Der Astronaut – Project Hail Mary (2026)

LICHTJAHRE EINER FREUNDSCHAFT

7,5/10


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LAND / JAHR: USA 2026

REGIE: PHIL LORD, CHRIS MILLER

DREHBUCH: DREW GODDARD, NACH DEM ROMAN VON ANDY WEIR

KAMERA: GREIG FRASER

CAST: RYAN GOSLING, SANDRA HÜLLER, JAMES ORTIZ (STIMME), MILANA VAYNTRUB, LIZ KINGSMAN, ORION LEE, LIONEL BOYCE, KEN LEUNG, PRIYA KANSARA (STIMME) U. A. 

LÄNGE: 2 STD 37 MIN



Anscheinend gibt es nicht nur die universelle Sprache der Mathematik, die universellen Grundgesetze der Physik und all die Elemente, die wir im Periodensystem vereint haben, die überall, egal an welchem Ort in dieser Unendlichkeit des Universums ihre Gültigkeit haben. Es gilt auch die Sprache der Freundschaft, des Miteinanders und des Respekts unter all jenen, die Mathematik auch verstehen und die Grundgesetze der Physik anwenden können. Intelligentes Leben nennt man das, weit über die Kriegstreiberei hinaus, die gerade auf unserem Planeten herrscht, als hätte sich die Menschheit seit Kain und Abel sowieso nicht weiterentwickelt sondern alles lediglich neu gewandet. Fortschritt ist dabei nur die Hülle – was darin liegt, hält sich wacker an Macht und Gier.

Dieser verfluchte Hunger nach Licht

Gibt es allerdings eine gemeinsame Bedrohung, so meint Autor Andy Weir, könnten da doch interstellare Synergien entstehen. In diesem Fall ist das Problem die Sonne, die langsam an Kraft verliert. In drei Jahrzehnten könnte die Erde zum Schneeball werden, wenn nichts dagegen unternommen wird. Und im Grunde weiß man ja auch, was dahintersteckt: Es sind kleine, lichthungrige Lebensformen, genannt Astrophagen (Sternfresser), die an der Sonne nagen. Nicht nur unserem Stern geht es so – überall in der Galaxie geht den Sternen die Puste aus – bis auf einen. Warum das so ist, muss schleunigst erforscht werden, und letztlich findet sich der Molekularbiologe Grace in einem Raumschiff wieder, das niemals mehr vorhaben wird, zurück zur Erde zu gelangen. Die Entfernung von mehr als elf Lichtjahren ist Argument genug. Ganz allein muss er sich das Hirn zermartern, was die Astrophagen hier anders machen als daheim – denkt er jedenfalls. Schließlich ist da noch ein anderer Himmelskörper artifizieller Natur, ein seltsam fremdartiges Objekt, das aussieht, als hätte jemand Karamellfäden geometrisch angeordnet. In diesem ganz anderen Raumschiff sitzt Rocky – ein Alien. Doch keines von der bösartigen Sorte. Auch dieses Wesen ist allein, und aus dem selben Grund hier wie Grace: Es gilt herauszufinden, wie man die eigene Heimat retten kann. Warum also nicht gemeinsam die Köpfe (oder das, was man dafür hält) zusammenstecken und dabei jegliche Vorbehalte über Bord werfen, die man hat, wenn das Gegenüber andersartiger nicht sein kann.

Das universelle Miteinander

Andy Weirs Bücher bestechen einerseits durch zu Ende durchdachte, physikalisch akkurate  Problemstellungen, und andererseits durch einen versöhnlichen Willen zur Vernunft. Der Astronaut – Project Hail Mary ist da bislang seine stärkste Arbeit, weil es gar nicht vorrangig um die Rettung ganzer Planeten geht (das schon auch!), sondern um die Naturgesetze der Freundschaft. Mir fällt dabei ein völlig unterschätzter Film von Wolfgang Petersen aus den Achtziger Jahren ein: Enemy Mine – Geliebter Feind. Hintergrund dabei ist ein Krieg zwischen Menschen und Dracs, einer humanoiden Spezies. Jeweils einer stürzt während des Gefechts auf demselben fremden Planeten ab – und beide müssen genauso wie Grace und Rocky alles über Bord werfen, was sie entfremden könnte, angefangen vor der Furcht vor dem jeweils anderen. Um dann herauszufinden: Intelligenz hat einen gemeinsamen Nenner, der aus vielen Faktoren besteht. Damit kann man arbeiten, um zueinanderzufinden, und um zu einer Erkenntnis zu gelangen, niemals ohneeinander sein zu wollen.

Situationskomik mit den Science Busters

Chris Miller und Phil Lord, die Macher hinter den Lego Movies und dem animierten Spiderverse, pinseln dem Genre des Weltraumfilms nach zaghaften Lebenszeichen seit Gravity wieder ordentlich Farbe ins blasse Antlitz. Die kommt zwar auch, aber deutlich weniger von den zweifelsohne atemberaubenden Bildern fremder Planeten, extraterrestrischer Vehikel oder schwerelos dahingleitenden Weltraumspaziergängen. Vorrangig ist es Ryan Gosling, der dem blitzgescheiten und selbstironischen, aber völlig vor den Kopf gestoßenen Space-Pionier so viel Sympathie angedeihen lässt, dass man unweigerlich an ihm dranbleiben will, weil er so geerdet, so nachvollziehbar, so normal menschlich ist – ohne verkopfte Ideale, irgendeinem Fanatismus oder verschrobener Sheldon Cooper-Geisteshaltung. Goslings Amateur-Raumfahrer ist wie wir – greifbar, knetbar, sowohl im Hier und Jetzt als auch im Dort und Irgendwann in der Zukunft. Und das ist aber noch nicht alles. Als One-Man-Show würde es funktionieren – als Doppelconference noch besser! Denn auf der anderen Seite krabbelt die fremdartige, handwerklich talentierte Steinspinne in ihrer eigenen Atmosphäre durch die Privatsphäre dieses völlig verblüfften Menschen Gosling – und beide finden, wie schon seinerzeit Dennis Quaid und Lous Gossett Jr., die Vervollständigung des Selbst im jeweils anderen. War Enemy Mine noch ernstes Abenteuer, ist Der Astronaut – Project Hail Mary vor allem auch Situationskomödie, die gekonnt die Stolpersteine der Kommunikation und der Verständigung respektvoll belächelt – ohne sie jemals zu parodieren. Weder wird auf Kosten des Aliens noch des Menschen gelacht, doch stets um ihrer selbst willen gebangt. Lord und Miller gelingt das launige Kunststück einer so simplen wie effizienten Bromance im Nirgendwo, sie feiern den Austausch des Verstandes und die Kunst der gemeinsamen Idee. Dafür braucht man Geduld, der Film ist lang, manchmal erschöpfend. Einzig die Art und Weise, wie beide ein gemeinsames Vokabular finden, lässt sich manchmal nicht ganz nachvollziehen, kann es doch nicht sein, dass es für Begriffe, die unseren Alltag betreffen, stets ein Pendant bei Rocky gibt.

So viel Hoffnung

The Astronaut – Hail Mary ist, jenseits all der Invasions- und Alien-Thematik, die den Untergang der Erde und des menschlichen Organismus anstrebt, ein weltenbejahender Hoffnungsschimmer von Film, ein Feel-Good-Movie aus Solidarität, Selbstlosigkeit und dem Willen für das Gute. Werte, die derzeit von unserer Welt tatsächlich mehr als elf Lichtjahre entfernt scheinen.

