Amundsen

IMMER DER ERSTE SEIN

5/10

 

amundsen© 2019 Ascot Elite

 

LAND: NORWEGEN 2019

REGIE: ESPEN SANDBERG

CAST: PAL SVERRE VALHEIM HAGEN, KATHERINE WATERSTON, CHRISTIAN RUBECK, TROND ESPEN SEIM U. A.

 

Am 14. Dezember des Jahres 1911 erreichte der Norweger Roald Amundsen den Südpol – als erster Mensch. Und was ihm noch gelang: die Konkurrenz aus Großbritannien um Tage, wenn nicht gar Wochen zu überholen. Robert Falcon Scott fand am Südpol lediglich einen Brief des verhassten Norwegers, den dieser für den Nachzügler zurückgelassen hatte. Was für eine Schmach – nicht erster sein zu können! Zweiter ist zumindest der erste Verlierer, wenn man so will. Ist man kein Pionier mehr, ist alles andere nicht mehr relevant. Scott ist genau das passiert – und hat noch dazu, nicht aber aufgrund dessen, mit dem Leben bezahlt. Amundsen hingegen hat es richtig gemacht, er hat sich an den Lebensweisen der Inuit orientiert, dessen Tipps und Tricks auf seinen früheren Expeditionen durch den Norden wie das Einmaleins auswendig gelernt. Amundsen war also der erste und mit diesem Erfolg könnte er sich schon längst zur Ruhe setzen, so viel Ruhm in Sachen Weltentdeckung bekommen im beginnenden zwanzigsten Jahrhundert nur noch wenige auf die Reihe. Doch Amundsen ist ruhelos, er will auch der Erste sein auf anderen Missionen.

Schade, dass das norwegische Entdeckerdrama Amundsen nicht hierzulande im Kino lief. Regie führt bei dieser Biografie Espen Sandberg, der gemeinsam mit Joachim Rønning das Pazifik-Abenteuer Kon-Tiki (nach den Erlebnissen Thor Heyerdahls) und später dann den weniger gelungenen Jack Sparrow-Aufguss Pirates of the Carribean – Salazars Rache inszenieren durfte. Das beide eine Vorliebe für Expedition und Abenteuer haben, liegt auf der Hand. Amundsen war also nur noch eine Frage der Zeit. Gewunschen habe ich mir die Verfilmung des Wettlaufes zum Südpol schon eine ganze Weile, ungefähr so wie ich mir das Abenteuer des James Cook schon ewig wünsche. Zumindest ist der eine Wunsch nun in Erfüllung gegangen – was aber nicht heißt, dass Sandberg genau das inszeniert hat, was ich mir vorgestellt hätte. Denn der Wettlauf zum Südpol, der schrumpft in dieser über mehrere Jahre erzählten Lebensgeschichte wie schmelzendes Eis bei Plusgraden zu einer zwar relevanten, aber verschwindenden Fußnote zusammen. Rechnet man die Episode aus dem Film heraus, bleiben immer noch ungefähr eineinhalb Stunden übrig, die von einem Menschen erzählen, der für die Geographie und Wissenschaft zwar vieles vollbracht, aber in einigen, persönlichen Dingen auch ziemlich versagt hat. Und dieses periphere Auf und Ab eines Entdeckerlebens, das freilich piekfein fotografiert und ordentlich ausgestattet ist, dümpelt irgendwie antriebslos im Fahrwasser eines menschengemachten Meilensteins, von dem ich gerne mehr gesehen, mehr erfahren und den ich ebenso aus der Sicht seines Rivalen Robert Falcon Scott ganz und gar nicht uninteressant gefunden hätte. Natürlich, dann würde der Film nicht Amundsen heißen, sondern einfach nur Wettlauf zum Südpol, doch Biografien lassen sich am besten erörtern, wenn eine prägnante Episode aus der Vita dieser Persönlichkeiten als stellvertretend für ein ganzes Leben interpretiert werden kann. Das war eigentlich bei Kon Tiki so. Das gelang auch bei ganz anderen Berühmtheiten wie zum Beispiel My Week with Marylin oder Life. In Amundsen hat Sandberg keinen wirklichen Fokus. Er macht es sich insofern einfach, da er von Kindheit an bis zum Tod eine stringente Biografie verfasst – die sich anfühlt wie ein auf Fakten basierender Nachruf, wie ein „In Memoriam“ mit jeder Menge Details und einer allzu akkuraten Gewissenhaftigkeit in der Durchzählung sämtlicher Wegbegleiter des Norwegers, die aus dem Stoff einen recht gedehnten, allzu oft gleichklingenden und durchaus spröden Eventfilm machen und wo sich zahlreiche Männer mit Bärten zum Verwechseln ähnlich sehen.

