Mogli: Legende des Dschungels

DIE FRATZE DER WILDNIS

7/10

 

mogli© 2018 Netflix

 

LAND: USA 2018

REGIE: ANDY SERKIS

CAST: ROHAN CHAND, CHRISTIAN BALE, BENEDICT CUMBERBATCH, CATE BLANCHETT, ANDY SERKIS, NAOMI HARRIS, FREIDA PINTO U. A.

 

„Probier´s mal mit Gemütlichkeit,…“ brummt der freundliche Balu vor sich hin, und jeder, der diese Zeilen liest, wird womöglich an einen altbekannten Ohrwurm erinnert. So gemütlich wie in Disney´s Meisterwerk aus dem Jahre 1967 geht es in Jon Favreau´s Realverfilmung von vor zwei Jahren schon nicht mehr zu. Der unbekümmert abgehobene Musical-Touch von damals ist ganz gewichen, die Tiere des Dschungels sind teilweise mithilfe der Motion Capture-Technik generiert, was aber nicht übermäßig strapaziert wird, um die Wildnis nicht allzu künstlich wirken zu lassen. Inmitten all der Wölfe, Bären und Elefanten: ein Live-Act-Jungschauspieler, der den Bezug zur Natürlichkeit aufrechterhält. The Jungle Book war aus meiner Sicht ein gelungenes Remake, erdiger, düsterer und abenteuerlicher. Und famos in seiner Echtheit der Tierdarstellung. Zwei Jahre später, nach der Planet der Affen-Trilogie, hält auch Motion Capturing-As Andy Serkis die Füße nicht still, wenn es darum geht, Rudyard Kipling´s Legende des Dschungels mal selbst zu interpretieren. Und dabei alles anders machen zu wollen. Oder nur das Drumherum. Vor allem die Beschaffenheit der Tiere. In Mogli: Legende des Dschungels, wie sich die aktuelle Netflix-Produktion nennt, lassen die Macher Favreau´s Animations-Kunststück aussehen wie eine niedliche Urwald-Exkursion und legen in Sachen Düsternis, Blut und Erde nochmal gehörig eines drauf.

Der Wald, der ist zwar immer noch verspielt, bunt erblüht und wie aus dem Studio-Ei gepellt. Balu, Baghira und Co hingegen nicht mehr. Andy Serkis´ Stilwahl der animalischen Charaktere sorgt Anfangs für Irritation. Die Anmut gezeichneter Kreaturen ist einer Freakshow gewichen, in der hinkende, vernarbte und alptraumhaft hässliche Lebewesen wie nach einer nicht näher genannten zellenverändernden Katastrophe um ein entbehrliches Überleben kämpfen und keine Gefangenen machen. Spätestens nach den ersten zehn Minuten wäre es ratsam, dem mitverfolgenden Nachwuchs alles weitere zu ersparen: Mogli ist für Kinder womöglich verstörend, also kein Familienfilm, obwohl er dies gerne sein will, zumindest in den Landschaftsszenen. So schön der Flug über die Wipfel des Dschungels auch sein mag – darunter herrscht natürliche Auslese, balancierend an den Rändern eines finsteren Abgrundes. Balu ist das groteske Abbild eines Horror-Bären mit debil wirkender Hängelippe, die Wölfe wirken seltsam verzerrt, ebenso wie die Affen und ganz besonders die ekelhafte Hyäne. Baghira´s Kopf sieht manchmal aus wie die eines Menschen – Black Panther lässt grüßen, nur das Fell schillert auch des Nächtens. Der sogenannte Uncanny Valley-Effekt, der eigentlich bei computergenerierten, naturalistischen Darstellungen von Menschen eintritt, lässt hier auch Vierbeiner gespenstisch wirken. Wohl würde ich mich als Mogli unter all diesen Monstern wirklich nicht fühlen. Die Flucht zu den Menschen wäre dann nur eine Frage der Zeit.

Und tatsächlich – irgendwann wird der indische Kaspar Hauser mit seinesgleichen in Berührung kommen. Und mit einem ambivalenten Jäger, der dem Maneater Shir Khan das Fell über die Ohren ziehen will. Der irre dreinblickende Antagonist aus der Spezies der Raubkatzen reißt dann bald die Herrschaft über den Dschungel an sich und tötet die Nutztiere der Menschen, die als sichtbar verwesende Kadaver zwischen dem satten Blattgrün blutrot schimmern. Doch obwohl all der Atem der Wildnis irgendwie Fäulnisgeruch verströmt, ist Serkis gewagte Interpretation mit Mut zur Hässlichkeit ein Abenteuerfilm, der eigentlich hauptsächlich aufgrund seines menschlichen Hauptdarstellers fasziniert. Der 14jährige indischstämmige Rohan Chand ist der bislang beste Interpret des Mogli-Charakters – sein Spiel ist von einnehmender Intensität. Die besten Momente sind die, als der Junge von den Menschen eingefangen wird und dieser langsam in die Zivilisation zurückfindet. Der quälende Zweifel ob seiner Zugehörigkeit zu den Tieren oder zu den Menschen ist in seiner Mimik stets präsent. Mogli ist hier ein unglücklicher Charakter, ein Getriebener und Heimatloser. Genauso ein Freak wie alle anderen, nur verstoßener, unangepasster, kein Kind der selektiven Radiation. Rohan Chand lässt die Trick-Komponente des Filmes in den Hintergrund rücken, rettet Mogli vor der Ablehnung durch den Zuschauer und bindet ihn sogar noch emotional an das Schicksal seiner Figur. Dieses kann sich nur durch Gewalt zum Guten wenden. Denn dort, wo der gehetzte Junge herkommt, gilt entweder Leben oder Sterben. Das ist hart, finster und organisch, wie Campen im Dschungel bei Monsun.

Serkis geht es nicht um die Schönheit und das Liebliche. Das Rendezvous mit Tier und Mensch ist hier frei von verklärender Romantik, aber immer noch so viel Legende, damit Tiere sprechen können. Anmutig bleibt einzig das menschliche Wesen, das Gesetz der Evolution ist derweil erbarmungslos auf den eigenen Vorteil bedacht. Das ist zwar wahr, aber nicht unbedingt gefällig. Unter dieser Prämisse ist Mogli: Legende des Dschungels eine zwar verstörende und anders geartete, aber trotz allem nicht weniger sehenswerte Version eines Klassikers, der besungene Gemütlichkeit diesmal mit Pfoten, Klauen und Krallen aus dem Dschungel tritt.

Mogli: Legende des Dschungels

Mile 22

DER FEIND MEINES FEINDES

4/10

 

mile22© 2018 Universum

 

LAND: USA 2018

REGIE: PETER BERG

CAST: MARK WAHLBERG, IKO UWAIS, LAUREN COHAN, RONDA ROUSEY, JOHN MALKOVICH U. A.

