A Beautiful Day

KATHARSIS EINES SCHATTENKRIEGERS

8,5/10

 

beautifulday© 2017 Constantin Film Verleih GmbH

 

ORIGINALTITEL: YOU WERE NEVER REALLY HERE

LAND: USA, GROSSBRITANNIEN, FRANKREICH 2018

REGIE: LYNNE RAMSAY

MIT JOAQUIN PHOENIX, EKATERINA SAMSONOV, JUDITH ROBERTS U. A.

 

Auf den Plakaten, die Lynne Ramsays Film beworben haben, war die an alle Cineasten gerichtete, verkaufsfördernde Zeile „Der Taxi Driver des 21. Jahrhunderts“ zu lesen. An diesem genrespezifischen Richtungsweis ist was Wahres dran. Doch in welchem Ausmaß? Dazu muss ich mir die Figur des Travis Bickle hernehmen, seines Zeichens eine Kultfigur und Wegbereiter des urbanen Irokesenschnitts, famos dargeboten von dem damals unverwüstlichen und mittlerweile ziemlich verwüsteten Robert De Niro. Der Taxifahrer aus New York City ist ein Einzelgänger, ein introvertierter Beobachter, der bei seinen Nachtfahrten allerhand mitbekommt, was sich in den Niederungen der Gosse so alles abspielt. Als ihm angesichts der minderjährigen Prostituierten Iris, dargestellt von Jodie Foster, die Schlechtigkeit des Menschen die Grenzen des für ihn Belastbaren sprengt, greift er zu drastischen Mitteln – er wird zu einem bewaffneten Anti-Helden, der dort aufräumt, wo es im Argen liegt. Er wird zum Befreier.

Ein Befreier ist auch Joe. Auch er befreit minderjährige Mädchen aus den Fängen perverser Kinderschänder. Allerdings steckt bei Joe ein System dahinter. Er ist buchbar, über mehrere Ecken, sodass er gänzlich anonym agiert. Immer wieder rückt er aus, nach wohlüberlebtem Schlachtplan. Nichts bleibt dem Zufall überlassen. Joe taucht auf wie ein Schatten, schlägt mit dem Hammer Schädel ein und befreit seine Opfer, deren Identität per Foto gesichert ist. So schnell wie er gekommen ist, so schnell ist er wieder verschwunden. Hochprofessionell, scheinbar emotionslos. Bickle´s Befreiungsschlag hingegen könnte der Anfang einer solchen Ära der idealisierten Gerechtigkeit sein, wir wissen es nicht. Der Antrieb, der hinter dem Taxi Driver steht, ist jedenfalls nicht der, den Joe für sein Tun und Handeln voraussetzt. Genau hier beginnt A Beautiful Day, in eine ganz andere Richtung zu gehen und die Dimension eines gesellschaftskritischen Selbstjustiz-Thrillers weit über Genre-Grenzen hinweg in die Luft zu sprengen. Der Film, für welchen Joaquin Phoenix für sein intensives Spiel die Goldene Palme gewonnen hat, betitelt sich im Original sowieso ganz anders: You were never really here. Zugegeben, mit A Beautiful Day als sarkastischen Überbau kann ich natürlich mehr anfangen als mit dem Original – obwohl Du warst niemals wirklich hier auf subtil-provozierende Art eine gewisse Neugier weckt. Wer genau war niemals wirklich hier? Und sagt das Joe? Oder das Mädchen Nina, das es zu retten gilt?

Der Originaltitel ist nicht der einzige Aspekt, der mit dazu beiträgt, aus den Elementen einer anfangs simpel erscheinenden Kriminalgeschichte eine kryptische Filmerfahrung zu entfesseln. A Beautiful Day ist tatsächlich ein besonderes Werk, das lange nachwirkt und erst zur vollen Entfaltung gelangt, nachdem sich die Eindrücke, die man aus dem Kino mitnimmt, so richtig gesetzt haben. Diese Wirkung, die erzielt Lynne Ramsey vor allem damit, den asketischen Schwermut ihrer wuchtigen Poesie mit einer ganz eigenen Interpretation von Gewalt zu verbinden. Dieses Zusammenspiel erinnert an das japanische Killer-Kino eines Takeshi Kitano oder Park Chan-Wook´s Oldboy. Ramsey zeigt aber nicht die Gewalteruption an sich, lässt diese nie zum Selbstzweck verkommen, sondern blickt sogar demonstrativ weg und filmt das statische Brachland der Zerstörung danach. So, als wäre man nicht wirklich dabei, aber irgendwie schon. Ganz so wie Joe selbst, der andere befreit, um sich selbst zu befreien. Wir sehen in verstörenden Intermezzi, was das Trauma des einsamen Schattenkriegers ausmacht – wie Splitter eines zerbrochenen Spiegels geistern Bildfetzen aus der Kindheit durch dessen Alltag. Aber nicht nur diese – auch Krieg und Menschenschmuggel spielen eine Rolle. Joe ist eine gequälte Seele, psychisch kaputt, den Gedanken an Selbstmord stets im Kopf. Kein Leben wie dieses, oder nur dann, wenn sich Joe immer und immer wieder selbst befreit, das Grauen durchspielt. Eine Art extreme Therapie, die nur Momente lang für Linderung sorgt. Dazu sorgenfreie Rhythmen, die in ihrem Zynismus den Abgrund, in dem sich die Figuren befinden, konterkarieren.

A Beautiful Day ist mindestens genauso brillant wie Abel Ferrara´s Bad Lieutenant, und lässt sich in der Katharsis seiner zentralen Figur mit Harvey Keitels Tour de Force durchaus vergleichen. Beeindruckend, wie Ramsey – gekonnt liebäugelnd mit den unorthodoxen Erzählstilen Asiens – aus der literarischen Vorlage von Jonathan Ames ein pulsierendes, virtuos zusammengesetztes Labyrinth aus Erlösung, Verfolgung und Vergebung errichtet, aus dem das Mädchen Nina wie Theseus´ roter Faden vielleicht zu einem Ausgang führt, vorbei an den Monstern der Vergangenheit und der Gegenwart – als Symbol von Joes eigenem zerstörten Ich, das im Zwiegespräch nur mehr sich selbst retten kann.

A Beautiful Day

Das Gesetz der Familie

TUN, WAS PAPA SAGT

4/10

 

gesetzderfamilie© 2017 Koch Media

 

LAND: GROSSBRITANNIEN 2016

REGIE: ADAM SMITH

MIT MICHAEL FASSBENDER, BRENDAN GLEESON, RORY KINNEAR, KILLIAN SCOTT U. A.

 

Die Redewendung „Im Kreise der Familie“ bekommt im vorliegenden britischen Bandenthriller eine gänzlich unbequeme Bedeutung. Wenn Michael Fassbinder als Stammhalter morgens erwacht und ins Freie tritt, blickt er auf eine Ansammlung kreisförmig geparkter Wohnwägen, deren Insassen irgendwo in der Grafschaft Gloucestershire mehr illegal als legal und ziemlich versteckt kampieren, um den Steuern zu entgehen und Pläne für den nächsten Coup zu schmieden. Denn Michael Fassbender ist Verbrecher. Von Berufs wegen Einbrecher und Dieb, Fluchtwagenfahrer und gleichzeitig aber auch Vater von zwei Kindern. Dass er ihnen das antut, ist keine Frage des Wollens. Sondern eine Frage der Hörigkeit – dem alles überragenden Patriarchen gegenüber. Eine Pflichtschuldigkeit, die niemand in Frage stellt. Wie denn auch? Bei Infragestellen familiärer Pflichten ist Gewalt nicht selten die Antwort.

