Primate (2025)

DEM HERRENTIER HERR WERDEN

5,5/10


© 2026 PARAMOUNT PICTURES. ALL RIGHTS RESERVED / Constantin Film Österreich


LAND / JAHR: USA 2025

REGIE: JOHANNES ROBERTS

DREHBUCH: JOHANNES ROBERTS, ERNEST RIERA

KAMERA: STEPHEN MURPHY

CAST: JOHNNY SEQUOYAH, TROY KOTSUR, JESSICA ALEXANDER, VICTORIA WYANT, BENJAMIN CHENG, GIA HUNTER, MIGUEL TORRES UMBA, CHARLIE MANN U. A.

LÄNGE: 1 STD 29 MIN



Was Schimpansen-Expertin Jane Goodall zu Primate wohl sagen würde? Sie würde sagen: Film ist Film, Realität ist Realität, beides muss man wohl streng auseinanderhalten. Denn was der Tierhorror aus primatologischer Sicht an schockierenden Schauwerten liefert, lässt Zoologen und Verhaltensforscher die Haare raufen. Menschenaffen, die mit Tollwut infiziert sind: was werden sie wohl tun? Im Grunde zeigen sie ganz ähnliche Symptome wie der Mensch, schon allein deshalb, weil die DNA beider Primatenarten (ja, das sind wir, wir zählen zoologisch gesehen immer noch zu den Primaten) zu mehr als 90% identisch ist. Bekanntestes Symptom bei Infektion mit dem Tollwut-Virus: Aggression, Wut, Reizbarkeit – all das. Doch selten geplantes, bösartiges Verhalten. Ben, der Affe, tut aber, als wäre er von einem Dämon besessen. Es stellt sich somit gar nicht mehr die Frage, wie würde sich ein Schimpanse wirklich verhalten – und schon gar nicht die Frage, wie würden sich seine kognitiv versierteren Verwandten verhalten, die diesem Affen ausgesetzt sind, der natürlich an dieser Krankheit sichtlich leiden muss?

Der Affe im gemachten Nest

In Primate unterliegt logischerweise alles dem Konzept des expliziten Slashers, der alle erdenklichen Parameter abliefert, die notwendig sind, um eine scheinbar ausweglose Situation zu erzeugen. Überraschend ist das nicht, und vielleicht will man sich ja auch als Horror-Affiner gerne in ein gemachtes Nest setzen, umgeben von vertrauten Versatzstücken, um mit Schadenfreude, Ekel und Schreckstarre in den Gliedern einem eskalierenden Szenario zu folgen, dass gleich zu Beginn eine aus dem Kontext der späteren Handlung gerissene Szene als Prolog zitiert. Das wirkt etwas undurchdacht, doch wie auch immer: Roberts hat große Lust, uns den Horror auf nüchternem Magen zu servieren, damit jeder weiß, wie sehr es später zur Sache geht. Will heißen: Wo auf einer Gewaltskala von eins bis zehn Primate seinen wie vom wilden Affen gebissenen Affen randalieren lässt. Die paar Mädels und Jungs, knapp beschürzt und natürlich kein bisschen ahnend, welche Nacht des Grauens sie wohl alle erleben werden, hat Johannes Roberts auch nicht gerade neu charakterisiert. Mal sehen, wie souverän der Macher vom Taucherhorror 47 Meters Down und 47 Meters Down: Uncaged den recht trivialen Plot auf Spur bringt.

Intelligenzbestien und menschliche Leuchten

In den Achtzigerjahren trieb ein Film mit dem Titel Link, der Butler vor allem in den Videotheken sein Unwesen. Synopsis des Thrillers: In diesem Fall randaliert – oder besser gesagt – erwehrt sich ein Orang-Utan im Hause eines Primatologen mit allen ihm zur Verfügung stehenden tödlichen Mitteln der Euthanasie. Tierhorror der alten, natürlich billigen Schule, obgleich mit Elisabeth Shue und Terence Stamp. Für den neuen Affenhorror verpflichtet sich der gehörlose CODA-Star Troy Kotsur als des Schimpansen Vertrauter, der, leider auf Geschäftsreise, besagter Handvoll Jugendlicher das abgelegene Luxusanwesen zwecks Sommerparty überlässt. Soweit aber kommet es hat nicht, stört doch der mit Tollwut infizierte Ben die Nachtruhe, um gezielt Terror und Tod zu verbreiten. So viel Verständnis kann man für die Erkrankung des Herrentieres gar nicht aufbringen, um dem blutrünstigen Berserker seine bewusst ausgeführten Verfehlungen nicht übelzunehmen. Das Tier wird so zum Monster, infolgedessen beantwortet man, was zu erwarten war, die Frage nach adäquatem Verhalten einer Handvoll Homo sapiens im Publikum wohl etwas anders als im Film. Es ist so wie bei der Millionenshow: Daheim ist man immer klüger, mittendrin wohl unterliegt die planende Intelligenz wohl jener des Schimpansen, was die felllosen, knapp beschürzten und im Pool vor sich hin winselnden Zweibeiner nicht gerade als Vorzeigeexemplare unserer Spezies ausersieht.

Hals- und Kieferbruch!

Film ist Film, könnte hier wieder Jane Goodall meinen. Schon in Ordnung, sehen wir uns einfach an, wie nun einer nach dem anderen über des Affen Klinge springt. Und da will Roberts die FSK-Freigabe ohne mit der Wimper zu zücken in den Rotbereich befördern. Wie Ben seine Opfer im wahrsten Sinne des Wortes mitunter auseinandernimmt, ist, als würde Evil Dead wiedermal risen. Der sabbernde Schimpanse hat den diabolisch grinsenden Finsterblick dermaßen gut drauf, da kann einem schon anders werden. Wie in der Prologszene von Kubricks 2001 – Odyssee im Weltraum ereifert sich der brachiale Tierkiller, um ordentlich einzudreschen. Zugegeben, das ist astrein gefilmt, ordentlich explizit und auch der Affe selbst überzeugt in so gut wie jeder Szene.

Viel Neues fällt Roberts aber auch nicht ein, ganz bewusst hält er an Bewährtem fest, womöglich, weil alte Besen eben gut kehren und das Genre-Publikum vorzugsweise in der Sektion gefährliche Tierarten gar nichts anderes will, als das Bewährte. Viel Spielraum scheint es dabei nicht zu geben. Wobei: Man müsste sich nur Dangerous Animals ansehen. Der Genremix aus Tierhorror mit klassischem Serienkillerthriller ist als Rechnung verhaltensauffällig gut aufgegangen.

Primate (2025)

28 Years Later: The Bone Temple (2026)

CHILLOUT MIT DEM ZOMBIE

7,5/10


© 2025 CTMG, Inc. All Rights Reserved.


LAND / JAHR: VEREINIGTES KÖNIGREICH, USA 2026

REGIE: NIA DACOSTA

DREHBUCH: ALEX GARLAND

KAMERA: SEAN BOBBITT

CAST: RALPH FIENNES, JACK O’CONNELL, ALFIE WILLIAMS, ERIN KELLYMAN, EMMA LAIRD, MAURA BIRD, ROBERT RHODES, SAM LOCKE, GHAZI AL RUFFAI, CONNOR NEWALL, CHI LEWIS-PARRY U. A.