 

Der Feind meines Feindes – der ist doch bekanntlich mein Freund, oder nicht? Muss nicht sein, schon gar nicht wenn keiner dem anderen trauen kann. Aber was tun, wenn dieser Freundesfeind alles hat was du brauchst. Nämlich den Zugangscode für eine Festplatte, die brisante Details über illegal gelagertes Cäsium bewahrt und diese Info so lange nicht rausrücken will, bis besagter Überläufer in wohligem Gewahrsam der USA weilt. Das Problem bei der Sache – wir befinden uns in Mile 22 in einem Konsulat inmitten einer fiktiven südostasiatischen Stadt namens Indocarr – bitte keine Vergleiche mit realen Ballungsräumen ziehen, wobei sich Jakarta oder Kuala Lumpur als Vorbilder geradezu aufdrängen. Dieses Indocarr ist politisch betrachtet ziemlich korrupt und hinterfotzig, und diese Hinterfotzigkeit ruft natürlich paramilitärische Gruppen auf den Plan, wie jene, die von Choleriker Mark Wahlberg angeführt wird. Der Lieblingsschauspieler von Peter Berg, welcher hier auch wieder Regie führt, kennt sich ja schon seit The Departed mit Ungustln aus, und auch die Rolle des soziophoben Querkopfs, der auf dem Papier zu den „Guten“ gehört, fällt ihm sichtlich leicht. Der, mit dem er es aber zu tun bekommt, entlockt zumindest bei hartgesottenen Fans des asiatischen Actionkinos ein Jauchzen des Wiedererkennens: Bereits schon legendär als Polizist Rama in den beiden blutigen Actionslashern The Raid und The Raid 2, darf Choreograph Iko Uwais zumindest mal anfangs so tun, als brauche er ganz dringend politisches Asyl. Auf ihn aber haben es alle Bluthunde der Welt scheinbar abgesehen, darunter auch die Russen. Außer Landes bekommt man den ausgebildeten Selbstverteidiger aber nur mit dem Flieger – und dieser liegt besagte 22 Meilen vom Konsulat entfernt.

Der Survival-Trip durch den Großstadtsdschungel ist also Kernstück dieses filmischen Kugelhagels, in dem Menschen sterben wie die Fliegen. Dabei scheint es aber aus meiner Sicht mit der Grundidee für Action wie diese gehörig zu hapern. Wir haben die Botschaft der Vereinigten Staaten auf der einen Seite, und den Flugplatz mit einem Flugzeug, das maximal zehn Minuten auf dem Boden bleiben kann, auf der anderen – das Zeitfenster ist also eng. Dass es wirklich keine andere Möglichkeit gibt als nur mit dem Auto von A nach B zu kommen, kann mir keiner weismachen. Dieses wie so oft betonte Sonderkommando, dessen Profis angeblich wie Geister fungieren, lässt das Parapsychologische aber ziemlich außen vor. Bei so viel Getöse, mit dem diese Superkämpfer, mehr Pfuscher als Professionisten, hier aufmarschieren, weiß die ganze Hemisphäre, dass hier heisse Fracht unterwegs ist. Ein Helikopter wäre ein Stichwort, dass man ins Brainstorming hätte werfen können. Innerhalb von wenigen Minuten wäre der Most Wanted Man in Sicherheit. Taktisch klug wäre auch die Alternative, falsche Fährten zu legen. Und warum wartet Oberboss Malkovich (ähnlich blass, nichtssagend und verheizt wie Gary Oldman in Hunter Killer) ewig auf die Freigabe für den Einsatz der Drohne, die das ganze Unterfangen wie Big Brother aus der Luft beobachtet und jederzeit eingreifen könnte? Der Plot stimmt also hinten und vorne nicht. Möglich aber, sich damit anzufreunden – aber auch dann bleibt ausser viel Getöse nicht viel übrig.

Gut vorstellbar, dass sich Peter Berg mit Raid-Macher Gareth Evans auf einen Kaffee getroffen hat. Der hat ihm dann Iko Uwais empfohlen, damit dieser einen Film produzieren kann, der ungefähr so aussieht wie seine eigene martialische Hochhaus-Invasion aus dem Jahr 2011. Und das tut Mile 22 dann auch. Nämlich ganz so danach auszusehen. Mit der Eleganz eines Ego-Shooters massakriert sich das kugelsichere Häufchen Elend durch eine niemals enden wollende Horde fieser Handlanger, die endlos Munition verballern. Mit dabei eine fahrige Kamera, die von der durchdachten Choreographie des Tötens nicht viel mehr übrig lässt als hektisches Bildwedeln. Dazwischen ein Mark Wahlberg im Verhör, der sich unendlich weise vorkommt, eigentlich aber nur Phasen drischt, die von arrogantem Alpha-Gehabe dominiert wird. Mile 22 ist mehr eine Trittbrett-Hommage an das moderne Asia-Action-Kino als eigenständiges Spannungsvehikel. Was Peter Berg mit Boston so souverän getimt hat, verliert sich hier in zeitvergeudender Hudelei. Selber schuld, wenn all die starken Krieger und Kriegerinnen letztendlich zu spät kommen.

Mile 22

Dogman

DAS UNRECHT DES STÄRKEREN

7,5/10

 

dogman© 2018 Alamode Film

 

LAND: ITALIEN, FRANKREICH 2018

REGIE: MATTEO GARRONE

CAST: MARCELLO FONTE, EDOARDO PESCE, NUNZIA SCHIANO, ADAMO DIONISI U. A.

 

Es gibt wenig Vergleichbares wie die Rolle des Hundes, wenn es darum geht, eine Metapher zu finden für die guten und schlechten Eigenschaften des Menschen. Für die Mechanismen der Gesellschaft und den Urinstinkten hinter vermeintlich sozialer Kompetenz. Der Hund, der ist nicht nur im Abenteuer- und Familienformat eines Lassie oder Beethoven zu finden – er ist in letzter Zeit angesichts der globalen politischen Entwicklung nun auch vermehrt als unmissverständliches politisches Gleichnis zu entdecken, in Filmen wie Isle of Dogs von Wes Anderson, wo es um den Umgang mit Minderheiten geht. In Filmen wie dem ungarischen Underdog, der vom Widerstand der Unterdrückten handelt. Oder eben in Filmen wie Alpha, der zwar nicht sinnbildlich gesehen werden kann, dafür aber die Wurzel des Zusammenlebens zwischen Menschen und Hund in ein pittoreskes Abenteuer verpackt. Der italienische Regisseur Matteo Garrone, der sich intensiv mit den gesellschaftlichen und historischen Strukturen seines Landes beschäftigt und unter anderem mit der phantastischen Anthologie Das Märchen der Märchen barocke Legenden zum Leben erweckt hat, nutzt auch für seinen jüngsten, für die Golden Palme nominierten Film Dogman die Allegorien rund um den Hund.

