The Running Man (2025)

WENN WUTBÜRGER HAKEN SCHLAGEN

6,5/10


© 2025 Constantin Filmverleih


LAND / JAHR: USA, VEREINIGTES KÖNIGREICH 2025

REGIE: EDGAR WRIGHT

DREHBUCH: EDGAR WRIGHT, MICHAEL BACALL, NACH DEM ROMAN VON STEPHEN KING

KAMERA: CHUNG CHUNG-HOON

CAST: GLEN POWELL, JOSH BROLIN, COLMAN DOMINGO, LEE PACE, KATY O’BRIAN, DANIEL EZRA, KARL GLUSMAN, MICHAEL CERA, JAYME LAWSON, EMILIA JONES, WILLIAM H. MACY, DAVID ZAYAS U. A.

LÄNGE: 2 STD 13 MIN


Gewichtige 38 Jahre nach Arnold Schwarzenegger im Ganzkörper-Radleroutfit hechtet nun ein sichtlich weniger aufgepumpter, aber immer noch äußerst sportiver Publikumsliebling durch ein dystopisches Amerika, das sich den Leitsatz an die Fahnen geheftet hat: The Show must Go on. Wenn also alles andere schon den Bach runtergeht, und womöglich die dritte und wohl verheerendste Amtszeit eines Donald Trump mich Ach und Weh überstanden wurde, haben die Staaten so gut wie nichts, womit sie sich Zuversicht leisten können. Was bleibt, ist das liebe Fernsehen, das überraschend analog daherkommt und Live-Shows bietet, als wäre man immer noch in der Ära von Wetten dass…?.

Zerstreuung wie im alten Rom

Tatsächlich dürfte im neuen Aufguss von The Running Man in diesem wohlgestalteten gesellschaftspolitischen Nirgendwo das Programmfernsehen zurück sein, um wie schon seinerzeit als Straßenfeger das zerstreuungsgierige Volk vor die Flimmerkiste zu locken. Diesmal flimmern die Shows sogar auf ganzen Hauswänden, man bräuchte eigentlich nur den Blick heben und ist  mittendrin in diesem Show-Wahnsinn, der seine schönste Eskapade nicht in den Spielen von Panem findet, auch nicht im Inselkampf Battle Royale (der ja vorher da war, wie wir nicht erst seit Tarantino wissen) und auch nicht während eines Todesmarschs (The Long Walk), bis der letzte wegknickt. Hier gibt es Freiwild, und dieses wird gejagt. Von einer Killer-Elite, oder vielleicht auch von tötungshungrigen Zivilisten, die zu viel The Purge gesehen haben. Dieses Freiwild ist unter anderen Ben Richards – der in Sachen Show wohl lieber sanftere Töne anschlagen wollte und nun mittendrin in der Show aller Shows steckt, wo die mangelnde Aussicht auf Erfolg Richards Frau mit dem Gedanken spielen lässt, als alleinerziehende Mutter weiterzustrudeln. Doch Geldnot verlangt den Pakt mit dem Teufel, und so muss Richards hauptsächlich eines: Untertauchen, ab und an ein Lebenszeichen von sich geben. Davonlaufen, wenn‘s knapp wird. Oder aber den Gegner um die Ecke bringen.

Do the Wright Thing

Jahrzehnte ist es her, da hat Stephen King unter dem Pseudonym Richard Bachmann neben The Long Walk eine weitere TV-Show-Dystopie verfasst. Wer hätte gedacht, dass für den Reboot mit dem smarten Schönling Glen Powell nun einer wie Edgar Wright auf dem Regiestuhl Platz nimmt – womöglich handelt es sich hier weniger um ein Projekt auf dessen Wunschliste, sondern eine gut bezahlte Auftragsarbeit weit jenseits der Originalität, die man von der Cornetto-Trilogie gewohnt ist. The Running Man ist ja schließlich auch kein Autoren- oder Independentfilm, sondern eine stattliche Studioproduktion, wo viele VIPs mitzureden haben und dann auch ihren Senf dazugeben, weil künstlerische Freiheit ja nichts ist, was sich zwingend gut verkaufen lässt. Genau das ist mehr als nur bemerkbar. Wäre es nicht Edgar Wright, wäre es jemand anders gewesen, und den Unterschied hätte, bis auf einige Szenen britisch-sarkastischen Teatime-Humor, niemand bemerkt. Was aber alles nicht heisst, dass The Running Man ein schlechter Film ist. Immerhin gelingt ihm eines: Gut zu unterhalten.

Der nahbare Sozialheld

Weder hat das Remake repetitive Szenen noch zum Augenrollen verleitende Szenen, die nicht mehr sind als Lückenfüller. Wright hält die Zügel straff, Action und Thrill in gesunder Balance und den Rest erledigt Powell. Mit dem Zynismus eines Wutbürgers, der statt nichts eben viel zu verlieren hat und der wie ein Berserker manchesmal in völliger Todesverachtung wie einst Bruce Willis im Nakatomi Plaza vor den Schießeisen der Killerbrigade herumtanzt, um doch noch zu entwischen, lässt Powell den trockenen Achtziger-Helden im Feinripp fast schon wiederauferstehen. So gesehen wäre damals vielleicht sogar wirklich einer wie Willis die bessere Wahl gewesen, weil hemdärmeliger, nahbarer und geerdeter als Arnie. Mit solchen Typen solidarisieren sich Action-Afficionados durchaus gerne, der Typ hat Sympathie, das Herz am rechten Fleck, und hat auch die Dreistigkeit eines Revoluzzers, den Mächtigen voller Inbrunst die eine oder andere – wie sagt man so schön – Gosche anzuhängen. Mit „Ich bin noch hier, ihr Kackfressen“ schlägt diese Jetzt-erst-recht-Manier wie „Yippie-Ya-Yay, Schweinebacke!“ auch aufs Publikum um, und schließlich will man wissen, zu welchen geradezu übermenschlichen Fähigkeiten der Knabe noch fähig sein wird.

Dass es am Ende stets zum obligaten Showdown kommen muss, nimmt dem ganzen etwas die Spontaneität, weil es dann doch so aussieht, als wäre vieles allzu konstruiert. The Running Man inhaltlich so aufzublasen, damit die Kritik an der Unterhaltungsindustrie nicht versandet, ist löblich, aber wäre im Endeffekt gar nicht notwendig gewesen. So haben wir wieder – im Gegensatz zum weitaus mutigeren The Long Walk – einen aufgestempelten Paradigmenwechsel, der aber mit gerechter Wut die mittlerweile auch im realen Leben existierende Konzern-Ohnmacht abwatscht.

The Running Man (2025)

Sisu: Road to Revenge (2025)

ICH UND MEIN HOLZ

5,5/10


© 2025 CTMG, Inc. All Rights Reserved.


LAND / JAHR: FINNLAND 2025

REGIE / DREHBUCH: JALMARI HELANDER

KAMERA: MIKA ORASMAA

CAST: JORMA TOMMILA, STEPHEN LANG, RICHARD BRAKE, EINAR HARALDSSON, JAAKKO HUTCHINGS, SANDY E. SCOTT, ERGO KÜPPAS U. A.

