Oslo Stories: Liebe (2024)

DIE LUST AUF ANDERE

7/10


© 2024 Alamode Film


ORIGINALTITEL: KJÆRLIGHET

LAND / JAHR: NORWEGEN 2024

REGIE / DREHBUCH: DAG JOHAN HAUGERUD

CAST: ANDREA BRÆIN HOVIG, TAYO CITTADELLA JACOBSEN, MARTE ENGEBRIGTSEN, LARS JACOB HOLM, THOMAS GULLESTAD, MARIAN SAASTAD OTTESEN, MORTEN SVARTVEIT U. A.

LÄNGE: 1 STD 59 MIN


Nicht nur Richard Linklater kann den Dialogfilm. Wir erinnern uns noch: Before Sunrise, ebenfalls Teil einer Trilogie, in der es ums Reden, dann ums Reden und nochmals um Reden geht, ließ das Publikum nicht nur Wien bei Nacht betrachten, sondern etablierte eine intellektuelle Kunstform, in welcher weniger die Handlung den Film antreibt, sondern das gesprochene Wort. Und hier auch nicht der Monolog, sondern der Austausch an Meinungen, Erlebnissen und das gelebte Interesse am Gegenüber. In Anbetracht aktueller sozialer Tendenzen, die in Richtung Ich-Einkehr gehen und in denen das sogenannte Gegenüber lediglich zur tagebuchähnlichen Projektionsfläche wird, ist diese Art der selbstlosen Aufmerksamkeit eine seltene Eigenschaft, die im Gedankenkino wiederkehrt und sich etabliert, momentan und sehr auffällig vor allem in der Oslo-Trilogie, die zwar nicht ganz so radikal wie Linklater nur das Gespräch sucht, dafür aber einen gemeinsamen Nenner all dieser drei Filme freilegt: Sexuelle Normen und intime Identitäten.

Während Oslo Stories: Träume empfundene sexuelle Anziehung und das Verliebtsein in vielerlei Hinsicht und aus den Blickwinkel unterschiedlicher Menschen betrachtet, geht Oslo Stories: Liebe einen Schritt weiter und sieht sich an, wie gelebte Individualität mit unterschiedlichen Formen von zwischenmenschlicher Beziehung klarkommt. Auf der einen Seite ist da der homosexuelle Krankenpfleger Tor, der täglich mit der Fähre zur Arbeit pendelt und die Überfahrt dafür nützt, Kontakte für sexuelle Abenteuer zu knüpfen. Bis er auf den Psychiater Bjørn trifft – einem Mann, der ganz anders tickt (und als einziger auch in Oslo Stories: Träume vorkommt). Auf der anderen Seite haben wir Marianne, Urologin und Arbeitskollegin von Tor, die sich von diesem inspirieren lässt und, obwohl ihre Freundin sie mit einem alleinstehenden Familienvater verkuppeln will, der sehr wohl ihr Typ zu sein scheint, das Konzept der sexuellen Freiheit erprobt.

Sex und die Suche nach Vertrauen

Let’s Talk About Sex? Es geht bei weitem nicht nur darum. Es lässt sich gar erkennen, dass diese Form des Miteinanders im letzten Teil von Haugeruds urbaner Trilogie andere Prioritäten erlangt. Das müssen längst nicht die wichtigsten sein, können aber gewichtig werden, wenn der Begriff des Vertrauens in einer ganz gewissen Szene im Film kein einziges Mal Erwähnung findet. Und doch gibt es Lebensentwürfe, die ohne diesen Umstand klarkommen, die den Wert des Vertrauens und Vertrauen-Gebens nicht erfahren müssen oder wollen. In genau dieser Szene, wenn Marianne mit ihrer Fähren-Bekanntschaft für eine Nacht über das Fremdgehen philosophiert, denke zumindest ich unweigerlich an Karoline Herfurths geglücktem Episodendrama Wunderschöner. Dieser Moment passt da gut hinein, weitet sich das Gespräch auch noch insofern aus, da es die männliche Wahrnehmung von Frauen, die ihre Selbstbestimmung leben, kritisch, aber vorwurfsfrei thematisiert.

Vorwürfe gibt es in Oslo Stories: Liebe schließlich überhaupt keine, nur wahnsinnig viel Verständnis. Als wäre das Künstlermanifest Dogma 95 wieder auferstanden, lobt Haugerud den Dialogfilm als dokumentarischen, fast schon beiläufigen Austausch, ohne dabei allzu sehr abzudriften. Die Side Story um eine Osloer Jubiläumsfeier mag vielleicht trotz ihrer feministischen Thematik nicht ganz fertig und auch weniger relevant wirken für das, was den Film umtreibt – die parallel- und ineinanderlaufenden Charakterentwicklungen hingegen bestechen durch ihre sprachliche Raffinesse, die sogar jede Menge nonverbales Understatement zulässt, wenngleich Oslo Stories: Liebe in der norwegischen Originalfassung mit Untertiteln fast schon als halbes Buch durchgeht, mit vielen netten Bildern, auch vom Osloer Rathaus. Ein seltsames, kantiges, geometrisches Gebäude, scheinbar brutalistisch. Ein Kontrapunkt zur veränderlichen Gefühlswelt dieser experimentierfreudigen Liebenden.

Oslo Stories: Liebe (2024)

Cat Person (2023)

VORSICHT VOR MÄNNERN

7,5/10


cat-person© 2023 Studiocanal


LAND / JAHR: FRANKREICH, USA 2023

REGIE: SUSANNA FOGEL

DREHBUCH: MICHELLE ASHFORD, NACH DER KURZGESCHICHTE VON KRISTEN ROUPENIAN

CAST: EMILIA JONES, NICHOLAS BRAUN, GERALDINE VISWANATHAN, ISABELLA ROSSELLINI, HOPE DAVIS, CHRISTOPHER SHYER, LIZA KOSHY, JOSH ANDRÉS RIVERA U. A.

LÄNGE: 2 STD 


Etwas schräg ist der Kerl an der Kinokassa eigentlich schon, aber andererseits auch süß. Doch Vorsicht. Dieses „Süß“ könnte nur die Fassade für einen charakterlichen Zustand sein, der – wie bei zu viel Süßem – in weiterer Folge für Unwohlsein sorgt. Ein Problem, mit welchem Frau sich herumschlagen muss, will akuter Männernotstand im Rahmen heterosexueller Beziehungsmuster behoben werden. Denn Männer wollen – ganz oben auf der Agenda – empirischen Wissens nach immer nur das eine. Dafür schlüpfen sie in Rollen, die für das andere Geschlecht attraktiv genug erscheinen. Sie bewahren ihre Geheimnisse und verkaufen sich gänzlich ohne Unzulänglichkeiten. Eigenwerbung und Partner-PR – nichts davon, damit ist zu rechnen, mag authentisch sein. Und doch passiert es immer wieder. Denn die Liebe ist – wie Conny Francis schon singt – ein seltsames Spiel, aus dessen Fehlern niemand lernt.