Kurz nachdem der Film zum ersten Mal aufblendet, kläfft dem Publikum bereits die Aggression entgegen – die Großaufnahme eines wildgewordenen Köters, der sich dem Hundefriseur Marcello unterwerfen muss, um gewaschen und geföhnt zu werden. Marcello bekommt das hin, er kann gut mit Hunden, mit dem gezähmten Wilden, solange es keine Menschen sind. Mitunter hält er die Vierbeiner in engen Drahtkäfigen, was nicht wirklich hundefreundlich ist, doch verwahrlosen und hungern lässt er sie nie. Dennoch – hier lässt sich bereits erkennen, dass Marcello manchmal gerne so wäre wie Simoncino, ein Schläger und Krimineller, ein Soziopath und selbsternannter Tyrann eines heruntergekommenen Viertels irgendwo an der Küste Italiens, das so wirkt wie der Anti-Vergnügungspark des Inkognito-Künstlers Banksy, ein zwielichtiger Randbezirk wie in Jacques Audiard´s Dheepan, wo der Arm des Gesetztes zu kurz geworden scheint und die Starken ihre eigenen Gesetze den Schwächeren aufoktroyieren. Was bleibt dem geschiedenen Vater einer Tochter also anderes über, als sich mit dem Stärksten und Mächtigsten zu arrangieren, das in dieser Gegend herrscht und gebietet. Wenn der Ex-Boxer Simoncino ruft, muss Marcello parieren. Wie ein Hund an der Leine, aus Angst, Gewalt zu erleiden. Das Recht des Stärkeren ist unangreifbar, und eine andere Lösung als dem Gewalttäter klein beizugeben sieht Marcello nicht. Zuckerbrot für die Peitsche in Form von Drogen sollen die Bedrohung mildern, die tagtäglich vor den Jalousien des kleinen Hundeladens auf und ab schleicht. Bis irgendwann der tumbe, menschenverachtende Riese zu viel des Guten will – und der Hundemann dafür büßen muss, wie ein Sündenbock ohne Hörner, der nirgendwo dagegen laufen kann, wiederum aus Angst, alles zu verlieren.

Erst vor Kurzem gab es auf derstandard.at eine Umfrage, welche Filme denn gut, aber zu deprimierend seien, um sie ein zweites Mal anzusehen. Zu diesen Filmen würde ich von nun an auch Dogman zählen. Selten hat eine Parabel wie diese die Gesetze von Gewalt und Macht so behutsam obduziert, zuletzt vielleicht Dustin Hofmann in der Rolle des völlig aus der Bahn geworfenen und zu drastischen Mitteln greifenden Normalbürgers in Sam Peckinpah´s Wer Gewalt sät. Tatsächlich lässt sich dieser mit Dogman ganz gut vergleichen. Beiden wohnt eine ohnmächtige Hilflosigkeit inne, die sie auf der Stelle treten lässt, sofern die letzte Instanz der Gewalt nicht in Anspruch genommen wird. Der Hundefrisör hat irgendwann keine andere Wahl mehr – seine Zwangslage lässt ihn zu etwas werden, was ihn alsbald nicht mehr viel von der Bedrohung, die wie ein Damoklesschwert über seinem Schicksal hängt, unterscheidet. Letztendlich ist es ein biblisches Bild, das sich auftut – eine Art David gegen einen Goliath, den alle hassen und fürchten. Der Schwache misst sich mit dem Starken, will ihn bezwingen. Dieses Umstoßen einer Machthierarchie führt Matteo Garrone zu einer verstörenden Wahl der Waffen in drastischen Bildern aus Qual, Panik und Schmerz. Kaum zu glauben, wie sich aus der bühnenhaften Sozialstudie voller Underdogs und dem sehnsüchtig verträumten Kolorit eines italienischen Neorealismus die erschütternde Chronik einer Befreiung windet. Zwar unbeholfener und mit mehr Ehrfurcht vor dem eigenen Tun und Handeln, aber nicht weniger radikal wie die Tat eines Travis Bickle. Was bleibt, ist ein David ohne Königreich, das Aufatmen in einer neuen, im Dämmerzustand verharrenden Welt. Angstfrei zwar, aber von allen verlassen.

Dogman

Predator – Upgrade

HEIMKEHR DES JÄGERS

6/10

 

predatorupgrade© 2018 Twentieth Century Fox

 

ORIGINALTITEL: THE PREDATOR

LAND: USA 2018

REGIE: SHANE BLACK

CAST: BOYD HOLBROOK, JACOB TREMBLAY, TREVANTE RHODES, OLIVIA MUNN, THOMAS JANE U. A.

 

Es gibt Ikonen der Popkultur, die hatten in den 80er Jahren das Glück, ihren Einstand zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu feiern. Auf blankem Parkett, nahezu frei von störenden Mitbewerbern. Es war die Zeit eines unberechenbaren Pioniergeistes, in welcher sich aus frei von der Leber weg zusammengeschusterten Ideen Figuren und Welten zu Selbstläufern entwickelt hatten, zu Granaten an den Kinokassen, die Fortsetzungen nach sich zogen, die aber gar nicht notwendig gewesen wären, denn der Kult war geboren. Das war so mit Star Wars, mit Terminator, mit Predator. Es war eine Zeit, da waren wir, die wir jetzt aufgewärmt wirkenden Reboots mehr als skeptisch gegenüberstehen, drauf und dran, unser Kinderzimmer in ein Jugendzimmer umzuevaluieren. Da durften wir Filme sehen, deren FSK-Gebot unser viel zu geringes Alter schändlich ignorierte. Kollateralschäden waren da entweder vorprogrammiert oder ließen unseren Adrenalinspiegel nachhaltig steigen. Das Videothekenzeitalter war da eine allzu verlockende Büchse der Pandora, und als uns erstmals der Todesstern um die Ohren flog, Arnold Schwarzenegger in stoischer Androiden-Mimik Menschen mordete und das unsichtbare Etwas im Dschungel Mittelamerikas zur ständigen Bedrohung wurde, blieben uns die Münder offen stehen. Das erste Mal ist zumindest in der Welt des Kinos ein unvergessenes, einschneidendes Erlebnis.

Ein Sakrileg, wenn so ein Kult angetastet wird. Viel anders als das Original darf das Weiterspinnen eines One-Hit-Wonders aus der eigenen Kindheit eigentlich nicht sein. Ein Grund, warum die nagelneuen Star Wars-Filme das Publikum so spaltet. Und warum der nagelneue Predator bei manchen sauer aufstößt. Dabei hat Shane Black, seines Zeichens Teil der Originalbesetzung aus 1987, bei seiner Hommage an den Erstling durchaus daran gedacht, Sodbrennen zu verursachen, wie nach einem ungesunden, aber leckeren Essen. In diesem Sinne: Predator – Upgrade ist filmisches Junk-Food. Aber eines, das schmeckt.

Diese Figur des extraterrestrischen Hobby-Jägers, die war schon in den mittlerweile verklärten 80ern die wohl stattlichste Gallionsfigur einer Art phantastischen Trashs, dagegen wirkt der Xenomorph aus Alien ja geradezu belesen, und der T1000 wie ein autistisches Mathematikgenie. Die derbe, hemdsärmelige Gestalt des Yautja, wie die Alien-Rasse tatsächlich genannt wird, ist wie ein Redneck des Universums, ein protziger Hinterwäldler, der in galaktischen Hornbachs die Geräteregale leerräumt. Der als Handwerker und Praktiker wohl die flächendeckendste Erfahrung hat, wenn es heißt, selbst anzupacken und sich die klauenbewährten Pratzen schmutzig zu machen. Der Predator, der macht keine Umwege, der fällt mit der Tür ins Haus, auch wenn ihn kleine High-Tech-Kugeln manchmal verblassen lassen. So sind auch die Filme, die rund um dieses Wesen gemacht wurden und noch werden (sofern das Einspielergebnis stimmt), allesamt keine nennenswerten Preisanwärter bei Filmfestspielen. Sie sind so tiefsinnig und geschmackvoll wie ein Oktoberfest zu später Stunde, wo Bier in rauen Mengen fließt und das leicht verkohlte Grillhuhn zumindest mehr Röstaromen freilegt. Ist der Zuseher dazu auch noch ein Geek, der mit all diesen Berserkern aus dem Kino großgeworden ist, dann könnte er Predator – Upgrade im Bewusstsein seiner Preisklasse uneingeschränkt genießen.