LÄNGE: 1 STD 28 MIN



Das Bahnhofskino hat wieder eröffnet! Im Mitternachtsprogramm nach Machete, Planet Terror und Death Proof lässt sich Jalmari Helanders wie ein Italowestern der Bauernschneuzer-Sorte aufgezogener Taiga-Reisser dank stilsicherer Tonalität bequem unterbringen. Im Mittelpunkt steht dabei ein Mann und sein Holz, der als kriegsgebeutelter Selfman sein Leben im wahrsten Sinne des Wortes neu aufbauen will. Dafür muss der schweigsame Aatami Korpi, bekannt aus Sisu, in ehemals finnisches und nunmehr russisches Gebiet vordringen. Was dort zu holen ist? Nichts sonst außer die Heimstatt seiner Familie, die von Kriegsverbrecher Igor Draganov hingemetzelt wurde. Dieses Blockhaus will Korpi abbauen, auf seinen Truck laden und in Finnland neu errichten, stets in Gedenken an seine Lieben, die er, soweit er es mimisch darstellen kann, schmerzlich vermisst. Doch dieser Draganov, verkörpert von Permanent-Bösewicht und Vorzeige-Antagonist Stephen Lang, der auch in Avatar die Nemesis gibt, bekommt den Auftrag, auch den letzten der Korpi-Familie auszulöschen, hat der doch hunderte russische Gefolgsleute auf dem Gewissen.

Alles was Flügel hat fliegt

Den Rest kann man sich denken. Viel mehr Stoff gibt es nicht. Fast so viel und vielleicht einen Deut mehr als in George Millers Mad Max: Fury Road. Bei diesem Roadmovie fängt Jalmari Helander ganz schön viel atemberaubende Landschaft ein. Jorma Tommila, der einmal mehr kein Drehbuch auswendig zu lernen braucht, weil kein Wort über seine blutenden Lippen kommt, fährt mit sehr viel Holz, das ihm immer wieder abhanden kommt und wie durch Geisterhand wieder eingesammelt wird, von A nach B, stets Stephen Lang im Nacken, der einmal wilde Biker, dann Militärflugzeuge hinterherhetzt. Alles kein Problem für diesen hartgesottenen Burschen, der zäher ist als Leder und ungefähr so viel aushält wie John Wick. Ein finnischer Stehaufmann, der sogar Panzern beibringt, wie man fliegt. All diese Action ist natürlich völliger Nonsens. Purer, gewalttätiger Eskapismus, der diesmal aber nicht nur so elementare Emotionen wie Rache bedient, sondern vorrangig mal Flucht und Widerstand. Die Road to Revenge wird erst sehr viel später zu selbiger, nämlich erst dann, wenn bei unserem Protagonisten die Hutschnur platzt.

Ventil für den Erstling

Bis dahin geht dem Sequel trotz vieler gemachter Kilometer und zerstörter fliegender wie fahrbarer Untersätze die Puste aus. Es ist, als wäre vom Original noch so viel aufgestaute Energie vorhanden gewesen, dass es ein Ventil gebraucht hat, um diese noch irgendwohin absorbieren zu lassen. So wird Teil Zwei zum Löschpapier von Teil Eins, überraschend spannungsarm und unspektakulär in seinem berechneten Spektakel. Sisu selbst war 2022 noch ein staubtrockener, finnischer Anti-Nazi-Western, da kannte man Aatami Korpi natürlich noch nicht, und wusste beileibe auch nicht, wie dieser tickt und ob er den Aggressoren in seinem Land überhaupt Herr werden kann. Am Ende des wahnwitzigen, explizit brutalen Streifens wusste man es dann: dieser Finne packt alles. Natürlich auch Teil Zwei. Und da setzt das große Gähnen an.

Artisten, Panzer, Attraktionen

Es ist witzig, den Salto eines Panzers zu bewundern. Die blutige Rache hat dann auch seine Genugtuung gegenüber eines störrischen Antagonisten, der schon längst hätte ins Gras beissen können, den Lang aber mit verkniffenen Gesichtsausdruck aus dem FF beherrscht. Doch dahinter lässt sich nichts entdecken, alles was Sisu: Road to Revenge bietet, ist Show, eine Revue voller öl-, schlamm- und blutgetränkter Attraktionen und niemals realer möglicher Gegebenheiten. Ein surreales, absurdes Stück Actionkino, doch alles in allem nicht mehr als für Zwischendurch, wie der Happen an einer Tankstelle, wenn man gerade unterwegs ist. Mit oder ohne Holz.

Sisu: Road to Revenge (2025)

Predator: Badlands (2025)

AM LAGERFEUER MIT DEM KOPFJÄGER

6/10


© 2025 20th Century Fox / Disney


LAND / JAHR: USA 2025

REGIE: DAN TRACHTENBERG

DREHBUCH: PATRICK AISON

KAMERA: JEFF CUTTER

CAST: DIMITRIUS SCHUSTER-KOLOAMATANGI, ELLE FANNING, REUBEN DE JONG, MIKE HOMIK, ROHINAL NARAYAN, CAMERON BROWN, ALISON WRIGHT, THE DUFFER BROTHERS U. A.

LÄNGE: 1 STD 47 MIN


Disney spürt man überall. Am stärksten bei Themen, die nicht dafür gemacht sind, den Kindern vor dem Schlafengehen als Betthupferl zu dienen. Disney will aber, das sich im Grunde alles, worüber es das Sagen hat, ein bisschen nach Betthupferl anfühlt. Predator: Badlands, jüngste Erweiterung des Franchise, das diesmal auch hochoffiziell mit dem Alien-Universum kokettiert, ist so, als würde man den beinhart agierenden Arnold Schwarzenegger in seiner Rolle als T1000 aus James Camerons Klassiker nunmehr als Kindergarten Cop einsetzen. Zumindest als unfreiwillige, pädagogisch dann doch wertvolle Aufsicht über jenen Dreikäsehoch, der als Sprössling von Sarah Connor im Endeffekt zu Nannys Nemesis werden könnte.

Der moralische Kompass eines Aliens

Tut mir leid, Predator. Wenigstens darfst du aber diesmal zum Lokalaugenschein einladen, zum Wohngespräch mit deinem Publikum, denn zum allerersten Mal seit 1987 gewährt das wirklich nicht schönste Alien des Universums einen Einblick ins Privatleben einer Yautja-Familie, die auf Yautja Prime ihre wenig zimperlichen Rituale zugunsten der Tradition genüsslich praktizieren, ohne sie zu hinterfragen. Was wir wissen: Der Yautja ist, wie der Titel schon sagt, ein Jäger, ein Trophäensammler, ein gnadenloser Bursche (es gibt, so wie ich das sehe, nur männliche Exemplare – oder gar kein Geschlecht?) mit einem moralischen Kompass ohne Pole, der wirr um sich schlägt und für Erdlinge wohl kaum verstanden werden kann. Schließlich spielten bislang Faktoren wie Achtsamkeit, Respekt vor allem Lebenden und sowas wie Humanismus überhaupt keine Rolle. Disney will aber das Gute, das wissen wir. Das moralisch Integre, Aufgeräumte, Ehrbare. Auch der Predator soll und muss ehrbar werden. Am leichtesten lässt sich das bewerkstelligen, wenn dieses Exemplar in Predator: Badlands zum Opfer seiner eigenen Familienphilosophie wird.