Das klingt ja nach einem wuchtigen Thrillerdrama – so dachte ich mir, nach Sichtung der Synopsis und der Gewissheit, dass ein Cast wie Fassbender und der großartige Brendan Gleeson eine Sternstunde des Retail-Kinos gewähren. Zugegeben, da habe ich so ziemlich aufs falsche Pferd gesetzt. Das Gesetz der Familie hat zwar Potenzial für etwas ganz Großes im Stile von Sydney Lumet´s Tödliche Entscheidung, nutzt es aber so gut wie gar nicht. Gleeson als glattrasierter Soziopath und Apostel einer radikalen, wissenschaftsfeindlichen Weltanschauung donnert durch sein heruntergekommenes Refugium, wohlwissend, welchen Einfluss er auf alles hat und wem er wann die Hölle heiß machen kann. Wie ein verblendeter Narr, der König sein will. Und zu wissen glaubt, dass die Erde eine Scheibe ist. Die Rolle des Iren wäre ja schon polternd genug, ausreichend Angriffsfläche für den unbeugsamen Sohn, der nicht mehr will und nicht mehr kann. Aber der schweigt, aus Angst vor einem eigentlich lächerlichen Über-Ich.

Der Befreiungsschlag in ein besseres Leben atmet nur mit halber Luft. Konfrontationen verlaufen im Sand des mobilen Dorfes der Unbeugsamen, es fehlt der Wille zur Zuspitzung, das Volumen für dramaturgische Dichte. Der Film wirkt vor allem mit Gleeson zwar gut besetzt, sonst aber drehbuchtechnisch hingehudelt, ohne in reifer Überlegung den Konflikt zu einem konsequenten Ende zu bringen. Das Ende, das kommt dann willkürlich, ist noch nicht fertig, wie der ganze Thriller. Wirkt schaumgebremst und schüchtern angesichts der Möglichkeiten, die da genutzt hätten werden können. Als A-Sozialportrait über einen ausgerufenen Mikro-Verbrecherstaat ist Das Gesetz der Familie zu wenig ausführlich, als Familiendrama zu kompromissbereit, um wirklich anzuecken oder zu faszinieren.

Das Gesetz der Familie

The Salesman

DER GERECHTIGKEIT GENÜGE GETAN

8/10

 

salesman© 2016 Prokino

 

LAND: FRANKREICH, IRAN 2016

REGIE: ASGHAR FARHADI

MIT SHAHAB HOSSEINI, TARANEH ALIDOOSTI, BABAK KARIMI, MINA SADATI, FARID SAJJADI HOSSEINI U. A.

 

Eine schwermütige, trostlose Sternstunde der Theatergeschichte, die uns anno dazumal der begnadete Arthur Miller zum Geschenk gemacht hat. Meiner Meinung nach ist Hexenjagd noch viel brillanter, aber Tod eines Handlungsreisenden ist zumindest Millers berühmtestes Drama, dass je auf die Bühne kam, auch relativ oft auf der Leinwand zu sehen war und sich ziemlich nahtlos in die Riege jener Poeten einreiht, die über die Nichtexistenz des amerikanischen Traums philosophiert haben, darunter Tennessee Williams oder Eugene O Neill. Tod eines Handlungsreisenden macht nicht mal vor dem Nahen Osten halt, und auch jenseits des Hindukusch findet Miller´s Schaffen offene Ohren – genauer gesagt im Iran der Gegenwart. Denn irgendwo in Teheran in einem Kellertheater darf ein junges Schauspielerehepaar in einer eher kleinen, aber feinen Inszenierung des Stückes die Hauptrollen übernehmen. Trotzdem der Handlungsreisende ein sehr amerikanisches Stück ist, schafft es die Regie, dessen Inhalte in modifizierter Aufmachung dem Publikum geschickt zu vermitteln. The Salesman von Asghar Farhadi fängt an mit elegant beleuchteten Stills des Bühnen-Settings – um dann aber eine ganz andere Geschichte zu erzählen, in welcher es ähnlich in dem Drama, das im Film gespielt wird, um Moral, Existenzangst und Gerechtigkeit geht.

Dabei hätte es in diesem oscargekrönten Thriller nicht um die Burg Arthur Miller´s Stück sein müssen. Mit der Desillusion der Erfolgsformel von Fleiß und Erfolg, mit Erfahrung und Entbehrlichkeit, und dem gnadenlosen Wettbewerb der Geschäftswelt spielen auch viele andere zeitgenössische Stücke. Vielleicht sogar auf eine Weise, die sich besser in The Salesman integriert hätten. So wirkt das ausgewählte Drama selbst etwas willkürlich, doch womöglich fiel die persönliche Wahl Farhadi´s auf eines seiner liebsten Werke, die ihm als Vorbild für seine dramaturgischen Fertigkeiten gedient haben. Und tatsächlich sind diese geschliffen, präzise und von ausgesuchter Brillanz. Farhadi steht Miller eigentlich um nichts nach – seine beeindruckende Parabel über ein Ideal einer Gerechtigkeit, der mehr als Genüge getan wird, würde als adaptiertes Bühnenstück mit Sicherheit die Auditorien füllen. Als Film funktioniert dieses Kleinod eines unter Strom stehenden Volksstücks aber wahrscheinlich noch besser – und fesselt in seinen akkurat gesetzten Szenen, die sich für den Zuschauer fast unmerklich steigern und in einer Konfrontation gipfeln, die in seiner latenten Bedrohlichkeit auf unbequeme Weise fasziniert. Und unbequem, oder sagen wir als einschneidendes Home-Invasion-Erlebnis stellt sich auch die Ausgangsituation von The Salesman dar.

Das Schauspielerpaar, dass aus seiner alten Wohnung aufgrund von Einsturzgefahr besser gestern als morgen ausziehen muss, findet Räumlichkeiten, die auf den ersten Blick recht einladend wirken, auf den zweiten aber eine vertuschte Vorgeschichte wie ein nicht zu delogierendes Phantom beherbergt. Da die Vormieterin, die man im Film übrigens niemals sieht, mit ihrem mehr oder weniger illegalen Rotlicht-Business so manchen Freier ins Haus gelockt hat, und diese ob ihres aktuellen Verbleibs sprichwörtlich dumm sterben, führt diese Tatsache letzten Endes zu dem Verhängnis, von welchem das komplexe Szenario in The Salesman seine dunkle, fast schon autoaggressive Energie zieht. Fälschlich für ein leichtes Mädchen gehalten, wird Ehegattin Rana in den eigenen neuen vier Wänden überfallen und blutüberströmt zurückgelassen. Ihr Ehemann Emad, der Handlungsreisende, begibt sich auf die Fährte des Verdächtigen und leitet alles für ihn menschenmögliche in die Wege, um den Verbrecher zu enttarnen, während Rana, völlig traumatisiert, versucht, die Wohnung wo es nur geht zu meiden, aus Angst, der Übeltäter könnte wiederkommen.

