Avengers: Endgame

THOSE WERE THE DAYS MY FRIEND…

6/10

 

avengers_endgame© 2019 Marvel Studios

 

LAND: USA 2019

REGIE: ANTHONY & JOE RUSSO

CAST: ROBERT DOWNEY JR., CHRIS EVANS, SCARLETT JOHANSSON, CHRIS HEMSWORTH, JOSH BROLIN, PAUL RUDD, MARK RUFFALO U. V. A.

 

Unser Universum ist vermutlich unendlich. Ein anderes ist es nicht – und lotet gerade seine Grenzen aus. Wir sind da mit dabei, die Geeks des Comic- und Popkultur-Kosmos, die Serienjunkies und Freunde fiktiver Welten. Die Rede ist vom Marvel Cinematic Universe. Sein Ereignishorizont – zum Greifen nah. Jenseits davon eine nicht sichtbare, da alles Licht verschluckende Singularität, ein Nichtwissen, wie es überhaupt weitergehen soll. Darüber sollten wir uns aber noch nicht den Kopf zerbrechen. Kommt Zeit, kommt Rat. Apropos Zeit – die ist für viele der liebgewonnenen Helden, die sich bis zum zehnten Jahr mit sämtlichem Gesocks der irdischen und interstellaren Welt herumschlagen mussten, abgelaufen gewesen. Im wohl besten Film des ganzen MCU – in Avengers: Infinity War – wurde die Marvel-Gemeinde mit einem völlig unerwarteten und vom Hocker fegenden Ende konfrontiert. Rund ein Jahr blieb also Zeit, diesen vorläufigen Status Quo überhaupt mal zu realisieren. Und um die Gewissheit zu erlangen, dass hier längst noch nicht aller Tage Abend sein kann. Denn – laut Christian Morgenstern – „kann nichts sein was nicht sein darf“. Also grübel und studier: was könnte das Schicksal denn noch nachträglich abwenden? Leerlauf genug, um sich seine eigenen Theorien zu schmieden. Wohl die meisten würden auf den gemeinsamen Nenner kommen, der irgendwie mit Zeit zu tun hat. Und spätestens nach Ant-Man and the Wasp war es beschlossene Sache – Marty McFly wird in irgendeiner Form grüßen lassen. Wenn schon nicht mit einem fliegenden De Lorean, dann zumindest mit dem profunden technischen Wissen eines Tony Stark oder Bruce Banner. Die Papas werden´s schon richten. Mit guter Hoffnung geht also das Finale Grande in die Zielgerade. Und hat den Ziellauf eigentlich schon hinter sich. Was bleibt: schön sachte auslaufen, nicht sofort stehenbleiben, den Jubel genießen. Wie das bei einem Marathon eben so ist, nämlich dass die körperliche Anspannung von rund 42 Kilometern oder 11 Jahren nicht einfach so ausgepustet werden kann.

Was ich damit sagen will – Avengers: Endgame ist wie das, was folgt, wenn das Zielbanner durchlaufen ist. Die letzten Meter Sprint, die hatten wir letztes Jahr. Das war anfeuern, bangen, mitfiebern, da war alles drin. Und das haben Anthony und Joe Russo genauso konzipiert. Mit voller Konzentration, um aufzuholen, niederzuringen, den Trumpf auszuspielen, den man noch in den Muskeln und im Equipment hat. Avengers: Infinity War ist ein Meisterwerk, weit besser als der oscarnominierte Black Panther, und von einer dramaturgischen Fingerfertigkeit, die anbetracht dieser monumentalen Riege an Stars und Sternchen punktgenau akzentuiert und erzählt wird. Das braucht schon Hirn- und Koordinationsschmalz – eine große Leistung. Hätte man Infinity War und Endgame zu einem fünfstündigen Epos zusammengeschmiedet, hätte sich das Regie-Duo sicher irgendwann verheddert. Oder wäre über ihren eigenen Perfektionismus gestolpert. Doch auch wenn – so wie de facto – Avenger: Endgame als eigenständiger Schlussakkord auf die Leinwand gewuchtet wurde, um dem Verheddern zu entgehen: dieser Stolperfalle entkommt er dann doch nicht. Mit dem Timing des Auf- und Abtretens der Charaktere stimmt so einiges nicht. Aus gewohnt geschmeidigem Rhythmus erklingen Misstöne, die gleichmäßig lodernde Fackel des Widerstands vor dem Endgegner flackert, und das durchaus kritisch. Da helfen zeitnah und akribisch eingeführte Asse im Ärmel als Standalone enttäuschend wenig – und machen ihren Platz in der bisherigen Anthologie der Superhelden ernüchternd irrelevant. Und der Antagonist selbst: der darf, damit das Drama funktioniert, frei wählen, wie stark er ist. Zum Leidwesen einer dem ohnehin Phantastischen inhärenten Logik.