Ökotrip für Hartgesottene

Als schwächstes Glied der Kette wird Dek zwar von seinem älteren Bruder beschützt, doch der mächtige Patriarch hat dann doch noch das letzte Wort. Und während sich in geradezu unvorstellbarer Selbstlosigkeit der Bruder unters Messer des Vaters wirft, gelingt dem jüngeren Taugenichts die Flucht per Raumschiff auf einen lebensfeindlichen Nachbarplaneten, dessen toxische und gefährliche Fauna und Flora jedes noch so erdenkliche Habitat auf unserem Planeten zum unkrautfreien Schrebergarten erklärt. Genna heisst jener Ort, an welchem nur nachhaltige Ökotouristen mit Hang zum Suizid ihre Reise buchen. Eines der mächtigsten und unmöglich zu tötenden Kreaturen sollen hier lauern, der sogenannte Kalisk, ein Muskelpaket von Monster, stark wie King Kong, unverwüstlich wie eine Kakerlake, weil gesegnet mit einem genetischen Reperaturmechanismus, der Wunden in Windeseile wieder schließt. Dek will es aber dennoch wissen – und schaffen, was niemand zuvor geschafft hat. Bevor es aber überhaupt so weit kommt, gibt sich der Rest des Planeten ausgeschlafen genug, um sich dieser landfremden Kreatur mit ganzer Bandbreite in den Weg zu stellen.

Als gäbe es ihn wirklich

Alle, die ans Creature Design ihr Herz verloren haben, dürfen sich Predator: Badlands nicht entgehen lassen. Ich sage es an dieser Stelle ganz offen: Mein Traumjob wäre es nach wie vor, in die Fußstapfen eines Phil Tippet, Dennis Muren oder Stan Winston zu treten, doch hierzulande in Österreich kann man mit dem Erschaffen von Kreaturen aller Art herzlich wenig erreichen. Es muss dann wohl genügen, einfach zuzusehen, was andere entworfen haben – und zugegeben, man kann sich selbst hier, in Trachtenbergs Bestiarium ferner Planeten, kaum an all dieser kuriosen Biomasse sattsehen, obwohl die Viecher minütlich über die Leinwand regnen. Dabei steht der Yautja in all seiner monströsen Beschaffenheit im Zentrum der Aufmerksamkeit, und tatsächlich: Es ist, als gäbe es dieses Wesen wirklich, so realitätsnah simulieren die Könner ihres Fachs eine extraterrestrische Physiognomie, die nicht mal vor Nahaufnahmen Halt macht. Allein dafür ist Predator: Badlands ein Genuss – und kommt man damit klar, dass es nur das ist, was wirklich staunen lässt, hat man schon gewonnen.

Schließlich ist der erzählerische Rest des Ganzen einfach nur Disney. Weiß man von der Tonalität der jüngsten Serie Alien: Earth, wird selbst der von Elle Fanning dargebotene Android zu einer Quasselstrippe, die sich nach König der Löwen anfühlt. Später noch gesellt sich ein glupschäugiges Wesen hinzu, das von vorne bis hinten einfach nicht zum Stil des Predators passt, auch nicht in diese Welt und überhaupt schon gar nicht in dieses düstere Trope. Von düster will man aber nur noch wenig wissen, all das Herzige ist so geschmeidig wie eine Wimper im Auge, das stößt und sperrt sich und fühlt sich nicht richtig an. Letztendlich aber behalte zumindest ich den waldschratigen hässlichen Haudegen im Kopf, wie er seine Moral vor sich herträgt und die Gelegenheit aufgreift, sein schlechtes Image durch einen neuen Blickwinkel auf sich selbst schönzuargumentieren.

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Predator: Badlands (2025)

Tron: Ares (2025)

DIE 29-MINUTEN-REGEL

6,5/10


© 2025 The Walt Disney Company


LAND / JAHR: USA 2025

REGIE: JOACHIM RØNNING

DREHBUCH: JESSE WIGUTOW, DAVID DIGILIO

KAMERA: JEFF CRONENWETH

CAST: JARED LETO, GRETA LEE, EVAN PETERS, JODIE TURNER-SMITH, HASAN MINHAJ, GILLIAN ANDERSON, JEFF BRIDGES, CAMERON MONAGHAN, SARAH DESJARDINS U. A.

LÄNGE: 1 STD 59 MIN


Wie soll man sich Künstliche Intelligenz nun vorstellen? Oberstes Gebot, welches wöchentlich in mahnenden Essays zu lesen ist: Nur nicht vermenschlichen! Denn diese Art des künstlichen Denkens schafft es lediglich nur, Erlerntes und Trainiertes zu kombinieren; all die Erfahrungen, die der Mensch im Netz je geteilt hat, als Algorithmus nachzuinterpretieren, Regeln zu finden und diese dann mit den von uns eingegebenen Botschaften, kurz genannt Prompts, in Gleichklang zu bringen. Das macht es anhand von Tokens, Bausteinen sozusagen, die unsere Sätze in Bruchstücke gliedert und einen gemeinsamen Nenner herausliest. Mit Intelligenz hat das dann letztlich weniger zu tun, sondern eher mit einem riesengroßen Memory – und ja, das, worüber wir so verblüfft sind, ist einfach nur gut im Erinnern.

Schnell, bevor’s zusammenbricht

Schöner wärs allerdings – und vom Narrativ her einfach auch abenteuerlicher – wenn unser Chat GPT, Gemini oder Claude – oder wie diese mittlerweile gefühlt tausendfach zur Verfügung stehenden Tools alle heißen – genau so aussehen würden wie Jared Leto. Das wäre es doch, oder? Laut Tron: Ares verhält es sich so. Hier wird die Perspektive umgekehrt, wir blicken hinter den Vorhang der Wunder, die uns das Leben so leicht machen, auf ein Pendant zu unserer urbanen Welt; auf ein Metropolis aus Nullen und Einsen, dargestellt als architektonische High-Tech-Eskapade vor dramatischem Himmel. Hoch oben über allem, in einem stilistischen letzten Schrei von Interieur-Design, das wohl sehr schnell wieder überholt sein wird, wartet Ares – der Kriegsgott der virtuellen Welt – auf seine Instruktionen. Diese kommen von außerhalb, dort wo wir sind, und erscheinen auf der anderen Seite als großes, dröhnendes, herrisches Diktatorengesicht, das sagt, wo es langgeht. Ares führt, ohne viel zu hinterfragen, alles schön brav aus, so wie er es gelernt hat. Und noch etwas gelingt ihn: Diesmal ist es möglich, dass sich ein intelligentes Programm in der unseren, realen Welt (die laut jüngsten mathematischen Erkenntnissen nicht so wie in Matrix eine Simulation sein kann, mehr dazu hier) manifestiert. Allerdings – und jetzt kommt die Pointe, an welcher sich der gesamte Film schließlich aufhängt: nur 29 Minuten. Danach fällt alles, was aus dem 3D-Drucker kommt, wieder in sich zusammen und verpufft. Das ist für den Rüstungsgiganten Dillinger (dessen Großvater im 80er-Knüller Tron schon als Antagonist zu sehen war, nur kaum jemand kann sich erinnern) eine Hürde, die es mit allen Mitteln zu überwinden gilt. Leicht wäre das zu bewerkstelligen, wenn dieser nur an den sogenannten Persistenzcode kommen könnte, den das Konkurrenzunternehmen ENCOM mit Superwissenschaftlerin Eve Kim (Greta Lee, Past Lives) kurz davor steht, zu entdecken. Das geht schließlich nur mit unlauteren Mitteln, und so setzt Dillinger Jared Leto auf die Guten an, die sich logischerweise nicht in Schwarzrot präsentieren, sondern in vertrauensvollem Türkisblau – eine Farbe, die einfach nicht böse sein kann.