Dass Biografien wie diese auf die relativ uninspirierte Art des chronologischen Durchblätterns wohl am schlechtesten funktionieren, sollte aus der Filmgeschichte eigentlich schon zu lernen sein. Alles in allem bietet Amundsen jede Menge Extreme, aus dem die Helden sind, ob mit Husky, Flugzeug oder Zeppelin. Diese Extreme aber sind Fußnoten, die jede für sich schon ein eigener Film wäre, komprimiert aber auf zwei Stunden ein solches Leben jedoch nicht fassen können.

Amundsen

Mister Link – Ein fellig verrücktes Abenteuer

EIN AFFE UND GENTLEMAN

7/10

 

misterlink© 2019 eOne Germany

 

LAND: USA, KANADA 2019

REGIE: CHRIS BUTLER

MIT DEN STIMMEN VON (ORIGINAL): HUGH JACKMAN, ZOE SALDANA, ZACH GALIFIANAKIS U. A.

DEUTSCHE SYNCHRO: CHRISTOPH MARIA HERBST, BASTIAN PASTEWKA, COLLIEN ULMEN-FERNANDES U. A.

 

Puppen kann man auf unterschiedlichste Art und Weise tanzen lassen. Muppets und Fraggles waren in diesem Fall Handfigur und Marionette zugleich. Rolf Rüdiger ist überhaupt nur Hand, und auch der Kasperl versteckt sich ungefähr um die Leibesmitte hinter einem Guckkasten. Anders die Puppen der Laika-Studios. Die haben weder Schnur, Hand oder Stange, die haben die Zeit auf ihrer Seite. Nämlich eine, die sich anhalten lässt, je nach Belieben. Das nennt man in Fachkreisen Stop-Motion, das ist die Methode, um leblose Puppen über oder durch Dioramen schreiten zu lassen, die mit Hingabe und bis ins Detail aufgeputzt sind. Von den welken Blättern des Waldes bis zur Miniaturzeitung, die in fürsorglich ausgestatteten Interieurs per Puppenhand durchgeblättert werden. Wenn man Filme von Laika sieht, sollte nicht vergessen werden, welche Leidenschaft, Akribie und auch nerdige Besessenheit dahintersteckt, im Zeitalter von CGI und Motion-Capture so etwas überhaupt noch auf die knorrigen Puppenbeine zu stellen. Weil Stop-Motion einfach ein Handwerk ist, ein perfektioniertes Handwerk, so wie das Malen von Bildern mit Pinsel und Pigment in Zeiten von Photoshop. Und bei Betrachten des fertigen Werks möge der Weg bis zum Ziel, der als Prozess alleine schon wieder ein eigenes Werk darstellt, nicht ganz in Vergessenheit geraten.

Unter diesen Gesichtspunkten lässt auch der ganz neue Streifen rund um einen Kryptozoologen und seinem Affenmenschen durchaus in Staunen versetzen, wenngleich nicht alles, was zu sehen ist, analogen Ursprungs ist. Wellenberge oder die Kulisse des Himalaya-Plateaus sind nur ein paar der ergänzenden Elemente, die natürlich am Rechner entstanden sind. Das macht aber nichts, CGI ist nicht zwingend etwas, dem der unangenehme Beigeschmack einer Mogelei anhaften sollte. CGI ist nicht minder eine Kunstform, und wenn sie wohldosiert dazu verhilft, die Illusion einer völlig autarken Puppenwelt zu vollenden, ist das ein Teamwork, das gelingt, solange der Computer dem Gebärden der erzählenden Figuren nicht die Show stiehlt. Keine Sorge, denn das passiert hier nicht. Die Charaktere, die sich in einem alternativen irdischen 19. Jahrhundert über die Evolutionslehre eines Charles Darwin wundern und Nessie auf der Spur sind, in der sich so was wie die National Geographic Society, die Elite der Weltenentdecker, auf arrogante Art über alle anderen stellt, haben in ihren wächsernen, spitznasigen und rotwangigen Gesichtern ein breites Repertoire an Ausdruck zu bieten. Und wenn Mr. Link dann die Lichtung betritt, findet ein herrlich feiner, distinguierter Humor Einzug auf der breiten Bühne eines Filmstudios, wo Kamerakräne ihre Runden drehen und hunderte Fingerspitzen all die herrlichen Kreationen antauchen, um sie fühlen, denken und träumen zu lassen.