The Salesman ist mein erster Film von Farhadi, und es wird garantiert nicht mein letzter sein. Dann, wenn das Vergeltungsdrama, das sich aber längst nicht als simples Rachedrama verstanden sieht, der unausweichlichen, unvermeidbaren Konfrontation entgegensteuert, erinnern manche Szenen an den virtuosen Stil des Mexikaners Alejandro Gonzales Inarritu, insbesondere an sein irritierend poetisches Meisterwerk Amores Perros. Nur ist in The Salesman kein Hund begraben, sondern der Wille zur Vergebung und des Neuanfangs, der erst nach Eintreten einer zerstörerischen Eigendynamik so langsam vom Schmutz eines impulsiven Gerechtigkeitsfanatismus befreit wird. Ob hier nicht eine versteckte Kritik an islamistischem Übereifer verborgen liegt? Kann sein, muss aber nicht. Farhadi geht auch so genug ans Eingemachte und setzt kluge Argumente für die Unentbehrlichkeit des iranischen Films. Und das in einem Land, wo das Bohren in offenen Wunden nur neue Wunden verursacht.

The Salesman

Mute

ICH HAB NOCH EINEN KOFFER IN BERLIN

7/10

 

Mute© 2018 Netflix

 

LAND: GROSSBRITANNIEN, DEUTSCHLAND 2018

DREHBUCH & REGIE: DUNCAN JONES

MIT ALEXANDER SKARSGÅRD, PAUL RUDD, JUSTIN THEROUX, SEYNEB SALEH U. A.

 

Sehr schade, dass das Warcraft-Franchise unter der Regie von Duncan Jones im Kino nicht durchstarten konnte. Aber das konnte Hulk unter der Regie von Ang Lee auch nicht. Warum nicht? Eine Theorie hätte ich da. Beide Filmemacher haben ihre eigenen Visionen. Gut, welcher Filmemacher hat die nicht, aber die beiden sind schon einen Schritt weiter gewesen, als ihnen das Projekt Blockbuster auferlegt wurde. Künstlerische Differenzen sind da womöglich vorprogrammiert. Dennoch hatten beide zumindest die Chance ergriffen, ihre ganz eigene Interpretation von Popkultur zu verwirklichen. Doch Undank war des Publikums Lohn. Halbleere Kinosäle für Filme, die mehr wollten als nur die Kasse klingeln lassen.

Zurück also zum Ursprung. So schnell wird sich der Filius von David Bowie der Versuchung des schnellen Geldes nicht mehr hingeben. Das hat sein Papa auch nicht getan – und dennoch vollen Erfolg erzielt. Aber das ist etwas, was man vorab nicht wissen kann. Und es ist ja nicht so, dass Jones´ Erstling Moon kein achtbarer Erfolg war. Zumindest im Independent-Sektor des Science-Fiction Genres gilt das Solo-Drama am Erdtrabanten als innovativer Meilenstein. Source Code war nicht weniger beklemmend, wenn nicht gar noch mehr verstörend als der Einstand mit Neo-Oscarpreisträger Sam Rockwell. In Mute scheint sich Duncan Jones tief vor einem seiner möglichen Kino-Top Ten zu verbeugen – nämlich vor Blade Runner. Die urbanen Dystopien eines Philip K. Dick sind genau sein Ding, diese gesellschaftskritische Art von Science-Fiction, die keine Alien-Invasionen abwehren muss, sondern von innen heraus, durch die Technologie und den Fortschrittsglauben des Menschen, unterwandert wird. Alles keine rosigen Aussichten, eben wie in Ridley Scott´s Kult-Klassiker, der unter der Regie des Visionärs Denis Villeneuve eine vor allem visuell mächtige Fortsetzung fand. Auch Villeneuve ist ein Filmemacher auf seine Art. Das gefällt den Produzenten oder eben nicht. Duncan Jones hat für seinen futuristischen Film Noir das Streaming-Imperium Netflix gewinnen können. Netflix riskiert so einiges im Filmsektor, was ich erstmal sehr begrüßenswert finde. Wäre schön, wenn sich Netflix noch eine Kinokette krallt, dann könnten wir so bildgewaltige Filme wie Auslöschung und eben Mute auch auf Großformat genießen – wo beide Filme auch hingehören.

Jones taucht tief in den Farbpinsel und lässt so gut wie alle Ecken und Enden eines überbevölkerten, versifften Berlins in Blau- und Violett-Tönen irrlichtern, was das Post-Productions-Graffiti so hergibt. Zwischen all den Abgasen, zwielichtigen Gestalten und einem verspäteten Punk-Rock-Revival sucht ein stummer Barkeeper nach der Liebe seines Lebens. Von einem Tag auf den anderen verschwunden, hat die blauhaarige Kellnerin bis auf ein paar wenige kryptische letzte Worte keinen Hinweis hinterlassen. Mute fängt an wie ein Howard Hawks-Krimi, nur dass Alexander Skarsgård (Legend of Tarzan, True Blood) nicht als Detektiv investigiert, sondern als Einzelgänger, der mit Zeichensprache, Kopfnicken und defensiv-eruptiver Gewalt dem Abgang seiner Vertrauten auf die Spur kommen will. Das geht sehr tief in die Keller der Unterwelt hinein, wo wir auf Justin Theroux und Paul Rudd stoßen, von welchem ich kaum glauben kann, ihn als wohlgesonnen Marvel-Minikin Ant-Man gesehen zu haben. Rudd kehrt hier die düstersten Winkel seiner Seele hervor. Mit buschiger Rotzbremse und ungehobeltem Verhalten lehrt er nicht nur der Filmfigur Leo Beiler Respekt – so greifbar verkommen wie Rudd war schon lange kein Antagonist mehr, trotz Liebe zu seiner Filmtochter.

Mute ist ein ambivalentes Machwerk mit klassischen Film Noir-Elementen, die schon Ridley Scott in seinem Blade Runner gekonnt mit unheilvollen Android-Visionen kombiniert hat. Mute gelingt die Nachahmung ansatzweise ähnlich gut, nur seine Blick in die Zukunft ist auch ein verkappter Blick in die Vergangenheit, in die 80er Jahre des eigenen Berlin-Aufenthalts, unter der Obhut von Papa David Bowie, der hier eine Zeit lang gelebt hat. So richtig Science-Fiction ist Mute außerdem nicht wirklich, jedenfalls aber irgendwas dazwischen. Und obwohl der Film vor allem in der ersten Hälfte deutliche Überlängen aufweist und gleich zwei Handlungsebenen Geraden gleich, die sich irgendwann in der Unendlichkeit berühren mögen, stur vorwärts treibt, bekommt Mute im letzten Drittel auf eine Weise die Kurve, mit der ich leise gähnend nicht mehr gerechnet hätte. Denn siehe da – die Tangenten berühren sich. Und das nicht gerade zaghaft. Wenn sich der lichtverschmutzte Nebel hebt und die auf der Zunge liegende große Rätselfrage des Filmes, wohin die ganze Geschichte eigentlich führen soll und ob sie überhaupt irgendwo hin führt, anstatt zu versanden glasklar offenbart wie die Luft nach einem Gewitter – dann hat Duncan Jones ein in sich plausibles, dramatisches wie gleichsam faszinierendes Drehbuch verfasst, in dem Liebe, Hass und die Abgründe dazwischen zu einem formvollendeten Finale finden.