Wir sehen im dritten Sequel der Predator-Reihe, die mit einem klassisch-aufdringlichen, wenn auch nervigen 80er-Jahre-Score unterlegt ist, den flugfähigen Untersatz des Alien von außen und innen, erfahren mehr von den Beweggründen des ständigen Nomadentums einzelner Individuen und können endlich mal ungeniert eingestehen, dass dieser ganze Thrill rund um diese bilaterale Jagdgesellschaft eigentlich gar nicht so ernstgenommen werden muss. Da hat Shane Black, der sich bereits schon mit Iron Man 3 im Marvel-Universum austoben konnte, seinen ganz eigenen Creature-Sampler zusammengemixt. Angesichts des Ergebnisses könnte Robert Rodriguez vielleicht sogar auf die Idee kommen, selbst mal seinen Senf zur Schlachtplatte dazuzugeben, die Predator – Upgrade in stilsicherer Kunstblutsuppe als neuen ersten Gang hier serviert. Szenenweise könnte das fetzige Halali mit seinen dezenten Gore-Anleihen durchaus ein Machwerk fürs Grindhouse-Kino sein, auch wenn zum Doppelpack ein zweiter Film fehlt. Derbe Zoten wechseln mit kerniger Videotheken-Action im unendlich projektilversorgten Gaudium eines Einsatzes Marke Expendables. Kann durchaus sein, dass Black auch mit Sylvester Stallones Kartonagen-Club (© Rita Falk) geliebäugelt hat. In diesem Fall allerdings rauft sich eine psychisch labile Gruppe ausrangierter Söldner zusammen, allesamt reif für die Therapie. Das Ensemble aber funktioniert gut, Predator – Upgrade findet mit seinen B-Movie- und Serien-Visagen, die launige Spielfreude an den Tag legen, relativ unverbrauchtes Kanonenfutter für den schuppigen Muskelprotz, mittendrin Jungstar Jacob Tremblay als autistisches Bindeglied zwischen Freund und Feind. Diese komödiantische Screwball-Attitüde und das Stakkato einer völlig chaotischen Hasenjagd gibt dem lässigen Actionfilm die nötige Spannkraft, um nicht, wie so manches Filmopfer, dramaturgisch gevierteilt zu werden. Das geht natürlich auf Kosten so mancher Logik, die in abgrundtiefen Plot Holes verschwindet. Den Anspruch auf Plausibilität hat das Predator-Universum aber längst nicht mehr, diese Welt funktioniert anders, und hätten die Autoren am Skript so weit herumgedoktert, um der Physik des tatsächlich Machbaren Platz einzuräumen, hätten sie die Zugkraft des Films gelockert. Dann lieber mehrere blutende Wunden leidlich erstversorgt, als gar nicht erst in die Schlacht gezogen.

Insofern ist Predator – Upgrade natürlich längst nicht perfekt, aber ein rundes Stück Pulp-Science-Fiction ohne viel Reue und mit augenzwinkerndem Schulterzucken, dass dem martialischen Dreadlock-Berserker aber gibt, was er verdient, und ihn als Trash-Ikone letztendlich upgradet.

Predator – Upgrade

BlacKkKlansman

DER KUCKUCK IM KU-KLUX-KLAN

5/10

 

BlacKkKlansman© 2018 Universal Pictures International Germany GmbH

 

LAND: USA 2018

REGIE: SPIKE LEE

CAST: JOHN DAVID WASHINGTON, ADAM DRIVER, LAURA HARRIER, TOPHER GRACE, JASPER PÄÄKKÖNEN, ALEC BALDWIN U. A.

 

Als Ron Stallworth im Polizeikommissariat Colorado Springs, Abteilung Undercover-Ermittlungen, nach einem Blick in die Tageszeitung zum Hörer greift und auf eine plötzliche Eingebung hin die Nummer des Ku-Klux-Klans wählt, unterliegen nicht nur die Kinnladen der Filmkollegen der Schwerkraft. Dieser Ron Stallworth, der ist nämlich ein Afroamerikaner. Einer der wenigen, die zu dieser Zeit überhaupt in staatliche Dienste gestellt werden, noch dazu sichtbar für das latent rassistisch geprägte amerikanische Volk der Weißen, die damit wenig anfangen können und wo verdeckte Ermittlungen grandios funktionieren, weil einfach niemand damit rechnet, das Schwarze im Umfeld potenzieller Gefahrenquellen herumschnüffeln könnten. Diese einmalige Gelegenheit, die lässt Ron Stallworth nicht verstreichen. Und landet schon alleine mit seinem unverschämten Anruf beim lokalen Gruppenleiter der Kapuzen-Rassisten eine schallende Ohrfeige auf den Wangen Reinheitsgebot predigender Herrenkrieger.

Mit diesem Stoff hat sich Kultregisseur Spike Lee etwas ganz Brisantes ausgesucht. Diese True Story, die sich in den 70ern ereignet hat und auf den Erinnerungen des echten Stallworth beruht, ist kaum zu glauben und schreit danach, vor allem in Zeiten wie diesen verfilmt zu werden: Ein Schwarzer infiltriert und unterwandert das superrechte Lager und gibt ale eine Art „Till Eulenspiegel“ mit Afro den kleinkarierten Unfug der Möchtegern-Arier der Lächerlichkeit preis. Dieses Kunststück der Entlarvung wäre wohl nicht gelungen, hätte Ron Stallworth nicht Kollegen an seiner Seite gehabt, die bei diesem präventiven Schildbürgerstreich mitgespielt hätten. Dank des Juden Flip Zimmerman erschaffen die Undercover-Experten eine fiktive Figur echten Namens, die sowohl vor als auch hinter dem Telefon funktioniert und selbst den nationalistischen Abgeordneten und Oberguru David Duke aufs schneeweiße Glatteis führt.

Wie sehr doch Spike Lee die Möglichkeiten dazu gehabt hätte, den rechtsradikalen Ku-Klux-Klan mithilfe des aufblätternden Witz eines Charlie Chaplin als haltloses Ad-Absurdum-Vehikel darzustellen. Doch die Wut und die Furcht des Filmemachers konnten einfach nicht dulden, der erlebenswerten Realsatire ganz allein das Feld zu überlassen. Spike Lee wollte ein politisches Statement verkünden, dass er aber als Understatement ohnehin schon gehabt hätte. Lee macht es letzten Endes wie Michael Moore – er wird populistisch, und stiehlt durch seinen Populismus seiner intelligenten Chronik der Ereignisse voller Länge die Show. Hätte es die Realszenen am Ende des Filmes zu den Ereignissen des August 2017 wirklich gebraucht? Oder Harry Belafonte´s (welche Überraschung, ihn nochmals auf der Leinwand zu sehen) Chronik der Hinrichtung eines geistig behinderten Schwarzen? Meiner Meinung nach nicht. Meiner Meinung nach fühlt es sich so an, als hätte Spike Lee auf den Zündstoff seiner subversiven Beinstellerei letzten Endes nicht mehr vertraut. Und so soll im Nachhinein die Angst vor Trump und den gewalttätigen Rechten jene Wirkung erzielen, die eigentlich Stallworth als Wolf im Schafspelz hätte erzielen sollen. Dieser Semidokumentarismus, der wäre in Filmen wie Detroit von Kathryn Bigelow besser positioniert gewesen. Aber nicht in einem Film wie BlackkKlansman, der ohnehin ein gebildetes, linksorientiertes Publikum zu erwarten hat, das längst weiß, wie sehr das rechte Nationalbewusstsein derzeit neu erstarkt. BlackkKlansman hätte mit all seiner souveränen Hinterfotzigkeit das Problem von einer ganz anderen, überraschenden Seite anpacken können – nämlich aus der Mitte heraus, wie ins Auge des Sturms teleportiert, und nicht frontal und für alle sichtbar von außen.