Mister Link, der träumt davon, nicht mehr allein zu sein. Nachdem Mr. Lionel Frost nach seinem versemmelten Versuch, einen Beweis für Nessie zu erbringen, dem Brief eines Unbekannten nachkommt, der die Sichtung eines Sasquatch (Bigfoot, Skunk Ape, alles dasselbe) verspricht, muss er feststellen, dass das so genannte Missing Link über Sprache, abstraktem Denken und Höflichkeit verfügt. Auf dem gemeinsamen Weg nach Shangri-La, wo Mr. Link auf die winterfelligen Verwandten der Yetis zu treffen erhofft, müssen sie allerlei Abenteuer bestehen, muss der allzu menschliche Primat vieles zu wörtlich verstehen und für Krokodilstränen treibenden Humor verantwortlich sein, der den Film wohl zu einem der lustigsten Trickeskapaden der letzten Zeit werden lässt. Die Qualitäten von Mister Link liegen eindeutig beim missverständlichen Verständnis einer viel zu großen Welt, welcher der letzte seiner Art ausgesetzt sein wird. Mit ihm besteht ein erst egomanischer, dann geläuterter Möchtegern-Entdecker Abenteuer, die aus der Feder von Jules Verne kommen könnten. Altmodisch ist das, natürlich, und auch durch die Bank bekannt, was das Szenario natürlich sehr berechenbar und kaum zur Wiege dramaturgischer Wendungen macht. Mister Link ist, was es am besten kann, nämlich auf humorig vorgestrige Art ein Stück animiertes Reisekino zu sein, für Trickfilmfans und Familien, und jenen, die Phileas Fog, Charles Darwin und Russel Wallace gerne schon mal allgemeinbildene Achtung geschenkt haben. Vor Mister Link himself lässt sich nämlich auch bequem der Zylinder lüpfen, so einnehmend charmant ist der schräge evolutionäre Sonderling – mit mehr Manieren als manch ein Homo sapiens.

Mister Link – Ein fellig verrücktes Abenteuer

Der Schamane und die Schlange

DIE METAPHYSIK DES DSCHUNGELS

7,5/10

 

schamane

REGIE: CIRO GUERRA
MIT JAN BIJVOET, NILBIO TORRES, BRIONNE DAVIS

 

Wenn du lange genug in den Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.

Was Friedrich Nietzsche zur Fatalität der Faszination für das Schreckliche und Unbegreifliche zu sagen hatte, lässt sich genauso auf einen Kosmos anwenden, der unserer Welt inhärent ist und für den Menschen nicht minder furchterregend wie schön zu sein scheint – der Dschungel. Das Königreich aller tropischen Ökosysteme ist zweifelsohne das unendliche grüne Meer des Amazonasbeckens. Eine undurchdringliche, lebensfeindliche Wildnis voller Mythen, Legenden und unerklärlicher Vorkommnisse. Betritt man den Regenwald, scheint man in eine andere Dimension zu fallen. Was beginnt, ist nicht nur eine Reise durch ein geografisches Labyrinth, sondern auch eine Odyssee tief in die eigene Psyche. Bei der man verlorengehen kann wie Colonel Fawcett Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, verfilmt unter dem Titel Die versunkene Stadt Z, mit Charlie Hunnam als besessenem Entdecker. Oder dem Wahnsinn verfällt, wie der Konquistador Lope de Aguirre, beklemmend dargeboten von Wirrkopf Klaus Kinski in Werner Herzog´s Aguirre – der Zorn Gottes. Reisen wir etwas weiter östlich, über den Atlantik, landen wir im Regenwald des Kongobeckens. Die wohl bekannteste Odyssee in den Dschungel ist wohl Joseph Conrads Erzählung Herz der Finsternis, später von Francis Ford Coppola mit Apocalypse Now in den vietnamesischen Dschungel übertragen. All das sind Chroniken verhängnisvoller Expeditionen, aus denen die grüne Hölle als zivilisationsfeindliches, verschlingendes Dickicht hervorgeht.