Die To-Do-Liste bei den Avengers ist lang. Also Ärmel aufkrempeln, ran an die Arbeit, und am besten gestern. Multitasking, Kleingruppen und erhöhte Belastbarkeit. Das Ganze klingt wie das Bewerbungsprofil eines mittelgroßen Konzerns, der mit der Challenge am Markt mithalten will. Daraus entwickelt Avengers: Endgame den Anspruch, mehr als nur ein Film sein zu wollen. Vielleicht gleich zwei zusammen. Oder besser eine Miniserie, wie derzeit Game of Thrones. Die Westeros-Saga ist ja großes Kino im Fernsehen und funktioniert. Endgame ist aber großes Fernsehen im Kino – und setzt auf die inszenatorischen wie dramaturgischen Mechanismen einer Show, deren letzter, deutlich fahriger Akt in viele kleine zersplittert und auf einen orchestralen Tusch hinsteuert, der dann sein Publikum wohlkalkuliert in die Sitze drücken soll. Doch, mitunter tut er das ja auch. Aber so richtig packend ist etwas anderes. Und dafür gibt es zwei Gründe, nebst den bereits genannten.

Abgesehen davon, dass mir wirklich keiner – und das wage ich zu behaupten – erklären kann, wie das alles technisch funktionieren soll, und noch dazu in so kurzer Zeit, ist erstens die Wahl der Mittel zur Lösung aller Probleme eine, die Tür und Tor öffnet für die willkürliche Abänderbarkeit gegebener Umstände. Wie das Zurückblättern in einem Spielbuch darf zurechtgerückt werden, bis alles passt. Und das nimmt dem Drama etwas die Würze, schwerwiegenden Entscheidungen die zu ertragenden Konsequenzen. Und zweitens? Avengers: Endgame rekapituliert drei Stunden lang zehn Jahre MCU auf eine Weise, die alle Nichtkenner und sei es auch nur von einzelnen Episoden das eine oder andere Mal sicherlich verwirrt zurücklässt. Endgame ist also nichts, was aus dem Infinity-Kontext gerissen werden kann (Wer sich das aber trotzdem antut, dem wird vieles entgehen). Was wir sehen, ist eine Retrospektive von Iron Man bis Captain Marvel, betreten scheinbar interaktiv viele der Filme, die uns zu Recht begeistert haben – und sehen sich eigentlich nicht wirklich Neuem gegenüber. Das Neue ist das überraschend Alte, kleinteilig verwoben in einem einzig nur wählbaren, und daher auch erwartbaren Fortgang einer Geschichte, deren Dynamik seit eh und je in den Details steckt. Was mitunter gut ist, und wo Widersehen auch Freude macht. Doch die Kompromisslosigkeit von Avengers: Infinity War ist fort, die theatralische Dichte einem augenzwinkernden Heist-Movie gewichen, das durchaus großes Vergnügen macht, aber in fast rührender Wehmut vor sich hinplätschert, mit ganz viel Dialog, langen ruhigen Sequenzen und zwischendurch einigen dramatischen Spitzen, die wie schon erwähnt so typisch Serie sind, dass sich im Kino am Stück seltsame Längen einschleichen. Sind die überwunden, kommt das Ende vom Ende, kolossal wie Herr der Ringe und so bunt und angeräumt wie die Vitrine in einem Comicbuchladen. Was zu erwarten war, so wie der unvermeidliche Appendix eines rührseligen Pathos, leider ganz typisch Hollywood. Wenn die großen Gameplayer der Unterhaltung etwas beenden, dann nicht ohne Zapfenstreich. Der ist also jetzt verklungen, und das Ende ist ein neuer Anfang. Ich liebe Marvel, und all die Kritik hier ist aus einer wohlmeinenden Affinität heraus notiert, die eine ganz bestimmte Hoffnung niemals zerstreuen könnte. Nämlich jene, dass das MCU vielleicht doch unendlich ist.

Avengers: Endgame

Captain Marvel

SCHATZ, DU STRAHLST JA SO!

7/10

 

null© 2019 Marvel Studios/Walt Disney

 

LAND: USA 2019

REGIE: ANNA BODEN, RYAN FLECK

CAST: BRIE LARSON, SAMUEL L. JACKSON, JUDE LAW, LEE PACE, BEN MENDELSOHN, ANNETTE BENING, CLARK GREGG, DJIMON HOUNSOU U. A.