LÄNGE: 1 STD 49 MIN



Da wurde doch in den sozialen Medien die Vermutung geäußert, 28 Years Later: The Bone Temple würde deswegen so ein mieses Einspielergebnis eingefahren haben, weil mehr als nur einigen potenziellen Besuchern wohl nicht ganz klar gewesen war, dass das Sequel des Sequels des Sequels von 28 Days Later eine völlig neue Episode darstellt, und nicht einfach nur nochmal ins Kino gebracht wurde, weil der letzte Teil erst letzten Sommer über die Leinwände gerauscht war. Ein Fehler der Studios – nämlich zwei Filme ungefähr gleichen Titels im Halbjahresrhythmus ins Kino zu bringen? Tatsächlich könnte das die Ursache sein. Um wirklich als eigenständiges neues Kapitel eines Franchise angesehen zu werden, hätte es eine längere Pause gebraucht, zumindest ein Jahr oder im besten Fall sogar zwei. Bei Kill Bill war zumindest ein Jahr dazwischen, doch bei Quentin Tarantino gibt es wohl deutlich mehr Zuseherinnen und Zuseher, die sich, würden sie es missverstehen, gerne nochmals in jenen Film begeben würden, den sie schon mal gesehen hatten.

Wo die müden Knochen ruhen

Für 28 Years Later: The Bone Temple tut es mir leid, dass es soweit hat kommen müssen, vor allem deswegen, weil dieser brandneue Output eindeutig der bessere Film ist. Weniger zerfahren, weniger unentschlossen, doch nicht weniger spiel- und improvisationsfreudig. Man muss nur Ralph Fiennes beim Tanzen zusehen, auf seinem Hügel, vor seinem Ossarium, einem gewaltigen postapokalyptischen Weltwunder, das garantiert in den postapokalyptischen Reiseführern stehen würde, wäre Gerard Butler in der Endzeit wiedermal unterwegs, um seine Familie zu retten. Dieses Bauwerk dürfte, zumindest sieht es danach aus, wohl kaum mit CGI generiert worden sein, muss der Point of Interest doch so realistisch wie möglich aussehen. So würde selbst ich gerne durch diesen Knochenwald schlendern, doch wen die Sehnsucht nach Verblichenen einfach nicht loslässt und wer 28-Years-Vibes selbst verspüren will, der kann zumindest ins tschechische Sedlec reisen, um dort die Knochenkirche in Kutna Hora zu bewundern, mit 40.000 menschlichen Skeletten. Sogar einen prachtvollen Luster gibt es dort – den hatte sich Ralph Fiennes als Dr. Kelson wohl zu Weihnachten gewünscht.

Dafür muss er den Teufel höchstselbst mimen, für den windigen und psychopathischen Jeremy (Jack O’Connell), der eine Gang anführt, deren Mitglieder alle Jeremy heißen. Und die mit anderen Überlebenden gerne Spielchen treiben, zuungunsten der Beteiligten, denn die verlieren schlimmstenfalls ihre Haut. Im Schlepptau der Satanisten befindet sich notgedrungen Spike, der Jungspund aus 28 Years Later, und Filmsohn von Aaron Taylor-Johnson, der es nicht in die Fortsetzung geschafft hat. In ihren Trainingsanzügen, mit den blonden Perücken, den aus Schuhwerk umgebastelten Masken – wie die Gang des milchtrinkenden Alex aus Uhrwerk Orange ziehen diese Fanatiker, deren Überzeugung steht und fällt mit jener ihres Anführers, durchs verwüstete Land und hinterlassen Tod und Zerstörung. Bis sie auf Dr. Kelson treffen. Und der hat währenddessen auch alle Hände voll zu tun, nur auf deutlich konstruktivere Weise. Ihm zu Seite steht schließlich ein Zombie namens Samson, der mithilfe eines Cocktails an Substanzen tatsächlich wieder so etwas wie ein Ich-Bewusstsein erlangt.

Wie untot ist die Apokalypse?

Friede, Freude, Eierkuchen in Zombieland? Ja tatsächlich, diese Szenen, wenn Ralph Fiennes mit dem an Jason Momoa erinnernden Zombie-Hünen Ringelreier tanzt und beide gemeinsam völlig zugedröhnt so manchen Himmelskörper betrachten; während dazu schmucke Hadern aus den Siebzigern ertönen und die Welt wieder Hoffnung schöpft, weil es hier deutlich mehr Annäherungen gibt als im Kalten Krieg, dann ist das der Sprung ins kalte Wasser an hitzegeplagten Sommertagen, wenn die Energie deutlich nachlässt. Mit dieser Erzählung weigert sich Autor Alex Garland ein weiteres Mal, in der Schablonenkiste zu wühlen, um immer wieder nur dasselbe zu erzählen, was man bei Zombiefilmen erzählen kann. Ich weiß zwar nicht, was es in The Walking Dead alles für Ansätze zur Berichterstattung über die Untotenapokalypse gegeben hat – ich weiß aber, was bislang im Kino so alles dargeboten wurde, und da ist zugegeben wenig dabei, was den Gegebenheiten in diesem Film auch nur irgendwie gleicht. Versöhnung, Hoffnung, Anbahnung an ein lebenswertes Danach, das wird unterwandert vom Verlust an dem Glauben an das Gute, verbunden mit ungestraftem Anarchismus und einem Bewusstsein für die Seelen der Toten.

Neben der Spur ist am richtigen Weg 

Memento Mori, meint Ralph Fiennes immer wieder. Deutlich oranger als Donald Trump, dafür aber um ganze Staatenbünde weiser, personifiziert Ralph Fiennes den Humanismus in Reinkultur. Jack O’Connell hingegen ist das Destruktive, Dunkle. Wieder haben wir die Dualität, die selbst in diesen Zeiten ihre Anhänger finden muss, um eine Balance zu wahren. Mit diesem Tiefgang kann Nia DaCosta einiges anfangen – und versetzt ihre Regiearbeit mit einem verstörenden Härtegrad. Die Gewalt in 28 Years Later: the Bone Temple ist nichts für Zartbesaitete, hier geht es deftiger zu als beim Vorgänger. Gleichzeitig aber spinnt diese Geschichte so viele feine Fäden, dass sich beides ergänzt und nichts davon zum Selbstzweck gerät.

DaCostas Film ist eine beachtenswerte Fortsetzung, dialogbereit und bewusst neben der Spur. Diese Abkehr vom Bewährten, dieses Hinterfragen von Werten in einer Welt ohne selbige bringt effektiv und mitunter auch so spektakulär wie reduktionistisch ihre Ansätze zu möglichen Antworten auf den Punkt.

28 Years Later: The Bone Temple (2026)

Black Phone 2 (2025)

KEIN ANSCHISS UNTER DIESER NUMMER

5/10


© 2025 Universal Pictures


LAND / JAHR: USA 2025

REGIE: SCOTT DERRICKSON

DREHBUCH: SCOTT DERRICKSON, C. ROBERT CARGILL, NACH DER KURZGESCHICHTE VON JOE HILL

KAMERA: PÄR M. EKBERG

CAST: MADELEINE MCGRAW, MASON THAMES, ETHAN HAWKE, JEREMY DAVIES, MIGUEL CAZAREZ MORA, DEMIÁN BICHIR, ARIANNA RIVAS, MAEV BEATY, ANNA LORE U. A.