Dieser Kerl an der Kinokassa also, dieser Robert, der auf charmante Weise unbeholfen daherkommt, will Margot (Emilia Jones) gerne näher kennenlernen. Oftmals hat man Pech und das Gegenüber ist bereits vergeben – so aber hat Robert Glück und beide kommen sich näher. So weit, so simpel wäre Cat Person von Susanna Fogel, gäbe es da nicht die potenzielle Gefahr, die, sensibilisiert durch News und Medien, hinter jedem Mannsbild steckt, welches sich an soziokulturell tief verankerten Stereotypen und Rollenbildern abarbeitet, die jahrhundertelang alles Weibliche als zu unterdrückendes Feindbild entsprechend behandelt haben, aus Angst, nicht nur intellektuell zu unterliegen. Mit dieser herumgeisternden Möglichkeit, die Katze im Sack erstanden zu haben, muss Margot nun umgehen. Ein kleiner Trost mithilfe eines Glaubenssatzes gefällig?

Männer, die Katzen halten, also eben Cat Persons, sind harmlos, so sagt man. Stimmt das? Je mehr die beiden Zeit miteinander verbringen, desto deutlicher regt sich in Margot der Verdacht, dass mit Robert irgendetwas nicht stimmt. Oder ist es nur die eigene Angst, irgendwann ausgeliefert zu sein? Als die Katze durch Abwesenheit glänzt und der Sex dann auch kein zündendes Heureka verursacht, sondern ganz im Gegenteil, lediglich zur Tortur wird, distanziert sich Margot, will gar Schluss machen. Doch einen Mann wie Robert einfach so abservieren, der vielleicht seinen Psychopathen hervorgekehrt, wenn es um Kränkung geht? Immer mehr spitzt sich Cat Person zum Thriller zu, zum psychologischen Tagebuch unguter, gar bedrohlicher Vorahnungen, die in der Fantasie Margots eher Gestalt annehmen als es tatsächlich der Fall ist. Diese stete Furcht vor toxischer Männlichkeit gebiert Ungeheuer, wird zur selbsterfüllenden Prophezeiung. Susanna Fogel, welche die viral gegangene Blogger-Story von Kristen Roupenian interpretiert, spielt geschickt mit Erwartungen, Ängsten und den Zwickmühlen gesellschaftlicher Pflichten, die auf kolportierten Glaubenssätzen basieren. Cat Person atmet die kontaminierte Luft aus Misstrauen und berechtigter Vorsicht. Anders als Bisheriges, das aus spannungsgeladenen Beziehungskisten gezaubert wurde – von Eine verhängnisvolle Affäre bis zum eben in den Kinos angelaufenen Romantikdrama It Ends with Us mit Blake Lively – liefert Cat Person keinen offenen Kampf und keine klar markierten Positionen. Die spielerische Suspense entsteht durch das Ausleben der bitteren Konsequenzen, die aufgrund von Vorurteilen entstehen, die über ein gesamtes Geschlechterbild hinwegschwappen. Die Vermutung ist das Indiz, die Möglichkeit der Beweis. Fogel ist eine ausgesprochen kluge und ungewöhnliche Tragikomödie gelungen, deren Protagonisten einem leidtun können, die jedoch Opfer des eigenen mitgelebten sozialen Wahnsinns geworden sind, der immer mehr um sich greift. Ein Film, der ausser oft ins Schwarze auch den Puls der Zeit trifft.

Cat Person (2023)

Challengers – Rivalen (2024)

DREI FÜR EIN DOPPEL

7/10


challengers© 2023 Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc. All Rights Reserved.

LAND / JAHR: USA 2024

REGIE: LUCA GUADAGNINO

DREHBUCH: JUSTIN KURITZKES

CAST: ZENDAYA, JOSH O’CONNOR, MIKE FAIST, DARNELL APPLING, A. J. LISTER, NADA DESPOTOVICH, NAHEEM GARCIA, HAILEY GATES, JAKE JENSEN U. A.

LÄNGE: 2 STD 11 MIN


Tennis? Nein danke. Zumindest nicht im Sportprogramm. Ich weiß zwar, das einer wie Dominik Thiem unlängst seine Karriere beendet hat, dass es Größen wie Steffi Graf, Andre Aggassi und den Österreicher Thomas Muster gegeben hat. Dass es die French- und US Open gibt und Wimbledon oder die Flushing Meadows (oder ist das Golf?). Doch sonst könnte ich, ganz so wie bei Baseball, eigentlich nicht aus dem Stegreif darüber Auskunft geben, nach welchen Regeln der halbharte Filzball über das Netz gedroschen wird. Da werde ich auch bei Sichtung diverser Tennisfilme nicht schlau, die mich aber eher abholen als der Stöhn-Sport an sich. Filme wie Battle of the Sexes oder King Richard sind sehenswert, weil sie vielmehr erörtern, welche sozialen oder gesellschaftlichen Mechanismen dahinter aktiv werden. Um Tennis geht es in den Filmen nur peripher. Genauso wie bei Luca Guadagninos Challengers – Rivalen. Natürlich verortet sich diese Geschichte im Sportfilmgenre, doch abschrecken sollte man sich davon nicht lassen. Da wird Zendaya schon ihr Übriges tun, um auch Tennis-Banausen ins Kino zu bringen. Zendaya ist ja mittlerweile längst nicht nur Schauspielerin, sondern auch Trend-Ikone und Glamour-Girl, aber eine gern gesehene, da sie sich, wie des Öfteren berichtet wird, ganz natürlich gibt, ohne groteske Allüren. Zendaya spielt in Challengers übrigens wirklich groß auf – noch größer als in Villeneuves filminantem Dune-Nachtrag. Sie ist sexy, verführerisch, aber auch selbstbewusst, bisweilen arrogant und egozentrisch. Sie ist sensibel und gleichzeitig toughe Sportlerin, die anderen einheizt. Diese Nuancen bringt Zendaya alle auf den Punkt, ihre Rolle ist also nie langweilig, vorallem deswegn nicht, weil sie weiß, wie sie Emotionen lebt, die sie mit anderen kaschieren muss, weil es die Blase, in der sie existiert, eben verlangt.

Ihr gegenüber und sehr schnell ausgeliefert sind Josh O’Connor (zuletzt gesehen in Alice Rohrwachers Schatzsucher-Allegorie La Chimera) und Mike Faist (West Side Stoy), die am Anfang des Films noch grünohrige Teenager sind, die sich von Zendaya um den Finger wickeln lassen und ehe sie sich versehen, von ihr ausgespielt werden. Sie nutzt die Strebsamkeit der beiden im Tennissport, um sie zu manipulieren. Wer gewinnt, bekommt ihre Nummer. So einfach ist das. Und so folgenschwer, betrachtet man die latent homosexuelle Freundschaft der beiden, die sich von der Unterstufe her kennen und im Leben bislang alles gemeinsam machten. Zendayas Figur der Tashi Duncan, längst Juniorprofi im Tennissport und adidas-Testimonial, hat die Zügel fest im Griff, die beiden jungen Männer spielen den Sport nach ihrer Pfeife. Bis – und das kann gar nicht verhindert werden – Neid, Missgunst und Rivalitäten das Leben von allen dreien auf völlig neue Pfade schickt. Vorallem auch, weil Tashi nach einem Unfall auf dem Tenniscourt ihre Karriere wohl ad acta legen muss, stattdessen coacht sie den einen der beiden, Art Davidson, der sich im Laufe der Jahre zum Profi mausert. Natürlich spielt auch der andere, Patrick Zweig, eine Rolle. Denn was mal war, lässt sich nicht auslöschen. Und die Zweifel darüber, was Tashi eigentlich will, hält die Dreiecksbeziehung über einen epischen Zeitraum von rund dreizehn Jahren am Laufen.