Mute

The Foreigner

EIN GLÜCKSKEKS SIEHT ROT

5/10

 

foreigner© 2018 Universum Film

 

LAND: GROSSBRITANNIEN / CHINA 2018

REGIE: MARTIN CAMPBELL

MIT JACKIE CHAN, PIERCE BROSNAN, ORLA BRADY U. A.

 

Jackie Chan – ja, natürlich kenn ich den. Vom Hörensagen. Viel am Hut habe ich mit ihm nie gehabt. Eigentlich eine Frechheit, in Anbetracht des immensen Pensums an Produktionen, in welchen das ostasiatische Multitalent mitgespielt, mitproduziert und mitgeschrieben hat. Im Grunde eine Ikone des Kinos. Von mir schmählich ignoriert. Ich kenne gerade mal zwei Filme, in denen Jackie Chan seinen Auftritt hat – das ist In 80 Tagen um die Welt und The Lego Ninjago Movie. Martial Arts-Kampfsport ist aber auch nicht wirklich das Genre meiner Wahl. Das war damals in den Achtzigern und frühen Neunzigern mit Jean Claude Van Damme etwas anderes, seine Filme sind zwar rückblickend auch unfreiwillig komisch, aber nie so überdreht wie die Filme des mittlerweile in die Jahre gekommenen Hals- und Beinbrechers. Hätte er bei den Expendables mitgemischt, hätte ich jetzt drei Filme zu verzeichnen. Doch da hat ihm wohl Jet Li, der kleine selbstironische Haudrauf, die Rolle weggeschnappt. Macht nix, die Drei bekomme ich auch so zusammen. Und zwar mit The Foreigner.

Hier darf Jackie Chan mit James Bond gemeinsame Sache machen. Und das in zweierlei Hinsicht. Erstens ist niemand geringerer als Pierce Brosnan – sichtlich ergraut, kurzgeschoren und schneidig wie ein Ex-Knacki – das vermeintliche Opfer privat initiierten Terrors. Und zweitens führt Martin Campbell Regie, seines Zeichens Regisseur von Goldeneye – eben mit Pierce Brosnan – und Casino Royale, dem Einstand mit Daniel Craig. Ein Experte also, was Agentenkino betrifft. Weniger ein Experte, was Superhelden betrifft. Denn Green Lantern geht auch auf sein Konto. Zum Glück ist The Foreigner keine Fantasy, sondern handwerklich fehlerloses Selbstjustizkino fürs Heimformat. Warum eigentlich dieses? Nun, Pierce Brosnan wird längst wohl eher mit den Premium-Produkten einer Supermarktkette in Verbindung gebracht als mit Spannungskino von Format. Obwohl der neben Roger Moore wohl am meisten augenzwinkernde Gentleman der Kinogeschichte immer noch das Zeug für letzteres hätte. Man sieht, Brosnan spielt immer noch Brosnan wie ein erfahrener Universitätsdozent, mit Charme und ohne Harm. Dass er dann von Jackie Chan bis aufs Blut getriezt wird, mag man so gar nicht. Der ist nämlich trauernder Vater. Nach dem Bombenanschlag einer IRA-Splittergruppe in London, die seine Tochter auf dem Gewissen hat, kennt der von Schmerz und seelischem Leiden gezeichnete Ex-Elitekämpfer nur noch das Gefühl der Rache – welches sich allerdings in seinem zu Stein gewordenen Konterfei nur bedingt widerspiegelt. Man kann natürlich seine Rolle so verbissen emotionslos wie Jackie Chan anlegen – oder eben wutschnaubend Amok laufen. Wäre vielleicht die bessere Wahl gewesen. Denn eines kann ich mir schwer vorstellen – dass Chan bei seinen Fans mit der Rolle des schweigsamen Aufräumers im Stile von Takeshi Kitano wirklich gut ankommt. Vielleicht war das auch der Grund, warum die Studios es nicht gewagt haben, The Foreigner auf die große Leinwand zu bringen. Dem Japaner Kitano kann wohl als lakonische Killermaschine niemand den Rang ablaufen. Im Vergleich dazu wirkt Jackie Chan seltsam unbeholfen, ja fast schon unfreiwillig komisch. Wäre ich Ex-Terrorist Pierce Brosnan, würde ich ihn womöglich genauso wenig erst nehmen. Das aber wird sein Fehler gewesen sein.

Den Fehler, mir The Foreigner ein zweites Mal anzusehen, werde ich sicher nicht machen. Zu wenig plausibel sind seine Figuren, zu vorhersehbar der ganze Film. Da wäre es ratsamer, das 1992 erschienene Buch Der Chinese von Stephen Leather zu lesen. Da hat man seine eigenen Figuren im Kopf. Und nicht den quirligen Martial-Arts-Yoda Chan oder Ex-Bond Brosnan, beides Gesichter, die schon zur Genüge für anderes besetzt sind.

The Foreigner

Detroit

DIE BLAULICHT-INQUISITION

8/10

 

detroit© 2017 Constantin Film

 

LAND: USA 2017

REGIE: KATHRYN BIGELOW

MIT WILL POULTER, JOHN BOYEGA, ANTHONY MACKIE, JOHN MITCHELL, JACK REYNOR U. A.

 

Rauchende Trümmer, brennende Autos, geplünderte Läden. In den Straßen Schusswechsel, marodierende Zivilisten. Klirrendes Glas, Schreie. Und Panzer, die alles niederwalzen. Obenauf das Militär mit schussbereiten MPs im Anschlag, Das klingt jetzt sehr nach Syrien. Oder Kabul. Alltagsszenen aus irgendeiner ausgebombten Stadt im nahen Osten oder am Fuße des Hindukusch. In Wahrheit aber sind es Szenen, die im zivilisierten Westen stattgefunden haben. Und zwar in Detroit, im Sommer des Jahres 1967. Schwarze Minderheiten gegen die Exekutive, ausgelöst durch eine Razzia. Die Unruhen sind als 12th Street riot in die Stadtgeschichte eingegangen. Mit pöbelnden Augenzeugen, die die Verhaftungen verfolgt und Machtwillkür ausgemacht haben wollen, nimmt der Wahnsinn seinen Anfang. Wie ein Virus greifen die empörten Stimmen einzelner auf ein ganzes Stadtviertel über. Anarchie hat nun das Sagen. Zustände der Gesetzlosigkeit, Krieg im Kleinen. Gewaltbereite Demonstrationen, ausgefochten mit schwerem Kaliber. Zwischen all dem Chaos eine Soul-Band, die ihrem ersten großen Auftritt entgegenfiebert. Ein Wachtmeister in einem Supermarkt. Ein Polizist, der schneller schießt als sein Schatten. Zwei weiße Mädchen, die gerne mit Farbigen herumhängen. Und alles bis auf den Polizisten trifft sich im Algiers Motel. Aus dem provokanten Spiel mit einer Schreckschusspistole wird sehr schnell ernst. Was folgt, ist eine erschütternde True Story, eine Chronik zermürbender Ereignisse, die als Algiers Motel Incident bekannt ist – eine als Amtshandlung getarnte Geiselnahme, die wie ein Fegefeuer um sich greifen wird.