 

Sollten sich die beiden Tangenten des Marvel– und DC-Universums jemals berühren, oder sollten sich beide ganz bewusst zu einem Crossover durchringen, dann hätte Krypton-Halbgott Superman mit Carol Denvers ernsthafte Konkurrenz. Denn Denvers, auch bekannt unter den Kree als Vers und spätestens jetzt, nach Sichtung des neuen Solo-Heldenrelease, sowieso als Captain Marvel ein Shooting-Star, hat wie Clark Kent exorbitante Skills auf Lager. Warum Captain, das wird nie wirklich erklärt oder jemals erwähnt. Lieber will die blonde Crash-Pilotin, die garantiert niemals mehr einen Handwärmer benötigt, bei ihrem eigentlichen Namen genannt werden. Der ist anfangs noch nicht Bestandteil ihres Bewusstseins, fühlt sie sich doch als Zugehörige des meist blauhäutigen Kriegervolks der Kree. Ja, die habe ich jetzt schon das zweite Mal erwähnt, und für die, die entweder die galaktischen Eskapaden zusammengewürfelter Guardians of the Galaxy verschlafen oder nicht ganz aufgepasst haben: gegen die Kree unter dem finsteren Warlord Ronan leisten Star Lord und seine biodiverse Truppe in Peter Gunns Kino-Erstschlag heftigen Widerstand. Daß dieser und letztendlich auch alle anderen Finsterlinge mit Schurke Thanos in Verbindung stehen, erklärt sich da fast von selbst. Und Ronan, der gibt auch in Captain Marvel seinen nachgereichten Einstand. Weil wir hier einige Zeit vor den Geschehnissen rund um das epische Gerangel der Infinity-Steine sind, nämlich im Jahr 1995. Und jene, die – und sei es auch nur ansatzweise – in Marvels Agent of S.H.I.E.L.D. reingeschielt haben, werden auch Agent Coulson wiederfinden, der als Frischling an der Seite von Nick Fury der kraftstrotzenden Amazone ohne Vergangenheit habhaft wird.

Wie man sieht, gibt es in Captain Marvel jede Menge Anknüpfungspunkte, Referenzen und offene Maschen, die gerne mit all den anderen Marvel-Filmen aus dem Cinematic Universe verknüpft werden wollen. Captain Marvel steht also nicht als völlig autarkes Einzelabenteuer da – für diese Genese schadet es nicht, sich in diesem kreuz und quer gesponnenen roten Handlungsbogen zurechtzufinden. Der Mehrwert ist dadurch beträchtlich, und er beträfe eben nicht nur die Filme der Guardians, sondern natürlich auch das bisherige Meisterwerk schlechthin: Avengers: Infinity War. Dort sehen wir in einer Post Credit-Szene den schon etwas älteren Nick Fury, der im Angesicht des Worst Case-Szenarios einen intergalaktischen Pager zückt, um eine Nachricht an jemand ganz Bestimmten abzuschicken – bevor er selbst zu Staub zerfällt. Was es mit diesem Pager auf sich hat, ist nur eine von mehreren Backgroundstories in Captain Marvel – und am wichtigsten ist jene um einen ganz bestimmten Infinity-Stein, dessen Reise durch das MCU unter folgendem Fandom-Link für  firme Comicfilmfans nachverfolgt werden kann, ohne alle Leinwandepisoden nochmal nachsehen zu müssen. Für jene, die Captain Marvel noch nicht genossen haben und auch nicht vorab gespoilert werden wollen, sei das Anklicken auf besagten Link nicht wirklich empfohlen. Ganz eingefleischte Fans brauchen diese Nachhilfe ohnehin nicht – die wissen sowieso alles, nur werden sie vielleicht dennoch wie das Mondkalb vor geschlossenem Pforten stehen, wenn in der Infinity-Storyline der Kreis geschlossen werden will. Da bleibt Captain Marvel immer noch einiges an Bringschuld, ganz erklären lassen sich die hier erzählten Wege zumindest jetzt noch nicht. Aber das kann ja noch kommen, keine Ahnung was Disney/Marvel hier alles noch vorhat. Was auch immer da geplant ist, ich für meinen Teil bleibe denen auf den Fersen. Besonders Samuel L. Jackson, und zwar fast noch lieber als Brie Larson, die allerdings, und das muss ich ihr zugestehen, als weltenbewegendes Energiebündel wirklich eine gute Figur macht. Larson selbst hat mich bislang (mit Ausnahme womöglich von Raum, Nachsichtung folgt) noch nie so wirklich überzeugt, da war in ihren Rollen stets eine leicht überhebliche Verschlossenheit, die ich nie ganz deuten konnte. Dieses Korsett der Unnahbarkeit lässt sie als Carol Denvers etwas fallen, gibt sich sogar das eine oder andere Mal einem verschmitzten Schmugglerschmunzeln a la Han Solo hin und ist auch manchmal für pfiffige Sager zu haben. Wenn sie dann vom Scheitel bis zur Sohle in allen Spektralfarben glüht, gibt es sowieso kein Halten mehr – da wird klar, dass das Universum so oder so gerettet werden kann, dass Thanos sich schon bald warm anziehen muss, da reicht sein funkelnder Handschuh bald nicht mehr aus. Samuel L. Jackson aber, bei dem ich kein einziges Mal gemerkt hätte, er sei digital verjüngt worden, ist als Larsons Sidekick stets ein lässiger Plauderer. Sein selbstironisches und süffisantes Gebaren bewahrt das kosmische Planetenhüpfen vor aufgesetzter Ernsthaftigkeit und entwickelt rund um die Halbzeit genau jenen turbulent-augenzwinkernden Charme, den wir schon bei den Guardians of the Galaxy so zu schätzen gelernt haben. Überhaupt nähert sich Captain Marvel sehr dem knallbunten phantastischen Grundtonus von Groot & Co an, wobei Thor: Tag der Entscheidung in Sachen Witz immer noch die Liste anführt. Humor ist, was das MCU so beliebt macht, und die ganze galaxienumspannende Seriösität an Bedrohung und möglicher Unterjochung wunderbar ausgleicht.

