Mortal Kombat (2021)

WE ARE THE CHAMPIONS

6/10


mortalkombat© 2021 Warner Bros. Deutschland


LAND / JAHR: USA 2021

REGIE: SIMON MCQUOID

CAST: LEWIS TAN, JESSICA MCNAMEE, JOSH LAWSON, JOE TASLIM, MEHCAD BROOKS, TADANOBU ASANO, CHIN HAN U. A.

LÄNGE: 1 STD 50 MIN


Bald könnte es folgendermaßen lauten: Jetzt neu im Noppenbausteinshop ihres Vertrauens (man kann es jedoch auch LEGO nennen, denn mittlerweile ist der Begriff fast schon mehr ein Subgenre des Animationsfilms als Schleichwerbung): Fernöstlich angehauchte Superhelden mit magischen Skills, die gegen ihr sinisteres Äquivalent antreten. Ist das wirklich so neu? Gab’s doch schon – Ninjago. Nun gäbe das Ganze aber für Erwachsene, und es nennt sich Mortal Kombat – ein Franchise, das ihren Ursprung in der Welt des Gaming verortet. Mortal Kombat – kennt ein jeder, der weiß, wie man mit dem Controller einen ordentlichen Fightout hinlegt. Leute, die das nicht kennen, und noch nie irgend etwas mit Videospielen am Hut hatten, können immerhin jetzt – anstatt Stunden, Tage und Wochen damit zuzubringen, den richtigen Dreh beim Kämpfen rauszukriegen – innerhalb von nicht mal 2 Stunden ganz ohne ihr Zutun Martial-Arts-Heroen ganz von selbst Pirouetten schlagen lassen. Auch ganz angenehm.

Ich gehöre zu jenen, die keine Gamer sind (oder gerade erst damit anfangen und immer noch daran scheitern, die richtige Perspektive beizubehalten). Der neue Mortal Kombat-Film reicht mir da vollkommen. Mir entgehen da mit Sicherheit jede Menge Reminiszenzen und Easter Eggs in Bezug auf das Spiel, aber der Spaß funktioniert auch so. Denn so wirklich komplex ist die Geschichte nicht. Ganz im Gegenteil. Um es kurz zusammenzufassen: Seit Jahrhunderten (oder Jahrtausenden, ich weiß es nicht mehr) gibt es einen interplanetaren Wettbewerb, der sich eben Mortal Kombat nennt. Da treten schlicht und ergreifend die besten Kämpfer der einen Welt gegen die besten Kämpfer der anderen Welt an. Die Champions sind allesamt mit einem drachenähnlichen Körpermal gekennzeichnet. Es gibt da aber leider eine Welt, die nennt sich Außenwelt (oder Outworld) mit ganz finsteren Haudegen, ebenfalls angeführt von einem asiatisch anmutenden Oberguru, der einige krasse Kreaturen um sich schart, allen voran einen gewissen Sub Zero. Einmal noch gegen die Erde gewinnen, und schon kann sich Outworld diese unter den Nagel reißen. Um den Sieg zu garantieren, will Shang Tsung (= der Oberguru) noch vor Beginn der Wettkämpfe auf der Erde reinen Tisch machen. Was er nicht weiß: der Abkömmling einer legendären Mortal Kombat-Championship-Blutlinie trainiert gerade seine Muskeln, um den Rabauken Paroli bieten zu können.

1995 gab es bereits eine Verfilmung des 1993 erschienen Videospiels – mit Christopher Lambert als Donnergott Lord Raiden. Ein Rohrkrepierer, nicht der Rede wert. Die brandneue Version von 2021 ist zwar, wie bereits erwähnt, vom Plot selbst auch nicht der Rede wert, aber sie bietet immerhin eines – und das muss man wissen, bevor man sich darauf einlässt, und für sonst nichts anderes gerade einen Kopf hat: Kämpfe, Kämpfe und nochmals Kämpfe. Keine epischen Schlachten, kein Bleigewitter, dafür aber martialische Duelle, vorzugsweise Mann/Frau gegen Frau/Mann, und da wirbeln sie herum, die geschmackvoll kostümierten Auserwählten, mit Zauberkräften und adretten Waffen, vom Grillspieß bis zum Vorschlaghammer, vom Schwert aus Eis bis zum metallenen Sombrero. Phrasen wie Gespaltene Persönlichkeit oder Zerbrich dir darüber nicht den Kopf werden in Körperwelten-artiger Ästhethik bildlich dargestellt und sind natürlich heillos übertriebene Gewaltspitzen, die dieses Fantasyabenteuer eben nur für die ganz Erwachsenen kennzeichnen. Allerdings wirkt neben dem knallbunten Effektgewitter und der relativ trivialen Story, die das Kind im Manne weckt, dieses vereinzelt gesetzte Extra an expliziter Brutalität fehl am Platz. Doch womöglich war dies dem Willen der Fans geschuldet.

Mortal Kombat ist ein Guilty Pleasure, bei welchem man mit diebischer Freude den sich Duellierenden fast schon zujohlen möchte, wie beim Wrestling, wo es auch nur um das Catchen geht, während die biographische Peripherie den Kultstatus der einzelnen Kandidaten etwas unterstreicht. Womöglich wird s da bald eine Forstsetzung geben, die ich womöglich auch auf die Watchlist setze, auch wenn ich das Game niemals spielen werde – zu uncharismatisch erscheinen mir die recht austauschbaren Kampfathleten, um hier einen Avatar übernehmen zu wollen. Mangels gut gemachter, phantastischer Actionfilme ist Mortal Kombat aber dennoch ein guter Lückenfüller. By the way: We are the Champions von Queen hätten die Sieger am Ende da noch grölen können – diese leise Selbstirone hätte ihnen gut getan.