LÄNGE: 1 STD 54 MIN



Was war Scott Derricksons paranormaler Serienkillerthriller nicht für ein akkurater Filmleckerbissen, dahingleitend auf der Mystery-Schiene des Horror-Genres: Ein schwarzes Telefon im Keller eines Psychopathen, das, längst nicht mehr ans Netz angeschlossen, schauderhaft oft die Nerven des entführten Mason Thames kitzelt. Speziell in einem Punkt macht The Black Phone die erfrischende Wende: Nicht die Geister sind es diesmal, die die Lebenden quälen. Sie unterstützen diese, um der Bestie Mensch das Handwerk zu legen. Der von Thames verkörperte Finn ist der letzte einer ganzen Reihe ermordeter Kinder, die noch gar nicht wissen, dass sie überhaupt gestorben sind. Als spukhafte Vision manifestieren sie sich vor den Augen des Entführten und in den Visionen von dessen Schwester, die, daheim um ihren Bruder bangend, als Medium Hinweise genug erhält, um den Ort des Verbrechens letztlich ausfindig zu machen. Derricksons geradliniger Nägelbeisser besitzt ganz schön viel Atmosphäre, hat eine originelle Optik und das Herz am rechten Fleck. Zwar gerät die Sache ganz schon düster, doch letztlich ist The Black Phone zwar kein Feel Good-Horror, aber immerhin ein Feel-Better, je mehr sich die Dinge zuspitzen. Der verzweifelte Kampf Kind gegen Killer, der noch dazu eine so schaurige Maske trägt, weil sich die Mimik darauf auf geheimnisvolle Weise ändert, lässt sich wohl kaum eins zu eins auf ein Sequel übertragen, ohne dass sich dieses den Vorwurf gefallen lassen muss, einfach nur das Erfolgsrezept des Erstlings zu kopieren.

Ist so kalt der Winter

Eben da muss etwas Neues her. Oder eben etwas Altes, neu aufgegossen. Wie zum Beispiel die Idee von einem Psychopathen, der es geschafft hat, den Tod zu überwinden, um in den Träumen anderer aufzutauchen. Natürlich drängt sich da Nightmare – Mörderische Träume mit Antagonist Freddy Krüger auf, der sich mit gesottenem Gesicht, rotgrün gestreiftem Pulli und Klingenfingern durch die Träume argloser Teenies metzelt. Gut kopiert wird fast schon zum Original? In Black Phone 2 kehrt Ethan Hawke wieder zurück, doch anders als Freddy hat der Greifer nur dann freie Fahrt, wenn das Opfer den sechsten Sinn hat. In diesem Fall steht die Schwester des aus Teil eins entführten Finn im Mittelpunkt. Visionen von übel zugerichteten Kindern, die  Jungschauspielerin Madeleine McGraw in ein tief verschneites Wintercamp nach Colorado locken, machen bald deutlich, dass der totgeglaubte „Greifer“ noch lange keine Ruhe findet. Und seit Shining wissen wir: Die Isolation eines Ortes durch Schnee und Eis, diese für einen Thriller dramaturgisch eingegrenzte Spielfläche, auf der nur wenige Parameter über Sieg und Niederlage entscheiden, funktioniert als wohlige Zutat fast schon unter Garantie. Umso bedauerlicher, wenn die Story, die sich in dieses Setting zwängen will, plötzlich deutlich zu viel will.

Albträume in Super 8

Was an Black Phone 2 in Erinnerung bleibt, ist der Sound. Wenn Madeleine McGraw träumt, kippt die Geräuschkulisse in ein unheimliches Rauschen, Knistern und Knacken, der Bildstil gefällt sich als einer, den man von den Super 8-Filmen aus der Frühzeit des Home-Videos kennt. Schaurig ist das ausiovisuelle Experimentieren allemal, wenngleich Verpackung nicht alles ist. Um anders zu sein als das Original, erfinden Derrickson und  C. Robert Cargill ein bemühtes, komplexes Szenario und ziehen dabei die ganze Familie der Protagonisten mit hinein – inklusive Vergangenheitsbewältigung und jeder Menge Cold Case-Fälle, die der Reihe nach auftauen. Der gemeinsame Nenner von allem ist besagter Greifer, der plötzlich mehr ist, als er jemals war. Eine Figur wie diese braucht aber keine Biografie, sie nimmt ihr so manches Mysterium. Das Grauen, das in The Black Phone noch nach dem Zufallsprinzip zuschlägt, erhält in seiner Fortsetzung zu viel an Vorbestimmung und kollektiver Bewältigungspflicht, zu viel des Phantastischen und eine aufgesetzte Mystery, die nicht nur unter der Anstrengung leidet, den direkten Erzählfluss des Vorgängers beizubehalten, sondern sich selbst im Streben nach Originalität deutlich verkopft und verkonstruiert. Da helfen auch immer wieder die gleichen Visionen aus Blut und entstellten Gesichtern nichts, auch nicht Hawkes üppige Zombie-Visage. All das ist nur noch Brimborium mit zu vielen Charakteren, die alle wichtig sein und dem genre-eigenen Credo „Keep it simple“ nicht zuhören wollen. Was bleibt, ist der kämpferische Drang des Guten, dem Bösen die Leviten zu lesen. Die gesunde Wut auf den „Greifer“ ist nach wie vor befreiend – der Rest engt sich zu sehr selbst ein.

Black Phone 2 (2025)

Bring Her Back (2025)

STÖRE MEINE KREISE NICHT

7/10


© 2025 Sony Pictures / A24


LAND / JAHR: AUSTRALIEN, USA 2025

REGIE: DANNY & MICHAEL PHILIPPOU

DREHBUCH: DANNY PHILIPPOU, BILL HINZMAN

KAMERA: ARON MCLISKY

CAST: SALLY HAWKINS, BILLY BARRATT, SORA WONG, JONAH WREN PHILLIPS, SALLY-ANNE UPTON, MISCHA HEYWOOD, STEPHEN PHILLIPS U. A.

LÄNGE: 1 STD 39 MIN


Danny und Michael Philippou, bekanntgeworden auf Youtube unter dem Label RackaRacka, können es abermals nicht lassen, die menschliche Seele nach dem Tod ins Diesseits zu bemühen. Sowas hat man früher gern gemacht, mit Séancen, hierzulande als „Tischerlrücken“ bekannt. Die beiden sind nicht etwa interessiert, zu wissen, was nach dem Ableben noch auf uns zukommt; wie das Sterben selbst sich anfühlt. Das ist eine Dimension, diese zu erforschen überlassen sie gerne anderen Leuten. Was die Philippous wollen, ist, die gestorbene Identität, sofern es denn noch eine gäbe, wieder in die uns eigene Realität zurückzuholen. Die Neugier, ob dies gelänge, siegt über die Achtung der Totenruhe, heiligt aber dennoch die Mittel zum Zweck, um ganz deutlich zu signalisieren, dass man an diesen Tabus nicht rütteln soll.

Dem Tod ins Handwerk pfuschen

In Talk to Me, ihrem Regiedebüt, das erfrischend kreativ und demnach auch mit entsprechender Härte an den Horror herangeht, dient ein okkultes Artefakt, in diesem Fall eine mumifizierte Hand, als Sprachrohr für tote Seelen. Dafür schlüpfen sie in den Körper eines lebenden Individuums, um sich zu artikulieren. Solche Spielereien haben natürlich einen Pferdefuß, das ganze geht schief, der Schrecken bricht sich Bahn. Interessant dabei: Hier haben wir es nicht mit bösen Dämonen, dem Teufel oder anderen finsteren Gesellen aus der Hölle zu tun, die uns wie in Conjuring einfach nur quälen wollen. Bei den Philippous sind die Toten die Toten, und sie benehmen sich auch wie solche – abgekoppelt und dahintreibend in eine andere Welt, von der sie nicht wissen, was sie verspricht, weil das Licht sie angeblich noch nicht erreicht hat, und die daher eine brennende Sehnsucht danach verspüren, wieder in ihr altes Leben zurückzugelangen. Ganz normale Behaviours für Verstorbene, in Versuchung geführt von jenen, die sie eigentlich nichts mehr angehen. Auch in Bring Her Back sind okkulte Praktiken relativ funktionabel – in der paranormalen Welt der Philippous ist das Know-How zur Überbrückung der Dimensionen längst praxiserprobt.