Der Astronaut – Project Hail Mary (2026)

Hoppers (2026)

ICH WOLLT‘ ICH WÄR‘ EIN BIBER

4/10

 

© 2025 Disney/Pixar. All Rights Reserved.

 

LAND / JAHR: USA 2026

REGIE: DANIEL CHONG

DREHBUCH: JESSE ANDREWS

KAMERA: JEREMY LASKY, IAN MEGIBBEN

MIT DEN STIMMEN VON (ORIGINAL): PIPER CURDA, BOBBY MOYNIHAN, JON HAMM, KATHY NAJIMY, DAVE FRANCO, EMAN ABDUL-RAZZAK, EDUARDO FRANCO, TOM LAW, ISIAH WHITLOCK JR., MERYL STREEP U. A.

LÄNGE: 1 STD 45 MIN

 

Das innovative Pionierstudio Pixar hat seit seiner Abspaltung von ILM wahrliche Wunder vollbracht – berührende Geschichten, unverwechselbare Charaktere, vielschichtige Themen, sowohl für Erwachsene als auch für den anspruchsvollen Nachwuchs, der sich nicht nur mit Teletubbies, Paw Patrol und Co zufriedengeben will. Zu diesen Wunderwerken zählt Hoppers leider nicht, obwohl man angesichts der durchaus witzigen Prämisse erwarten hätte können, dass hier wiedermal die Kreativkeule zuschlägt und die richtige Balance zwischen Komik, Gefühl und lässiger Spannung gefunden wurde, alles innerhalb des gemeinsamen Nenners einer ausgefeilten Visualität und einem Charakter Design, da erscheint im Vergleich dazu manch reales Individuum deutlich zweidimensionaler.

Auf Biegen und Brechen innovativ

Bei Hoppers lässt selbst die Ausgestaltung der Figuren zu wünschen übrig – und erinnert frappant an Illumination und seinen eher kantigen, dynamischen, weniger natürlichen Gesichtszüge. Doch darüber hätte man leicht hinwegsehen können. Zumindest sind all die Fellknäuel mit Biberschwanz liebevoll gestaltet, das Rotwild hingegen kaum. Irgendwo also zwischen noch nicht fertig – da geht noch was und wir haben die ultimative Story will Regisseur Daniel Chong an mehreren Fronten gleichzeitig herumfuhrwerken, und das alles mit dem Argument, diesmal etwas ganz anders abzuliefern als man bisher von Pixar und Disney gewohnt war. Gut, darauf könnte man sich vorbereiten, Innovationen gehen immer, kommt drauf an, welcher Natur sie sind. Bei Hoppers rückt statt narrativer Fürsorglichkeit die bizarre Quadratur des Kreises in den Vordergrund, dabei beginnt alles so, als wäre der Rest des Films mit Sicherheit auch auf Schiene. Sorry, ist er nicht. Irgendwann entgleist er.

Wenn Tiere Krieg wollen

Wir haben ein Ökosystem, vollgestopft mit Arten wie aus einem Bilderbuch für Vorschulklassler. Wir haben einen nur an den Profit denkenden Bürgermeister, der sein Projekt der Umfahrungsstraße komme was wolle in die Realität umsetzen möchte (Erinnerungen an den Lobautunnel werden wach). Wir haben ein ethnisch diverses Wissenschaftsteam, dass die Science-Fiction gerade neu erfindet, während die Uni-Studentin Mabel auf eine Weise in ein Geheimprojekt hineingrätscht, die ihr endlich das beschert, wovon sie immer schon geträumt hat: Mit den Tieren kommunizieren. Das gelingt ihr mit einem Techno-Biber, der aussieht wie der echte. Fragen wir lieber nicht, wie das gehen soll – irgendwie funktioniert es jedenfalls. All die Clans diverser Tiergattungen mobilisierend, ruft sie fast schon ungewollt zum Krieg gegen die Menschenrasse auf, um das Bauprojekt zu vereiteln und den Bürgermeister loszuwerden. Mabel geht der Entschluss natürlich zu weit, und um Blutvergießen zu verhindern gerät der Menschenbiber mit all seinen Biber- und sonstigen Freunden in wilde Turbulenzen.

Stepford-Horror und Hai-Alarm

Viel zu wild, viel zu abstrus. Das alles passt letztlich nicht mehr zusammen. Während Drehbuchautor Jesse Andrews in den Stepford-Horror abgleitet, der wirklich jüngere Semester garantiert verängstigt, lässt er sich auch noch von der Trashfilmreihe Sharknado inspirieren und katapultiert einen Hai durch die Flügelkraft sämtlicher Seevögel aufs Trockene, um Jagd auf unsere Protagonisten zu machen. In der Synchro kommt als Erschwerniszulage noch die Stimme von Heidi Klum dazu. Dass Insekten dabei zu Antagonisten werden, weil eine Raupe den Größenwahn auspackt, ist weder pointiert noch gewitzt, sondern seltsam gehässig.

Von einem ausgewogenen  Abenteuer weit entfernt, verheben sich die Macher dieses Films unter autoaggressivem Ringen um Kreativität mit dem Zusammenschluss einzelner cleverer Ideen vor allem dann, wenn vorne und hinten nichts zusammenpasst.

Hoppers (2026)

The Lost Bus (2025)

NONSTOP DURCHS FLAMMENMEER

7/10


© 2025 Apple Originals


LAND / JAHR: USA 2025

REGIE: PAUL GREENGRASS

DREHBUCH: PAUL GREENGRASS, BRAD INGELSBY, BASIEREND AUF DEM BUCH VON LIZZIE JOHNSON

KAMERA: PÅL ULVIK ROKSETH

CAST: MATTHEW MCCONAUGHEY, AMERICA FERRARA, YUL VAZQUEZ, ASHLIE ATKINSON, DANNY MCCARTHY U. A.

LÄNGE: 2 STD 9 MIN



Paul Greengrass hat jede Menge Erfahrung mit Männern in Not. Jason Bourne zum Beispiel, ein desperater Geheimdienst-Charakter, die filmgewordene Generalüberholung eines Rollenbildes, welches James Bond lange Zeit vorgegeben hat. Zu seinem Meisterwerk zählt zweifelsohne Captain Phillips, eine packende Chronik moderner Piraterie, basierend auf wahren Ereignissen, und Hollywoods Good Guy Tom Hanks hätte dafür längst seinen dritten Oscar abholen sollen. Jetzt ist wieder so ein Kerl so ziemlich mit allem konfrontiert, was nicht nur das eigene Leben, sondern auch das vieler anderer gefährden könnte. Diesmal ist Oscarpreisträger Matthew McConaughey inmitten einer sich anbahnenden Katastrophe zu sehen, und er ist nicht gerade ein Typ der Sorte tougher Alltagsheld, sondern ganz im Gegenteil.