Mortal Kombat (2021)

Love and Monsters

WENN DIE SCHNECKE SCHATTEN SPENDET

6,5/10


loveandmonsters© 2021 Netflix / Jasin Boland


LAND / JAHR: USA, AUSTRALIEN 2020

REGIE: MICHAEL MATTHEWS

CAST: DYLAN O’BRIEN, JESSICA HENWICK, MICHAEL ROOKER, ARIANA GREENBLATT, DAN EWING U. A. 

LÄNGE: 1 STD 49 MIN


Bevor man mutterseelenallein im postapokalyptischen Regen steht, ist immer irgendwo noch ein Hund aufzutreiben. Das beweist wieder mal: Hunde sind die besten Partner, wenn’s ans Eingemachte geht. In I Am Legend war Will Smith ohne Hund sowieso aufgeschmissen. Und selbst der junge Don Johnson wäre in A Boy and his Dog ohne selbigem nur ein Fressen für die Unterirdischen. Dieser Junge hier, den die Liebe aus den verrammelten Schlupflöchern unter der Erde geholt hat, kann sich ebenfalls bei seinem wild zugelaufenen Vierbeiner bedanken, sonst hätte ihn längst die Sumpfkröte geholt. In Love and Monsters muss man nämlich vor wirbellosen und Amphibien die Beine in die Hand nehmen, denn die sind gigantisch.

Extraterrestrische Invasoren? Mitnichten. Da hat wieder mal der Mensch nicht gewusst, welchen Kollateralschaden er da fabriziert, indem er mit Chemieraketen erfolgreich versucht hat, den herannahenden 2012er-Asteroiden zu verpulvern. Diese Chemie, die regnete dann wieder auf die Erde herab – auf die Köpfe der Insekten und Würmer und auf sonstiges, was das so kreucht und fleucht. Der junge Mittzwanziger Joel hat dabei seine Eltern verloren, wurde von seiner Freundin getrennt – und lebt jetzt als Minestrone-Koch in einem Bunker. Ab und an gibt’s Funkkontakt mit dem Herzblatt, doch irgendwann werden auch diese glücklichen Momente schal, wenn man selbiges nicht in die Arme nehmen kann. Also: das Zeug gepackt, die Armbrust geschultert und auf zur nächsten Kolonie. Sind ja nur 140 Kilometer. Zum Glück gibts Hunde (die nicht mutiert sind) und andere lebensmüde Wanderer, die den Weg kreuzen. Sonst könnte dieser Walk of Duty recht ungesund werden.

Dieses jüngst auf Netflix erschienene Abenteuer hat ja schon alleine durch sein kreatürliches Konzept bereits die eine oder andere Vorschusslorbeere aus meiner Hand empfangen dürfen. Als leidenschaftlicher Monster Fan und Creature Designer (ein eigener Bildband ist in Arbeit) will ich Filme wie diese selbstredend nicht verpassen. Allein der Trailer entzückte schon mit herzhaftem Tentakel-Teasing. Heraus kam letztlich ungefähr das, was zu erwarten war: eine Art Zombieland, nur ohne Zombies. Stattdessen mit Monstern, dessen Welteroberung seltsamerweise nicht durch die gewaltige Militärmaschinerie der Supermächte in den Griff zu bekommen war. Hinterfragen darf man die Entstehung dieses Ist-Zustandes nicht, leicht kann das Szenario wenig plausibel erscheinen. Doch das macht nichts – die sehr adrett in Szene gesetzte Landschaft mit bemoosten Panzern, Flugzeugen und verwachsenenen Windparks könnten aus einem Videospiel-Setting stammen – zwischen all dem Grün kämpft und hofft ein recht unbeholfener „Jungritter“ um und auf die Zweisamkeit, während enorm plastische und bis unters letzte Chitin-Segment ausgearbeitete Urviecher die goldene Wandernadel in weite Ferne rücken lassen. Das sind natürlich Gustostückerl, die auf großer Leinwand noch viel besser gekommen wären: agile Scolopender, gigantische Schnecken – ein Eldorado für den Zoologen von Morgen. Dabei macht es Spaß, Dylan O’Brien gemeinsam mit Michael Rooker fast schon im Stile eines Jules Verne-Abenteuers auf rustikale Art durchs Unterholz stiefeln zu sehen. Love and Monsters ist dann auch zum Großteil wie einer dieser hemdsärmeligen Klassiker guter, alter Survival-Phantastik. Gegen Ende allerdings verliert das Abenteuer seinen gemächlichen Drive und verbiegt sich zugunsten von noch mehr Action und einem recht erzwungen wirkenden Showdown, der gar nicht hätte sein müssen. Selbst darüber lässt sich dank des recht reizend agierenden O’Brien in seinem sympathischen Reifungsprozess zum Monster Hunter hinwegsehen – zu gern sieht einer wie ich den liebevoll ausgearbeiteten Gigantismus in natura wüten.

Dankenswerterweise erspart uns Love and Monsters so gut wie jedweden Beziehungskitsch, bleibt hingegen geradezu ernüchternd realistisch, was Liebe über Zeit und Raum angeht. Umso erfrischender wirkt der kurzweilige Trip mit seiner Prämisse, dass romantische Liebe zwar als Motivator dienen kann, längst aber nicht alles ist.

Love and Monsters

Raya und der letzte Drache

DRACHENSTEIGEN LEICHT GEMACHT

5,5/10


rayaletztedrache© 2021 The Walt Disney Company


LAND / JAHR: USA 2021

REGIE: DON HALL, CARLOS LOPEZ ESTRADA, PAUL BRIGGS, JOHN RIPA

MIT DEN STIMMEN VON (ORIGINAL): KELLY MARIE TRAN, AWKWAFINA, GEMMA CHAN, DANIEL DAE KIM, SANDRA OH, BENEDICT WONG U. A. 