Luca Guadagnino war niemals wieder so gut wie damals, als er Call Me by Your Name, das sommerfeuchte Liebesdrama zwischen Armie Hammer und Thimothée Chalamet auf die Leinwand brachte. Grandioses Kunstkino, erotisch und virbierend; ein Werk, dem man sich nur schwer entziehen kann. Diese Intensität erreicht er auch mit Challengers nicht mehr wieder – was das schweißperlende Drama einer Freundschaft aber immer noch sehenswert genug sein lässt. Die Art und Weise, wie er auch diesmal Verlangen, Begehren, Wunsch und Wirklichkeit aufdröselt, ist mit feiner Klinge geführt. Szenen der romantischen Schwere wechseln mit kühlen Konfrontationen, die mit heftigen musikalischen Rhythmen unterlegt sind. Die Erotik am Tennisplatz und im Bett beruht längst nicht nur auf trivialen Nacktszenen. Gesichter, Blicke, Mimiken, nackte Beine und gezeichnete Körper verorten den Leistungssport auch im Zwischenmenschlichen. Dabei wird Challengers nie garstig oder kriminell. Die Spannung des Films liegt naturgemäß in der Rivalität der beiden Männer, der Film ist auch ihre Geschichte, und Zendaya eigentlich nur die treibende Kraft oder der Auslöser hinter einem nie verarbeiteten Konkurrenzkampf, der vielleicht das Zeug dazu hat, irgendwann das Ventil einer nie ausgelebten Sehnsucht zu öffnen. Womit wir wieder bei Call Me by Your Name wären.

Challengers – Rivalen (2024)

Stars at Noon (2022)

NACKT IN NICARAGUA

5/10


starsatnoon© 2022 Ad Vitam Distribution


LAND / JAHR: FRANKREICH 2022

REGIE: CLAIRE DENIS

DREHBUCH: CLAIRE DENIS, ANDREW LITVACK, LÉA MYSIUS

CAST: MARGARET QUALLEY, JOE ALWYN, DANNY RAMIREZ, BENNY SAFDIE, JOHN C. REILLY, NICK ROMANO U. A.

LÄNGE: 2 STD 18 MIN


Reden wir nicht über Politik. Reden wir über die Liebe. Oder die Leidenschaft. Die Sexuelle Begierde, die in zerknüllten feuchten Laken und dampfenden Körpern – mein Gott, ist das schwülstig formuliert – ihren Ausdruck findet. Doch ob schwülstig hin oder her: in letzter Zeit ist mir kein anderer Film untergekommen, der die Definition von romantischem Abenteuer so sehr in eine Groschenroman-Ästhetik verpackt wie Stars at Noon. Die französische, sich quer durch alle Genres durchkostende Vielfilmerin Claire Denis hat sich eines Romans aus den Achtzigern angenommen, der in den Wirren des Nicaragua-Krieges spielt und sehr viel mit CIA, waghalsigem Journalismus und zwielichtigen Nutznießern aus der Wirtschaft zu tun hat. Alles Faktoren, die großes internationales Kino versprechen, so episch, als wären Catherine Hepburn und Spencer Tracy oder Lauren Bacall und Humphrey Bogart traumwandelnde Gestalten inmitten politischer Umbrüche und derlei gesellschaftlicher Spannungen, die damit einhergehen.

Traumwandlerisch ist wohl das Adjektiv, das am besten zu Stars at Noon passt. Ins Zentrum setzt Claire Denis Margaret Qualley, die Tochter Andie McDowells und seit Tarantinos Once Upon a Time… in Hollywood einem breiteren Publikum wohlbekannt. Sie gibt eine amerikanische Journalistin, die unangenehme Fragen gestellt und einen Artikel veröffentlicht hat, den allerlei mächtige Leute als bedenklich einstufen. Das hat zur Folge, dass die junge, durchaus promiskuitive Dame ohne Geld und ohne Pass in Nicaragua festsitzt und darauf hofft, durch Sex in die Gunst mancher Männer zu gelangen, die Beziehungen haben. Nicht selten lässt sie sich dafür auszahlen, darunter auch von Geschäftsmann Daniel (Joe Alwyn), der den Reizen der zugegeben hocherotischen Trish naturgemäß erliegt. Dieser Geschäftsmann aber hat sich mit den falschen Leuten eingelassen, und zwar mit jenen der costa-ricanischen Polizei und natürlich auch mit der CIA, und allesamt sind sie hinter ihm her, während Trish, immer noch darauf aus, ihre Papiere zurückzuerlangen, Daniel zur romantischen Zweisamkeit nötigt, wann immer sich dazu die Gelegenheit bietet. Letztendlich beschließen sie, sich gemeinsam Richtung Costa Rica abzusetzen. Auch ohne Pass und Geld.

Was an Stars at Noon am meisten fasziniert, ist das Gesicht von Margaret Qualley. Claire Denis kann sich daran nicht sattsehen. Wenn das liebreizende Konterfei nicht reicht, gibt’s Qualley auch im Evakostüm vor dem Fenster, vor dem Spiegel, auf dem Bett oder im Badezimmer. Es ist, als hätte Richard Hamilton lediglich seinen Weichzeichner vergessen, doch die eingefangene, schweißtreibende Schwüle tut ihr Übriges, um Konturen aufzuweichen. Stars at Noon ist schön anzusehen, keine Frage. Diese stellt sich aber umso mehr, betrachtet man den offensichtlichen Anachronismus des Films. Denis liegt weder daran, eine komplexe politische Geschichte zu erzählen noch daran, all die Umstände, die Trish und Daniel dorthin gebracht haben, wo sie sind, näher zu erläutern. Nicht mal die Zeit scheint von Bedeutung, Referenzstücke, um ein bestimmtes Jahrzehnt zu eruieren, fehlen gänzlich. Also vermischt sie Versatzstücke der modernen Gegenwart wie Smartphones und Chipkarten mit den politischen Unruhen der Reagan-Ära. Indizien, die nicht zusammenpassen.

Überhaupt nutzt Stars at Noon seinen fadenscheinigen Plot lediglich als abstrahiertes Konstrukt, als simplifizierte Verzerrung eines relevanten Politikums. Wie ein hohles Gefäß, in das Claire Denis ihre Zeit totschlagende Romanze bettet, eine Art Kulisse ohne Tiefe, eine austauschbare Variable für Thrillerdramen aller Art. In diesem kafkaesken Mysterium stört Margaret Qualley rein gar nichts, ihr breites Lächeln entschädigt für vieles, jedoch nicht für das langweilige Spiel von Joe Alwyn, zwischen beiden sprüht kein Funke. All die übrigen Figuren sind Staffage rund um Qualleys einnehmender Entrücktheit, der man die Rolle der investigativen Journalistin keine Sekunde abnimmt. Wer sind sie dann, diese beiden? Kolportierte Antihelden einer Stil-Hommage an den amerikanischen Film Noir, deren Plots manchmal so undurchschaubar waren, dass man sich am liebsten gar nicht damit auseinandersetzen, sondern nur mit den schmachtenden Momenten der Liebenden Vorlieb nehmen wollte. Diese Diffusion gelingt Claire Denis dann doch. Ob schwülstige Tropennächte das Soll erfüllen? Wie bei so vielen anderen Filmen bleiben bei diesem hier ohnehin nur Fragmente in Erinnerung. Es sollen die richtigen sein.