Das Regie-Duo Anne Boden und Ryan Fleck (u. a. Its a Kind of a Funny Story) hat mit der jüngsten Episode aus dem Dunstkreis der Avengers einen höchst unterhaltsamen Film gemacht, der vor allem in der zweiten Hälfte gemeinsam mit Carol Denvers´ erstarkenden Kräften zur Höchstform aufläuft. Anfangs mag es eventuell ein paar Startschwierigkeiten geben, bis man an das Schicksal der blonden Pilotin angedockt hat. Visuell ist das ganze Spektakel aber sowieso wieder State of the Art, da gibt’s genug zu staunen, und auch wenn manch einer mehr Star Trek- als Marvel-Fan ist, könnte der Film eben trotzdem gefallen, da das ethnische Dilemma zwischen Krees und Skrulls an die politischen Diskrepanzen von Romulanern, Vulkaniern und Klingonen erinnert. Das Marvel-Universum ist so eine herrlich irreale Welt, in der man sogar schon die Men in Black als inhärent vermuten könnte, und ganz besonders dann, wenn manch vertrautes Wesen nicht ganz so ist wie es scheint. Das macht einfach Spaß, ist sympathisch und erzählt obendrein eine kluge, bewusst nicht stringente Geschichte (5 Autoren am Drehbuch!), die sich tunlichst davor hütet, all die emotionalen Wesenszüge nicht fehlerfreier Überwesen mit dem Muskelspiel eines brachialen Effektgewitters zu verschütten. Das wäre Marvel mit Age of Ultron fast passiert, danach aber nie wieder, und das ist gut so. Was heißt gut – es wird immer besser, und bis Ende April, wenn die letzten Avengers sich für das Endspiel zusammenrotten, bleibt uns nur noch ein bisschen mehr als einen Monat auszuharren. Um das ganze zu beschleunigen, wünsche ich mir fast den Zeitstein her. Aber den hat leider Thanos.

Captain Marvel

Schloss aus Glas

DIE REGELN DER ERZIEHUNG

6/10

 

SCHLOSS AUS GLAS© 2017 Constantin Film

 

LAND: USA 2017

REGIE: DESTIN DANIEL CRETTON

MIT WOODY HARRELSON, BRIE LARSON, NAOMI WATTS U. A.

 

Elternführerschein für alle! Nach der längst überfälligen Ehe für selbige in Österreich wäre dies der nächste Schritt zu einer besseren Welt, oder sagen wir: einer besser erzogenen. Die Eckpfeiler einer guten Erziehung finden sich maximal in guten Ratgebern. Aber wie viele der Eltern lesen schon Ratgeber. Einfach nur mit der Tatsache, erwachsen zu sein und seine eigene Kindheit mehr oder weniger durchgestanden zu haben, lässt sich noch kein Nachwuchs zielsicher durchs unruhige Gewässer der menschlichen Entwicklung steuern. Da gehört Feingefühl dazu, Vernunft, Selbstlosigkeit. Ja, vor allem Selbstlosigkeit. Und ein gesundes, in sich ruhendes Ego, mit zeitlosen Werten geprägt. Oft aber haben familiäre Leitfiguren ein zerrüttetes, beschädigtes, zerstörtes Ich, das bereits mit dem nicht zu vergessenden Trauma einer schallenden Ohrfeige beginnen kann. Oder mit der unkontrollierten Machtausübung des Stärkeren, womöglich auch selbst aus einer gewissen Fehlprägung heraus. Denn Kinder galten Anfang des vorigen Jahrhunderts noch nicht mal als vollwertige Menschen. Das muss man sich mal vorstellen. Da wundert einem eine teils neurotische wie psychotische Welt nicht mehr. 