Die Relativität misslicher Lagen

Privat scheint es für Kevin McCay mies zu laufen, das Verhältnis zum Sohnemann, der lieber bei Muttern abhängt als beim mehr ab- als anwesenden Vater, ist so katastrophal wie die Wetterverhältnisse hier in Nordkalifornien, die von Wind, Hitze und Trockenheit geprägt sind. Und die vor allem eines begünstigen: den Waldbrand. Dazu muss man wissen: McKay fristet sein berufliches Dasein als Schulbusfahrer, die Leidenschaft für diesen Job steht ihm täglich ins Gesicht geschrieben. Da an besagtem Tag im November des Jahres 2018 aber die Hölle über den kleinen Ort Paradise hereinbricht (bekannt wurde diese Katastrophe als Camp Fire), wird der Scheiß-Drauf-Phlegmatismus rasch durch einen gewissen anderen Ehrgeiz abgelöst: Nämlich jenen, junge Menschenleben zu retten – eine Schulklasse von Kindern aus einem Ring of Fire zu evakuieren, der sich in rasender Gier immer weiter zusammenzieht und über alles und jeden hinwegfegt, der sich bei drei noch nicht in irgendein Gewässer gerettet hat. Selbst da bringt die immense Rauchentwicklung immer noch Schaden genug.

Wie also mit einem Schulbus – wohlgemerkt einem blechverkleideten, mehr schlecht als recht funktionierenden Vehikel, das nach Generalüberholung schreit und die Hitze anzieht wie Metall eben Hitze leitet – wie also mit einem Schulbus raus aus diesem Inferno, das eine Finsternis mit sich bringt, die an Mordor erinnert? Die Straßen sind verstopft oder gesperrt, die Kinder schmeißen logischerweise eins nach dem anderen die Nerven. Zum Glück hat McConaughey den Support von America Ferrara als bei der Sache bleibende Lehrkraft, die weiß, wie man Kinder am besten beruhigen kann, auch wenn alles danach aussieht, als würde es der letzte der Busse garantiert nicht schaffen, diesem glutheißen Schraubstock zu entkommen.

Menschliches gegen natürliches Chaos

Paul Greengrass weiß: Er muss zuallererst mal McConaugheys Figur bekannt genug machen, um auch das menschliche, nicht nur das effektvolle Drama spürbar werden zu lassen. Es gelingt ihm –  dank eben seines Stars, der verzweifelt, desillusioniert und beharrlich genug wirkt und das emotionale Durcheinander auch gekonnt gegen das Durcheinander an Flammen, Verheerung und Panik ausspielt. Neben McConaughey sind es aber weniger die Kinder noch America Ferrara noch sonst irgendwer, der es mit ihm aufnehmen kann: Es bleibt das phänomenal ins Bild gebrachte Feuer, dieser züngelnde Irrsinn, diese Dunkelheit, dieser Rauch, dieses unberechenbare Verzehren alles Brennbaren. Anders als Joseph Kosinski in seinem an die Nieren gehenden Feuerwehrdrama No Way Out – Gegen die Flammen, der einer menschlichen Tragödie während ähnlich verheerender Waldbrände in Arizona ein Denkmal setzt, hat The Lost Bus weniger Ensemble und spielt weitaus deutlicher auf der Klaviatur eines actionlastigen Katastrophenfilms mit einer Brise Sozialtristesse und unheilvollem Abenteuer. „Speed im Flammenmeer“ ist vielleicht ein Vergleich, aber es wäre nicht Paul Greengrass, wäre sein Film nicht neben all der schnell ermüdenden Feuersbrunst, die irgendwann immer die gleichen Bilder liefert, nicht eben auch das große Drama menschlichen Über-Sich-Hinauswachsens.

Heldenmut im Alltag ist eine Sache, dieses Pathos nicht zu erhöhen eine andere. Greengrass schafft es, seine Figuren nicht zu verkitschen. Dass er sich nicht allzu sehr auf die Effekte verlässt, reißt The Lost Bus raus aus einem semidokumentarischen Mittelmaß, das verbissen darum kämpft, einen gewissen Überblick zu bewahren in einer wohl knifflig umzusetzenden Chronik der Ereignisse.

The Lost Bus (2025)

Cold Storage (2026)

A HELL OF A MYZEL

6,5/10


© 2026 Studiocanal Österreich


LAND / JAHR: USA, FRANKREICH 2026

REGIE: JONNY CAMPBELL

DREHBUCH: DAVID KOEPP, NACH SEINER ERZÄHLUNG

KAMERA: TONY SLATER LING

CAST: GEORGINA CAMPBELL, JOE KEERY, LIAM NEESON, LESLEY MANVILLE, SOSIE BACON, VANESSA REDGRAVE, GAVIN SPOKES, ROB COLLINS, DARRELL D’SILVA U. A.

LÄNGE: 1 STD 39 MIN



Der Schimmelpilz als USP

Wir kennen das ja. Wir kennen das alle. Irgendwann greift man gedankenverloren zur Marillenmarmelade, die man vor Wochen zum ersten Mal geöffnet hat, um die Frühstückssemmel zu schmieren, da strahlt einen beim Öffnen des Einmachglases eine grünlich-weiß schimmernde Frisur entgegenn, die so akkurat das darunterliegende orange Gelee überzieht, dass es eine Freude ist. Gestatten: Penicillium, der Haus- und Hofschimmel, immer zu Stelle, wenn Lebensmittel irgendwo vergessen werden oder der Kühlschrank nicht entrümpelt. Die Gefahr, die dabei droht, ist der Verzehr des Mykotoxins, also lieber Finger weg, ist ungesund. Man wirft die Sache einfach in den Müll und ermahnt sich, beim nächsten Mal vor- und fürsorglicher mit dem Essen umzugehen. Weiters passiert nichts. Doch mit so gesitteten Myzelen lässt sich kein Film drehen. Das wäre nur insofern spannend, wenn es einer wie Peter Greenaway probiert. Der hat in seinem barocken Experimentaldrama A Zero an Two Noughts sämtliche, der Entropie unterworfene Dinge vor laufender Kamera, dabei naturgemäß in Zeitraffer, und vergammeln lassen. Auch in Polanskis Ekel kann man den titelgebenden Gefühlszustand ausleben, wenn in Catherine Deneuves Wohnung das Essen schlecht wird.

Housewarming fürs Myzelium

Doch für einen komödiantischen Body-Horror-Reißer reicht das immer noch nicht. Da muss der Pilz schon aggressiver sein. So gesehen in The Last of Us, da schafft es der Pilz immerhin, den Mensch als zomboides Fortbewegungsmittel zu nutzen – was aber relativ humorbefreit über die Bühne geht, während, zumindest in der Serienverfilmung, Pedro Pascal und Bella Ramsey nichts erspart bleibt. Als lockerflockige Alternative dazu gibt’s aber jetzt einen wohltuenden Blut- und Beuschelhorror in oszillierendem Waldgrün, wenn es heisst: Cold Storage.

Es wäre daraus kein Film geworden, hätte in dieser gottseidank fiktionalen Geschichte die permanente Kühlung eines tief im Untergrund längst vergessenen Geheimlabors nicht ihren Geist aufgegeben. Umso wärmer, umso besser für einen Organismus, der sich feuchtfröhlich an allen Lebewesen vergreift, derer er habhaft werden kann – von der Kakerlake über die Katze bis zum Mensch. Parasitismus heisst das Zauberwort, nur läuft die nicht so buddymäßig ab wie bei Venom und seinem Wirten Eddie Brock. Hier beeinträchtigt der sich rasend ausbreitende Pilz unsereins sofort, man braucht nur drauftreten, schon dringt er ein. Das Dumme an der Sache: Dort, wo der tödliche Organismus bereits Housewarming-Party feiert, ist jetzt ein Private-Storage-Lager, und Freunde von Stranger Things freuen sich: Sie bekommen den hochsympathischen Steve Harrington alias Joe Keery zu sehen, der dieses Mal schon wieder mit etwas Übernatürlichem zu kämpfen hat. Als Nachtportier darf er mit Barbarian-Final-Girl Georgina Campbell genau dort herumschnüffeln, wo man tunlichst nicht schnüffeln sollte. Natürlich passierts und der ganze Schrecken greift um sich.