BlacKkKlansman ereignet sich vor dem Hintergrund der Black Power-Bewegung. Doch von Power ist der Film weiter entfernt als gedacht. Lee erzählt die irren Ereignisse in einem scheinbar contraindizierten Chill-Modus. Das entschleunigte Tempo bewahrt zwar einen lässigen Überblick, findet aber im Gegensatz zu den anklingenden Soulklassikern kaum einen eigenen Rhythmus. Dieser folglich unentschlossenen Ambition für den Film und des streckenweise verhobenen Timings fallen auch Hauptdarsteller John David Washington und Adam Driver zum Opfer, die natürlich als Undercover-Profis alles andere als wütend, dafür aber von einer gewissen entrückten Gelassenheit beseelt sind, die dem Film noch dazu einiges von seiner eigentlich elektrisierenden Wirkung nimmt. Im Gegensatz dazu gebärden sich die radikalen Sektierer des Ku-Klux-Klans in beängstigendem Fanatismus, allen voran Vikings-Darsteller Jasper Pääkkönen. Vielleicht sollen sogar die unterschiedlichen Verhaltensmuster die Kluft zwischen Absurdität und Verstand stark konstrastieren – die motivierende Energie der Aufklärer fällt allerdings seltsam schal aus.

So muss ich trotz der vielen hochlobenden Kritiken, die zu BlacKkKlansman zu lesen waren, eher enttäuscht feststellen, dass Spike Lee seiner sarkastischen Demaskierung eines so kruden wie zerstörerischen Weltbilds selbst nicht ganz vertraut und dort politische Tagungsreden schwingt, wo cleveres Understatement mit ordentlichem Nachhall für sich allein Bände gesprochen hätte.

BlacKkKlansman

The Equalizer 2

EIN STURM ZIEHT AUF

6/10

 

Equalizer 2© 2018 Sony Pictures Entertainment GmbH

 

LAND: USA 2018

REGIE: ANTOINE FUQUA

CAST: DENZEL WASHINGTON, PEDRO PASCAL, BILL PULLMAN, MELISSA LEO U. A.

 

Er kocht, sinniert, liest Marcel Proust und hilft jugendlichen Sozialfällen auf den richtigen Weg. Fährt als diskreter Chauffeur betagte jüdische Immigranten durch die Gegend und auch sonst alle möglichen Leute, die mit sich selbst zu hadern haben. Er redet nicht viel, und wenn, dann muss es etwas Bedeutsames sein. Alles andere sind Gedanken, und Gedanken sieht man nicht, genauso wenig wie den eigenbrötlerischen Mann im dunklen Hemd und Mütze, der gar nicht auffallen will. Denn wenn er auffällt, ist es für die, die ihn zu spät bemerken, das letzte, was sie sehen.

Denzel Washington schlüpft zum zweiten Mal in die Rolle des Ex-Eliteagenten Robert McCall, der es sich besser als Jason Bourne gerichtet hat, indem er gestorben und so aus dem Sucher potenzieller Gegner verschwunden ist. Nur die wenigsten wissen von seiner zweiten Existenz. Die ist aber ein unbefriedigendes Vakuum zwischen Trauer, innerer Einkehr und dem Drang, das ungerechte Böse zu bekämpfen, egal wo es aufschlägt. Robert McCall, der Equalizer, ist brutal, scheinbar unbarmherzig und macht keine Gefangenen. Die blutigen Spuren, die er hinterlässt, sind die eines Todesengels. So wäre womöglich Death Wish der bessere Titel für Antoine Fuqua´s Kino-Adaption der gleichnamigen TV-Serie gewesen. An dem schon längst bewährten Duo Washington/Fuqua hätte sich Eli Roth für seine Neuauflage des Mannes, der rot sieht, einiges abschauen können. Hat er aber nicht – entsprechend misslungen ist sein Film geworden. Das lag mitunter am lustlosen Spiel von Bruce Willis, aber auch an der unschlüssigen Psychologie seiner Filmfigur. Da braucht es eben Leute wie Denzel Washington und eine astreine Zeichnung der Figur, die da meucheln und morden soll, alles für einen gute Sache wohlgemerkt, und für mehr Gerechtigkeit und Frieden in der Welt.

Der zweifache Oscar-Preisträger legt auch in dieses reißerische Thriller-Outfit seiner Figur alles hinein, was er schauspieltechnisch draufhat. Sein Aufenthalt unter den Top 10 meiner bevorzugtesten Schauspieler hat sich nach The Equalizer 2 wieder einmal positiv bestätigt. Washington spielt und changiert seinen Charakter gefährlich unaufgeregt bis an die Grenzen aufrechter Selbstgefälligkeit, das aber so überzeugend, dass ich diesem Robert McCall niemals auch nur im Traum widersprechen würde. Der ritterliche Assassine hat Charisma, ist von einnehmender, gar niederdrückender Dominanz. Eine erhabene Ikone, intellektuell und von einer gnadenlos konsequenten Läuterungsphilosophie belehrt. Wie ein Inquisitor gegen das Verbrechen bleibt die Folter allerdings außen vor, um sofort mit der Hinrichtung zu beginnen. Das mag natürlich einem Rechtsstaat widersprechen, das mag auch das Spektrum überlegter Konfliktlösungsalternativen ziemlich einschränken – die Gewalt selbst aber, die relativ drastisch über das Publikum hereinbricht, verbleibt als Notlösung gegenüber einer dunklen Seite, die den Dialog als Alternative ausschließen wird.

The Equalizer 2 ist ein herbstkalter, brutaler Thriller geworden – regennass, stürmisch und düster. Rauhkehlig wie beim Abgang eines Hochprozentigen, wolkenverhangen und lakonisch wie ein zynischer Independentwestern. Inspiriert von diesem Genre konzentriert sich Regisseur Antoine Fuqua auf das Offensichtliche, ohne das Warum und Wieso seiner Geschichte näher zu erläutern. Es reicht, wenn in Europa Killer ihr Unwesen treiben. Und ehrlich gesagt, wer braucht schon das Konstrukt einer austauschbaren Backgroundstory, angesichts der Tatsache, dass es niemanden wirklich interessiert, geht es doch hier nur um das Lindern sichtbarer Symptome, gemäß einer Aspirintablette an Kopfwehtagen, vor allem wenn ein Sturm aufzieht, da muss so manche Wetterfühligkeit gar nicht erst ausgiebig ergründet werden.