Das Thema der Selbstverletzung

Was es dazu noch braucht, ist Trauer. Bittere, unheilbare, irreversible Trauer, die keinen Trost findet, es sei denn, wie der Titel schon sagt: die Verstorbene kehrt zurück. Bis zum Hals in diesem Nährboden der Erschütterung steckt Sally Hawkins als überbordend liebevolle Pflegemutter, welche die beiden elternlosen Geschwister Piper und Andy bei sich aufnimmt. Überrumpelt von all der Gastfreundschaft, wundern sich beide vorerst nur wenig ob des seltsamen Verhaltens ihres Patchwork-Bruders Ollie, der sichtlich Schwierigkeiten hat, zu kommunizieren und generell recht apathisch wirkt. Der Zuseher weiß aber längst, dass der Grund dafür in der Pervertierung von Naturgesetzen liegt, die selbst dem Paranormalen inhärent sind. Diese zu verbiegen oder gar zu brechen, davor mahnt Bring Her Back mit expliziten Bildern, die weniger versierten und geübten Horrorkinogängern durchaus aufs Gemüt schlagen könnten, ist der Bodyhorror hier doch absolut State of the Art und das Realistischste, was man seit Langem zu sehen bekam. Auffallend ist dabei, dass die Philippous schon bei ihrem Vorgänger ihren Horror in der manischen Selbstverletzung orten, ein Thema, das andere Horror-Franchises lediglich als Selbstzweck auf die Spitze treiben. Apropos: Wären diese Gewaltspitzen nicht, wäre die enorm düstere Tragödie in seiner Tonalität mühelos gleichzusetzen mit Nicholas Roegs Wenn die Gondeln Trauer tragen. Nur der Spuk hält sich in Grenzen, der lässt sich, anders als in Talk to Me, diesmal nur erahnen. Viel eher brilliert die sowieso immer famose Sally Hawkins, diesmal völlig gegen ihr Image gebürstet, in einem Psychothriller, der die Klaviatur des Suspense mit variierender Wucht nachzuspielen weiß.

Regenschwerer Psychothriller

Viel schlimmer als das Okkulte wiegt dann doch die Dreistigkeit der Manipulation und der Intrige, in der die Figur des fast achtzehnjährigen Bruders Andy (Billy Barratt) immer mehr versinkt. Vermengt mit der wahrlich erschreckenden Performance des jungen Jonah Wren Phillips ergibt das einen zwar weitaus geradlinigeren und weniger komplexeren Film als Talk to Me, dafür aber lücken- wie atemloses Schauspielkino unter nicht nur emotionalem Dauerregen. Der ideale Film also für den Übergang von Halloween zu Allerheiligen – keine leichte Kost, gnadenlos morbid, andererseits aber unerwartet emotional, melancholisch und am Ende ungemein poetisch, als hätte Del Toro (The Shape of Water mit Sally Hawkins) letztlich noch seine Finger mit im Spiel.

Bring Her Back (2025)

Kazakh Scary Tales (2025)

KRABBELSPUREN IM STEPPENSAND

5/10


© 2025 Short Brothers


LAND / JAHR: KASACHSTAN 2025

REGIE / DREHBUCH: ADILKHAN YERZHANOV

KAMERA: YERKINBEK PTYRALIYEV

CAST: KUANTAI ABDIMADI, ANNA STARCHENKO, DINARA BAKTYBAYEVA, AZIZ BEISHENALIEV, SHAKH MURAT ORDABAYEV U. A.

LÄNGE: 1 STD 54 MIN


Man könnte ja meinen, man stehe in der kasachischen Steppenlandschaft, weit und breit kein Berg, und würde, sofern man den Rundumblick innehält, nichts auch nur annähernd übersehen, was vielleicht auf einen zukommen oder das monotone Landschaftsbild stören könnte. In dieser Steppe, in der mangelnder Regen das Gras verdorren lässt und der graue Staub zwischen den Zähnen knirscht, auch dann, wenn kein Wind weht; in dieser Steppe fühlt sich Filmemacher Adilkhan Yerzhanov wie zuhause. Schließlich ist es sein Land und es sind seine Bedingungen. Als Verfasser eines Manifests zum kasachischen Partisanenkino liegt dem Künstler wohl sehr daran, dem gängigen staatlichen Mainstreamfernsehen und auch dem ähnlich gelagerten, unverfänglichen und einlullenden Themenkino zu entsagen und stattdessen lieber, ohne jegliche staatliche Förderung, seine eigenen Visionen umzusetzen. Das mögen welche sein, die nicht allen schmecken, doch noch ist es nicht so weit wie im Iran, in dem Filmemacher eben längst nicht mehr mitteilen können, was auf deren Zunge brennt.

Dale Cooper und der Schamanismus

Yerzhanov, längst in der Branche bekannt, kann sich’s leisten. Er pfeift aufs Geld und auf den Einfluss von Behörden, die ausschließlich politisch, aber nicht künstlerisch und schon gar nicht progressiv denken. Er macht Filme wie zum Beispiel Steppenwolf – einen knallharten, dystopischen Actionthriller über eine Mutter auf der Suche nach ihrem Sohn. Begleitet wird sie dabei von einem Ex-Polizisten, der keine halben Sachen macht und gerne den Hammer schwingt. Yerzhanov macht aber auch Fernsehen, und dabei ist der Entwurf einer mehrteiligen, paranormalen Kriminalgeschichte entstanden, deren erste drei Folgen zu einem spielfilmlangen Triple-Feature zusammenmontiert wurden. Verschmolzen und neu geschnitten für die Leinwand, trägt das Konstrukt nun den Titel Kazakh Scary Tales – was ein bisschen nach Arbeitstitel klingt, allerdings aber auch ein gewisses Versprechen für Grusel und Horror gibt. Vor allem dann, wenn man weiß, womit der fantastische Reigen eigentlich beginnt. Denn dem Erscheinen des abgehalfterten Klischee-Kommissars aus der Stadt, der wie eine Mischung als FBI-Agent Dale Cooper aus Twin Peaks und Inspektor Columbo wirkt, gehen schockierende Todesfälle in einer Geburtsklinik voraus. Birzhan, so der Name des Polizisten, der samt Familie in die öde Provinz Kataras versetzt wurde, muss sich mit den lokalen Ordnungshütern herumschlagen, die überhaupt nicht bereit sind, dem übereifrigen Fremden unter die Arme zu greifen. Ganz im Gegenteil – die Fälle seltsamer Kindstode sollen lieber nicht weiter verfolgt werden, schließlich sind hier, und das weiß die unmotivierte Gruppe streitsüchtiger Polizisten, ganz andere Mächte im Spiel. Mächte, die nicht von dieser Welt sind. Zum Glück stößt Birzhan auf eine Hellseherin, einem Medium, das sich in der Mythologie des Ortes auskennt, und bald den Verdacht hegt, es könnte alles mit einem Fluch zu tun haben – dem Fluch von Albasty.

Fernsehen ist nicht gleich Kino

Zugegeben, das klingt alles sehr schön rätselhaft, auch skurril, man lernt Neues über Mythen aus einem Teil der Welt kennen, der sich in den Nachrichten rar macht. Der Einblick in die zentralasiatische Twilight-Zone beschert neuen Input für Liebhaber des Übernatürlichen, und mit Yerzhanovs Ambition, sowohl Kino als auch Fernsehen zu bedienen, mag das staubgeborene Wunderding eines horrorhaften, bizarren Thrillers eine sichere Bank sein. Letztlich aber entwickelt sich Kazakh Scary Tales zu einem nicht unanstrengenden, weil angestrengten Unterfangen. Dem Werk ist deutlich anzusehen, dass der narrative Aufbau deutlich den Regeln einer Fernsehserie folgt. Und wir wissen längst: Geschichten im Kino oder eben im Fernsehen zu erzählen – das sind zwei Paar Schuhe. Yerzhanov will alle zwei Paar anprobieren, letztlich passt nur jenes Paar für das Kleinformat daheim. Bei einer Serie kann sich die Geschichte Zeit lassen – vor allem dann, wenn nach drei Episoden noch längst nicht das Ende kommt. In Kazakh Scary Tales ist irgendwann des Rätsels Lösung zwar gefunden, öffnet aber weitere Türen in die Zwischenwelt, und ja, es wird klar, da kommt noch was.