Wer könnte da dem Schlamassel eher Herr werden als Frank Drebin? Stimmt, Leslie Nielsen hätte diese Rolle genauso gut spielen können, aber es ist Liam Neeson, der ja letztes Jahr schon gezeigt hat, wie lustig er als nackte Kanone sein kann. Nun heisst es abermals schmunzeln, denn zu schade ist sich der Ire auch dafür nicht. Das ist gut so, das beschert ihm Sympathiepunkte, genauso wie dem Rest des Ensembles. Das Kurioseste dabei: Der Auftritt Vanessa Redgraves.

Pilzgericht mit Ratte

Man möchte fast meinen: so entspannt und frei von schauspielerischem Ehrgeiz, den es hierfür nicht wirklich herauszukitzeln braucht, ist man der drohenden Weltvernichtung schon lange nicht mehr begegnet. Hinzu kommt, dass sich Regisseur Jonny Campbell (Alien Autopsy mit Bill Pullmann) allerlei Kurioses für seine schnell verpuffende Attraktion hier einfallen lässt, ist es nun die in der 1st-Person-View eingefangene Panik einer Küchenschabe oder der hochschaubahnfahrende Parasit im Körper des Befallenen. An allen Ecken und Enden quillt der Schimmel, Hirsche, Ratten und Köpfe explodieren. Ganz schön viel, womit man sich schmutzig machen kann.

Und ja, warum nicht, man macht sich gerne schmutzig und achtet dabei stets darauf, dass zumindest die Heldinnen und Helden im Film nicht irgendwie schief schauen, um die Aufmerksamkeit des grünen Etwas auf sich zu ziehen. In diesem Hürdenlauf des Nicht-berührens und Weit-genug-wegseins liegt die Spannung des Bodyhorror-Klamauks, darüber hinaus bleibt die Fermentierung tunlichst an der Oberfläche. Alles, was darunter liegt, ist zwar noch bekömmlich, aber relativ geschmacksneutral.

Cold Storage (2026)

Send Help (2026)

ENTMANNUNG UNTER PALMEN

5/10

 

© 2025 20th Century Studios. All Rights Reserved.

 

LAND / JAHR: USA 2026

REGIE: SAM RAIMI

DREHBUCH: DAMIAN SHANNON, MARK SWIFT

KAMERA: BILL POPE

CAST: RACHEl MCADAMS, DYLAN O’BRIEN, EDYLL ISMAIL, XAVIER SAMUEL, CHRIS PANG, THANETH WARAKULUKROH, DENNIS HAYSBERT U. A.

LÄNGE: 1 STD 53 MIN



Wäre Send Help nicht von Sam Raimi, sondern von zum Beispiel Boris Dagtekin im deutschsprachigen Raum entstanden, hätten wir wohl als chauvinistischen Business-Lackaffen Matthias Schweighöfer auf der einen Seite und auf der anderen wohl Anke Engelke. Dagtekin hätte mit seiner Geschlechterkampf-Inselromanze Türkisch für Anfänger ja schon ein bisschen Survival-Luft geschnuppert, da hätte er auch noch mühelos eins draufsetzen und das Inselfeeling zum Horror mutieren lassen können – wie es eben Sam Raimi nun getan hat, der Dämonenhorror-Veteran schlechthin. Tanz der Teufel zählt ja bis heute zu seiner größten Nummer – mal abgesehen von Spider Man, der zwar ein Kassenerfolg war, aber längst nicht so innovativ wie die Cabin in the Woods-Sause, in der das Böse wirklich keinerlei Gefangenen macht.

Crusoe und Freitag, der 13te

Nicht ganz unwesentlich an diesem Kult beteiligt war und ist wohl Raimis Methode der virtuosen Kamera, die wie vom wilden Affen gebissen im First View durch die Botanik prescht und kompromittierende Close Ups reinschneidet, als wäre man sturzbetrunken. Diesen visuellen Wahnsinn will Raimi nochmal genießen – und verbrät ihn in seinem neuen Inselwahnsinn, den eben auch Boris Dagtekin filmen hätte können, mit Schweighöfer und Engelke. Hier aber haben wir den smarten, aber relativ unscheinbaren Dylan O’Brien – und die ganz bewusst zur Außenseiterin überzeichnete, militant-nerdige Rachel McAdams mit Majo im Mundwinkel, Flohmarktfummel und fettigen Haaren. Klar, man soll ja nie nach dem Äußeren gehen. Sehr wahrscheinlich ist Linda Liddle ein herzerwärmend guter Mensch und sowieso sozial integrer als all die andern vorwiegend männlichen Management-Schnöseln, die hier, mit Sebastian-Kurz-Frisur, Slimfit-Anzügen und unauthentischer Jovialität nur so tun als ob und in Wahrheit das Schlimmste von Linda denken, ganz ungeachtet ihrer beruflichen Vorzüge. Was Dylan O’Brien als ihr frischgebackener Yuppie-Boss nicht weiß: Linda liebt Survival-Shows wie andere ihre Hauskatze. Und was er auch nicht weiß: Die Geschäftsreise per Privatjet mitsamt Linda im Schlepptau endet in einem Worst-Case- Szenario. Das Flugzeug stürzt ab, das tosende Meer spült aber lediglich ihn und die ungeliebte Assistentin an den Strand. Was von da an passiert, ist nichts, was das bisher etablierte Machtgefälle noch unterstützen würde. Hier, im Nirgendwo, dreht sich der Spieß ungefähr so um wie bei Cathy Bates und James Caan in Stephen Kings Misery.

Fast-Romanze mit Eber

Nur ist O’Briens Figur kein begnadeter Schriftsteller, sondern einfach nur ein Arschloch. Und Rachel McAdams – nun, ihre Möchtegern-Insulanerin, nimmt im Laufe dieser schwarzhumorigen Robinsonade immer psychopathischere Züge an, sodass einem der Yuppie-Jungspund langsam leid tun könnte. Doch leider kommt es so, dass sich Raimi in dieser schnell ausgereizten Dynamik zwischen den beiden verliert – und, wie das bei Flugzeugen und Luftlöchern so ist – zwischendurch immer wieder etwas absackt. Es ist, als würde Send Help, wenn man die Handlung einfach laufen lassen würde, ganz andere Wege gehen wollen als Raimi das vorhat. Dabei geht es meistens nur um Minuten, in denen der alte Regie-Hase zu spät reagiert – und schon hat man als Zuseher den Eindruck, die Szenerie gefällt sich letztlich dann doch als Screwball-Romanze mit Halali-Elementen wie dem Erlegen eines aus der Herkules-Sage geklauten Erymanthischen Ebers.

Nein, so will es Raimi aber nicht – er will, dass sich alle an seinen Tanz der Teufel erinnern, deswegen grätscht er mit reminiszierender Kamera und perfiden Gewaltspitzen immer wieder in den Flow – und biedert sich am Ende dann doch einem wie Ruben Östlund an, der mit Triangle of Sadness genau die gleiche Prämisse, einen ähnlichen Plot (nur mit schmuckem Ensemble) und einen erschreckend identen Storytwist bietet. Alter Schwede, dürfte sich Raimi wohl gedacht haben: Sowas mach ich auch.