Stars at Noon (2022)

Miller’s Girl (2024)

DES LEHRERS FEUCHTER TRAUM

3/10


MillersGirl© 2024 Constantin Filmverleih


LAND / JAHR: USA 2024

REGIE / DREHBUCH: JADE HALLEY BARTLETT

CAST: JENNA ORTEGA, MARTIN FREEMAN, GIDEON ADLON, BASHIR SALAHUDDIN, DAGMARA DOMIŃCZYK, CHRISTINE ADAMS U. A.

LÄNGE: 1 STD 33 MIN


In Ti Wests Retro-Slasher X fiel sie dem Publikum vielleicht nicht ganz so auf – spätestens als Wednesday war das eine Sorge weniger: Jenna Ortega brillierte als morbider Teenie-Freak in ungeahntem Ausmaß, ihre denkwürdige Tanzeinlage in einer der wohl erfolgreichsten Netflix-Serien ever zählt jetzt schon zu den popkulturellen Schätzen der 20er Jahre des neuen Jahrtausends. Tim Burton wusste, wie er nicht nur die gesamte monströse Sippschaft, sondern vor allem Ortega in Szene setzen muss – mit ernster, stoischer Miene und stets einem gespenstischen Lächeln auf den Lippen, wenn Mord, Tod und Verwesung gerade mal wieder Hochkonjunktur hatten. So eindringlich diese Performance in Addams verschroben-spannender Fantasy, so austauschbar wird sie im neulich in den Kinos angelaufenen Lehrer-Schüler Drama Miller’s Girl von Jade Halley Bartlett. Diesen Miller, den gibt der ewige Sympathieträger Martin Freeman, der als junger Bilbo Beutlin Wesentliches dazu beigetragen hat, um Mittelerde nicht in Schutt und Asche versinken zu lassen. Und als vom Krieg traumatisierter Dr. Watson war er die perfekte Ergänzung zum messerscharf kombinierenden Benedict Cumberbatch.

In Miller’s Girl darf er als mehr oder weniger erfolgloser Schriftsteller an einer Uni irgendwo in Tennessee Literatur unterrichten, ganz besonders bemerkt er dabei die stets in Miniröcken recht reizvoll aufgedonnerte 18jährige Studentin Cairo Sweet (was für ein obskurer Name), die es sich nicht nehmen lässt, den knuddeligen, leider etwas in seiner künstlerischen Entfaltung verhinderten Intellektuellen mit subversiver Koketterie zu verführen und daher nicht mit Reizen zu geizen, die spätestens dann, als Miller seiner Schülerin die Möglichkeit gibt, aufgrund ihres famosen Talents eine vorgezogene Zwischenprüfung zu absolvieren, nicht umsonst gewesen sein werden. Denn in der Wahl ihrer Arbeit wählt sie Henry Miller als stilistisches Vorbild, und wir alle wissen, was dieser Mann alles geschrieben hat, vor allem Dinge, die Minderjährige nicht lesen sollten. Spätestens da wird die Namensgleichheit der beiden Wortakrobaten überdeutlich, und Martin Freemans Figur des stets nahe an der süßen Versuchung (Sweetie – Nomen est Omen) befindlichen Miller Nr. 2 kann gerade noch so an sich halten, um nicht das Verbotene zu tun, nämlich eine Liaison mit einer Studentin einzugehen, die ihm vermutlich den Job kosten würde.

Natürlich ist die junge Dame ein Hingucker, natürlich sind die Close Ups ihres Konterfeis und all die figurenbetonenden Outfits so richtig nett – für einen Instagram Account. Für einen Film, der sich zaghaft gibt und meilenweit davon entfernt ist, mit dem Thriller-Genre zu kokettieren, fehlt es an der Wahl der richtigen Szenen, um den Charakteren eine relevante Biographie angedeihen zu lassen, da hilft nicht mal Jenna Ortegas Stimme aus dem Off, die über ihr Leben klagt, weil sie in elternloser, aber steinreicher Einsamkeit (ein Soll, nach dem Barry Keoghan in Saltburn strebt) jenseits ihres Studiums sonst nichts hat, was ihr Leben aufpeppt. Diesen Mangel an Biss, den Cairo Sweetie mit aus meiner Sicht dilettantischer Provokation wettmachen will, macht Miller’s Girl aber unentwegt zum Thema.

Vielleicht liegt es auch an der Fehlbesetzung von Martin Freeman, der sich nicht entscheiden kann, wer oder was er sein will: Bilbo, Dr. Watson, Agent Ross aus dem Marvel-Universum oder jemand ganz anderer? Es ist ein ständiges Zögern auf beiden Seiten, viel Gerede über Literatur, es ist wie das Warten auf die Unterrichtsstunde irgendwo am Schulhof, während man eine Zigarette raucht. Dabei blicken sich beide tief in die Augen – und nichts passiert. Sidekicks wie Bashir Salahuddin als Millers Lehrerkollege oder Dagmara Domińczyk als exaltierte bessere Hälfte Freemans stören dieses ohnehin scheiternde Chemie-Experiment auf nervtötende Weise, ihr Mehrwert für diesen Film lässt sich nicht deutlich erkennen, dabei nehmen diese ganz schön viel Raum ein, wie Hooligans bei einem Fußballmatch: Störend, auffällig, doch den Kern der Sache bringt es nicht weiter. Miller‘s Girl ist ein Beispiel dafür, wie Nebenrollen einen Film dabei hindern können, mehr aus sich zu machen.

Da diese Nebenrollen wie lästige Gäste am Ende noch immer nicht gehen wollen, verhallt die körperliche Liebe in Gedanken. Ohne Funke, ohne Feuer, nur kalter Rauch, das letzte Überbleibsel einer zaghaften Idee, die nicht den Mut hat, über eine Schamesröte beim Lesen von Henry Miller hinauszugehen. Da bleibt nur Jenna Ortega, wie sie in Zeitlupe die Spindzeile ihrer Schule entlangschreitet – was sie in Wednesday auch schon getan hat, nur diesmal selten in Schwarz und mit offenem Haar.

Miller’s Girl (2024)

Drei (2010)

DIE ALGEBRA DES FLOTTEN DREIERS

7,5/10


drei© 2010 The Match Factory


LAND / JAHR: DEUTSCHLAND 2010

REGIE / DREHBUCH: TOM TYKWER

CAST: SOPHIE ROIS, SEBASTIAN SCHIPPER, DEVID STRIESOW, ANNEDORE KLEIST, ANGELA WINKLER, ALEXANDER HÖRBE, WINNIE BÖWE, HANS-UWE BAUER U. A.