Disneyland-KI fürs Auge

Das Filmmagazin cinema wirft Tron: Ares des weiteren vor, um einen Plot zu kreisen, den ein KI-Tool hätte erstellen können, und zwar in Windeseile, weil Effizienz ist das neue Schwarz. Aus meiner Sicht bietet der dritte Teil, der nur so tut, als würde er sich bemühen, die Brücke zu den Vorgängern zu schlagen, weitaus besseren Stoff als so manch anderes im Genre der Action oder der Science-Fiction. Aus der 29-Minuten-Hürde lässt sich in der Tat einiges herumbauen. Joachim Rønning weiß das und inszeniert ein unschlagbar naives Bilderbuch über einen technosozialen Paradigmenwechsel, der nur peripher mit dem zu tun hat, worin wir selbst gerade stecken. Statt Statt kritischer Blicke auf die Büchse der Pandora bietet Tron: Ares sympathischen Eskapismus und will viel eher als zeitgeistige Design-Revue mit ordentlich Drive verstanden wissen als in den Reigen der Black Mirror-Albträume aufgenommen zu werden.

Vergesst nicht, wir haben es hier mit Disney zu tun, Disney arbeitet mit simplen Parametern und Formeln, allerdings ist der Konzern ausgeschlafen genug, um die Rezeptur mit Fachexpertise umzusetzen. Während der Sound von Nine Inch Nails ordentlich fetzt, bietet Tron: Ares eine von den Settings bis zu den Kostümen durchgestylte Welt, in der Designer aller Couleur sichtlich ihr Bestes gegeben haben. Tron: Ares ist auch ausschließlich dafür gemacht, zwei Stunden Popcornkino zu liefern, das nicht den Faktor KI verteufelt, sondern nur den, der sie anwendet. Das Willkommensklatschen eines künstlichen Bewusstseins in unseren Kreisen der sterblichen Biomasse ist somit laut und freundlich. Nach nicht mal 29 Minuten hat man längst Platz gefunden in einer Zukunft, die niemanden etwas wegnimmt, und daher auch niemals real sein kann. Als LLM-Illusion für Dummies aber, und da zähle ich mich mindestens spielfilmlang dazu, hat alles seine moralische, aber vorurteilsfreie Ordnung.

Tron: Ares (2025)

Omukade (2025)

DAS GROSSE KRABBELN

7/10


© 2025 Fatcat Studios


LAND / JAHR: THAILAND 2025

REGIE: CHALIT KRILEADMONGKON, PAKPHUM WONGJINDA

DREHBUCH: PAKPHUM WONGJINDA, METHUS SIRINAWIN

KAMERA: MANEERAT SRINAKARIN

CAST: NARILYA GULMONGKOLPECH, DAUNG, JAMES LAVER, YASAKA CHAISORN, HIDEKI NAGAYAMA, RYOTA OMI U. A.

LÄNGE: 1 STD 33 MIN


Was kreucht und fleucht denn da? Sagen wir: Jede Menge wäre dabei noch untertrieben. Denn Omukade liefert genau das, was Liebhaber des astreinen Insektenhorrors bei anderen, vielleicht schaumgebremsten Vertretern ihrer Art noch vermissen möchten. Hier bedrängt das parallele Krabbel-Universum eine uns bekannten Welt, die allerdings dort schon endet, wo das zum Freiwild erklärte, gesinnungsmäßig durchmischte Ensemble ihren ersten Schritt in die Finsternis eines Höhlensystems wagt, in dem, wie kann es anders sein, Gesetze herrschen, die man lieber niemals hätte lernen wollen.

Kriegswirren unter Tage

Was Ōmukade bedeutet? Nichts anderes als Riesentausendfüßler. Und das ist in diesem Fall auch nicht irgendeines dieser schmucken, sich schlängelnden Beinchenklopfer, sondern ein mythologisches Wesen, ein Terrorgeschöpf ersten Ranges, eine japanische Legende, auch genannt Yōkai, die sich aber warum auch immer in den Bergen Thailands eingenistet hat – vielleicht, weil es den Umtrieben der Japaner folgt, die gegen Ende des Zweiten Weltkriegs ganz Thailand überrannt haben. Seit David Leans Klassiker Die Brücke am Kwai wissen Filminteressierte schon längst, dass Japan zu dieser Zeit drauf und dran war, ein ganzes Bahnnetz in die Landschaft zu stampfen, eben auch von Bangkok nach Burma. Es finden sich Szenen in dem Film, die tatsächlich an den Klassiker mit Alec Guinness erinnern, doch diese sind spärlich gesät, denn es dauert nicht lange, da geht es in die Tiefen kalksteinerner Kavernen, Gänge und Stollen, sprich: in eine Mine des Grauens.

Warum alle dort hinein flüchten, ist schnell erklärt, denn das Regieduo Chalit Krileadmongkon und Pakphum Wongjinda (die Namen muss man sich zum Glück nicht auswendig merken, es reicht, wenn man es irgendwann geschafft hat, zumindest Apichatpong Weerasethakul im Gedächtnis zu verankern) hält sich nicht lange mit narrativem Schnickschnack auf. Dafür, dass beide danach streben, so schnell als möglich ihr Creature-Feuerwerk zu zünden, gelingt ihnen trotz einer ganzen Menge an Figuren das inszenatorische Kunststück, relativ zügig für klare Verhältnisse zu sorgen. Es gibt die Japaner, es gibt die Zwangsarbeiter, es gibt die Rebellen, alles kleine Grüppchen, die sich alsbald und dank eines Bombenangriffs der Briten in einer ausweglosen Situation unter Tage befinden. Wir haben also Jäger und Gejagte in diesem spärlich erhellten Universum aus Stein, in dem es schon bald in allen dunklen Ecken und Nischen anfängt, geräuschvoll zu knacken, zu schmatzen, zu trippeln, wie es eben so trippelt, wenn zum Beispiel Kakerlaken in nicht ganz stubenreinen Etablissements irgendwo in den Tropen unter dem Bett fröhliche Urständ feiern. Diese Geräuschkulisse alleine erzeugt schon Unbehagen – und dann sind sie auch schon da, diese zarten Geschöpfe der Gattung Scolopender, die aber um einiges größer sind als gewohnt. Nun gut, sagt man sich, Anomalien wie diese können schon sein, noch ist alles im Bereich des Möglichen, doch auch das Unmögliche bedrängt sehr bald auf tricktechnisch ausgesuchte Weise die Physis gänzlich unvorbereiteter Zweibeiner. Es geht sogar so weit, dass die tierische Übergiffigkeit einen Effekt erzeugt, der John Carpenters Horrorschocker Das Ding aus einer anderen Welt alle Ehre macht.

Creature Horror ohne Reue

Doch während Kurt Russel im Schneetreiben der Antarktis Freund von Feind unterscheiden hat müssen, bleiben hier nur Taschenlampen, Fackeln und Feuer, um zu erkennen, zu welch monströsen Ausmaßen der Alptraum hier mutiert. Dabei wird wieder mal deutlich, wie sehr und wie gerne sämtliche Filmemacher Thailands ostasiatischen Mythen den roten Teppich ausrollen, wie sehr das Subgenre des Monsterslashers, gepaart mit genüsslichem Bodyhorror, das Publikum wohl stets erfreut. The Lake war 2022 die smarte Süßwasser-Version von Godzilla. Orang Ikan zum Beispiel verbeugte sich 2024 vor den Arbeiten eines Jack Arnold, der sein Fischwesen bekannterweise in den südamerikanischen Regenwald abtauchen hat lassen. Mit Creepy Crawly hat das eingangs erwähnte Regieduo bereits einen kuriosen Kreaturenwahnsinn vorgelegt, Omukade soll in diesem Fall als Prequel dieses Filmes herhalten, was aber nicht zwingend so gesehen werden muss, denn dieser hier funktioniert und steht ganz für sich alleine.

