Club Zero (2023)

NEIN, MEINE SUPPE ESS‘ ICH NICHT!

5/10


clubzero2© 2023 Coop99


LAND / JAHR: ÖSTERREICH, VEREINIGTES KÖNIGREICH, DEUTSCHLAND, FRANKREICH, DÄNEMARK 2023

REGIE: JESSICA HAUSNER

DREHBUCH: GÉRALDINE BAJARD, JESSICA HAUSNER

CAST: MIA WASIKOWSKA, SIDSE BABETT KNUDSEN, ELSA ZYLBERSTEIN, MATHIEU DEMY, FLORENCE BAKER, KSENIA DEVRIENDT, LUKE BARKER, SAMUEL D. ANDERSON, GWEN CURRANT, AMIR EL-MASRY, AMANDA LAWRENCE, LUKAS TURTUR, CAMILLA RUTHERFORD U. A.

LÄNGE: 1 STD 50 MIN


Wohl der einzige Filmemacher, der es wirklich schafft, trotz strenger Formalitäten, übertriebener Bühnenhaftigkeit und einer immensen Affinität für streng komponierte Tableaus seine Geschichten auch aus emotionaler Sicht zum Leben zu erwecken, ist Roy Andersson (meisterhaft: Songs from the Second Floor). Niemand ist vergleichbar mit ihm, nicht mal der bis zum Exzess gehypte andere Andersson, nämlich Wes, der seine Popup-Bühnen gerne bekannten Stars überlässt, die ihm die Tür zum Studio einrennen. Vielleicht ist bei Roy Andersson die Wahl des Mediums als Kurzgeschichte die Besonderheit, auf die es ankommt, um das Publikum auch enstprechend abzuholen. Bei Jessica Hausner, die ähnlich fixe Vorstellungen zu ihren Filmen hat und weit im Vorfeld genau weiß, wie wo wer zu stehen hat und wie wo was zu platzieren ist, überstrahlt die Liebe zum Dekor so gut wie alles. Die Themen sind dabei zweitrangig, in diesem Fall wäre es die dunkle Dimension der Essstörung, des Mitläufertums und des Gruppenzwangs. Ja, vielleicht auch des Glaubens und der damit verbundenen Radikalisierung für eine Sache, die nur dann stellvertretend für den Sinn des Lebens herangezogen werden kann, wenn die manipulative Agenda auseichend greift. Wir sind nicht weit entfernt von Sektentum und religiösem Fanatismus – Mechanismen wie diese, um seine Schäfchen zu rekrutieren, müssen natürlich im Rahmen der schulischen Weiterbildung auch an die zu Lernenden weitergegeben werden, mitunter gerne im Religions- oder Ethikunterricht. Ein Film wie Club Zero könnte dabei helfen. Im Grunde nämlich ist Hausners neues, im Wettbewerb um die Goldene Palme mitgeritterter Film, genau das: Schulfernsehen, leicht verständlich in seiner Grundstruktur, doch erschreckend oberflächlich in seiner Darstellung. Fürs Anschauungsbeispiel reicht’s womöglich. Für einen abendfüllenden Spielfilm, der auf gewisse Weise zum Nachdenken anregen hätte sollen, allerdings nicht.

Dabei hat Jessica Hausner, wie schon bei ihrem Vorgänger Little Joe, auf einen internationalen Star zurückgreifen können – auf Mia Wasikowska, die sich seit Tim Burtons Alice Im Wunderland einer gewissen globalen Bekanntheit erfreuen kann. Wasikowska, mit blonder Mireille Mathieu-Frisur, im monochromen Hosenrock und farblich abgestimmter Bluse, was alles zusammen selbst wie eine Uniform wirkt, schreitet sie hoch erhobenen Hauptes durchs Schulgebäude. Sie ist Ernährungsberaterin, vertreten mit einem Kurs für achtsame Ernährung – was ja prinzipiell nichts Schlechtes ist, ganz im Gegenteil. Doch Miss Nowak – wie sie sich nennt – will natürlich etwas ganz anderes. Wenn man so will, ist sie, nicht näher charakterisiert, der Guru einer nicht näher definierten Sekte, die, auch nicht näher definiert, keinen oder mehrere Anhänger hat, so ganz glauben will man ihr letztendlich keine ihrer Aussagen. Die Mädels und Jungs allerdings, die hängen sofort an ihren Lippen, wollen abnehmen oder Punkte sammeln fürs Stipendium; wollen was Gutes für sich oder die Umwelt tun. Alles sehr ambitioniert, doch Miss Novak treibt es bald zu weit. Denn nicht umsonst heisst dieser Film hier Club Zero. Nichts essen will gelernt sein. Das Licht steht dabei nicht auf der Speisekarte.

Und so lässt Hausner ihr Ensemble übers Set spazieren, setzt es an den Tisch oder huldigt einander im Sitzkreis. Lila Hosen, Kniestrümpfe, gelbe Hemden. Alles sehr ausgesucht, alles inmitten einer nüchternen, skandinavischen Architektur, ins Bild rückt nur, was auch vorher abgesprochen war. Dann allerdings heisst es Action und die Lehrkraft drückt auf die Taste ihrer akustischen Beispielsammlung, analog zum Lehrbuch eines Englischkurses. Die Listening Comprehension beginnt, Wasikowska und Co rezitieren in laienhafter Intonation ihre Skript-Zeilen, dazwischen genügend Zeit, um all die Wörter auch sickern zu lassen, damit der Content nicht verloren geht. Warum tut Hausner das? Warum lässt sie ihr Ensemble auftreten, als wären sie rekrutiert für den öffentlich-rechtlichen Bildungsauftrag im Vormittagsprogramm – befangen, gestelzt und gekünstelt? Die daraus entstandenen Erkenntnisse stürzen durch offene Türen, wirklich weiter kommt man mit dieser Conclusio nicht.

Zugegeben, die von wuchtigen Percussion-Klängen untermalten Szenen haben ihre Unverwechselbarkeit gefunden – einmal hinsehen, und man weiß, es ist Hausner. Doch wie bei Anderson trägt eine übertriebene Künstlichkeit kaum dazu bei, den Figuren Tiefe, der Geschichte Strenge oder der zu vermittelnden Message die nötige Dringlichkeit zu verleihen.

Club Zero (2023)

Europa (2023)

DIE DIPLOMATIE DER ENTEIGNUNG

6,5/10


europa© 2023 Filmladen Filmverleih


LAND / JAHR: ÖSTERREICH 2023

REGIE / DREHBUCH: SUDABEH MORTEZAI

CAST: LILITH STANGENBERG, TOBIAS WINTER, JETNOR GOREZI, STELJONA KADILLARI, MIRANDO SYLARI, JEFF RICKETTS U. A. 