So gesehen mag der Film eine gestreckte Pilotfolge sein, alleine, um Charaktere einzuführen und die Parameter erst einmal zu setzen, bevor man tiefer vordringt in das Unheilvolle dieser Provinz. Dabei entstehen, am Stück genossen, vertrödelte Nebensächlichkeiten, Entschleunigung dort, wo Yerzhanov dringender hätte vorwärtskommen sollen. Der absurde Witz, der an den im deutschen Sprachraum wohlbekannten österreichischen Ermittler Kottan von Peter Patzak erinnert, hat zwar sein eigenes Kolorit und verträgt sich gut mit dem Aberglauben und der Verschrobenheit der lokalen Bevölkerung, doch der Spannung tut das keinen Gefallen. Als Thriller plätschert Kazakh Scary Tales vor sich hin, bleibt selten am Punkt, verstrickt sich in kausalen Zusammenhängen, die den morbiden, wenig kinderfreundlichen Spuk nur noch mehr ausbremsen. Kompliziert erzählt ist also halb verloren, so reizvoll sich die Synopsis auch anhört, so eintönig zieht sie sich hin, passend zum grasbewachsenen Nirgendwo, in das man starren kann. Und vielleicht spielen die Sinne dabei ja Streiche. Doch das setzt nur bedingt versprochene Reize.

Kazakh Scary Tales (2025)

Dangerous Animals (2025)

DER MENSCH IST DEM MENSCH EIN HAI

7,5/10


© 2025 Constantin Film Distribution GmbH


LAND / JAHR: USA, AUSTRALIEN 2025

REGIE: SEAN BYRNE

DREHBUCH: NICK LEPARD

KAMERA: SHELLEY FARTHING-DAWE

CAST: JAI COURTNEY, HASSIE HARRISON, JOSH HEUSTON, ELLA NEWTON, LIAM GREINKE, ROB CARLTON U. A.

LÄNGE: 1 STD 38 MIN


Steven Spielberg wusste damals gar nicht, was er den Knorpelfischen mit der Verfilmung des Romans von Peter Benchley eigentlich angetan hat. Kann sein, dass er diese Komponente seines 70er-Jahre-Erfolgs bis heute bitter bereut. Nicht ausschließlich, aber maßgeblich hat sein aufwändig inszenierter Action-Horror dazu beigetragen, dass der Hai an sich zu jenen Tierarten zählt, die Böses im Schilde führen. Als wäre das abnormale Verhalten des Weißen Hais aus dem Film (sein Name: Bruce) die Blaupause für jeden Rückenflossler, der durch die Meere pflügt – und sei er auch noch so klein. So viel allerdings ist wahr: Durch einen Hai kann man durchaus auch das Zeitliche segnen, doch das gelingt schon mit Moskitos und reicht bis zum Elefanten, der sein pummelig-unbeholfenes Image auch niemals wieder loswird. Medienwelt, was hast du getan?

Todfeind Mensch

Hinter all diesen Stigmatisierungen steht natürlich der Mensch, der sowieso und ohnehin für gefühlt jedes Lebewesen auf der Erde den Todfeind darstellt – außer vielleicht Hauskatze und Hund. Nun verhält es sich in Sean Byrnes gewitztem Boot-Horror so, dass hier die treibende Kraft für jedwedes Unheil von so manchem Zweibeiner ausgeht. Zum Beispiel von einem Typen wie Tucker, hinreißend dargeboten von Jai Courtney, der das Scheusal in Menschengestalt mit der sommerlichen Jovialität eines Adventure-Animateurs verknüpft. Letzteres gibt dieser auch vor zu sein, nur um Paare oder im besten Fall Single-Frauen jüngeren Semesters auf einen unvergesslichen Bootstrip einzuladen, der als Höhepunkt einen Cage-Dive vorsieht. Sowas vergisst man natürlich nicht und kann als adrenalingesteigerte Erinnerung für später, wenn der Alltag vor sich hin graut, immer wieder abgerufen werden. So majestätische Geschöpfe in Griffweite – das ist schon was. Für Tucker noch besser, wenn zwischen Mensch und Tier gar kein Käfig mehr ist – und letzteres vielleicht noch im Blutrausch an unschuldigen Touristinnen knabbert, bis sie dahinscheiden. Diesem psychopathischen Serienkiller, der sein Kombüsen-Dinner gerne dann konsumiert, wenn im Hintergrund das letzte gefilmte Gemetzel läuft, fällt such Surferin Zephyr in die Hände, die nach einem One Night Stand mit Schönling Moses ganz früh raus will, um die Elemente zu bezwingen. Sie erwacht erst wieder im Bauch von Tuckers Kahn, angekettet an ein Bettgestell, neben ihr die Lady aus der Eingangsszene. Spätestens nach dieser wissen wir, was es geschlagen hat. Und vor wem man hier wirklich die Hosen voll haben sollte. Jedenfalls nicht vor dem Hai.

Genre-Klischees über den Haufen geworfen

Dangerous Animals ist ein verletzungsfreudiges, bluttriefendes Inspirationswerk, von Sound bis Storytelling wie aus einem Guss. Wer hätte das gedacht? Statt zum wiederholten Male die Tierwelt dafür zu bemühen, die gnadenlose Natur raushängen zu lassen, um Homo sapiens zu zeigen, wer hier das Sagen hat, lenkt Byrne den Fokus vom geplagten Hai auf das Ekelpaket Mensch, in all seiner Perfidität, das sich aus seiner Sucht nach dem ultimativen Lustgewinn seine Stärke holt. Das aber ist nur die eine Seite des straff durchgetakteten, äußerst spielfreudigen Serienkiller-Slashers, der die Subgenres wild miteinander verknüpft und so Innovationen setzt: Die andere Seite ist die Umkehr von Rollenklischees. Hassie Harrison (u. a. Yellowstone) stärkt ihre Figur der vagabundierenden Einzelgängerin mit ordentlich Subtext – dort wäre, wenn man es wüsste, vermutlich auch all das zu lesen, was der Film ohnehin aufs Tapet bringt. Die Rolle des weiblichen Opfers und des tierischen Bösewichts hat sich abgenützt, Byrne setzt neue Parameter und lässt Jay Courtney über seine eigenen veralteten Rollen-Klischees stolpern. Wie die Heldin, die eher sich selbst beißt als von einem Hai gebissen zu werden, dem Bermuda-Burschen Paroli bietet, während der maskuline Mucki-Held sprichwörtlich in den Seilen hängt, ist großes Thrillerkino, so scharf geschnitten und bissfest wie die Revolver-Kauleiste eines bildschönen Mako-Hais.