LÄNGE: 1 STD 47 MIN


Prinzessinnen, wie wir und die ganze Familie sie kennen, sind out. Disney bringt den Paradigmenwechsel, nachdem sich der Gigamegakonzern dazu entschlossen hat, politisch unkorrekte Inhalte wie Peter Pan oder Dumbo endgültig zu streichen. Dumbo lässt sich jetzt vermutlich nur noch in der Tim Burton-Live-Act-Version genießen, es sei denn, man hat eine DVD des alten Klassikers daheim. Disney will hier – und muss schlussendlich – neue Statements setzen. Am besten gleich auf seinem Streamingkanal Disney+. Das eisfarbene Outfit der Eiskönigin darf Elsa nämlich ganz allein in ihrem geschnitzten Schränkchen hängen lassen. Denn jetzt, jetzt kommt Raya, ein wehrhaftes Mädel im Grunge-Look, mit wildem Haar und drauf und dran, in die Fußstapfen ihres Vater-Vorbildes zu treten, der etwas ganz Bestimmtes beschützt: den Drachenstein. Wie es dazu kommt?

Nun, vor 500 Jahren war in diesem Land namens Kamandra, das ein Fluss durchzieht, der aussieht wie ein chinesischer Folkloredrache, eine dunkle Macht namens die Druum über alles und jeden hergefallen. Amorphe Sphären, die nur so vor sich hin wabern, um dem Bösen nicht die Chance zu geben, auch nur in irgendeiner Form personalisiert zu werden, und um der Gefahr zu entgehen, bei den jüngeren Zusehern nicht irgendwelche Sympathien zu wecken. Punkt eins der taktischen Correctness. Jedenfalls hinterlassen diese Sphären sogar bei den Drachen, die bis dato für das Gleichgewicht in dieser Welt unabdingbar waren, nichts als steinerne Statuen. Ihre Restenergie ruht in besagtem Drachenstein, den nun, da Kamandra in einzelne Königreiche aufgesplittert ist, jeder für sich beanspruchen will. Beim Handgemenge kommt es zum Unvermeidlichen: der Stein zerbricht, jedes Land hat seinen Splitter, und Raya? Die muss, nach der Rückkehr der Druum, den letzten noch lebenden Drachen suchen – und finden – und mit ihm überhaupt die Welt retten.

Disney überlässt nichts mehr dem Zufall und sieht sich auch ob seiner Bedeutung am Filmmarkt in der Verantwortung, zeitgemäße Wertbilder zu vermitteln. Diese Bemühung lässt sich bei Raya und der letzte Drache nur schwer bis gar nicht verbergen. Das Fantasyabenteuer, welches in einem fiktiven Südostasien spielt, bedient sich, so wie schon zuvor in Vaiana, der bereits erprobten Vater-Tochter-Konstellation. Die Vaterfigur ist der Erziehende, die Mutter ist irgendwo oder war für Raya nie relevant. Das Mädchen selbst entspricht nicht mehr den Stereotypen weiblicher Teenies oder Idealbildern einer jungen Frau. Raya ist kämpferisch und hat ganz einfach die Hosen an. Ihre Antagonistin schlägt sich ebenfalls auf die gesellschaftspolitisch korrekte neue Seite: burschikos und mit Undercut, die weibliche Physiognomie wird fast zur Gänze verborgen. Selbst der Drache ist weiblich – und in seiner Menschengestalt ganz deutlich der Schauspielerin Awkwafina nachempfunden, die diesen auch im Original synchronisiert. Männliche Figuren treten lediglich in einer Form auf, die in keinerlei Konkurrenz stehen. Als Kind, als simpel gestrickter Haudrauf mit weichem Kern. Kraft ist noch männlich, Geschick eindeutig weiblich. Doch in der Art, wie das Weibliche interpretiert wird, wird Raya und der letzte Drache längst nicht nur mehr Resonanz bei den Mädchen finden.

Dieses bis ins Kleinste berechnete und durchgestaltete Konzept – taktische Correctness die Zweite – verleiht dem Film eine ermüdende Berechenbarkeit. Disney bleibt, anders als Pixar (ist ja auch schon Disney, bleibt aber weitgehend autonom) seinen Versatzstücken treu, was das Ausarbeiten griffiger Plots anbelangt. Im Abspann wird klar, wie viele Köche hier versucht haben, den Brei trotz allem nicht zu verderben. Diese Geschichte ist gefühlt hunderte Male um- und aufgebessert worden, bis alles seine akkurate Unproblematik hat. Das ist leider sehr spürbar, auch die finale logische Konsequenz des Filmes entbehrt einer gewissen Nachvollziehbarkeit. Das joviale Gerede des Drachen mit seinem Kumpel-Slang ist ebenfalls wieder ein sogenanntes Musst-Have zum Amusement innerhalb einer Story über Einheit, Brüderlichkeit und Vertrauen.

Animationstechnisch allerdings ist Raya und der letzte Drache erste Sahne. Eine erstaunliche, wunderschöne Bildsprache in satten Farben und frappantem Fotorealismus. Da kann man sich wirklich nur sehr schwer sattsehen, obwohl die Gesichter manchmal ein bisschen wächsern wirken. Dennoch State of the Art, würde ich sagen. Zur Art, wie Disney seine Messages verklickert, wären ein bisschen mehr künstlerische Freiheiten und weniger Verbissenheit in Sachen Message Control durchaus empfehlenswert. Aber auch das sollte nicht wieder zur heiligen Pflicht werden.

Raya und der letzte Drache

Resident Evil

MILLA´S CROSSING

5,5/10


resident-evil© 2002 Constantin Film Verleih


LAND / JAHR: GROSSBRITANNIEN, DEUTSCHLAND, FRANKREICH 2002

REGIE: PAUL W. S. ANDERSON

CAST: MILLA JOVOVICH, MICHELLE RODRIGUEZ, JAMES PUREFOY, ERIC MABIUS, MARTIN CREWES, HEIKE MAKATSCH U. A. 

