Bad Boys for Life

IN DECKUNG, BRUDER!

6/10

 

badboys3© 2020 Sony Pictures

 

LAND: USA 2020

REGIE: ADIL EL ARBI & BILALL FALLAH

CAST: WILL SMITH, MARTIN LAWRENCE, VANESSA HUDGENS, ALEXANDER LUDWIG, JOE PANTOLIANO, CHARLES MELTON U. A.

 

Whatcha gonna do, whatcha gonna do if they come for you. Ein cooler Song, den Inner Circle da in den 80ern auf den Markt gebracht hat. Ein cooler Song für ein cooles Duo, das Michael Bay hier Mitte der 90er in die Kinos brachte. Will Smith und Martin Lawrence, die hatten Synchro-Vibes sondergleichen, da waren beide auf einer Wellenlänge. Was Miami Vice nicht mehr geschafft hat, hat Bad Boys dann mit ordentlich mehr Action und Buddy-Klamauk im sonnigen Florida auf Schiene gebracht. Worum es in diesem Blockbuster und dem nächsten eigentlich gegangen ist, hat sich aus dem Gedächtnis verflüchtigt. Das weiß ich von der vierteiligen Lethal Weapon-Reihe auch nicht mehr. Beide haben aber etwas gemeinsam: das Konzept des Buddy-Movies, das erstmals in Nur 48 Stunden einen seiner erfolgreichsten Einstände erleben durfte. Seitdem hat sich hinsichtlich des Aufbaus eines solchen Films nicht viel verändert. Es gibt Humor, es gibt Action, meist geht’s um Rache oder um die Genugtuung, wenn die platten Bösen ihre Abreibung bekommen. Und die bekommen sie, das weiß jeder. Und immer im Rahmen eines knüppeldicken Finales. Ein bisschen Herz ist auch dabei, Freundschaft ganz groß geschrieben. Sie stehen zusammen, sie fallen zusammen, das sagen Lawrence und Smith ja immer. Schön, so einer gemähten Wiese zu folgen, da weiß man, was man bekommt. Wie bei einer Schüssel Popcorn. Und immer wieder nascht man diese doch gern.

Teil Drei hat Michael Bay nun in die Hände der beiden belgischen Filmemacher Adil El Arbi und Bilall Fallah gelegt (obwohl er sich seinen Cameo-Auftritt letztlich auch nicht verkneifen konnte) und dabei aber auch ein gutes Händchen bewiesen: Bad Boys for Life folgt den gleichen Pfaden wie all die anderen Buddy-Movies, die bereits schon mehrere Sequels am Buckel haben, löst die altbekannte Formel aber mit markttauglichem Witz, der diesmal fast zur Gänze auf das Konto von Martin Lawrence geht. Der in die Jahre gekommene Kalauerschieber und Dauerquassler wird Opa und freut sich auf die Rente. Fast zeitgleich wird Buddy Mike von Unbekannten angeschossen – klarerweise überlebt er und will sich rächen. Anfangs solo, aber mit einer Gruppe Special Force-Leuten als Deckung – A-Team und Charlies Angels lassen grüßen. Später kommt auch Lawrence alias Marcus wieder dazu. Und los geht’s, um eigenmächtig ihrem Namen nochmal alle Ehre zu machen. Die bösen Jungs steuern also in einem schaumgebremsten Michael-Bay-Gedächtnisfilm – flirrende Sonnenuntergänge, coole Schlitten, Sonnenbrillen und wenige, aber doch tiefe Zoten – einem üppigen Showdown entgegen, der mit ordentlich Schmackes und Budenzauber in voller Länge fast schon einer theatralischen Götterdämmerung gleichkommt, was natürlich ordentlich pathetisch wirkt. Fast wie bei einer Telenovela – und diese Ähnlichkeiten kommen nicht von ungefähr, hat John Carnahan (Das A-Team, The Grey) doch eine Story konstruiert, die sich klassischen Aha-Momenten aus dem serialen Genre von Liebe und Leidenschaft bedient.