Dangerous Animals (2025)

Conjuring 4: Das letzte Kapitel (2025)

THE REAL GHOSTBUSTERS

7/10


© 2024 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved


ORIGINALTITEL: THE CONJURING: LAST RITES

LAND / JAHR: USA 2025

REGIE: MICHAEL CHAVES

DREHBUCH: DAVID LESLIE JOHNSON-MCGOLDRICK, IAN GOLDBERG, RICHARD NAING

KAMERA: ELI BORN

CAST: PATRICK WILSON, VERA FARMIGA, MIA TOMLINSON, BEN HARDY, REBECCA CALDER, ELLIOT COWAN, KÍLA LORD CASSIDY, BEAU GADSDON, PETER WIGHT, STEVE COULTER, SHANNON KOOK U. A.

LÄNGE: 2 STD 15 MIN


Who You Gonna Call? Natürlich die… na?… Ghostbusters! Wen denn sonst? Nur: Wer sind sie, diese Geisterjäger? In der Pop-Kultur fest verankert stehen Venkman, Stanz, Spengler und Zeddemore vor Dämonen und Gruselgeschöpfen aller Art, bewaffnet mit Energiekanonen, die den bösen Metawesen gefälligst das Ektoplasma aus den Windungen saugen sollen. So richtig cool ist in den Achtzigerjahren, genau genommen zwei Jahre später, nachdem Ivan Reitman seinen Blockbuster auf die Welt losließ, das Ehepaar Warren leider nicht. Selbst im Film kommen sie nicht umhin, sich diesem Vergleich stellen zu müssen. Dabei sind sie die echten, die wahren, die wirklichen Ghostbusters. Lorraine, ausgestattet mit dem sechsten Sinn, spürt schon seit den Sechzigerjahren das Paranormale in so manchen alten Mauern auf, erkennt das manifestierte Böse in Artefakten aller Art, wären es nun Puppen, Ethnografika oder Möbel. An ihrer Seite der gute alte Ed, investigativ ein As, allerdings, im Laufe der Jahrzehnte, immer mal wieder mit Herzproblemen kämpfend. Die beiden müssen sich wohl oder übel damit abfinden, dass vier knackige Kerle die Oberhand gewonnen haben, auch wenn das alles nur Geschichten sind. Im echten Leben muss die linke Hand aber nicht unbedingt wissen, was die rechte tut, also seis drum. Die beiden tun das für den guten Zweck, doch irgendwann ist überall die Luft draußen, und die geisterfreie Pension winkt bereits mit weißen Laken.

Es bleibt in der Familie

Man kann schon erahnen, dass die Mission der Familie Warren, eine Ordnung in das Dies- und Jenseits zu bringen, mit diesen beiden nicht enden wird. Tochter Judy ist erwachsen, ist verlobt und scheint mit beiden Beinen im Leben zu stehen. Auch sie hat den Code geknackt, wie man den sechsten Sinn nutzt, und seit jeher quälen Erinnerungen an Annabelle die junge Frau mit Visionen, die schlecht schlafen lassen. Ein letztes Mal noch werden die betagten Eltern zu Hilfe gerufen, nachdem ihr guter Freund, Pater Gordon, bei der Lösung eines kniffligen Falles – auch der beruht angeblich auf Tatsachen – das Zeitliche segnet. Wegschauen geht da nicht mehr, während das Hinsehen verstört. Denn auch diesmal wieder schenkt Michael Chaves seinen Fans durchaus gruselige Individuen, die jede Geisterbahn behübschen und mit begleitendem Sounddesign sein Publikum aus den Sitzen heben.

Horror auf der großen Leinwand

Interessant dabei war, zu beobachten, wie der Horror im Kino anders wirkt als daheim auf dem Flatscreen – die vorangegangenen Conjuring-Teile genoss ich in den vertrauten vier Wänden, immer auf Abstand, die Hand an der Remote Control. Im Kino ist man mehr oder weniger ausgeliefert, und muss nehmen, was kommt, in gleichbleibender Intensität und überdimensioniert. Natürlich wird der Effekt zum großen Meister, der Schrecken zum Erlebnis, und so manches Popcorn fällt aus der Tüte. Dabei ist Conjuring 4: Das letzte Kapitel zum Glück für mich, der das Genre des Horrorfilms erst vor Kurzem erst entdeckt hat, nicht die härteste Kost. Am Ende der Reise, die Vera Farmiga und Patrick Wilson in ausgesuchtem Engagement und Liebe zu ihren Rollen bezwungen haben, setzt Chaves auf viel familiäre Identität; er setzt auf Abschied, Neuanfang und dem Umgang mit der Angst, die schließlich zum Leben gehört. Conjuring 4: Das letzte Kapitel wird durchaus zum großen Drama, wird am Ende geradezu spektakulär auf eine Weise, wie man es aus dem Conjuring-Universum gewohnt ist. Der menschliche Faktor, die integren Helden in einer Welt, die gerne True Storys erzählt, mit denen man sich wohlig gegruselt schlafen legt, bieten genug Identifikationsfläche, um sich fallen zu lassen in diesen dämonischen Strudel, denn man kann gewiss sein, dass das Gute obsiegen wird. Da bleiben grinsende alte Omas und axtschwingende Massenmörder die schaurigen Gestalten einer Bühne, während die Warrens zwar immer an ihre Grenzen gehen, jedoch so viel Ideal besitzen, um scheinbar auf ewig weiterkämpfen zu können.

Mit diesen Parametern lässt sich der melodramatische Horror in jedem Fall genießen, und in den letzten Minuten beschleicht einen gar ein bisschen Wehmut, wenn der Vorhang fällt und das letzte Rumoren und Flüstern im Gebälk verstummt. Vielleicht macht es sich ja auch nur bereit, um die nächste Generation zur Séance zu bitten.

Conjuring 4: Das letzte Kapitel (2025)

Weapons – Die Stunde des Verschwindens (2025)

HAMELN LIEGT IN PENNSYLVANIA

8/10


© 2025 Warner Bros. Entertainment


LAND / JAHR: USA 2025

REGIE / DREHBUCH: ZACH CREGGER

KAMERA: LARKIN SEIPLE

CAST: JULIA GARNER, JOSH BROLIN, ALDEN EHRENREICH, AUSTIN ABRAMS, BENEDICT WONG, CARY CHRISTOPHER, AMY MADIGAN, TOBY HUSS, JUNE DIANE RAPHAEL, SARA PAXTON, JUSTIN LONG U. A.

LÄNGE: 2 STD 19 MIN


Wie kleine Flugzeuge düsen die Schattenrisse sämtlicher Kinder aus der Nachbarschaft über die von nächtlichen Laternen beleuchteten, regennassen Asphaltwege und getrimmter Rasenflächen einem unbekannten Ziel entgegen. Diese Szene, die man bereits im Trailer zum Film Weapons – Die Stunde der Verschwindens verstört betrachten kann, lässt erschaudern. Was hat Zach Cregger jetzt wieder angestellt? Ist er der neue. Meister des Horrors, des subversiven, nachhaltigen Grusels? Leute, die Barbarian gesehen haben, können ungefähr erahnen, mit welchen Methoden der Autorenfilmer aus Virginia hier abermals das Genre neu definieren will.