LÄNGE: 1 STD 41 MIN


Wenn Ihnen eine Frau, die Sie noch nie gesehen haben (ein Kind der 80er, was soll ich tun), plötzlich die Knarre vors Gesicht hält, und Sie wissen nicht warum, dann leiden Sie vermutlich unter Gedächtnisverlust. Das Witzige dabei: Milla Jovovich geht’s ganz genauso. Nur ihr hält niemand die Knarre vors Gesicht. Viel lieber legt man der jungen Dame ein rotes Abendkleid mit einseitiger Beinfreiheit auf das gemachte Bett. Egal, Hauptsache etwas anzuziehen. Und so schlüpft das ehemalige fünfte Element (es sind 5 Jahre später) ins formschöne Outfit und wird der zomboiden Belegschaft eines Science-Bunkers zeigen, dass Gott dort längst nicht mehr unter Vertrag steht, sondern mittlerweile ganz woanders wohnt.

Resident Evil, die Mutter aller Verfilmungen dieses so erfolgreichen Games, hat damals, 2002, Jovovichs zukünftiger Gemahl Paul W. S. Anderson realisiert. Nach sich gezogen hat sich ein Rattenschwanz von gefühlt 30 Sequels (genauer gesagt sind es bislang nur 5), und die Fangemeinde hält sich wacker. Freut sich im Übrigen auch riesig, weil ja demnächst auf Netflix sowas wie eine Serie an den Start gehen soll, nebst einer animierten selbigen. In Raccoon City jedenfalls wird so schnell kein Lockdown stattfinden. Die eben erwähnte fiktive Stadt ist auch Schauplatz dieses wüsten Erstlings, der in einer nicht näher definierten Zukunft angesiedelt ist, in der Megakonzerne zwar nicht offensichtlich, aber dennoch das alleinige Sagen haben und in allen Sparten des öffentlichen Lebens mitmischen. In diesem Fall hat die Schirmherrschaft die sogenannte Umbrella Corporation, und um nicht groß aufzufallen, hat der Konzern tief unter der Erde ein Forschungslabor eingerichtet, den sogenannten Hive. Dort wird an Viren und Genen und sonstigem herumgedoktert und gepanscht, und klarerweise dauert es nicht lang, und so eine Phiole mit wütenden Organismen fällt zu Boden. Die Folge: Zombie-Apokalypse unter Tage. Milla muss her, im Gefolge auch James Purefoy (ein Mann, dem sie noch nie begegnet sind) und Michelle Rodriguez als kernige Soldatin, die auch Ridley Scotts Aliens das Wilde runtergeräumt hätte.

Liebling, ich schenke dir dein Action-Franchise: Der wohl schönste Valentinstag eines Filmemachers für seine Schauspielgattin. Das hätte mal John David Washington für Zendaya in Malcolm & Marie machen sollen, dann hätten wir uns den nächtlichen Streit erspart. Milla Jovovich hat das bekommen. Fast schon zwanzig Jahre hat der Film am mutierten Buckel – und das Action-Model strahlt wie am ersten Tag mit einer 7-Tage-Inzidenz von 0 und Nada. Nichts kann die Dame erschüttern. Sie kann kämpfen, Zerberusse vermöbeln und auch ganz gut mit der Axt umgehen. Jovovich ist ein Hingucker, wenn auch der Verdacht aufkommt – und das liegt vielleicht an der üblen deutschen Synchro – unsere Heldin ist nicht ganz bei der Sache, etwas zeitverzögert und ein bisschen angeleitet. Aber gut, ich wäre auch leicht verwirrt, würde ich rund 1 km unter der Erde einem Virus entkommen wollen. Außerdem muss Milla für ihre folgenden Sequels erst so richtig warmlaufen, also eine Art Heldengenese durchmachen, sich etablieren.

Resident Evil ist dann auch auch nur das, was auf der Packung in großen Lettern draufsteht – ohne Beipackzettel. Recht triviale B-Action, der 2 Jahre nach der Jahrtausendwende immer noch der Stil der 90er nachweht. So richtig hemdsärmelig, in die Hände gespuckt und stereotypisch. Das wirkt manchmal etwas derb und hanebüchen, mittlerweile gibt´s zu dem Thema weitaus Besseres. Allerdings ohne Milla 😉

Resident Evil

Mortal

SOWAS VON GELADEN

6,5/10


mortal© 2021 Ascot Elite Entertainment


LAND / JAHR: NORWEGEN, USA, GROSSBRITANNIEN 2020

REGIE: ANDRÉ ØVREDAL

CAST: NAT WOLFF, IBEN AKERLIE, PRIYANKA POSE, ARTHUR HAKALAHTI U. A. 

LÄNGE: 1 STD 40 MIN


In Skandinavien geht man Hand in Hand mit den Mythen, so ist das dort einfach. Egal ob Trolle, Feen oder überhaupt gleich Walhalla – für jede und jeden scheint da was dabei zu sein. Auf alle Fälle hält Regisseur André Øvredal ziemlich viel davon – er scheint von all dem Metaphysischen um ihn herum richtiggehend verzückt zu sein. Das hat schon sein Erstling Trollhunter bewiesen – eine findige wie originelle und vor allem auch stimmige Mockumentary über einen Mythenjäger und zwei Journalisten, die sich mit haushohen Kreaturen anlegen. Einen Ausflug ins Hollywoodkino hat Øvredal auch schon hinter sich – auf Einladung von Guillermo del Toro. Scary Stories to Tell in the Dark hat als Halloween-Mitternachtseinlage ziemlich gut funktioniert. Jetzt ist der Mann wieder retour und wühlt an den Wurzeln des Weltenbaumes Yggdrasil herum. Dabei ist ihm aber nicht danach, die alten Zeiten von Wikinger und Co wieder aufleben zu lassen. Er bleibt schön brav im 21. Jahrhundert und sichtet in seinem selbst verfassten Abenteuer einen jungen Mann, der gut und gerne Mitglied in Professor Xaviers Schule für Menschen mit besonderer Begabung sein könnte.