Die Regeln der Erziehung – gibt es welche? Und können Eltern sie sinnvoll anwenden, wenn sie ihre eigene Erziehung erst noch verarbeiten müssen? Wie dem Nachwuchs eine Existenz schaffen, wenn Papa oder Mama selbst damit hadern? Nun, so viel Trost sei gespendet: der Mensch ist ein Wunderwerk der Evolution, allerdings ein Wunderwerk in progress. Dank der selektiven Radiation ist der Mensch immer noch stets im Wandel begriffen. Kann sich enorm gut anpassen und kann existenztechnisch improvisieren, dank seines Verstandes. Entbehrt das Umfeld des Heranwachsens jeglicher Geborgen- und Sicherheit, absorbiert der juvenile Verstand den Mangel und kurbelt den eigenen Denkapparat an. Der erste Schritt zur frühen Selbstständigkeit. Ein Kind, das, kaum geboren, verhätschelt und übermäßig beschützt wird, braucht selbst seinen eigenen Ist-Zustand nicht zu hinterfragen. Da alles in den Schoß gelegt wird, bleibt die Herausbildung des eigenen starken Ichs vielleicht auf der Strecke. Überspitzt formuliert, und ja, Grauzonen und Mittelwerte außer Acht gelassen. Die italienische Ärztin und Philantrophin Maria Montessori hat ihre Methodik der Pädagogik mit den Worten versehen: Hilf mir, es selbst zu tun. Aber auch dieser befreiende Leitsatz hängt sehr vom genetischen Erbe ab. Und von der Gesundheit eines jungen Menschen. Alles keine leichte Interpretation, alles nur mal angerissen. Aber es sind Gedanken, die sich mir aufdrängen, nachdem ich die Verfilmung der Biografie von Schriftstellerin Jeanette Walls gesehen habe. 

Darin spielt der unvergleichliche Woody Harrelson den asozialen Alltags-Abenteurer Rex Walls, der mit Künstlergattin und seinen vier Kindern dem seines Erachtens nach alles ruinierenden Systems der Gesellschaft zu entkommen versucht und mit vollbeladener Rostlaube von hier nach dort zieht. Dass der idealistisch denkende Über-Vater seinen Nachwuchs nicht in die Schule schickt, allerdings aber nicht mal selbst unterrichtet und das eigene Wissen in losen Anekdoten von sich gibt, ist für diesen Weg der Erziehung nur eine logische Folge. Obwohl – Erziehung ist es keine. Die drei Töchter und der eine Sohne bleiben sich selbst überlassen, müssen oftmals hungern, haben keine Freunde, der soziale Kontakt ist auf die Familie beschränkt. Der Vater selber lebt im Wunderland – sein Lebensstil ist Freiheit, sich niemanden unterwerfen zu müssen. Das Ziel: ein Schloss aus Glas. Für dieses zu bewohnende Kunstwerk werden Pläne gewälzt bis zum Gehtnichtmehr. Und die Begeisterung der Kinder an der Wurzel gepackt. Dumm nur, dass die Ideen des Vaters nur im Kopf passieren. Jeanette Walls und ihre Geschwister schauen durch die dürren Finger – die Tatsache, dass alles nur leere Versprechungen sind, zwingt die dem Ego-Trip der Eltern Unterworfenen zum Handeln. 

Der hawaiianische Regisseur Destin Daniel Cretton lässt Oscarpreisträgerin Brie Larson an ein entbehrliches Damals erinnern und zeichnet ein durchaus vielschichtiges, psychologisch komplexes Familiendrama, indem schwer zu fassende Themen wie Erziehung, Verantwortung und Selbstachtung im Mittelpunkt stehen. Dass sich der Lebensstil von Familie Walls so derart radikal manifestiert hat, erklärt sich nicht ohne schmerzliche Ursache. Auch das versucht der Film mithilfe seines souveränen Ensembles zu verstehen. Ein schwerer Brocken von Film, noch dazu in zwei Zeitebenen. Und um Einiges zu lang. Klar, um das alles unterzubringen, muss es auch ein Drama werden, das Sitzfleisch fordert. Das ähnlich gelagerte Aussteigerdrama Captain Fantastic von Matt Ross, mit Viggo Mortensen als Systemverweigerer mit Anhang, findet klarere Strukturen in der Geschichte. Konzentriert sich zeitgerecht auf einen Erzählfokus, bindet seine Fragen und Antworten besser an den roten Faden. Schloss aus Glas kann den Anspruch gar nicht ganz erfüllen, ohne sich mit einer konservativen Art des Erzählens auszuhelfen. Das wird dann irgendwann zu seifig, und aus dem spannenden Bild einer gestörten Familie wird ein Vater-Tochter-Melodrama, das letzten Endes allzu versöhnlich lächelt.

Schloss aus Glas

Free Fire

SCHIESSBUDENFIGUREN

4/10

 

freefire© 2017 Splendid Film / Quelle: medium.com

 

LAND: FRANKREICH, GROSSBRITANNIEN 2017

REGIE: BEN WHEATLEY

MIT BRIE LARSON, SHARLTO COPLEY, ARMIE HAMMER, CILIAN MURPHY, SAM RILEY U. A.