Diesen ausgewachsenen Sturm, und zwar ein wie es scheint tatsächliches Unwetter, nutzt Fuqua geschickt für sein Grande Finale. Zwischen wildgewordenen Wogen und klappernden Lattenzäunen irgendwo im verdammten Nirgendwo nahe Boston geht’s ans blutige Eingemachte. Da erinnert Washington´s Figur an Jean Reno in Leon – der Profi. Wie ein xenomorphes Monster, das nirgendwo und überall zugleich ist. Die beste Szene in einem Film, der sich anfangs etwas schwertut, seine Ansprüche umzusetzen, trotz eines stetig herannahenden Unwetters als schwelende Kulisse des Unbehagens. Das Ganze gerät etwas zu lang, zu zerstückelt der Alltag des rechtschaffenen Killers, zu halbherzig und entbehrlich die Episoden sozialen Bemühens. Auch ist die Figur des Robert McCall zu unerschütterlich, zu unantastbar, und dadurch vielleicht auch auf die Dauer zu langweilig. Zweifel in seinem Tun, die Schwermut in seiner Existenz hätte durchaus mehr Dämonen in seinem Leben vertragen, die den Equalizer vielleicht etwas angreifbarer und lebendiger gemacht hätten, so wie Joaquin Phoenix im vollendeten Thrillerkunstwerk A Beautiful Day. Im Vergleich dazu bleibt The Equalizer 2 zwar knochenhartes und spannendes, aber plakatives Rachekino, dass seinem Hauptdarsteller zu Füßen liegt.

The Equalizer 2

A Beautiful Day

KATHARSIS EINES SCHATTENKRIEGERS

8,5/10

 

beautifulday© 2017 Constantin Film Verleih GmbH

 

ORIGINALTITEL: YOU WERE NEVER REALLY HERE

LAND: USA, GROSSBRITANNIEN, FRANKREICH 2018

REGIE: LYNNE RAMSAY

MIT JOAQUIN PHOENIX, EKATERINA SAMSONOV, JUDITH ROBERTS U. A.

 

Auf den Plakaten, die Lynne Ramsays Film beworben haben, war die an alle Cineasten gerichtete, verkaufsfördernde Zeile „Der Taxi Driver des 21. Jahrhunderts“ zu lesen. An diesem genrespezifischen Richtungsweis ist was Wahres dran. Doch in welchem Ausmaß? Dazu muss ich mir die Figur des Travis Bickle hernehmen, seines Zeichens eine Kultfigur und Wegbereiter des urbanen Irokesenschnitts, famos dargeboten von dem damals unverwüstlichen und mittlerweile ziemlich verwüsteten Robert De Niro. Der Taxifahrer aus New York City ist ein Einzelgänger, ein introvertierter Beobachter, der bei seinen Nachtfahrten allerhand mitbekommt, was sich in den Niederungen der Gosse so alles abspielt. Als ihm angesichts der minderjährigen Prostituierten Iris, dargestellt von Jodie Foster, die Schlechtigkeit des Menschen die Grenzen des für ihn Belastbaren sprengt, greift er zu drastischen Mitteln – er wird zu einem bewaffneten Anti-Helden, der dort aufräumt, wo es im Argen liegt. Er wird zum Befreier.

Ein Befreier ist auch Joe. Auch er befreit minderjährige Mädchen aus den Fängen perverser Kinderschänder. Allerdings steckt bei Joe ein System dahinter. Er ist buchbar, über mehrere Ecken, sodass er gänzlich anonym agiert. Immer wieder rückt er aus, nach wohlüberlebtem Schlachtplan. Nichts bleibt dem Zufall überlassen. Joe taucht auf wie ein Schatten, schlägt mit dem Hammer Schädel ein und befreit seine Opfer, deren Identität per Foto gesichert ist. So schnell wie er gekommen ist, so schnell ist er wieder verschwunden. Hochprofessionell, scheinbar emotionslos. Bickle´s Befreiungsschlag hingegen könnte der Anfang einer solchen Ära der idealisierten Gerechtigkeit sein, wir wissen es nicht. Der Antrieb, der hinter dem Taxi Driver steht, ist jedenfalls nicht der, den Joe für sein Tun und Handeln voraussetzt. Genau hier beginnt A Beautiful Day, in eine ganz andere Richtung zu gehen und die Dimension eines gesellschaftskritischen Selbstjustiz-Thrillers weit über Genre-Grenzen hinweg in die Luft zu sprengen. Der Film, für welchen Joaquin Phoenix für sein intensives Spiel die Goldene Palme gewonnen hat, betitelt sich im Original sowieso ganz anders: You were never really here. Zugegeben, mit A Beautiful Day als sarkastischen Überbau kann ich natürlich mehr anfangen als mit dem Original – obwohl Du warst niemals wirklich hier auf subtil-provozierende Art eine gewisse Neugier weckt. Wer genau war niemals wirklich hier? Und sagt das Joe? Oder das Mädchen Nina, das es zu retten gilt?

Der Originaltitel ist nicht der einzige Aspekt, der mit dazu beiträgt, aus den Elementen einer anfangs simpel erscheinenden Kriminalgeschichte eine kryptische Filmerfahrung zu entfesseln. A Beautiful Day ist tatsächlich ein besonderes Werk, das lange nachwirkt und erst zur vollen Entfaltung gelangt, nachdem sich die Eindrücke, die man aus dem Kino mitnimmt, so richtig gesetzt haben. Diese Wirkung, die erzielt Lynne Ramsey vor allem damit, den asketischen Schwermut ihrer wuchtigen Poesie mit einer ganz eigenen Interpretation von Gewalt zu verbinden. Dieses Zusammenspiel erinnert an das japanische Killer-Kino eines Takeshi Kitano oder Park Chan-Wook´s Oldboy. Ramsey zeigt aber nicht die Gewalteruption an sich, lässt diese nie zum Selbstzweck verkommen, sondern blickt sogar demonstrativ weg und filmt das statische Brachland der Zerstörung danach. So, als wäre man nicht wirklich dabei, aber irgendwie schon. Ganz so wie Joe selbst, der andere befreit, um sich selbst zu befreien. Wir sehen in verstörenden Intermezzi, was das Trauma des einsamen Schattenkriegers ausmacht – wie Splitter eines zerbrochenen Spiegels geistern Bildfetzen aus der Kindheit durch dessen Alltag. Aber nicht nur diese – auch Krieg und Menschenschmuggel spielen eine Rolle. Joe ist eine gequälte Seele, psychisch kaputt, den Gedanken an Selbstmord stets im Kopf. Kein Leben wie dieses, oder nur dann, wenn sich Joe immer und immer wieder selbst befreit, das Grauen durchspielt. Eine Art extreme Therapie, die nur Momente lang für Linderung sorgt. Dazu sorgenfreie Rhythmen, die in ihrem Zynismus den Abgrund, in dem sich die Figuren befinden, konterkarieren.