Erstaunlich sind vor allem die Effekte zwischen praktisch-analogem Design und wenigen digitalen Kniffen. Zusammengenommen und vermengt mit dem geschickt beleuchteten Setting gelingt der Eindruck eines niemals billig wirkenden Szenarios voller surrealer Schreckensmomente, die den oft überzeichnet aufspielenden Helden auf augenzwinkernde Weise so einiges abverlangen. Ein Spaß ist das, ohne Reue, ohne Hemmungen – ein richtiges Guilty Pleasure. Dabei ist das Abenteuer so schmissig erzählt, dass die Story hinter dem Wahnsinn geifernder Insekten-Zombies niemals auf der Strecke bleibt. Spannend bleibt es bis zum Schluss, vielleicht auch, weil myriaphobische Anwandlungen sogar jene heimsuchen, die bislang nie ein Problem damit hatten, einen Scolopender über ihre Hand laufen zu lassen. Igitt, wie eklig.

Omukade (2025)

The Toxic Avenger (2023)

GIFTSTOFFE, AUS DENEN HELDEN SIND

6,5/10


© 2025 Legendary Pictures


LAND / JAHR: USA 2023

REGIE: MACON BLAIR

DREHBUCH: MACON BLAIR, NACH DER VORLAGE VON LLOYD KAUFMAN

KAMERA: DANA GONZALES

CAST: PETER DINKLAGE, JACOB TREMBLAY, TAYLOUR PAIGE, KEVIN BACON, ELIJAH WOOD, JULIA DAVIS, JONNY COYNE U. A.

LÄNGE: 1 STD 43 MIN


Troma – was bedeutet das? Klingt ungefähr so wie Trauma, und die Frage ist, ob die Assoziation gewollt war oder nicht, jedenfalls könnten Zartbesaitete und auch weniger Zartbesaitete, die zumindest alle menschlichen Extremitäten anatomisch richtig an ihrem Platz wissen wollen, traumatische Erfahrungen gemacht haben, hätten sie zum Beispiel Filme wie Bloodsucking Freaks, Surf Nazis Must Die oder Cannibal! The Musical gesehen. Troma ist schlicht und ergreifend eine Produktionsfirma für grenzwertigen Stoff, der vorallem Gorehounds abholt – Freunde und Liebhaber körperlicher Zerstörungswut. Diese durchaus erfolgreiche Firma wurde, passend für diese Zeit, in den Siebzigern gegründet und hat im Laufe ihrer Erfolgsgeschichte vor allem einen Superhelden hervorgebracht, der weder ins Marvel- noch ins DC-Universum und wenn, dann am Ehesten noch ins Universum der Boys passen würde, doch auch dort wäre der rabiate Quasimodo mit dem Herzen aus Gold immer noch ein Außenseiter. Die Rede ist vom Toxic Avenger, oder auch Atomic Hero – so der Titel des damals, 1984, veröffentlichten Splatter- und Gore-Hits, der mittlerweile längst Kultstatus genießt und Peter Jackson, Quentin Tarantino oder Takashi Miike nicht unwesentlich beeinflusst hat. Gerade bei Jackson erkennt man spätestens bei Sichtung seiner Filme, die vor der Verfilmung der Tolkien-Romane das Licht der Leinwand erblickten, eine wenig zimperliche Besinnung auf das Portfolio TromasBad Taste oder insbesondere Braindead sprechen dabei für sich.

Pimp up the Trash

The Toxic Avenger – und ich schreibe hier von der Neuverfilmung – hatte seine Premiere schon 2023, verschwand aber danach aus unerfindlichen Gründen zwei Jahre lang in einem temporären Giftschrank, um nun doch nochmal voll mit einem österreichweit regulären Releasedatum durchzustarten. Ich selbst konnte die Österreichpremiere im Rahmen des Slash-Festivals genießen – und ja, dieses Verb trifft die Gemütslage durchaus, denn Peter Dinklage, von Grund auf ein unendlich sympathischer Charakter, egal, was er spielt, verleiht dem grüngesichtigen, entstellten Berserker, der an die schrille LSD-Version eines Charles Laughton aus Der Glöckner von Notre Dame erinnert, so viel Herzenswärme, dass man ihm seine radikale Vorgehensweise bösen Buben gegenüber durchaus verzeiht – auch wenn das eine oder andere Mal ganze Gedärme ihren Weg durch den Anus ans Tageslicht finden oder Köpfe munter drauflosexplodieren, wenn der Avenger mit seinem giftklumpigen Besen ausholt, um irreparable Schädelfrakturen zu verpassen. Man möchte es ja kaum für möglich halten, aber so knuffig und liebevoll kann ein Gorefilm sein, der seine zahlreichen Gewaltspitzen als grelle Himbeersaft-Orgie komponiert, und zwar so weit und so sehr intensiv, dass sie Teil dieser ganzen völlig irrealen Überzeichnung werden, die hier stattfindet.

Macon Blair, der 2017 die bemerkenswerte Thrillerkomödie Fremd in der Welt schrieb und inszenierte (abrufbar auf Netflix), später aber mit einer unsäglichen Komödie wie Brothers (mit Peter Dinklage und Josh Brolin) den Totalabsturz riskiert, holt sich für diese fast schon salonfähige und massentaugliche Sause eine ganze Reihe namhafter Schauspieler ans Set – mit Dinklage und Elijah Wood hat er schließlich schon gearbeitet gehabt, jetzt kommen noch Kevin Bacon und Jacob Tremblay als des Avengers Stiefsohn hinzu – so schillernd kann gewolltes Underground-Kino sein, das aber ordentlich Budget gehabt haben muss.

Viel Herzblut, viel Kunstblut

Mit diesem Budget bringt sich die Story eines Putzmanns in einem skrupellosen Chemiekonzern in Position: Als Winston Gooze muss er feststellen, dass all die Jahre inmitten giftiger Dämpfe seinen Tribut gefordert haben. Nur noch knapp ein Jahr, dann wird der Hirntumor lethale Ausmaße erreichen. Winston hofft auf Entschädigung von einem Konzern, der hochgiftigen Abfall in die Umwelt entlässt, ohne Rücksicht auf Verluste, was wiederum an Trumps Nachhaltigkeitsbewusstsein erinnert. Natürlich lässt man ihn hängen, und während er seinem Vorgesetzten Kevin Bacon eine Lehre erteilen will, schmeißt man ihn kurzerhand in den Sondermüll. Nach Tim Burton werden manche zum Joker, andere eben zum grünen Gnom, der seinen Wischmopp schwingt und völlig unerwartet zum Helden wird, nachdem er mit einer Verbrecherbande im wahrsten Sinne die Wände eines Fast Food-Restaurants dekoriert. Die Bösen machen bald Jagd auf ihn, und so kann die Geschichte ihren natürlich vorhersehbaren Lauf nehmen, denn inhaltlich originell ist The Toxic Avenger beileibe nicht.