Während Will Smith relativ solide sich selbst und niemanden sonst überrascht, hat Lawrence ein paar wirklich brüllkomische Momente, die das zweite Dacapo dann auch noch nachdrücklich in die Richtung Actionkomödie locken, was Smith alleine nicht hinbekommen hätte. Aber immerhin – sich auf seinen Partner zu verlassen ist wie in Abrahams Schoß zu verweilen. Als Dank dafür könnte Lawrence filmischer Chaos-Cop endlich in Rente gehen. Denn ob Bad Boys 4 die bewährte Schiene noch mal variieren kann, ist fraglich. Es sei denn, die Popcorn-Rechnung geht nochmal auf.

Bad Boys for Life

Tschick

KEIN SOMMER WIE DAMALS

7/10

 

tschick

REGIE: FATIH AKIN
MIT TRISTAN GÖBEL, ANAND BATBILEG, MERCEDES MÜLLER

 

Dieser Sommer wird Maik und Tschick, auch wenn sie längst erwachsen sind, auf ewig in Erinnerung bleiben. Dieser Sommer von damals, das war eine kleine Odyssee, ein Fluchtweg raus aus der sozialen und familiären Einsamkeit, hinein ins beginnende Erwachsenwerden. Und hinein ins Erkennen der wirklich wichtigen Dinge im Leben.

Fatih Akin, renommierter deutsch-türkischer Regisseur mit einem Faible für Roadmovies, hat uns mit der Sommerkomödie Im Juli schon zur Jahrtausendwende gezeigt, wie sehr man auf Reisen Grenzen überwinden und seine Sichtweise auf die Dinge ändern kann. Oder neu ausrichten. Einmal weg, nur kurz aus der Tristesse des unrund laufenden Lebens aussteigen. Moritz Bleibtreu und Christiane Paul waren da ein höchst sympathisches Gespann, dessen Funken nur so gesprüht und mich bestens unterhalten haben. Mit Tschick, der Verfilmung eines Jugendromans von Wolfgang Herrndorf, gelingt ihm Ähnliches, allerdings mit weniger Herzschmerz. Vielmehr mit Coming of Age. Und zwei liebenswerten Darstellern, die das Publikum für sich gewinnen. Und das, weil sie Außenseiter sind. Weil sie den Erwartungen ihres sozialen Umfelds nicht folgen können –  oder vielleicht auch gar nicht wollen. Weil das Mitziehen mit dem Schwarm die eigene Identität verrät. Scheiß drauf, so Maik und Tschick. Und dieses Scheiß drauf tut richtig gut. Weil jeder von uns irgendwann mal ein Außenseiter gewesen sein mag, gerade ist oder irgendwann wieder sein wird. Wichtig ist, sich selbst treu zu bleiben. Doch wenn man nicht weiß, wer man selbst überhaupt ist oder sein will, bedarf es einem Wechsel der Perspektiven. Also rein in die versiffte Karre und ab durchs Land.

Mit leichter Hand führt Akin seine spielfreudigen Jungspunde durch die Szene. Es ist zu vermuten, dass die Arbeit am Set völlig entspannt gewesen sein muss. Eine, die den Zeitdruck außen vor lässt und dem Aufbau der Charaktere und ihrem Verhalten genügend Zeit einräumt. Tschick ist entspanntes, tragikomisches und impulsives Sommerkino für die urbane Open Air-Leinwand. Mag sein, dass das Abenteuer Schulferien mehr Altersgenossen als Erwachsene ins Kino lockt, aber da wir alle mal in diesem Alter waren, lässt der Blick auf einen Sommer wie damals eigene Erinnerungen wach werden. Die womöglich ganz anders waren, aber nicht weniger wegweisend. Wunderbare Jahre, trotz mangelnden Glücks in den eigenen vier Wänden.

Tschick