Kathryn Bigelow, Expertin für knallharte Filmstoffe und ausgewachsenes Politkino an den Fronten, hat einen derart intensiven Thriller gedreht, als wäre der Teufel hinter ihr her, in Gestalt vandalisierender Gangs oder sadistischer Machtapparate. Bigelow ist mittendrin, im Schmelzpunkt dieser Katastrophe und zieht all jene Zuschauer mit hinein in diesen Malstrom aus Hass, Angst und Ohnmacht, denen schon nach den ersten zwanzig Minuten urbanen Kriegskinos irgendwie anders wird. Aufgefächert in mehreren zeitgleichen Epilogen, geraten all die Einzelschicksale im Algiers Motel in den Würgegriff einer rassistischen, bis zur Weißglut gereizten Polizei. Das Kernstück der brillant nachgestellten und dokumentierten Unruhen ist ein atemlos spannendes Kammerspiel mit Schauspielern, die alles geben. Einer Kamera, die den Schmerz in den Gesichtern der Gepeinigten und den Schweiß auf den Stirnen manischer Polizisten einfängt. Und einer Regie, die ihrer Filmcrew keine Verschnaufpause schenkt. Kann sein, dass Bigelow alles in einem durch gedreht hat – wie im deutschen Film Noir-Drama Victoria, dessen Regie sogar auf Filmschnitte verzichtet hat. Detroit hat die natürlich schon, das wäre dramaturgisch wohl schwierig gewesen, switcht der Schauplatz im Motel stets von einem Zimmer ins andere. Doch nur so, im Verzicht auf Pausen zwischen den Drehs, kann die stetige Eskalation der Ereignisse in seiner Intensität auch empfunden werden. Fast nicht zu glauben, dass das ganze Drama mit einem Knalleffekt begonnen hat. Einer tönenden Pistolensalve, die keine war. Die aber eine Aggression und einen Hass entfacht, der einer zerstörerischen Eigendynamik vorangeht und ein wundes, blutendes Mit- und Gegeneinander freilegt, dass die Vernunft des Menschen um Jahrhunderte zurückwirft.

Will Poulter, bislang eher aus Nebenrollen bekannt, spielt nicht nur das eher kleinlaute Sicherheitsorgan John Boyega an die Wand – alle anderen auch. Der egomanische Großstadtcowboy wird zum gnadenlosen Home Invasion-Inquisitor und presst in zynischer Großkotzigkeit das letzte bisschen Selbstachtung aus seinen Verdächtigen heraus. Der junge Mann hat dafür nicht mal eine Oscarnominierung kassiert (genauso wenig wie der Film selbst, dessen Regie und die virtuose Kamera), zählt aber für mich zu den besten ungeliebten Charaktere der letzten Zeit. Vor allem, weil er in seiner ganzen erschreckenden Figur dessen Handeln nachvollziehbar werden lässt. Ihn nicht verteufelt, sondern mitunter Opfer einer völlig aus dem Ruder laufenden Hetze werden lässt. Und hat man das packende Drama des perfiden Verhörs mal verdaut, oder ist gerade dabei, dessen grimmige Faszination zu verarbeiten, findet sich der Film vor Gericht wieder. Wie der Richterspruch lautet, und wer hier wen freigesprochen oder verurteilt hat, lässt sich zwar leicht nachlesen –wird aber hier natürlich nicht verraten.

Das Bild, das sich der Zuschauer von diesen schicksalhaften Ereignissen machen kann, ist verpackt in einem meisterlichen Gefecht zwischen Masse und Macht, Befreiung und Unterdrückung, Willkür und Panik. Kathryn Bigelow hat ihr bestes Werk abgeliefert – danken darf sie ihrem Ensemble, den genauen Recherchen, die dem Drama zugrunde liegen – und natürlich ihrem Talent, Newsbreak-Schlagzeilen in aussagekräftiges Reality-Kino aus Worten, Taten und hitzigen Bildern zu verwandeln.

Detroit

Auslöschung

DAS UNIVERSUM IN DER SEIFENBLASE

9/10

 

null© 2018 Paramount Pictures / Netflix

 

LAND: USA 2018

REGIE: ALEX GARLAND

MIT NATALIE PORTMAN, OSCAR ISAAC, JENNIFER JASON LEIGH, GINA RODRIGUEZ, TESSA THOMPSON U. A.

 

Wenn der Zweck des Eroberns die Neugier des Menschen heiligt, fühlt sich Homo Sapiens verstanden und beauftragt. Kaum eine Triebkraft ist stärker als die, unbekannte Territorien entdecken zu wollen. Egal, ob fremde Dimensionen oder weiße Flecken auf der Landkarte, verborgene Zusammenhänge in der Physik oder den Geist in der Materie. Blicken wir zurück, war das Entdecken des Unbekannten fast ausschließlich aus wirtschaftlicher Sicht notwendig. Aus Gründen der Gier und neu gewonnener Macht. Alles andere bleibt der Freiheit des Individuums oblegen, durch die Welt zu reisen und Orte zu erschließen. Notwendig war das allerdings nicht. Genauso wenig wie die Erkundung des Universums. Doch würden wir uns danach richten, wären wir keine Menschen. Denn der Mensch will verstehen. Seine Neugier ist so unendlich wie der Kosmos. Gestillt muss sie werden. Und aufgewogen mit Wissen.

In Jeff VanderMeer´s erstem Band seiner Southern Reach-Trilogie wird erstmals die Neugier des Menschen dafür angewandt, die Welt zu retten. Erst dann kommt das Verstehenwollen. Wäre der Schimmer, der sich rund um einen Leuchtturm um Sumpf- und Waldland gelegt hat, nicht im Begriff, sich auszudehnen – gäbe es dann Menschen, die auch ohne Notwendigkeit hinter den in öligem Farbspektrum einer Seifenblase schimmernden Vorhang zu tauchen? Womöglich, wenn nicht bekannt wäre, dass Expeditionen, die schon vorher das Mysterium erkunden wollten, als verschollen gelten. Bis auf einen. Und der ist sterbenskrank. Kann sein, dass dieses Wunder einer Rückkehr die Neugier noch mehr anficht. Vor allem, weil der Schimmer, wie es scheint, nichts entdecken, sondern zerstören will. Die Ehefrau des Rückkehrers (erschreckend abgemagert: Natalie Portman), selbst Biologin und mit sinnmachendem Vorwissen für das bevorstehende Abenteuer ausgestattet, macht sich mit drei anderen Wissenschaftlerinnen auf den Weg, das Geheimnis zu lüften. Und dieses Geheimnis würde Denker wie Mönch Gregor Mendel bis hin zum Evolutionsbiologen Richard Dawkins schlaflose Nächte bereiten. Wobei schlaflos das geringere Übel wäre – Albträume, die die Mechanismen der Evolutionslehre dopen, wollen garantiert nicht geträumt werden. Weder von Darwin noch von Carl Sagan. Von mir schon gar nicht. Noch unwohler wird mir, wenn diesen Albträumen eine rudimentär machbare Realität zugrunde liegt. Wie die Maus und das Ohr, welches dem Tier aus dem Rücken wächst. Verantwortlich dafür sind die sogenannten Hox-Gene, die den Bauplan eines Tieres oder einer Pflanze in sich tragen, und die genau wissen, wo welcher Teil eines Körpers wie zu wachsen hat. Hox-Gene sind das Grundkonzept einer Lebensform. In diesen Genen harren Unmengen an Informationen ihrer endgültigen konstruktiven Bestimmung. Einige dieser „Befehle“, wie ich sie mal nenne, sind ausgeschalten. Andere nicht. Bringt man dieses Aus und Ein durcheinander, entstehen Monster. Missgeburten. Und bestenfalls neue, effiziente, perfekt angepasste Lebensformen. Neue Arten. Aus der Mikro- wird die Makroevolution. Über Äonen hinweg. Gene, so der Biologe Dawkins, können egoistisch sein. Sie sind die wahren Organismen, die wie Puppenspieler das Leben erschaffen und es leiten. Die Gen-Kolonie Mensch dirigieren, auf die Welt kommen und sterben lassen. Durch die Vererbungslehre kann ein Gen in seiner Information niemals verschwinden. Schon gar nicht, wenn es geklont wird. Oder selbst in einer Art mikroskopischen kambrischen Radiation auf explodierende Weise improvisiert.