 

Da kommen sie alle, zu nachtschlafender Zeit. Die Käufer und die Dealer, die Junkies im Lieferwagen, die Mittelsmänner und eine Frau. Treffpunkt: eine alte, verwaiste Lagerhalle inmitten eines verlassenen Industriegebiets. Bis sich alle mal höflich, mal unhöflich bekanntgemacht haben, vergehen schon ein paar Minuten. So beginnen normalerweise Filme von Quentin Tarantino oder Guy Ritchie. Es wird geredet, meist Belangloses. Der eine oder andere Seitenhieb fällt, und der weist schon langsam aufkommende, sich ausufernde Diskrepanzen unter den Mitwirkenden hin, welche die Story vorantreiben sollen. Der Deal mit den Waffen läuft auch nicht ganz rund. Die falschen Waren. Ärger macht sich breit. Und dann die persönliche Sache mit den Fahrern beider Lieferwägen. Das wird haarig. Und, wie man erwarten kann, nicht zu bändigen. Zumindest so schnell nicht.

Bis dahin ist Ben Wheatley´s Kammerspiel ja ganz spannend und erwartungsgemäß eskalationsfreudig. Allerdings – bis dahin, und nicht weiter. Denn sobald die Feuerwaffen sprechen, wird’s uninteressant. Free Fire ist, und es grämt mich fast, das feststellen zu müssen, wohl einer der größten Enttäuschungen des Filmjahres 2017. Wie gern wollte ich das Ballerballett im Kino sehen, in Aussicht auf einen originellen Einakter mit Spielfreude und irren Wendungen. Leider versäumt, wie so manchen Film auf der Watchlist. Endlich On Demand, und es gab kein Halten mehr. Doch kaum auf dem Bildschirm, nach ungefähr einer halben Stunde Laufzeit, verliert Free Fire jegliche Spannung. Die Hoffnung, dass dann doch noch der undurchdacht scheinende Zweck die Mittel heiligt, erfüllt sich nicht. Wendungen gibt es keine. Handlungsbögen bis auf einen lang anhaltenden Schusswechsel auch nicht. Schusswechsel – die lassen sich ganz anders inszenieren. Feuergefechte können virtuos sein. Als bestes Beispiel fällt mir immer wieder Shoot ‚em up von Michael Davis ein. Ok, kein Kammerspiel, aber ein völlig überdrehter Alptraum verquerer Ballistik, ein atemloses Projektilgeflirre nach vorne und nach hinten. Im bleihaltigen Fegefeuer: Clive Owen mit Baby. Ein, mit Verlaub, saucooler Actioner. Ebenso Wanted mit Angelina Jolie. Der zirkulierende, physikalisch gesehen völlig unmögliche, aber effektiv tödliche Projektilflug bleibt unvergessen. Natürlich, weitab jeglicher Realität. Aber Kino darf das. Im Grunde hätte das Free Fire auch dürfen. Ben Wheatley wollte das aber nicht.

Er wollte einen ballistisch korrekten Actionfilm. Wenn scharf geschossen wird, dann möglichst realitätsnah. Und wenn wer getroffen wird, dann ist er nicht gleich tot. Treffer ins Herz oder ins Hirn sind, und das glaube ich sofort, eher ziemlich selten. Vor allem, wenn man aus der Deckung feuern muss. Und so verkopft sich der extravagante Filmemacher mit verlorener Liebesmüh in einer allem Anschein nach noch nie zuvor dagewesenen akribischen Abhandlung eines mehrparteilichen Shootouts aus jeder Himmels- und Blickrichtung. Den Überblick, den verliert man hier relativ schnell. Wer jetzt wen getroffen hat, tangiert alsbald nur mehr sehr wenig. Unsympathisch sind die Sterbenden, Schießenden und Leidenden sowieso alle. Keine oder keiner, dem man ein Entkommen wünscht. Na gut, am Ehesten noch Brie Larson. Vielleicht, weil sie die einzige weibliche Komponente in diesem missglückten Schießbudenfilm darstellt. Und für etwas Stil sorgt. Im Grunde aber könnte man den Film mit einem Fußballmatch ohne Fans vergleichen. Niemanden juckt´s. Und der wohldurchdachte Way of the Gun ist wie Perlen vor die Säue. Hauptsache, Wheatley weiß von den wahren Qualitäten des Films. Ich hingegen weiß von ihnen nichts.

Free Fire

Kong: Skull Island

MONSTER MAG MAN EBEN

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kong

2014 beschlossen die Warner Brothers, angesichts lukrativer Kinouniversen aus der Comic- und Spielzeug-Franchise seitens der Konkurrenz, das japanische Monsterfilm-Genre für sich zu entdecken. Unter der Regie von Gareth Edwards (Monsters, Rogue One – A Star Wars Story) haben die Macher im Frühsommer genannten Jahres das Parade-Untier vom Stapel gelassen – Godzilla. Edwards interpretierte das Subgenre des Fantasyfilms komplett neu und näherte sich dem plakativen Thema mit unorthodoxer Ernsthaftigkeit und einer zurückhaltenden, ungewohnten Bildsprache, was den Fans klassischer Kaiju-Filme mitunter sauer aufstieß. Kaiju – aus dem Japanischen entnommen, bedeutet so viel wie „seltsame, rätselhafte Bestie“ und bezeichnet ein spezielles Subgenre unter den Fantasy- und Science-Fiction-Filmen. Der neue Godzilla entsprach dem Aussehen nach viel mehr dem japanischen Man-Suit-Original als bei Roland Emmerich, der es gewagt hatte, sein Monster als Dinosaurier umzuinterpretieren. Bei mir kam der Film damals gut an, da ich Edwards´ Regie sehr schätze. Da Warner vorhat, ein Cinematic Universe im Stile von Marvel zu erschaffen, allerdings mit haushohen Kreaturen, hat es nach 3 Jahren nun das zweite gigantomanische Parademonster sein müssen, das die Leinwand neu erobern soll – und zwar niemand geringerer als der Riesengorilla King Kong.