Dieser junge Mann namens Eric, gespielt von Nat Wolff (u.a. Margos Spuren), hat die gängige Physik aus dem Lehrbuch nicht ganz so im Griff wie er es gerne hätte. Da ist die Sache mit dem Feuer, mit der Hitze, mit den vielen Blitzen. Eric weiß nicht, wohin mit sich und seinem leuchtenden Arsenal, streunt durch Norwegens Wälder und bemüht sich, den Menschen fernzubleiben. Das klappt nicht – und bald liegt der erste Tote im Gras. Von der Polizei verhaftet, findet Eric in Psychologin Christine eine Person auf Augenhöhe, die ihm auch zuhört. Und die das Rätsel um all diese körperliche Energie zu ergründen versucht.

Mortal fühlt sich an wie die Origin-Story eines Superheldenfilms. Nur europäischer, nordischer. Weniger weltenrettend und für höhere Ziele kämpfend oder gar einen Finsterling die Stirn bietend. Protagonist Eric ist voll und ganz mit seinen Anomalien beschäftigt, die immerhin formschön, wie sich das für Wetterphänomene gehört, in Szene gesetzt sind. X-Mens Storm müsste sich langsam was überziehen. Mortal ist daher ein abenteuerlicher Trip in Richtung Familien- und Kulturgeschichte mit ansehnlichen Make-up- und Brandeffekten, den Øvredal aber fast ein bisschen zu brav erzählt. Weniger brav gebärdet sich das gängigen oder gewohnten Kinoerwartungen zuwiderlaufende Finale des Films. Hier zeigt Øvredal plötzlich mit aller finsterer Konsequenz, was er kann und wohin ihn seine phantastischen Spinnereien eigentlich führen können: in ein Ende, das eigentlich keines ist, sondern der Auftakt zu noch viel mehr. Auserzählt mag Nat Wolffs Genese aus meiner Sicht noch nicht sein. Oder doch? Dann wäre das ein mutiger, dramaturgischer Schachzug. Den sich zum Beispiel Hollywood im Mainstreamkino des Phantastischen sehr selten zutraut.

Mortal

Animal World

SCHERE, STEIN, PAPIER – DER FILM

5,5/10


animalworld© 2018 Netflix


LAND: CHINA 2018

REGIE: HAN YAN

CAST: LI YIFENG, MICHAEL DOUGLAS, ZHOU DONGYU, JIA CHI, ANLIAN YAO U. A. 

LÄNGE: 2 STD 12 MIN


Was man wohl am allerwenigsten bei einer Produktion wie dieser vermuten würde, wäre der Auftritt einer Hollywoodgröße wie Michael Douglas. Doch ja, der Mann hat sich tatsächlich hier eingefunden, in der verwirrenden Verfilmung eines Manga-Comics mit dem Titel Kaiji, die nichts anderes im Sinn hat außer das simple, aber energische und auch berechenbare Spiel Schere Stein Papier, für das man nichts anderes braucht als seine eigene Hand, zu verfilmen.

In Animal World sind das aber nicht Hände, die zum Spiel zugelassen werden, sondern dreierlei Sets besagter Karten, die das entsprechende Symbol zeigen. Wie es so weit kommt, dass Schere Stein Papier der einzige Ausweg aus einer existenziellen Not sein kann? Nun, im Zentrum des recht kruden Manga-Comic-Geschehens steht ein junger Mann namens Zheng, der seltsamerweise, sobald er in die Enge getrieben wird, zu einer Art Superheld wird. Das kann er aber nicht steuern. Und auch nicht die Wahl des Superhelden. Er wird zum Clown. Das kann aber wiederum nur er wahrnehmen. Gleichzeitig verwandelt sich seine Umwelt in eine Grottenbahn aus Monstern und Kreaturen, die sich ihm in den Weg stellen. Das alleine ist schon eine seltsame Ausgangssituation und erinnert an Szenen aus David Cornenbergs Naked Lunch. Hinzu kommt, dass Zheng einige Schulden zu bezahlen hat – an Michael Douglas eben. Der wiederum ist Besitzer eines obskuren Kreuzfahrtschiffs, an dessen Deck das Spiel Schere Stein Papier auf Leben und Tod gespielt wird. Und zwar von allen Schuldnern, die Douglas so angesammelt hat. Denn: Gewinnen sie dieses Spiel, sind sie schuldenfrei. Zheng bleibt nichts anderes übrig, als mitzumachen. Was seiner Freundin natürlich gar nicht gefällt.

Tricktechnisch und kameratechnisch ist dieses Fantasyabenteuer erste Sahne. Die Farben sind üppig, sie Slow-Motion-Einlagen mit ausgiebiger Huldigung an den zoom-Fokus auf tropfende Flüssigkeiten und fallende Gegenstände ein Augenschmaus sondergleichen, weil eben gut animiert, allerdings auch enorm überladen und überstilisiert. Als Zheng dann die Spielhalle des Todes betritt, ändert der Film seine Geschwindigkeit und auch seinen Rhythmus, dabei konzentriert sich Regisseur Han Yan vorwiegend auf den Mikrokosmos der Gambler, die hier ihr Glück versuchen. Die Karten kaufen und verkaufen und um jeden Preis berechnen wollen, wie man unter Garantie obsiegen kann. Spätestens da führen die rasant erklärten und schwer bis gar nicht nachvollziehbaren Gedankengänge der unglaublich toughen und scheinbar hochintelligenten Spieler einfach dazu, dem ganzen marktschreierischen Börsengezeter rund um Karten und Abzeichen (die sich anstecken lassen, sofern du gewinnst – und mindestens drei musst du am Ende des Spiels haben) außen vor zu lassen. Das macht dann keinen großen Spaß mehr, denn mit dem Unverständnis an der verschwurbelten Logik geht auch die Spannung flöten. Dann lieber doch wieder per Hand.

Animal World

Hexen hexen (2020)

ZEIGT HER EURE FÜSSE!

6/10


hexenhexen© 2020 Warner Bros. Pictures Germany


LAND: USA 2020

REGIE: ROBERT ZEMECKIS

CAST: ANNE HATHAWAY, OCTAVIA SPENCER, STANLEY TUCCI, JAHZIR BRUNO, CODIE LEI-EASTICK, CHRIS ROCK U. A. 