Der kolumbianische Regisseur Ciro Guerra schafft es, dem Regenwald nicht nur den Irrsinn abzuringen, sondern auch jene Bedeutung, für welche die grüne Lunge neben all der Artenvielfalt ohnehin auf ewig erhalten werden soll. Nämlich die Bedeutung des Wissens. Der Wald, so unendlich groß und unerforscht, beherbergt ganze Apotheken. Nicht vorzustellen, wie viele Arten unbekannter Pflanzen und deren Wirkung noch auf ihre Entdeckung warten. So wie die geheimnisvolle Pflanze namens Yakruna. Ein unerhört seltenes botanisches Juwel von ebenso unerhörter Wirkungskraft, auf deren Suche man sich macht. Guerra erzählt in seiner beeindruckenden Parabel aus dem Tagebuch des tatsächlich gelebten Anthropologen Theodor Koch-Grünberg, aber auch von dem Biologen Richard Schultes. Auch diesen hat es tatsächlich gegeben, seine Darstellung in Der Schamane und die Schlange ist aber fiktiv. Verbunden werden die beiden Charaktere, die zeitlich rund 40 Jahre auseinanderliegen, von einem Schamanen, der nicht die Pflanze, aber sich selbst und seine Bestimmung wiederfinden muss. Er begleitet sowohl den einen als auch den anderen auf eine metaphysische Reise in ein ganz anderes Herz der Finsternis. In eines, in welchem die Finsternis den Zustand von Raum und Zeit, von Ich-Identitäten und Tier-Identitäten aufhebt. In hypnotischem Schwarzweiß erlebt der Zuseher eine meditative Reise auf versteckten Pfaden der Indianer, auf engen Flussläufen und Kreuzwegen religiöser Fanatismen. Wie Ciro Guerra es schafft, seine anthropologische Zivilisationskritik mit derart wenig persönlichem Comment zu überlagern, ist erstaunlich. Seine Darsteller, seine Bilder sprechen für sich. So, als würde der Film seinen eigenen Weg bis ans Ziel finden, ohne richtungsweisende Anstupser von außen.

Der Schamane und die Schlange ist ein abgekapselter Kosmos, der zugedröhnt wirkt wie die Filme von Werner Herzog, aber auch die unendliche Rätselhaftigkeit zelebriert wie der Thailänder Apichatpong Weerasethakul. Das Publikum muss nicht alles verstehen, nicht mit Worten. Es soll den Film begreifen, eher mit Gefühlen. Darauf lässt sich Guerra ein – und gewinnt. Da der Regisseur seinen Film treiben lässt wie eine Piroge am Wasser, kann er seine verzweifelten Botschaften viel intensiver transportieren, ohne dabei anzuklagen. Wenn am Ende der Biologe Schultes eine ähnliche transzendente Erfahrung macht wie David in 2001: Odyssee im Weltraum, hat nicht nur dieser seinen Weg zurück zu den Wurzeln gefunden. Auch jene, welche die Unberechenbarkeit terraner Wildnis fasziniert, werden erkennen, dass der Regenwald längst mehr ist als nur die Anzahl seiner Wurzeln und atmenden Geschöpfe.

Der Schamane und die Schlange

Die versunkene Stadt Z

DEN DSCHUNGEL IM KOPF

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cityz

2010 veröffentlichte der amerikanische Journalist David Grann ein Buch, das sich kurzerhand in meiner Hausbibliothek wiederfinden durfte, da meine Vorliebe für Entdeckergeschichten aller Art eine ist, die man nur schwer oder gar nicht unterdrücken kann.