Der Stilbruch als Methode

Mit Barbarian hat sich Cregger seinen Platz als innovativer Horrorfilmer bereits gesichert – erst kürzlich konnte ich den subversiven Querschläger von meiner Watchlist streichen, nicht ohne mir klar geworden zu sein, dass es noch unzählige Wege geben kann, wie man filmische Glaubenssätze und alteingesessene Do’s und Dont’s genüsslich über den Haufen wirft, weil man als Künstler niemandem folgen muss. Als Neuer Wilder, zu denen auch Ari Aster gehört oder die Gebrüder Philippou (Talk to Me), muss sich Cregger um nichts scheren. Er wirft das geradlinige Storytelling völlig über Bord und ordnet seine zutiefst mysteriösen Entwürfe zu einem Origami, dessen Form und Bedeutung man lange nicht versteht. Typisch für Cregger ist der kompromisslose Bruch mit der Tonalität, mitunter auch dem visuellen Stil. War Barbarian schon ein bisschen wie filmische Zwölftonmusik, spielt Weapons – Die Stunde des Vrschwindens auf der Klaviatur beklemmender Recaps, die immer wieder die selbe Geschichte erzählen – nur aus immer wieder anderen Blickwinkeln. Dieses Rückspulen, das Neusetzen der Perspektive und das mosaikartige Ergänzen eines erschreckend rätselhaften Falls, der nicht unwesentlich an die Sage des Rattenfängers von Hameln erinnert, mag eine ganze Menge Zuseherinnen und Zuseher irritieren. Was Cregger nämlich liefert, ist kein atmosphärische Near-History-Grusel wie das Conjuring-Universum rund um das Ehepaar Warren und die Puppe Annabelle. Es ist auch kein Geisterbahn-Horror wie bei Stephen King, der die Kleinstadt Derry als Spielplatz des Bösen entdeckt hat. Wobei: Zwischen Derry und David Lynchs nicht unwesentlich weniger schauderhaftem Folk-Horror-Hotspot Twin Peaks liegt irgendwo neben der Spur Maybrook, im Nordosten der USA, genauer gesagt in Pennsylvania, wo herbstfrische Mieselsucht die depressive Stimmung nach dem unerklärlichen Verschwinden von 17 Kindern nur noch unterstützt.

Das Unheil im Banalen

Tief betroffen davon ist Lehrerin Justine (Julia Garner), da die verschwundenen Kinder allesamt aus ihrer Klasse stammen – bis auf einen, den jungen Alex. Hier legt Cregger schon die erste Spur, doch viel anfangen kann man damit noch nicht. Im weiteren Verlauf rückt Josh Brolin ins Bild, er selbst verzweifelter Vater, der versucht, ein System hinter all den Vorkommnissen zu finden. Cregger splittet seinen Horror aber noch mehr auf – durch die Gegend geistert neben dem Schuldirektor Benedict Wong ein Polizist und ein Junkie, spätestens da variiert die knallharte Mystery seinen Rhythmus, erzählt scheinbar völlig andere Geschichten, wagt den Schritt ins Komödiantische, was irritierender nicht sein könnte. So bewegt und variiert Weapons – Die Stunde des Verschwindens ist, so kurios ist seine Eskalation, mutiert zum brachialen Horror, zur Kasperliade, zum investigativen Kriminalfall. Die Metaebene, die sich zivilisationskritischen Betrachtungen über Macht, Instrumentalisierung und Missbrauch hingibt könnte einem dabei glatt entgehen.

Cregger, der sein Können nach Barbarian nochmal perfektioniert, weiß, dass er auf diese Weise Genre-Vorbilder auch mal zitieren darf, dass er Formeln verwenden und nur anders aneinanderknüpfen braucht, um sein eigenes Ding zu gestalten. Zwischen Folk-Budenzauber, der Inkarnation des Bösen und zynischen Schicksalsschlägen wirkt die knackige, brillant geschnittene Collage wie aus einem Guss. Ob man lachen oder sich fürchten soll – manchmal ist dabei die Entscheidung die falsche, und genau das macht Weapons so besonders. Denn gerade im Harmlosen liegt das Unheil auf fruchtbaren Boden.

Weapons – Die Stunde des Verschwindens (2025)

Barbarian (2022)

DAS KLEINGEDRUCKTE BEI AIRBNB
7/10


© 2022 Vertigo Entertainment / Disney+


LAND / JAHR: USA 2022

REGIE / DREHBUCH: ZACH CREGGER

KAMERA: ZACH KUPERSTEIN

CAST: GEORGINA CAMPBELL, BILL SKARSGÅRD, JUSTIN LONG, MATTHEW PATRICK DAVIS, RICHARD BRAKE, JAYMES BUTLER, KATE BOSWORTH, SARA PAXTON, KATE NICHOLS U. A.

LÄNGE: 1 STD 42 MIN


Mitunter oberste Regel, die man wissen muss, wenn das Seepferdchen-Abzeichen auf dem Schwimmsuit eben erlernte H2O-Skills bestätigen soll: Spring niemals in unbekannte Gewässer! Mitunter oberste Regel, wenn das AirBnB-Schmuckkästchen temporär gemietet wird: Gehe niemals in den Keller, vorallem nicht, wenn Gänge hinter Geheimtüren im Dunkel liegen und von dort, aus dem Nichts, seltsame Geräusche zu hören sind. In der Realität wäre das Anwesen, verortet in einem berüchtigten Viertel von Detroit, wo nicht mal mehr der Fuchs dem Hasen Gute Nacht sagt, ohne ihn vorher auszuweiden, längst von seinem Fluch befreit worden, denn in der Realität würde Georgina Campbell nicht ohne begleitender Exekutive tiefer in das unheimliche Gewölbe vorgedrungen sein.

Das Genre des Horrorfilms interessiert sich aber nicht für vernünftige Vorgehensweisen. Dort sind die Protagonisten gemäß des Spruches „Neugier killt die Katze“ immer jene, die auch zu Weihnachten Santa Claus auf die Finger schauen oder das Christkind inflagranti ertappen wollen. Es sind jene, die gerne in die Dunkelheit vordringen, ohne sich vorher überlegt zu haben, was sie denn dem Unbekannten entgegenzusetzen hätten, sollte es ungemütlich werden. In Barbarian wird es schließlich sehr, sehr ungemütlich. Und eigentlich will man gar nicht wissen, was so manche Leute in ihren Kellern treiben oder gar getrieben haben. Da muss man nur an die jüngere österreichische Kriminalgeschichte denken, um sich mit Schauder und Ekel abzuwenden. Das Undenkbare ist vor allem in beschaulichen Siedlungen durchaus möglich, wenngleich das, was in Barbarian passiert, als üppige Geisterbahn-Version manches davon potenziert.

Das Grausame ist bei Zach Cregger das unter den Teppich Gekehrte, das hinter der Fassade Dahinmodernde. Viel plakativer als bei David Lynch, in dessen Vorgärten man gelegentlich ein Ohr finden kann. Viel weniger subversiv und entlarvend als bei Ulrich Seidl zum Beispiel, dem österreichischen Enfant Terrible, der mit seiner Episoden-Doku Im Keller gar manchen Abgeordneten in die Bredouille brachte und genau das zeigen musste, was man eigentlich gar nicht sehen will, dann doch aber wieder muss, weil schließlich nicht nur die Katze daran glauben soll, sondern auch wir, die wir nicht ohne finaler Erkenntnis der Dinge abnippeln wollen.

Der Keller im Keller

Das Haus in Barbarian offenbart ganz geschmeidig und fast schon subversiv seine wahre Identität, es scheint fast so, als wäre man amfangs in einer leicht mysteriösen Romanze gelandet, wenn Bill Skarsgård und Georgina Campbell miteinander einen netten Abend verbringen, nachdem letztere enttäuschend hat feststellen müssen, dass ihr gemietetes Airbnb-Etablissement gleich doppelt gebucht wurde. Skarsgård, dem diesmal seine Pennywise-Diabolik überhaupt nicht in den Sinn kommt, gibt sich jovial und hilfsbereit und holt die im Regen stehen Gelassene ins Haus. Mangelndes Klopapier und eine offene Kellertür führen tags darauf dazu, dass Georgina Campbells Charakter namens Tess an Orte gelangt, die niemand wirklich sehen will. Als Bill Skarsgård – im Film der nette Keith – die durchaus verstörte und aufgeregte Tess beruhigen und sich die Sache selbst ansehen will, verschwindet er. So, als wäre er von einem noch tieferen Keller verschluckt worden. Und ja, den gibt es.