Schließlich kann man sich nicht auf alles konzentrieren, und schließlich muss ja auch dem Troma-Spirit gehuldigt werden, denn all die grenzwertigen „Meisterwerke“ von damals sind allesamt wohl kaum drehbuchpreiswürdig, da es doch vorrangig um die visuelle Grenze geht, um den blutigen Dekor, um den Gladiatorenkampf an sich. Plakativität hat hier seine Daseinsberechtigung wie  nirgendwo sonst, und nur Peter Dinklage, Jacob Tremblay und ja, auch Taylour Paige ist es zu verdanken, dass diese Herzenswärme und dieser Feel-Good-Faktor all diese obszöne Gewalt so sehr durchdringt, dass man den Gore-Faktor nur noch peripher wahrnimmt.

The Toxic Avenger (2023)

Dangerous Animals (2025)

DER MENSCH IST DEM MENSCH EIN HAI

7,5/10


© 2025 Constantin Film Distribution GmbH


LAND / JAHR: USA, AUSTRALIEN 2025

REGIE: SEAN BYRNE

DREHBUCH: NICK LEPARD

KAMERA: SHELLEY FARTHING-DAWE

CAST: JAI COURTNEY, HASSIE HARRISON, JOSH HEUSTON, ELLA NEWTON, LIAM GREINKE, ROB CARLTON U. A.

LÄNGE: 1 STD 38 MIN


Steven Spielberg wusste damals gar nicht, was er den Knorpelfischen mit der Verfilmung des Romans von Peter Benchley eigentlich angetan hat. Kann sein, dass er diese Komponente seines 70er-Jahre-Erfolgs bis heute bitter bereut. Nicht ausschließlich, aber maßgeblich hat sein aufwändig inszenierter Action-Horror dazu beigetragen, dass der Hai an sich zu jenen Tierarten zählt, die Böses im Schilde führen. Als wäre das abnormale Verhalten des Weißen Hais aus dem Film (sein Name: Bruce) die Blaupause für jeden Rückenflossler, der durch die Meere pflügt – und sei er auch noch so klein. So viel allerdings ist wahr: Durch einen Hai kann man durchaus auch das Zeitliche segnen, doch das gelingt schon mit Moskitos und reicht bis zum Elefanten, der sein pummelig-unbeholfenes Image auch niemals wieder loswird. Medienwelt, was hast du getan?

Todfeind Mensch

Hinter all diesen Stigmatisierungen steht natürlich der Mensch, der sowieso und ohnehin für gefühlt jedes Lebewesen auf der Erde den Todfeind darstellt – außer vielleicht Hauskatze und Hund. Nun verhält es sich in Sean Byrnes gewitztem Boot-Horror so, dass hier die treibende Kraft für jedwedes Unheil von so manchem Zweibeiner ausgeht. Zum Beispiel von einem Typen wie Tucker, hinreißend dargeboten von Jai Courtney, der das Scheusal in Menschengestalt mit der sommerlichen Jovialität eines Adventure-Animateurs verknüpft. Letzteres gibt dieser auch vor zu sein, nur um Paare oder im besten Fall Single-Frauen jüngeren Semesters auf einen unvergesslichen Bootstrip einzuladen, der als Höhepunkt einen Cage-Dive vorsieht. Sowas vergisst man natürlich nicht und kann als adrenalingesteigerte Erinnerung für später, wenn der Alltag vor sich hin graut, immer wieder abgerufen werden. So majestätische Geschöpfe in Griffweite – das ist schon was. Für Tucker noch besser, wenn zwischen Mensch und Tier gar kein Käfig mehr ist – und letzteres vielleicht noch im Blutrausch an unschuldigen Touristinnen knabbert, bis sie dahinscheiden. Diesem psychopathischen Serienkiller, der sein Kombüsen-Dinner gerne dann konsumiert, wenn im Hintergrund das letzte gefilmte Gemetzel läuft, fällt such Surferin Zephyr in die Hände, die nach einem One Night Stand mit Schönling Moses ganz früh raus will, um die Elemente zu bezwingen. Sie erwacht erst wieder im Bauch von Tuckers Kahn, angekettet an ein Bettgestell, neben ihr die Lady aus der Eingangsszene. Spätestens nach dieser wissen wir, was es geschlagen hat. Und vor wem man hier wirklich die Hosen voll haben sollte. Jedenfalls nicht vor dem Hai.

Genre-Klischees über den Haufen geworfen

Dangerous Animals ist ein verletzungsfreudiges, bluttriefendes Inspirationswerk, von Sound bis Storytelling wie aus einem Guss. Wer hätte das gedacht? Statt zum wiederholten Male die Tierwelt dafür zu bemühen, die gnadenlose Natur raushängen zu lassen, um Homo sapiens zu zeigen, wer hier das Sagen hat, lenkt Byrne den Fokus vom geplagten Hai auf das Ekelpaket Mensch, in all seiner Perfidität, das sich aus seiner Sucht nach dem ultimativen Lustgewinn seine Stärke holt. Das aber ist nur die eine Seite des straff durchgetakteten, äußerst spielfreudigen Serienkiller-Slashers, der die Subgenres wild miteinander verknüpft und so Innovationen setzt: Die andere Seite ist die Umkehr von Rollenklischees. Hassie Harrison (u. a. Yellowstone) stärkt ihre Figur der vagabundierenden Einzelgängerin mit ordentlich Subtext – dort wäre, wenn man es wüsste, vermutlich auch all das zu lesen, was der Film ohnehin aufs Tapet bringt. Die Rolle des weiblichen Opfers und des tierischen Bösewichts hat sich abgenützt, Byrne setzt neue Parameter und lässt Jay Courtney über seine eigenen veralteten Rollen-Klischees stolpern. Wie die Heldin, die eher sich selbst beißt als von einem Hai gebissen zu werden, dem Bermuda-Burschen Paroli bietet, während der maskuline Mucki-Held sprichwörtlich in den Seilen hängt, ist großes Thrillerkino, so scharf geschnitten und bissfest wie die Revolver-Kauleiste eines bildschönen Mako-Hais.

Dangerous Animals (2025)

Cleaner (2025)

SCHLIERENFREI DIE WELT RETTEN

3/10


© 2025 SquareOne


LAND / JAHR: VEREINIGTES KÖNIGREICH 2025

REGIE: MARTIN CAMPBELL

DREHBUCH: SIMON UTTLEY, PAUL ANDREW WILLIAMS, MATTHEW ORTON

KAMERA: EIGIL HENSEN

CAST: DAISY RIDLEY, MATTHEW TUCK, CLIVE OWEN, TAZ SKYLAR, FLAVIA WATSON, RUTH GEMMELL, RAY FEARON, HOWARD CHARLES U. A.

LÄNGE: 1 STD 38 MIN


Wenn es nach alteingesessenen Star Wars-Fans geht, die mit der originalen Trilogie aufgewachsen sind, so sollte es J. J. Abrams‘ Sequel-Trilogie eigentlich gar nicht geben, so sehr soll sich Disney blamiert haben. Eine Meinung, der ich by the way nicht teile. In diesen bildgewaltigen Filmen spielt das Naturtalent eines Jedi die tragende Rolle – ihr Name: Rey Skywalker. Es stellt sich dabei die Frage, ob es nun ein einmaliges Glück war, das Daisy Ridley diese Rolle ergattern konnte, oder eben ein nachhallendes Stigmata, denn auch Mark Hamill hatte damals das Pech, mit Star Wars zwar weltberühmt und umjubelt zu werden, jedoch niemals wirklich aus diesem tonnenschweren Franchise-Schatten heraustreten zu können. Einmal Star Wars, immer Star Wars, vor allem dann, wenn man davor noch gänzlich unbekannt war. Zu sehr klebt der Hype, als dass man ihn loswerden könnte, um sich umzudisponieren und die Chance zu erhalten, ganz andere Saiten aufzuziehen. Daisy Ridley bemüht sich seitdem unentwegt, ihr Schauspiel unter Beweis zu stellen – die wirklich tragfähigen Angebote bleiben allerdings aus. Für Daniel Radcliffe zum Beispiel, einst der Junge mit der Narbe, hat sich die Mühe mittlerweile gelohnt. Für Ridley muss die Rechnung noch aufgehen.