LÄNGE: 1 STD 38 MIN


Welche dunkle Macht hier im Hintergrund ihre Fäden zieht, darüber werden weder all jene, die ihre Heimat verlieren, Klarheit erhalten, noch das Publikum dieses Films, der den auf so vielen Ebenen interpretierbaren Titel Europa trägt. Europa, das kann alles sein. Die Gemeinschaft der Europäischen Union, der wilde Osten, die Konzernpolitik oder vielleicht auch nur die Figur aus den antiken griechischen Heldensagen, die dem Kontinent ihren Namen gab. Europa ist ein diffuses Konstrukt, mehr als nur das Festland, in diesem Fall aber eine kapitalistische Söldnertruppe, die für Großkonzerne die Vorhut macht. Diese wabernden Machtkonstrukte sind weder transparent noch lassen sich kaum mehr die wirklich Verantwortlichen finden. Entitäten wie diese sind entfesselte schwarze Löcher, sie verschlucken vergessene Länder wie Albanien, die aufgrund einer bewegten Geschichte erst so langsam, aber doch, ans Tageslicht ihres neuen Selbstbewusstseins gelangen. Die Chance auf diese nationale, kulturelle wie auch religiöse Identität mag durch schwer definierbare Gestalten verzögert werden. Wie aus heiterem Himmel, wie extraterrestrische Invasoren oder Missionare aus Übersee materialisieren sie in einem fruchtbaren, von den Umtrieben der Welt vergessenen scheinenden Tal, um den Bauern, Imkern und Viehzüchtern ihr Leben abzuschwatzen.

Als die blonde Reinkarnation eines Hernan Cortez oder Francisco Pizarro stolziert die Deutsche Beate Winter über unasphaltiertes Gelände, besichtigt alte Fabrikhallen und besucht die Alteingesessenen in dieser Region. Allzu viele sind es nicht, doch die wenigen haben guten grund Grund dazu, zu bleiben. Nichts bringt sie dazu, den Verlockungen zu erliegen, die diese fremde, akkurate, natürlich mit allen diplomatischen Wassern gewaschene Person in den Wohnzimmern der Leute im Angebot hat. Mehr Geld, eine Wohnung in der Stadt, die Restaurierung des religiösen Heiligtums? Das kann sie sich, gelinde gesagt, sonstwohin schieben. Doch Beate Winter, die weiß, dass sowas passieren wird. Und jeder, der ihr begegnet, wird sie letztendlich unterschätzen. Wird sich gewünscht haben, ihr niemals begegnet zu sein, ihr niemals den Selbstgebrauten angeboten oder sie zum Essen eingeladen zu haben, da sie Lamm & Co ohnehin kaum Respekt zollt, denn all das Albanische, so hat es den Eindruck, sollte ihr letztendlich nicht zu nahe gehen dürfen.

In Europa von Austro-Filmerin Sudabeh Mortezai trägt der Teufel vielleicht kein Prada, aber andere schicke Kleidung und die blonde Mähne hochgesteckt. Ihre Stimme ist leise und rauchig, ihr Englisch langsam und verständlich für alle, die die Fremdsprache auch nur in der Grundschule gelernt haben. Dieser Teufel, Beate Winter, ist vielleicht doch nur einer der manipulierenden Dämonen, die das große diffuse Unbekannte des Kapitalismus losgeschickt hat, um die Ernte einzuholen. Wäre Lilith Stangenberg (Die schwarze Spinne, Seneca) wirklich nur eine platte Antagonistin gewesen, hätte Mortezais Film das wichtigste ihres Films verloren: Den Kern einer Charakterstudie, der viel relevanter scheint als das simple Schulbeispiel von Enteignung, Landraub und missachteter Menschenrechte. Das alles rings um Lilith Stangenberg ist in jedem Fall ambitioniert und, was das Lokalkolorit betrifft, vonm Klischee weit entfernt. Mortezai hat jahrelang recherchiert, Eindrücke gesammelt und vor Ort gedreht, hat vorort lebende Personen – wie Ulrich Seidl in seinem letzten Werk Sparta – als Laiendarsteller, die zwar nicht sich selbst, dafür aber ähnliche Charaktere darstellen sollten, mitsamt ihrer Lebensweise eingebunden. Europa erlangt dadurch Authentizität und Direktheit, dieses Albanien fällt einem in den Schoß und drängt sich auf, man muss es nicht mühsam erschließen. Die wirkliche Problematik, an welcher sich Europa abarbeitet, und darauf blickt wie auf ein großes Mysterium, ist der unterdrückte Skrupel von Menschen, die in den Diensten der Verachtung unterwegs sind. Was bewegt so jemanden wie Beate Winter, was ist das Ideal einer solchen Person, die sich durch das Unglück anderer nicht demotivieren lässt? Stangenberg ist dabei einerseits eiskalt, andererseits die höfliche neue Nachbarin von Gegenüber. Sie hat Familie und somit auch Werte, die sie vertreten muss. Jedoch misst sie mit zweierlei Maß, lässt zwischendurch das ratlose Antlitz einer selbst Ausgelieferten aufblitzen, die ihren Ehrgeiz über alles stellt. Wie weit reicht die Kette der Dienerschaft nach Beate Winter? Wir sehen nur ihren Vorgesetzten – was dahinter liegt, ist wie die Tiefsee. Unbezwingbar.

Europa muss den Schmerz der Machtlosen ins Zentrum rücken, auch wenn sich Stangenbergs Figur immer wieder in den Mittelpunkt drängt. Als famoses Naturtalent im Schauspiel gefällt Jetnor Gorezi als letztlich übervorteilte, arme Seele, die sich nicht, wie Nikolai Sergejew im Oscar-Film Leviathan, in den Tod trinkt. Und auch nicht, wie Richard Harris in Jim Sheridans Das Feld, von der Klippe stürzt – beides Filme, die von Enteignung und zerstörten Existenzen erzählen. Die brutale Wut des Mannes könnte der Beginn einer Rebellion sein. Sinnlose Verzweiflung? Ja, vielleicht. Doch auch viel mehr. Vielleicht gar das nötige Statement, um Beate Winter den militärischen, blinden Gehorsam auszutreiben.

Europa (2023)

Fallende Blätter (2023)

DAS SCHÖNE ZWISCHEN DEN WIDRIGKEITEN

8/10


FallendeBlaetter© 2023 Filmladen Filmverleih


LAND / JAHR: FINNLAND 2023

REGIE / DREHBUCH: AKI KAURISMÄKI

CAST: ALMA PÖYSTI, JUSSI VATANEN, JANNE HYYTIÄINEN, NUPPU KOIVU, ALINA TOMNIKOV, MARTTI SUOSALO, SAKARI KUOSMANEN, MATTI ONNISMAA U. A.

LÄNGE: 1 STD 21 MIN


Sowieso ist alles hoffnungslos? Gut, zumindest erweckt es den Anschein. Doch was Aki Kaurismäki niemals zulassen würde, ist, seine Figuren in den bodenlosen Abgrund zu werfen. Sie straucheln zwar, sie verlieren ihre Jobs, sie sind einsam und versoffen; sie haben kein Geld und keine Lobby. Doch resignieren, das tun sie nicht. Oder zumindest nicht mehr. Kaurismäki ist seit seinem Cabriolet-Klassiker Ariel hoffnungsvoller geworden. Seine Liebe zur Arbeiterklasse und all jenen, die im Grunde das System erhalten, jedoch nichts dafür bekommen, ist ungefähr so stark wie bei seinem britischen Fachkollegen Ken Loach. Doch wo dieser mit blankem Realismus soziale Defizite aufzeigt, erstellt Kaurismäki lakonische Alltagstableaus voller sprödem Charme. Bevölkert mit Gestalten, die sich das bisschen Glück aus einem sonst ereignislosen Leben picken, das aufgrund höherer Umstände nicht viel anders sein kann. Dieses Glück kann darin liegen, auf die Karaoke-Bühne zu gehen und blumige finnische Balladen zu schmettern, während dem Hochprozentigen zugetane Freitagabend-Melancholiker mit stoischer, aber dennoch verzückter Miene dem Möchtegern-Bariton lauschen.