In seinem fein säuberlich recherchierten und spannend geschriebenen Tatsachenbericht Die versunkene Stadt Z hat sich Grann einem der letzten Mysterien der Neuzeit angenommen: dem Mythos rund um Colonel Percy Fawcett, Vater von drei Kindern, Kartograph, Abenteurer und Militarist. Der leidenschaftliche Perfektionist hat sich Anfang des 20. Jahrhunderts, während einer Flussvermessung im Grenzgebiet zwischen Bolivien und Brasilien, in den Kopf gesetzt, auf Basis spärlicher archäologischer Spuren dem Geheimnis einer goldenen Stadt nachzugehen, die im unbekannten Dickicht Amazoniens immer noch auf ihre Entdeckung zu warten schien. Eine gescheiterte Expedition und ein ganzer Weltkrieg später macht sich Fawcett erneut auf den Weg. Gemeinsam mit seinem nun fast schon erwachsenen Sohn, um endlich Gewissheit zu erlangen. Diese letzte Reise wird eine Irrfahrt ohne Wiederkehr.

Wer sich für Geografie, Entdeckungsgeschichte und Archäologie interessiert, wird die dramatischen Ereignisse ziemlich sicher kennen. Grann´s Buch zu lesen ist fast so, als würde man selbst auf die Suche gehen nach jemandem, der wie vom Erdboden verschluckt wurde. Das Spannende: noch Jahrzehnte später haben sich, finanziert mithilfe des Vermögens von Fawcetts Ehefrau, Abenteurer auf den Weg gemacht, die Verschwundenen zu finden, was fast noch aufregender ist als die verhängnisvolle Odyssee an sich. Damals schon, 2010, war auf dem Klappentext des Buches davon die Rede, dass Brad Pitt demnächst in der Verfilmung von Fawcett´s Leben die Hauptrolle übernehmen wird. Klar, dass ich der Sache nachgegangen bin, doch nichts dergleichen ließ sich im Internet finden. Fast 7 Jahre später kam sie dann – die Verfilmung. Ohne Brad Pitt, oder zumindest nur als Produzent, während Regisseur James Gray (Two Lovers, Helden der Nacht) den charismatischen Newcomer und Sons of Anarchy-Star Charlie Hunnam in Szene setzen durfte. Und seit den letzten Filmen mit Brad Pitt bin ich froh, dass jemand anders als der medienmüde Ex-Ehemann von Angelina Jolie diese prägnante Charakterrolle übernommen hat. Hunnam ist der ideale Kandidat. Und das nicht, weil er dem jüngeren Brad Pitt zum Verwechseln ähnlich sieht. In seiner Rolle als Col. Fawcett gibt sich der charismatische Blondschopf ausdrucksstark, draufgängerisch, konzentriert und vor allem eines: diszipliniert. Genau diese Charaktereigenschaften schreibt David Grann, beruhend auf Fakten, auch der realen Person des Percy Fawcett zu. Wenn der fürs Kino adaptierte Fawcett mit konzentrierter, überlegt betonter und leiser Stimme seine Überzeugungen kundtut, gibt es selbst für uns Zuseher keinen Zweifel mehr, dass an der Sache mit El Dorado nicht doch etwas dran sein muss. Dank Hunnam wird die biografische Vorlage des Buches lebendig. Dabei beeindrucken nun weniger die stimmungsvollen Aufnahmen aus dem Dschungel, die man zwar gerne, aber oft schon gesehen hat, als vielmehr die Schauspieler, die den vergangenen Ereignissen greifbares Leben einhauchen. Die wandelbare Sienna Miller trägt da ebenso ihren Teil dazu bei wie Ex-Edward Cullen Robert Pattinson, der immer noch vehement gegen die Twilight-Strömung schwimmt und sich mit Rauschebart bis zur Unkenntlichkeit gegen den Strich besetzt.

James Gray schafft es, mit Die versunkene Stadt Z das Sachbuch von David Grann geschickt zu dramatisieren. Spekulatives Beiwerk lässt er außen vor und konzentriert sich auf das Wesentliche – auf die Lust und die Gier, Geheimnisse zu entmystifizieren. Auf den egomanischen Dschungeltrip durch die Psyche eines unruhigen, ruhelosen Geistes.

 

 

Die versunkene Stadt Z