Zugegeben, meine Skepsis war groß, vor allem nach Peter Jacksons missglückter Reanimation aus dem Jahr 2005. Dem Meister der Herr der Ringe-Filme gelang es nicht, das Kaiju-Thema neu zu interpretieren, stattdessen verließ er sich auf die CGI aus Jurassic Park und einer völlig fehlbesetzten Naomi Watts, die hanebüchen um sich schrie. Jackson´s King Kong war weder Affe noch Godzilla, sondern eine stillose Abenteuergurke, die nicht begriff, wann es genug war. Regiekollege Jordan Vogt-Roberts hingegen ließ sich weder von Gareth Edwards noch von Peter Jackson irritieren und besann sich auf die ureigenen Charakteristika pazifischen Monsterhorrors. Sein Kong: Skull Island ist respektloser, sauteurer Trash auf handwerklich höchstem Niveau. Um ehrlich zu sein – ein unglaublicher Schmarrn, der Logiklöcher wie seismische Bomben in die Oberfläche der Schädelinsel sprengt und für Unwahrscheinlichkeitsrechnungen absichtlich falsche Lösungen findet. Aber, um nochmal ehrlich zu sein – wie kann es denn bei so einem Schmarrn, der Primaten auf einen halben Kilometer Höhe anwachsen lässt, mit rechten Dinge zugehen? Wenn schon das Unmögliche möglich sein darf, dann können auch alle möglichen physikalischen Gesetze aus Natur und Technik außer Acht gelassen werden. Denn es würde ja schon fast an selbstbetrügerische Feigheit grenzen, Wasser zu predigen und Wein zu trinken. Wenn, dann predigt Vogt-Roberts auch den Wein, den er trinkt – und trägt die Konsequenzen seines Szenarios bis zum Ende. Und dieses Szenario bedient locker aus dem kleinen Finger heraus jenes Publikum, das Monster ganz einfach gern hat. Wer mit Riesenechsen, Megaspinnen, Kraken und brüllenden Affen nichts anzufangen weiß, sollte den Film meiden. Denn um nichts Anderes geht es hier – Monster, die sich und andere zum Fressen gerne haben, auch Menschen nicht verschmähen und zum heumärktlichen Fressepolieren antreten, dass die Palmen wackeln.

Den furchteinflößenden Kreaturen werden namhafte Schauspieler zur Seite gestellt, die sich, klar unterfordert, dem tobsüchtigen Spaß entweder anschließen, unterwerfen oder damit gar nichts anzufangen wissen. Brie Larson zum Beispiel, Oscarpreisträgerin 2016 für Raum, kommt erst gar nicht auf die Idee, großartig aufzuspielen, sondern wirkt die ganze Zeit über so, als wäre sie im falschen Film. Monsterfilme dürften nicht ihres sein, davon sollte sie zukünftig die Finger lassen. Ähnlich ergeht es Tom „Loki“ Hiddleston – sein Fährtenleser ist alles andere als ein Indiana Jones. In diesem endlos scheinenden Urwald wirkt er ziemlich verloren. John C. Reilly als Robinson Crusoe-Verschnitt und dem omnipräsenten Samuel L. Jackson als manischem Racheengel geht’s da schon etwas besser. Reilly hat sichtlich Freude. Und Jackson weiß, was er zu tun hat. Wahrscheinlich aber ist, dass in Kaiju-Filmen die menschliche Komponente hauptsächlich zur Staffage gereicht, und ihr Schauspiel nicht viel mehr abverlangt als plakative Showbühnenpräsenz. Genauso passiert es, und es scheint, als wäre das durchaus gewollt. Und genauso ächzen, ballern und schwitzen die Helden unter den fetzigen Klängen von Jefferson Airplane oder Black Sabbath durch einen tropischen Fiebertraum der Superlative, der sich zwischen Tropic Thunder, Platoon, Predator und Abenteuerromanen von Jules Verne selbst persifliert und gefundene Stilmittel wie pathetisch-reißerische Slow-Motions hemmungslos überzeichnet. Zu den absurdesten – und besten Szenen zählt Hiddleston´s Angriff mit dem Samurai-Schwert auf hässliche Flugsaurier inmitten giftgrüner Nebelschaden. Würde Tarantino einen Monsterfilm entwickeln, wären solche Szenen wohl mit von der Partie.