Um jenen, der gerne jünger wäre, als er ist und darauf wartet, von einer Plattenfirma entdeckt zu werden – um den geht’s hier gar nicht primär. Sondern vielmehr um dessen Arbeitskollegen und Freund, dem Alkoholiker Holappa (Jussi Vatanen). Der bekommt so gut wie nichts auf die Reihe, weil er so viel säuft und dadurch andauernd seine Jobs verliert. Obendrein raucht er noch wie ein Schlot und ist deprimiert. Weil er eben so viel trinkt. Und weil er deprimiert ist, trinkt er. Ein Teufelskreis, dem man sich in Kaurismäkis urbanen Miniaturen mit stoischem Trotz gerne hingibt. Die ganze ernüchternde Monotonie könnte sich ändern, als dieser Holappa auf die hübsche Ansa (Alma Pöysti, zuletzt als Künstlerin Tove auf der Leinwand) trifft. Zuerst ist es nur Blickkontakt. Dann, später, ein erstes gemeinsames Kaffetrinken mit anschließendem Kinobesuch – dort läuft Jim Jarmuschs The Dead Don’t Die, eine kleine Verbeugung des Finnen vor einem Bruder im Geiste, dessen Filme wohl manchmal in einen ähnlich lakonischen Erzählstil abgleiten wie die eigenen. Diese beiden einsamen, aber niemals verlorenen Seelen sollten sich bald wiedertreffen, würde Holappa nicht Ansas Telefonnummer verlieren. So sucht die eine den anderen und umgekehrt, so harren sie vor dem Kino, in welchem gestandene Klassiker am Programm stehen, von Die Maske des Dr. Fu Manchu bis hin zu Godards Die Verachtung. Vielleicht klappt es ja, und aus dem bisschen Zuneigung könnte mehr werden. Nur nicht mehr Alkohol, denn das mag Ansa gar nicht. Im Zuge dieses Wartens und Vorbeigehens an Gelegenheiten müssen beide ihre Lage überdenken, ihr Leben ändern, soweit es in ihrer Macht steht. Eigeninitiative ergreifen dort, wo sonst der Abgrund folgt. Und dafür sind sich Kaurismäkis Liebende dann doch zu stolz, weil sie dennoch, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheinen mag, einen Sinn im Leben sehen. Der dann noch stärker wird und wichtiger in Anbetracht eines in Europa tobenden Krieges, der sich in nüchterner Berichterstattung rund um Tod und Zerstörung in einen dem Weltgeschehen scheinbar fernen Alltag mischt.

Kaurismäkis Bilder erreichen zwar nicht dieses akkurate Farbenspiel wie in seinem Meisterwerk Le Havre, aber dennoch ist das Komplementäre ein enorm wichtiges Element, das bereits vorab visualisiert, was zusammengehört und was nicht. Bescheidenes Interieur, enge Bars, längst nicht mehr neues, aber immer noch funktionstüchtiges Drumherum, in welchem pragmatische Lebensführung ihre Verwirklichung findet – so und nicht anders möbliert Kaurismäki sein Universum jenseits des Reichtums und der Gier. Sein Besinnen auf Werte, deren Streben danach im Angesicht noch viel schlimmerer Umstände – nämlich die des Krieges – von Szene zu Szene wichtiger werden, ist das, was der stilsichere Finne ausdrücken will. Die Arbeiterklasse der Gewerkschaften ist dabei immer noch ein Must-Have, Ansas Schuften in der Fabrik ein klassisches Zitat und eine Reminiszenz an seine früheren Werke. Den passenden Sound liefert dabei neben herrlich schwermütigen Chansons das reduktionistische und daher saucoole Musikduo Maustetytöt, das die ironische Melancholie dieser Tragikomödie auf den Punkt bringt.

Vielleicht hat Kaurismäki hier doch sein letztes Werk geschaffen, bevor er gedenkt, sich wieder zurückzuziehen. Und wenn es so wäre? Dann hätte er vielleicht alles gesagt. Alles zur Leidenschaft Kino und seiner Liebe dazu. Alles zum Weltschmerz und der Relativierung des eigenen Status Quo. Immer mehr wird Fallende Blätter zu seiner eigenen Flucht aus der Realität, zu einer Romanze, die Ansa und Holappa wohl im Kino gesehen hätten, könnte der Traum auf der Leinwand nicht doch noch Wirklichkeit werden.

Fallende Blätter (2023)

Mein fabelhaftes Verbrechen (2023)

GELEGENHEIT MACHT SCHULDIG

8/10


fabelhaftesverbrechen© 2023 Filmladen Filmverleih


ORIGINALTITEL: MON CRIME

LAND / JAHR: FRANKREICH 2023

DREHBUCH / REGIE: FRANÇOIS OZON

CAST: NADIA TERESZKIEWICZ, REBECCA MARDER, ISABELLE HUPPERT, FABRICE LUCHINI, DANY BOON, ANDRÉ DUSSOLIER, ÉDOUARD SULPICE, FÉLIX LEFEBVRE U. A.

LÄNGE: 1 STD 42 MIN


Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Aber auch gerade deswegen. Eine gute Komödie zeichnet sich dadurch aus, ihren Witz als Folgeerscheinung eines klug konstruierten Drehbuchs mitzubringen. Und nicht dadurch, die Handlung um einige, zwerchfellerschütternde Bonmots herumzubauen. Eine gute Komödie zeichnet sich auch dadurch aus, dem Ensemble die Freiheit zu geben, ihren Figuren dank reichlicher Improvisation und dem Willen zum ex tempore mit nur wenigen charakterlichen Strichen rundum standfeste Auftritte zu bescheren. Wenn Rollen ohne viel Heißem-Brei-Gerede fassbar werden, bleiben ganze Spielwiesen für komödiantische Eskapaden übrig, die vor allem auf den Boulevardbühnen seit jeher und nicht erst seit Maxi und Alfred Böhm, die in ihrer Pension Schöller-Version die ewig Besten bleiben werden, für tosendes Gelächter sorgen.

Die Boulevardbühne auf die Leinwand bringen – das können die Franzosen im Schlaf. In den Sechzigern und Siebzigern war das Jean Girault mit seinem unverwechselbaren Choleriker Louis de Funès. Weniger Bühne und mehr Kino: das waren später Pierre Richard und Gerard Depardieu. Und wie sieht der Spaß in Übersee aus? Für klugen Wortwitz mit Understatement und einer gewissen intellektuellen Noblesse darf immer noch Woody Allen ganz vorne stehen, da kann man über sein Privatleben sagen, was man will: Als Autorenfilmer und Dramatiker sind Leinwand und Bühne gleichermaßen von ihm eingenommen. Was also, wenn man beides kombiniert? Wenn man den situationskomischen Retro-Humor eines „Balduin“ mit den Theaterkomödien eines Woody Allen synergiert? Was dann zutage tritt, könnte der brandneuen Komödie von François Ozon entsprechen, dem wirklich ferner als fern steht, Avantgardist zu sein. Muss er auch nicht. Denn wenn jemand auf derart nostalgische Weise zurückblickt auf das konservativ-humorige Kino vor einem halben Jahrhundert, gleichzeitig aber auch aktuelle gesellschaftliche Agenden mitnimmt, gereicht das sicher nicht zum Nachteil. Ozons Mein fabelhaftes Verbrechen sucht den Urgrund der französischen Komödie und den Esprit der impulsiven Unterhaltungsbühne, hat nichts am Hut mit Filmemacherinnen und Filmemachern, die ihr gewähltes Genre durch sich selbst neu erfinden müssen. Komödie funktioniert rustikal. Dieser Spaß hier ist das beste Beispiel.