Send Help (2026)

The Rip (2026)

ONKEL DAGOBERT BEI DER DROGENFAHNDUNG

5/10

 

© 2026 Netflix Inc.

 

LAND / JAHR: USA 2026

REGIE / DREHBUCH: JOE CARNAHAN

KAMERA: JUAN MIGUEL AZPIROZ

CAST: MATT DAMON, BEN AFFLECK, STEVEN YEUN, TEYANA TAYLOR, SASHA CALLE, CATALINA SANDINO MORENO, SCOTT ADKINS, KYLE CHANDLER, LINA ESCO U. A.

LÄNGE: 1 STD 53 MIN



Die BFFs Matt Damon und Ben Affleck stehen wiedermal gemeinsam vor der Kamera. Was passt da besser als eine raue Bullen-Pistole unter der Regie von Joe Carnahan, dessen markiger Nachname die raubtierhafte Grundstimmung zwischen Nacht, Nebel und blinkenden Lichtern in der Nachbarschaft bereits vorwegnimmt. The Rip (im Polizeijargon unter anderem das Beschlagnahmen von Drogengeld) nennt sich der neue Buddy-Actioner, eben erst taufrisch auf dem Streamer Netflix erschienen, der sich damit wiedermal unentbehrlich machen will, denn Affleck und Damon sehen viele schließlich gern. Affleck nicht unbedingt als Batman, aber als einer, der gerne im Zwielicht hantiert, den harten Mittfünfziger macht und dabei noch nicht zum alten Eisen gezählt werden will, während Damon, der Charakterkapazunder der beiden, mit dem Feingespür eines Theaterschauspielers in der Interpretation seiner Rolle vieles unbeantwortet lässt – was die Lust natürlich steigert, vor allem Damons Intensionen auf den Grund gehen zu wollen. Beide ergänzen sich prächtig, und das ganze als Bromance zu bezeichnen das einzig vernünftige.

Carnahan steckt sie also in die Berufsmontur polizeilich ermittelnder Drogenfahnder der Spezialeinheit TNT, welche, irgendwie anders als die DEA, womöglich mehr Freiheiten genießt. Was die TNT also stets am Radar haben sollte, ist deponiertes Drogengeld. Ihr Ziel: Den Mammon sicherzustellen, abzuzählen und dem Staat zu übergeben.

Die Exekutive zählt Dollars

Wir haben alle, wirklich alle, aus dem Genre des amerikanischen Polizeifilms gelernt: Den Tango Korrupti tanzen nicht nur Politiker, sondern auch Polizistinnen und Polizisten – meistens dann, wenn sie bei ihrer eigenen Gewerkschaft kein Gehör finden, sich selbst als unterbezahlt betrachten oder einfach der Versuchung erliegen, den nicht erhaltenen Lottogewinn vielleicht im Wegschneiden gefundener Vermögen zu kompensieren, deren Summe bei den Behörden noch nicht durchgesickert ist. Gerne passiert es, und so mancher Bulle ist mit den Drogenkartellen auf du und du. Eben, weil leicht verdientes Geld durchaus schmutzig sein darf. In diesem Dunstkreis möglicher Machenschaften stochern Damon und Affleck sogar noch nach Dienstschluss, weil ohne Fleiß kein Preis, in den vier Wänden eines Hauses herum, dessen Adresse von verlässlichen Informanten als heiß zugespielt wurde. Besser noch ein Nest ausheben als die Beine vor dem Fernseher hochlagern. Und so fallen den Bros und ihrem Team weitaus mehr Kohle in den Schoß als vermutet.

Packend wie ein Kassasturz

Gelegenheit macht Diebe, nur wer lässt sich als solche überführen? Joe Carnahans selbst verfasster Actionkrimi legt falsche Fährten und lädt zum Mitraten ein. Der über weite Strecken des Films eng gefasste Schauplatz unterstreicht dabei das Gefühl, einer Art Whodunit beizuwohnen, bei dem es auf jedes Detail ankommt. Doch der Schein der Taschenlampen, die durchs Dunkel brechen, trügt etwas. The Rip hat rein konzeptionell durchaus eine gewisse Klasse, auch dank der illustren Besetzung, die über Affleck und Damon hinausgeht. Doch obwohl wendungsreich, eiert die Story um sich selbst herum, als läge ihr ein ausgeklügeltes Skript zugrunde. Wenn dem so wäre: wie kommt es dann, dass trotz der durchdachten Handlung zuviel Salz in der Suppe fehlt, um dem Film seine USP zu verpassen? Die mangelnde Würze ist einer gewissen fehlenden Nahbarkeit geschuldet. Die Figuren des Ensembles bleiben flach und austauschbar. Ohne entsprechende Vibes, ohne Zwischentöne bleibt das alles etwas kalt und knurrig. Handwerklich sauber, das muss man zugestehen. Doch dieser Umstand bringt trotz der düsteren, zumindest moralisch nicht ganz astreinen Grundstimmung eine Sterilität zuwege, die The Rip im besseren Mittelfeld belässt, was Streamingfilme angeht, die so tun, als hätten sie ins Kino gehört.

Säße man genau dort, wäre man wohl enttäuscht. So aber ist es nur Streaming, das die Toleranzgrenze für verlorene Lebenszeit deutlich höher setzt. Davon ist man natürlich doch noch ein Stückchen entfernt, aber dennoch: Netflix und Co wissen schon ganz genau, was sie auf die große Leinwand bringen und was nicht.

The Rip (2026)

Greenland 2 (2025)

STRAHLEND SCHÖNE AUSSICHTEN

6/10


© 2025 Tobis Film


ORIGINALTITEL: GREENLAND 2: MIGRATION

LAND / JAHR: USA 2025

REGIE: RIC ROMAN WAUGH

DREHBUCH: MITCHELL LAFORTUNE, CHRIS SPARLING

KAMERA: MARTIN AHLGREN

CAST: GERARD BUTLER, MORENA BACCARIN, ROMAN GRIFFIN DAVIS, AMBER ROSE REVAH, GORDON ALEXANDER, PETER POLYCARPOU, WILLIAM ABADIE, TROND FAUSA AURVÅG U. A.

LÄNGE: 1 STD 38 MIN



Nein, dieser Film handelt nicht davon, wie US-Diktator Trump versucht, sich die größte Insel der Welt, ob gewaltsam oder nicht, unter den Nagel zu reißen. Grönland ist im Vorgängerfilm Greenland aus dem Jahr 2020 zwar auch heiß begeht und umkämpft, dient aber vorrangig als temporäres Elysium für Menschen, die dem großen Desaster, den der Komet Clarke wohl bringen wird, entgehen wollen. Das allerdings wollen alle, doch nur einer gewissen Anzahl der Gattung Homo sapiens wird dieses Glück im Unglück vergönnt sein. Das Establishment der Apokalypse hat sich’s mehr oder weniger gerichtet, darunter zählt auch die Familie von Gerard Butler, die sich im Kino-Erstling zwischen Panik, Chaos und vom Himmel regnendem Feuer immer wieder verliert, um sich dann doch noch wiederzufinden.