LÄNGE: 1 STD 59 MIN


Lange nichts mehr von Tom Tykwer gehört. Zumindest nichts, was mit dem Kino zu tun hätte. Der Visionär aus dem Wuppertal trägt zumindest für die heimische Flimmerkiste ein Stück Fernsehgeschichte mit: Babylon Berlin geht mitunter auf sein Konto, den Ruhm für dieses einmalige Event muss er sich mit Achim von Borries und Henk Handloegten teilen. Macht doch nichts, Tykwer scheint mir einer zu sein, der kein Problem damit hat, im Team zu arbeiten – siehe Cloud Atlas. Gerade die Bereitschaft, Agenden aufzuteilen, um so zu einem besseren Ganzen zu gelangen, hat das multitemporäre Science-Fiction-Epos zu dem gemacht, was es ist: einem besonderen Meisterwerk, unterstützt durch die Wachowski-Geschwister, die seit Matrix auch nicht mehr das Gelbe vom Ei freilegen konnten.

Tykwer allerdings funktioniert auch auf Solopfaden bestens, und nicht erst seit seinem Stress-Thriller Lola rennt. Ganz besonders funktioniert Tom Tykwer auch, wenn die Reise in die zwischenmenschlichen Terra incognita führt. Wenn sich Männer und Frauen wechselwirkend aufeinander einlassen und nicht unbedingt nur zwei dazugehören, sondern eben – wie der Titel schon sagt – drei. Diese drei sind anfangs aber eben nur zwei, und da taucht plötzlich dieser eloquente, völlig gelassene und über allen Dingen stehende Adam auf – Stammzellenforscher und sowieso schon mal offen für Experimente aller Art, die die Physik des Daseins nutzen, um völlig Neues aufzudecken. Adam – der Name ist Programm. Devid Striesow darf sich als Erleuchtung bringende, wandelnde Institution erklären, die Liebenden das Feuer neuer Möglichkeiten bringt. Die Liebenden sind Hanna (die unvergleichliche Sophie Rois) und Simon (Sebastian Schipper). Simon pflegt seine krebskranke Mutter bis zu ihrem Ableben, während Hanna Adam kennenlernt – und mit ihm eine Beziehung anfängt. Zeitgleich erkrankt nun auch Simon. Da Hanna ihn liebt, bleibt sie an seiner Seite – letzten Endes heiraten sie. Adam jedoch wird für beide zum fixen Bestandteil ihres Lebens, denn der vom Krebs Genesende lernt diesen wiederum im Schwimmbad kennen. Da Adam sofort kein Hehl daraus macht, seine Bisexualität offen zu kolportieren, entdeckt auch Simon seine Lust am Manne. Denn, und das ist das Motto dieses komplexen und hochgradig amüsanten, aber niemals der seichten Unterhaltung dienenden Erotikfilms: Die Biologie deterministisch zu sehen, ist eine Ansicht, von der Mann und Frau sich lösen muss. Schließlich hält sie in petto, was möglich ist. Und somit natürlich.

Auch dieser wilde Dreier voller Leidenschaft. Spannend macht die Beziehungskiste vor allem die Tatsache, dass Hanna und Simon jeweils vom anderen nicht wissen, dass Adam längst Teil ihres Lebens ist. Dadurch gewinnt Drei eine zusätzliche beziehungskomödiantische Facette, die andernorts und vielleicht auch in Hollywood für einen ganzen Film reichen hätte kommen. Tykwer gibt sich mit dieser einen Dimension längst nicht zufrieden. Seine Ansätze sind gar wissenschaftlicher, sozialphilosophischer Natur – das begeisterte Spiel des Trios, ihre Hingabe und ihr erfrischender Mut, Nacktheit zu zeigen und womöglich auch ihrer eigenen Gesinnung entgegenlaufende Abenteuerlust völlig ungeniert darzustellen, lässt die auf mehreren Metaebenen laufende Dramödie nicht nur selbstbewusst als mathematische Formel in neonleuchtenden Schwimmbadlettern über allem strahlen. Wie dieses Dreiergespann aber in sich greift, wie jeder jedem und jede jedem und jeder jede um sein intimes Lebensglück aus Versuchung und Verlangen bereichert, ist fast schon ein vollendetes Verhaltensmuster.

Drei (2010)

Maestro (2023)

IM EIFER DER MUSIK

6/10


Maestro© 2023 Netflix Inc.


LAND / JAHR: USA 2023

REGIE: BRADLEY COOPER

DREHBUCH: BRADLEY COOPER, JOSH SINGER

CAST: BRADLEY COOPER, CAREY MULLIGAN, MAYA HAWKE, MATT BOMER, VINCENZO AMATO, MIRIAM SHOR, SARAH SILVERMAN, MICHAEL URIE, BRIAN KLUGMAN, NICK BLAEMIRE, GIDEON GLICK U. A.

LÄNGE: 2 STD 9 MIN


„Wie die Nase des Mannes, so ist sein…“ Ein selten dämlicher Spruch, doch den Eklat ums aufgepflanzte Riechorgan, um der Rolle des Leonard Bernstein auch optisch gerecht zu werden, wird der Film nicht mehr los. Wie bei Rami Maleks Freddy Mercury-Vorbiss, auf welchen manche nicht anders konnten, als diesen im Fokus zu haben, durchpflügt Bradley Coopers „Pfrnak“ den Film – mal mehr, mal weniger, je nach Licht und Perspektive der Kamera. Nun, tatsächlich ist diese angeblich diskriminierende Extension nur halb so dominant. Später, wenn Make Up-Artists immer mehr und mehr Maske anlegen müssen, stellt das Teil kein Problem mehr da. Das zunehmend zerfurchte und alternde Gesicht des Vollblutmusikers wird letztlich die Vorreiterrolle übernehmen. Es bleibt einem nur noch, ganz genau hinzusehen, um dahinter Bradley Cooper zu erkennen. Er verschwindet zwar nicht ganz so sehr wie Gary Oldman hinter Winston Churchill, aber dennoch: Gemeinsamkeiten mit seiner Rolle aus Hangover gibt es keine mehr.

Das Leben des New Yorker Dirigenten, Komponisten und Musik-Afficionados wird zu Coopers Herzensprojekt. Wichtigstes Ziel dabei: genauso auszusehen und sich zu geben wie Leonard Bernstein himself, ohne Abstriche, ohne freier Interpretation. Akribisch recherchiert, genauestens beobachtet und letztlich umgesetzt. Maestro nennt sich das auf Netflix erschienene Werk (das darüber hinaus auch in manchen Kinos lief, um dem Preisregen der Academy nicht zu entgehen) und begreift sich vor allem als filmgewordenes, teils jeweils in Schwarzweiß und in Farbe gedrehtes Denkmal, in welchem die Biographie selbst gar nicht mal so eine große Rolle spielt. Denn die ist, mit Ausnahme des tragischen Schicksals seiner Ehefrau Felicia Montealegre, im Grunde eine Aneinanderreihung ungestümer Kraftakte am Dirigentenpult, viele Stangen Zigaretten und ruhelosem Schaffen, dass den Musiker längst schon in ein Burnout hätte treiben können.