Denn gleich von Anfang an, nach den ersten paar Minuten, wird klar, welchen Rhythmus uns Francois Ozon hier mitklopfen lässt: einen straffen. kurz getakteten. Zwischen den dramaturgischen Beats jede Menge Dialog, doch so elegant zugeschliffen, das kein Wort zu viel fällt. Im Zentrum stehen die beiden Freundinnen Madeleine (Nadia Tereszkiewicz), erfolglose Schauspielerin, und Pauline (Rebecca Marder), Anwältin – erstere musste sich eben eines sexuellen Übergriffes ihres potenziellen Produzenten erwehren, kann die Miete nicht zahlen und ist in einen Industrieerben verliebt, dessen geiziger Vater keinen Franc flüssig macht. Da kommt die Gelegenheit, das Leben zu ändern, wie gerufen: Besagter Bühnenkrösus wird tot aufgefunden, Madeleine beansprucht den Mord für sich – denn Notwehr, Frauenrecht und Medien könnten schließlich dazu führen, sich erstens schadlos zu halten und zweitens ganz groß rauszukommen. Der Plan gelingt, doch hat er einen Haken: Bei all dem Rummel um Madeleines Person tritt die echte Mörderin auf den Plan, um einen Teil vom Kuchen für sich zu reklamieren.

Wenn Isabelle Huppert, aufgedonnert wie eine Diva und mit so viel Verve in ihrem Auftreten über die Leinwand fegt, ist das Trio komplett und der Film bereits ganz oben in seinem Unterhaltungswert angekommen. Ozon, der nicht nur eine Vorliebe dafür hat, konservativ anmutende, bewusst naive Komödien so zu entstauben, dass sie immer noch zünden und sich angenehm unprätentiös vor allen möglichen Trends abheben, kann zwar auch tragisch und dramatisch – die Komödie aber ist sein Steckenpferd. Was ihm dabei besonders gelingt: Er verpasst seiner Theater-, Schauspiel- und Krimikomödie nebst all den treffsicher abgeschmeckten Zutaten noch eine ganz schöne Portion Feminismus. Obendrein, als Sahnehäubchen, gibt’s zu Frauenrecht, Gleichberechtigung und korrupter Justiz noch eine gewiefte Stellungnahme zur Täter-Opfer-Umkehr im Falle sexueller Nötigung. Was das heißblütige Komödientrio daraus macht, ist umwerfend. Als galante Begleiter in diesem zutiefst schlagfertigen Spiel agieren Fabrice Luchini, der als brillante Karikatur eines Untersuchungsrichters genauso besticht wie Dany Boon oder André Dussollier, der die Seele eines Louis de Funès tatsächlich wieder auf die Leinwand bringt. Ein Ensemble also, an dem alle scheinbar rein intuitiv an einem Strang ziehen. Chapeau!

Mein fabelhaftes Verbrechen (2023)

Aus meiner Haut (2022)

NICHT ALLES LEBEN IST CHEMIE

7,5/10


ausmeinerhaut© 2023 Filmladen Filmverleih


LAND / JAHR: DEUTSCHLAND 2022

REGIE: ALEX SCHAAD

DREHBUCH: ALEX & DIMITRIJ SCHAAD

CAST: MALA EMDE, JONAS DASSLER, MARYAM ZAREE, DIMITRIJ SCHAAD, EDGAR SELGE, THOMAS WODIANKA, SEMA POYRAZ, ADAM BOUSDOUKOS U. A.

LÄNGE: 1 STD 44 MIN


Wie es genau funktioniert, werden wir nie erfahren. Womöglich würden wir es auch nicht verstehen, jedenfalls müssen wir hinnehmen, dass das Unglaubliche zum bezahlbaren Selbstversuch wird – zur immersiven Therapie für mehr als nur neugierige, sondern auch von einem gewissen draufgängerischen Pioniergeist beseelte Sensationsabenteurer, die sich selbst vielleicht ein bisschen satthaben. Denn auf einer Insel, irgendwo in der Nordsee, wird Selbsterfahrung zur Fremderfahrung.

Dort ist es einem Wissenschaftler auf einem nicht näher definierten Spezialgebiet gelungen, Persönlichkeiten aus deren Körpern zu extrahieren und in andere einzusetzen. Natürlich nur, wenn der Empfänger Platz macht. Der nimmt dafür den Körper des anderen, mitsamt seiner biochemischen Prozesse – mitsamt seines Gehirns und seiner psychosomatischen Beschaffenheit. Einzig das Ich-Bewusstsein ist anders. Vergleichbar wäre es damit, in einen Leihwagen zu steigen, um damit nicht mal selbst zu fahren, sondern vom Besitzer des Autos chauffiert zu werden, natürlich unter Ansage des Beifahrers. Als Navigator, nicht als Fahrer des neuen Wagens fungiert der neu eingesetzte Geist. Somit werden nicht mal Skills, Talente und erlernte Fähigkeiten übertragen, dafür aber Weltsichten und Charakter.

Unter dieser präzise formulierten Prämisse gelingt dem Langfilmdebütanten Alex Schaad tatsächlich etwas ganz Neues. Kein Bodyswitch-Humor begeistert sich an schräger Situationskomik, die zwangsläufig eskalieren muss. Die bereitwilligen Klienten werden auch nicht an sonderbare High-Tech-Gerätschaften geschnallt – keine in der Luft schwebenden Bildschirmprojektionen werden von auf mysteriöse Weise geschulten Kennern dirigentengleich bedient. Hier, in dieser rätselhaften Idylle, kann und soll man sich zumindest reinwaschen – um danach einem Prozess einzuwilligen, der es ermöglichen soll, die Welt mit fremden Augen zu sehen. Für dieses Abenteuer hat sich das Paar Leyla und Tristan bereiterklärt, natürlich nichts ahnend, in welcher Haut sie wohl die nächsten zwei Wochen wohnen werden. Danach soll es wieder zurückgehen in die eigenen vier Wände. Leyla verspricht sich davon einen Ausweg aus ihrer Depression, während Tristan der ganzen Methodik eher skeptisch gegenübersteht. Und doch wird es passieren: die beiden tauschen mit dem Ehepaar Fabienne und Mo: grundverschiedenen Persönlichkeiten mit ganz anderem – körperlichen wie geistigen – Innenleben. Man kann sich schon denken, dass die Grenzerfahrung auch so manche grenzwertige Situation mit sich bringt, die den Wunsch von zumindest einem der vier, wieder zurück in vertraute Gefilde zu gelangen, auslösen wird. Doch was, wenn die anderen, die in solchen Fällen mitziehen müssen, gar nicht mehr wechseln wollen?