LÄNGE: 1 STD 45 MIN


Wie ekelhaft! Um eine Hexe zu erkennen, braucht es nicht viel. Sie müssen lediglich ihr Schuhwerk ausziehen. Denn Hexen, die haben gar keine Zehen. Wenn überhaupt, dann nur eine, und die ragt wie ein ausgestreckter Mittelfinger aus einem zehenlosen Fußballen hervor. Dieses noble Körperteil bleibt allerdings nur der Oberhexe vorbehalten. Und wer könnte diese sinistere, ekelhafte Matriarchin wohl am Besten spielen? Ann…jelica Huston. Kaum jemand, der Nicholas Roegs Klassiker nicht gesehen hat. Anjelica Huston, die sonst auch Morticia Addams treffend zu farbenfrohem Leben erweckt hat, ist als kinderhassende Antithese auf die nette Dame von nebenan schwer bis gar nicht zu toppen. Langes, schwarzes Haar, ein Charisma, das alle Anwesenden einen oder gar mehrere Schritte zurücktreten lässt. Mit sensenartiger Nase und massivem Kinn, dabei barhäuptig und von Krätze gezeichnet, schwört die Oberhexe all ihr Gefolge im Rahmen einer Konferenz zum Schutz gegen Kindesmisshandlung (wer’s glaubt) zur vollständigen Vernichtung aller Kinder dieser Welt ein. Blöd nur, dass dieses Treffen genau dort stattfindet, wo der namenlose junge Titelheld dieser Geschichte nach Roald Dahl mit seiner Oma Urlaub macht. Gier und Neugier machen allerdings diesem bösartigen Vorhaben einen Strich durch die Rechnung, auch wenn dann so manch einer auf die Maus gekommen sein könnte.

Der Rest von Hexen hexen ist längst Kult. Und Robert Zemeckis, Regielegende, für dessen Zurück in die Zukunft-Trilogie ich dem Mann ewig dankbar bin, weiß das auch. Dementsprechend bemüht sich der Filmemacher auch gar nicht sonderlich, sich von Nicholas Roegs Klassiker weit zu entfernen. Kleine verändernde Kniffe, die gibt´s schon. Zum Beispiel was Schauplatz, Diversität und das Ende der Geschichte betrifft. Diese neuen Extras rollen den Teppich aus für die größte Veränderung in dieser vergnüglichen, wenn auch selbstverständlich vorhersehbaren Fantasykomödie: Anne Hathaway. Ich denke nicht, dass die Gute auch nur eine Sekunde dabei gezögert hat, diese Rolle zu unterschreiben. In den Fußstapfen von Anjelica Huston treten, überhaupt endlich mal etwas ganz anders spielen. Etwas, das nicht gut, nicht schön, nicht politisch korrekt sein muss. Eine Hexe heben. Herrlich, dieser Spaß. Dementsprechend spiellaunig betritt sie als aufgedonnertes Make-Up-Schreckgespenst das Foyer des Hotel Imperial, Stanley Tucci mit John Waters-Gedächtnisschnauzer zeigt, was es heißt, gleichzeitig devot zu sein und die Gastgesellschaft hinter den Mond zu wünschen. Spätestens dann, wenn Hathaway ihre Hüllen, Handschuhe und sonstiges fallen lässt, kommt sogar ein bisschen grotesker Grusel auf, wenn das Grinsen der fiesen Tanten zwischen Joker und rabenschwarzer Nacht bis über beide Ohren geht. Kleine Kinder sollten sich das skurril-hämische Treiben lieber entgehen lassen. Alle anderen werden erschaudern. Wir Älteren klatschen diesem Mut zur Hässlichkeit, den Anne Hathaway an den Tag legt, gerne Beifall. Und staunen, was dieses dargestellte Wesen mit seinen Gelenken alles anstellen kann.

Mit der Oberhexe hat der Film seinen einzigen Trumpf aber längst ausgespielt. Alles andere huldigt mit mittelmäßigem Mäuse-CGI dem Abenteuer aus 1990. Sogar die dahinflitzende Kamera auf Augenhöhe, um sich an den Fersen der hetzenden Nager zu heften, hatte Roeg bereits ausprobiert. Aber immerhin schön, das Ganze nochmal auf großer Kinoleinwand zu sehen. Schön auch, dass Octavia Spencer als liebenswerte Oma das Herz aber sowas von am rechten Fleck hat. Sonst allerdings hat Zemeckis mit dem von Guillermo del Toro (der ursprünglich daraus ein Stop-Motion-Abenteuer machen wollte) und Alfonso Cuáron mitproduziertem Hexeneinmaleins tatsächlich nur solide Routinearbeit abgeliefert, die es nicht unbedingt gebraucht hätte, die als vollständige Animation womöglich besser dran und vielleicht auch etwas origineller gewesen wäre. Aber immerhin: wer zuletzt grinst, grinst am Besten.

Hexen hexen (2020)

A Babysitter´s Guide to Monster Hunting

OBACHT, DAS TRAUMMÄNNLEIN KOMMT

3/10


ababysittersguide© 2020 Netflix


LAND: USA 2020

REGIE: RACHEL TALALAY

CAST: TAMARA SMART, OONA LAURENCE, TOM FELTON, INDYA MOORE, MOMONA TAMADA, CAMERON BANCROFT U. A.