Erfolgsrezept von damals 

Bis dahin zeugen Filme wie Magpie von ihrem darstellerischen Können, andere wiederum reichen als Lückenfüller, um die Stromrechnung zu bezahlen. Einer davon: Cleaner, ein Reißer von der Stange mit schalem Skript und uninspirierter Regie, obwohl hier einer am Werk war, der 2006 Daniel Craig in der furiosen Bond-Neuauflage Casino Royale reüssieren hat lassen. Martin Campbell hat seitdem wenig dazu beigetragen, die Filmwelt innovativ zu bereichern. Das Meiste landet direkt auf dem Streamer, Kinoauswertungen will sich damit niemand wirklich antun. Jüngstes Beispiel ist die Neubesetzung von John McLane aus der Stirb langsam-Reihe mit einer weiblichen Actionheldin, diesmal eben Daisy Ridley. Und nein, es ist nicht wirklich ein Reboot und hat auch nichts mit Bruce Willis‘ Paraderolle zu tun, allerdings fallen narrative Elemente wie ein von Terroristen gekapertes Hochhaus und eine zur falschen Zeit am falschen Ort befindliche Ex-Elitesoldatin insofern auf, da sie an einen Actionklassiker aus den Achtzigern erinnern, der nach wie vor unerreicht bleibt und der in seiner straffen Inszenierung und seinem abgegrenztem Setting alles richtig gemacht hat – bis hin zu den verblüffenden Tricks, die uns glauben ließen, ein brennender Helikopter stürze wirklich vom Dach des Nakatomi-Building in Los Angeles.

Lieblinge des Publikums

In Cleaner hängt Daisy Ridley anfangs noch in aufgeweckter Manier und einnehmendem Grinsen in einer Gondel an der Fensterfront eines ganz anderen Gebäudes. Längst nicht mehr beim Militär, darf sie jetzt, nach einer unehrenhaften Entlassung, einem sinistren Energiekonzern den Durchblick gewähren. Aufgebrummte Überstunden führen dazu, dass Ridley immer noch an der Glasfront klebt, als Öko-Aktivisten eine Party aufmischen, darunter Clive Owen, der sich wie seinerzeit Steven Seagal in der weitaus ansehnlicherem Actiongranate Einsame Entscheidung nach rund zehn Minuten Screentime verabschieden muss. Was folgt, ist der obligate Tritt einer moralisch integren Heldenfigur zwischen die Beine böser Buben. Den Drehbuchautoren fiel es dabei schwer, ihren Figuren charakterliche Tiefe zu verleihen, einzig Ridley boxt sich durch wie schon in ihren Star Wars-Filmen, für deren Ambivalenz sie wahrhaftig nichts kann. Der Antagonist bleibt dabei fade, genauso wie die leidenschaftslos abgespulte Handlung, die sich stets vorhersehen lässt und kaum mehr zu liefern imstande ist als in einem B-Movie dieser Art üblich.

Im Zuge dieser Feststellung fragt man sich schon, wie es Ex-King of Queens-Liebling Kevin James geschafft hat, mit seinem Guns Up die Kinos zu entern – und Cleaner eben nicht. Womöglich sind es die Beliebtheitswerte: Bei „Doug Heffernan“ vs. „Rey Skywalker“ gewinnt deutlich ersterer, während Daisy Ridley ihr Star Wars-Ruhm trotz Wachsfigur bei Madame Tussauds immer noch vor die Füße fällt.

Cleaner (2025)

Sirāt (2025)

TANZEN BIS ÜBER DEN ABGRUND

7/10


© 2025 Polyfilm / The Match Factory


LAND / JAHR: FRANKREICH, SPANIEN 2025

REGIE: ÓLIVER LAXE

DREHBUCH: SANTIAGO FILLOL, ÓLIVER LAXE

KAMERA: MAURO HERCE

CAST: SERGI LÓPEZ, BRUNO NÚÑEZ, JADE OUKID, STEFANIA GADDA, JOSHUA L. HENDERSON, TONIN JANVIER, U. A.

LÄNGE: 1 STD 55 MIN


Der Rhythmus ist ein anderer. Die Wüste weiß schließlich, wie sie tickt. Der Mensch weiß es nicht. Denn er muss tanzen. Irgendwo im Nirgendwo, während andernorts das Ende der Welt naht. So ungefähr könnte man Sirāt in seiner fundamentalsten Aussage zusammenfassen. Nichts anderes als ein erschütterndes Gleichnis will der Franzose Ólivier Laxe seinem Publikum zumuten, und er hat gut daran getan, es so geradlinig wie möglich zu halten.

Beats wie Schicksalsschläge

Alles, alles ist miteinander verbunden, jeder Krieg, jede Qual, jedes nationale Dilemma wird irgendwann Einfluss auf das ganz kleine, einzelne Individuum haben. Wie man es auch dreht und wendet, so sehr man sich auch bemüht, eine befriedigende Freiheit zu erlangen, weil man es satt hat, mit dem Zynismus der Mächtigen konfrontiert zu werden: In Sirāt wird es kaum gelingen, dem Schicksal zu entkommen. Erbaulich ist das nicht. Dafür jedoch faszinierend, hypnotisch, unkonventionell. Und immersiv. Denn Sirāt ist neben all den felssturzschweren Schicksalsschlägen vorallem auch eins: Ein Werk, das durch den Gehörgang kriecht und auf akustischem Wege mit resoluter Willensstärke mitmischt. Als wäre das wieder eine andere Geschichte.

Schon ganz am Anfang beeindruckt das scheinbar surreale Setting der marokkanischen Wüste als Schauplatz für ein tage- und nächtelanges Rave-Happening. Gigantische Soundboxen werden übereinandergestapelt, in strenger Symmetrie arrangiert. Schon bald erklingen stampfende Techno-Hämmer und lassen die Sandkörner vibrieren. Verschwitzte Leiber kommen in den Rhythmus, verfallen in Trance. Fast wäre man bei Gaspar Noé gelandet, wäre da nicht Sergi López, der sich als Störfaktor in seinem ganz eigenen Rhythmus, der den Beats zuwiderläuft, durch die schlingernde Menschenmenge drängt, an seiner Seite sein junger Sohn. Beide suchen Schwester und Tochter, die auf ihrer Reise in der Wüste bald schon nichts mehr von sich hören ließ. Um sie zu finden und zurückzubringen, deswegen sind sie hier – nichtsahnend, wie das funktionieren soll, zumindest aber mit dem Know-How der Verzweiflung gerüstet. Und dann passiert das: Ein dritter Weltkrieg bricht aus, auch Marokko ist beteiligt, Soldaten brechen die Feier ab, Touristen und Abenteurer von außerhalb müssen das Land verlassen. Nicht aber Luis und Esteban, die nicht so weiteres wieder abrauschen können. Sie folgen einem Konvoi aus zwei Bussen, besetzt mit einer Handvoll wagemutiger Aussteiger, die an die mauretanische Grenze wollen, denn dort sollen nochmal die Boxen dröhnen, ein letztes Mal gefeiert werden, so kurz vor dem Weltuntergang. Der Weg durchs Nirgendwo wird fast schon zur Reise eines Captain Willard, der im Dschungel Vietnams den verrückt gewordenen General Kurtz finden muss. Hier sind es ein Vater und sein Sohn, bereit oder auch nicht bereit für ein Abenteuer, das eigentlich nur zum Schlussstrich für so manche wird, die keine Grenzen mehr akzeptieren wollen.