Bradley Coopers Bernstein legt eine fahrige Hyperaktivität an den Tag, die aufreibt. Dort eine Komposition, hier ein Auftritt, woanders wieder eine Lehrstunde an der Uni, dann ganz viel Society und wieder eine Komposition. In diesem Zyklus schraubt sich der Film von den Vierzigerjahren bis in die Achtzigerjahre. Lenny, wie er von Frau und Freunden genannt wird, sehen wir beim Älterwerden zu, bei seinem ersten Triumph bei den New Yorker Philharmonikern über seine Beziehung zur Schauspielerin Felicia bis hin zum schweißtreibenden Kraftakt in der britischen Kathedrale von Ely, in der Cooper all sein Können hineinlegt, um seinem Vorbild gerecht zu werden. Er schwingt den Taktstock zu Gustav Mahlers Auferstehungssymphonie, als gäbe es kein Morgen mehr, als würde in Kürze die Welt versinken. Er rudert mit den Armen, mit verzerrtem, schweißnassem Gesicht, längst schon in Ekstase. Der Zenit musikalischer Ausdrucksstärke ist erreicht, erschöpft sinkt unsereins wieder ins Sofa zurück – das war ein Moment, da kann sich Cate Blanchett als Tár noch so einiges abschauen.

Um diesen besonderen Auftritt herum weiß Cooper auch sonst ganz genau, wie er sich in Szene setzt. Niemand sollte ihm hierbei das Wasser reichen, nicht mal Carey Mulligan, die tut, was sie kann, um für das Bernstein-Lookalike stark genug zu sein. Ihre Leistung ist souverän, doch sie bleibt nur die zweite Reihe, auf irgendeinem Platz im Orchester, das Cooper dirigiert und dabei nur sich selbst filmt, unentwegt, in unterschiedlichstem Licht, in allen erdenklichen Posen, akkurat nachgestellt und herrlich selbstverliebt.

Zum Künstler und seinem bisexuellen Lebenswandel; zu seiner Familie und seiner ewigen Rastlosigkeit, fehlt dann doch der Zugang. Ein Mensch wie Bernstein, wie sehr muss er wohl das Dasein als von allen bewunderter Künstler genossen haben. Als einer, dem alles erlaubt schien, der alles durfte und so lebte, wonach ihm war. Als fleischgewordene Bereicherung für die Musikwelt darf einer wie er durchaus Tribute fordern, nur nicht an sich selbst. Das macht ihn nicht gerade sympathisch, doch das Staunen über so viel Obsession, deren Energie dahinter immer nur so viel verbrennt, wie gerade neue entsteht, übertüncht alles. Was bleibt, ist die One-Man-Show Coopers und die One-Man-Show Leonard Bernsteins. Zwischen diesen beiden Sichtweisen wechselt der Film, der außer der Darstellung einer Ikone zwar ein Leben erzählt, aber eines, dem man in seiner Hast und in seinen nur schwach ausgearbeiteten Stationen kaum folgen kann.

Maestro (2023)

Ingeborg Bachmann – Reise in die Wüste (2023)

SCHREIBEN UND LIEBEN

7/10


bachmanninderwueste© 2023 Alamode Film


LAND / JAHR: SCHWEIZ, ÖSTERREICH, DEUTSCHLAND, LUXEMBURG 2023

REGIE / DREHBUCH: MARGARETHE VON TROTTA

CAST: VICKY KRIEPS, RONALD ZEHRFELD, TOBIAS RESCH, BASIL EIDENBENZ, LUNA WEDLER, MARC LIMPACH, ROBERTO CARPENTIERI, KATHARINA SCHMALENBERG U. A.

LÄNGE: 1 STD 50 MIN


Ich sage es gleich vorweg – und ja, ich weiß – Bildungslücke: Ingeborg Bachmann ist mir natürlich ein Begriff, doch letztlich kenne ich nichts von ihr, weder Hörspiel noch Lyrik noch Prosa. Den Zugang zu ihren Werken fand ich nie, auch war mir Sartre ‘scher Expressionismus und das Absurde Theater deutlich näher als das Euvre der in Klagenfurt am Wörthersee geborenen literarischen Größe, die Zeit ihres Lebens bereits, und das kann man so sagen, Starruhm genoss. Was noch nicht war und ist, kann sich ändern – Der gute Gott von Manhattan, Bachmanns letztes Hörspiel, werde ich mir vermutlich demnächst zu Gemüte führen.

Wie Ingeborg Bachmann selbst gewesen sein mag? Die öffentliche Person kennt man ja, und ihre Briefwechsel mit anderen künstlerischen Größen wie Paul Celan sind längst verlegt und sogar schon, von Ruth Beckermann, unter dem Titel Die Geträumten, als semidokumentarische, szenische Lesung verfilmt worden. Ihre Beziehung zu Max Frisch? Für Margarethe von Trotta, bereits erfahren mit Portraits bekannter Frauenfiguren, ist diese Zeitspanne ihres Lebens und Leidens zumindest einen Film wert. Was dabei aber deutlich ins Auge fällt, ist der bekennende Umstand, nur bruchstückhaft in einer schriftstellerischen Zweisamkeit aufgeräumt zu haben. Viel wichtiger scheint es bereits am Anfang des Films oder sogar schon kurz nachdem Ronald Zehrfeld als Wuchtbrumme von Schriftsteller die Szene betritt, Ingeborg Bachmann selbst von allem loszulösen, was sie bedrängen könnte. Nur, um ihr ein Portrait zu widmen, ein ebenfalls nur fragmentarisches, dafür aber greifbares und dank des unaufdringlichen und zurückhaltenden Spiels von Vicky Krieps auch raumschaffendes Psychogramm, das zur passiven Mitarbeit des Zusehers einlädt. Immer wieder brechen Zitate aus Bachmanns Feder, wie zum Beispiel Es seien nicht immer die Mörder, sondern manchmal die Ermordeten schuldig oder Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar wie Leitsätze als etwas, das gehört werden sollte, ins Bild. Titel wie Die gestundete Zeit oder Das dreißigste Jahr, aus welchem Krieps alias Bachmann dann auch vorliest, dienen dem Film dazu, nicht nur den Charakter der Künstlerin zu umreissen, sondern diesen auch inmitten ihres Schaffens lose, aber doch, zu verankern.

Ingeborg Bachmann – Reise in die Wüste beginnt auch damit, die Autorin in die Wüste zu schicken, mitsamt ihres damaligen Freundes und auch Partners Adolf Opel, der später seine Erinnerungen an diese besondere Reise unter dem Titel Landschaft, für die Augen gemacht sind 1996 veröffentlichen wird. Dort soll sie sich vor allem von einer destruktiven Beziehung mit dem Schweizer Max Frisch erholen, der ihr anfangs noch das Blaue vom Himmel versprochen und sie später sitzen gelassen hat, vielleicht für eine andere, vielleicht aber auch, weil zwei Größen wie diese mit kaum übersehbarem Ego unter einem Dach kaum Platz finden. Leben, wie diese eben gewesen waren, aufteilen – und das Dasein als Künstlerin oder Künstler beschneiden, zur Ermöglichung einer harmonischen Zweisamkeit? Geht natürlich nicht, doch wo die Liebe und das Begehren hinfällt, hat der Alltag mal vorerst Sendepause. Irgendwann kehrt auch dieser zurück, und allmorgendlich muss Bachmann das quälende Hämmern Max Frischs in die Schreibmaschine über sich ergehen lassen. Mit diesem qualvollen Geklopfe beginnt auch der Anfang vom Ende – relativ früh zwar, aber dafür langsam, dahinsiechend, voller Eifersucht von Seiten des Mannes, voller Sehnsucht Bachmanns nach Rom, ihrem Elysium – für Frisch unmöglich, dort zu leben.