Würde ich selbst so einen Körpertausch vollziehen wollen? Wenn, dann vielleicht nur kurz, allerdings keine zwei Wochen. Unheimlich ist das Ganze allemal, dafür aber legt dieser Vorgang allerlei grundsätzliche Überlegungen bloß, die weit über das Streben nach gegenseitiger Wahrnehmung in der Partnerschaft hinausgehen. Mit Newcomern wie Alex Schaad, der gemeinsam mit seinem Bruder Dimitrij dieses außerordentlich durchdachte Drehbuch verfasst hat, sind im Independentkino Innovationen garantiert. Aus meiner Haut ist eines dieser besonderen Highlights, die es in ihrer Entstehung als nicht notwendig erachtet haben, nach links oder rechts zu blicken. Die sich nicht an anderen Werken bereits etablierter Filmemacher orientieren müssen, sondern ihr eigenes kreatives Selbstbewusstsein an den Tag legen möchten. Sowas muss unterstützt werden – vor allem dann, wenn Werke wie diese so gelingen wie vorliegende Science-Fiction, die sich souverän auch in ganz anderen Genres aufhalten wollen, wie zum Beispiel in jenem des Beziehungsfilms. Das ausgesuchte Ensemble, darunter Mala Emde und Jonas Dassler (Das schweigende Klassenzimmer), zieht auch klipp und klar die charakterlichen Grenzen zueinder. Dadurch gelingt es den Darstellern auch, den jeweils anderen Filmcharakter zu übernehmen, wenn dieser im „falschen“ Körper steckt. Potenzielle Verwirrung fällt hier gänzlich weg, das unterstützt Schaad auch mit einer entschleunigten Inszenierung, die am Ende des nicht unbedingt düsteren, aber komplentativen Dramas die eigene wertvolle Conclusio formuliert: Dass Geist und Körper untrennbar miteinander verbunden sind. Dass die inneren Werte niemals alles sind, aber das Wichtigste. Dass diese aber, eingebettet in ihrer biochemischen Materie, das Produkt viel zu vieler Prozesse sind, die das Wunder der Einzigartigkeit eines jeden von uns definieren. Dass dabei die Frage nach sexueller Orientierung auch noch gleich mit ins Boot geholt wird, ist ein positiver, aber fast schon zufällig generierter Nebeneffekt.

Aus meiner Haut (2022)

Falcon Lake (2022)

DIE SCHRECKEN EINES SOMMERS

8/10


falconlake© 2023 Filmladen Filmverleih


LAND / JAHR: FRANKREICH, KANADA 2022

REGIE: CHARLOTTE LE BON

DREHBUCH: CHARLOTTE LE BON, FRANÇOIS CHOQUET, NACH DER GRAPHIC NOVEL VON BASTIEN VIVÈS

CAST: JOSEPH ENGEL, SARA MONTPETIT, MONIA CHOKRI, ARTHUR IGUAL, KARINE GONTHIER-HYNDMAN, THOMAS LAPERRIERE, ANTHONY THERRIEN U. A.

LÄNGE: 1 STD 40 MIN


Es ist ein Sommer wie damals. Zumindest fühlt es sich so an, auch wenn Smartphones oder andere mobile Endgeräte der Zerstreuung dienen. Es fällt nicht schwer, diese Dinge zu übersehen. Man will sie in dieser anregenden Zeitkapsel gar nicht als inhärent wissen – man will nur den beiden jungen Menschen zusehen, die sich anscheinend gefunden haben und sich gegenseitig faszinierend finden. Da gibt es Bastien, gerade mal Teenager, der bald seinen 14. Geburtstag feiert und mit Eltern und jüngerem Bruder irgendwo in Kanada an einem See Urlaub macht. Da gibt es Chloe, ein 16jähriges Mädchen mit langem dunklem Haar und gern auf Partys. Die Eltern der beiden sind befreundet, beide Familien teilen sich eine Hütte, und bald teilen die beiden Teenies auch die meiste Zeit des Tages miteinander, indem sie um den See strawanzen, sich Geschichten erzählen und Fotos machen, die den Geist eines ertrunkenen Jungen abbilden, der an den Ufern und verhüllt in weißes Laken immer wieder erscheint, da er selbst noch nichts davon weiß, eigentlich gestorben zu sein. Diese Idee beruht auf keinen wahren Begebenheiten, Chloe hat sich das einfach ausgedacht. Und dennoch verlässt einen nicht das Gefühl, dass der Ort ein Geheimnis birgt, welches, von der Zeit losgelöst, irgendwann in Erscheinung treten könnte. Wie das nun mal so ist bei jungen Menschen, erlebt der junge Bastien seine erste Romanze, seine ersten sexuellen Erfahrungen und erste Eifersucht. Probiert Verbotenes, fühlt noch nie Dagewesenes. Lässt die Nähe zu einem Menschen zu, der sie sucht.

Charlotte Le Bon, die man bislang nur als Schauspielerin zu schätzen gelernt hat, wagt sich mit dieser bittersüßen Ballade über die Gefühle junger Menschen an die Verfilmung einer Graphic Novel von Bastien Vivès heran. Dabei gelingt ihr das Kunststück einer stimmungsvollen Romanze, die sich niemals mit oberflächlichen Klischees abgeben will, sondern durch die greifbaren Bedürfnisse der Protagonisten hindurch bis auf ihre verborgenen Ängste stößt. Da ist viel Sorge, alleingelassen zu werden oder nirgendwo dazuzugehören. Da ist viel Angst vor Peinlichkeiten oder dem Umstand, dem anderen nicht zu genügen. Wie Joseph Engel als Bastien es meistert, so unverkrampft und wahrhaftig diesen Sommer so zu erfahren, als wäre er tatsächlich Teil seiner Biografie, bildet das Herzstück des Films, gemeinsam mit der inspirierenden Chemie zwischen ihm und Sara Montpetit, die an Ali McGraw erinnert und einen ungestümen Lebens- und Leidensdrang mit sich bringt.

Es passiert nicht viel am Falcon Lake. Es passieren Dinge, die wir alle auf eine ähnliche Weise selbst schon erlebt haben, die auch einfach so passieren, weil es eben Sommer ist, und der Tag lang genug für Müßiggang, Philosophieren und kindlichen Wagemut. Und dennoch ist der letztes Jahr in Cannes erstmals gezeigte Geheimtipp mehr als nur Stimmungsbild und Beobachtung. Hier liegt etwas Metaphysisches zugrunde – eine Dimension, die keiner so recht greifen kann, die Bastien und Chloe aber umgeben, als wären sie Teil einer höheren Bestimmung. Diese geheimnisvolle, impressionistische Welt lässt den See als Tor in eine andere Welt erscheinen, den Wald drumherum als Ereignishorizont. Hier ist vieles im Gange, dass zwischen den gesprochenen Zeilen liegt und sich meist nur in der Haltung der Figuren oder im malerischen Naturalismus eines Ortes so richtig andeutet. In seiner von Licht und Wärme, Regen und Gewitter durchdrungenen Weise erinnert Falcon Lake dabei an das intensive Erwachen Timothée Chalamets aus Call Me By Your Name.