Damit komme ich wieder zurück zu Auslöschung, zu diesem Faszinosum von Film über ein Universum in der Seifenblase, dessen Bedeutung ich mal nur ein ganz klein wenig versucht habe, zu erklären. Denn leicht macht es Alex Garlands überraschende Odyssee ins Unbekannte niemanden. Das hatte der Drehbuchautor und Regisseur von Ex Machina auch gar nicht vor. Die Geschichte, die er erzählt, lebt in der Tradition osteuropäischer Phantasten wie Stanislaw Lem, der mit Solaris gleich einen ganzen telepathischen Planeten als kollektiven Organismus beschreibt und den Gebrüdern Strugatzki, die mit Picknick am Wegesrand, verfilmt unter dem Titel Stalker, Menschen in eine verbotene Zone schicken, in der Naturgesetze aufgehoben und die innersten Wünsche wahr werden. So ähnlich wie Stalker lässt sich Auslöschung tatsächlich auch betrachten. Beide Menschengruppen betreten eine Zone des Fremden, in der gewohnte Paradigmen außer Kraft geraten oder neu justiert werden. Andrej Tarkowskij hat mit Stalker ein metaphysisches Meisterwerk der intellektuellen, philosophischen Science-Fiction erschaffen. Mit Auslöschung wäre der russicche Filmemacher sehr zufrieden gewesen, vielleicht sogar ein bisschen neidisch. Weil Alex Garland mit seinem außergewöhnlichen, bedächtig erzählten Entwurf, in dessen Ruhe die eigentliche Kraft liegt, etwas nicht weniger Beeindruckendes zustande gebracht hat.

Schon klar, warum Paramount Auslöschung nicht wirklich auf die breite Masse loslassen wollte. Denn Auslöschung ist nach Interstellar von Christopher Nolan und Arrival von Denis Villeneuve eine weitere Perle extraordinären Kopfkinos, die mögliche Utopien, Gedankengänge und Hypothesen in entfesseltem Schaffensdrang illustriert und anspruchsvolle Fabulierkunst für neugierige Zielgruppen zaubert. Auslöschung verstört gleichermaßen wie es betört. Und wirkt so beklemmend wie in seiner Ästhetik verwundernd. Einzutauchen in diesen scheinbar surrealen, aber in Wahrheit unglaublich plausiblen, psychedelischen Wahrnehmungstrip führt zu einem Erlebnis, das man gerne im Kino gesehen hätte – der aber auch am TV-Gerät seine Wirkung nicht verfehlt. Auslöschung mag durchaus Elemente des Horrorkinos aufweisen, Elemente des Survivalthrillers, Elemente eines stillen Psychodramas. Unterlegt mit einem außerordnetlich sphärischen, wuchtigen Sound komponiert Garland aus allen Teilen eine so grausam schöne Kinoerfahrung, die lange nachhallt, zum Denken anregt, neugierig auf die Welt und ihr Funktionieren macht und das Bewusstsein schafft, dass das Medium Film doch noch reine, fordernde Magie sein kann, ohne auf Marktforschung aufbauen zu müssen. Wie hat Stephen Hawking schon gesagt: Erinnern Sie sich daran, nach oben zu den Sternen zu blicken – und nicht nach unten auf Ihre Füße. Versuchen Sie, einen Sinn zu erkennen in dem, was Sie sind, und fragen Sie sich, was das Universum existieren lässt. Seien Sie neugierig!

Genau diesen Imperativ hat sich das Medium Kino mit Garland´s neuem Film zu Herzen genommen.

Auslöschung

RED SPARROW

DEN SPATZ IN DER HAND

5,5/10

 

redsparrow© 2018 Twentieth Century Fox

 

LAND: USA 2018

REGIE: FRANCIS LAWRENCE

MIT JENNIFER LAWRENCE, JOEL EDGERTON, MATTHIAS SCHOENAERTS, JEREMY IRONS, CHARLOTTE RAMPLING U. A.

 

Wenn ich als feierabendlicher TV-Channelsurfer an den SWR denke, dann fällt mir erstmal unweigerlich der Südwestrundfunk ein. Dass mit diesem Kürzel aber auch der russische Auslandsnachrichtendienst gemeint ist, erschließt sich mir erst nach Sichtung des neuen Films von Panem-Macher Francis Lawrence. Red Sparrow heißt sein Agententhriller, und natürlich hat Namensvetterin Jennifer womöglich schon vor Vorlage des Drehbuchs zum Film ihre Rolle als fix in ihrer Agenda gehabt. Francis hätte aber auch Charlize Theron besetzen können – die hat aber bereits für Atomic Blonde zugesagt. Mit seiner ehemaligen Darstellerin der Katniss Everdeen ist Francis Lawrence aber sowieso auf der publikumswirksameren Seite. Lawrence zählt zu den bestverdienenden Stars und hat auch weit über ihr schauspielerisches Können hinaus im weltweiten Celebrity-Pool ihre Hände mit im Spiel. Red Sparrow wird also wohl vor allem wegen Jennifer Lawrence sein Geld einspielen, keine Frage. Noch dazu, wenn bei Erwartung einer im Vorfeld angekündigten ungezügelten Nabelschau Erinnerungen an Sharon Stone wach werden. Dass zumindest zeitweilig die Zugriffe auf die unwillkommenen Nacktfotos der jungen Dame weniger werden, kann auf taktisches Kalkül zurückzuführen sein.