Spätestens da weiß der Zuseher, worauf er sich eingelassen hat. Auf eine dramaturgisch grottenschlechte Geisterbahnfahrt, bei der sich die Monster AG nochmal warm anziehen muss. Eine Geisterbahnfahrt, die ihrem speziellen Genre allerdings mehr als gerecht wird und die Erwartungen nerdiger Monsterfans mehr als erfüllt. Denn so wie sich die wahren Herrscher dieses Planeten prügeln – genauso hat man es gern. Die filmische sowie kameratechnische Brillanz von Kong: Skull Island und der dazugehörige rosarote 3D Effekt durch die Brille sorgt für reueloses Vergnügen beim Wrestling der Bestien in der ersten Reihe fußfrei. Menschen, die zufällig im Bild stehen, möchte man nur noch wegwinken. Kong: Skull Island ist phantastischer Fleischbeschau ohne Hirn und Verstand, aber unwiderstehlich gut bebildert und herrlich banal. 

 

 

Kong: Skull Island

The Gambler

FREUDE AM PRIVAT-KONKURS

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gambler

All jene, die Mark Wahlberg unlängst in dem Ölkatastrophenthriller Deepwater Horizon bewundern durften, werden bei Betrachten des Zockerdramas The Gambler verwirrt mit den Augen blinzeln. Denn der ehemalige Bodybuilder und derzeitiges Transformers-Herrchen wirkt in diesem hierzulande nur im Retail-Bereich erschienen Film dermaßen verjüngt, dass man das Gefühl hat, hier einem zeitlichen Betrug aufzusitzen. Doch keine Sorge, der Betrug findet maximal nur am Black Jack-Tisch statt. Das sieht man auch am in die Jahre gekommenen John Goodman, der als glatzköpfiger Unterweltler keinerlei Kuschelfaktor mehr aufzuweisen hat. Im Gegenteil – die wuchtige Statur in ein Feinripp zu zwängen birgt enormen Mut zur Hässlichkeit. Bei Mark Wahlberg hingegen liegt seine Verjüngung in der Wahl des Haarschnittes. Man sieht, nicht nur Kleider machen Leute.

Jedenfalls lässt der Schauspieler – ihm zur Seite Oscargewinnerin Brie Larson (Oscar für Room) und eine aufgrund diverser Botox-Behandlungen bis zur Unkenntlichkeit mutierte Jessica Lange – als krankhafter Glücksspieler das eigene reizlose Leben an sich vorbeiziehen. Im Grunde ist der melancholische, hausbackene Schuldenkrimi die sehr persönliche Sinnsuche eines Mannes, der alles haben kann und nichts will. Der sich nur dann spürt, wenn er Geld verspielt, das ihm nicht gehört. Und sich seinen Gläubigern ausliefern kann. Das mag interessieren, muss es aber auch nicht. Überhaupt legt die Figur, welche Wahlberg verkörpert, eine Arroganz an den Tag, der man sich auch nicht unbedingt auszusetzen wünscht. Daher folgt man der sanften Spirale abwärts, die dieser eher gediegen-ruhige, kleine Film vollführt, mit einer gewissen Teilnahmslosigkeit. Da hatte Arronofsky´s The Wrestler, Spike Lees kraftvolle Verliererballade 25 Stunden oder Inside Llewyn Davis von den Coen-Brüdern, allesamt sehr persönliche, intensive Portraits gesellschaftlicher Outlaws, mehr Reibungsflächen, mehr Ecken und Kanten. Und mehr Ironie. Zumindest Inside Llewyn Davis.

The Gambler – ein Remake des Filmes Spieler ohne Skrupel aus dem Jahr 1974 – spart sich das und schildert die Chronik der inneren Verwahrlosung eher halbherzig. So, als würde Regisseur Rupert Wyatt seine eigene Figur nicht wirklich zu seinen Freunden zählen. Das spürt auch der Zuseher, der ein packendes Zockerdrama erwartet, oder zumindest das Psychogramm eines Spielsüchtigen. Ansatzweise ist es das. Meist aber bleibt der Film zwischen Drama und Kriminalgeschichte stecken, ohne sich entschieden zu haben, was er sein will. Im Grunde müsste er das nicht – zwischen den Themen hin und herzupendeln gelingt aber nur, wenn man seine Figur genug charakterisiert, um sie greifbar zu machen. Das ist bei The Gambler nicht gelungen. Der Film wartet zwar mit einer illustren Besetzungsliste auf, enttäuscht aber aufgrund seiner deprimierenden Antriebslosigkeit und der Antipathie, die von Mark Wahlberg ausgeht.

Übrigens – für alle, die ihn nicht erkannt haben: In der ersten Szene ist der 2016 verstorbene Dallas-Veteran George Kennedy in seiner letzten Rolle zu sehen.

 

The Gambler