthodoxe Drama einen Weg des geringeren Widerstands für den Betrachter, versöhnt ihn mit seiner provokanten Erzählweise, indem es am Ende direkt berührende, erlösende Momente findet. Tja, Trauer geht manchmal seltsame Wege.

Weißer weißer Tag

The Wave

INS WASSER FÄLLT EIN STEIN

6,5/10

 

thewave_c_SquareOne© 2015 squareone

 

LAND: NORWEGEN 2015

REGIE: ROAR UTHAUG

MIT KRISTOFFER JONER, THOMAS BO LARSEN, ANE DAHL TORP, JONAS HOFF OFTEBRO U. A.

 

Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, kommt der Prophet zum Berg – so heißt es doch im Volksmund. Vorliegender Katastrophenfilm spart sich allerdings die Konsequenz nach dem Komma, denn der aufgetürmte Fels erfreut sich reger Wanderlust. Wir befinden uns an der Westküste Norwegens, genauer gesagt im Geirangerfjord, 280km nordwestlich von Oslo. Eine malerische Gegend, wenn auch etwas bedrückend, da eingerahmt von ausladenden Bergketten. Man muss sich den Hallstättersee nur zum Quadrat vorstellen, nur ohne Hallstatt, dann hat man ein ungefähres Bild. An den knappen, bebaubaren Küstenabschnitten oder an der Talsohle selbst haben sich natürlich, wie überall auch auf dieser Welt, Menschen herzlichst ungünstig positioniert. Supernah am Wasser, weil der Fischgrund zum Greifen nah ist und überhaupt, weil große Wasserflächen das Gefühl eines unverstellbaren Fluchtwegs vermitteln. Doch nah am Wasser bauen ist in seltensten Fällen eine gute Wahl. Das Gebiet hier in dieser zerklüfteten Landschaft ist nämlich weitgehend instabil. Bereits 1934 gab’s es in der Gegend einen Erdrutsch, der eine Riesenwelle zur Folge hatte und unzählige Menschen tötete.

Der Regisseur Roar Uthaug, der mich zuletzt mit der Neuauflage von Tomb Raider relativ glücklich stimmen konnte, hat sich dieses tatsächlichen Ereignisses angenommen und ein fiktives Katastrophenszenario erstellt, das alle Parameter für einen solchen klassischen Genrefilm erfüllt. Das eingekesselte Wasser, das bringt Uthaug bildgewaltig zum Überkochen. Der Berg, der wird zum Propheten kommen – da muss ich gar nicht spoilern. Die Ruhe vor dem Sturm, die ist in The Wave angespannt wie die Luft vor einem Gewitter. Im Film ist es der Geologe Kristan, der die Anzeichen für einen bevorstehenden Erdrutsch als einziger richtig interpretieren kann. Hier betritt The Wave natürlich ausgetretene Schablonen – immer ist es meist nur ein Wissenschaftler, der als Prophet das Unheil kommen sieht, mit großzügig ausgestattetem Kassandra-Komplex, weil ihm oder ihr niemand glaubt. Ganz so wie in Roland Emmerich´s Desasterfilmen. Bis es eben zu spät ist.

Die Welle, die dann anrollt – da möchte sich das Publikum am Liebsten wegducken, auch wenn die animierten Szenen einen Bruchteil des ganzen Filmes einnehmen. Schön ist dieses Norwegen, mit Sicherheit gesponsert vom Fremdenverkehrsamt, bis alles unter Wasser steht und dem Erdboden gleichgemacht wird. Wenn ein Stein ins Wasser fällt, kommt es auf die Größe an. Die physikalische Hochrechnung und die Darstellung dieses Untergangsszenarios machen den maßgeschneiderten Katastrophenfilm natürlich sehenswert, wobei Unerwartetes erwartet werden muss und überraschende Wendungen gänzlich ausbleiben. Die Anleitung für einen Film dieser Art hat Uthaug sicher studiert, er scheut auch nicht davor, in Schlamm und Dreck zu wühlen, das macht das Ganze so richtig erdig und naturalistisch.

Die Natur, die liegt dem norwegischen Blockbuster am Herzen und pocht darauf, besser verstanden und rechtzeitig erhört zu werden. Vielleicht sind beim nächsten Mal mehr Propheten am Werk, irgendwann muss doch ein Lerneffekt eintreten. Der Mensch, das wissen wir, ist Meister der Verdrängung, und findet so lange alles in Ordnung, bis das Unglück erst sichtbar wird. Die To-Do-Liste für den Notfall ist immer etwas für das Danach, wenn man klüger ist. Davon leben Filme dieser Art, zumindest meistens tun sie das. Bis zum nächsten Mal ist alles wieder vergessen, und Homo sapiens rennt wieder um sein Leben.

The Wave