In Red Sparrow, nach dem Roman des Ex-CIA-Agenten Jason Matthews, der sicher mit reichlich Erfahrungen aus der Branche authentisches Gebaren hinter den Kulissen illustriert, führt der SWR also so etwas Ähnliches wie ein Bootcamp für reizorientierte Kampfmätressen, genannt die Spatzenschule, unter der Fuchtel einer steingesichtigen Charlotte Rampling, die einen seltsamen Haufen junger Russinnen und Russen zur Schamlosigkeit erzieht. In dieses zweifelhafte Etablissement wird die Ex-Ballerina Dominika Egorova von ihrem zwielichtigen Onkel Wanja – da war wohl Matthews ein Liebhaber Anton Tschechows – gekarrt. Doch wenn ich Dominika Egorova wäre, würde ich, sofern ich die Wahl hätte, absichtlich aus der Schule fliegen wollen. So elitär und effektiv, wie angekündigt, ist diese knochentrockene Erziehungseinrichtung, die irgendwie an das Internat Romy Schneiders aus Mädchen in Uniform erinnert, längst nicht. Zumindest gelingt es Francis Lawrence kaum, die angebliche Relevanz der Vorgeschichte unseres roten Spatzen zu rechtfertigen. Die sogenannten Geheimnisse der Verführung und Manipulation, die dort weit jenseits des Kamasutras beigebracht werden, scheinen auch als Online-Tutorial auf Youporn seinen Zweck erfüllen zu können. Und die Erkenntnis von Jennifer Lawrence, dass sexuelle Nötigung meist mit Machtgehabe zu tun hat – das ist jetzt nicht so die Aha-Erkenntnis, die sie wohl meint erlangt zu haben.

Hat man die zumindest in der Synchronisation im unfreiwillig komischen, russischen Dauerakzent sprechende Meisterin aller Klassen in die freie Wildbahn der Agenten und Spione entlassen, beginnt das Spiel um Information, Täuschung und Taktik überhaupt erst interessant zu werden. Da ist aber schon rund die Hälfte des Filmes um. Sei´s drum, das war bei Atomic Blonde auch so. Da hat das Genre des Agentenfilms generell das Problem, die Gesamtsituation für das Publikum in viel zu langen Erklärungen überhaupt erst erfassbar werden zu lassen. Bei Atomic Blonde und Red Sparrow zeigt das Drehbuch zur ersten Halbzeit deutliche Schwächen – leicht zu dramatisieren ist so eine Romanvorlage sicher nicht. Hut ab, wenn es zumindest halbwegs gelingt. Dann aber wird das Gefühl, schon viel zu viel Zeit in Red Sparrow investiert zu haben, deutlich schwächer. Jennifer „Dominika“ Lawrence, die trotz ihres barbusigen, aber dennoch verhaltenen Teasings wie kaum eine andere junge Filmdiva so sehr ihre Keuschheit an die vorderste Front schickt, hat in Joel Edgerton zumindest einen Filmpartner gefunden, der seine Reize zum Glück nicht vortäuschen muss. Der stets verkniffen dreinblickende, gestandene Charaktermime hat schon Charisma, während Matthias Schoenaerts wie der jüngere Bruder von Vladimir Putin Todesdrohungen wie Tombolapreise verhökert.

Man bemerkt mitleidig, dass der rote Spatz immer noch gerne Ballerina hätte sein wollen. Von Professionalität keine Spur, vielmehr fallen die scheinbar unerwarteten Umstände in der Agentin aufreizenden Schoß. Improvisation ist wohl mehr ihr Ding  – oder ist alles nur Fassade? Spätestens jetzt sollte ich damit das Interesse meiner Leser wecken, denn je näher wir zum Ende kommen, umso mehr schlägt der Thriller seine notwendigen Kaninchenhaken, um als durchaus spannender Geheimtrip – nicht Tipp – zwischen Moskau, Budapest und Wien in Erinnerung zu bleiben. Und der Wiener Michaelaplatz könnte zumindest für Fans, die sich getrost wieder JLa´s Nacktfotos widmen, eine völlig neue Bedeutung erlangen.

RED SPARROW

Good Time

OH BROTHER!

6/10

 

goodtime© 2017 temperclayfilm

 

LAND: USA 2017

REGIE: BENNY & JOSH SAFDIE

MIT ROBERT PATTINSON, BENNY SAFDIE, JENNIFER JASON LEIGH, BARKHAD ABDI U. A.

 

Elijah Wood hat ihn. Daniel Radcliffe hat ihn. Und auch Robert Pattinson muss sich damit herumschlagen: es ist der Fluch der Rollenikone. Begonnen hat das mit Karlheinz Böhm – der Schauspieler konnte nie mehr dem Korsett seiner Filmfigur Franz Joseph entsteigen. Wood ist auf alle Ewigkeit mit Frodo verbunden, und Daniel Radcliffe bemüht sich zusehends, Harry Potter abzulegen. Pattinson ist der Vampir Edward mittlerweile wirklich zuwider, obwohl er laut Interviews diese Rolle natürlich niemals hätte missen wollen. All diese Schauspieler quälen sich damit, ihr Stigmata zu verbannen und zu zeigen, dass sie mehr können als nur den popkulturellen Halbgott zu verkörpern. Das geht am besten damit, völlig konträre Rollenangebote anzunehmen. Am besten vom ganz anderen Ende – eine Rolle aus dem Fundus finsterster Charaktere. Böhm war perverser Sadist in Peeping Tom – die Folge war das sofortige Karriereende. Wood war Serienkiller – auch nicht gerade förderlich, als Publikumsliebling erneut durchzustarten. Das Gleiche bei Radcliffe. Furzende Leichen und gehörnte Teufel will kaum einer sehen. Aber was tut man nicht alles, um als integrer Schauspieler sein Leistungsspektrum zu erweitern. Wichtig dabei: so weit weg vom Fluch wie möglich.

Robert Pattinson sieht man zwar öfters auf der großen Leinwand – zuletzt in Die versunkene Stadt Z – seine Fans hat er allerdings, da er sie nicht mehr bedient, so ziemlich verloren. Die wird er mit seiner Figur des Bankräubers in Good Time auch nicht wieder zurückgewinnen. Es kann aber auch sein, dass Pattinson wirklich nur mehr jene Rollen annimmt, die er auch spielen will. Verdient hat er mit der Marketingmaschine rund um Twilight jedenfalls genug. Also nichts wie ran an die verkorksten Persönlichkeiten, die am hintersten Ende der gesellschaftlichen Nahrungskette kauern. Da wäre zum Beispiel der Bankräuber Connie, der alles in Bewegung setzt, um seinen geistig zurückgebliebenen Bruder aus dem Knast zu befreien. Von der markierten Beute ist nichts mehr übrig, also muss Connie improvisieren, nachdem er herausfindet, dass sein eigen Fleich und Blut nach einer Gefängnisschlägerei im Krankenhaus seine Wunden leckt. Von da an gerät der gehetzte Pattinson vom Hundertste ins Tausendste, und es folgt das Unerwartete auf dem Fuß.

Insofern ist der Antrieb, der hinter Good Time steckt, eine Folge völlig unkalkulierbarer Geschehnisse, die unseren Antihelden immer weiter vom eigentlichen Ziel wegbringt. Im Grunde geht alles schief, und ins Gras beißen muss, wer ungewollt zum Handkuss kommt. Dieses Scheitern eines Plans zelebrieren schon die Coen-Brüder zu Genüge, denn nichts weckt mehr Schadenfreude, als wenn Suppen gerade von jenen ausgelöffelt werden müssen, die sie eingebrockt haben. Robert Pattinson könnte einem aber fast leidtun, so sehr fällt er ins scheinbar Bodenlose, in einen Morast voller Problemchen, die zwar einzeln und im Moment zu lösen wären, das ganz große Problem aber nicht mal im Ansatz berühren. Das führt sogar zu einem Showdown in einer Geisterbahn mitten in der Nacht.