Die Schrecken eines Sommers sind alles andere als banaler Horror – sie sind die unerwarteten Gefühle, die man zulassen muss, sich ihnen aber nicht gänzlich hingeben darf. Sie sind der Glaube an Dinge, die man nicht sehen kann. Wie die eigene Zukunft.

Falcon Lake (2022)

Eismayer (2022)

ROMANZE IM KASERNENTON

7/10


eismayer© 2022 Filmladen Filmverleih


LAND / JAHR: ÖSTERREICH 2022

BUCH / REGIE: DAVID WAGNER

CAST: GERHARD LIEBMANN, LUKA DIMIĆ, JULIA KOSCHITZ, ANTON NOORI, KARL FISCHER, CHRISTOPHER SCHÄRF, LION TATZBER, THOMAS OTROK, STAN STEINBICHLER U. A.

LÄNGE: 1 STD 27 MIN


Ich bin heilfroh, dass es hier in Österreich den Zivildienst gibt und ich nach meiner Schulausbildung darauf zurückgreifen konnte. Es hätte ja alles anders sein können, in manchen Ländern wird man als Mann automatisch zum Exerzieren verpflichtet. Nur um nichts in der Welt hätte ich mich systematischer Erniedrigung aussetzen wollen, die sich unter anderem gerne als keifender Kasernenton manifestiert und die weniger abgebrühten oder sensibleren Gemüter an den Rand psychischer Resignation bringt. Militärdienst ist nur was für harte Männer – wie obsolet das klingt.

Man setzt den Drill da an, wo er greift. Stanley Kubrick hat diese Methode in Full Metal Jacket, seinem Antikriegs-Schlag in die Magengrube, auf die Spitze des Wahnsinns getrieben. Mit der Figur des von R. Lee Ermey dargestellten Drill Instructors Sergeant Hartman hat der Meister eine Figur des Schreckens erschaffen, die angehende Kadetten wohl nochmals in sich gehen ließ, um ihre Wahl für den Staatsdienst nochmal zu überdenken. Und tatsächlich ist diese Figur gar nicht so weit hergeholt. In Österreich gab und gibt es Charles Eismayer: Hast du ihn als Ausbilder, kommst du entweder psychisch gebrochen aus dem Grundwehrdienst oder hast dir eine derart harte Haut zugelegt, die dich für alles weitere Entsetzliche im Leben abstumpfen lässt. Eismayer war in seinen besten Zeiten wohl einer der gefürchtetsten Hof-Dirigenten im Österreichischen Bundesheer. Horror- und Einzelfallgeschichten machten die Runde, der Angstschweiß stand den Jungen auf der Stirn. Dabei ist Eismayer gar nicht mal so eine bedrohliche Erscheinung. Die Tyrannei, die für den absoluten Gehorsam wohl notwendig scheint, legt dieser in sein Organ. Also schreit und brüllt er wie seinerzeit Sergeant Hartman vor dem Vietnamkrieg seine Greenhorns nieder, macht sie zur Sau und sägt sie ab. Hat das gefaltete Hemd einen Knick – alles nochmal raus aus dem Spind. Schmerzt der Arm beim Exerzieren, fällt der Begriff Muttersöhnchen. Hat aber jemand die Widerrede auf den Lippen – ab auf den Boden und Push Ups, bis es Stopp heißt.

Einer dieser gehorsamen Ungehorsamen ist Grundwehrdiener Mario Falak (Luka Dimić), ein junger Mann mit Migrationshintergrund und gar nicht auf den Mund gefallen. Eismayer ist irritiert, erbost und erzürnt zugleich – andererseits fasziniert von so viel Chuzpe und sowieso angetan von diesem Feschak, da der harte Hund des Militärs tunlichst geheim hält, dass er schwul ist. Und nicht nur er: auch Falak ist vom anderen Ufer, und Homosexuelle unter sich scheinen den anderen zu erkennen, auch wenn dieser sich nicht outet. Falak macht aus seiner Orientierung keinen Hehl; es scheint Zeit, frischen Wind durch die Habt-Acht stehenden Reihen verkrusteter Stereotype wehen zu lassen. Ein Bussi für den Leutnant sollte niemanden verwundern. Und das ist dann der Anfang einer zartfühlend inszenierten Romanze, die so gar nicht mit Stereotypen arbeitet und die Positionen der an der Liebe Beteiligten völlig neu besetzt.

Eismayer ist eine wohltuende Überraschung im Betroffenheitsdschungel des österreichischen Films. Was zuerst den Anschein hat, als hätten wir es mit nüchternem Alltagsrealismus zu tun, entwickelt genug Farben, um das Olivgrün gewohnter Gesellschaftsordnungen am Exerzierplatz sehr bald zu ersetzen. Spätestens dann, wenn der von Gerhard Liebmann mit viel Aufmerksamkeit für seine Figur dargebotene Eismayer denn Hemmschuh der Geheimnisse ob seiner sexuellen Neigung ablegt. Spätestens dann fällt ihm ein Stein vom Herzen, und wie der verbitterte, mit allerlei Wut und Ohnmacht aufgestaute Mann seine Freiheit findet, ist erfrischendes Coming Out-Kino, ohne jemals beschämend zu wirken. Liebmann ist sensationell, und auch Luka Dimić ergänzt sein gegenüber auf Augenhöhe. Der Bruch mit der eigenen, als Hetero-Mann geführten Familie mag zwar traurig und schmerzhaft sein, doch ist sie auch gleichzeitig der Schlüssel zur Wende Richtung Zuversicht. Am Ende lässt David Wagner seine True-Story-Romanze wie Hollywood an der Donau wirken – liebevoll, auf gute Art etwas kitschig und wohltuend selbstverständlich.

Eismayer (2022)

In der Nacht des 12. (2022)

ERMITTELN À LA MÖBIUS

7/10


indernachtdes12© 2023 Filmladen Filmverleih


LAND / JAHR: FRANKREICH, BELGIEN 2022

REGIE: DOMINIK MOLL

BUCH: DOMINIK MOLL, GILLES MARCHAND

CAST: BASTIEN BOUILLON, BOULI LANNERS, THÉO CHOLBI, JOHANN DIONNET, PAULINE SERIEYS, LULA COTTON-FRAPIER, JULIEN FRISON, CHARLINE PAUL, MATTHIEU ROZÉ U. A. 

LÄNGE: 1 STD 55 MIN


Die Zeiten sind anscheinend vorbei, in welchen sich Drehbuchautoren im Schreiben ihrer Krimi-Plots stets nach der Lauflänge ihrer Serien-Episoden richten mussten. Zugegeben: viele davon haben angesichts ihrer Plausibilität gleich vorweg die Flinte ins Korn geworfen. Andere, die vielleicht mehr Zeit für ihren Fall hatten, strapazierten das Sitzfleisch so mancher Zuschauer. Der Zufall wurde ausgereizt, das Glück des Ermittlers hielt sein Publikum oftmals für dumm. Im True Crime, dem Subgenre des Thrillers, lassen sich Fälle auf wesentliche Wendepunkte reduzieren oder Zeitsprünge wagen, welche die ganze Spannung aber auseinanderreißen können. So gesehen zuletzt in Boston Strangler, einem Versuch, den berüchtigten Mordfall aus den 60ern als Fakten-Entertainment zu verkaufen. Doch man muss als Filmemacher weder das eine noch das andere tun. Man kann Fiktives mit Dokumentarischem kombinieren und das Verhalten der Kriminologen in den Mittelpunkt stellen, die zunehmend daran verzweifeln, nichts zu Ende bringen zu können.