Gelobtes Land 2.0

Fünf Jahre später sind auch fünf Jahre im Bunker, der tief unter Grönlands Erde ein ganz schönes Grüppchen an Menschen versorgt. Die Erde ist nur noch ein versehrter Brocken im All, die Meere schwappen zwar immer noch im Tidenhub an die Küsten, doch die Luft ist radioaktiv verstrahlt, von oben regnet es immer noch Trümmer und so manch elektromagnetischer Staubsturm fegt, beladen mit Blitzen, über desolate, wüstenhafte Einöden. Daddy Gerard Butler gönnt sich dabei immer mal wieder den Ausflug an die Oberfläche, um an brauchbare Dinge zu kommen, was logischerweise auf Kosten seiner Gesundheit geht. Davon wissen Frau und Kind noch nichts, oder wollen es nicht wahrhaben. Sie hoffen auf bessere Zeiten, die allerdings nicht kommen werden, Denn Grönland entwickelt bald ein tektonisches Eigenleben, was Butler und seine Familie dazu nötigt, sich auf die Suche nach dem gelobten Land zu machen, das sich im Krater aller Krater, nämlich genau dort, wo Asteroid Clarke auf Tuchfühlung mit der Erde ging, längst etabliert haben könnte. Die Aussichten stehen sagen wir mal fifty-fifty, oder zumindest fortynine-fiftyone, also zugunsten einer möglichen Zukunft im Paradies, umgeben von Krieg, Postapokalypse und Zerstörung. Was folgt, ist eine Odyssee auf dem Wasser und zu Land, und stets hat Ric Roman Waugh hier die Familie im Fokus, das letzte noch existierende intakte System unter Menschen, das noch nicht vorrangig von Waffen Gebrauch macht, um die letzten Flecken Erde, die es lohnt, zu bewohnen, zu erobern.

Ordnung im Chaos mit Fingerspitzengefühl

Greenland 2 setzt, wie schon Greenland, auf weitgehend realistische Bilder und denkt das mögliche Szenario nach einer globalen Katastrophe durchaus ernsthaft und auch konsequent durch, allerdings nicht so kompromisslos wie es Alex Garland machen würde, der nach Civil War, seinem Neo-Bürgerkriegs-Schocker im Reportage-Stil, wohl auch den Kometen in ähnlicher Kompromisslosigkeit hätte einschlagen lassen. Ric Roman Waugh gelingen im Erfassen der ganzen Katastrophe vor allem dynamische Massenszenen, er scheint ein Händchen dafür zu haben, eine gewisse visuelle Ordnung gerade im Chaos zu entdecken. In diesen Momenten ist Greenland 2 am stärksten und wird auch richtig spannend, wenn es hart auf hart geht. Das Ziel, zusammen zu bleiben, ist auch hier wieder die halbe Miete. Dazwischen findet Greenland 2 das Wohl des von Entbehrungen Gezeichneten in der Bewusstmachung unvergänglicher Werte, die, wenn man sie vertritt, das Schicksal milde stimmt.

Endzeit-Fototapete

So mancher Endzeitfilm ist aber nur halb so gut, wenn während des Trips durch die Ex-Zivilisation nicht eine Challenge die nächste jagt. Sich dieses Konzepts für todsichere Survival-Unterhaltung annehmend, strapaziert Waugh dabei die sonst so angestrebte Glaubwürdigkeit, was dazu führt, dass sich das Publikum rechtzeitig noch darauf besinnen kann, in einem leider doch arg konstruierten Hollywood-Blockbuster zu sitzen, von dem keinerlei Gefahr droht. Denn schließlich ist das gelobte Land nicht weit und das strahlende Fototapetenmotiv einer besseren Welt die ideale Bühne, um Ende und Anfang gleichermaßen zu zelebrieren.

Greenland 2 (2025)

Dead of Winter – Eisige Stille (2025)

ES MUSS NICHT IMMER LIAM NEESON SEIN

6,5/10


© 2025 Constantin Filmverleih


LAND / JAHR: USA, DEUTSCHLAND 2025

REGIE: BRIAN KIRK

DREHBUCH: NICHOLAS JACOBSON-LARSON, DALTON LEEB

KAMERA: CHRISTOPHER ROSS

CAST: EMMA THOMPSON, JUDY GREER, MARC MENCHACA, GAIA WISE, BRÍAN F. O’BYRNE U. A.

LÄNGE: 1 STD 38 MIN



Sie hat wohl schon alles gespielt, was man sich nur vorstellen kann, vorzugsweise natürlich Charakterrollen in anspruchsvollen Filmen, dabei kaum Horror, dafür aber ab und an herzhaften Nonsens, wie seinerzeit an der Seite vom schwangeren Arnold Schwarzenegger in Junior. Zuletzt hat sie sich Callboy Daryl McCormack geangelt – im erfrischend intimen und dialogstarken Kammerspiel Meine Stunden mit Leo. Was ihr in ihrem Repertoire auch noch wirklich fehlt, wäre ein waschechter Thriller. Einer von der harten, straighten, kompromisslosen Sorte. Etwas, wo Emma Thompson die unfreiwillige Actionheldin raushängen lassen kann, trotz fortgeschrittenen Alters, denn was Sylvester Stallone, Dolph Lundgren oder die steirische Eiche können, kann die toughe Britin schon lange. Dafür muss sie gar nicht zum Expendable werden, sondern einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort sein.

Hüttengaudi für Hinterwäldler

Oder aber: Zur falschen Zeit  genau dort, wo Witwe Barb die Urne ihres verstorbenen Mannes hinbringen hätte sollen: An einem zugefrorenen See in Minnesota, irgendwo in der Wildnis, meilenweit entfernt vor der nächsten annähernd urbanen Infrastruktur, dort, wo aufgrund der Kälte niemand Gute Nacht sagt, sondern nur schmerzliche Erinnerungen von damals hochkommen, als Barb und ihre große Liebe sich zum ersten Mal verabredet hatten – zum Eisfischen.

Lang ist’s her, und der Weg dorthin eine Challenge durch Schnee, Sturm und Eis. Irgendwann trifft Barb auf eine Hütte im Wald – und wir wissen längst; Hütten im Wald bedeuten zumindest in den USA einfach nichts Gutes. Der wortkarge Hinterwäldler weist der Guten den Weg, nicht ohne bei dieser ein gewisses Gefühl des Unbehagens zu hinterlassen. Kurze Zeit später, bereits am See angekommen, ertönen Schreie durch den im Winterschlaf befindlichen Tann. Barb ist nun auf sich allein gestellt, um das Rätsel zu lösen und um ihr soziales Pflichtgefühl zu aktivieren, welches bedeutet: Menschen in Not muss geholfen werden.

Liam Neeson ist eine Frau!

Wie handhabt ihr das? Filme, die im Winter spielen, im Sommer ansehen? Filme, in denen der Schweiß aus allen Poren dringt, im Winter? Ich für meinen Teil hab’s nicht nur in natura gerne frostig – auch im heimeligen Kino oder den eigenen vier Wänden darf es auf dem Screen gerne der Jahreszeit entsprechen. Also ist Dead of Winter – Eisige Stille zur jahreszeitlichen Abstimmung der ideale, gut verpackte, handliche kleine Thriller, in welchem Judy Greer in kompromissloser Verbissenheit die Antagonistin gibt. Lange bleibt unklar, welche Ursachen dieses ganze Schlamassel weitab vom Schuss eigentlich hat, und Brian Kirk und sein Drehbuch schieben des Rätsels Lösung lange vor sich her. Währenddessen kann man den beiden Damen, die sich auf Augenhöhe begegnen, beim Hickhack und beim Shootout zusehen, wobei Thompson als Survival-Improvisationstalent dank ihrer Glaubwürdigkeit jede Menge Sympathiepunkte sammelt und obendrein noch Action-Opa Liam Neeson, der Rollen wie diese nicht ausschlägt, noch ein bisschen älter aussehn lässt.