Das besitzergreifende, manische Wesen des formatfüllenden Zürcher Dramatikers mag von Ronald Zehrfeld vielleicht etwas ausufernd und überspitzt dargeboten sein – zumindest aus Bachmanns Sicht könnte diese subjektive Wahrnehmung ihres Partners diesem verzerrten Bild entsprechen. Bachmann selbst bleibt wie bereits erwähnt in kettenrauchender, leiser Melancholie – gleichzeitig unnahbar und dadurch faszinierend verführerisch. Im Interieur der Sechziger verharrend, mag manches einem Verhaltensmanierismus geschuldet sein, doch sind diese Oberflächlichkeiten nicht immer ein Fehler. Durch dieses Illustrieren gelingt der Zugang zu einer (zumindest für mich) unbekannten Persönlichkeit deutlich leichter. Von Trottas Film mag auch Bachmann für Anfänger sein – Literaten mit viel mehr auf der Habenseite werden sich vielleicht über die schlichte Struktur dieses Films wundern, für mich findet sich in Krieps Spiel Sehnsucht, Kummer und Leidenschaft einer komplexen, nicht einfachen Person, die ihrer Zeit weit voraus war und das Hausfrauenverständnis eines Max Frisch untergraben konnte – einfach, weil sie als unkorrumpierbare, unverbiegbare Avantgardistin sich selbst treu blieb und das Selbstbewusstsein einer Frau lebte, die wusste, wo und was ihre Stärken waren.

Ingeborg Bachmann – Reise in die Wüste (2023)

Fair Play (2023)

MANN HAT ES – FRAU AUCH

7,5/10


fairplay© 2023 MRC II Distribution Company, L.P.


LAND / JAHR: USA 2023

REGIE / DREHBUCH: CHLOE DOMONT

CAST: PHOEBE DYNEVOR, ALDEN EHRENREICH, EDDIE MARSAN, RICH SOMMER, GERALDINE SOMMERVILLE, SEBASTIAN DE SOUZA, BRANDON BASSIR, SIA ALIPOUR U. A.

LÄNGE: 1 STD 55 MIN


Sie sind jung, sie sind ehrgeizig und aufstrebend, sie sind… von gestern. Zumindest einer der beiden, und zwar er, der ach so verständnisvolle Mann im Haus, genannt Luke. Als Analyst in einem Investmentunternehmen teilt er sich den Arbeitsplatz mit seiner Geliebten und alsbald Verlobten, der nicht minder karriereorientierten Emily. Noch ist alles eitel Wonne, beide sind beruflich auf Augenhöhe, beide müssen sich vom CEO Mr. Campbell (fies: Eddie Marsan), einem sardonischen Kapitalhai, der keinen Respekt vor Untergebenen hat, Beleidigungen jedweder Art gefallen lassen und dürfen ganz sicher nichts Privates mit in die Firma nehmen. Daher ist auch die Liaison der beiden streng geheim. Beide tun so, als wäre nichts. Daheim aber ist die Liebe am Lodern, die Leidenschaft ebenso, und die Männlichkeit drauf und dran, ins stereotype Heldenhafte zu wachsen, geht doch das Gerücht um, das Luke alsbald den Preis für seine Zielstrebigkeit kassieren wird: als neuer Portfoliomanager (was immer das auch ist) soll er den ins Off gekickten Vorgänger, der schon mal Nerven schmeißend die Elektronik seines Büros zertrümmert hat, bevor er gehen hat müssen, ersetzen.

Normalerweise könnte man meinen: Natürlich bekommt der Mann den Zuschlag, wir leben schließlich und leider Gottes in einer diskriminierenden Welt. Doch es kommt anders. Emily gerät in den Fokus der Chefetage – nicht, weil Frauenquoten erfüllt werden müssen, sondern weil sie genau das leistet, was Campbell als vielversprechend für die Erfolgskurve seiner gnadenlosen Diktatur betrachtet. Und nun stellt sich die Frage: Ist Luke als Mann von Morgen bereits so weit in der neuen und gerechten Ordnung einer Gesellschaft angekommen, die akzeptiert, wenn das „schwache Geschlecht“ plötzlich mehr Macht und Geld hat als jenes angeblich starke, das immer noch glaubt, Frauen beschützen zu müssen?

An diese Umkehrrechnung macht sich Langfilmdebütantin Chloe Domont heran, ohne auf Klammern, Plus- und Minuszeichen zu vergessen. Diese Gleichung geht auf, ihr selbst verfasstes Karrieredrama ist spannend und aufwühlend wie ein Thriller, bissig wie eine Satire und so beobachtend wie ein Psychodrama. Netflix holt sich Fair Play – ein Titel, der recht austauschbar anmutet, aber man sollte sich nicht davon abschrecken lassen – als eines seiner Highlights des diesjährigen Streaming-Jahres ins Programm. Wer hätte das gedacht, dass ein Werk, von dem man glauben hätte können, es wäre ein regressiver Schmachtfetzen mit Liebe, Intrigen und wilder Romantik im Stile der 50 Shades of Grey, letztendlich eine Schärfe an den Tag legt, die gesellschaftlichen Machtkämpfen wie Michael Crichtons Enthüllung längst das Wasser reichen kann. Prickelnde Erotik, erwartbares Hickhack im Rahmen eines zu erwartenden Rosenkrieges – ganz so einfach macht es sich Chloe Domont in ihrem selbst verfassten Skript zum Glück nicht.

Dankenswerterweise darf Alden Ehrenreich, der junge und zu Unrecht verschmähte Han Solo, seinen normativen Gentleman raushängen lassen – verständnisvoll, scheinbar aufgeschlossen dafür, Paradigmenwechsel gutzuheißen und liberal bis dorthinaus, um seiner besseren Hälfte jenen Erfolg zu gönnen, den wohl er selbst gerne gehabt hätte. Zugegeben, das ist nicht leicht, die eigene Niederlage wegzustecken. Doch wo hört da die in Fleisch und Blut übergegangene Erziehung von vorgestern auf, als wir alle noch die alten und unfairen Rollenbilder gelehrt bekamen? Wo fängt die Loslösung davon eigentlich an? Und ist sie überhaupt schon im Gange? Oder sind das alles nur Lippenbekenntnisse? Dieser Analyse muss sich Ehrenreich stellen, während Phoebe Dynevor (bekannt aus Bridgerton) die neue Ordnung dankend annimmt, ohne dabei aber in einen ähnlichen Chauvinismus zu verfallen, wie ihn Männer manchmal haben. Dieses Ungleichgewicht und der stets scheiternde Versuch, berufliche Neuordnung nicht gleich als Entmannung anzusehen, machen Fair Play zu einer stets aufgeräumten und niemals allzu dreckigen, aber intelligenten Nabelschau, die, noch viel stärker oder zumindest gleich stark wie Greta Gerwigs Satire Barbie, gerade jene Versatzstücke seziert, die urbanes Mann-Sein öffentlich ausmacht. In der erbarmungslosen Welt des Geldes und des Erfolges, die keinerlei Werte kennt, außer den der Gewinnmarge, sind noble Vorsätze wie Fürze im Wind.