Dominik Moll, der seit jeher mit dem Mysteriösen liebäugelt und mich mit dem an David Lynch-Werke erinnernden Lemming so richtig beeindruckt hat, konnte letztes Jahr mit In der Nacht des 12. beeindruckende Besucherzahlen schreiben sowie den französischen Filmpreis César fast so oft einheimsen wie die beiden Daniels mit ihrer Multiversum-Oper. Molls Anti-Krimi, wie ich ihn bezeichnen würde, hat sein interessiertes Publikum nicht für dumm verkauft. Hat Erwartungshaltungen unterwandert und sich davor gescheut, sich allen anzubiedern. Wie er das geschafft hat? Er hat sein Werk nicht einem filmischen Zeitfenster angepasst, sondern dieses einfach ignoriert. Ist der Fall nicht gelöst, endet das Ganze ungelöst. Wie bei Eduard Zimmermann und seinem (längst nicht mehr von ihm gehosteten) Dauerbrenner Aktenzeichen XY. Das Mysteriöse, Ungeklärte blieb das Geheimnis eines Erfolges. Niemand will in Wahrheit wirklich wissen, wer‘s war, außer bei Agatha Christie vielleicht. Doch jeder will wissen, wer es hätte sein können. Filme wie diese sind ein Rätsel, welches seine Aufgaben stellt und den Zuseher selbst ermitteln lässt. Ein interaktives Mitarbeiten setzt ein. Und das macht Spaß. Auch wenn ein Fall wie dieser wirklich nicht dazu einlädt, beschwingt ans Recherchieren zu gehen.

Was In der Nacht des 12. In Grenoble geschieht, ist schließlich so grausam wie gespenstisch. Eine junge Frau namens Clara, gerade mal 21 Jahre alt, wird auf dem Nachhauseweg überfallen, mit Benzin übergossen und angezündet. Sie erliegt ihren Verbrennungen – tags darauf findet man die teils verkohlten Überreste in der Wiese nahe eines Sportplatzes. Polizeibeamter Yohan und sein älterer Kollege Marceau beginnen zu ermitteln. Das Ganze fängt natürlich damit an, den geschockten Eltern vom Ableben ihrer Tochter zu erzählen – harter Tobak. Als nächstes muss Claras Vertraute Nanie, die als letzte das Opfer lebend gesehen hat, einige Fragen beantworten, auch sie am Boden zerstört. Und so geht es weiter. Es stellt sich heraus, dass die junge, durchaus promiskuitive und gar nicht an feste Liaisonen interessierte Frau so manche Beziehungen hinter sich gehabt hat – mit den unterschiedlichsten Typen, die letztendlich alle, auf gewisse Weise, verdächtig sein könnten. Außer jene, die ein Alibi haben. Aber auch da heißt es zu hinterfragen.

Man folgt den beiden Ermittlern, die selbst so ihre privaten Probleme haben, kreuz und quer durch die Provinz. Dabei nimmt sich Moll genug Zeit für all seine Figuren, um in wenigen Minuten von jedem hier einen plausiblen Steckbrief zu zeichnen. Der eine: gewalttätig, der andere: opportunistisch. Der dritte wiederum: trotzt dem System. Welches Verhaltensmuster also ist die beste Voraussetzung dafür, einen Mord zu begehen? Vor allem einen auf diese Art? In der Nacht des 12. wird immer mysteriöser. Puzzleteile passen nicht ganz zusammen, andere versprechen, die richtige Spur zu ergänzen. Und dann bringt man sich als Publikum selbst ins Spiel. Überlegt, rätselt. Und dennoch quält es einen nicht, am Ende nichts zu wissen. Es muss nicht alles gesagt, nicht alles auserzählt sein. Dominik Moll hält nicht viel von bewährten Mustern des Genres. Er will das Thema neu andenken – und findet die Lösung, in dem er einfach loslässt.

In der Nacht des 12. (2022)

France (2021)

ANCHORWOMAN AM HAKEN

4,5/10


france© 2022 Filmladen Filmverleih


LAND / JAHR: FRANKREICH, ITALIEN, DEUTSCHLAND, BELGIEN 2021

BUCH / REGIE: BRUNO DUMONT

CAST: LÉA SEYDOUX, BLANCHE GARDIN, BENJAMIN BIOLAY, EMANUELE ARIOLI, FRANÇOIS-XAVIER MÉNAGE, JULIANE KÖHLER, JAWAD ZEMMAR U. A.

LÄNGE: 2 STD 14 MIN


Voller Inbrunst dirigiert sich Cate Blanchett derzeit im Kino vom Olymp der Virtuosen in den Hades hinunter, hat akustische Halluzinationen und muss sich mit dem Vorwurf des Machtmissbrauchs herumschlagen. Todd Field hat mit Tár ein oscarnominiertes Psychogramm inszeniert, dass sich zu sehr auf seine Fachsimpelei verlässt und lieber den Alltag einer Musikerin verfolgt als die eigentliche Geschichte, die Brisanz genug hätte. Auf ähnliche Weise verschieben sich beim fiktiven französischen Ruhmes-Portrait France die Prioritäten, wobei hier die Skandalgeschichte eigentlich wegfällt – zumindest wird diese nicht als Kernstück des Filmes versprochen, ohne dann umgesetzt zu werden. Der Skandal in France ist nur eines von vielen Symptomen, die das gegenwärtige Leben der berühmten, aber fiktiven Star-Journalistin France du Meurs illustrieren. France steht also nicht für den Staat (oder vielleicht doch, irgendwie?), sondern für eine übertrieben ehrgeizige, bildschöne und virtuose Manipulatorin, die mit den Medien umgeht wie ein Profifußballer mit dem runden Leder. Alles tanzt nach ihrer Pfeife, will sogar den Anspruch auf Wahrheit opfern für geschickt arrangierte Beiträge im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, die eigentlich nur France selbst in Szene setzen und nicht das zum Beispiel zerschundene Bürgerkriegsland, in welchem so vieles im Argen liegt.

Diese France also ist wie Tár, ganz oben an der Spitze des Erfolges, von wo aus es nur abwärts gehen kann. Die Boulevardpresse schlachtet ihr Leben aus, ihr Konterfei lächelt von allen möglichen Plakaten und ist omnipräsent. So viel Öffentlichkeit kann niemals guttun, also zieht sie sich nach einem Skandal für eine Zeit lang aus selbiger zurück, um sich in den Schweizer Alpen einer Psychotherapie zu unterziehen. Dort lernt sie einen attraktiven jungen Mann kennen, dem ihre Prominenz bislang entgangen zu sein scheint. Diese erfrischende Unvoreingenommenheit dieses Kerls und dessen verträumter Sinn für Poesie beeindrucken France sehr – und so fängt sie eine Beziehung an, obwohl selbst verheiratet und Mutter einer Tochter.