Die Gebrüder Safdie, die ich bislang nicht auf dem Radar hatte und die sich vor allem als Independentfilmer einen Namen machten, haben dennoch eine seltsam befremdliche Krimiposse zusammenfabuliert, die mal in rosarotem, mal in blauem Neonlicht ersäuft und mit penetranten Synthie-Klängen so sehr nervt, dass man am liebsten in den Mute-Modus gehen würde. Und dann diese Dissonanz im Erzählstil. Eingangs sehen wir den gehandicapten Bruder minutenlang im Close Up während einer Therapie. Langsam, fast statisch, spurt der Film dann auf eine komplett andere Gangart, die nach gehetzten Intervallen wieder in Passivität verharrt. Bei manchen Szenen ist deren sinnhafter Beitrag zur Story fast schon dringend zu hinterfragen. Mag sein, dass Good Time fast schon ein gehobenerer Underground-Film zu sein scheint – sofern es sowas überhaupt gibt. Zumindest wäre der kleine, finstere Psychokrimi ein Stoff, aus dem Nicolas Winding Refn Ähnliches gemacht hätte. Sound und Bilder erinnern zumindest schon mal an seine gewalttätige 80er-Hommage Drive.

Unterm Strich kann man sich in Good Time von Robert Pattinson’s schauspielerischen Qualitäten durchaus überzeugen. Dass er´s draufhat, war mir ohnehin schon klar. Doch der schlaksige Brite war noch nie so ungestüm, so wetternd, so aus dem Bauchgefühl heraus agierend. Hier wiederum haben die Safdies aufs richtige Pferd gesetzt – und das Beste aus dem Ex-Vampir herausgeholt. Der Film selbst hat schon seine Momente, aber eine innere, unbefriedigte Unruhe bleibt nach dessen Sichtung dennoch zurück – so, als hätte man selbst noch etwas zu erledigen, weiß aber bei Gott nicht wie.

Good Time

Stille Reserven

SCHLAFEN, WENN MAN TOT IST

5/10

 

stillereserven© 2016 Filmladen

 

LAND: ÖSTERREICH, DEUTSCHLAND, SCHWEIZ 2016

REGIE: VALENTIN HITZ

MIT CLEMENS SCHICK, LENA LAUZEMIS, MARION MITTERHAMMER, SIMON SCHWARZ U. A.

 

Welche Phrase verwenden Workaholics gerne, um ihren Duracell-Zustand zu rechtfertigen? „Schlafen kann ich, wenn ich tot bin“. Nun, in einer unbestimmten, nicht weit entfernten Zukunft, im Herzen der Europäischen Union, genauer gesagt in einem geradezu postapokalyptisch entseelten Wien, ist genau das zur optimierten Nutzung vorhandener Ressourcen gang und gäbe geworden. Nicht nur Altpapier, nicht nur Plastikflaschen und Biomüll – nein, in dieser nicht wirklich lebenswerten Zukunft werden auch tote Menschen nicht für tot gehalten, sondern vegetativ am Leben. Ähnlich wie in Matrix dämmert ein künstlich am Leben erhaltener Homo sapiens vor sich hin, um nach und nach ausgeschlachtet zu werden. Denn Ressourcen – die werden in den kommenden Tagen nicht verschwendet. Gut, man kann Nachhaltigkeit auch übertreiben. In Valentin Hitz abgasegrauer Dystopie ist genau das passiert. Jener Teil der Bevölkerung, der verschuldet das Zeitliche segnet, darf auch postmortem seine Schuldigkeit abbezahlen. Das ist fast so wie mit dem Teufel und seiner Seele. Wiener Sagen haben also zukünftig wieder Hochkonjunktur und sind sogar Teil des Regierungsprogramms – wenn der Teufel im Parlament sitzt. Das tut er. Und das nutzen auch Konzerne, die keilen was geht, um Todesversicherungen abzuschließen. Somit ist nicht mal mehr der Tod umsonst, denn selbst der kostet eigentlich das Leben. Versichern beruhigt also ungemein – sofern man das Geld dafür hat.

Valentin Hitz bedient sich mit Spaten und Schaufeln den Ideen George Orwells, den Zivilisationsalbträumen eines Terry Gilliam und den Film Noir-Elementen aus Blade Runner. Stille Reserven macht das versuchte Zitieren und Imitieren riesigen Spaß – nur ist fast mitleidig zu bemerken, dass der Film vergeblich so gerne so sein will wie die, die er zitiert, es aber zumeist nicht hinbekommt. Stille Reserven wirkt wie das Abschlussprojekt eines Filmschülers. Wäre dem tatsächlich so, gebürt Valentin Hitz großes Lob. Grün hinter den Ohren und so ein Film zum Einstand – da würde ich nicht meckern wollen. Nur dürfte es sich so leider nicht verhalten. Die Koproduktion aus Österreich, Deutschland und der Schweiz hat zwar von überall her seine Finanzierungen erhalten – viel Zuschuss dürfte es nicht gewesen sein. Wobei Kameramann Martin Gschlacht hier versucht, Bilder einzufangen, die von hypnotisch-ohnmächtiger Kälte unbeheizter Bauwerke dominiert werden. Mittendrin Schauspieler, die sich wie Androiden verhalten. Womöglich sind sie das auch, zur Sprache kommt aber die Roboterthematik so gut wie gar nicht. Was aber ein verführerisch fuchsiger Gedanke wäre. Denn die Idee hinter Stille Reserven hätte das Zeug dazu gehabt, was weltbewegend Großes entstehen zu lassen. Natürlich längst nicht so etwas wie Blade Runner, aber zumindest etwas Visionäres. Etwas, das bewegt, und vielleicht sogar ein bisschen verstört.

Beides tut Stille Reserven nicht. Zugegeben, das Szenario des ungewohnten Todes, das Vorenthalten der Erlösung – das lädt schon zum Nachdenken ein, und hinterlässt auch das eine oder andere beklemmende Gefühl. Glücklich wird man bei Hitz Versuch eines futuristischen Versicherungskrimis jedenfalls nicht. Erstens weil die Welt, die er zeigt, nicht mal mehr sterbenswert zu sein scheint. Und zweitens, weil der Film seinen Höhepunkt verwirkt. Oder sagen wir, völlig fehlinszeniert im Keim erstickt. Gefühlte Dramatik hat in Stille Reserven nichts verloren. Die Protagonisten stolpern in sperrig-steifer Manier, in regennassen Mänteln und sinnierend rauchend durch eine Sin City der Todessehnsucht, auf die Größenordnung einer Wienerstadt schmalgespurt und die Skyline des Laaerberges in ein Wolkenkratzer-Stakkato verwandelt. Was bleibt, ist eine Beschattungs- und Informantenhatz zwischen Graffiti-Slum, Brazil und Soderbergh´s The Good German. Gehöriges Potenzial, das Hitz Film gehabt hätte. Doch leider zu eintönig, langatmig und unfreiwillig statisch. Wobei der Cameo von Dagmar Koller zwar irritiert, aber in all der Trostlosigkeit für Schmunzeln sorgt.

Stille Reserven