Dass es am Ende, und zwar bei beiden Hauptdarstellerinnen, so richtig persönlich wird, hat zur Folge, dass Dead of Winter – Eisige Stille vom knackigen Winterthriller auf geradem Wege zum unerwartet düsteren, fast schon nach skandinavischem Kino anmutenden Arthouse-Drama mutiert, welches Trauer, Todesangst und Opferbereitschaft zwar nur kurz, aber dennoch intensiv genug thematisiert. Letztlich bleibt festzustellen, dass man Dead of Winter – Eisige Stille wohl ein bisschen unterschätzt haben könnte.

Dead of Winter – Eisige Stille (2025)

Anaconda (2025)

THE SNAKE IS NOT WORKING!

6/10


© 2025 CTMG, Inc. All Rights Reserved.


LAND / JAHR: USA 2025

REGIE: TOM GORMICAN

DREHBUCH: TOM GORMICAN, KEVIN ETTEN

KAMERA: NIGEL BLUCK

CAST: JACK BLACK, PAUL RUDD, STEVE ZAHN, THANDIWE NEWTON, SELTON MELLO, DANIELA MELCHIOR, IONE SKYE, ICE CUBE, JENNIFER LOPEZ U. A.

LÄNGE: 1 STD 39 MIN



Mit von Kapitel zu Kapitel niemals schwindendem Interesse habe ich mir zuletzt das relativ druckfrische und gut recherchierte Making Of-Sachbuch The Shark is not working von Renatus Töpke zu Gemüte geführt. An alle Filmnerds und die es noch werden wollen: Diese Fachlektüre für Kino-Enthusiasten ist eine klare Empfehlung, liefert sie doch jede Menge erhellende Informationen, wenn es darum geht, Filmprojekte auf die Beine zu stellen, und wenn das mal geklappt hat, sie überhaupt erst zu realisieren. Als fiktionaler Beitrag zu diesem Buch könnte die zu Weihnachten in den Kinos durchgestartete Meta-Blödelei Anaconda als bizarre Desaster-Chronik relativ gut funktionieren – wenn man Filme wie One Cut of the Dead oder Living in Oblivion schon gesehen hat. Oder das mysteriöse Making-Of Shadow of the Vampire, in welchem spekuliert wird, ob Max Schreck in Murnaus Nosferatu nicht doch ein Vampir gewesen war. In Anaconda, keinem Remake des 90er-B-Movies, sondern der wenig schamhaften Verbeugung vor einem Guilty Pleasure damaliger Teenager-Cliquen, steht nicht der Elefant, sondern die Schlange im Raum, deren Monstrosität vielleicht gar keine Erfindung irgendwelcher Drehbuchautoren war, sondern tatsächlich existiert. Jack Black, „Ant Man“ Paul Rudd, Steve Zahn und Thandiwe Newton werden aus erster Hand erfahren, was es heisst, wenn ein Filmprojekt mehr Blut, Schweiß, Schlangenschleim und Pisse abverlangt als vorgesehen.

Abenteuer Filmemachen

Wo Jack Black ist, dürfte auch ein Szenario nicht weit entfernt sein, dass an die Neuauflage von Jumanji erinnert. Nur diesmal stecken nicht Opa und das affektierte It-Girl im falschen Avatar, sondern schräge Normalos, die sich den Traum ihres Lebens erfüllen wollen, müssen mit ihrer originären menschlichen Hülle auskommen, wenn es heisst: Survival-Trip statt Filmdreh. Am Anfang jedoch sieht es noch so aus, als wäre das Abenteuer Filmemachen das Aufregendste, was man sich vorstellen kann. Man braucht doch nur Motivation, Zeit, Ideen – und die richtigen Kontakte. Also finden sich die vier Buddies, die in Jugendjahren selbst schon ihren Super 8-Film gedreht hatten, im Amazonasbecken wieder, mitsamt gebuchter Würgeschlange und einem luxuriös ausgestatteten schwimmbaren Untersatz. Was sie nicht wissen: Goldgräberbanden treiben hier ihr Unwesen, und das mit der Riesenschlange war, wie schon erwähnt, in Wahrheit doch kein CGI.

Sitzpinkler-Survival

Dieses Making-Of-Jumanji-Abenteuervehikel braucht einige Zeit, um seine Startposition für sein tropisches Kalauer-Gewitter einzunehmen. Freunde, die sich finden, neu erfinden und zusammen ein Ding durchziehen, das jeden aus seiner Midlife-Crisis befördern soll – fast könnte man meinen, Anaconda ist nur eine Variable für eine Buddykomödie rund um verpasste Ziele und Chancen. Vorrangig jedoch geht es ums Filmemachen, um Allüren, Klischees und den Faktor der Improvisation, wenn alle Stricke reißen. Kein Film hat das so auf die Spitze getrieben wie One Cut of the Dead, da ist Anaconda noch meilenweit hinten nach, doch diese Crew hier muss sich auch, wie in Jumanji eben, durch den Dschungel kämpfen. Dabei gelingen dem Schenkelklopfer-Pseudotrash einige zündende Pointen. Sitzpinkler-Survival und statt Bären aufgebundene Schweine sind Fremdschäm-Highlights für Klamauk-Liebhaber, die in der Kinogruppe Spaß haben wollen, ohne viel nachzudenken. Natürlich muss man mit Humor wie diesem irgendwie klarkommen. Und man sollte auch Anaconda aus dem Jahre 1997 zumindest vage in Erinnerung behalten haben – was den Cast betrifft.

Bei solchen „Meisterwerken“ ist es dann doch besser, hinter die Kulissen zu blicken. Am Ende fragt man sich, wie im „Reboot“ das ganze Bildmaterial bei all dem Chaos überhaupt zustande kommen konnte. Und doch ist das Unmögliche hier möglich, und das Ganze so wenig ernstzunehmen wie die eine oder andere beliebte Tierhorror-Trashgranate. Filmliebhaber müsste man sein, und auch ein Herz für Niederbudgetiertes haben. Denn darin steckt, neben dem Mut zum Scheitern, oft der meiste Esprit. Weil der Weg das Ziel ist, auch wenn er sich mühsam schlängelt.

Anaconda (2025)

Avatar: Fire and Ash (2025)

BONUSRUNDE IM THEMENPARK

7/10


© 2025 20th Century Studios. All Rights Reserved.


LAND / JAHR: USA 2025

REGIE: JAMES CAMERON

DREHBUCH: JAMES CAMERON, RICK JAFFA, AMANDA SILVER

KAMERA: RUSSELL CARPENTER

CAST: SAM WORTHINGTON, ZOË SALDAÑA, STEPHEN LANG, OONA CHAPLIN, BRITAIN DALTON, SIGOURNEY WEAVER, JACK CHAMPION, CLIFF CURTIS, KATE WINSLET, DAVID THEWLIS, TRINITY BLISS, JAMIE FLATTERS, EDIE FALCO, GIOVANNI RIBISI, CCH POUNDER U. A.