Stimmungskiller als Stilmittel

Je tiefer, desto dunkler. Desto perverser und verstörender. Wer den Höhlenhorror The Descent gut durchgestanden hat, ohne um jeden Gully einen Bogen zu machen, kann auch mit Georgina Campbells Handytaschenlampe eine Gegend erkunden, die keinen erquickenden Mehrwert bietet. Der Horror kommt bald ans Licht, schön subversiv, erschreckend, pointiert, während Cregger sich ganz plötzlich etwas einfallen lässt, was herkömmlichen Filmen dieser Art nie in den Sinn kommen würde, da es die mühsam etablierte Stimmung killt. Denn plötzlich scheint es, als wäre man im falschen Film. Auftritt Justin Long, im roten Cabrio unterwegs, die Sonne scheint, die Hintergrundmusik dudelt, alles ist eitel Wonne. Das Kontrastieren des Erzählstils, das Einbinden völlig neuer Tonalitäten, darf man durchaus als Geniestreich bezeichnen. Cregger, mit frischen Ideen im Handgepäck, sampelt seinen scheinbar vorhersehbaren Suspense-Horror mit völlig anderer Melodik. Das ranzige Dunkel weicht dem Licht, schale, schmutzige Farben weichen buntem Pseudo-Perfektionismus, der einhergeht mit veränderter Optik. Der Bruch erfrischt den Horror ungemein, macht ihn augenzwinkernd und lässt ihn frech werden. Doch ganz klar: Wenn sich am Ende das Innere nach außen kehrt, fährt Cregger nur mehr Vollgas eine Spur. Nichts anderes hätte man sich letztlich wünschen wollen. Selbst die Katze will dann nur noch weg.

Barbarian (2022)

Final Destination 6: Bloodlines (2025)

DETERMINISMUS MIT SIPPENHAFTUNG

6/10


© 2024 Warner Bros. Pictures, Inc. All Rights Reserved.


LAND / JAHR: USA 2025

REGIE: ZACH LIPOVSKY, ADAM B. STEIN

DREHBUCH: GUY BUSICK, LORI EVANS TAYLOR, JON WATTS

KAMERA: CHRISTIAN SEBALDT

CAST: KAITLYN SANTA JUANA, TEO BRIONES, RICHARD HARMON, OWEN JOYNER, RYA KIHLSTEDT, ANNA LORE, BREC BASSINGER, TONY TODD, GABRIELLE ROSE, APRIL TELEK, ALEX ZAHARA U. A. 

LÄNGE: 1 STD 50 MIN


Grüß Gott, ich bin der Tod: Wenn Gevatter dich auf dem Kieker hat, reicht es womöglich nicht, wenn man ihm, ganz so wie die legendäre EAV es besingt, einen Jagatee kredenzt. Doch der Sensenmann macht sich in Wahrheit gar nichts aus Hochprozentigem, dafür aber will er, dass die ganzen hundert Prozent derer, die auf seiner Liste stehen, auch über die Klinge springen. In der Horrorfilm-Reihe Final Destination hat der Tod auch nie ein Gesicht. Das, was die ganze Zeit so aussieht, als wären es unglückliche Zufälle, scheint eine höhere Macht, die das Leben und Ableben steuert. Der freie Wille ist nur Illusion. Diesem Determinismus zu entgehen, der uns alle gefangen hält, mag ein Ding der Unmöglichkeit sein. Das geht nur dann, wenn man Gevatter austrickst. Wie die alte Frau in ihrem Häuschen – wir alle kennen den Witz – die, auf die Tränendrüse drückend, einen Deal mit ihrem Schicksal eingeht und den Tod auch schwören lässt, er soll sie doch erst am nächsten Tag nochmal holen. Zur Erinnerung heftet sie den Vertrag an die Tür – und lebt womöglich heute noch.

Damals, 25 Jahre ist es her, sorgte der Horrorthriller Final Destination für schweißnasse Hände – der vorausgeahnte Flugzeugcrash ist mir in Erinnerung geblieben. Diese Katastrophe, vom Schicksal so vorausgeplant, bildete im Jahr 2000 den Auftakt für allerlei bizarre Ideen, wie ein Mensch auf die noch so absurdeste Art und Weise das Zeitliche segnen kann. Dabei zeichnete sich bereits ab: Hat man wohl einen Teil dieser Filmreihe gesehen, kennt man alle. Somit haben wir es hier mit reinstem Effektkino zu tun, das aber auch dazu steht, nichts anderes zu wollen außer den Effekt, den Kick, die blutige Schadenfreude, die Sensation, wenn junge Menschen abnippeln und dabei nicht selten den Kopf, das Rückgrat oder alle Extremitäten verlieren. Zumindest beim Original war die Idee eines vorbestimmten Plans einer alles steuernden Entität ein prickelndes, auch unbequemes Gedankenspiel. Doch was anfangs schon durch war, dient wohl des Weiteren kaum als inhaltliches Füllmaterial. Macht aber nichts. Filme, in denen der Zweck des garstigen Entertainments die Mittel heiligt, und wenn sie auch immer ähnlich sind, taugen zumindest so viel wie eine Achterbahnfahrt am Rummel. Auch die will man immer und immer wieder genießen, sofern schwindelfrei.

Nicht ganz so schwindelfrei mag wohl der eine oder andere Besucher eines dem Donauturm ähnlichen, schicken Luxus-Restaurants sein, genannt Skyview Tower. In den Sechzigern lässt sich Iris von ihrem Freund Paul zur Eröffnung dieser sensationellen Lokalität liebend gerne einladen, mulmiges Gefühl beim Einsteigen in den Fahrstuhl hin oder her. Und natürlich hat die junge Dame sogleich die Vision einer verheerenden Katastrophe, ausgelöst durch eine Münze, die in den Lüftungsschacht gerät. Wie Zach Lipovsky und Adam B. Stein die Materialschlacht mit zahlreichen Todesopfern inszenieren, kann sich sehen lassen. Das beste dabei: Wenn man glaubt, spektakulärer wird es wohl nicht, braucht man sich nur vorstellen, was passiert, wenn ein MRT-Gerät im nächstgelegenen Krankenhaus verrückt spielt. Das tut weh, höllisch weh. Abermals durften sämtliche kreative Köpfe im Ideenpool plantschen, damit es auch diesmal wieder Unfälle gibt, die man so noch nicht gesehen hat. Es verhält sich wie mit den Filmen der Saw-Reihe: Selbes Prinzip, selbes Muster, auch hier sollte sich bestenfalls keine der Foltermethoden wiederholen.

Final Destination 6: Bloodlines meldet sich also nach Jahren wieder zurück aus dem Scheintod und will diesmal auch mehr Story liefern. Mit Bloodlines ist sowieso schon alles gesagt: Folglich trifft es diesmal die Erben der dem Tode Entwischten. Auf kuriose Weise ist das nur logisch und auch durchdacht, wenngleich die Stringenz dabei im Laufe der Handlung verlorengeht und der Tod bald selbst seine eigenen Regeln nicht mehr befolgt. Anyway, bei Filmen wie diesen ist das egal. Blut muss fließen, Schädel müssen brechen, und Baumstämme sind schwer. Dass das ganze mehr zum körpersaftigen Hoppala-Overkill mutiert als zum unheilvollen Horror ausartet, ist auch kein Geheimnis. Wer’s mag, ist hier nicht fehl am Platz. Gesehen, schadenfroh grinsend geekelt und vielleicht vergessen. Es sei denn, man muss bald zum MRT.

Final Destination 6: Bloodlines (2025)