LÄNGE: 1 STD 34 MIN


Genau solche Titel sind wie gemacht für vielversprechende Gruselabenteuer mit Fantasy-Touch,  und erinnern fast schon an Douglas Adams Hitchhikers Guide through the Galaxy. Wie schon in der Gruselkomödie Vampires vs. the Bronx müssen auch hier unterschiedlich gealterte, letzten Endes vigilante Kids in quotenmäßig verordneter ethnischer Vielfalt die Welt vor der Verbreitung des Bösen retten. Basierend auf der dreiteiligen Buchreihe des Autors Joe Ballarini hat´s der erste Teil mal ins Halloween-Angebot von Netflix geschafft. Die Regie hat Rachel Talalay übernommen, am besten bekannt für ihre Comic-Verfilmung Tank Girl mit Lori Petty aus den Neunzigern. A Babysitter´s Guide to Munster Hunting birgt ja schon mal ein launiges Konzept, rein aus dem Bauch heraus. Die Ausgangssituation klingt zumindest mal so, als würde jemand Die Monster AG neu verfilmen, aus Sicht der Kinder und noch dazu als Live Action Movie. Dieser Eindruck weicht aber schnell wieder. Viel mehr geht’s – und das ist für Volksschüler vielleicht dann doch ein bisschen zu spooky, obwohl der Film eine Freigabe von 7+ bekommen hat – in Richtung eines Coming of Age-Sandmann-Abenteuers, in dem speziell begabte Kinder aus ihren Betten entführt werden, um Alpträume zu bekommen, die sich dann manifestieren und auf die gesamte Menschheit losgelassen werden sollen. Das wiederum ist ja fast schon auf dem Niveau eines Horrormärchens im Stile von Jean Pierre Jeunets und Marc Caros Die Stadt der verlorenen Kinder. So kunstvoll abgehoben wird’s dann aber auch nicht. Ganz im Gegenteil – obwohl sich das Fantasyabenteuer ganz gut anlässt, verliert es nach einer Sitcom-Länge Spieldauer wieder gehörig an Fahrt, obwohl es da eigentlich so richtig losgehen hätte sollen, und schleppt sich bis zum vorhersehbaren Finale seltsam hölzern dahin.

So wie bei Vampires vs. The Bronx hapert es hier vor allem an einer schlampigen Drehbuchadaption, die keinerlei dramaturgische Dichte aufweist. Hier wie dort glänzt der Cast durch ungelenkes Spiel im Dunstkreis von fahrigem Fernsehpragmatismus. Eine Auftragsarbeit im Schnellverfahren. Ob Rachel Talalay selbst glücklich ist über ihren fertigen Film? Kann ich mir kaum vorstellen. Überraschenderweise stiehlt sich Harry Potters schulischer Erzfeind „Draco Malfoy“ Tom Felton in das knallbunte Brimborium zwischen unechten Talente-Show-Kulissen und gewolltem Epic-Fantasy-Naturalismus, und zwar als Imitation der Tim-Burton-Kultfigur Beetlejuice, die aber längst nicht so viel liebenswerten Schabernack treibt wie seinerseits Michael Keaton. CGI-Hingucker sind die drei kartoffelähnlichen Mönsterchens mit schiefem Gesicht, die für etwas Esprit sorgen, doch sie sind fast auch schon die einzigen, die dem Begriff Monster-Hunting etwas abgewinnen. Weitere Kreaturen sucht man außerhalb der Schatten allerdings vergebens. A Babysitter´s Guide to Monster Hunting ist ein lahmes, nichtssagendes Abenteuer, abgespult und formelhaft. Für alle, die ein Trostpflaster nach dieser Ernüchterung suchen: Guillermo del Toros Animationsserie Trolljäger ist die mit Abstand bessere Alternative.

A Babysitter´s Guide to Monster Hunting

Walhalla – Die Legende von Thor

MYTHEN IM BAUMARKT

5/10

 

walhalla© 2019 Koch Films

 

LAND: DÄNEMARK, NORWEGEN, SCHWEDEN, ISLAND 2019

REGIE: FENAR AHMAD

CAST: ROLAND MØLLER, DULFI AL-JABOURI, CECILIA LOFFREDO, SAXO MOLTKE-LETH, STINE FISCHER CHRISTENSEN U. A. 

 

Wo der Hammer hängt, weiß einzig und allein der, dem wir unbewusst allwöchentlich gedenken, und zwar immer Donnerstags: Thor, der Sohn Odins und der Gott des akustischen Gewitters, der nichts ist ohne seinen Hammer, damit aber ein harter Brocken unter den Ewiglebenden, obwohl sich selbst Thor in dieser sehr erdverbundenen Mär rund um alte Wikingermythen den einen oder anderen Schiefer einzieht. Da hilft kein tätowierter Bizeps, da hilft kein Utensil aus dem transzendenten Werkzeugkasten. Da hilft vielleicht nur ein junges Mädchen, das der Versuchung nicht widerstehen kann, Asgard einen Besuch abzustatten. Aber wie kommts? Wie kommt ein Menschenkind in die Hallen der Götter? Dafür müssen Thor und sein Bruder Loki (ganz anders als Tom Hiddelston, aber auch ganz nett angelegt) erstmal einen Stopover an einem skandinavischen Bauernhof einlegen, und Loki daselbst kann es naturgegeben nicht lassen, die Menschleins mit seinen Intrigen zu manipulieren. Natürlich haben die dann den Salat: die Zugziegen Thors können nicht mehr weiter, der Hammergott zürnt und lässt sich maximal damit zufriedenstellen, den Bauerssohn als Wiedergutmachung mitzunehmen – als Mundschenk oder ähnliches, Verwendung wird sich schon finden. Schwesterchen Røskva, von Natur aus neugierig, will ebenfalls mit – und schummelt sich auf Thors Karren. Die armen Eltern, die plötzlich kinderlos dastehen. Aber was solls, ist doch alles Bestimmung – das Mädel wird noch wichtig werden, wenns darum geht, den wildgewordenen Fenriswolf (wir erinnern uns an Thor: Tag der Entscheidung) wieder einzufangen und die Riesen aus Udgard, die nicht viel größer sind als der Rest der Bewohner jenseits des Bifröst, an die Kandare zu nehmen.