LÄNGE: 3 STD 19 MIN



Auf Disney+ läuft derzeit das Making Of mit dem Titel Fire and Water: Die Entstehung der Avatar Filme Es wäre treffender gewesen, das dritte Kino-Release ebenso zu bezeichnen: als Fire and Water, als elegante Überleitung von Teil 2, The Way of Water, zu Teil 3, im Grunde The Way of Water 2, vermengt mit ein bisschen Asche aus einem geografischen Teil Pandoras, dem James Cameron nicht wirklich viel Aufmerksamkeit schenkt. Schließlich ist diese Gebiet, auf welchem die Mangkwan hausen, vor nicht allzu langer Zeit noch kein Ödland gewesen, somit konnte sich dort auch noch kein eigenes Ökosystem etablieren. Schade eigentlich. So verspielt Cameron die Chance, seine Flora und Fauna noch auszuweiten auf Klimaregionen der Wüste. Doch der technikaffine Extremfilmer mit dem Hang zum Drill hat diesbezüglich keine Ambitionen. Warum? Das ist schnell erklärt: Avatar Teil 2 und Avatar Teil 3 wurden gemeinsam produziert. Das heisst: Alles, was in Avatar 2 an Schauwerten neu hinzukam, ist auch, bis auf einige wenige Ausnahmen, nochmal in Teil 3 vorhanden. Cameron hat sein nach seinem Wow-Triumph Avatar – Aufbruch nach Pandora nachfolgendes Opus magnum einfach nur gesplittet in The Way of Water a und The Way of Water b. Beide Filme erzählen ein und denselben Plot: Nämlich den Clinch zwischen Antagonist Miles Quaritch, der nur noch in Gestalt eines Na’vi herumstolzieren kann, und dem vogelfreien und Jake Sully, der auch nicht mehr in seine alte Haut zurückkann. Wir wissen noch aus Teil 2: Die Familie um Sully mit Neytiri und deren Kindern mussten beim „Südsee“-Volk der Metkayina, die stark an die polynesische Kultur angelehnt ist, Zuflucht suchen.

Keinen Schritt weiter

Im ergänzenden Finale zu Teil 2 geht’s also nahtlos und munter weiter mit jenem Hin und Her, das wir schon 2022 hatten. Cameron fällt im Grunde also nichts neues ein, weil er das, was er begonnen hat zu erzählen, noch nicht fertigerzählt hat. Was Peter Jackson damals gelang, nämlich, Tolkiens Hobbit tatsächlich auf drei Teile zu verdünnen, ohne dass die Geschichte repetitiv wirkt, und somit in jedem der Teile die klassische Erzählstruktur von Einleitung, Hauptteil und Schluss zuwege brachte, gelingt Cameron insofern nicht, weil er mit dem hasserfüllten Aschevolk der Mangkwan zwar einen neuen Player ins Spiel bringt, das Spiel selbst aber um keinerlei Dimensionen erweitert. Alles wiederholt sich, narrativ wie auch visuell. Klar macht auch die Technik keinen Quantensprung mehr, auch wenn drei Jahre dazwischenliegen. Wir sehen also more of the same, wir beobachten des weiteren das Leid einer Familie und ihr Streben nach Sicherheit und wie sie dabei auf der Stelle treten, während einer wie Quaritch (Stephen Lang) auch keine Fortschritte macht. Damit ist er nicht allein, denn niemand hier in dieser Saga entwickelt sich charakterlich weiter oder hat eine Heldenreise vor sich, wie man sie in der Serie Game of Thrones als vorbildliches Musterbeispiel der Figurenzeichnung beobachten kann.

Glotzkino zum Eintauchen

Schließlich komme ich wieder mal an einen Punkt, an dem ich feststelle, das James Cameron nicht wirklich gut Geschichten erzählen kann. Dafür aber kann macht er Bilder, die sonst keiner drauf hat. Avatar: Fire and Ash offenbart sich als ebenso überwältigender Hingucker wie Avatar: The Way of Water. Nichts anderes als ein monumentales Bilderbuch tut sich hier auf, ein Schau-Film erster Güte, bei welchem man nicht nach dem erzählerischen Mehrwert suchen sollte. Die Devise lautet: Loslassen, eintauchen, glotzen, glotzen, glotzen, bis die 3D-Brillen anlaufen. Als Highlight gilt hier sicher eine Sequenz, die als Wal-Action in die Filmbücher eingehen wird: Moby Dick zur zehnten Potenz, würde man meinen, wenn mehrere Dutzend intelligente Meeresriesen einen von „Captain Ahab“ angeführten Harpunier-Verein dem Meeresspiegel gleichmacht, dabei unterstützt von in der Tiefsee lebenden Kalmaren, die Jules Verne wohl vom Hocker gehauen hätten. Hier kämpft Natur gegen Technologie, und zugegeben: diesen Showdown hatte The Way of Water dann doch noch nicht zu bieten.

Was geschieht jenseits von Pandora?

Was Cameron nebst seines technischen Perfektionismus auch noch beherrscht, ist die Klaviatur des Spannungskinos. Langweilig wird einem bei dreieinhalb Stunden wirklich nicht, und das, obwohl lediglich more of the same in leichter Variation fortsetzt, was das Publikum schon als erledigt gesehen hätte. Klar sind die Asche-Bösewichte, angeführt von Oona Chaplin als wirklich toughe und betörend anmutende Gegenspielerin, der Hauptgrund für die Verdichtung der altbekannten Situation – doch warum hat Cameron nicht versucht, den Handlungsfaden um Quaritch in Teil 2 abzuschließen, um in Teil 3 mit etwas Neuem zu beginnen? Ich für meinen teil hätte erfahren wollen, wie es auf astropolitischer Seite der menschlichen Zivilisation ausgesehen hätte, ähnlich wie in Alien: Earth, einer wahren Bereicherung für dieses Universum, das garantiert nicht nochmal niemanden im Weltraum schreien lassen will, war doch Alien: Romulus schon relativ nah an bereits bekanntem Storytelling angesiedelt.

Ein Film wie ein Themenpark

Disney aka 20th Century fox hat dabei wohl viel zu viel mitzureden gehabt, und ja, wir wissen: Wenn Disney sein auf Marktanalysen basierendes Regelwerk einem Filmteam vor die Füße knallt, muss dieses wohl abwägen: Kreativität und echtes Drama oder Unkreativität und technische Attraktion. Frei nach dem Motto: Nur ein Themenpark als Film ist ein Kassenknüller, wirkt auch Avatar: Fire and Ash wie eine begehbare Pandora-World mit sämtlichen Attraktionen, die man natürlich nicht hinter einer dramatischen und unvorhergesehenen Geschichte verstecken möchte. Lieber Schablone als aus der Reihe tanzen – somit ist die jüngste Episode, die brav in der Reihe bleibt, immerhin spektakuläre Seifenoper, ein familientragisches Fackeln im Sturm, ein ausschweifender Eskapismus und anklagendes Spiegelbild amerikanischer Kolonialgeschichte.

Sollte Teil 4 also kommen, muss Cameron neue Ideen springen lassen, ein anderes Setting und andere Parameter entwerfen, denn man sieht, der Wow-Faktor schwindet. Neugierig, wo dieser dann wohl ansetzen würde, wäre ich allemal.

Avatar: Fire and Ash (2025)