Um die Hölle herum

Wie soll das gehen, in einer Welt voller Grenzen, in der das Machbare zur tödlichen Falle wird? Óliver Laxe setzt sein Publikum erschütternden Wendungen aus, die sich mitunter schwer begreifen lassen. Diese als Ironie des Schicksals zu bezeichnen, klänge fast schon zu banal, zu harmlos, zu wenig reflektiert. Nicht umsonst wählt Laxe Sirāt als Titel, der aus dem Arabischen stammende Begriff beschreibt eine messerscharfe, schmale Brücke über die Hölle, den die Toten überqueren müssen, um ins Paradies zu gelangen. So mancher Pfad durch die Wildnis spiegelt als Sinnbild die klitzekleinen Chancen wider, die ein Mensch haben kann, um sich ins Elysium durchzuboxen.

Was so aussieht wie handfeste Gelände-Safari, wie ein wüstenheisses, immersives, wummerndes Roadmovie, ist gleichsam ein leidensfähiger Abgesang auf Erfüllung und Freiheit. Das klingt ernüchternd, andererseits wird der völlig angstbefreite Stoizismus, kurz gesagt: die Resignation, zum Schlüssel. Nicht für das Angestrebte, sondern für eine völlig andere Neuordnung der Dinge.

Sirāt (2025)

Afterburn (2025)

BLACKOUT FÜR KUNSTKENNER

3/10


© 2025 LEONINE Studios


LAND / JAHR: USA 2025

REGIE: J. J. PERRY

DREHBUCH: MATT JOHNSON, NIMRÓD ANTAL

KAMERA: JOSÉ DAVID MONTERO

CAST: DAVE BAUTISTA, SAMUEL L. JACKSON, OLGA KURYLENKO, KRISTOFER HIVJU, DANIEL BERNHARDT, EDEN EPSTEIN, GEORGE SOMNER, SERGIO FREIJO U. A.

LÄNGE: 1 STD 45 MIN


Nein, dieser Film handelt nicht von den Nachwirkungen scharfen Essens. Denn der Unterschied zu vorliegendem postapokalyptischem Heist-Actioner ist nämlich dieser: Scharfes Essen brennt zweimal. In Afterburn hats nur einmal gebrannt, oder sagen wir so: Ließ die Sonne die Erde mehr oder weniger anbrennen, dank eines gewaltigen Sonnensturms, der jedweder Elektronik auf unserem Planeten den Stecker zog. Der Blackout in globaler Größenordnung macht also das, was er am besten kann: die stromabhängige Menschheit zurück in die Anarchie befördern, ganz ohne Zombies, Virus und Aliens, die auf Geräusche abfahren. So ein Vakuum kann man sich durchaus vorstellen, letztendlich freut man sich, wenn man den Bunsenbrenner noch nicht als Flohmarktware ausrangiert hat.

In diesem führerlosen Chaos hat es sich Dave Bautista nicht nur dank seiner Muckis irgendwie gerichtet. Die Spezialität des grobschlächtigen Hünen: Dinge finden, insbesondere wertvolle Artefakte, angefangen von sündteuren Gemälden bis hin zur Stradivari. Auftraggeber für solche Herausforderungen ist Samuel L. Jackson als selbsternannter König Auguste, der die Monarchie als die beste Medizin ansieht, um die Menschheit wieder in geordnete Bahnen zu lenken. Es gab in den Neunzigern eine Zeit, da war Samuel L. Jackson in gefühlt jedem zweiten Film dabei, dank seiner Offenheit gegenüber Nebenrollen, die er weitestgehend alle veredelte. Das hält bis heute an. Diesmal wirft sich die wohl coolste Socke Hollywoods ins feudale Outfit samt Pelzkäppi. Dank gewisser Erfahrungen geht Bautista alias Ex-Soldat Jake davon aus, das auch dieser nächste Coup wieder gelingt, auch wenn es das schwierigste Unterfangen werden könnte, auf welches sich dieser je eingelassen hat. Denn jenseits des Ärmelkanals, auf französischem Grund, soll Jake die Mona Lisa heranschaffen. Ganz richtig, Da Vincis weltberühmtes Portrait, das irgendwo in einem Depot vor sich hinmodert. Auguste will es haben, verspricht dem selbsternannten Scout gar ein Segelboot für den nächstbesten Sonnenuntergang. Jake willigt ein und befindet sich alsbald im Auge eines Sturms, der angetrieben wird von diversen Fraktionen selbsternannter Armeen, angeführt von finsteren, psychopathischen Warlords, die ihr totalitäres Machtkonstrukt etablieren wollen.

Der von Stuntman J. J. Perry (u. a. Day Shift mit Jamie Foxx) inszenierte postapokalyptische Reißer macht niemals einen Hehl daraus, als B-Movie ganz ungeniert in stereotypen Gewässern zu fischen. Will man Afterburn sehen, weiß man im Vorhinein, worauf man sich einlässt. Und ja – zugegeben, sowas wie das hier macht immer wieder mal Spaß, erquickt mit seiner Action und liefert Erwartbares, ohne an irgendwelchen Storytwists herumschrauben zu müssen. Das ganze Szenario lässt sich auch ganz gut an, dank dieses Sympathieträgers Bautista, der brutto für netto völlig synchrongeschaltet ist, und krachender Panzer-Action, die für ordentlich Wumms sorgt. Vergessen sollten Perry und Co-Drehbuchautor Nimród Antal (Predators) dabei nicht, ihre Genre-Fans nicht allzu sehr für dumm zu verkaufen. Den beiden dürfte so manches an ihrem Film aber egal gewesen sein, insbesondere der charakterliche Ausbau des Antagonisten (langweilig und abgeklatscht: Kristofer Hivju) und allen voran Ex-Bondgirl Olga Kurylenko, die nicht weiß wohin mit ihrem deplatziertem Schauspiel, das umso schlimmer wird, je länger der Film dauert und je unglaubwürdiger manche Schlüsselszenen werden, die den Ausgang der Handlung rechtfertigen sollen. Die Drehbuchschwächen sind enorm, das dürfte der Cast letztlich auch mitbekommen haben, anders lässt sich der Leistungs-Pragmatismus nicht erklären. Ob die Überlegung aufkam, den Film vielleicht in einem Giftschrank verschwinden zu lassen?

Afterburn bleibt im Ganzen ein unoriginelles, derbes Machwerk, obschon in den Startlöchern so mancher Motor ordentlich brummt. Das mindert später aber nicht den Frust, den man angesichts mangelnden Ehrgeizes verspüren wird, der das heranrollende Blackout auch in filmischer Hinsicht mit offenen Armen empfängt.

Afterburn (2025)