Dänische Fantasy, wie sie stets gerne sein möchte: erdig, düster, unprätentiös und ein wenig mit der phantastisch-literarischen Welt einer Astrid Lindgren kokettierend. Die Erdlinge, so wild und zerzaust wie seinerseits Ronja Räubertochter. Die nordischen Gottheiten: Roland Møller (u. a. Unter dem Sand) als Thor wurde auf Werkeinstellung runtergefahren – ein bärbeißiger Handwerker im Vikings-Stil. Loki birgt Geheimnisse unter seiner Kapuze und Odin erinnert an so manch zauseligen Eremiten aus den Monty Python-Filmen. Ob die unfreiwillige Komik hier deplatziert ist, müssen wir den Regisseur Fenar Ahmad fragen, der unter anderem Darkland inszeniert hat. Überhaupt könnte die Darstellung von Asgard jeden Altwikinger ansatzweise vor den Kopf stoßen, so hinterwäldlerisch kommt das von allen Kriegern so angestrebte Walhalla daher. Ja, schöne Landschaften sind das allemal, aber die gibts in Midgard auch. Und wo die Menschenkinder ausharren müssen, da ist der nächste Heuschober nicht weit. Udgard hingegen gebiert Finsterlinge, die an die Schergen des Immortan Joe aus Mad Max: Fury Road erinnern. Alles in allem ganz schön ein Griff in das Säckchen Torfmull, das gerade mal zur Hand war.

Der lederwamsige Reigen mag ja optisch im Laufe des Abenteuers durchaus gefallen, im Gegensatz zu Marvels funkelndem Asgard hat diese Adresse hier schon bessere Zeiten erlebt. Die Story allerdings auch. Mag ja sein, dass Walhalla von allen Seiten bedrängt wird – doch das Konzept einer auserwählten Minderjährigen ist nichts, was hinter dem Opfertisch für die Asen hervorholt. Vorhersehbar wie schon lange nicht wechseln wir von einem zu überwindenden Level zum nächsten, wohlwissend, wie es enden wird. Das ist recht lieblos zusammenmontiert, birgt relativ wenig Magie und weckt, je mehr das Ende naht, immer weniger Interesse. Zu gewollt anders als Marvel, das Ganze. Zu wenig mythisch, da hilft der ganze Nebel nichts.

Walhalla – Die Legende von Thor

Monstrum

WHO LET THE DOG OUT?

5,5/10

 

monstrum© 2018 Koch Films

 

LAND: SÜDKOREA 2018

REGIE: HUH JONG-HO

CAST: PARK SUNG-WOONG, MYUNG-MIN KIM, KIM IN-KWON, WOO-SIK CHOI U. A. 

 

Bong Joon-Ho ist nicht der einzige Südkoreaner, der im Kino seine Monster versteckt. Mit The Host hatte er ein selbiges auf sein gleichsam verblüfftes wie begeistertes Publikum losgelassen, später wurden die Monster dann zu ganz normalen Menschen. Gegenwärtig scheinen Monster ins Reich der Legenden befohlen worden zu sein, wo sie in Monstrum auch hingehören. Kein wirklich ausgefallener Titel für einen Film, der von einem Monster erzählt, aber dafür macht er auch keine leeren Versprechungen. Dieser nationale Blockbuster, der einen Monat nach seiner Premiere im Kino bereits online zu streamen war, dreht die Uhr um einige Jahrhunderte zurück – wir befinden uns im Mittelalter nämlichen Landes, genauer gesagt im Jahr 1527 zur Zeit der Joseon-Dynastie. Und wie es zu diesen Zeiten oft der Fall war, wüten gerade irgendwelche Epidemien, schlimmstenfalls die Pest. Die suhlt sich also am Ende der Befehlskette, und könnte auch irgendetwas mit seltsamen Begebenheiten aus der montanen Wildnis zu tun haben. Ein Monster, so sagt man, geht um. Und der Kaiser befiehlt, einen Trupp loszuschicken, seine besten Krieger und auch noch solche, die früher mal gedient haben und in Ungnade gefallen sind. Persona non grata hin oder her, manche können einfach gut kämpfen, und wieso sollte man sie nicht wieder rekrutieren. Für ein blutrünstiges Ungeheuer reicht es allemal.

Interessanterweise wurde der Film durch einen Eintrag in den Annalen nämlicher Dynastie inspiriert – kann also sein, dass Sichtungen unbekannter Tierarten die Fantasie der Leute beflügelten. Von nichts kommt natürlich nichts, und wir haben es hier mit diesem Ungetüm auch mit einem – vorrangig bei Touristen oder Asia-Kennern – alten Bekannten zu tun. Doch nein, es ist nicht Godzilla, keines dieser Kaijus. Ihr kennt doch sicher alle diese drachenähnlichen Tempelhunde, die als steinerne, hölzerne oder aus Porzellan gefertigte Wächter sämtliche Portale asiatischer Heiligtümer flankieren. Richtig, das sind sogenannte Haitais, in China nennt man die Xiezhi. Endlich hat solch ein kultiger Geselle auch seinen eigenen Film bekommen, und er darf wüten und brüllen und Menschen zerreißen und was weiß der Teufel was sonst noch alles. Ein gepflegter, groschenromanartiger Fantasyfilm ist das geworden, jedenfalls feine Ausstattung, tolle Gewandungen und gut getrickst. Intrigen gibt’s auch, wie immer am Hof der Mächtigen. Ist nun mal so ein Monster da, kann es natürlich auch für sinistere Zwecke missbraucht werden, denn der Tempelhund per se ist ja prinzipiell nicht vorsätzlich bösartig. Vielleicht krank, vielleicht einsam… näheres wird man herausfinden.

Insgesamt aber bietet Monstrum kaum etwas Neues, außer Haitai eben. Weder ist das Abenteuer sonderlich spannend, noch hat es das gewisse Etwas. Pro- und Antagonisten sind austauschbare Stereotypen aus einem Genre vom Fließband. Aber immerhin: wer statt auf Mantel- und Degenfilme auf lederne Schuppenpanzer- und Schwerterfilme steht, kann darin sein Glück finden. Und bevor Monster-Nerds alle Monster ausgehen, wäre der Streifen auch für sie ein gefundenes Fressen.

Monstrum