A Beautiful Day ist mindestens genauso brillant wie Abel Ferrara´s Bad Lieutenant, und lässt sich in der Katharsis seiner zentralen Figur mit Harvey Keitels Tour de Force durchaus vergleichen. Beeindruckend, wie Ramsey – gekonnt liebäugelnd mit den unorthodoxen Erzählstilen Asiens – aus der literarischen Vorlage von Jonathan Ames ein pulsierendes, virtuos zusammengesetztes Labyrinth aus Erlösung, Verfolgung und Vergebung errichtet, aus dem das Mädchen Nina wie Theseus´ roter Faden vielleicht zu einem Ausgang führt, vorbei an den Monstern der Vergangenheit und der Gegenwart – als Symbol von Joes eigenem zerstörten Ich, das im Zwiegespräch nur mehr sich selbst retten kann.

A Beautiful Day

Das Gesetz der Familie

TUN, WAS PAPA SAGT

4/10

 

gesetzderfamilie© 2017 Koch Media

 

LAND: GROSSBRITANNIEN 2016

REGIE: ADAM SMITH

MIT MICHAEL FASSBENDER, BRENDAN GLEESON, RORY KINNEAR, KILLIAN SCOTT U. A.

 

Die Redewendung „Im Kreise der Familie“ bekommt im vorliegenden britischen Bandenthriller eine gänzlich unbequeme Bedeutung. Wenn Michael Fassbinder als Stammhalter morgens erwacht und ins Freie tritt, blickt er auf eine Ansammlung kreisförmig geparkter Wohnwägen, deren Insassen irgendwo in der Grafschaft Gloucestershire mehr illegal als legal und ziemlich versteckt kampieren, um den Steuern zu entgehen und Pläne für den nächsten Coup zu schmieden. Denn Michael Fassbender ist Verbrecher. Von Berufs wegen Einbrecher und Dieb, Fluchtwagenfahrer und gleichzeitig aber auch Vater von zwei Kindern. Dass er ihnen das antut, ist keine Frage des Wollens. Sondern eine Frage der Hörigkeit – dem alles überragenden Patriarchen gegenüber. Eine Pflichtschuldigkeit, die niemand in Frage stellt. Wie denn auch? Bei Infragestellen familiärer Pflichten ist Gewalt nicht selten die Antwort.

Das klingt ja nach einem wuchtigen Thrillerdrama – so dachte ich mir, nach Sichtung der Synopsis und der Gewissheit, dass ein Cast wie Fassbender und der großartige Brendan Gleeson eine Sternstunde des Retail-Kinos gewähren. Zugegeben, da habe ich so ziemlich aufs falsche Pferd gesetzt. Das Gesetz der Familie hat zwar Potenzial für etwas ganz Großes im Stile von Sydney Lumet´s Tödliche Entscheidung, nutzt es aber so gut wie gar nicht. Gleeson als glattrasierter Soziopath und Apostel einer radikalen, wissenschaftsfeindlichen Weltanschauung donnert durch sein heruntergekommenes Refugium, wohlwissend, welchen Einfluss er auf alles hat und wem er wann die Hölle heiß machen kann. Wie ein verblendeter Narr, der König sein will. Und zu wissen glaubt, dass die Erde eine Scheibe ist. Die Rolle des Iren wäre ja schon polternd genug, ausreichend Angriffsfläche für den unbeugsamen Sohn, der nicht mehr will und nicht mehr kann. Aber der schweigt, aus Angst vor einem eigentlich lächerlichen Über-Ich.

Der Befreiungsschlag in ein besseres Leben atmet nur mit halber Luft. Konfrontationen verlaufen im Sand des mobilen Dorfes der Unbeugsamen, es fehlt der Wille zur Zuspitzung, das Volumen für dramaturgische Dichte. Der Film wirkt vor allem mit Gleeson zwar gut besetzt, sonst aber drehbuchtechnisch hingehudelt, ohne in reifer Überlegung den Konflikt zu einem konsequenten Ende zu bringen. Das Ende, das kommt dann willkürlich, ist noch nicht fertig, wie der ganze Thriller. Wirkt schaumgebremst und schüchtern angesichts der Möglichkeiten, die da genutzt hätten werden können. Als A-Sozialportrait über einen ausgerufenen Mikro-Verbrecherstaat ist Das Gesetz der Familie zu wenig ausführlich, als Familiendrama zu kompromissbereit, um wirklich anzuecken oder zu faszinieren.

Das Gesetz der Familie

Rendel

PECHMARIE IM RACHEWAHN

6/10

 

rendel© 2017 Splendid Film

 

LAND: FINNLAND 2017

REGIE: JESSE HAAJA

MIT KRISTOFER GUMMERUS, RAMI RUSINEN, MATTI ONNISMAA U. A.

 

Das wohl exzentrischste Land Europas hat schon ein bisschen die Nase voll. Als verhaltensauffälliges Filmland ist Finnland der Experte für lakonische Tragikomik zwischen schwärzestem Humor und pragmatischem Improvisationstalent, was Leben abseits des Gängigen betrifft. Damit hat aber Finnland längst nicht mehr genug. Kaurismäki allein kann es doch nicht gewesen sein. Also probiert Finnland trashiges Actionkino wie Big Game mit US-Export Samuel L. Jackson oder bizarre Fantasy wie Rare Exports. Der verstohlene Blick aufs benachbarte Filmangebot erspäht eine klaffende Lücke. Überall poppt das Superheldenkino aus den Budgettöpfen, selbst Russland schwimmt im Fahrwasser von Marvel und Co, ist allerdings relativ kleinlaut mit Guardians als deklarierter Nichtschwimmer untergegangen. Was dieser Westen also kann, denkt sich Finnland, wollen wir auch können. Das haben wir noch nicht. Und was nicht ist, kann noch werden. Die Sondierung passender Vorbilder hat wahrscheinlich nicht allzu viel Zeit in Anspruch genommen, ein für den hohen Norden passender düsterer Held wie The Punisher oder Spawn war bald gefunden. Batman lässt Finnland mal außen vor, allerdings wäre ein Elk-Man auch nicht schlecht, nur den hat schon IKEA.

Also taucht im Film der geknechtete Familienvater, der sich so eigentlich gar nicht mehr nennen darf, da er alles verliert, was ihm jemals wichtig war, nämlich die Familie, seine Finger tief ins Pech, um sich selbst zu entstellen. Da muss Mann schon ziemlich pfeif drauf sein und wie schon erwähnt nichts mehr zu verlieren haben. Diese hoch adhäsive Substanz, mit welcher sich Rendel irreversiblen Schaden zufügt, ist zäh und aggressiv. dringt in die Haut und ist nicht wieder ablösbar. Formschön zuggeschnitzt, macht die neue Rächer-Visage aber so einiges her. In Lederjacke und alptraumhafter Larve zieht der gebrochene Finsterling in den Krieg, eine traurige Gestalt, wie zurückgekehrt aus der Hölle. Was dann folgt, ist Rache. Die wird frei nach klingonischem Sprichwort am besten kalt serviert. So kalt wie die finnische Polarnacht.

Dem Comiczeichner Jesse Haaja ist ein Traum in Erfüllung gegangen, den so einige Kreative ebenfalls gerne verwirklicht sehen würden. Haaja hat seine eigene Kreation in Szene gesetzt, ebenfalls auch das Drehbuch geschrieben und inszeniert obendrein. Alles aus einer Hand. Saubere Arbeit, kann ich nur sagen. Sehr blutig, sehr brutal, allerdings aber auch sehr abgeguckt. Eigene Ideen im Plot finden sich nur wenige, vieles kennt man schon von den einsamen Racheengeln aus Übersee. Der Vater-Sohn-Konflikt bei den Schurken hat wieder so eine typisch skandinavische Handschrift, da übergibt sich die Tristesse und hat keine Chance mehr auf Genesung.