Es tut fast körperlich weh, Ehrenreich bei seiner Entmannung zuzusehen. Erschreckend dabei ist: Nichts davon scheint so sehr überzeichnet, um lachhaft zu wirken. Die Verzweiflung, die masochistische Lust an der Erniedrigung, die eruptive Gewalt als letztes Machtinstrument, das einem Mann wohl bleibt: Selten war ein Film über das Ringen der Geschlechter so glasklar.

Fair Play (2023)

Roter Himmel (2023)

DIE PRIORITÄTEN EINES KÜNSTLERS

6,5/10


Roter-Himmel© 2023 Christian Schulz / Schramm Film


LAND / JAHR: DEUTSCHLAND 2023

REGIE / DREHBUCH: CHRISTIAN PETZOLD

CAST: THOMAS SCHUBERT, PAULA BEER, LANGSTON UIBEL, ENNO TREBS, MATTHIAS BRANDT U. A.

LÄNGE: 1 STD 43 MIN


Selbstzweifel und miese Laune. Fast könnte man meinen, diese beiden Eigenschaften gehören zum Künstlerdasein wie das Amen im Gebet. Fast könnte man meinen, die Selbstzweifel sind nur dazu da, um für Komplimente zu fischen: Dass das neue Werk sowieso gar nicht so schlecht ist, dass die bescheidene Selbstauffassung den Künstler nur sympathischer macht und devot gegenüber seiner gottgegebenen Gabe, Sätze stilvoll auszuformulieren und aneinanderzureihen. Nur keine falsche Bescheidenheit, könnte man meinen, um dann dem gemarterten Denker, der sich in die stille Oase eines Ferienhauses zurückzieht, um seinem Werk den letzten Schliff zu geben, auf die Schulter zu klopfen. Bei Leon, einem innerlich unrunden und von allem genervten Schriftsteller, ist das erhaschte Lob wohl genau der Motor, der ihn auf Vollgas bringt. Doch dieses Lob, das kommt nicht. Denn niemand hat seinen Zweitroman gelesen, abgesehen vom Verleger wohlgemerkt, der in den nächsten Tagen an die Nordseeküste kommen soll, um das Werk durchzugehen. Bis dahin heisst es arbeiten – doch wie soll das gehen, wenn die aus zwei Freunden bestehende Künstlerkommune (der andere, Felix, ist Fotograf und muss ein Portfolio fertigstellen) plötzlich durch eine dritte Person ergänzt wird, noch dazu durch eine attraktive junge Frau, die sich allnächtlich amourösen Vergnügungen hingibt und den armen, wirklich armen Leon um den Schlaf bringt?

Es wäre alles eine fast schon banale, norddeutsche Beziehungsgeschichte im Dunst frühsommerlicher Vorfreuden auf trockenheisse Monate, würde Christian Petzold, der im Rahmen der Viennale womöglich stundenlang über seinen Film hätte referieren können, nicht wieder seine schwergewichtige Metaebene in den Plot geholt hätte. Aus der Konstellation genrebekannter Charaktere, die allesamt nicht überraschen und tun, was von ihnen erwartet wird, entsteht somit ein Schicksalsreigen, der sein Ensemble auf gar keinen Fall in Ruhe tun lassen will, was es tun möchte. Viel zu viel steht auf dem Spiel, viel zu viel ringsherum in dieser Welt, um die sich keiner mehr schert, geht da vor sich. Es lodern Waldbrände, die kaum mehr zu kontrollieren sind, und das im Juni. Der Himmel leuchtet rot in der Nacht, das donnernde Geräusch der Löschhubschrauber lenkt Leon von seiner Arbeit ab, während Felix nur an den Strand will, um dabei Leute zu fotografieren, die aufs Meer schauen. Diese Ursuppe, die könnte bald übergehen, wenn der Klimawandel irgendwann zu seinem Ende kommt. Noch blicken wir erstaunt auf das, was sich auf rätselhafte Weise so anfühlt, als wäre es ein Naturphänomen oder eine Selbstverständlichkeit. Wie die Biolumineszenz des Meeres. Wie unbedeutend erscheint da die Qual des Virtuosen, den nächsten Bestseller zu schreiben? Doch Thomas Schubert, bekannt aus Karl Markovics fulminantem Einstand Atmen, grantelt und zwidert herum wie ein Hans Moser des 21. Jahrhunderts – zynisch, herablassend und wehleidig. Ihm zuzusehen, vertreibt die Zeit in Windeseile, weil er oft sein darf, wie wir selbst oft sein wollen, dabei aber ganz vergessen, dass es noch andere und anderes gibt, wofür es den aufmerksamen Blick braucht. Thomas Schuberts schwarzer Mann im Strom der Begebenheiten ist das von der Seele des Kreativen geredete La Linea-Männchen, dem man den Strich zum Weitergehen wegradiert.

Insofern wagt Petzold, das Künstlerdasein als mitunter etwas Irrelevantes darzustellen, in Anbetracht höher gesetzter Koinzidenzen und merkwürdiger Konstellationen. Roter Himmel wirkt wie metaphysische Mystery, wie ein Sommernachtstraum zwischen rezitierten Gedichten und Ascheregen. Einerseits ist es das, andererseits auch wieder nicht. Niemandem gelingt dieses zarte Changieren zwischen den Ebenen so beiläufig wie Petzold. Und dennoch ist es diesmal so, als würde der schon seit ewigen Zeiten filmemachende Virtuose ausnahmsweise mal selbst ein bisschen unter Druck geraten sein. So geschmeidig und leichtfüßig sich das Stelldichein am Meer auch anfühlt, so vehement bricht Petzold mit der Entrücktheit seiner Fast-Künstlerkommune. Schicksalsschläge wie bei einer Soap Opera donnern hernieder – das ist fast schon zu direkt und zu rutschfest am Schlafittchen gepackt. Aufgesetzt, will ich fast meinen. Und dann doch wieder nicht, denn das, was kommt, das ist schließlich etwas, dass man fast schon erwarten muss. Natürlich ist Roter Himmel dann nichts mehr Belangloses mehr, kein Künstlerjammern, kein Blickezuwerfen durchs Haus und am Strand. Das ist schön und gut, und auch faszinierend sowie in äußerster (Dis)harmonie dargeboten. Die Notwendigkeit aber, erhellen zu müssen, nimmt dem Drama aufgrund des zu erwarteten Unerwarteten eine gewisse Spontaneität, die sich so gut aus dem sozialen Spannungsfeld entladen ließe.

Roter Himmel (2023)