Von satirischen Spitzen und Demaskierungen der Medienwelt wie in Wag the Dog oder dem bitterbösen Network fehlt in Bruno Dumonts Prominentendrama jede Spur. Die Darstellung von Frances Selbstinszenierung hat nicht mehr zu sagen als sie darstellt, was Ruhm für manche bedeuten und nicht bedeuten kann, welche Werte dabei vorrangig sind und welche nicht. Léa Seydoux (u. a. An einem schönen Morgen) gibt diese exaltierte, selbstbewusste Person mit den immer größer werden Sprüngen in ihrem Ego als eine im Leerlauf befindliche Erfolgsperson, die sich neu sortieren muss. Klar ist alles nur Fassade, oder zumindest meistens. Und so zelebriert Dumont ( u. a. Eine feine Gesellschaft) auch wirklich des Öfteren und später viel zu oft die inflationäre Omnipräsenz von Seydoux‘ ansprechendem Gesicht in allen Lebenslagen. Ob Lachen, Weinen oder Verzweifeln – France ist ein Film, der sich über zwei Stunden lang nur um eine einzige Person dreht, ohne je wirklich gegen das zum Showbiz verkommene Nachrichtensegment in den Medien loszutreten. So viel Personenkult ohne entsprechenden Wandel ermüdet auf Dauer – und dreht sich im Kreis, auch wenn der guten Dame letztendlich nichts erspart bleibt und die Schicksalsschläge alle für ein Drama der Extraklasse reichen. France betrachtet diese gelangweilt aus der Distanz. Und wir mit ihr.

France (2021)

Broker – Familie gesucht (2022)

MENSCHENLEBEN ZU VERGEBEN

6/10


broker© 2023 Filmladen Filmverleih


LAND / JAHR: SÜDKOREA 2022

BUCH / REGIE: HIROKAZU KORE-EDA

CAST: SONG KANG-HO, GANG DONG-WON, BAE DOONA, JI-EUN LEE, LEE JOO-YOUNG, SEUNG-SOO IM, JI-YONG PARK U. A.

LÄNGE: 2 STD 9 MIN


Das macht schon was mit jemandem, der draufkommt, nicht gewollt auf die Welt gesetzt worden zu sein. Der rein zufällig lebt und atmet, obwohl er nicht geplant war. Eine Existenz, entstanden aus einem Unfall. Gut, es gibt Eltern, die nehmen dieses Ereignis dankend an, denn es wird ihr Leben verändern und um unersetzbare Aspekte bereichern. Es gibt aber auch welche, die niemals Mutter oder Vater sein wollen. Oder können. Wie fühlt man sich, als ein Kind, das keiner haben will? Eine neue Familie, ja klar. Aber dass die leiblichen Eltern einen nicht wollen, lässt sich, wie es scheint, nicht verwinden. Da kann es passieren, dass man im Erwachsenenalter aus der Not der anderen, die noch nicht wissen, wie ihnen geschieht, weil zu klein, Profit herausschlägt. Zwecks Rache. Als Genugtuung. Als Eigentherapie, wie auch immer.

Dong-soo zum Beispiel, selbst einmal Waisenkind gewesen und in entsprechender Einrichtung aufgewachsen, hat sich darauf spezialisiert, gemeinsam mit seinem älteren Freund Sang-Hyun „weggeworfene“ Babys, wie sie es nennen, an kinderlose Eltern zu verhökern, die das offizielle und oft recht mühsame Prozedere zur Adoption umgehen wollen. Klar ist das ein Verbrechen, nämlich astreiner Menschenhandel. Auf Nachhaltigkeit und Gewissenhaftigkeit, wie das die Behörden tun, kann dabei nur schwer gesetzt werden. Da passiert es eines Nachts, dass das Schicksal des Babys von So-young, abgegeben an der Babyklappe einer Kirche, für die Dong-soo arbeitet, von Polizei und Sozialbehörde genauestens beobachtet wird. Und auch So-young hat es sich tags darauf anders überlegt und will ihr Kind wieder zurück – allerdings ist dieses bereits in den Händen der beiden Gauner, die aber im Grunde ihres Wesens herzensgut sind und von da an die Mutter des Kindes mit auf ihre Tour durchs Land nehmen, um die richtigen Eltern zu finden, die auch bereit sind, einen stolzen Preis zu zahlen. Warum da So-young mitmacht, erscheint anfangs nicht klar. Doch irgendwie fühlt sie sich zu den beiden Außenseitern, die selbst keine Familien haben und verstoßen wurden, hingezogen. Wen wundert es, wenn die Biographie der jungen Mutter ein ähnliches Trauma beinhaltet wie das der beiden Gefährten, die fortan so etwas wie eine notgedrungen zusammengewürfelte Familie bilden.

Song Kang-ho, wohl der berühmteste südkoreanische Schauspieler, und das schon seit Jahrzehnten, war Haus- und Hofakteur Park Chan-wooks und wurde durch Bong Joon-hos Parasite weltbekannt. Jetzt hat er letztes Jahr glatt noch die Goldene Palme für sein Schauspiel im vorliegenden Film namens Broker – Familie gesucht erhalten. Er spielt nicht schlecht, was anderes würde mich auch wundern, doch eine herausragende Leistung ist das keine. Dafür spielen ihn seine Kolleginnen und Kollegen fast schon an die Wand, allen voran Im Seung-soo als der kleine Hua-Jin, der sich in den Wagen der Broker schleicht, weil diese für ihn eine Familie sein könnten.

Die Idee des Films, inszeniert und geschrieben von Palme-Gewinner Hirokazu Kore-Eda, der mit dem thematisch recht ähnlichen Shoplifters auf sich aufmerksam machte, hat alles, was ein Seelenwärmer fürs Kino so braucht: Wehmut, Hoffnung, die inspirierende Eigendynamik einer kleinen Gemeinschaft und das erstrebenswerte Gefühl, gebraucht zu werden. Alle, die hier durch Südkorea tuckern, sind Verstoßene, denen das Glück in ihrem Unglück widerfährt, einander plötzlich wichtig zu sein. Dafür findet der Filmemacher vielsagende Momente voller Wahrhaftigkeit, die aber dennoch recht spärlich gesät sind. Denn so richtig mitnehmen will Broker sein Publikum manchmal doch nicht. Es ist, als wären sich die fünf Individuen selbst genug, und wir als Zuseher müssen gar nicht so genau nachvollziehen können, was nun als nächstes passiert.

Zu sprunghaft erscheint mir der Film, nachdem er sich anfangs recht viel Zeit gelassen hat, um überhaupt in Fahrt zu kommen. Kaum sind die Reisenden in Busan, sind sie plötzlich in Uljin oder Seoul. Dann sind da plötzlich Eltern, dort plötzlich Eltern. Es reißt Kore-Eda herum in seinem Skript, und zumindest mich selbst irritiert der plötzliche Orts- und Szenenwechsel manchmal doch so sehr, dass es mich fast bis zum Ende auf Distanz hält. Broker – Familie gesucht ist ein Film, der manche Details verschluckt, während er manchen wiederum zu viel Aufmerksamkeit schenkt. Dazwischen finden sich einige szenische Highlights, die aber dennoch keinen perfekten Film daraus machen.

Broker – Familie gesucht (2022)