Rendel – was aus dem Ungarischen kommt und so viel heißt wie „Bestellung“ (fragt mich nicht, das ist sowas von skurril, erklärt sich aber während der Handlung…) ist fast schon vergessenes Anti-Superheldenkino vom Rande, vom Kinoverleih scheinbar verlacht und verstoßen. Nirgendwo anders würde sich Rendel wohler fühlen. Natürlich vorhersehbar, erstaunlich unzynisch, aber durchaus stylish, edel fotografiert und von konstanter Stimmung. Finnland kann´s zumindest besser als der russische Nachbar, dafür gibt’s von meiner Seite grünes Polarlicht.

Rendel

Detroit

DIE BLAULICHT-INQUISITION

8/10

 

detroit© 2017 Constantin Film

 

LAND: USA 2017

REGIE: KATHRYN BIGELOW

MIT WILL POULTER, JOHN BOYEGA, ANTHONY MACKIE, JOHN MITCHELL, JACK REYNOR U. A.

 

Rauchende Trümmer, brennende Autos, geplünderte Läden. In den Straßen Schusswechsel, marodierende Zivilisten. Klirrendes Glas, Schreie. Und Panzer, die alles niederwalzen. Obenauf das Militär mit schussbereiten MPs im Anschlag, Das klingt jetzt sehr nach Syrien. Oder Kabul. Alltagsszenen aus irgendeiner ausgebombten Stadt im nahen Osten oder am Fuße des Hindukusch. In Wahrheit aber sind es Szenen, die im zivilisierten Westen stattgefunden haben. Und zwar in Detroit, im Sommer des Jahres 1967. Schwarze Minderheiten gegen die Exekutive, ausgelöst durch eine Razzia. Die Unruhen sind als 12th Street riot in die Stadtgeschichte eingegangen. Mit pöbelnden Augenzeugen, die die Verhaftungen verfolgt und Machtwillkür ausgemacht haben wollen, nimmt der Wahnsinn seinen Anfang. Wie ein Virus greifen die empörten Stimmen einzelner auf ein ganzes Stadtviertel über. Anarchie hat nun das Sagen. Zustände der Gesetzlosigkeit, Krieg im Kleinen. Gewaltbereite Demonstrationen, ausgefochten mit schwerem Kaliber. Zwischen all dem Chaos eine Soul-Band, die ihrem ersten großen Auftritt entgegenfiebert. Ein Wachtmeister in einem Supermarkt. Ein Polizist, der schneller schießt als sein Schatten. Zwei weiße Mädchen, die gerne mit Farbigen herumhängen. Und alles bis auf den Polizisten trifft sich im Algiers Motel. Aus dem provokanten Spiel mit einer Schreckschusspistole wird sehr schnell ernst. Was folgt, ist eine erschütternde True Story, eine Chronik zermürbender Ereignisse, die als Algiers Motel Incident bekannt ist – eine als Amtshandlung getarnte Geiselnahme, die wie ein Fegefeuer um sich greifen wird.

Kathryn Bigelow, Expertin für knallharte Filmstoffe und ausgewachsenes Politkino an den Fronten, hat einen derart intensiven Thriller gedreht, als wäre der Teufel hinter ihr her, in Gestalt vandalisierender Gangs oder sadistischer Machtapparate. Bigelow ist mittendrin, im Schmelzpunkt dieser Katastrophe und zieht all jene Zuschauer mit hinein in diesen Malstrom aus Hass, Angst und Ohnmacht, denen schon nach den ersten zwanzig Minuten urbanen Kriegskinos irgendwie anders wird. Aufgefächert in mehreren zeitgleichen Epilogen, geraten all die Einzelschicksale im Algiers Motel in den Würgegriff einer rassistischen, bis zur Weißglut gereizten Polizei. Das Kernstück der brillant nachgestellten und dokumentierten Unruhen ist ein atemlos spannendes Kammerspiel mit Schauspielern, die alles geben. Einer Kamera, die den Schmerz in den Gesichtern der Gepeinigten und den Schweiß auf den Stirnen manischer Polizisten einfängt. Und einer Regie, die ihrer Filmcrew keine Verschnaufpause schenkt. Kann sein, dass Bigelow alles in einem durch gedreht hat – wie im deutschen Film Noir-Drama Victoria, dessen Regie sogar auf Filmschnitte verzichtet hat. Detroit hat die natürlich schon, das wäre dramaturgisch wohl schwierig gewesen, switcht der Schauplatz im Motel stets von einem Zimmer ins andere. Doch nur so, im Verzicht auf Pausen zwischen den Drehs, kann die stetige Eskalation der Ereignisse in seiner Intensität auch empfunden werden. Fast nicht zu glauben, dass das ganze Drama mit einem Knalleffekt begonnen hat. Einer tönenden Pistolensalve, die keine war. Die aber eine Aggression und einen Hass entfacht, der einer zerstörerischen Eigendynamik vorangeht und ein wundes, blutendes Mit- und Gegeneinander freilegt, dass die Vernunft des Menschen um Jahrhunderte zurückwirft.

Will Poulter, bislang eher aus Nebenrollen bekannt, spielt nicht nur das eher kleinlaute Sicherheitsorgan John Boyega an die Wand – alle anderen auch. Der egomanische Großstadtcowboy wird zum gnadenlosen Home Invasion-Inquisitor und presst in zynischer Großkotzigkeit das letzte bisschen Selbstachtung aus seinen Verdächtigen heraus. Der junge Mann hat dafür nicht mal eine Oscarnominierung kassiert (genauso wenig wie der Film selbst, dessen Regie und die virtuose Kamera), zählt aber für mich zu den besten ungeliebten Charaktere der letzten Zeit. Vor allem, weil er in seiner ganzen erschreckenden Figur dessen Handeln nachvollziehbar werden lässt. Ihn nicht verteufelt, sondern mitunter Opfer einer völlig aus dem Ruder laufenden Hetze werden lässt. Und hat man das packende Drama des perfiden Verhörs mal verdaut, oder ist gerade dabei, dessen grimmige Faszination zu verarbeiten, findet sich der Film vor Gericht wieder. Wie der Richterspruch lautet, und wer hier wen freigesprochen oder verurteilt hat, lässt sich zwar leicht nachlesen –wird aber hier natürlich nicht verraten.

Das Bild, das sich der Zuschauer von diesen schicksalhaften Ereignissen machen kann, ist verpackt in einem meisterlichen Gefecht zwischen Masse und Macht, Befreiung und Unterdrückung, Willkür und Panik. Kathryn Bigelow hat ihr bestes Werk abgeliefert – danken darf sie ihrem Ensemble, den genauen Recherchen, die dem Drama zugrunde liegen – und natürlich ihrem Talent, Newsbreak-Schlagzeilen in aussagekräftiges Reality-Kino aus Worten, Taten und hitzigen Bildern zu verwandeln.

Detroit